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Montag, 22. Februar 2021

Rezension: Jugend von Tove Ditlevsen

 


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Jugend
Autorin: Tove Ditlevsen
Übersetzerin: Ursel Allenstein
Hardcover: 154 Seiten
Erschienen am 15. Februar 2021
Verlag: Aufbau Verlag

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„Jugend“ von Tove Ditlevsen ist der zweite Teil ihrer Kopenhagen-Trilogie. Nachdem die Autorin mich in „Kindheit“ mit ihrer Art und Weise des Erzählens fesseln konnte, war ich gespannt, mehr über ihre Zeit als Jugendliche zu erfahren. Der zweite Teil beginnt nach Toves Schulabschluss mit der Aufnahme ihrer ersten Arbeitsstelle und endet 1939 kurz nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mit einem wichtigen Ereignis für Toves zukünftige schriftstellerische Karriere.

Mit Toves Eintritt ins Arbeitsleben beginnt für sie eine neue, schwierige Zeit. Die erste Anstellung verliert sie schon nach wenigen Stunden, doch die nächste Stelle ist nicht viel besser. Tove muss hauptsächlich putzen, eine Arbeit, die sie anstrengend und langweilig findet. Wenn sie schon nicht das Gymnasium besuchen darf, dann will sie doch wenigstens in einem Büro arbeiten. Ihre entsprechenden Bewerbungen bleiben jedoch ohne Erfolg. Der Ton ist härter in dieser Zeit, sie schreibt keine Gedichte und auch für philosophische Überlegungen, die den vorherigen Band prägten, fehlt Tove der Sinn.

Nach einer Weile wird der Ton wieder lebhafter, denn Tove tritt eine neue Arbeitsstelle in einem Büro an. Dort muss sie zwar die anspruchslosesten Aufgaben übernehmen, darf dafür aber an der Schreibmaschine üben. Außerdem findet sie eine neue Freundin, mit der sie bis zehn Uhr ausbleiben und tanzen gehen darf. Die Begegnung mit einem Mann, der in den Krieg ziehen wird, inspiriert sie zu einem Gedicht von neuer Qualität und Reife.

Die Autorin vermittelt über ihre Art des Erzählens auf gelungene Weise die jeweilige Stimmung. Dieser Band ist schlichter und weniger träumerisch als sein Vorgänger, der mir insgesamt noch etwas besser gefallen hat. Tove schwankt zwischen Hoffnung und Sorge. Auf der einen Seite wachsen ihre Freiheiten und sie arbeitet daran, endlich ein Gedicht zu veröffentlichen. Auf der anderen Seite verliert sie immer wieder ihre Arbeitsstelle und ein neuer Weltkrieg droht. Das Leben im Kopenhagen der 1930er Jahre mit seinen Licht- und Schattenseiten wurde durch Tove Ditlevsens Schilderungen lebendig und bin nun sehr gespannt auf „Abhängigkeit“, den letzten Band der Trilogie.