Donnerstag, 3. September 2026

Rezension: Kichergeschichten: Bild für Bild durch meinen Tag von Katharina Bußhoff


Kichergeschichten: Bild für Bild durch meinen Tag
Autorin & Illustratorin: Katharina Bußhoff
Pappbilderbuch: 26 Seiten
Erschienen am 26. August 2026
Verlag: Fischer Sauerländer
Link zur Buchseite des Verlags

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Mika ist zwei Jahre alt und kann schon ganz viel. Zusammen mit seiner Mama, seinem Papa und seinem Kuscheltier Knuffel begleiten wir ihn in 11 Bildergeschichten durch seinen Alltag. Er spielt im Regen, zieht sich lustig an und versteckt sich, weil er nicht ins Bett gehen möchte. Schon lange hat sich mein 18 Monate alter Sohn nicht mehr mit so großer Begeisterung auf ein neues Buch gestürzt, was bei meinem buchbegeisterten Kind wirklich etwas heißt. Mika hat es ihm gleich angetan und wir haben das Buch in den letzten Tagen ungefähr eine Million Mal gelesen. 

Auf der ersten Doppelseite des Buchs wird Mika mit seiner Familie vorgestellt und es gibt ein kleines Bild zu jeder Geschichte im Buch, mit dem das Kind zeigen kann, worauf es gerade Lust hat. Das klappt bei uns sehr gut, seit mein Sohn die Geschichten alle kennt, er sagt zum Beispiel „baden“ oder „Seife“ und tippt das zugehörige Bild an. Die nachfolgenden Doppelseiten zeigen jeweils eine Bildgeschichte. Besonders gefällt mir die große Alltagsnähe. Es gibt viele lustige Situationen, viele davon hat mein Kind so oder so ähnlich auch schon erlebt. Mit der Bürste erhält Papa eine lustige Frisur und die Hose kann man doch auch als Mütze tragen?! Die Badegeschichte, bei der Mika zum Haare waschen die Augen fest zusammenkneift, nutzen wir, um genau das zu üben, was immer besser klappt. Damit landet bei uns bald hoffentlich kein Schaum mehr im Auge. 

Die Texte sind sehr kurz und von der Länge her passend für unser 18 Monate altes Kind – für ältere Kinder mit guter Sprachentwicklung könnte es schon zu wenig sein. Die Illustrationen von Mika und seinen Eltern gefallen uns sehr gut. Sie sind farbenfroh und legen den Fokus aufs Wesentliche, sodass die ganze auf der Doppelseite untergebrachte Geschichte gut erfasst werden kann. Gerne empfehle ich das Buch an Familien mit einem Kind in ähnlichem Alter weiter!

Dienstag, 1. September 2026

Rezension: Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht. von Jakob Schwerdtfeger

 


Rezension von Ingrid Eßer 

Titel: Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht.
Autor: Jakob Schwerdtfeger
Erscheinungsdatum: 15.05.2026
Verlag: dtv
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Leseband
ISBN: 9783423285360
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In seinem Buch „Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht.“ nimmt Jakob Schwerdtfeger die Lesenden mit auf eine Reise durch die Epochen der Kunstgeschichte von der Romanik um das Jahr 1000 bis in die Gegenwart. Der Autor ist Kunsthistoriker und hat sich sowohl als Poetry-Slammer als auch als Moderater verschiedener Kultursendungen einen Namen gemacht. Die Beschäftigung mit Kunst liegt in seiner Familie: Der Bauhauskünstler Kurt Schwerdtfeger war sein Urgroßvater, dessen Sohn Stefan, ein Architekt, Maler und Bildhauer, sein Großvater.

Nach der Einleitung folgen zwölf Kapitel, wobei das elfte und zwölfte nochmals in mehrere Abschnitte untergliedert sind. Der Autor arbeitet zu jeder Epoche die wichtigsten Merkmale heraus, erklärt das Anliegen der jeweiligen Kunstrichtung und stellt dazu ausgewählte Werke vor, die meist im kleinen Format in den Text eingegliedert sind. Das verschafft einen guten Überblick; zum Betrachten von Details habe ich online nach dem Kunstwerk gesucht.

Aufgelockert werden die kunsthistorischen Ausführungen durch amüsante Begebenheiten und kuriose Fakten. Dadurch gelingt es Jakob Schwerdtfeger auch belanglos wirkenden Objekten Aufmerksamkeit zu schenken, aufgrund dessen man sich daran erinnern wird. Immer wieder finden sich Einschübe unter dem Titel „Gegen den Strom“ in denen Werke angeführt werden, die von den typischen Merkmalen der jeweils beschriebenen Epoche abweichen.

Natürlich kann das Buch den Besuch eines Museums nicht ersetzen, den der Autor am Ende sehr empfiehlt. Ergänzend finden sich Nachweise zu den Zitaten und Abbildungen.

„Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht“ richtet sich vor allem an Kunstinteressierte, die sich auf unterhaltsame Weise einen Überblick über die Jahrhunderte der Kunstgeschichte und ihrer verschiedenen Strömungen verschaffen möchten.

Freitag, 28. August 2026

Rezension: Im Licht des neuen Tages von Jara Kubsova

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Im Licht des neuen Tages
Autorin: Jarka Kubsova
Erscheinungsdatum: 26.08.2026
Verlag: S. Fischer
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783103974973

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Ellie Hajek ist die Protagonistin des Romans „Im Licht des neuen Tages“ von Jarka Kubsova. Wie die Autorin selbst kam sie als Kind auf der Flucht aus der Tschechoslowakei nach Deutschland. Neben ihren Habseligkeiten ließ Ellies Familie auch Verwandte und enge Freunde zurück. 

Nach einer journalistischen Ausbildung wurde Ellie Autorin. Sie hat eine erwachsene Tochter und ist in einer festen Beziehung, die nicht immer harmonisch verläuft. Um eine Schreibblockade zu überwinden, mietet sie ein Haus im Wald. Dort kommt ihr Viktorka in den Sinn, eine Figur aus einem berühmten Roman, der tschechischen Schriftstellerin Božena Nĕmcová. Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten. Ellie lässt der Gedanke nicht los, herauszufinden, was in diesem Roman Wahrheit und was Fiktion ist.

Spontan fährt sie nach vielen Jahren wieder in ihre frühere Heimat. Dort begibt sie sich auf Spurensuche nach Božena und Viktorka, zwei Frauen, die den Mut hatten, sich den Konventionen ihrer Zeit entgegenzustellen. Auf dieser Erzählebene lässt die Autorin Elemente des magischen Realismus einfließen: einerseits in märchenhafter Form, andererseits durch mysteriöse Ereignisse, die Ellie widerfahren und die ich im Kontext befremdlich fand. Die entsprechenden Schilderungen sind zwar atmosphärisch eindrucksvoll, führen meiner Meinung nach, allerdings auch zu einiger Länge.  

Während ich anfangs Ellies Wunsch nach einer örtlichen Veränderung gut nachvollziehen konnte, blieb sie mir im weiteren Verlauf aufgrund ihrer Entscheidungen und Handlungen gefühlsmäßig eher fern. Dennoch führt die Spurensuche dazu, dass sie sich zunehmend mit ihrer eigenen Identität und der Frage auseinandersetzt, wer sie heute ist und wie sie ihre Zukunft gestalten möchte. Dabei bewertet sie auch die Republikflucht ihrer Eltern neu und auch die lebenslang von ihr getragene Schuld daran.

Im Roman „Im Licht des neuen Tages“ verbindet Jarka Kubsova Lebensgeschichten aus verschiedenen Zeitaltern. Ungebundenheit, das Überwinden von Ungerechtigkeiten, die Suche nach der eigenen Identität und die Liebe zur Natur sind zentrale Themen des Romans, der von einer Spur Mystik durchzogen ist. Trotz kleiner Schwächen habe ich das Buch gerne gelesen.

Mittwoch, 26. August 2026

Rezension: Mama Maus ist heute krank von Kai Oppermann


Mama Maus ist heute krank
Autorin & Illustratorin: Kai Oppermann
Pappbilderbuch: 26 Seiten
Erschienen am 26. August 2026
Verlag: Fischer Sauerländer
Link zur Buchseite des Verlags

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Die fünf Mäusekinder Mila, Mona, Mak, Mik und Minchen wachen eines Tages ganz verdutzt auf: Wo steckt ihre Mama, die sie sonst wecken kommt? Schnell schauen sie nach und müssen feststellen, dass Mama Maus krank ist. Die Kinder sind sich einig: Mama muss im Bett bleiben und sie kümmern sich heute um sie. Es wird Suppe in der Badewanne gekocht und der Schal in der Rumpelkammer gesucht. Alle Kinder helfen mit und am Ende geht es Mama schon viel besser.

Welcher Elternteil kennt es nicht: Man wacht krank auf, das Kind ist munter und man fragt sich, wie man durch den Tag kommen soll. Diese Situation wird hier aufgegriffen und in eine liebevolle Geschichte übersetzt. Die fünf Mäusekinder sind ein bunter Haufen und sie machen allerlei Quatsch, während sie die Aufgaben erledigen, die sie sich als Hilfe überlegt haben. Dabei schlägt niemand über die Stränge, sodass die offenbar alleinerziehende Mama beruhigt im Bett bleiben kann. Am Ende können alle Kinder stolz sein, wie gut sie sich gekümmert haben, und auf Mamas Bett gemeinsam einschlafen. Die farbenfrohen Illustrationen sind wimmlig, ohne für die Zielgruppe von 2 Jahren zu überladen zu wirken. Mir gefallen die mit der Geschichte verbundenen Botschaften sehr gut, sodass ich das Buch gerne weiterempfehle.


Samstag, 22. August 2026

Rezension: Alleinruhelage von Eva Menasse


Alleinruhelage
Autorin: Eva Menasse
Hardcover: 224 Seiten
Erschienen am 13. August 2026
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

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Die Erzählerin hat schon mehrere Anläufe genommen, nach den Ende ihrer Ehe das Wochenendhaus in Vorpommern zu verkaufen. Das Haus hat sie viele Jahre lang  begleitet: Hier hat sie mit ihrer Familie Zeit verbracht, renoviert und mit Freunden gefeiert. Während die Entscheidung reift, das Haus nun wirklich zu verkaufen, schweifen ihre Gedanken immer wieder in die Vergangenheit ab. Erinnerungen an ihre Ehe und das Zusammenleben als Patchwork-Familie, Begegnungen mit Nachbarn und andere Stationen ihres Lebens vermischen sich miteinander. Nach und nach erfährt man mehr darüber, was sie in diesen Jahren erlebt hat und wie sie heute darauf zurückblickt.  

Zu Beginn habe ich recht gut in die Geschichte hineingefunden. Besonders die Szenen rund um das Haus und die Nachbarn haben mir gefallen. Die Begegnungen sind oft unterhaltsam und entwickeln eine ganz eigene Dynamik. Immer wieder kommt es zu Situationen, die mich Schmunzeln ließen. Immer wieder werden Andeutungen gemacht, durch die ich neugierig wurde, was die Erzählerin noch alles erlebt hat.

Die Geschichte springt immer wieder zwischen Erinnerungen, Beobachtungen und Gedanken hin und her. Anfangs fand ich das noch interessant, ich hatte aber zunehmend das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Zwar erfährt man viel über das Leben der Erzählerin, doch häufig werden Ereignisse eher angesprochen als wirklich erzählt. Viele wichtige Momente, die die Erzählerin geprägt haben, wurden für mich als Leserin nicht richtig greifbar werden. Dadurch blieb sie für mich auf Distanz. 

Insgesamt ließ sich der Roman dennoch gut lesen. Es gibt viele interessante Szenen und ich habe das Buch gern zur Hand genommen. Emotional hat es mich allerdings nicht so erreicht, wie ich es mir nach dem gelungenen Einstieg erhofft hatte. Deshalb lässt mich Alleinruhelage mit gemischten Gefühlen zurück und ist eher etwas für Leser:innen, die sich an einer ungewöhnlichen Erzählweise probieren wollen.

Freitag, 21. August 2026

Rezension: Alleinruhelage von Eva Menasse


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Alleinruhelage
Autorin: Eva Menasse
Erscheinungsdatum: 13.08.2026
Verlag: KiWi (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783462002621
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Der Titel des Romans „Alleinruhelage“ bezeichnet den besonders ruhigen Standort des Hauses, das die unbenannte Ich-Erzählerin im gleichnamigen Buch von Eva Menasse verkaufen möchte. Es steht an einem fiktiven Ort in Mecklenburg-Vorpommern, von Wald umgeben und mit einem See in unmittelbarer Nähe. Die aus Österreich stammende Verkäuferin hat dort viele Jahre mit ihrer Familie die Wochenenden verbracht, manchmal aber auch wochenlang in Schreibklausur. Nun jedoch unternimmt sie einen erneuten Versuch, das Haus zu verkaufen.

Nachdem sie den endgültigen Beschluss gefasst hat, neue Käufer zu finden, wandern ihre Gedanken zurück zu den Anfängen ihrer Ehe und dem bald darauf entstandenen Wunsch, ein Wochenendhaus zu kaufen. Bei ihrer Suche findet das Ehepaar ein abgelegenes ehemaliges Wirtshaus, in dessen Umgebung sich eine Siedlung mit mehreren Datschen befindet. Durch das Verhalten einiger Bewohner dieser Sommerhäuser ergeben sich immer wieder besondere Situationen, nicht zuletzt, weil ein Verein, dem sich auch die Ich-Erzählerin   anschließt, das nachbarschaftliche Miteinander regelt.

Es sind vielfältige Themen, die die Verkäuferin aufgreift: amüsante, ernste, gesellschaftskritische und persönliche. Ein Bautrupp, der zum Ausmisten und Reparieren des Gebäudes anrückt, beschreibt sie als Vergnügen, wohingegen sie das Verhältnis zu ihrer Tochter als belastet schildert. Ihre Erinnerungen reichen teils sogar bis zu ihrer Kindheit zurück, wobei die Begebenheiten authentisch wirken und ihre Gefühle gut nachvollziehbar sind. Es finden sich auch interessante Fakten, die bewegen und nachdenklich stimmen. Einige Ereignisse werden in politische Zusammenhänge von Ost- und Westdeutschland sowie Österreich eingeordnet.

Der Roman „Alleinruhelage“ von Eva Menasse ist ein facettenreicher Rückblick der Protagonistin auf ihr Leben, die ohne Schwermut ihr Wochenendhaus verkaufen möchte. Die vielfältigen Ereignisse, die sie während ihrer Aufenthalte dort erlebt hat, haben schöne, traurige, wütende und versöhnliche Erinnerungen hinterlassen. Die Geschichte vermittelt eine breite Palette an Stimmungen und macht zugleich Mut, sich auf einen Neuanfang einzulassen. Das Buch hat mich angenehm überrascht und ich empfehle es sehr gerne weiter.


 

Freitag, 14. August 2026

Rezension: Erzählen, was ist von Katrin Eigendorf

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Erzählen, was ist: Berichten am Limit
in einer Zeit der Kriege
Autorin: Katrin Eigendorf
Erscheinungsdatum: 26.01.2026
Verlag: S. Fischer
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783103976991

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Die aus Tönisvorst in Nordrhein-Westfalen stammende und heute in Berlin lebende Katrin Eigendorf gewährt in ihrem Buch „Erzählen, was ist“ nicht nur Einblicke in ihre journalistische Arbeit, sondern auch teils in ihr Privatleben, soweit dieses mit ihrem Beruf verbunden ist. Bereits der Untertitel „Berichten am Limit in einer Zeit der Kriege“ spiegelt wider, worin die Berichterstattung der Autorin hauptsächlich besteht: über die Brennpunkte der Welt zu berichten.

In neun Kapiteln nimmt die Autorin ihre Leserinnen und Leser mit nach Afghanistan, Russland, Israel und in die Ukraine. Dabei beschreibt sie nicht nur die Situation, die sie während ihrer Aufenthalte vor Ort erlebt, sondern erzählt ebenso, wie es ihrer Meinung nach zum jeweiligen Konflikt gekommen ist. Außerdem erläutert wie, welche fachlichen und persönlichen Kompetenzen sie im Laufe der Jahre hinweg erworben hat, um Ereignisse sachlich und wahrheitsgemäß darzustellen.

Karin Eigendorf hat sich mit der Zeit ein Netzwerk an Kontakten aufgebaut, auf die sie vertrauen kann. Es ist ihr wichtig, dass diejenigen, mit denen sie zusammenarbeitet verlässlich sind. Die Schilderungen mancher Situation sind tief bewegend etwa, als sie das Schicksal der Frauen in Afghanistan beschriebt. Zugleich macht das Buch immer wieder bewusst, welchen erheblichen Gefahren Eigendorf, ihr Team und viele andere Journalistinnen und Journalisten bei ihren Einsätzen ausgesetzt sind.

Für ihre Reportagen wurde die Autorin vielfach ausgezeichnet, obwohl sie auch Kritik hinnehmen musste. In diesem Zusammenhang setzt sie sich mit der Frage auseinander, wie sich Begebenheiten auf unterschiedliche Weise darstellen lassen und wie schwierig es mitunter ist, Wahrheit von gezielter Desinformation zu unterscheiden. Dem Titel ihres Buches folgend sieht sie es als ihre journalistische Verpflichtung an, in Konflikten alle Seiten zu Wort kommen zu lassen, was sich nicht immer leicht verwirklichen lässt. Mit Einfühlungsvermögen und beruflicher Erfahrung gelingt es ihr, auch zu schwierigen Gesprächspartnern Zugang zu finden. Darüber hinaus reflektiert sie, ob Journalismus überhaupt neutral sein kann.

„Erzählen, was ist“ ist ein lesenswertes Buch für alle, die sich mit einer fundierten Berichterstattung nicht nur ein Bild der Konfliktregionen unserer Zeit machen möchten, sondern auch verstehen wollen, welche Entwicklungen zu den jeweiligen Konflikten geführt haben. Zugleich vermittelt Katrin Eigendorf einen eindrucksvollen Einblick in ihre verantwortungsvolle und viel zu oft gefährliche Arbeit als Reporterin in Krisengebieten

Donnerstag, 13. August 2026

Rezension: Au revoir und tschüss von Gudrun Lochte

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Au revoir und tschüss
Autorin: Gudrun Lochte
Erscheinungsdatum: 23.06.2026
Verlag: VANI
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783691690033

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Für Caro, Mitte vierzig, besteht das Leben aus einem Halbtagsjob, Hausarbeit, Hunderunden und der Bewirtung von Gästen, die ihr Mann Holger ungefragt einlädt. Ihre beiden Söhne sind längst erwachsen, dennoch übernimmt sie für den jüngeren immer noch die Wäsche. Nach ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen fragt in ihrer Familie niemand. Rückhalt findet Caro vor allem in den Telefonaten und Treffen mit ihrer Freundin Holly.

In ihrem Roman „Au revoir und tschüss“ erzählt Gudrun Lochte, wie bei ihrer Protagonistin Caro der Traum von einem Sprachurlaub in Frankreich beständig wächst, jedoch werden die Ausgaben dafür von Holger als unnötig abgetan. Von Holly in ihrem Ansinnen bestärkt, lässt sie sich davon nicht abhalten und bucht einen vierwöchigen Sprachkurs in Uzès in der Region Okzitanien.

Gudrun Lochte hält sich selbst gerne in Uzès auf, das merkt man ihren Beschreibungen der bezaubernden südfranzösischen Stadt an. Für Caro wird die Reise zu einem Wendepunkt. Fernab von ihrem Alltag geht sie zunächst zögerlich, dann zunehmen selbstbewusst auf andere Menschen zu und schließt neue Freundschaften. Außerdem entdeckt sie Gefühle, die sie lange nicht mehr so intensiv erlebt hat.

Das Sprachunterricht lässt Caro ausreichend Zeit, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was ihr selbst Freude bereitet und was sie sich von ihrem Leben wünscht. Auch die Exkursionen mit ihrem Französischkurs tragen dazu bei und ermöglichen zugleich den Lesenden, das reizvolle Umland zu entdecken. Die ruhige Erzählweise gibt Caros persönlicher Entwicklung Raum und lässt nachvollziehbar werden, wie es ihr gelingt, ihre eigenen Vorstellungen zu konkretisieren.

Französisches Flair, laue Sommernächte und unbeschwerte Stunden sind das Rezept für den eingängigen Roman „Au revoir und tschüss“ von Gudrun Lochte. Die Geschichte stimmt nachdenklich darüber, seine eigenen Wünsche und Träume nicht aus den Augen zu verlieren. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

Dienstag, 11. August 2026

Rezension: Ms Atkins und die Bibliothek der Träume

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Ms Atkins und die Bibliothek der Träume
Autorin: Vanessa Göcking
Erscheinungsdatum: 11.08.2026
Verlag: VANI
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Farbschnitt
und Page Overlay
ISBN: 9783691690026
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Amanda ist die Protagonistin und Titelgeberin des Fantasyromans „Ms Atkins und die Bibliothek der Träume“ von Vanessa Göcking. Seit vielen Jahren arbeitet sie für die britische Zoll- und Steuerbehörde und führt ein zurückgezogenes Leben in ihrer Wohnung im Londoner Stadtteil Hampstead. Einen festen Platz in ihrem Alltag nimmt der Besuch der Bücherei ein, die sie jeden Freitagnachmittag besucht. Eines Tages erhält sie Zugang zu einem geheimnisvollen Raum der Bibliothek, von dem aus ein Fahrstuhl sie zu ihren Träumen bringen kann.

Nur wenigen Besucherinnen und Besuchern ist es gestattet, diesen besonderen Leseraum aufzusuchen. Hierzu gehören Henry, der sich in der Büberei nach dem Schulunterricht etwas hinzuverdient, und die etwa gleichaltrige, aufmüpfige Xiao Mei. Auch der wohlhabende Robert verbringt bereits seit etwa zehn Jahren die meiste Zeit in diesem geheimnisvollen Raum. Ob jung oder älter: Alle vier tragen ein eigenes Schicksal mit sich und bewahren Gedanken und Sorgen, über das sie nicht mit anderen sprechen. Als Amanda jedoch vor einem aktuellen Problem steht, schließen sie sich zu einer Gemeinschaft zusammen und versuchen, ihr beizustehen.

Die Idee hinter der Geschichte ist ansprechend. Eine Bücherei besitzt für Leserinnen und Leser ohnehin eine besondere Faszination, doch geheimnisvolle Vorgänge und mysteriöse Ereignisse verleihen diesem ohnehin Ort ein rätselhafte Atmosphäre. Die vier Hauptfiguren unterscheiden sich deutlich in ihren Eigenarten und es ist interessant zu beobachten, wie sie lernen müssen, aufeinander einzugehen und ihre unterschiedlichen Vorstellungen und Bedürfnisse miteinander zu vereinbaren.

Die Sorgen der ProtagonistInnen bleiben jedoch längere Zeit im Verborgenen und werden später, meiner Meinung nach, recht kurz beschrieben. Ich fand es auch schade, dass kaum eine weitere Auseinandersetzung mit den am Konflikt beteiligten Personen stattfand. Der Verlauf zum Schluss der Geschichte hin konnte mich ebenfalls nicht vollständig überzeugen, weil er mir auf diese Weise die Hoffnung auf weitere Abenteuer der vier Hauptfiguren genommen hat. Zudem empfand ich, dass das wiederholte Erzählen bestimmter Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven zu Längen führt.

In der Fantasy „Ms Atkins und die Bibliothek der Träume“ erzählt Vanessa Göcking in einer schlichten und leicht zugänglichen Sprache von Mut, Zusammenhalt und der Kraft des Träumens. Das Buch verfügt über einen Farbschnitt und einem innenliegenden Page Overlay, wodurch es optisch so ansprechend gestaltet ist, dass man es besonders gern in die Hand nimmt. Trotz des interessanten Ansatzes konnte mich das Buch aufgrund der oben angeführten Punkte nicht ganz überzeugen.

Samstag, 8. August 2026

Rezension: Bretonischer Glanz - Kommissar Dupins fünfzehnter Fall von Jean-Luc Bannalec

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Bretonischer Glanz - Kommissar Dupins fünfzehnter Fall
Autor: Jean-Luc Bannalec
Erscheinungsdatum: 
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
rezensierte Buchausgabe Paperback mit gestalteten Klappen
ISBN: 9783462006032

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Der fünfzehnte Fall führt den aus Paris stammenden und nach Concarneau versetzten Kommissar Dupin an die Nordwestküste der Bretagne nach Roscoff. Die vorliegenden Fallermittlungen verknüpft Jörg aka Jean-Luc Bannalec wieder eng mit einer regionalen Spezialität. Obwohl die kleine Gemeinde nicht einmal 3500 Einwohner zählt, genießt sie weit über die Bretagne hinaus einen hervorragenden Ruf für ihre Roscoff-Zwiebeln, die sich durch ihre zartrosa Farbe und ihren mild-süßen Geschmack auszeichnen.

Eine besondere Würze erhält der Kriminalroman dadurch, dass die Tote in der Nähe eines der Lesungsorte des gerade stattfindenden, leider fiktiven Krimifestivasl in Roscoff aufgefunden wird. Das Opfer ist die junge, streitbare Betreiberin eines Zwiebelhofs, die sich mit großem Engagement für eine biodynamische Bewirtschaftung einsetzt. Der vor Ort zuständige Kollege geht in den wohlverdienten Ruhestand. Weil Dupins Mitarbeiter Kadeg ohnehin als Zuhörer das Festival besucht, empfiehlt er seinen Chef für die Ermittlungen. Während sich das gesamte Team als krimibegeistert erweist, ist Dupin wenig angetan von dem Wunsch eines Kriminalromanautors, ihn bei seiner Arbeit zu begleiten.

Neben den Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten in Roscoff und der Umgebung greift der Autor auch gesellschaftspolitische Themen der Bretagne auf. Zum einen sind es Probleme im Zusammenhang mit Fährverbindungen, zum anderen sind es die Sorgen der landwirtschaftlichen Erzeugerinnen und Erzeuger, die zwischen den polizeilichen Ermittlungen verdeutlichen, welche Herausforderungen die Menschen vor Ort zu bewältigen haben und dadurch zum Nachdenken anregen.

Noch bevor das Motiv und Täterschaft geklärt werden können, geschieht ein weiterer Mord, so dass Dupin und sein Team aus Concarneau ihre bisherigen Erkenntnisse neu bewerten und die bisher ins Visier der Ermittlungen geratenen Personen befragen müssen. Es bleibt bis zum Ende spannend, wer die Morde begangen hat und ob sie von einer oder mehreren Personen ausgeführt wurden.

Auch der fünfzehnte Fall für Kommissar Dupin und sein Team verbindet wieder eine fesselnde Ermittlungsarbeit mit viel regionalem Flair. Mir hat es große Freude bereitet, leserisch erneut in die Bretagne zu reisen.

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