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Freitag, 3. Januar 2020

Rezension: Die Zeuginnen von Margaret Atwood


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Die Zeugninnen
Autorin: Margaret Atwood
Übersetzerin: Monika Baark
Hardcover: 576 Seiten
Erschienen am 10. September 2019
Verlag: Berlin Verlag

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Agnes ist in Gilead aufgewachsen und weiß, dass Tabitha nicht ihre leibliche Mutter ist. Was sie jedoch nicht weiß ist, was aus dieser geworden ist. Als Tochter eines Kommandanten besucht sie eine Schule der Tanten, wo sie Dinge lernt, die man als zukünftige Ehefrau beherrschen sollte. Dazu gehört sticken und beten, aber nicht lesen und schreiben. Daisy hingegen kann sich kaum vorstellen, ein solch beengendes Leben in einem totalitären Staat zu führen. Sie lebt in Kanada, wo ihre Eltern einen Secondhand-Shop betreiben. Doch durch ein dramatisches Ereignis ändert sich ihr Leben von einen Tag auf den anderen, und sie muss entscheiden, ob sie sich auf eine wichtige Mission begeben will. In Gilead zieht unterdessen Tante Lydia, eine der vier Gründerinnen der Tanten, die Fäden in einem komplexen und gefährlichen politischen Spiel.

Nachdem mich „Der Report der Magd“ erst vor kurzem begeistert hat, war „Die Zeuginnen“ für mich ein Must Read, da ich unbedingt mehr über Gilead erfahren wollte. Diesmal wechseln sich drei Perspektiven beim Erzählen ab: Eine Tante, eine Tochter auf dem Weg zur Ehefrau und ein Teenager aus Kanada, dem Land, in das immer wieder Frauen aus Gilead flüchten.

Während man beim Report der Magd zunächst nichts über Gilead wusste, nicht einmal den Namen des Staates, und diese Informationen nur stückweise erhielt, schafft diese Geschichte dem Leser einen einfacheren Zugang. Man erfährt früh die wichtigsten Dinge über die Personen und begleitet sie in ihrem Alltag. Wer den Vorgänger gelesen hat, kann mit diesen Informationen an Bekanntes anknüpfen, das Buch ist aber auch ohne Vorkenntnisse lesbar.

Ich fand es spannend, aus neuen Perspektiven auf die Vorgänge in Gilead zu schauen. Wie auch die Magd erzählt Tante Lydia einiges über die Anfänge des Staates und ihr Leben davor, was ich interessant fand. Agnes und Daisy hingegen können sich nicht an eine Welt ohne Gilead erinnern und nehmen viele Dinge als selbstverständlich hin. Während Tante Lydia und Agnes aus dem Altag von Gilead berichten, kommt im Handlungsstrang von Daisy bald Spannung auf und ich bangte mit, ob ihre Mission erfolgreich sein wird. Auch in den anderen Handlungssträngen wird die Situation zunehmend brenzlig, und schließlich läuft alles auf einen entscheidenen Moment hinaus.

„Die Zeuginnen“ liefert rund fünfunddreißig Jahre nach „Der Report der Magd“ viele Antworten auf Fragen, die man sich bei der Lektüre gestellt hat. Das Buch gibt Informationen sehr viel expliziter preis als sein Vorgänger und fühlte sich dadurch beim Lesen mainstreamiger an. Die drei Perspektiven beleuchten die Situation aus unterschiedlichen Blickwinkeln und die Handlung konnte mich zunehmend packen. Weil mir die Grundidee bekannt war hat mich dieser Band nicht ganz so mitreißen können wie sein Vorgänger. Dennoch finde ich die Fortsetzung sehr gelungen und spreche eine klare Leseempfehlung aus!