Übersetzerin: Astrid Finke
Samstag, 18. Juli 2020
Rezension: Wenn du zurückkehrst von Nicholas Sparks
Übersetzerin: Astrid Finke
Donnerstag, 16. Juli 2020
Rezension: Ein neuer Himmel von Margit Steinborn
Die Geschichte „Ein neuer Himmel“ von Margit Steinborn nahm
mich mit in die Vergangenheit. Es ist der erste Roman der Autorin. Er spielt in
den Jahren 1933 bis 1952. Ich begegnete der Protagonistin Hannah zu Beginn des
Romans mit ihrer dreijährigen Tochter Melina an der Hand, während sie auf dem
Weg von Berlin zu dem kleinen fiktive Dorf Erlenthal in der Nähe von Würzburg
ist. Die beiden sind sich innig zugetan, auf die gleiche Weise wie das
Coverbild Mutter und Tochter im Umgang miteinander zeigt.
Es ist April 1939 als Hannah vor den sich mehrenden Judenverfolgungen
in Berlin aufs Land flüchtet. Sie hat als Lehrerin für Deutsch und Musik
gearbeitet, aber zuletzt ihre Anstellung verloren. Angehörige hat sie keine
mehr und ist alleinerziehend. Auf dem Sandnerhof in Erlenthal, findet sie eine
freundliche Familie, die ihr Kost und Logis gegen entsprechende Mithilfe
bietet. Lässt sich ihre jüdische Herkunft weitestgehend im Umfeld verbergen, so
treten doch die Gräueltaten, die die Regierung an den Juden in Deutschland verübt,
immer mehr an die Öffentlichkeit. Hannahs Angst vor einer Deportation wird ständig
größer. Unterdessen macht Peter Hagen, der Vater von Melina, der nicht von der
Existenz seiner Tochter weiß, Karriere im Reichsministerium. Seine Liebe zu Hannah
ist ungebrochen und seine Kenntnis vom Holocaust bringt sein Gewissen in
Zwiespalt.
Margit Steinborn bleibt nah an ihren Figuren. Zwar
fokussiert sie auf Hannah und Peter in ihren Beschreibungen, doch insgesamt
bindet sie deren Geschichte in die historischen Ereignisse der damaligen Zeit
ein, in die beide auf ihre Weise involviert sind. Anhand der beiden Figuren
zeigt sie deutlich unterschiedliche Seiten eines Lebens während der Zeit des
Nationalsozialmus. Hannah steht exemplarisch für alle Menschen, die sich, mit
Ausnahme ihres Glaubens, nicht von ihren Mitbürgern unterschieden, über die
aber unsägliches Leid aufgrund gesellschaftspolitischer Entscheidungen gekommen
ist. Demgegenüber steigt Peter durch die Möglichkeiten, die sich ihm aufgrund
der Linientreue zum Regime bieten, beständig auf der Karriereleiter nach oben.
Die idyllische Landschaft, in die der Sandnerhof gebettet
ist und das harmonische Bild der Familie, in die Hannah und Melina aufgenommen
werden, sowie deren Hilfe und Verständnis, lassen den Gegensatz zu den
unruhigen Zeiten besonders stark hervortreten. Die Autorin zeichnet ihre
Figuren liebevoll und ihre Handlungen sind nachvollziehbar begründet. Vor allem
Hannah ist ein Sympathieträger, auch wenn ihr Verhalten nicht immer rational ist,
so kämpft sie doch immer für das Wohl ihrer Tochter, das für sie im Vordergrund
steht.
Die Geschichte des Zweiten Weltkrieg ist hinlänglich bekannt
und dennoch sind die Schilderungen der Verbrechen in Zusammenhang mit der
Judenverfolgung, auch wenn sie wie im vorliegenden Fall fiktiv sind, bedrückend
und bewegend. Mit ihrem Roman „Ein neuer Himmel“ schaffte Margit Steinborn es,
mich mit ihrer Erzählung zu berühren und für die Figuren auf ein gutes Ende zu
hoffen. Gerne empfehle ich das Buch weiter.
Dienstag, 7. Juli 2020
Rezension: Time to Love - Tausche altes Leben gegen neue Liebe von Beth O'Leary
Der Roman „Time to Love – Tausche altes Leben gegen neue
Liebe“ der Engländerin Beth O’Leary basiert auf der Idee, dass eine auf dem
Land lebende Großmutter mit ihrer Enkelin, die in London wohnt, für einige
Wochen die Unterkunft tauscht. Damit verbunden ist auch die Übernahme der
Aufgaben, die beide in ihrem Umfeld alltäglich erledigen.
Leena, eine Kurzform von Eileen, ist 29 Jahre alt und
arbeitet als Senior Consultant in London. Seit dem Tod ihrer Schwester hat sie
sich in ihre Arbeit vergraben. Dem Stress ist sie nicht gewachsen, ihre
Erschöpfung tritt zutage, woraufhin ihr eine zweimonatige Auszeit
vorgeschrieben wird. Ihre Großmutter Eileen sitzt derweil in einem kleinen Dorf
mit nicht einmal zweihundert Einwohner und sehnt sich nach einem neuen
Lebenspartner. Leena kommt auf die Idee, mit ihrer 79 Jahre alten Oma die
Wohnungen zu tauschen, wodurch sie sich auf dem Land erholen kann, während
Eileen in London mehr Möglichkeiten hat, einen Mann zu daten.
Beth O’Leary schaffte es in ihrem Roman, eine ganz besondere
Erwartung bei mir zu schüren. Es ist ein ungewöhnlicher Tausch, den Leena und
Eileen vornehmen und ich war gespannt, ob beide die vorgesehenen Wochen in
ihrer neuen Rolle absolvieren werden. Der Beginn ist ungewohnt, doch mit viel
Idealismus finden sie sich zurecht und entwickeln darüber hinaus neue Ideen,
die sie nicht zögern mit viel Engagement in die Tat umzusetzen. Hilfe erhält
Eileen dabei von Nachbarn und Freunden ihrer Oma, die für manche Ablenkung
dankbar sind. Aber auch in London zeigt sich, dass Eileen durch ihre charmante
Art bei den Mitbewohnern und Eileens Freunden einiges bewirken kann. Das ist
herzerfrischend. Beide wachsen an ihren neuen Erfahrungen.
Immer wieder blitzt aber auch die Traurigkeit über den Tod ihrer
Schwester bei Eileen durch, der auch zu Missverständnissen in der Familie
geführt hat durch unterschiedliche Ansichten über ein würdiges Sterben. Die
Autorin zeigt, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, zu trauern. Und
natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz, und zwar sowohl bei Leena wie
auch bei Eileen mit damit verbundenen Irrungen und Wirrungen. Die Charaktere
sind eigenwillig, manchmal kauzig, manchmal forsch und immer wieder
überraschend.
Insgesamt ist „Time to Love“ von Beth O’Leary eine abwechslungsreiche,
durchgehend unterhaltsame Geschichte mit vielen amüsanten Szenen in die immer
wieder einige tiefsinnigere eingestreut sind. Gerne vergebe ich hierfür eine
Leseempfehlung.
Montag, 29. Juni 2020
Rezension: City of Girls von Elizabeth Gilbert
Die Geschichte in ihrem Roman „City of Girls“ lässt die
US-Amerikanerin Elizabeth Gilbert von der 79-jährigen Protagonistin Vivian Morris
erzählen. Im Frühjahr 2010 erhält diese einen Brief, der sie dazu bringt, auf
ihr langes Leben zurückzublicken. Vor allem eine Zeit, die sie als junge Frau Anfang
der 1940er Jahre im Theater Lily Playhouse in Manhattan verbringt, hat sie
geprägt. Das Theater gehört ihrer Tante Peg, die dort für ein örtliches
Publikum ein wenig gewinnbringendes Unterhaltungsprogramm mit Gesang,
Schauspiel und Tanz anbietet. Die Produktion „City of Girls“, die dem Buch seinen
Titel gibt, erlangt dabei besondere Aufmerksamkeit. Die Idee, die Geschichte
als Antwort von Vivian an die Absenderin zu gestalten ist gut, aber die
Ausgestaltung des Briefs mit über hunderte von Seiten ist eher unrealistisch.
Vivian ist in einer Unternehmerfamilie in einer Kleinstadt im
Süden aufgewachsen. Unentschlossen darüber, welchen Beruf sie ergreifen soll,
wird sie schließlich von ihren Eltern zu ihrer Tante geschickt. Mit im Gepäck
ist ihre Nähmaschine, denn von ihrer Großmutter hat sie Schneidern gelernt. Ihr
Hobby wird ihr später sehr nützlich sein. Doch zuerst genießt sie das
unabhängige Leben in der Metropole und an der Seite ihrer neuen Freundin, der
Revuetänzerin Celia, stürzt sie sich ins Nachtleben.
Es ist kurzweilig, die Entwicklung von Vivian zu verfolgen.
Sie ist in gutsituierten Familienverhältnissen aufgewachsen. Ihre Eltern sind
von ihr oft enttäuscht, denn sie nimmt die gebotenen Möglichkeiten, ihre
Zukunft zu gestalten, nicht an. In New York genießt sie ihre Freiheit und lotet
ihre Grenzen aus. Schritt für Schritt lässt sie sich immer tiefer in die
Verführungen des Nachtlebens hineinziehen, bis es zu einem jähen Erwachen kommt,
das aber letztlich wegweisend für sie ist. Bis in die Nebenfiguren hinein gestaltet
die Autorin ihre Figuren abwechslungsreich und lebensnah.
Es glitzert und prickelt in diesem Roman und fasst könnte
man dabei vergessen, dass der Zweite Weltkrieg gerade begonnen hat. Elizabeth
Gilbert schildert Liebeständeleien voller Genuss und Sinnlichkeit, stellt dem aber
auch eine dunkle Seite der Lustsuchenden gegenüber. Sie zeigt ebenfalls Liebe
ohne Grenzen, die damals im Geheimen ausgeübt wurde.
Gespannt wartete ich darauf, dass Vivian das Geheimnis lüftet,
das die Absenderin in der Anfangsszene zum Schreiben des Briefs veranlasste. Die
sehr detaillierten Schilderungen der Inszenierungen des Theaters zu Beginn der
1940er Jahre führten zu einiger Länge im Mittelteil. Es fordert die Geduld des
Lesers bis sich in Vivians Leben eine Richtungsänderung ergibt.
Der Roman „City of Girls“ von Elizabeth Gilbert ist trotz
einiger Längen und bedrückender Szenenelemente eine amüsante und unterhaltsame
Lektüre, die den Leser mitnimmt in das Theater- und Nachtleben New Yorks in den
ersten Jahren der 1940er.
Mittwoch, 24. Juni 2020
Rezension: Fräulein Gold - Schatten und Licht von Anne Stern
Der Roman „Fräulein Gold“ der Berlinerin Anne Stern ist der
erste Teil einer Serie bei der die Hebamme Hulda Gold im Mittelpunkt steht. Die
Geschichte ist ein Genremix: Sie spielt im historischen Berlin des Jahrs 1922,
ein tragischer Unfall ist aufzuklären und neben der Beschreibung der Tätigkeiten
rund um die Geburtshilfe schildert die Autorin auch eine beginnende Romanze
ihrer Protagonistin.
Entsprechend des Untertitels „Schatten und Licht“ erzählt
die Autorin von der bewegenden Zeit kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs.
Die Berliner sind voller Hoffnung auf anhaltenden Frieden, doch politisch kommt
Deutschland nicht zur Ruhe. Die Armenfürsorge in Berlin ist überfordert und in
den Clubs der Stadt frönen die Besucher manchem Laster. Auch Hulda ist nicht
abgeneigt, sich einige schöne unterhaltsame Stunden mitten im Getümmel zu
erlauben. Allerdings ist sie als ambulante Hebamme in ständiger Rufbereitschaft.
Sie versorgt Schwangere in ihrem Wohnbezirk in Schöneberg und Umgebung, egal ob
arm oder reich. Manchen Hausbesuch macht sie sogar umsonst, weil ihr das Leben
von Mutter und Kind am Herzen liegt. Es ist nicht immer leicht, ihrer Aufgabe
gerecht zu werden, weil eine klare Abgrenzung zu den Tätigkeiten besteht, die
ein Arzt vorzunehmen hat.
Eine von Hulda betreute Schwangere wohnt am Bülowbogen. Die
Wohnung der Nachbarin Margarita Schönbrunn, kurz Rita genannt, ist polizeilich
gesperrt und wenig später erfährt Hulda davon, dass sie tot im nahen
Landwehrkanal aufgefunden wurde. Das Schicksal von Rita ist ihr präsenter als
ihr zunächst recht ist, doch dann beginnt sie Fragen zu stellen. Bei der Suche
nach Antworten begegnet ihr Kriminalkommissar Karl North, der für sie im Laufe
der Zeit in mehrfacher Hinsicht immer attraktiver wird.
Hulda trägt ihr Herz auf dem rechten Fleck. Sie lebt als
Untermieterin in der Mansarde eines Mehrfamilienhauses, ist kein Kind von
Traurigkeit, sondern offen und ehrlich. Geheimnissen geht sie gern auf die
Spur. Sowohl bei Rita wie auch bei Karl spürt sie, dass deren Vergangenheit
schicksalsgebend war. In schwierigen Situationen spricht sie sich selbst Mut zu
und geht unbeirrt ihren Weg.
Die Perspektiven in der Geschichte wechseln, so dass in den
einzelnen Erzählabschnitten nicht immer nur Hulda im Mittelpunkt steht. Dadurch
wurde der Roman vielgestaltiger und neben der Protagonistin entwickelten sich auch
andere Figuren darin mit. Einige Tagebuchauszüge aus dem Notizheft von Rita
verdeutlichten den damaligen Umgang mit psychisch erkrankten Personen und gaben
auf diese Weise weitere Einblicke in medizinische Gegebenheiten der damaligen
Zeit.
Der Auftakt der Romanreihe „Fräulein Gold“ ist Anne Stern
mit ihrem Buch „Schatten und Licht“ gelungen. Dank der sehr guten Recherche des
historischen Hintergrunds und der Ortskenntnisse der Autorin entsteht das bunte
Porträt einer Berliner Gesellschaft der Gegensätze in einer Zeit des Aufbruchs
mit einer sympathischen Hauptfigur. Gerne empfehle ich den Roman weiter und
warte schon ungeduldig auf den nächsten Band.
Montag, 22. Juni 2020
Rezension: Die Spiegelreisende. Im Sturm der Echos - Christelle Dabos
Übersetzerin: Amelie Thoma
Samstag, 20. Juni 2020
Rezension: Bretonische Spezialitäten - Jean-Luc Bannalec
Dupin muss in „Bretonische Spezialitäten“ erneut außerhalb des eigenen Départements ermitteln. Der Grund ist diesmal ein Seminar, dass er gemeinsam mit seinem Präfekten besucht und das ihn nach Saint-Malo führt. Schon der Titel macht deutlich, dass Speisen hier eine größere Rolle spielen und schon auf den ersten Seiten werden dem Kommissar und dadurch auch dem Leser die Vorzüge einiger Käsesorten angepriesen.
Freitag, 19. Juni 2020
Rezension: Zwei in einem Herzen von Josie Silver
Lydia und Freddie sind verlobt und möchten im nächsten Jahr
heiraten, die Planungen dazu sind bereits angelaufen. Doch am späten Nachmittag
ihres Geburtstags im März 2018 steht die Zeit für Lydia still als sie vom
Verkehrsunfall ihres Freunds erfährt, der an den Folgen seiner Verletzungen
verstirbt. Seine letzten Worte an sie, so unwichtig und nebensächlich sie auch
sind, bleiben ihr im Gedächtnis, sie sehnt sich nach seiner Nähe und will über
Wochen und Monate nicht das Unabänderliche akzeptieren.
Im Roman „Zwei in einem Herzen“ schildert die britische
Autorin Josie Silver wie Lydia sich ihre eigene Traumwelt schafft, in der
Freddie lebendig ist und sie gemeinsam in die geplante Zukunft gehen. Fortan
lebt Lydia im Schlaf in ihrer Fantasiewelt, in der sich die Handlungen
unabhängig von der Realität, aber kontinuierlich weiterentwickeln. Allerdings
stellt Lydia bald fest, dass sie die geträumte Welt nicht mit ihren Gedanken
leiten kann und diese auch nicht frei ist von Kummer und Sorgen.
Die Autorin schreibt über eine besondere Form der Trauerbewältigung.
Es verdeutlicht, dass jeder seinen eigenen Weg dazu finden muss, den erlittenen
Verlust zu verarbeiten. Lydia klammert sich fest an ihrem bisherigen Leben an
der Seite von Freddie. Gerade weil sie glaubt, alle Facetten von ihm zu kennen
ist es umso schwieriger für sie, sich auf neue Freundschaften und Bekannte
einzulassen und Vertrauen aufzubauen. Jonah, der gemeinsame Freund des Paars,
der bei dem Unfall auf dem Beifahrersitz saß, verarbeitet den Verlust des
Freunds auf eine andere Weise und streckt Lydia sinnbildlich eine hilfreiche
Hand entgegen. Doch um bereit zu sein, Hilfe anzunehmen, muss sie gleichzeitig
wieder bereit sein, sich auf die Realität einzulassen und zu lernen, dass es
ohne Freddie Möglichkeiten für sie gibt, die sie an seiner Seite vermutlich
nicht gehabt hätte.
Josie Silver räumt der Trauerphase in ihrem Roman einen
breiten Raum ein, währenddessen die Romantik zurücksteht. Leider führte dieses
Vorgehen zu leichten Längen. Die Autorin schreibt mit viel Gefühl, berührend
und trotz der anhaltenden Melancholie der Protagonistin ist stellenweise ein
heiterer Unterton vorhanden. Den Rückzug in eine Traumwelt fand ich eine
freundliche Idee, doch ich halte es für mystisch, dass beim Träumen mit
Unterbrechungen und der Wiederaufnahme an weiteren Tagen eine so wie
beschrieben durchgehende Handlung möglich ist.
Im Roman „Zwei in einem Herzen“ beschreibt Josie Silver die
besondere Form einer Trauerverarbeitung ihrer Protagonistin Lydia, die mit dem
plötzlichen Tod ihres Verlobten konfrontiert ist. Wer nach einer emotional
erzählten Geschichte über Liebe, Verlust und den Weg, sich auf neue Beziehungen
einzulassen sucht, dem empfehle ich gerne das Buch.







