Montag, 11. November 2019

Rezension: Happy End für 2 - Rachel Winters


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Happy End für 2
Autorin: Rachel WInters
Übersetzer: Irene Eisenhut und Janine Malz
Broschiert: 416 Seiten
Erschienen am 11. November 2019
Verlag: Heyne

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Evie Summers lebt in London und arbeitet als Assistentin bei einer Filmagentur, die vor allem den berühmtem Drehbuchautor Ezra Chester betreut. Ihren Freunden gegenüber nennt Evie ihn nur S.N.O.B. - SuperNerviger OberBubi. Er hat vor drei Jahren einen Oscar gewonnen, seitdem jedoch kein weiteres Drehbuch geschrieben. Die Produktionsfirma für seinen nächsten Film macht nun allerdings Druck. Ezra hat zugesagt, eine romantische Komödie zu schreiben, und mehrere Abgabetermine verstreichen lassen. Wenn er in drei Monaten kein Drehbuch abgibt, ist der Deal geplatzt. Um das zu verhindern, soll Evie ihn zum Schreiben bringen. Dafür stellt ihr Chef Monty ihr die Beförderung zur Agentin in Aussicht. Nach einem Wortgefecht zwischen Evie und Ezra schließen die beiden einen ungewöhnlichen Deal: Er schreibt, wenn sie ihm im Gegenzug beweist, dass das Genre der romantischen Komödie realistisch ist. Dazu muss sie jemanden durch einen „Magischen Moment“ wie im Film kennenlernen. Also stürzt sich Evie in diesen Selbstversuch.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, in dem Evie versucht, jemanden mit ihrem Orangensaft anzurempeln. Das geht gehörig schief und richtet ein mittelgroßes Chaos im Café an. Erst danach erfährt man als Leser, was es mit ihrem Versuch, einen „Magischen Moment“ zu erzeugen, auf sich hat. Evie sieht den Deal mit S.N.O.B. als einmalige Chance auf eine Beförderung, denn sie ist mit neunundzwanzig Jahren inzwischen die dienstälteste Assistentin der Branche.

Ich habe sehr gut in die Geschichte hineingefunden und war gespannt, welche „Magischen Momente“ aus Filmen Evie nachstellen wird. Fans romantischer Komödien kommen hier voll auf ihre Kosten, da über zahlreiche Filme, sowohl Klassiker als auch neuere Werke, diskutiert wird. Die Schlüsselszenen, in denen das Paar sich in diesen kennenlernt, sind völlig unterschiedlich. Evie versucht es nicht nur im Café, sondern zum Beispiel auch im Buchladen, auf einem Roadtrip oder in der Warteschlange. Dabei gerät Evie in zahlreiche schräge Situationen, die mehr witzig als romantisch sind.

Neben Evies Jagd nach dem „Magischen Moment“ fand ich die Gespräche und Chats mit ihren Freunden sehr schön, die ihr mit mehr oder weniger hilfreichen Ratschlägen zur Seite stehen. Auch die ständigen Frotzeleien mit Ezra aka S.N.O.B. fand ich unterhaltsam. Bei ihrem Versuch im Café lernt sie außerdem die quirlige Schülerin Annette mit ihrem Vater kennen, durch die sie eine neue Perspektive auf das Geschehen erhält.

Jede Menge tolle Ideen sind in diese Geschichte eingeflossen, die natürlich immer mehr selbst zur romantischen Komödie wird. Ich hatte beim Lesen viel Spaß und die Vorhersehbarkeit der Handlung störte mich nicht, denn das Genre zeichnet schließlich aus, dass alles so kommt, wie man es sich wünscht. Auf dem Weg dahin gibt es so manche Höhen und Tiefen, die man gemeinsam mit der Protagonistin durchlebt.

„Happy End für 2“ ist eine Hommage an alle romantischen Komödien! Ich wurde durch Evies unfreiwillige Versuche, romantische Filmszenen nachzustellen und dabei jemanden kennenlernen, bestens unterhalten. Die Geschichte bietet eine gelungene Mischung aus lustigen Momenten und solchen fürs Herz, sodass ich sie sehr gerne an alle RomCom-Fans weiterempfehle!

Sonntag, 10. November 2019

Rezension: Wie wir die Angst vor der Angst verlieren von Gregor Eisenhauer


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Wie wir die Angst vor der Angst verlieren - Furchtlos in 7 Tagen
Autor: Gregor Eisenhauer
Verlag: Dumont (Link zur Buchseite des Verlags)
Erscheinungsdatum: 12.07.2019
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783832183585
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Gregor Eisenhauer hat in seinem Buch „Wie wir die Angst vor der Angst verlieren“ über die vielen Facetten der Sinnesempfindung einer abstrakten Gefahr geschrieben. Der Autor hat im Dumont Podcast, Folge 5 sein Buch selbst als „Ermunterung“ bezeichnet. Es soll den Leser dazu bewegen, seine Angst häufiger zu zeigen. Jeder hat Angst, vor den unterschiedlichsten Dingen, der eine mehr, der andere weniger. Indem man seine Ängste bekennt, kommt man ins Gespräch darüber und stellt fest, dass man mit seinen Ängsten nicht allein ist. Gregor Eisenhut bekennt sich dazu, Angst gerade vor der Einsamkeit zu haben, die ihn dazu führt, mit niemanden darüber reden zu können.

Sein Buch teilt der Autor nach Wochentagen ein, denen er jeweils eine Krise zuordnet. Interessiert verfolgte ich die Schilderungen über die Helden seiner Kindheit, die auch meine waren. Später hat ihn vor allem das Leben von Kafka beeindruckt. Hinweise auf den bedeutenden Schriftsteller, seine Werke und sein Verhalten finden sich im gesamten Buch.

Weil Angst immer wieder noch mehr Angst erzeugt, hat Gregor Eisenhauer sich Hilfe in Form einer fiktiven Therapeutin gesucht mit deren Hilfe er sich einer Konfrontationstherapie aussetzt und sich einigen seiner Ängste stellt. Wie viel Selbsterlebtes der Autor in seine Erzählung einfließen lässt, ist nicht erkennbar. Aber so detailliert über Angsterlebnisse zu schreiben, setzt meiner Meinung nach voraus, sie zumindest teilweise selbst erlebt zu haben.

Der Untertitel des Buchs „Furchtlos in 7 Tagen“ ist offensichtlich nicht ernst zu nehmen, denn wir entkommen der Angst nicht, es treten immer neue gedachte Gefahren auf, ganz am Ende davon steht die Existenzangst. Allerdings ist die Furcht von der Angst abzugrenzen dadurch, dass sie konkreter ist. Wenn das Kaninchen vor der Schlange steht, ist seine Furcht angemessen. Ist die Bedrohung vorüber, ist auch die Furcht beendet, Ängste dagegen bleiben.

„Wie wir die Angst vor der Angst verlieren“ gab mir als Leser die Möglichkeit mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich wurde aufmerksam darauf, wie viele verschiedene Ängste es gibt und erkannte mich in einigen wieder. Gregor Eisenhauer sieht in der Angst eine Möglichkeit, sie zum Handeln zu nutzen. Dem möchte ich mich gerne anschließen. Ich fand das Buch nicht nur Hinweis gebend, sondern auch unterhaltend mit einem vergnüglichen Unterton.

Samstag, 9. November 2019

Rezension: Die Ewigkeit in einem Glas - Jess Kidd


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Die Ewigkeit in einem Glas
Autorin: Jess Kidd
Übersetzer: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Hardcover: 400 Seiten
Erschienen am 8. November 2019
Verlag: DuMont Buchverlag

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Im London des Jahres 1863 ist Bridie Devine als Privatdetektivin tätig. Dank der Männer, bei denen sie als Kind aufwuchs, hat sie einen besonderen Blick für Todesursachen und anatomische Auffälligkeiten. Als die sechsjährige Christabel entführt wird, wendet sich ihr Vater Sir Edmund deshalb an sie. Denn das kleine Mädchen ist alles andere als gewöhnlich: Sie hat spitze Hechtzähne, statt zu reden löst sie Erinnerungen in ihrem Gegenüber aus und sie legt eine ganz außergewöhnliche Verbundenheit zum Wasser und seinen Lebewesen an den Tag. Bridie sucht nach Spuren und hört sich in der Szene um, in der mit Kuriositäten gehandelt wird. Bei ihren Nachforschungen trifft sie auf alte Bekannte, die sie lieber nie wieder gesehen hätte.

Nachdem mich Jess Kidd schon in den ersten beiden Romanen mit ihrem Schreibstil überzeugen konnte, habe ich mich sehr über das erscheinen dieses neuen Buchs gefreut. Diesmal nimmt die Autorin den Leser ein gutes Stück mit in die Vergangenheit und lässt ihn ins gefährliche und dreckige London des 19. Jahrhunderts eintauchen, wo so manche üblen Gestalten ihr Unwesen treiben.

Gleich zu Beginn wird man Zeuge der Entführung eines Mädchens, das über höchst erstaunliche Eigenschaften besitzt. Die Protagonistin Bridie soll die kleine Christabel zurückbringen. Bei ihrem letzten Entführungsfall ist sie gescheitert, weshalb noch immer Zweifel an ihr nagen. Bridie hat in ihrem Leben schon vieles erlebt und gesehen, das sie gedanklich immer wieder einholt. Sie ist taff und schert sich nicht darum, was andere denken. Gleichzeitig ist sie mitfühlend und hat schon einige Menschen aus den Klauen anderer befreit.

Als Bridie plötzlich den Geist eines Boxers mit zahlreichen sich bewegenden Tatoos sieht, staunt sie nicht schlecht. Wer die anderen Romane der Autorin kennt weiß, dass Geister bei ihr eine Pflichtzutat sind. Diesmal sieht die Protagonistin nur einen einzigen, kann sich dafür aber rege mit ihm unterhalten, was zu unterhaltsamen Dialogen führt. Einige Szenen sind auch aus der Sicht des Geistes geschrieben, was einen neuen Blick auf das Geschehen ermöglicht.

Um den Entführern des Mädchens auf die Spur zu kommen, nimmt Bridie den Tatort und seine Umgebung unter die Lupe und hört sich vor allem mal hier, mal dort um. Wer straffe Ermittlungen sucht, wird hier nicht fündig. Die Autorin nimmt sich Zeit, den Leser in die von ihr geschaffene Welt eintauchen zu lassen, und konnte mich mit ihren lebhaften Schilderungen begeistern. Neben der Suche nach Christabel versucht Bridie herauszufinden, warum sie von Sammlern überhaupt so begehrt wird. Außerdem erfährt man einiges über ihre Vergangenheit, denn im Zuge ihrer Nachforschungen trifft sie auf alte Bekannte. Die Charaktere sind allesamt auf ihre Weise besonders und haben so manche kuriose Eigenschaft. Und auch die Natur spielt wieder einmal verrückt und sorgt für erstaunliche Ereignisse. Zum Ende hin wird es für Bridie ganz schön gefährlich, weshalb ich gespannt mitfieberte.

„Die Ewigkeit in einem Glas“ ist eine gelungene Mischung aus Spannung, Kuriositäten und fantastischen Elementen. Ich habe Bridie gern begleitet und fand es interessant, die ungewöhnlichen Personen kennenzulernen, denen sie begegnet. Gleichzeitig fieberte ich mit, ob sie den Fall lösen und den Gefahren aus dem Weg gehen kann. Wer einen phantasievollen Schreibstil mag, der sollte dieses Buch unbedingt lesen!

Freitag, 8. November 2019

Rezension: Abenteuer Geschmack - Antje de Vries




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Abenteuer Geschmack
Autorin: Antje de Vries
Hardcover: 288 Seiten
Erschienen am 2. Oktober 2019
Verlag: Gräfe und Unzer

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Das Motto des Buches „Abenteuer Geschmack“ von Antje de Vries lautet „kochen und experimentieren“. Der Leser wird eingeladen, die Geschmacksvielfalt von fünfzehn verschiedene Gemüsesorten zu entdecken.

Den Rezepten vorangestellt sind einige Seiten, in denen erklärt wird, wie Geschmack funktioniert. Alle Sinne spielen dabei eine Rolle. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden auf ansprechende Weise mit dem Leser geteilt und werden von großformatigen, thematisch passenden Bildern begleitet.

Jedem Gemüse ist ein eigenes Kapitel gewidmet, diese sind jeweils gleich aufgebaut. Den Rezepten vorangestellt ist ein doppelseitiges Geschmacksporträt, bei dem der Geschmack und seine Variationen durch unterschiedliche Zubereitung verständlich und ausführlich erklärt werden. Für jedes der drei bis fünf Rezepte pro Kapitel wird explizit in wenigen Sätzen erklärt, welches Geschmackserlebnis man hier erwarten kann. Zwischen den Rezepten ist außerdem noch eine Doppelseite „Geschmacks-Insight“ untergebracht, wo weitere Hintergrundinformationen zum jeweiligen Gemüse geliefert werden.

Die Rezepte haben einen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad. Pro Kapitel ist fast immer ein Rezept dabei, das sich mit wenigen Zutaten in relativ kurzer Zeit kochen lässt. Andere Rezepte sind deutlich anspruchsvoller mit Zubereitungszeiten von über einer Stunde. Jedes Rezept ist auf einer eigenen Doppelseite dargestellt - links das Rezept, rechts ein Foto des Gerichts.

Gut fand ich, dass bei einigen exotischeren Zutaten auch Hinweise gegeben wurden, mit welcher alltäglicheren Zutat man diese ersetzen kann. Bei einigen Rezepten benötigt man jedoch zwingend einen Holzkohlegrill, mit dem ich leider nicht dienen kann. Außerdem fand ich es bei einigen Rezepten schwer, abzuschätzen, wie groß die Portionen werden und es war für mich nicht immer gleich klar, ob es sich um eine Vor-, Haupt- oder Nachspeise handelt.

Ich habe bereits die Rezepte „Möhrensalat mit Erdnüssen und Koriander“ sowie „Orangen-Butter-Kürbis“ ausprobiert. Den Anweisungen konnte ich problemlos folgen und ich war sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Beides waren spannende Geschmackskombinationen, die zu entdecken mir Spaß gemacht hat.

Abschließend möchte ich die ansprechenden Bilder loben, die Lust machen, das Buch immer wieder zur Hand zu nehmen. Nicht nur die Gerichte werden mit einem seitenfüllenden Foto in Szene gesetzt, auch die Infos rund um das Gemüse werden von tollen großformatigen Aufnahmen begeleitet. Dadurch riecht das Buch allerdings intensiv nach Farbe, was hoffentlich noch verfliegen wird.

„Abenteuer Geschmack“ ist ein Buch für alle, die Lust haben, sich mit einzelnen Gemüsesorten intensiver zu beschäftigen und genauer zu verstehen, wie sich die Zubereitungsform auf den Geschmack auswirkt. Es gibt zahlreiche toll gestaltete Seiten mit Hintergrundinformationen, die ebenso viel Platz einnehmen wie die Rezepte selbst. Ein Buch zum Stöbern, Verstehen und Ausprobieren für alle, die Lust auf Geschmacksexperimente haben!

Möhrensalat mit Erdnüssen und Koriander

Orangen-Butter-Kürbis

Dienstag, 5. November 2019

Rezension: Metropol von Eugen Ruge


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Metropol
Autor: Eugen Ruge
Erscheinungsdatum: 08.10.2019
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband (Leseexemplar)
ISBN: 9783498001230
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Vor acht Jahren hat Eugen Ruge den fiktiven Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ veröffentlicht, in dem er einen Teil der Geschichte seiner Familie verarbeitet hat. Mit dem Buch „Metropol“ hat er erneut einen Roman mit autobiografischem Hintergrund geschrieben, der mich als Leserin mit in das Jahr 1936 nach Moskau nahm.

Im Mittelpunkt steht die Großmutter des Autors, in der Geschichte mit ihrem gewählten Decknamen Lotte Germaine zu finden. Lotte und ihr Ehemann Wilhelm aus Deutschland sind überzeugte Kommunisten und in die Sowjetunion eingewandert. Dort arbeiten sie für den Nachrichtendienst der 3. Kommunistischen Internationale, kurz „Komintern“. Lotte ist stolz auf ihre Fremdsprachenkenntnisse und der Möglichkeit als Frau mit zwei inzwischen erwachsenen Kindern berufstätig zu sein. Während beide sich auf einer mehrwöchigen Urlaubsreise nach Jalta befinden, liest Lotte in einer Zeitung von dem gerade in Moskau stattfindenden Prozess gegen mehrere Volksfeinde. Einige der im Artikel genannten Personen sind ihr bekannt, mit einem von ihnen hatte das Ehepaar näheren Kontakt.

Für die Kommunisten der damaligen Zeit gestaltete es sich schwierig, zwischen Freund und Feind, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und sich danach entsprechend abzugrenzen und zu positionieren. Für Wilhelm und Lotte ist schnell klar, dass sie ihre Bekanntschaft zu dem Prozessangeklagten der Parteileitung melden müssen, denn ein Verschweigen könnte darauf hindeuten, dass sie selbst etwas zu verheimlichen haben und vielleicht den Angeklagten bei seinen Verbrechen unterstützten. Nur kurz nach Einreichen eines entsprechenden Berichts über die Bekanntschaft zum Angeklagten müssen beide ihre bisherige Wohnung räumen, ins angesehene Hotel Metropol ziehen und auf weitere Anweisungen warten.

Für das Ehepaar beginnt eine Zeit der Hoffnung auf eine neue Zukunft, die aber gleichzeitig verbunden ist mit Ungewissheit, Skepsis und zunehmender Vorsicht im Kontakt mit Jedem, dem sie begegnen. Misstrauen macht sich nicht nur von ihrer Seite aus breit, sondern sie spüren auch die Zurückhaltung der Personen zu ihnen.

Eugen Ruge schafft mit der Verknüpfung der realen geschichtlichen Ereignisse, realer Figuren und fiktiven Ausschmückungen, unter der Vorstellung wie es gewesen sein könnte, ein Zeitdokument, das mir als Leser einen Einblick in den sowjetischen Alltag Mitte der 1930er Jahre gewährte. Er vermittelte mir die steigende Unsicherheit der Sowjetbürger im Umgang miteinander.

Während die Haupthandlung auf Lotte und Wilhelm fokussiert, versetzt der Autor sich in einigen Kapiteln in die tragende Rolle des an den Moskauer Prozessen beteiligten vorsitzenden Richters. Auch hier gelingt ihm eine glaubwürdige Darstellung, die mir zeigte, wie weit Menschen in ihrem Streben nach Macht und Anerkennung bei gleichzeitiger Gehorsamkeit zur obersten Führung und eisernem Festhalten an einer Ideologie zu gehen bereit sind.

Außerdem widmet Eugen Ruge noch einer weiteren Mitarbeiterin der Komintern einige Kapitel. Aus ihrem Schicksal wird deutlich, welchen weiteren glücklichen Verlauf das Leben der Großmutter des Autors im Vergleich genommen hat. Der Autor versteht es, kleine Details zur Untermalung besonderer Situationen zu nutzen, die die Intensität des Erzählten verstärken. Manchmal lässt er in Lottes zunehmenden Gedankenkreisel voller Sorgen nahezu lakonisch Bemerkungen einfließen, die den Roman, dessen Unterton durchgehend bedrückend ist, stellenweise ein wenig aufheitern.

Mit „Metropol“ ist Eugen Ruge erneut ein faszinierender Blick auf ein Stück Zeitgeschichte gelungen, das er authentisch in Romanform unter Einarbeitung eines Teils der eigenen familiären Erlebnisse seiner Großmutter verarbeitet hat. Gerne empfehle ich den Roman weiter.

Sonntag, 3. November 2019

Rezension: The One. Finde dein perfektes Match - John Marrs


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The One. Finde dein perfektes Match
Autor: John Marrs
Übersetzer: Felix Mayer
Broschiert: 496 Seiten
Erschienen am 21. Oktober 2019
Verlag: Heyne

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Typische Datingapps gehören der Vergangenheit an! Denn dank „Match Your DNA“ muss man nur noch eine Speichelprobe einschicken, und die Suche nach dem einen perfekten Partner beginnt. Für den Großteil der Interessenten ist das Match nach wenigen gefunden, und die Verbundenheit, die Matches spüren, ist laut Berichten vieler zufriedener Nutzer einzigartig. Auch Mandy will das nun ausprobieren und hat direkt Erfolg - Richard wohnt auch gar nicht so weit weg. Ganz im Gegensatz zum Match von Jade, denn Kevin lebt auf der anderen Seite der Welt. Nick wird von seiner Freundin gedrängt, vor der Hochzeit zu testen, ob sie Matches sind. Ellie ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau, deren normale Dates vor allen an ihrem Ruhm und Geld interessiert sind. Und Christopher ist ein Psychopath, der keine Gefühle empfindet, aus reinem Interesse aber prüfen wollte, ob auch er ein Match hat.

Das Cover von „The One“ fällt mit seinem weißen Cover, dem einzelnen pinken Fingerabdruck und dem pinken Buchschnitt sofort ins Auge. Allerdings finde ich es schade, dass man sich für pink entschieden hat, denn die Geschichte ist aus meiner Sicht auch gut für Männer geeignet, die diese Aufmachung eher abschreckt. Außerdem hätte ich einen DNA-Strang auf dem Cover passender gefunden als den Fingerabdruck, denn diese spielen im Buch überhaupt keine Rolle.

Das Buch erzählt die Geschichten von fünf Charakteren, die sich untereinander überhaupt nicht kennen, wodurch das Buch aus fünf separaten, abwechselnd erzählten Handlungssträngen besteht. Sie verbindet die Tatsache, dass die Charaktere ihre Speichelprobe bei „Match Your DNA“ eingeschickt haben. Das hat für sie alle komplett unterschiedliche Auswirkungen. Der klassische Fall - man trifft sich, verliebt sich, heiratet und lebt glücklich bis ans Lebensende - ist nicht dabei, so viel sei verraten. Das Buch spielt mit der Frage, wie gut man die Person, mit der man seelenverwandt ist, wirklich kennt. Denn dass man zusammengehört heißt nicht, dass der andere keine Geheimnisse hat.

Und Geheimnisse gibt es in diesem Buch reichlich! Das Buch macht eine Kehrtwende nach der nächsten, eine Überraschung jagt die andere. Was dabei herauskommt habe ich wirklich nicht kommen sehen. Zusätzlich sind die einzelnen Kapitel immer nur wenige Seiten lang, danach wechselt die Perspektive. Oft gibt es am Kapitelende Cliffhanger, sodass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte, weil ich weiterlesen musste, um zu erfahren, was als nächstes passiert. Dabei bleiben Tempo und Spannung hoch. Die Geschichte konnte mich bis zu ihrem wirklich gelungenen Ende packen.

Insgesamt konnte mich das Buch begeistern, einen Stern Abzug gibt es jedoch für zwei unlogische Aspekte, dank der die Story überhaupt erst funktioniert. Der Autor gibt sich zum einen nicht sonderlich viel Mühe, zu erklären, warum jede Person genau ein Match hat. Angeblich finden 98% ihr Match in sechs Monaten und es gibt teils einen großen Altersunterschied - aber können bei einer solchen Einzigartigkeit so viele Matches gleichzeitig, also im Jetzt, leben? Vielleicht war mein Match ja auch Archimedes oder Elvis. Der zweite Punkt betrifft Christopher, bei dem die Ermittlungen rund um die Verbrechen, die er begeht, schrecklich stümperhaft dargestellt werden. Dass die Polizei so dermaßen planlos ist kann ich nicht glauben.

In „The One. Finde Dein perfektes Match“ begleitet der Leser fünf Charaktere, die ihre DNA eingeschickt haben, um den einen perfekten Partner ermitteln zu lassen. Ich musste mich jedoch auf die Geschichte einlassen und die Unlogik des Grundgedankens beiseite schieben. Belohnt wurde ich mit einer spannenden und temporeichen Geschichte voller Wendungen, die mich sehr gut unterhalten konnte!

Freitag, 1. November 2019

Rezension: Gespräche mit Freunden von Sally Rooney


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Gespräche mit Freunden
Autorin: Sally Rooney
Übersetzerin: Zoe Beck
Erscheinungsdatum: 22.07.2019
Verlag: Luchterhand (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783630875415
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Der Roman „Gespräche mit Freunden“ der Irin Sally Rooney ist eine Erzählung über verschiedene Beziehungen in einer Freundschaft zwischen drei Frauen und einem Mann. Erzählt wird die Geschichte von der 21-jährigen Frances. Neben ihrem Studium hat sie einen Praktikantenplatz bei einer Literaturagentur. Sie ist in einfachen Verhältnissen in Dublin aufgewachsen. Ihre Eltern haben sich getrennt als sie 12 Jahre alt war und sie leben jetzt einige Kilometer westlich.

Frances ist seit ihrem 17. Lebensjahr mit Bobbi befreundet. Beide waren für ein Jahr ein Paar, trennten sich, blieben Freunde und treten bei Poetry Veranstaltungen auf, bei denen sie die Spoken-Wort-Stücke von Frances zusammen aufführen. An einem dieser Abende lernen sie die 37-jährige Fotojournalistin Melissa kennen, die mit einem fünf Jahre jüngeren Schauspieler verheiratet ist. Melissa lädt die beiden zu einem Abendessen zu sich nach Hause ein. Hierbei und auch später entwickeln die Anwesenden in unterschiedlichen Konstellationen tiefere Gefühle füreinander.

Frances ist eine eher introvertierte Persönlichkeit. Außer Bobbi hat sie keine nennenswerten Freunde. Sie hält weiterhin losen Kontakt zu ihren Eltern, wobei sie das Verhalten ihres Vaters bedrückt. Bei ihren Auftritten mit Bobbi agieren beide gleichwertig. Nachdem die zwei Freundinnen Melissa und ihren Ehemann Nick kennengelernt haben, kann Frances einen Anflug von Eifersucht auf Bobbi dem Leser gegenüber jedoch nicht verbergen. Sie selbst hält sich für wenig emotional, doch sie zeigt, dass sie es genießt, geliebt zu werden. Während der gesamten Geschichte versucht sie immer wieder ihre Grenzen auszuloten, lehnt sich auf und versucht Provokationen abzuwenden.

Vielleicht ist es der ungewohnte Input durch die vielen Gespräche mit den neuen Freunden über die verschiedensten, auch kritischen Themen, von denen ihr Innerstes aufgewühlt wird.  Immer häufiger sucht sie durch das Beibringen von Schmerzen von ihrem quälenden Verhalten, dem Ergründen wann sie sich wie verhalten soll, abzulenken.

„Gespräche mit Freunden“ ist das Debüt von Sally Rooney. In einem eher unaufgeregten Stil steuert die Geschichte auf ein von mir vermutetes aber nicht gewünschtes Ende zu. Die Autorin beeindruckte mich dadurch, dass sie jede Stimmungslage erfassen, beschreiben und mir als Leser auf eine manchmal beiläufigen Art vermitteln konnte.  

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Rezension: Kochen nach Beaufort von Claudia Seifert




 
 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Kochen nach Beaufort - Rezepte für jede Windstärke
Autorin: Claudia Seifert
Fotos: Julia Hoersch
Erscheinungsdatum: 10.10.2019
Verlag: Delius-Klasing (Link zur Buchseite des Verlags)
ISBN: 9783667117021
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Das Kochbuch „Kochen nach Beaufort“ von Claudia Seifert mit Fotos von Julia Hoersch aus dem Delius Klasing Verlag ist ein Rezeptbuch für die Kombüse, das bei der Zubereitung die Enge des verfügbaren Platzes berücksichtigt. Das Buch wurde in einer Metalldose geliefert, was als Spritzschutz an Bord sinnvoll sein kann. Beiliegend war ein hölzerner Kochlöffel, den ich auch für mein erstes Küchenerlebnis mit einem der aufgeführten 81 Rezepte verwendet habe und der mir auch weiterhin nützlich sein wird. Die Rezepte sind dieselben wie in einer anderen Ausgabeart des Buchs aus dem Jahr 2012.

Auf den ersten Seiten sind die danach folgenden Rezepte benannt und nach Windstärken und Seitenzahlen aufgeführt. Einige Seiten weiter findet sich eine Liste mit Lebensmitteln, die man an Bord vorfinden sollte. Benötigt ein Rezept eines dieser Zutaten, ist eine Bemerkung beim Rezept rechts unten vorhanden. Zusätzlich werden aber fürs Kochen viele frische Zutaten benutzt von denen es mir möglich erscheint, dass sie im nächsten Hafen eventuell nicht zu erhalten sind. Daher sollten die Gerichte, die an Bord zubereitet werden sollen, vor dem in See stechen geplant und die Lebensmittel besorgt werden.

Nicht immer erschien es mir leicht, die Gerichte, die hohen Windstärken zugeordnet wurden, in der Kombüse zu kochen z.B. stelle ich mir die Zubereitung und das Essen von mit Apfel- und Matjesstückchen belegten Brotscheiben bei starkem Wind schwierig vor. Leider sind nicht zu jedem Rezept Fotos vorhanden, was ich darum schade finde, weil ich sie Appetit anregend finde und sie darum zum Nachkochen verführen. Die vorhandenen Fotos der Gerichte wurden stylisch ins Bild gesetzt ohne jedoch geschönt zu sein, was mir sehr gut gefallen hat. Ergänzt werden sie von stimmungsvollen Fotos vom Wasser oder von Schiffen. Wer sich allerdings vom Foto mit Mangold, Kirschen und Frischkäse angesprochen fühlt, wird von einem Druckfehler überrascht, denn hier ist ein anderes Rezept zu finden das dadurch doppelt vorhanden ist. Das scheint beim Layout und Lithographe in Deutschland und beim Drucken in China nicht aufgefallen zu sein.

Die Rezepte sind leicht nach zu kochen. Die Anleitung ist meist kurz gehalten, enthält aber alle notwendigen Schritte. Die aufgeführten Zubereitungszeiten sind ein guter Richtwert und hilfreich. Wer nach schnell zuzubereitenden, geschmacklich gut abgestimmten Gerichten sucht, die man auf kleinem Raum in der Kombüse oder zu Hause kochen kann, wird in diesem Buch fündig.
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