Rezension von Ingrid Eßer
Titel: Wolkenberührpunkt
Autor: Christoph Kramer
Erscheinungsdatum: 01.10.2026
Verlag: Kiepenheuer & Witsch (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783462055177
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Auch in seinem zweiten Roman „Wolkenberührpunkt“ schaut
Christoph Kramer auf die Zeit des Erwachsenenwerdens, in der sein Protagonist
Roman auf der Suche nach einem eigenen Platz im Leben ist. Die fiktive
Geschichte beruht auf einer Erzählung, von der der Autor angibt, sie von einem
vermeintlichen Käufer seines ersten Buchs gehört zu haben. Auf einer zweiten
Handlungsebene berichtet Christoph Kramer von eigenen Erfahrungen aus der Zeit,
als er ungefähr so alt war wie sein Protagonist.
Die Handlung beginnt am Neujahrstag der Jahrhundertwende, an
dem Roman zwölf Jahre alt ist. Dieser Tag verändert sein Leben grundlegend. Kurz
nach Mitternacht eröffnet ihm der Mann, den er bisher für seinen Vater gehalten
hat, auf wenig sensible Weise, dass er adoptiert wurde. Wenig später erhält
Roman von ihm ein in Leder gebundenes Buch. Darin findet er ein Foto seiner
leiblichen Eltern und eine Erklärung dafür, warum sie ihn zurückließen, als sie
damals in ihre Heimat Jugoslawien zurückkehrten. Es ist nicht leicht für ihn,
sich mit dieser Tatsache abzufinden. Besonders beschäftigt ihn jedoch die
Handschrift in dem Buch, von der ihm vor allem ein geschwungener Buchstabe
merkwürdig vertraut vorkommt und dessen Geheimnis er lüften will.
Christoph Kramer beschäftigt sich in den Einschüben zwischen
den Kapiteln mit dem Glück, dass er in seiner Jugend erfahren durfte und davon,
dass dieses keineswegs jedem in gleichem Maße zuteilwird. Dabei gewährt er
Einblicke in seine Gefühle in dieser Zeit und zeigt sowohl Gemeinsamkeiten
zwischen ihm und seiner Romanfigur als auch Unterschiede. Seine Erinnerungen kreisen
um Liebe und Liebeskummer, aber auch um die plötzliche Aufmerksamkeit, die er
mit seiner stetig wachsenden Bekanntheit erhielt.
Zum Glück für Roman hat er einen besten Freund an seiner
Seite. Stevie wächst im örtlichen Waisenhaus auf und zeigt Roman einen stillgelegten
Telefonmast, der ihn den Wolken und seinen Wünschen näherbringen kann: den
Wolkenberührpunkt, der dem Buch den Titel gibt. Roman glaubt, in seiner Adoptivfamilie
mehr Wärme und Aufmerksamkeit erhalten zu haben als Stevie. Im Laufe der Zeit
zeigt sich jedoch, dass nicht allein die Herkunft, sondern auch ein förderndes
Umfeld sowie eigene Ambitionen dazu beitragen, seine Zukunft so zu gestalten,
dass sich persönliche Wünsche und Lebensziele verwirklichen lassen.
Darüber hinaus lässt der Autor eine einfühlsam erzählte
Liebesgeschichte in seinen Roman einfließen. Mira lebt gegenüber von Roman und
ist ein Jahr jünger als er. Feinfühlig schildert Christoph Kramer die ersten
Annäherungsversuche, die Eifersucht seines Protagonisten und zugleich dessen Scheu,
einen weiteren Schritt zu wagen. Im weiteren Verlauf nimmt die Beziehung einige
unerwartete Wendungen, die Roman vor neue Herausforderungen stellen. Im
Hinblick auf seine Adoption hätte ich mir für ihn gewünscht, dass er Wege
findet bereits früher, mehr über seine Herkunft zu erfahren.
„Wolkenberührpunkt“ von Christoph Kramer ist ein Coming-Of-Age-Roman, die erste Liebe und die Suche nach den eigenen Wurzeln. Ausgehend von seinen eigenen Erinnerungen regt er dazu an, darüber nachzudenken, welche Menschen uns prägen und welche Möglichkeiten sich uns öffnen, unser Leben zu gestalten. Gerne empfehle ich das Buch weiter.









