Dienstag, 5. Mai 2026

Rezension: Heimatsommer von Petra Durst-Benning

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Heimatsommer
Autorin: Petra Durst-Benning
Erscheinungsdatum: 29.04.2026
Verlag: Blanvalet (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Softcover mit Klappen
ISBN: 9783764508920
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Acht Jahre nach dem letzten Band der Maierhofen-Reihe hat Petra Durst-Benning mit „Heimatliebe“ erneut einen Roman geschrieben, der in der Gegenwart spielt. Die Handlung ist in der etwa dreizehnhundert Einwohner umfassenden, fiktiven Kleinstadt Goldberg angesiedelt. Der Ort liegt im Baden-Württembergischen Remstal und ist von Weinbergen umgeben, die oft innerhalb der Familie über Generationen hinweg bewirtschaftet werden.

Die im Elsass geborene Agnes ist inzwischen 67 Jahre alt. Als junge Frau kam sie als Beiköchin ins Schwabenland, verliebte sich dort in einen angehenden Arzt und gründete mit ihm eine Familie. Noch immer kümmert sie sich um den Weinberg, den ihr Schwiegervater sehr geliebt hat. Ihr Sohn Jean-Claude lernte zunächst Winzer, entschied sich dann jedoch für den Beruf des Kochs. Er liebt seine Freiheit und zieht seitdem von einem Job zum nächsten um die Welt.

Bei einem seiner seltenen Heimatbesuche erfährt Jean-Claude, dass viele Winzer im Ort wegen der zunehmend schwierigen wirtschaftlichen Lage aufgeben. Als die Stelle des Kellermeisters frei wird, setzen die Goldberger ihre Hoffnung darauf, dass Jean-Claude diese Aufgabe übernimmt. Aber ist er bereit, seine Ungebundenheit für den wenig lukrativ erscheinenden Job aufzugeben?

Petra Durst-Benning versteht es, die gut recherchierten Sorgen der Weinbranche glaubwürdig in die Handlung einzuflechten. Dabei erfährt man nicht nur von steigenden Kosten und Personalmangel, sondern erhält auch Kenntnisse über Weinanbau und -erzeugung. Besonders gelungen ist die Darstellung des Gemeinschaftsgefühls in Goldberg. Die Autorin bringt die Gefühle der handelnden Personen zum Ausdruck, die zwar zusammen nach Lösungen suchen, sich aber auch bewusst sind, dass ihr Anliegen scheitern kann. Einige erfolgversprechende, zeitgemäße Ideen werden in Goldberg umgesetzt, die sich durchaus auch auf andere Regionen übertragen lassen, um den heimischen Tourismus zu stärken. Es sind eine Vielzahl von Personen an den Events und Aktionen beteiligt, die jedoch aufgrund der guten Struktur der Handlung übersichtlich bleiben.

Die Geschichte spielt überwiegend in der Gegenwart, führt aber gelegentlich auch zu den Erinnerungen von Agnes in die 1980er Jahre zurück. Zu dieser Zeit lernt sie nicht nur ihren späteren Ehemann kennen, sondern auch ihre beste Freundin Helene. Deren Tochter Fleur ist bereits vor drei Jahren wieder nach Goldberg gezogen und versucht, vor den Einheimischen ein Geheimnis zu verbergen. Die Tochter von Agnes wiederum ist seit Kindertagen ihre Freundin und inzwischen Landrätin, wodurch man ebenfalls einiges von den Anforderungen dieses Berufs erfährt. Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz und das nicht nur bei den jüngeren Figuren.

Mit „Heimatsommer“ ist Petra Durst-Benning ein warmherziger Roman gelungen, der trotz aller Sorgen und Herausforderungen ein Gefühl von Zuversicht vermittelt. Der respektvolle Umgang der Figuren miteinander und ihr gemeinsames Engagement für neue Ideen sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Gleichzeitig regt die Geschichte zum Nachdenken über die Probleme touristisch geprägter Regionen an. Ich fühlte mich bestens unterhalten und vergebe sehr gerne eine Leseempfehlung.

Dienstag, 28. April 2026

Rezension: Solange ein Streichholz brennt von Christian Huber

 

Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Solange ein Streichholz brennt
Autor: Christian Huber
Erscheinungsdatum: 26.03.2026
Verlag: dtv (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783423285407

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In seinem Roman „Solange ein Streichholz brennt“ führt Christian Huber zwei sehr unterschiedliche Figuren behutsam aufeinander zu: Zum einen Alina Alev, die als Fernsehjournalistin für einen großen Sender in Köln arbeitet, und andererseits den 36-jährigen Daniel Bohm, der seit fünf Jahren auf der Straße lebt. Der Titel bezieht sich auf ein Spiel zwischen der beiden Hauptfiguren und verweist zugleich auf die Kürze eines Moments, der lebensverändernd sein kann.

Alinas Eltern haben hart dafür gearbeitet, damit ihrer Tochter einmal den Beruf ergreifen kann, den sie sich wünscht. Bisher hat Alina als Reporterin nur überschaubare Erfolge verzeichnet. Im Augenblick sieht es sogar so aus, als ob sie ihr die Entlassung droht. Als der Sender ihr stattdessen aber anbietet, sich an einem Projekt über das Sozialgefüge der Republik zu beteiligen, sieht sie darin eine Chance, sich nicht nur zu beweisen, sondern auch Anerkennung zu gewinnen und damit auch ihre Eltern stolz zu machen.

Im Umgang mit Bohm zeigt sich bald, dass Alina nicht die taffe Journalistin ist, die für Ruhm und Erfolg alles zu tun bereit ist. Sie Eine Mitarbeiter der Bahnhofsmission gibt ihr den Hinweis, wo sie Bohm finden kann, der ihr als geeignet für das angefragte Fernsehprojekt scheint. Alina lernt den Obdachlosen kennen, kurz nachdem ihm ein Hund zugelaufen ist, der schnell dessen Herz erobert hat. Letztlich wird er der Grund dafür sein, dass Bohm sich für die Teilnahme am Projekt entscheidet. Der Autor gewährt einen Blick hinter die Kulissen der Fernsehberichterstattung und zeigt auf mit welchen fragwürdigen Mitteln manche Beiträge aufsehenerregend dramatisiert werden können.  

Gleich von Beginn an schildert Christian Huber das Leben von Bohm auf der Straße mit all seiner Härte, so dass sich ein berührendes und glaubhaftes Bild entsteht. Bohm trägt einen geheimnisvollen Brief bei sich, der durch das Nichtwissen über den Inhalt für subtile Spannung sorgt. Der Grund, warum der Obdachlose ihn nicht öffnet, bleibt lange im Verborgenen. Erst sein Inhalt zeigt die Persönlichkeit Bohms in all seinen Facetten, zu denen auch sein zynischer Wortwitz gehört, der der bewegenden Geschichte immer wieder eine aufheiternde Seite verleiht.

Der Roman ist mehr als eine Liebesgeschichte zwischen zwei Personen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Er ist auch eine einfühlsame Auseinandersetzung mit der Würde jedes Menschen und den Vorurteilen, die unser Verhalten beeinflussen.

Der Roman „Solange ein Streichholz brennt“ überzeugt mit vielschichtigen Figuren und einem denkbaren Szenario in einem herausfordernden sozialen Umfeld, das Christian Huber feinfühlig beschreibt. Die Geschichte fasziniert mit einer gelungenen Handlung, die bewegt und in Erinnerung bleibt. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter.

Samstag, 25. April 2026

Rezension: Hilf den Tierkindern von Nico Sterbaum


Hilf den Tierkindern
Autor & Illustrator: Nico Sternberg
Pappbilderbuch: 22 Seiten
Erschienen am 18. Februar 2026
Verlag: Pengion Junior
Link zur Buchseite des Verlags

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 Das Mini-Mitmachbuch „Hilf den Tierkindern“ von Nico Sternbaum hat ein handliches 15x15 cm Format und lädt die Kleinsten zum Helfen ein. Fünf verschiedene Situationen laden dazu ein, einem oder mehreren Tierkindern zu helfen. Eine Doppelseite zeigt jeweils eine Problemsituation und es wird beschrieben, was zu tun ist. Auf der Folgeseite sind dann die glücklichen Tiere zu sehen, nachdem ihnen geholfen wurde. Man muss rufen, tippen und streicheln. Am Besten gefällt meinem 15 Monate alten Sohn das kleine Schaf, das Stroh am Kopf hat. Hier soll er mit dem eigenen Kopf wackeln, um dem Tierkind zu zeigen, wie es das Stroh wieder los wird. Ein großer Spaß!

Die Mimik der kleinen Tiere finde ich gelungen. Sie blicken zunächst traurig drein und freuen sich dann riesig, wenn das Problem gelöst wurde. Die Illustrationen enthalten wenige Details, sodass der Fokus ganz auf den Tieren liegt. Zu diesen hat mein Sohn gleich eine Verbindung aufgebaut, er freut sich immer wieder darauf, durch das Buch zu blättern und ihnen zu helfen. Sehr gerne empfehle ich das Buch an andere kleine Helfer weiter!


Donnerstag, 23. April 2026

Rezension: Japan - Kultur, Landschaft, Menschen und ein Leben mit Ikigai

 

Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Japan - Kultur, Landschaft, Menschen und ein Leben mit Ikigai
Autor*in: Edition Michael Fischer
Erscheinungsdatum: 25.02.2026
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Farbschnitt und Leseband
ISBN: 9783745932621

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Das bei der Edition Michael Fischer erschienene Buch „Japan – Kultur, Landschaft, Menschen und ein Leben mit Ikigai“ verfügt über ein ansprechendes, von Silvia Keller gestaltetes Cover. Die haptischen Elemente auf dem vorderen Einband, das Leseband sowie der sehenswerte Farbschnitt machen es zu einem besonderen Erleben. Beim Aufschlagen leuchtet dem Lesenden auf dem vorderen Vorsatz ein Schwarm Kois entgegen, während auf dem hinteren Vorsatz ein üppig blühender Zweig eines Kirschbaums zu sehen ist.

Das Buch ist reichhaltig ausgestattet mit großartigen Fotografien sehr unterschiedlicher Art, die manchmal über zwei Doppelseiten hinweg ihre Wirkung entfalten. Der Inhalt ist aufgegliedert in die vier Jahreszeiten. Zu jeder werden typische Feste und Bräuche vorgestellt sowie Hinweise darauf gegeben, wann und wo die Natur besonders eindrucksvoll ist. Man erhält Informationen über die interessantesten Sehenswürdigkeiten und erfährt einiges über Ess- und Trinkgewohnheiten.

Ergänzt wird jeder Zeitabschnitt durch zwei Rezepte der japanischen Küche, die Tanja Dusy zusammengetragen hat. Zusätzlich finden sich einige Hinweise, welches Verhalten in Japan gerne gesehen wird und was als unhöflich gilt. Am Ende jeden Kapitels gibt Kristin Funk, die Redakteurin des Buchs, Anregungen dazu, ein Stück japanischer Lebensart auch zu Hause zu genießen.

„Japan – Kultur, Landschaft, Menschen und ein Leben mit Ikigai“ überzeugt nicht nur durch eine opulente Gestaltung, sondern auch durch die thematische Vielfalt. Es eignet sich sowohl als mentale Einstimmung als auch als praktische Vorbereitung auf eine Reise ins Land der aufgehenden Sonne. Nicht zuletzt ist es ebenfalls ein geschmackvolles Geschenk. Gerne empfehle ich es weiter.

Dienstag, 21. April 2026

Rezension: Stunden wie Tage von Shelly Kupferberg

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Stunden wie Tage
Autorin: Shelly Kupferberg
Erscheinungsdatum: 25.03.2026
Verlag: Diogenes (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783257073485
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Shelly Kupferberg verbindet in ihrem Roman „Stunden wie Tage“ historische Fakten mit Fiktion. Auf die Protagonistin Martha in deren späteren Lebensjahren wurde die Autorin in ihrem persönlichen Umfeld aufmerksam. Recherchen zu ihrer Biografie führten sie zurück in die Mitte der 1920er Jahre und zu einem Wohnhaus im Berliner Stadtteil Schöneberg.

Martha ist als einzige Tochter eines Schneiders aufgewachsen. Ihre Eltern ermöglichten ihr eine Ausbildung zur Kontoristin. Als diese zunehmend gebrechlich werden, sucht sie nach einer Anstellung, um den Lebensunterhalt abzusichern. Sie überzeugt die beiden Brüder Harry und Ber Berkowitz davon, sie trotz ihres jungen Alters als Hausbesorgerin in deren Mietshaus in der Tauentziehstraße einzusetzen.

Die Handlung verläuft überwiegend chronologisch, wird jedoch immer wieder durch Rückblenden ergänzt, die den Leser tiefer in die Vergangenheit der Figuren führen. So erfährt man beispielsweise mehr über das Ehepaar Harry und Katharina Berkowitz, das Anfang der 1920er Jahre aus politischen Gründen nach Berlin zieht. Harry adoptiert Katharinas Tochter Liane, die in der Hauptstadt geboren wird. In späteren Jahren wird sie häufig bei Martha zu Gast sein, die sich ihr mit großer Zuneigung annimmt.

Bald bewährt sich Martha in ihrer Rolle als Hausbesorgerin. In den nächsten Jahren erlebt man, welche alltäglichen Freuden und Leiden sie in ihrem Beruf erfährt, aber auch, wie sie den Mann fürs Leben kennenlernt. Mit Harry Berkowitz bespricht sie alles rund ums Haus, kassiert die Mieten und leitet sie an ihn weiter. Zunehmend nimmt sie die wachsenden Repressionen gegenüber der jüdischen Bevölkerung wahr. Auch die Brüder Berkowitz sind Juden, doch während Ber sich rechtzeitig nach England absetzt, verweilt Harry zunächst bei seiner Familie. Liane findet Kontakt zu einer Widerstandgruppe, die vom NS-Regime verfolgt wird. Dadurch nimmt ihr Leben eine Wendung, die niemand je erwartet hätte.

Als Persönlichkeit ist Martha zielstrebig und dabei konsequent, fleißig, mit dem Herz auf der Zunge, sparsam und um Gerechtigkeit bemüht. Dank sehr guter Recherche entsteht ein umfassendes authentisches Bild ihres Lebens. Immer wieder lässt Shelly Kupferberg Historie und Histörchen einfließen. Es sind nicht immer die großen Ereignisse die dabei berühren, vielmehr sind es die kleinen Begebenheiten, die das Unbegreifliche greifbar machen. Gekonnt lässt die Autorin jedoch auch immer wieder vergnügliche Szenen einfließen und setzt so der der Schwere der Zeit einige entspannende Momente entgegen.   

Der auf wahren Geschehnissen beruhende Roman „Stunden wie Tage“ von Shelly Kupferberg erzählt das Leben der Hausbesorgerin Martha, die im letzten Jahrhundert in Schöneberg wohnte. Besonders eindringlich und verstörend wirkt die Darstellung der Zeit des Nationalsozialismus, deren beklemmende und unmenschliche Ereignisse lange nachhallen. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

Sonntag, 19. April 2026

Rezension: Mirabellentage von Martina Bogdahn


Mirabellentage
Autorin: Martina Bogdahn
Hardcover: 352 Seiten
Erschienen am 16. April 2026
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Link zur Buchseite des Verlags

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Anna ist Anfang 50 und hat die letzten Jahrzehnte als Haushaltshilfe des Dorfpfarrers Josef gearbeitet, mit dem sie seit ihrer gemeinsamen Kindheit befreundet ist. Als dieser unerwartet stirbt, gerät Annas bisher klar strukturierter Alltag ins Wanken. Sie muss die Beerdigung organisieren und den unerwartet schnell angetretenen neuen Pfarrer Willkommen heißen. Vor allem aber lässt ihr Josefs letzter Wunsch keine Ruhe: Er möchte, dass sie seine Asche ans Meer bringt. Doch wie soll das gehen? Seit ihrer Führerscheinprüfung ist sie nicht mehr Auto gefahren, sie war noch nie am Meer und die Mirabellen sind reif und warten darauf, zu Marmelade verarbeitet zu werden.

Als Leserin lernte ich Anna kurz nach dem Tod von Josef kennen. Sie ist damit beschäftigt, zu funktionieren und alle notwendigen Aufgaben abzuarbeiten. Auf diese Weise geht sie mit ihrer Trauer um. Dass schon vor der Beerdigung der neue Pfarrer anreist, den sie mit seinem norddeutschen Akzent als Bayerin kaum versteht, sorgt für zusätzlichen Wirbel. Und als sie ihren alten Fahrlehrer um eine Auffrischung ihrer Fahrpraxis bittet, muss sie feststellen, dass ihr Schwarm von damals immer noch ihr Interesse wecken kann.

Es gibt viele Rückblenden, denn zum einen erinnert sich Anna an ihre Erlebnisse mit Josef zurück und zum anderen erzählt sie dem neuen Pfarrer so manche Anekdote über das Leben im Dorf und in der Pfarrgemeinde. Martina Bogdahn erzählt liebevoll von dem Dorfleben mit all seinen Eigenheiten und skurrilen Begebenheiten und konnte mich damit sehr gut unterhalten. In der Gegenwartsebene trifft Anna Vorbereitungen für die Reise ans Meer, von der sie gar nicht weiß, ob sie diese wirklich antreten will. Ich fand es schön, sie dabei zu begleiten, das Geschehene zu verarbeiten und zu akzeptieren und sich dem zu stellen, was vor ihr liegt. Allerdings hätte ich mir auf dieser Zeitebene stellenweise noch mehr erzählerische Entwicklung gewünscht. 

Insgesamt hat mir „Mirabellentage“ sehr gut gefallen. Es ist ein ruhiger Roman vom Erinnern, Loslassen und Nachvornblicken, der von Atmosphäre, Figurenzeichnung und einem augenzwinkernden Blick auf den Dorfalltag lebt. Wer solche Geschichten mag, der wird sich hier gut aufgehoben fühlen!

Samstag, 18. April 2026

Rezension: Möwe Emma im Gewimmel: Am Meer von Florian und Lena Mühlemann

 


Möwe Emma im Gewimmel: Am Meer
Autor: Florian Mühlemann
Illustratorin: Lena Mühlemann
Pappbilderbuch: 22 Seiten
Erschienen am 25. März 2026
Verlag: FISCHER Sauerländer
Link zur Buchseite des Verlags

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Heute sind 28 Grad! Möwe Emma ist zur Küste geflogen, um sich dort das Treiben anzusehen. Am Strand ist schon viel los, und wer lieber seine Ruhe haben will, der taucht unter Wasser ab. Im Schatten ist man vor der Hitze gut geschützt und wer eine Erfrischung braucht, der kauft am Büdchen ein Eis. An der Küste kann es aber auch ganz schön windig werden, und nach einem Sturm spülen die Wellen spannende Dinge an den Strand.

„Möwe Emma im Gewimmel“ ist eine neue Reihe von Florian und Lena Mühlemann, in der es für die Kleinsten viel zu Entdecken gibt. Der Band „Auf dem Markt“ hat uns so gut gefallen, dass auch „Am Meer“ bei uns einziehen durfte. Die Strand- und Meerszenen strahlen in kräftigen Gelb- und Blautönen. Auf den ersten Seiten gibt es wimmelige Sommerszenen, auf denen viel zu entdecken ist. In der zweiten Buchhälfte wird es windig und ein Sturm spült Schätze an Land. Hier sind weniger Menschen zu sehen, dafür gibt es Muscheln, Steine und Seetang zu entdecken. 

Meinem Sohn gefällt die Doppelseite am Besten, auf der zwei Paar Füße im Sand an der Wasserkante stehen. Hier landen immer seine Füße im Buch, die er dazustellen möchte. Die kurzen Texte sind in Reimform gehalten. Das jeweils letzte Wort fehlt und ist auf der nächsten Seite als großes Bild abgebildet. Mein Sohn blättert immer ganz neugierig um, damit ich schnell weiterlesen kann. Er findet Möwe Emma großartig und wir sind schon gespannt, ob es weitere Abenteuer mit ihr geben wird!


Freitag, 17. April 2026

Rezension: Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo

Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Einatmen. Ausatmen.
Autor: Maxim Leo
Erscheinungsdatum: 12.03.2026
Verlag: KiWi (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783462006513

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In seinem Roman „Einatmen. Ausatmen“ führt der Autor Maxim Leo die Lesenden an der Seite seiner Protagonistin Marlene Buchholz zu einem Achtsamkeitsseminar auf ein Brandenburger Schloss. Die dortige Academy wurde von dem Coach Alex Grow vor einigen Jahren gegründet. Er soll Marlene durch die beiden Kurswochen führen und ist eine weitere Hauptfigur der Geschichte.

Die 39 Jahre alte Marlene ist beziehungsarm, aber fachlich kompetent und immer für das Unternehmen da, in dem sie arbeitet. Ihr Karriereziel hat sie endlich erreicht: sie soll von der Abteilungsleiterin zur Vorstandsvorsitzenden befördert werden. Aber ihre Eignung für die neue Rolle wird von einigen Mitarbeitenden angezweifelt, weswegen ein Coaching sie optimal vorbereiten soll. Marlene hält die Schulung für unnötig und reist mit einer ablehnenden Einstellung an.

Alex Grow, dessen Nachname nur ein Alias ist, aber sinnbildlich für die frühere Entwicklung seiner Academy stehen kann, ist die Leichtigkeit beim Erteilen seiner Kurse abhandengekommen. Wehmütig denkt er an die Anfangszeit als Coach. In den letzten Jahren fiel es ihm immer schwerer, die Maschinerie seines Unternehmens mit etlichen Beschäftigen der unterschiedlichsten Berufe am Laufen zu halten. Wenn er es schafft, Marlene für ihre anstehende Aufgabe rechtzeitig in Form zu bringen, könnten die von ihrem Arbeitgeber in Aussicht gestellten Folgeaufträge seine Academy vor dem drohenden Bankrott bewahren.

Maxim Leo greift mit „Lifecoaching“ in seinem Roman ein aktuelles Thema auf, das inzwischen von vielen Unternehmen für ihre Angestellten in Anspruch genommen wird. Aber auch Personen, die im Beruf gestresst sind, suchen Hilfe und finden sie in Kursen, in denen Entspannungstechniken gelehrt werden. Auf der anderen Seite ist die Konkurrenz der Seminaranbieter steigend und zunehmend unübersichtlich. Die Handlung nimmt zwar Marlene und Alex in den Fokus, besitzt jedoch mit dem Hausmeister des Schlosses und einer 13-jährigen Umweltaktivistin weitere interessant gestaltete Figuren, die für ein abwechslungsreiches Geschehen sorgen.

Der Autor schreibt durchgehend kurzweilig, auch durch manche überzogene Darstellung. Die ungefiltert offene Art von Marlene sorgt ebenfalls für heitere Momente, ohne ihren Charakter abzuwerten. Gleichzeitig rührt er an Wunden im System des Coachings, die zum Nachdenken anregen. Einerseits wirft er die Frage auf, inwieweit jede und jeder sich verändern lassen möchte, um beruflichen Erwartungen gerecht zu werden. Andererseits zeigt die Geschichte auch die persönliche Seite eines Coachs, der selbst dem Druck ausgesetzt ist, Vorbild zu sein. Das ständige Messen an Mitbewerbern erfordert auch von ihm eine permanente Anpassung seiner Kompetenzen, was auf Dauer zunehmend erschöpfend ist.

„Einatmen. Ausatmen“ von Maxim Leo ist ein vergnüglicher Zeitvertreib und dennoch tiefsinnig. Mit den Beschreibungen über Leistungsdruck in Unternehmen, Achtsamkeitskursen und Selbstverwirklichung regt er dazu an, sich damit auseinanderzusetzen, was man selbst für wichtig im Leben erachtet. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

Sonntag, 12. April 2026

Rezension: Die Rätsel meines Großvaters von Masateru Konishi

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Die Rätsel meines Großvaters
Autor: Masateru Konish
Übersetzerin aus dem Japanischen: Karina Hermes
Erscheinungsdatum: 12.03.2026
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur mit Farbschnitt
ISBN: 9783462014563

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Im Roman „Die Rätsel meines Großvaters“ des japanischen Autors Masateru Konishi, in der gelungenen Übersetzung von Karina Hermes, löst die Protagonistin Kaede erneut einige knifflige Kriminalfälle. Dabei hilft ihr die geniale Logik ihres Opas, die verbunden ist mit einem festen Ritual, das teils von magischem Realismus umwoben ist. An Kaedes Seite steht ihre Freundin Misaki, die wie sie als Lehrerin arbeitet. Zu den handelnden Personen zählen Kaedes Kollege Iwata, zu dem sie sich hingezogen fühlt, sowie dessen Freund, der Schauspieler Shiki. Die Figur des Kriminalbeamten Agatsuma, der früher vom Großvater unterrichtet wurde, übernimmt eine tragende Rolle bei den aktuellen Ermittlungen.

Sicherlich muss man den ersten Band der Reihe nicht unbedingt gelesen haben, da der Autor wichtige Hintergründe erklärt. Allerdings gibt es immer wieder Anspielungen auf die Vergangenheit der Hauptfiguren. Da mir der erste Teil bekannt war, fand ich mich schneller in die Geschichte ein als beim letzten Mal. Besonders hervorzuheben ist erneut die sensible Darstellung der Demenzerkrankung des Großvaters, der Anfang siebzig ist. Ebenso ist wieder das typische japanische Flair zu spüren, das sich vor allem durch den Umgang der Personen miteinander zeigt, der geprägt ist von Respekt und Zurückhaltung. Die im Buch allgegenwärtige Kriminalliteratur hingegen, aus dem der Großvater sein Wissen bezieht, ist international geprägt.

Inhaltlich reicht das Spektrum der Fälle beispielsweise von der Frage, ob es den Weihnachtsmann tatsächlich gibt, da er im Traum einer der Figuren verschwunden ist bis hin zum schwierigen Versuch, drohende Selbstmorde zu verhindern. Auch der rätselhafte Tod eines Polizisten wirft eine Reihe von Fragen auf. Masateru Konishi sorgt ein ums andere Mal für unvorhergesehene Wendungen. Die einzelnen Fälle sind in sich abgeschlossen, bleiben aber immer mit der übergreifenden Erzählung um Kaede und ihren Großvater verknüpft.

Brisant wird es für Kaede, die gerade erst begonnen hatte, sich von alten Wunden zu befreien. Sie rühren von einem lange zurückliegenden Familiendrama her. Gerade erst öffnete sie sich etwas mehr, was sich auch an ihrer Kleidung widerspiegelte, als die Vergangenheit sie erneut einholt.

Der zweite Band der Reihe, in der der an Demenz erkrankte Großvater der jungen Lehrerin Kaede in sehr unterschiedlichen kriminellen Fällen ermittelt, ist mit einem wunderschönen Farbschnitt ausgestattet. Im Buch Masateru Konishi fordert in „Die Rätsel meines Großvaters“, auch durch seinen ganz eigenen Schreibstil, den Lesenden dazu auf mitzuraten. Die Spannung wird durch einige unerwartete Entwicklungen gesteigert und findet darin ihren Höhepunkt, als Kaede im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

Donnerstag, 9. April 2026

Rezension: Little Hollywood von Inga Hanka

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Little Hollywood
Autorin: Inga Hanka
Erscheinungsdatum: 24.03.2026
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783753001296

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Im Roman „Little Hollywood“ von Inga Hanka begleitet man die Protagonistin Leonie, kurz Leo genannt, zurück in die 1990er Jahre. Leo hat gerade ihre letzte Abiturklausur geschrieben und steht ihr gefühlt die ganze Welt offen, obwohl ihr Weg alles andere als frei ist. Sie lebt gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem sieben Jahre jüngeren Bruder Ben in einer Zweizimmerwohnung in einer Kleinstadt. Der Vater entzieht sich seiner Verantwortung, auch beim Unterhalt für sie, weswegen die finanzielle Lage der Familie angespannt ist.

Dennoch ist es Leos großer Traum in das weiter entfernte Köln zu ziehen und dort zu studieren. Gleichzeitig zweifelt sie daran, überhaupt einen Studienplatz zu bekommen. Für den Fall, dass sie die Möglichkeit eines Studium bekäme, fürchtet sie den Trennungsschmerz ihrer Mutter und damit verbundene Probleme.

Glücklicherweise gibt es nicht nur ihre beste Freundin, sondern auch Klassenkameraden, mit denen sie Schwimmen geht und zu Feten. Mit einem von ihnen kann sie sich sogar eine feste Beziehung vorstellen. Besonders gerne leiht sie sich Filme in der Videothek aus, die dem Buch den Titel gibt. Dort arbeitet auch ihr Mitschüler Jo, von dem sie zwar nicht mal seinen vollständigen Vornamen kennt, mit dem sie aber so vertraut ist, dass sie sich jedes Mal auf sein Wahrheit oder Pflicht-Spiel einlässt.

Die Handlung erstreckt sich über die Monate von Mai bis September, in denen Leo wichtige Entscheidungen zu treffen hat, die ihr zukünftiges Leben prägen werden. Belastet wird sie von der familiären Situation. Mit ihren inzwischen neunzehn Jahren hat sie sich bisher immer den Ansprüchen ihrer Mutter gebeugt. Ihr ist bewusst, dass es nicht einfach sein wird, die nächsten Schritte allein zu gehen. Da sie bereits einige Zeit volljährig ist, fand ich es überraschend, wie wenig Freiraum sie sich bisher genommen hat.

Für Leo ist die Welt des Films eine Möglichkeit, sich der Realität zu entziehen. Die vielen Filmtitel und -zitate steigern die 1990er Atmosphäre der Geschichte noch weiter, allein das Benutzen von öffentlichen Fernsprechern zum Kontakt nach Hause habe ich vermisst. In Jo findet Leo einen ebenbürtigen Videokenner*in wie sie selbst eine ist. Das Wachsen ihrer Beziehung ist feinsinnig beschrieben und nachvollziehbar. Leos Bemühungen, richtige Entscheidungen für ihre Zukunft zu treffen, werden immer wieder vom schwierigen Verhältnis zu ihrem Vater überschattet.

Inga Hanka hat mit ihrem Roman „Little Hollywood“ eine Coming-Of-Age-Geschichte geschrieben, die das Flair der 1990er Jahre stimmungsvoll einfängt. Zwischen Loslösen und Aufbruch der Protagonistin Leo werden die Unsicherheiten des Erwachsenenwerdens ebenso spürbar wie ihre damit verbundene familiäre Abhängigkeit. Ein für jede und jeden schwierige Zeit, die hier realistisch dargestellt wird. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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