Montag, 20. Mai 2019

Rezension: Böses Geheimnis von B.C. Schiller


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Böses Geheimnis
Autorenduo: B.C. Schiller
Erscheinungsdatum: 02.04.2019
Verlag: Edition M
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
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Die Psychiaterin Olivia Hofmann sowie Levi Kant, Dozent an der Polizeiakademie und ein früherer Leiter der Mordkommission in Wien, versuchen im gleichnamigen Thriller des Autorenduos B.C. Schiller ein „Böses Geheimnis“ aufzudecken. Es ist fünf Jahre her, dass der Teenager Lisa Manz ermordet wurde, Levi war in die Ermittlungen involviert. Immer wieder wurde Lisa aufgrund psychischer Probleme in einer Klinik behandelt. Einer der Patienten Olivias erzählt ihr vom Rucksack der Toten, den er zu Hause aufbewahrt und bietet ihr an, sich diesen anzusehen. Als sie sich dem Mehrfamilienhaus nähert, in der ihr Patient wohnt, sieht sie zu, wie er vom Fensterbrett seiner Wohnung im vierten Stock springt. Olivia glaubt, dass er gestoßen wurde. Gemeinsam mit Levi geht sie weiteren Hinweisen nach, mit der dringenden Frage, ob Lisa eventuell noch lebt.

Als Leser konnte ich einen Blick auf ein Stück problematischer Vergangenheit bei beiden Protagonisten werfen. Es ist, wie der angebliche Tod von Lisa, auch fünf Jahre her, dass Ehemann und Tochter von Olivia verschwunden sind. Hierzu gibt es aber enttäuschender Weise später nur kurze Erklärungen. Levi hat seit fünf Jahren Eheprobleme, denn seine Frau wünscht, dass er den Fall Lisa Manz endgültig ruhen lässt und fordert Konsequenzen. Die Kommunikation der Eheleute über das Thema ist nicht genug ausgeführt, so dass ich den Zorn der Ehefrau als nicht gerechtfertigt ansehe.

Leider wurde beim Ausbau des Thrillers viel Potential verschenkt. Es wirkte für mich seltsam, dass Levi Auskünfte erhält, die anderen verwehrt wurden, nur weil er angibt, dass er Polizist ist. Das Autorenduo flicht eine bewegende Geschichte rund um seine Großmutter ein, die allerdings zu den Ermittlungen in keiner Beziehung steht und auch zu keiner anderen Handlung hinführt. Ein Beweisstück wird versteckt und wird nach fünf Jahren jetzt doch plötzlich zur Verfügung gestellt, ein anderes wird vernichtet, obwohl der Besitzer sich über die Möglichkeit von Fingerabdrücken im Klaren sein sollte. Sicher, zur Steigerung der Spannung tragen Stilmittel bei, hier werden sie jedoch teils unpassend angewendet. Die Charaktere blieben für mich blass, ich konnte nicht mit ihnen fühlen, wahrscheinlich weil ich auch die Logik ihrer Handlungen nicht immer nachvollziehen konnte.

Die Geschichte fließt nicht aus dem Ablauf der Geschehnisse heraus, insgesamt wirkt der Thriller versatzstückartig. Die Grundidee der Geschichte ist gut und der tatsächliche Ablauf der Tat und der Täter bleiben lange verborgen. Doch leider hat mir der Thriller aufgrund der oben aufgeführten Punkte nicht gefallen.

Sonntag, 19. Mai 2019

Rezension: Alles still auf einmal von Rhiannon Navin


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Alles still auf einmal
Autorin: Rhiannon Navin
Übersetzerin: Britta Mümmler
Erscheinungsdatum: 18.04.2019
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783423262170
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Es ist „Alles still auf einmal“ während der erst sechs Jahre alte Zach im Wandschrank seines Klassenraums sitzt. Rhiannon Navin erzählt in ihrem nach dieser beunruhigenden Wahrnehmung betitelten Buch von einem Amoklauf in einer sechsstufigen Grundschule in den USA. Dabei bleibt sie an der Seite ihres Ich-Erzählers Zach. Der Beginn des Romans führte mich als Leserin mitten hinein in das Geschehen. Zachs Lehrerin hat geistesgegenwärtig reagiert, als der Amoklauf begann, und ihre Schüler aufgefordert, sich im Schrank zu verstecken. Ihre Schüler der ersten Klasse überleben, doch Andy, der vier Jahre ältere Bruder von Zach, ist eines der Todesopfer. Der Verlust treibt einen Riss in die Beziehung der Eltern, nicht nur durch den Tod des Sohns, sondern auch durch einen schon bestehenden Konflikt und das Ansinnen von Zachs Mutter auf Vergeltung.

Sehr detailliert schildert die Autorin die Situation mit allen Sinneswahrnehmungen des Jungen. Glaubte ich vorher noch, so wie Zach, die Schüsse zu hören, war die eintretende Stille erschreckend. Doch noch intensiver zu spüren ist die Empfindung der angespannten Atmosphäre der folgenden Zeit bis das Ausmaß des Verbrechens bekanntgegeben wird. Obwohl für seine Eltern der Verlust sofort erfahrbar ist, wird Zach das Fehlen des Familienmitglieds noch nicht bewusst. Lange hält er am Präsens in seiner Erzählung fest, wenn er sich an gemeinsame Erlebnisse mit seinem Bruder erinnert. Die zunehmenden Auseinandersetzungen der Eltern führen zu einer veränderten Stimmung in Zachs Zuhause, die seine Gefühlswelt noch weiter aufwühlt. Sein daraus resultierendes Verhalten kann er sich selbst nicht erklären, mein Mitgefühl wurde dadurch noch verstärkt.

Rhiannon Navin schildert in „Alles still auf einmal“ einfühlsam ein Ereignis, dass niemand selbst erleben möchte. Eindringlich, realistisch und nachvollziehbar schreibt sie aus der Sicht eines Jungen, der zunächst nur am Rande die Situation erlebt, es sich später aber zeigt, wie tief seine Familie dadurch betroffen ist. Trotz des kindlichen Alters des Ich-Erzählers ist die Geschichte nicht kindisch. Es ist emotional berührend und bewegend wie die junge und noch heile Welt des Sechsjährigen zerbricht. Der Roman macht betroffen und bleibt in Erinnerung, darum empfehle ich ihn gerne weiter.

Donnerstag, 16. Mai 2019

Rezension: Bleib doch, wo ich bin von Lisa Keil


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Bleib doch, wo ich bin
Autorin: Lisa Keil
Erscheinungsdatum: 27.03.2019
Verlag: Fischer Taschenbuch (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch mit gestalteten Klappen
ISBN: 978396703975
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Der Roman „Bleib doch, wo ich bin“ ist das Debüt von Lisa Keil. Das Cover ließ mich von seiner Gestaltung her ahnen, dass die Geschichte auf dem Land spielt und meine Vermutung wurde bereits auf den ersten Seiten beim Lesen bestätigt. Kaya lebt sehr gerne in ihrer Heimat, dem kleinen Ort Neuberg, ungefähr zwei Stunden von Köln entfernt. Die 26-jährige betreibt hier eine kleine Buchhandlung mit Antiquariat. In kurzer Zeit ist der Stall für sie zu erreichen, in dem ihr geliebtes Shetlandpony untergestellt ist. Hier fühlt sie sich wohl. In ihrer Nähe leben ihre beste Freundin, ein Jugendfreund, der ihr bei Bedarf zur Seite steht, und weitere liebe Menschen. Außerdem kümmert sie sich gerne um ihre 13-jährige Nichte Milena.

Einen ganz anderen Charakter hat Lasse. Er ist Lehrer und aufgewachsen in Köln. Nach der Trennung von seiner Freundin hat er um Versetzung gebeten und eine Vertretungsstelle in Neuberg erhalten. Auch nach vier Monaten lebt er noch weitgehend aus den Umzugskartons, weil er sich mit seiner neuen Umgebung bisher nicht anfreunden konnte. Als Kaya und Lasse sich auf dem jährlichen Scheunenfest privat näherkommen, ahnt Kaya nicht, dass sie vorher schonmal in einer heiklen Situation Kontakt mit Lasse hatte.

Lisa Keil schafft mit Kaya und Lasse zwei Figuren, die ganz unterschiedliche Vorstellungen von ihrem zukünftigen Leben haben. Lasse ist das Stadtleben gewohnt, die Anonymität die damit verbunden ist und die vielen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Demgegenüber genießt Kaya die Nähe zur Natur und die Aufmerksamkeit der Menschen untereinander, die auch gerne ihre Hilfe anbieten. Genauso wie sie ihre Figuren lebendig gestaltet, sind auch die Lebenseinstellungen der Protagonisten nachvollziehbar. Die Entwicklungen der handelnden Personen führen zu vielen amüsanten Situationen, die den Unterhaltungswert des Romans noch steigern. Es gelingt der Autorin neben der Ausgestaltung alltäglicher Begegnungen auch intime Szenerien gefühlvoll und sinnlich zu beschreiben. Erst ganz zum Schluss erfährt der Leser, ob Lasse sich getreu des Titels von Kaya davon überzeugen lässt dort zu bleiben, wo sie ist.

Der Roman „Bleib doch, wo ich bin“ ist eine schöne Liebesgeschichte mit Witz, der sich oft aus der Situationskomik heraus ergibt. Die Figuren und ihre Handlungen sind wirklichkeitsnah, beide Protagonisten erzählen in der Ich-Form, so dass ich mich als Leser gut einfühlen konnte. Der Roman sorgt für einige entspannende Stunden und bietet besten Zeitvertreib, zu der es im nächsten Jahr eine Fortsetzung geben wird auf die ich mich schon freue.

Montag, 13. Mai 2019

Rezension: Das Geburtstagsfest von Judith W. Taschler


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Das Geburtstagsfest
Autorin: Judith W. Taschler
Erscheinungsdatum: 01.04.2019
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783426281888
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Bereits als ich das erste Mal den Roman „Das Geburtstagsfest“ von Judith W. Taschler in der Hand hielt erschienen mir das Cover zum Titel widersprüchlich. Zwar passt nach meiner Vorstellung die festlich gekleidete Frau in den von mir angenommenen feierlichen Rahmen zum Ereignis, aber der Raum erschien mir mit seinen Buntglasscheiben, den verwitterten Holzrahmen und der abblätternden Wandfarbe rückständig und heruntergekommen. Beim Lesen erfuhr ich, dass hier bereits auf den Inhalt der Geschichte angespielt wird.

Die Erinnerungen des Protagonisten Kim Mey an seine Jahre als Heranwachsender führen ihn in eine Zeit zurück, in denen er nur das Nötigste zum Leben hatte, gepflegtes Eigentum war ihm unbekannt. Vielleicht und gerade deshalb ist er seit Jahren ein erfolgreicher Architekt, verheiratet und hat drei Kinder, auf die er stolz ist. Eigentlich möchte er seinen 50. Geburtstag im engeren Familienkreis feiern. Doch sein jüngster Sohn Jonas hat sich eine besondere Überraschung für ihn überlegt, denn als Gast lädt er eine alte Bekannte seines Vaters zum Fest ein.

Die von Jonas eingeladene Tevi Gardiner wohnt inzwischen in Amerika, ist aber als Jugendliche gemeinsam mit Kim aus Kambodscha nach Österreich geflohen. Einige Zeit hat sie so wie er in Wien studiert, aber seit 23 Jahren hat Kim sie nicht mehr gesehen. Die geringe Freude, die er beim Wiedersehen zeigt, verwundert seine Kinder. Schließlich kommt es sogar zum Streit zwischen Kim und Tevi. Im Laufe der Erzählung führte die Autorin mich schrittweise an die Geschehnisse in der Vergangenheit heran, verknüpft sie aber ebenfalls mit der Gegenwart und den daraus resultierenden Folgen, die tief betroffen machen.

Mit einer Suche nach Tevi durch Jonas und der Bitte um ihren Besuch zum Geburtstag seines Vaters beginnt ganz unaufgeregt der Roman. Was Judith W. Taschler dann aber im Laufe der Geschichte erzählt überrollte mich mit großer Wucht, so unbegreiflich sind die geschilderten Erlebnisse und doch sind sie realistisch und glaubhaft. Als Leser führte sie mit nach Kambodscha in die 1970er Jahre, dort lebt Kim als ältester Sohn eines Fischers in einem kleinen Ort am Meer. Tevi die jüngste Tochter eines Hoteliers in der nächsten Stadt. Es herrscht Bürgerkrieg im Land und die Veränderung der politischen Lage dringt irgendwann auch bis in die kleinsten Dörfer.

Mit großer Behutsamkeit beschreibt die Autorin den Alltag der beiden Familien und die Möglichkeiten, die sich für die beiden Kinder Kim und Tevi in ihrem Umfeld zur Entwicklung bieten. Doch gleichzeitig entfaltet sie immer mehr die Grausamkeiten des Kriegs bis hin zur Flucht nach Europa. Interessanterweise blicken Kim und Tevi aus der Gegenwart sehr unterschiedlich auf die gemeinsamen Jahre zurück. Die Protagonisten wirken letztlich innerlich verwundet und zerrissen, die Erinnerungen bruchstückhaft zusammengesetzt, der Wahrheitsgehalt des Beschriebenen steht in Frage. Ist es Tevi, die ihre Erlebnisse verdrängt oder Kim, der das Geschehene idealisiert? Judith W. Taschler lässt die Frage bewusst offen und unterstützt so noch die Unzulänglichkeit ihrer Figuren, die mir durchaus sympathisch waren. Dennoch riefen deren Handlungen eine Art Unwohlsein bei mir beim Lesen hervor, allerdings gekoppelt konnte ich ihr Verhalten aufgrund der Umstände akzeptieren, jedoch nicht für gut befinden.

„Das Geburtstagsfest“ von Judith W. Taschler überraschte mich mit seiner Geschichte, die sich in seiner ganzen Tragik langsam über die Seiten hinweg mit zunehmender Kraft zeigt. Es ist ein denkwürdiges Geburtstagsfest zu dem die Autorin mich hier in Romanform eingeladen hat, das noch lange in Erinnerung bleiben wird. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

Samstag, 11. Mai 2019

Rezension: Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Ich bin die,vor der mich meine Mutter gewarnt hat
Autor: Demian Lienhard
Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt (Link zur Buchseite des Verlags)
Erscheinungsdatum: 20.03.2019
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783627002602
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Obwohl das Cover vielleicht an eine „federleichte“ Geschichte denken lässt, ist der Roman „Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat“ von Demian Lienhard nicht schwerelos. Er ist zwar von Beginn an aufgrund der schnodderigen Erzählweise der Protagonistin amüsant, aber auch tiefgründig und berührend.

Alba ist Protagonistin und Ich-Erzählerin des Romans. Sie erzählt im Rückblick auf ihr wichtige Ereignisse in ihrem Leben. Zu Beginn der Geschichte ist sie noch Schülerin und Patientin im Krankenhaus. Sie schildert ihre erste Begegnung mit ihrem späteren Freund Jack, der eigentlich gar nicht so heißt. Schon durch die ersten Zeilen erfuhr ich aufgrund einer von erwähnten Schwindelei von ihrem Gewohnheit, die Wiedergabe von Erlebtem so zusammenzubauen, wie es ihr nach ihrer Vorstellung gefällt.

Es ist Anfang der 1980er Jahre und Alba lebt in einem kleinen Ort in der Nähe von Zürich, dessen größte Attraktion eine Hochbrücke ist, von der sich viele hinunterstürzen, um ihrem Leben ein Ende zu setzen, darunter auch mehrere Mitschüler. Überhaupt ist Albas noch junges Leben von vielen Verlusten geprägt, was sie auch immer wieder in ihrer Erzählung thematisiert. Auf diese Weise lässt sich auch ihre Trauer und Wut auf das Leben nachvollziehen und ihr Wunsch danach, es zumindest für Außenstehende so zu verändern, dass Mitleid ausbleibt und sie einer Auseinandersetzung aus dem Weg geht.

Bis in die 1990er Jahre hinein reicht der Erzählstrang. Alba erzählt von ihren Gefühlen, ihren Wahrnehmungen, dem Alltagsgeschehen und erstmaligen Erlebnissen bis hin zu einer Spirale der Abhängigkeit in dies sie sich verfängt. Durch Jack wird sie auf größere Probleme in der Gesellschaft aufmerksam, ein Grund für sie, sich selbst kurzfristig zu engagieren.

Alba greift viele Gesprächsfäden auf und spinnt sie auf eine unvergleichliche Art in die von ihr erdachte Richtung. Immer wieder korrigiert sie sich selbst. Für mich ergab sich aufgrund ihrer Schilderungen das Bild einer jungen Frau, die von ihrer Mutter gelernt hat, nach außen hin eine gesellschaftlich akzeptable Fassade aufrecht zu erhalten. Obwohl das genau ein häufiger Kritikpunkt ist über den sie mit ihrer Mutter streitet, hat sie die Haltung so verinnerlicht, dass sie selbst nicht merkt, dass sie selbst sich genauso verhält. Als Leser führte ihr Verhalten mich innerhalb der Geschichte zu zahlreichen unerwarteten Wendungen und überraschenden Offenlegungen, die dem Roman einen eigenen Ton gaben.

Demian Lienhard schreibt mit großem Einfühlungsvermögen in dem Roman „Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat“ über eine junge Frau, die mit viel Selbstironie den Schattenseiten des Lebens entgegentritt, ohne Netz und doppelten Boden. Die Geschiche ist durch den besonderen Erzählstil der Protagonistin mitreißend, bewegend und stimmt nachdenklich, gleichzeitig sorgt er aber auch für einen kurzweiligen Unterton. Gerne empfehle ich das Buch weiter.


Sonntag, 5. Mai 2019

Rezension: Alte Sorten von Ewald Arenz


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Alte Sorten
Autor: Ewald Arenz
Erscheinungsdatum: 18.03.2019
Verlag: Dumont (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover
ISBN: 9783832183813
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Alte Obstsorten sind robust und unempfindlicher im Vergleich zu neuen, so sagt man. Im Roman „Alte Sorten“ von Ewald Arenz spielen Birnen unterschiedlicher Sorten, die es schon viele Jahrzehnte gibt, eine Rolle. Die Protagonistinnen der Geschichte sind die 17-jährige Sally und die etwa 45-jährige Liss, die sich durch Zufall kennen lernen. Von Beginn an war ich gespannt, ob sich im Laufe der Erzählung herausstellen wird, dass die nachgesagte erwähnte Eigenschaft der alten Sorten sich auf die beiden Frauen übertragen lässt. Ohne Frage macht das schlichte Cover auf das Buch aufmerksam und ließ mich daran denken, dass die Geschichte im ländlichen Bereich angesiedelt sein wird.

Dementsprechend fand die erste Begegnung zwischen Sally und Liss im Weinberg statt, dort lernen sie sich kennen. Sally ist wütend auf ihr Leben. Sie hat von irgendwo Reißaus genommen und freut sich, dass ihr niemand gefolgt ist. Liss ist mit ihrem Traktor unterwegs. Bei einem Wendemanöver benötigt sie Hilfe und fragt kurzerhand Sally. An der Art wie Liss ihre Frage stellt und sich im Folgenden verhält, unterscheidet sie sich von denjenigen, die ständig in Sallys Leben eingreifen. Sie folgt Liss auf deren Hof und hilft ihr gegen Kost und Logis bei einigen Arbeiten. Sally versucht ihre Herkunft vor Liss zu verbergen und diese schweigt im Gegenzug über ihre bewegte Vergangenheit. Im Laufe mehrerer Tage lernen sich beide nicht nur besser kennen, sondern auch einander zu schätzen. Doch Worte wiegen schwer und falsch gesetzte zerstören die fragile Oberschicht des Vertrauens zueinander und führen zu ungewollten Einblicken.

Sally sucht nach einer Möglichkeit frei zu leben nach ihrem eigenen Willen. Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, dass sie auf verschiedene Weise in den letzten Jahren durch Regeln und Normen geprägt wurde, gegen die sie sich aufgelehnt. Dadurch ist auch ihre abwehrende Haltung entstanden, die sie mit sich trägt wie einen Schutzschild. Alles und jedes wird von ihr in Frage gestellt. Doch der ruhige Ton von Liss, die sie um ihre Hilfe bittet, die tatsächlich benötigt wird, und ihr dann einfach die zur Hilfestellung notwendigen Abläufe erklärt, setzen ihre Misstrauen vorläufig außer Kraft. Liss zeigt ihr eine Seite des Lebens mit der Sally bisher wenig in Berührung gekommen ist. Die Feldarbeit und der Weinanbau, die Hühnerzucht und der Obstgarten mit den alten Birnensorten berühren auf ganz besondere Weise die Sinne der jungen Frau. Während der Umstand des Essens in Sallys Vergangenheit für sie krankhaft unbedeutend wurde, genießt sie nun die Frische der Speisen und den Geschmack.

Es dauert eine Weile bis Sally Vertrauen zu Liss aufgebaut hat und umgekehrt. Die grundsätzliche Einstellung zum Leben von Liss ist zu bewundern und auch die Energie die sie aufbringt um den Hof ganz allein zu bewirtschaften. Doch aus den ersten Reaktionen in ihrem Umfeld lässt sich herauslesen, dass sie trotz ihres einfühlsamen Charakters nicht besonders beliebt im Ort ist. Dahinter habe ich ganz richtig ein Geheimnis vermutet, dass Liss mir als Leser und auch Sally gegenüber erst zum Ende hin offenlegt und auch ihre seelische Verwundbarkeit zeigt. Bis dahin erzeugte die Heimlichkeit eine gewisse hintergründige Spannung. Trotz der Konflikte im Umgang der beiden Protagonistinnen miteinander beschreibt der Autor in ruhigen Worten die täglichen, manchmal kräftezehrenden Verrichtungen und erzeugt auf diese Weise einen friedlichen Gegenpol.

„Alte Sorten“ von Ewald Arenz ist ein gefühlvoll geschriebener Roman, der zeigt wie zwei ganz unterschiedliche Frauen von ihrer Umwelt so geprägt wurden, dass sie diese zwar letztlich akzeptieren, aber dennoch auf ihre Weise für die Durchsetzung ihrer eigenen Vorstellungen kämpfen. Sehr gerne empfehle ich das Buch uneingeschränkt weiter.

Samstag, 4. Mai 2019

[Rezension] Die Spiegelreisende: Die Verlobten des Winters - Christelle Dabos


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Die Spiegelreisende: Die Verlobten des Winters
Autorin: Christelle Dabos
Übersetzerin: Amelie Thoma
Hardcover: 535 Seiten
Erscheinungsdatum: 10. März 2019
Verlag: Insel Verlag

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„Die Verlobten des Winters“ ist der erste Band der Spiegelreisenden-Saga von Christelle Dabos. In dieser ist die Welt in verschiedene Archen zerbrochen. Orphelia lebt auf Anima und ist eine Leserin, das heißt sie erfährt die Geschichte von Gegenständen, wenn sie diese berührt. Außerdem kann sie in einem Spiegel gehen und aus einem anderen herauskommen, wenn sie genau weiß, wo sich dieser befindet. Als Leiterin des Museums führt die unscheinbare Frau, die sich am liebsten hinter Schal und Brille versteckt und die Stimme nicht erhebt, ein Leben, mit dem sie zufrieden ist. Doch nun haben die Doyennen beschlossen dass sie mit jemandem vom Pol verheiratet wird. Eine politische Entscheidung, gegen die sie sich nicht wehren kann. Bevor sie sich versieht hat ihr Verlobter sie und ihre Tante zu sich an den Pol geholt. Seine Arche kann man getrost als lebensfeindlich bezeichnen. Nicht nur wegen des Klimas, sondern auch wegen der verfeindeten Clans, die sich gegenseitig meucheln. 

Lange hat Orphelia keine Chance, sich den Plänen ihres Verlobten zu wiedersetzen. Sie muss so einiges durchmachen und kann niemandem vertrauen. Für mich zogen sich die Beschreibungen, wie grausam die Clans zueinander sind und wie gefährlich die Lage für Orphelia ist, etwas in die Länge. Orphelia wird wie ein Fußabtreter behandelt, was angeblich ihrer eigenen Sicherheit dient. Warum das in der Form nötig ist habe ich nicht verstanden. Schließlich gelingt es Orphelia zunehmend, auch mal eigene Entscheidungen zu treffen, wodurch mir das Buch allmählich besser gefiel. Die Autorin hat mit den Archen und den verschiedenen Fähigkeiten seiner Bewohner eine interessante und gefährliche Welt geschaffen, die ich neugierig erkundet habe. Nachdem es lange keinen richtigen Fortschritt gab kommt schließlich Schwung in die Geschichte und erste Geheimnisse werden gelüftet. Damit konnte mich die Story doch noch packen und hat mir Lust auf die Fortsetzung „Die Verschwundenen des Mondscheinpalasts“ gemacht.

Donnerstag, 2. Mai 2019

[Rezension] Die stumme Patientin - Alex Michaelides


 

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Die stumme Patientin
Autor:Alex Michaelides
Übersetzerin: Kristina Lake-Zapp
Broschiert: 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 2. Mai 2019
Verlag: Droemer

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 Sechs Jahre sind vergangen, seit Alicia Berenson ihren Mann Gabriel ermordet hat. Die Polizisten fanden sie in ihrem Haus neben der Leiche und dem Gewehr, auf dem nur ihre Fingerabdrücke waren und mit dem Gabriel mehrfach ins Gesicht geschossen wurde. Die bis zum Vorfall erfolgreiche Malerin hat seither kein einziges Wort mehr gesprochen. Diese Tatsache in Kombination mit der erdrückenden Beweislast ließen sie in der psychiatrischen Sicherheitsverwahrung landen. Der forensische Psychotherapeut Theo Faber hat die Berichterstattung damals interessiert verfolgt. Als ein Job in der Einrichtung frei wird, in der Alicia sich befindet, siegt seine Neugier und er wechselt die Stelle. Wird ihm das gelingen, woran seine Kollegen scheiterten – endlich zu Alicia durchzudringen?

Das Thema dieses Psychothrillers weckte schnell meine Neugier: Eine Frau tötet ihren Mann und sagt danach jahrelang kein Wort mehr. Welches Motiv hatte sie? Warum schweigt sie nun beharrlich? Auf den ersten Seiten kommt diese überraschenderweise gleich zu Wort, nämlich in Form eines ersten Tagebucheintrags. Ihr Mann hat ihr das Buch geschenkt, damit sie sich sortieren kann. Sie ist fest entschlossen, darin positive und glückliche Gedanken festzuhalten – und nur die! Als Leserin fragte ich mich, was hier wohl unter der Oberfläche lauert.

Nach diesem Intro wechselt die Geschichte die Perspektive und wird vom forensischen Psychotherapeuten Theo Faber erzählt. Er hat die Nachrichten rund um die grausame Tat der Alicia Berenson vor sechs Jahren aufmerksam verfolgt und gibt zunächst eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse. Der Fall fasziniert ihn sehr, und ich konnte nachvollziehen, warum er zu einem Stellenwechsel bereit ist, um die Chance zu erhalten, Alicia selbst zu therapieren.

Das Tempo ist zunächst ruhig und man begleitet Theo bei seinen ersten Tagen an der neuen Wirkungsstätte sowie den ersten Kontaktaufnahmen zu Alicia. Er überlegt, was er tun kann, um bei ihr eine Reaktion hervorzurufen. Dabei hat er einige unkonventionelle Therapie-Ideen, bei deren Umsetzung aber auch seine Chefs und Kollegen mitzureden haben. Gleichzeitig kontaktiert er Verwandte und Bekannte von Alicia, um seine Patientin besser zu verstehen und einen Ansatzpunkt zu finden.

Theos Gespräche mit Alicias Umfeld sowie weitere alte Tagebucheinträge werfen bald neue Fragen auf. Warum scheinen einige der Menschen, mit denen Theo spricht, etwas zu verbergen? Liegen hier Antworten verborgen? Und in welcher psychischen Verfassung war Alicia, als sie Tagebuch schrieb? Sind ihre Beobachtungen zutreffend oder ist das alles nur in ihrem Kopf passiert? Stückweise kommen Dinge ans Licht, die für beständige psychologische Spannung sorgten und dank denen ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Zum Ende hin nimmt die Geschichte richtig an Fahrt auf und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Mit diesen Entwicklungen habe ich wirklich nicht gerechnet – genial! Von mir gibt es für „Die stumme Patientin“ deshalb eine ganz große Leseempfehlung an alle Fans des Psychotrillers!

Mittwoch, 1. Mai 2019

Rezension: Die Töchter von Ilian von Jenny Mai-Nuyen


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Die Töchter von Ilian
Autorin: Jenny-Mai Nuyen
Erscheinungsdatum: 13.03.2019
Verlag: Fischer Tor (Link zur Buchseite des Verlag)
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783596299973
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„Die Töchter von Ilian“ ist eine High-Fantasy von Jenny-Mai Nuyen. Die Geschichte ist in einem mittelalterlichen Setting angesiedelt. Nur das „Kleine Volk“ (Zwerge) und das „Alte Volk“ (Elfen) haben ihre festen Siedlungsplätze, die Stämme der Urier (Menschen) sind ständig unterwegs, wohl auch durch harte Gebietskämpfe bedingt. Eine Karte, die sich sowohl vorne wie auch hinten unter der Klappe der Broschur verbirgt, gab mir als Leser einen Überblick über die Welt von Ilian, dem Land der Quellen. Die Welt war früher ein Reich ohne Krieg.

Die junge Welgreta vom Kleinen Volk hat sieben Jahre als Schülerin bei ebenso vielen Wyken, den Weisen Frauen der Welt, zugebracht. Nach ihrer Lehrzeit kehrt sie ohne Stelle wieder in ihre Heimat zurück und verliebt sich dort beim Erntefest in den wandernden Erzähler Fayanu vom Volk der Elfen. Die ihm anvertraute Aufgabe besteht darin, die verschollenen Iliaden zu finden, das sind vier magische Artefakte, die einst in den Händen der Wyken waren. Ihre spezielle Wirkkraft verstärkt sich durch Verschenken. Doch ihre Kraft ist geschwunden weil die Weisen Frauen sich schwer taten, sie herzugeben. Ein Artefakt besitzen zur Zeit die Elfen, ein weiteres führt Fayanu mit sich, das er später Welgreta schenkt. Die Zwergin erkennt die Zaubermacht des Artefakts und setzt sich zum Ziel, die Welt wieder im Frieden zu einen. Doch das Schicksal hat für die beiden Liebenden einen ganz anderen Weg wie den gewünschten vorgesehen.

Jenny-Mai Nuyen hat für ihre Fantasy eine eigene Welt geschaffen. Ihr Erzählstil enthält viele Details, so dass ich mir die handelnden Personen wie auch die Gegend sehr gut vorstellen konnte. Die Anzahl ihrer Figuren erfordert ein gewisses Maß an Konzentration, um sie dem richtigen Volk zuzuordnen. Dabei hilft eine Aufzählung der wichtigsten handelnden Personen zu Beginn des Buchs. Schwungvoll flechtet die Autorin immer wieder Geschichten ein, die von ihren Völkern über Generationen weitergegeben wurden. Jedes Volk hat seine eigenen rituellen Handlungen, seine Sprache, seine Essgewohnheiten und vieles mehr.

Die Charaktere gehen ihren Zielen nach, die meist beeinflusst sind von Macht und Einfluss. Es wird integriert und Versprechen gegeben, die nicht eingehalten werden, teilweise auch ohne Verschulden der Person. Um zu Ansehen und Ruhm zu gelangen wird immer wieder auf grausame Art mit viel Blutvergießen Krieg geführt. Die Führung bleibt dabei in den Händen der Männer. Die Autorin schafft nicht nur starke Frauenfiguren, sondern setzt einzelne oder auch Frauengruppen in ihrer Verletzlichkeit als taktische Ware zwischen den Völkern und Stämmen ein. Welgreta wird sich deren Rolle bewusst und durch sie setzt Jenny-Mai Nuyen sich mit den Rechten der Frauen und auch denen des einfachen Volks in ihrer Fantasywelt auseinander. Sie gestaltet überhaupt im ganzen Roman die Handlungen der einzelnen Personen für den Leser nachvollziehbar.

„Die Töchter von Ilian“ von Jenny-Mai Nuyen ist eine detailreich erzählte, verschlungene Geschichte mit vielen Ausschmückungen, die durch etliche unvorhersehbare Wendungen ihre Spannung bis zum Schluss aufrechterhält. Aufgrund der teilweise brutalen Kriegskämpfe empfehle ich das Buch erst ab 16 Jahren. Wer kein Problem mit blutigen Machtkämpfen hat und Liebe in vielen Facetten, Magie, Hinterlist mag und die Sehnsucht nach Frieden teilt, dem empfehle ich gerne diese High-Fantasy mit düsterer Grundstimmung. 

Montag, 29. April 2019

[Rezension] Der blutrote Teppich - Christof Weigold


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Der blutrote Teppich
Autor: Christof Weigold
Broschiert: 640 Seiten
Erscheinungsdatum: 11. April 2019
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

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Nach dem Skandal und den weitreichenden Ereignissen rund um die Ermordung der Hollywood-Schauspielerin Virginia Rappe hat sich Hardy Engel abgeschottet und lebt zurückgezogen in seiner kleinen Wohnung. Doch ewig kann es so nicht weitergehen, Rechnungen wollen bezahlt werden. Wieder als Schauspieler zu arbeiten kommt für ihn nicht in Frage, aber auch an einem erneuten Einsatz als Privatdetektiv hat er wenig Interesse. Bis sich ausgerechnet William Desmond Taylor, einer der erfolgreichsten Regisseure Hollywoods, bei ihm meldet. Hardy soll für ihn die Schauspielerin Mabel Normand beschatten, die sich scheinbar mit den falschen Leuten eingelassen hat. Die Bezahlung ist gut, also sagt Hardy zu. Doch als er nach einer unspektakulären Nacht vor dem Haus der Schauspielerin seinen Auftraggeber aufsuchen will, findet er dessen Leiche und steht selbst unter Mordverdacht…

Nachdem mir der erste Fall für Hardy Engel im letzten Jahr sehr gefallen hat, freute ich mich darauf, erneut ins historische Hollywood einzutauchen. Das Buch beginnt einige Monate nach den Ereignissen des ersten Bandes. Hardy hat in dieser Zeit seine Wohnung kaum verlassen und dem Whiskey zugesprochen. Doch sowohl für seine Bleibe als auch für den Alkohol geht ihm nun das Geld aus. Als ihm wenige Seiten später der berühmte Regisseur Taylor einen lukrativen Auftrag anbietet, nimmt er ihn deshalb an. Für fünfzig Dollar eine Schauspielerin eine einzige Nacht lang zu observieren klingt nach schnell verdientem Geld.

Schnell kommt Spannung in die Handlung, denn der Auftrag ist zwar einfach, aber am nächsten Morgen findet Hardy seinen Auftraggeber tot in dessen Haus. Dort findet ihn der Butler und hält ihn für den Mörder, was auch die Polizei nicht allzu abwegig findet. So hat Hardy schnell ein Eigeninteresse, den Fall zu lösen. Gewieft wie er ist sorgt er dafür, dass er für die Suche nach dem echten Mörder trotzdem bezahlt wird.

Dass Hollywood eine Löwengrube ist, in der Korruption und Vertuschung höchst aktiv betrieben werden, hat man bereits im ersten Band erleben dürfen. Auch hier gibt es wieder zahlreiche Personen, die bemüht darum sind, dass ihr Geheimnis nicht an die Öffentlichkeit gerät. Doch wem kann man vertrauen, wenn jeder bestechlich zu sein scheint? Hardy agiert mit Bedacht und findet zahlreiche Hinweise, denen es sich nachzugehen lohnt. Dabei kooperiert er mit der Regisseurin Polly, die von Taylors Studio beauftragt wurde, Nachforschungen anzustellen. Mir hat die taffe junge Frau, die Hardy die Stirn bietet, auf eigene Faust wichtige Erkenntnisse gewinnt und nicht jedes Geheimnis gleich mit ihm teilt, gut gefallen.

Die Geschichte wird in zügigem Tempo erzählt und es bleibt spannend, da immer wieder neue Dinge ans Licht kommen und es so manche unerwartete Wendung gibt. Das alles passiert vor der großartigen Kulisse Hollywoods der 20er Jahre, welches durch die Beschreibungen des Autors lebendig wird. Man begegnet mächtigen Studiobossen, eigenwilligen Schauspieler und denen, die im Hintergrund die Strippen ziehen. Dieser Band ist noch dramatischer und erstaunlicher als sein Vorgänger und hat mich begeistern können. Ich gebe eine ganz klare Leseempfehlung!
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