Montag, 17. August 2020

Rezension: Ein Sonntag mit Elena von Fabio Geda

 

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Ein Sonntag mit Elena
Autor: Fabio Geda
Übersetzerin: Verena von Koskull
Hardcover: 240 Seiten
Erschienen am 17. August 2020
Verlag: hanserblau

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 In einer Wohnung in Turin lebt ein inzwischen verwitweter Mann, der einst als Ingenieur in der ganzen Welt Brücken baute. Sein Sohn lebt im Ausland, mit seiner jüngeren Tochter hat er kurz nach der Beerdigung seiner Frau zuletzt gesprochen. Nur seine ältere Tochter Sonia, die nicht allzu weit entfernt auf dem Land wohnt, schaut mit ihrer Familie gelegentlich vorbei. An einem Sonntag hat er sie zum Mittagessen eingeladen und stellt sich dafür zum ersten Mal selbst in die Küche. Das Essen ist fertig, als Sonia ihn anruft: Ihre Tochter ist vom Baum gefallen und hat sich den Arm gebrochen. Er beschließt, erst einmal an die frische Luft zu gehen. Im Park lernt er Elena und ihren Sohn Gaston kennen, die er kurzerhand zum Essen einlädt. Die Begegnung bringt die Beteiligten ins Nachdenken und hinterlässt Spuren auf ihrem weiteren Weg.

Die Geschichte beginnt an einem Sonntagmorgen, bevor der im Zentrum der Handlung stehende Witwer und Vater Besuch von seiner Tochter Sonia erhalten soll. Am Kühlschrank hängt die neue Handynummer der jüngeren Tochter Giulia, mit der er lange nicht mehr gesprochen hat. Sie ist es, die den Leser als Ich-Erzählerin durch die Geschichte führt.

Die Erzählung jenes Sonntags schreitet nur langsam voran, da Giulia immer wieder Erinnerungen abruft, die sich um ihren Vater, aber auch um ihre Mutter und ihre Geschwister drehen. Man erfährt von den häufigen Abwesenheiten ihres Vaters, kurzen schönen Momenten der beiden und anderen Situationen, in der ihr Vater sie enttäuscht hat. Die Erzählerin springt von Erinnerung zu Erinnerung und dann wieder zurück zum zentralen Sonntag, wodurch ich zu Beginn Schwierigkeiten hatte, in die Geschichte hineinzufinden.

Durch die Rückblicke lernt man allmählich das Beziehungsgeflecht der Familie zu verstehen. Man sieht einen Vater, der sein ganzes Berufsleben lang mehr weg als da war und die Liebe zu seiner Familie nie so recht zum Ausdruck bringen konnte. Man erfährt, welche Wege die drei inzwischen erwachsenen Kinder eingeschlagen haben, von denen nur eins ihn gelegentlich besucht. So steht der Vater an jenem Sonntag als tragischer Charakter da, dessen erstmaliger Versuch, ein Mittagessen zuzubereiten, vergeblich gewesen zu sein scheint.

Die Begegnung mit Elena und Gaston gibt dem tristen Sonntag eine erfreuliche Wendung. Da die gemeinsam verbrachte Zeit der drei in der Geschichte eher später angesiedelt ist, möchte ich darüber nicht zu viel verraten. Ich fand es schön zu sehen, dass beide Seiten aus diesem Zufallsereignis etwas mitnehmen konnten, das ihren weiteren Weg geprägt hat.

Der beschriebene Sonntag stellt nicht die Gegenwart dar. Von Beginn an ist klar, dass es sich dabei um eine weitere Erinnerung Giulias handelt, die später davon erfahren hat. Dieser Tag ordnet sich letztlich in das große Erinnerungsgefüge ein. „Ein Sonntag mit Elena“ ist nicht nur die Geschichte eines Mittagessens, sondern die Geschichte einer Familie, in der trotz Fehler und versäumter Chancen der Vergangenheit immer noch Zeit ist, Dinge zu ändern, um die Zukunft anders zu gestalten.

Sonntag, 16. August 2020

Rezension: Tage des Aufbruchs von Karin Seemayer

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Tage des Aufbruchs
Autorin: Karin Seemayer
Erscheinungsdatum: 14.07.2020
Verlag: Tinte & Feder 
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
ISBN: 9782496704068
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In ihrem Roman „Tage des Aufbruchs“ erzählt Karin Seemayer das Leben der Brasilianerin Ana Maria de Jesus Ribeiro da Silva, kurz Aninha oder auch Anita genannt, die später in Italien eingebürgert wurde. Ihre Eltern waren in Brasilien eingewanderte Portugiesen, ihr Vater, ein Gaucho, verstarb als sie 13 Jahre alt war, mit 14 Jahren wurde sie verheiratet.

1839, das ist vier Jahre nach ihrer Hochzeit, setzt die Erzählung ein. Aninah ist inzwischen 18 Jahre alt und lebt allein in Laguna im Haus ihres Ehemanns, der sie vor zwei Jahren verlassen hat, um sich der kaiserlichen Armee anzuschließen. Sie führt ein zurückgezogenes, recht unabhängiges Leben. Ein Onkel von ihr setzt sich vor Ort für eine liberale republikanische Regierung und die Abschaffung der Sklaverei ein, Aninah stellt sich politisch auf seine Seite. Als sie bei einem geheimen Treffen der Rebellen den italienischen Widerstandskämpfer Guiseppe Garibaldi trifft, vergisst sie bald in Bezug auf ihre Ehe ihren Anstand und steht ihm in jeder Lebenssituation zur Seite, was auch beinhaltet, dass sie mit ihm in den Kampf zieht.

Aninha ist unerschrocken, mutig und wenig auf Konventionen bedacht. Sie kämpft für ihre Ansichten mit Herz und Verstand. Schnell wurde sie mir sympathisch. Karin Seemayer füllt die vorliegenden Fakten mit so viel Leben aus, dass ich mir die beschriebenen Situationen sehr gut vorstellen konnte und die Handlungen lebendig wirkten. Die Autorin hat mit viel Liebe zu einzelnen Details die damalige Zeit heraufbeschworen und Aninhas Weg an der Seite der Rebellen nachvollziehbar ausgestaltet.

Auch bei Aninhas späteren längeren Aufenthalten in Uruguay und Italien, die verbunden waren mit der Geburt ihrer Kinder zeigt Karin Seemayer ihre Protagonistin, die inzwischen mit Giuseppe verheiratet ist, als unverdrossen weiterkämpfend für ihre Ideale. Die historischen Daten hat die Autorin bestens recherchiert. Sie versteht es, immer wieder Spannung aufzubauen und Kämpfe mitreißend zu schildern. Glücklicherweise konnte ich die biografischen Daten von Aninha nachlesen, so dass ich beim Lesen bis zuletzt nicht um ihr Leben fürchten musste. Dennoch werden reale und fiktive Personen in der Geschichte nicht verschont. Karin Seemayer bindet geschickt Informationen über Kultur und Politik der jeweiligen Länder in ihre Erzählung ein. Sensibel beschreibt sie auch die möglicherweise manchmal widerstreitenden Gefühle Aninhas, die Frauen beobachtet, die näheren Kontakt zu ihrem als allgemein gutaussehend geltender Ehemann haben.

In ihrem Roman „Tage des Aufbruchs“ schildert Karin Seemayer das faszinierende und bewegende Leben der Aninha beziehungsweise Anita Garibaldi von 1839 bis zu ihrem Tod 1849, die wie so viele ihrer Zeit unermüdlich für den Traum von Freiheit und Gerechtigkeit kämpfte. Die Autorin lässt Zeit und Figuren so lebendig wirken, als wäre man als Leser selbst dabei. Gerne vergebe ich hierfür eine Leseempfehlung.


Mittwoch, 12. August 2020

Rezension: Die Dirigentin von Maria Peters

 

Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Die Dirigentin
Autorin: Maria Peters
Übersetzer aus dem Niederländischen: Stefan Wieczorek
Erscheinungsdatum: 05.08.2020
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783455009606
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Wilhelmina Wolthuis, kurz Willy, ist 24 Jahre alt und arbeitet neben ihrem täglichen Bürojob im Jahr 1926 als Platzanweiserin in der Konzerthalle in New York. Ihren Lohn aus beiden Jobs muss die junge Frau, die noch bei ihren Eltern wohnt, zu Hause abgeben. Doch sie ist genügsam, denn ihr Leben ist die Musik und ihr ganzer Stolz ist ein Klavier, das ihr Vater, der bei einem Entsorgungsunternehmen beschäftigt ist, beim Müll gefunden und ihr zum zehnten Geburtstag geschenkt hat. In der kleinen Wohnung im Mehrfamilienhaus ist das Klavierspiel wegen der Nachbarn schwierig, doch sie wendet ihre gesamte Freizeit dafür auf, denn sie wünscht sich nichts mehr, als eines Tages ein Orchester zu dirigieren. Der Weg ist nicht nur schwer, weil sie aus einfachen Verhältnissen kommt, sondern vor allem, weil sie eine Frau ist. Das Verhältnis zu ihrer Mutter ist getrübt und als sie eines Tages erfährt, dass sie adoptiert ist, gelingt es ihr, sich vom Elternhaus zu lösen und einzig ihrem Traum nachzugehen. Dafür ist sie bereit, Opfer zu bringen, die darin bestehen, auf viele Dinge des Konsums, aber auch auf eine feste Partnerschaft zu verzichten.

Maria Peters schreibt in ihrem Roman „Die Dirigentin“ über die historische Figur der Antonia Brico, die als Willy Wolthuis heranwächst, und ihren steinigen Weg, der sie zur ersten Dirigentin eines Orchesters von Weltruf macht. Für ihre Erzählung hat sie eine weniger bekannte Persönlichkeit gewählt, die mir vorher nicht präsent war. Bei ihrer Geschichte hat die Autorin sich einige künstlerische Freiheiten in Bezug auf die Fakten genommen, was zu einer abwechslungsreicheren Unterhaltung führt. In den einzelnen Kapiteln wechselt sie die Protagonisten, so dass auch zwei Freunde von ihr zu Wort kommen. Auch die Lebenswege von Frank und Robin sind interessant. Ihre Perspektive bietet nochmal einen anderen Blickwinkel auf die Karriere von Antonia und die Wirkung ihres Engagements auf ihr Umfeld. Durch sie bezieht die Autorin auch weitere, in den 1920ern und 1930er aktuelle Themen mit ein.

Wie besonders ihr Lebensweg war zeigt auch eine heutige Sicht auf die Musikwelt, in der Dirigentinnen bedeutender Orchester nach wie vor unterrepräsentiert sind. Lange war es ihnen sogar vielerorts verboten, bei ihren Auftritten Hosen zu tragen. Vor dem Schreiben ihres Romans hat Maria Peters bereits einen Film über Antonia Brico gedreht. Es gelingt ihr nun auch in schriftlicher Form, das Leben von Antonia wirklichkeitsnah darzustellen. Als Leserin war ich den Gedankengängen der Protagonistin als Ich-Erzählerin mit all ihren Zweifeln und Ängsten ganz nah. Obwohl die Autorin eine historische Figur beschreibt, deren Lebensweg sich in den Medien nachlesen lässt, konnte sie mich durch die fiktionalen Elemente ihres Romans immer wieder überraschen

„Die Dirigentin“ von Maria Peters ein Buch über eine junge Frau, die für ihren Lebenstraum in einer von Männern beherrschten Domäne kämpft. Auch wenn sie manches Mal in ihren Szenen einiges Klischee einbringt, so ist dieser Kunstgriff der Autorin auch der Darstellung geschuldet, die auftretenden Probleme auf dem Weg der Antonia Brico herauszustellen. Gerne empfehle ich den Roman weiter.


Samstag, 8. August 2020

Rezension: Wo die Sterne tanzen von Katharina Herzog

 

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Wo die Sterne tanzen
Autorin: Katharina Herzog
Broschiert: 352 Seiten
Erschienen am 21. Juli 2020
Verlag: Rowohlt Polaris

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Nele lebt und arbeitet als Musicaldarstellerin in New York. Nach dem Tod ihrer Oma Lotte, in deren Haus auf Juist sie als Kind zahlreiche Sommer verbrachte, fliegt sie mit ihrer Tochter Annika auf die Insel, um den Verkauf des Hauses abzuwickeln. Doch nicht nur sie ist auf die Insel zurückgekehrt, sondern auch ihre Mutter Laura sowie Henry, der Enkel von Oma Lottes bester Freundin Emily. Zu ihrer Mutter hat sie ein schwieriges Verhältnis, das bei der Abwicklung des Verkaufs auf die Probe gestellt wird. Und Henry würde sie nach allem, was in der Vergangenheit vorgefallen ist, am liebsten ganz aus dem Weg gehen...

Der Prolog des Buches nimmt den Leser mit ins Jahr 1991. Neles Eltern haben sich kürzlich getrennt und sie verbringt die Sommerferien mit ihrer Mutter bei Oma Lotte auf Juist, wo sie den gleichaltrigen Henry kennenlernt, der ihr seine Freundschaft anbietet. Achtzehn Jahre später kehrt Nele mit gemischten Gefühlen auf die Insel zurück. Nach Oma Lottes Tod und dem anstehenden Hausverkauf wird es für sie keinen Grund mehr geben, Juist erneut zu besuchen.

Die Geschichte springt zwischen dem Jahr 2019 und der Vergangenheit hin und her. Die Rückblicke erklären dem Leser, was Nele in den Sommern ihrer Kindheit auf Juist erlebt hat. Vor allem ihre Freundschaft zu Henry und zu Ben steht hier im Fokus. Henry und Nele waren viele Sommer unzertrennlich, bevor es 2001 zu Ereignissen kam, die alles veränderten. In diesem Jahr lernt sie auch Ben kennen, der mit seiner Familie Urlaub auf der Insel macht und dabei vor allem auf seine zwei kleinen Schwestern aufpasst. Schließlich wird Neles Weg zur Musicaldarstellerin und ihre Zeit in New York beschrieben. Passend zum Thema sind den Kapiteln kurze Songausschnitte bekannter Musicals vorangestellt.

In der Gegenwart steht Nele am Scheideweg: Wird sie zurück nach New York gehen und dort um ein neues Engagement kämpfen, oder schlägt sie einen anderen Weg an einem neuen Ort ein? Ihre Entscheidung schien eigentlich schon klar zu sein, doch die Zeit auf Juist bringt sie erneut ins Grübeln. Als Leser versteht man Neles Verhalten und ihre Überlegungen durch die Rückblicke immer besser. Notwendige Aussprachen werden allerdings lange hinausgezögert, sodass ich zwischendurch ungeduldig wurde. Auch wenn einige Entwicklungen vorhersehbar waren, erlebte ich zum Schluss noch eine schöne Überraschung.

„Wo die Sterne tanzen“ ist eine Insel- und Musicalgeschichte, in der die Verwirklichung von Träumen die Hauptrolle spielt. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Ich habe das Buch am Strand mit Blick auf Juist gelesen, was super zur Atmosphäre passte. Mit und ohne Sand und Meerluft ist es ein schöner Sommerroman für gemütliche Stunden!

Montag, 3. August 2020

Rezension: Die Wunderfrauen - Alles, was das Herz begehrt von Stephanie Schuster



Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Die Wunderfrauen - Alles, was das Herz begehrt (Band 1 von 3)
Autorin: Stephanie Schuster
Erscheinungstermin: 29.07.2020
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783596700325
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Im Roman „Die Wunderfrauen“ führt Stephanie Schuster den Leser mittenrein in eine Turnstunde, die erstaunlicherweise im Gemischtwarenladen von Luise Dahlmann in Starnberg stattfindet. „Alles, was das Herz begehrt“ ist der Untertitel des ersten Band der Trilogie über vier junge Frauen, die nach den harten Jahren des Zweiten Weltkriegs nun neben anderen Wünschen der gemeinsame Traum eint, wieder glücklich zu sein.

Es ist Herbst 1953 und Luise ist eine der Protagonistinnen. Zur Turngruppe gehört auch Marie Wagner, die aus Niederschlesien vertrieben wurde und jetzt in der Landwirtschaft von Luises Bruder im nahen Leutstetten mithilft sowie Helga Knaup, die aus betuchtem Hause kommt, sich aber gegen eine arrangierte Hochzeit auflehnt und das Erlernen eines eigenen Berufs anstrebt. Annabel von Thaler, die Ehefrau des Chefarztes der nahen Geburtsklinik und die vierte der Wunderfrauen des Romans, ist in dieser ersten Szene allerdings eine stille Beobachterin bis sie den anderen durch ein ungeschicktes Manöver auffällt, das noch lange für Gesprächsstoff sorgt. Schon im Prolog fällt auf, dass die vier Frauen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen kommen und verschiedene Meinungen und Auffassungen haben.

Es ist eine neue Generation von Frauen, die da heranwächst. Anders als ihre Mütter noch sich nach dem Willen ihrer Eltern und Ehemänner zu richten hatten, regt sch bei ihnen der eigene Wille und sie hinterfragen die bisher üblichen Konventionen. Statt zu resignieren setzen sie ihre Worte in Taten um mit allen Konsequenzen. Das Glück, das sie zu finden hoffen, besteht darin, so zu leben, wie sie es für sich selbst als gut befinden. Wenn dabei der ein oder andere Traum in Erfüllung geht ist das umso besser.

Der Roman ist vollgepackt mit Geschichten, nicht nur aus Mitte der 1950er, sondern auch im Rückblick auf die Vergangenheit der Protagonistinnen, auf ihre Kinder- und Jugendzeit zu Hause bei ihren Eltern. Manches wird dabei nur angerissen, denn der Fokus liegt auf den aktuellen Entwicklungen im Leben der Frauen. Jeder hat sein Päckchen an Not und Leid zu tragen, ohne dass sie je die Hoffnung an eine schöne Zukunft verloren hätten. Auf ihrem Weg in die Selbstbestimmtheit erfahren sie Missgunst und Neid, gewinnen aber auch Vertrauen und manchmal unerwartete Unterstützung und erfahren so wie nah Liebe und Hass, Freude und Leid beieinander liegen.

Die Autorin ließ mich die 1950er Jahre auch in Film, Literatur und Musik erleben. Viele Themen der damaligen Zeit baut sie in den Roman ein wie beispielsweise Flucht und Vertreibung, Vormundgestellung bei ledigen Müttern, das Ansehen von Ärzten gegenüber dem von GIs, Traumata von Kriegsteilnehmern und vieles mehr.

In ersten Teil ihrer Trilogie der Wunderfrauen setzt Stephanie Schuster für jede ihrer Protagonistinnen den Grundstein für ein erfülltes Leben. Ich warte schon ungeduldig auf die Fortsetzung, um zu erfahren, ob Luise, Helga, Marie und Annabel ihrem Traum vom Glücklichsein näherkommen. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.


Samstag, 1. August 2020

Rezension: Land in Sicht von Ilona Hartmann

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Land in Sicht
Autorin: Ilona Hartmann
Hardcover: 160 Seiten
Erschienen am 21. Juli 2020
Verlag: Blumenbar

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Acht Tage und sieben Nächte auf einem Flusskreuzfahrtschiff der Route Passau - Wien sind mit 24 Jahren wohl keine übliche Urlaubswahl. Auch Jana wäre nicht auf die Idee gekommen, wenn auf der MS Mozart nicht ihr Vater der Kapitän wäre. Sie hat ihn nie kennengelernt, doch die Suche nach ihm hat nicht lang gedauert, nachdem sie erst einmal beschlossen hatte, das zu ändern. Nun schippert sie mit Dutzenden Unterhaltung suchenden Rentnern über die Donau, im Gepäck zahlreiche Fragen und Zweifel rund ums Thema Vater: Wie sage ich es ihm? Wie wird es sich anfühlen? Was verspreche ich mir davon?

Die Geschichte schlägt von Beginn an einen lockeren und sarkastischen Ton an. Jana checkt auf der MS Mozart ein und nimmt die Atmosphäre des Flusskreuzfahrtschiffes in sich auf. Für die ansonsten ausnahmslos älteren Mitreisenden ist sie eine willkommene Abwechslung. Ihre Reflektion dieser Art, Urlaub zu machen, fand ich unterhaltsam und ich konnte mir die Stimmung an Bord gut vorstellen.

Jana ist allerdings mit einer Mission gekommen: Sie will ihren Vater, den Kapitän des Schiffes, kennenlernen. Doch nun zögert und beobachtet sie, denkt darüber nach, wie es war, ohne ihn aufzuwachsen und fragt sich immer wieder, was genau sie sich nun eigentlich von dieser Begegnung verspricht. Ihre Auseiandersetzung mit der Vaterfrage geht in die Tiefe und ich konnte ihre Zweifel und Überlegungen gut nachvollziehen.

„Land in Sicht“ ist schnell gelesen und bietet skurrile Situationen, messerscharfe Beobachtungen und nachdenklich stimmende Momente. Die Autorin hat einen tollen schwarzen Humor, der die Geschichte prägt. Wie wäre es mit einer Flusskreuzfahrt für den diesjährigen Urlaub in der Heimat? Schnappt euch das Buch und legt ab!

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