Montag, 24. Mai 2021

Rezension: Roman d'amour von Sylvie Schenk

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Roman d'amour
Autorin: Sylvie Schenk
Erscheinungsdatum: 15.03.2021
Verlag: Hanser (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783446269224
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Die gebürtige Französin Sylvie Schenk hat in ihrem Liebesroman „Roman d’amour“ zwei fiktive, tragische Liebesgeschichten ineinander verschachtelt. Ihre Protagonistin Charlotte Moire ist wie sie selbst über 70 Jahre alt und Autorin. Charlotte erzählt die Geschichte aus der eigenen Perspektive. Ihr jüngstes Werk handelt über eine Affäre zwischen dem Lehrer Lew, der um die 50 Jahre alt ist, und der ein paar Jahre älteren Klara, einer Schuldirektorin. Der eher unbekannte Literaturpreis „Kaskade“ soll ihr für den Roman verliehen werden. Charlotte ist allerdings die Begründung für die Verleihung nicht bekannt.

Wenige Stunden vor dem Überreichen des Preises möchte die Journalistin Sittich ein Interview für einen Radiobeitrag am nächsten mit ihr führen. Dem hat sie zugestimmt, aber sie will auf jeden Fall dabei nicht offenbaren, dass sie selbst eine ähnliche Geschichte vor mehr als zwanzig Jahren erlebt hat. Doch die Journalistin ist unerwartet gut vorbereitet und stellt ihre Fragen zunehmend hintergründig. Immer wieder gleiten die Gedanken von Charlotte bei ihren Antworten in die Vergangenheit zu ihrem eigenen Ehebruch und tiefe Gefühle drängen ans Tageslicht. Dabei ist es nur eine Frage der Zeit, dass sie ins Stolpern gerät und Gegensteuern muss.

In kursiv gedruckten Abschnitten erhielt ich als Leserin Einblick in das, was Charlottes in Romanform ausgedrückt hat. Gegenüber der Journalistin bekam ich auf diese Weise den Vorteil, dass mir die Gedankengänge der Protagonistin die wahre Geschichte dahinter offenbarten. Unwillkürlich habe ich als Leserin aber auch vermutet, dass Sylvie Schenk eigenes Erlebtes hier verarbeitet hat, denn die Gefühle sind einfühlsam beschrieben und wirken authentisch und bewegend.

Im Interview scheut die Journalistin nicht davor zurück, den Ehebruch von Lew moralisch zu hinterfragen. Die Autorin schildert die Beziehung zwischen den Paaren eindringlich und nachvollziehbar. Der Roman überraschte mich weniger mit den Geschichten über die Liebe als vielmehr durch sein Verweben des Erzählten und dem Schlagabtausch mit der Journalistin, deren Interesse an den Hintergründen im Laufe der Zeit nicht nur beim Leser die Frage aufwirft, warum sie sich mit einer solchen Vehemenz dem Roman widmet.

„Roman d’amour“ von Sylvie Schenk ist ein Liebesroman, der durch seine besondere Konstruktion auf verschiedenen Ebenen auffällt. Die Geschichte wechselt zwischen einem Interview in der Gegenwart, Ausschnitten aus dem Roman den die Protagonistin geschrieben hat und deren Erinnerungen an das Selbsterlebte, das in die Erzählung eingeflossen ist. Auf ergreifende bewegende Weise zeigt sie die Leidenschaft, mit der Liebe gelebt werden kann. Gerne empfehle ich das Buch weiter.


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