Samstag, 19. September 2026

Rezension: Ella, die schlaue Kuh von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn


Ella, die schlaue Kuh
Autor: Marc-Uwe Kling
Illustratorin: Astrid Henn
Hardcover: 32 Seiten
Erschienen am 25. September 2026
Verlag: Carlsen
Link zur Buchseite des Verlags

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Ella ist eine Kuh, die wie alle anderen Tiere zur Schule geht und dort von einem Erklärbar unterrichtet wird. Sie ist sehr schlau, auch wenn sie nicht sonderlich auffällt, da immer jemand anderes noch besser ist. Doch sie hat einen Traum: Eines Tages will sie selbst unterrichten! Die Tatsache, dass nur Bären Lehrer werden, schreckt sie nicht ab. Und so steht sie eines Tages vor der Tür der Fachhochschule für schlaue Bären und bittet um Einlass.

„Ella, die schlaue Kuh“ ist unser erstes Buch von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn, da mein Sohn allmählich ins passende Alter kommt. Die unterhaltsamen Reime und die ansprechenden Illustrationen haben uns gleich abgeholt. Insbesondere die Gesichtsausdrücke der verschiedenen Tiere haben großen Unterhaltungswert. Ella mit ihren wachen Augen sticht klar hervor. Man fiebert gleich mit, ob sie ihren Traum verwirklichen kann. 

Für die Auflösung dieser Frage macht das Buch zwei große Zeitsprünge und gibt eine ermutigende Botschaft mit: Wer fest an seinen Traum glaubt und beharrlich bleibt, der kann ihn auch erreichen. Die Art und Weise, wie Ella ihr Ziel erreicht, hat mir gut gefallen. Es wird ihr nicht leicht gemacht, aber sie argumentiert so überzeugend, dass ihr die Erklärbären am Ende nichts mehr entgegensetzen können. Eine tolle Geschichte mit einer starken Botschaft, die bei uns sicherlich noch viele Male vorgelesen wird.


Rezension: Territorium von Sabrina Janesch

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Territorium
Autorin: Sabrina Janesch
Erscheinungsdatum: 04.09.2026
Verlag: Rowohlt Berlin (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783737102544
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In ihrem Roman „Territorium“ widmet sich Sabrina Janes dem kaum dargestellten Thema des Staatsstreichs gegen die hawaiische Königin Lili’uokalani im Januar 1893. In einer Welt, die hauptsächlich von Männern regiert wurde, war es im polynesischen Inselstaat nicht ungewöhnlich, dass eine Frau das Land regierte. Bevor es zum Putsch kam, hatte die Königin Reformen geplant, die den Einfluss der amerikanischer und europäischer Geschäftsleute beschränken sollten. Immer mehr Hawaiier waren von ihren angestammten Gebieten verdrängt worden und mussten sich als Tagelöhner bei den von Ausländern betriebenen, vor allem im Zuckerrohranbau erfolgreichen Unternehmen verdingen. Zudem wollte sie als erste weltweit das Frauenwahlrecht einführen. Angeführt wurde der Staatsstreich vom Rechtsanwalt Lorrin Thurston, der zwar auf Hawaii geboren wurde und dort aufwuchs, seine wirtschaftlichen Interessen jedoch über seine Verbundenheit mit den Inselbewohnern setzte.

Bereits zu Beginn der Geschichte gelingt es der Autorin die von Veränderung geprägt Atmosphäre am Jahresanfang 1893 einzufangen. Dazu rückt sie zunächst Gertrude Wolf, die deutsche Beraterin und Gesellschaftsdame der Königin, bei einer Rast auf der Veranda ihres Hauses in den Mittelpunkt. Man glaubt, den Wind und die Wärme zu spüren und den Rausch zu erahnen, der Gertrude umfängt. Neben Lili’uokalani und der Journalistin Emma Nawahi, die ebenfalls der Königin zur Seite steht, ist sie eine der wenigen Frauen des Romans, die von größerer Bedeutung sind. Bereits die der Erzählung vorangestellte Auflistung der handelnden Personen umfasst ansonsten nur Männer.

Allein durch die lebendige Gestaltung ergibt sich ein Unterschied zu einem Sachbuch, denn Sabrina Janesch hat eine umfangreiche und akribische Recherche durchgeführt. Diese findet sich darin wieder, dass in den beiden Jahre nach dem Putsch nicht nur die Handlungsorte anschaulich und detailreich beschrieben sind, sondern auch die häufig auf historischen Vorbildern beruhenden Figuren glaubwürdig und facettenreich gestaltet werden. Dabei ist jederzeit deutlich, wer zu den Verfechtern der Unabhängigkeit Hawai’is gehört, die sich aus Traditionalisten, Opportunisten und Heldenhaften zusammensetzen, und wer Befürworter der Annexion durch die USA ist.

Die damalige Größe der deutschen Gemeinschaft auf Hawai’i hat mich überrascht. Sie spielt eine wichtige Rolle im Machtkampf, ebenso wie die Amerikaner. Auch chinesische Einwanderer suchen nach einem Platz im staatlichen Gefüge. Sabrina Janesch beleuchtet die Motive der handelnden Personen und beschreibt nicht nur die finanziellen Mittel der jeweiligen Gruppierungen, sondern auch die strategischen Überlegungen zu deren Einsatz. Eine besondere Rolle nehmen die Kapitel aus der Sicht der Königin ein, der die Autorin in der Wir-Form einen imaginären Raum zusteht. Beeindruckt hat mich beim Lesen die Vorstellung, dass es selbst mitten in dieser revolutionären Zeit möglich war, sich stets mithilfe eines Bretts in die Wellen zu stürzen.

In dem sprachlich ausdrucksstarken und atmosphärisch dicht erzählten Roman „Territorium“ verbindet Sabrina Janesch historische Fakten mit einer lebendigen Handlung. „Territorium“ erzählt dabei nicht nur vom Machtkampf um Hawaii, sondern stellt grundlegende Fragen nach Integrität und Loyalität, nach Recht und Unrecht sowie nach dem Mut, für die eigenen Überzeugungen einzustehen. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

Sonntag, 13. September 2026

Rezension: Der geheime Apfelgarten - Getrennte Welten von Rebeka Eder

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Der geheime Apfelgarten - Getrennte Welten
Autorin: Rebekka Eder
Erscheinungsdatum: 14.08.2026
Verlag: Rowohlt
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch mit Klappen
ISBN. 9783499017049
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Rebekka Eder alias Rebekka Frank hat die Roman-Dilogie „Der geheime Apfelgarten“ als Hommage an das Buch „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett geschrieben, welches sie als Kind gelesen und geliebt hat. Zwar greift sie die Idee der verborgenen Obstanlage dieser Geschichte auf, aber ansonsten ist selbstverständlich vieles anders: andere Figurenkonstellationen, ein anderer Handlungsort und andere Handlungszeit.

Angesiedelt hat die Autorin ihre Erzählung auf der ehemaligen Elbinsel Finkenwerder, die zu Beginn der Handlung im Jahr 1887 im Norden zu Hamburg und im Südteil zu Preußen gehörte. Diese besondere politische Situation fand ich sehr interessant. Die Landesgrenze spielte für die Inselbewohner im Alltag kaum eine Rolle. Jedoch sind die Besitzer der größten Ländereien miteinander zerstritten und die Hamburger Familie Rentfeld und die preußische Familie Loop achten streng darauf, dass ihr Besitz nicht von der jeweils anderen Seite überschritten wird.

Kea Loop ist fünfzehn Jahre alt und kümmert sich seit geraumer Zeit heimlich um den Apfelgarten ihrer verstorbenen Mutter. Warum diese gestorben ist und weshalb Keas Vater den Garten danach sich selbst überlassen hat, bleibt zunächst ein Geheimnis und verleiht der Geschichte eine hintergründige Spannung. Endlich ist es Kea gelungen, einen Apfel zu züchten, der sie an die Lieblingssorte ihrer Mutter erinnert. Durch Zufall hat sich der Baum jedoch im Garten der Rentfelds entwickelt. Kea scheut sich nicht, die Grenze zu übersteigen, wird dabei aber von Kristen Focke beobachtet, einem Knecht des Hofes auf der Hamburger Inselseite. Zunächst befürchtet sie Schwierigkeiten, stattdessen springt mehr als ein Funke der Begeisterung für den Garten und den Apfel auf Kristen über.

Aus der ersten Begegnung entwickelt sich eine zunächst etwas sentimental geschilderte, wohl dem jungen Alter der beiden geschuldete Liebegeschichte, die nicht nur die verschiedenen Landeszugehörigkeiten überwindet, sondern auch die Standesunterschiede zwischen ihnen. Doch das Schicksal hat in den folgenden fünf Jahre andere Pläne mit Kea und Kristen. Erst 1892 begegnen sich die beiden wieder, gerade als auf Finkenwerder die Cholera ausbricht. Beide haben in gewissem Maße Verantwortung für ihnen nahestehende Menschen übernommen und hadern mit dem aktuellen Erlass, dass der Grenzübertritt bei Todesstrafe verboten ist.

Neben der im Vordergrund stehenden Romanze mit Höhen und Tiefen vermittelt Rebekka Eder in „Der geheime Apfelgarten – Getrennte Welten“ einen anschaulichen Eindruck von den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit, lässt historische Fakten einfließen und gibt Einblicke in den Apfelanbau. Die Hommage an Frances Hodgson Burnetts „Der geheime Garten“ ist dabei erkennbar, auch wenn die Geschichte für mich noch nicht ganz an das große Vorbild heranreicht. Die zahlreichen offenen Fragen am Ende machen jedoch neugierig auf die Fortsetzung. Vielleicht rückt die Geschichte im zweiten Band noch näher an die bezaubernde Atmosphäre des Vorbilds heran. Gerne empfehle ich das Buch weiter,

Samstag, 12. September 2026

Rezension: Mila und Mo - Wo ist Teddy? von Rosalind Beardshaw


Mila und Mo: Wo ist Teddy?
Autorin & Illustratorin: Rosalind Beardshaw
Übersetzerin: Maria Höck
Pappbilderbuch: 10 Seiten
Erschienen am 26. August 2026
Verlag: Penguin Junior
Link zur Buchseite des Verlags

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Mila und ihr kleiner Bruder Mo wollen im Wohnzimmer Picknick spielen. Doch dann bemerkt Mila, dass ihr Teddy fehlt – der muss beim Picknick aber dabei sein. Die beiden beginnen, überall zu suchen. Dabei finden sie viel anderes Spielzeug, dass Mo in den Rucksack stopft. Teddy bleibt jedoch verschwunden, und Mo versucht, Mila aufzuheitern. Schließlich bemerken sie, dass er schon die ganze Zeit im Rucksack und bei ihrer Suche dabei war. 

Die beiden Hundekinder sehen mit ihren großen Augen wirklich niedlich aus und laden dazu ein, sich mit ihnen auf die Suche zu begeben. Gleich auf der ersten Seite ist ein Drehrad, das den Inhalt der roten Tasche zeigt, in der Mo als erstes sucht. Ein Auto, ein Dino.. aber kein Teddy. Auf den nachfolgenden Seiten gibt es viele Klappen, hinter denen weiteres Spielzeug entdeckt werden kann. Nicht verstanden habe ich, wieso die sechs Spielzeug-Illustrationen, die beim Drehrad zu sehen sind, für die Klappe beim Spielzeughaufen noch mal verwendet wurden.

Nach dem ersten Lesen wusste mein Sohn, dass der Teddy die ganze Zeit im Rucksack steckt. Seitdem zeigt er überall wo er zu sehen ist auf den geschlossenen Rucksack, aus dem der Arm des Teddys herausschaut. Wieso der Teddy dann jedes Mal, wenn der Rucksack geöffnet wird, nicht zu sehen ist, kann ich leider nicht erklären. Das ausklappbare Herz auf der letzten Seite ist ein schönes abschließendes Highlight. Die Sprache ist sehr einfach gehalten und die Sätze kurz, sodass das Buch für meinen anderthalbjährigen Sohn bereits gut geeignet ist. Ein unterhaltsamer Suchspaß für kleine Entdecker:innen!

Donnerstag, 3. September 2026

Rezension: Kichergeschichten: Bild für Bild durch meinen Tag von Katharina Bußhoff


Kichergeschichten: Bild für Bild durch meinen Tag
Autorin & Illustratorin: Katharina Bußhoff
Pappbilderbuch: 26 Seiten
Erschienen am 26. August 2026
Verlag: Fischer Sauerländer
Link zur Buchseite des Verlags

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Mika ist zwei Jahre alt und kann schon ganz viel. Zusammen mit seiner Mama, seinem Papa und seinem Kuscheltier Knuffel begleiten wir ihn in 11 Bildergeschichten durch seinen Alltag. Er spielt im Regen, zieht sich lustig an und versteckt sich, weil er nicht ins Bett gehen möchte. Schon lange hat sich mein 18 Monate alter Sohn nicht mehr mit so großer Begeisterung auf ein neues Buch gestürzt, was bei meinem buchbegeisterten Kind wirklich etwas heißt. Mika hat es ihm gleich angetan und wir haben das Buch in den letzten Tagen ungefähr eine Million Mal gelesen. 

Auf der ersten Doppelseite des Buchs wird Mika mit seiner Familie vorgestellt und es gibt ein kleines Bild zu jeder Geschichte im Buch, mit dem das Kind zeigen kann, worauf es gerade Lust hat. Das klappt bei uns sehr gut, seit mein Sohn die Geschichten alle kennt, er sagt zum Beispiel „baden“ oder „Seife“ und tippt das zugehörige Bild an. Die nachfolgenden Doppelseiten zeigen jeweils eine Bildgeschichte. Besonders gefällt mir die große Alltagsnähe. Es gibt viele lustige Situationen, viele davon hat mein Kind so oder so ähnlich auch schon erlebt. Mit der Bürste erhält Papa eine lustige Frisur und die Hose kann man doch auch als Mütze tragen?! Die Badegeschichte, bei der Mika zum Haare waschen die Augen fest zusammenkneift, nutzen wir, um genau das zu üben, was immer besser klappt. Damit landet bei uns bald hoffentlich kein Schaum mehr im Auge. 

Die Texte sind sehr kurz und von der Länge her passend für unser 18 Monate altes Kind – für ältere Kinder mit guter Sprachentwicklung könnte es schon zu wenig sein. Die Illustrationen von Mika und seinen Eltern gefallen uns sehr gut. Sie sind farbenfroh und legen den Fokus aufs Wesentliche, sodass die ganze auf der Doppelseite untergebrachte Geschichte gut erfasst werden kann. Gerne empfehle ich das Buch an Familien mit einem Kind in ähnlichem Alter weiter!

Dienstag, 1. September 2026

Rezension: Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht. von Jakob Schwerdtfeger

 


Rezension von Ingrid Eßer 

Titel: Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht.
Autor: Jakob Schwerdtfeger
Erscheinungsdatum: 15.05.2026
Verlag: dtv
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Leseband
ISBN: 9783423285360
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In seinem Buch „Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht.“ nimmt Jakob Schwerdtfeger die Lesenden mit auf eine Reise durch die Epochen der Kunstgeschichte von der Romanik um das Jahr 1000 bis in die Gegenwart. Der Autor ist Kunsthistoriker und hat sich sowohl als Poetry-Slammer als auch als Moderater verschiedener Kultursendungen einen Namen gemacht. Die Beschäftigung mit Kunst liegt in seiner Familie: Der Bauhauskünstler Kurt Schwerdtfeger war sein Urgroßvater, dessen Sohn Stefan, ein Architekt, Maler und Bildhauer, sein Großvater.

Nach der Einleitung folgen zwölf Kapitel, wobei das elfte und zwölfte nochmals in mehrere Abschnitte untergliedert sind. Der Autor arbeitet zu jeder Epoche die wichtigsten Merkmale heraus, erklärt das Anliegen der jeweiligen Kunstrichtung und stellt dazu ausgewählte Werke vor, die meist im kleinen Format in den Text eingegliedert sind. Das verschafft einen guten Überblick; zum Betrachten von Details habe ich online nach dem Kunstwerk gesucht.

Aufgelockert werden die kunsthistorischen Ausführungen durch amüsante Begebenheiten und kuriose Fakten. Dadurch gelingt es Jakob Schwerdtfeger auch belanglos wirkenden Objekten Aufmerksamkeit zu schenken, aufgrund dessen man sich daran erinnern wird. Immer wieder finden sich Einschübe unter dem Titel „Gegen den Strom“ in denen Werke angeführt werden, die von den typischen Merkmalen der jeweils beschriebenen Epoche abweichen.

Natürlich kann das Buch den Besuch eines Museums nicht ersetzen, den der Autor am Ende sehr empfiehlt. Ergänzend finden sich Nachweise zu den Zitaten und Abbildungen.

„Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht“ richtet sich vor allem an Kunstinteressierte, die sich auf unterhaltsame Weise einen Überblick über die Jahrhunderte der Kunstgeschichte und ihrer verschiedenen Strömungen verschaffen möchten.

Freitag, 28. August 2026

Rezension: Im Licht des neuen Tages von Jara Kubsova

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Im Licht des neuen Tages
Autorin: Jarka Kubsova
Erscheinungsdatum: 26.08.2026
Verlag: S. Fischer
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783103974973

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Ellie Hajek ist die Protagonistin des Romans „Im Licht des neuen Tages“ von Jarka Kubsova. Wie die Autorin selbst kam sie als Kind auf der Flucht aus der Tschechoslowakei nach Deutschland. Neben ihren Habseligkeiten ließ Ellies Familie auch Verwandte und enge Freunde zurück. 

Nach einer journalistischen Ausbildung wurde Ellie Autorin. Sie hat eine erwachsene Tochter und ist in einer festen Beziehung, die nicht immer harmonisch verläuft. Um eine Schreibblockade zu überwinden, mietet sie ein Haus im Wald. Dort kommt ihr Viktorka in den Sinn, eine Figur aus einem berühmten Roman, der tschechischen Schriftstellerin Božena Nĕmcová. Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten. Ellie lässt der Gedanke nicht los, herauszufinden, was in diesem Roman Wahrheit und was Fiktion ist.

Spontan fährt sie nach vielen Jahren wieder in ihre frühere Heimat. Dort begibt sie sich auf Spurensuche nach Božena und Viktorka, zwei Frauen, die den Mut hatten, sich den Konventionen ihrer Zeit entgegenzustellen. Auf dieser Erzählebene lässt die Autorin Elemente des magischen Realismus einfließen: einerseits in märchenhafter Form, andererseits durch mysteriöse Ereignisse, die Ellie widerfahren und die ich im Kontext befremdlich fand. Die entsprechenden Schilderungen sind zwar atmosphärisch eindrucksvoll, führen meiner Meinung nach, allerdings auch zu einiger Länge.  

Während ich anfangs Ellies Wunsch nach einer örtlichen Veränderung gut nachvollziehen konnte, blieb sie mir im weiteren Verlauf aufgrund ihrer Entscheidungen und Handlungen gefühlsmäßig eher fern. Dennoch führt die Spurensuche dazu, dass sie sich zunehmend mit ihrer eigenen Identität und der Frage auseinandersetzt, wer sie heute ist und wie sie ihre Zukunft gestalten möchte. Dabei bewertet sie auch die Republikflucht ihrer Eltern neu und auch die lebenslang von ihr getragene Schuld daran.

Im Roman „Im Licht des neuen Tages“ verbindet Jarka Kubsova Lebensgeschichten aus verschiedenen Zeitaltern. Ungebundenheit, das Überwinden von Ungerechtigkeiten, die Suche nach der eigenen Identität und die Liebe zur Natur sind zentrale Themen des Romans, der von einer Spur Mystik durchzogen ist. Trotz kleiner Schwächen habe ich das Buch gerne gelesen.

Mittwoch, 26. August 2026

Rezension: Mama Maus ist heute krank von Kai Oppermann


Mama Maus ist heute krank
Autorin & Illustratorin: Kai Oppermann
Pappbilderbuch: 26 Seiten
Erschienen am 26. August 2026
Verlag: Fischer Sauerländer
Link zur Buchseite des Verlags

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Die fünf Mäusekinder Mila, Mona, Mak, Mik und Minchen wachen eines Tages ganz verdutzt auf: Wo steckt ihre Mama, die sie sonst wecken kommt? Schnell schauen sie nach und müssen feststellen, dass Mama Maus krank ist. Die Kinder sind sich einig: Mama muss im Bett bleiben und sie kümmern sich heute um sie. Es wird Suppe in der Badewanne gekocht und der Schal in der Rumpelkammer gesucht. Alle Kinder helfen mit und am Ende geht es Mama schon viel besser.

Welcher Elternteil kennt es nicht: Man wacht krank auf, das Kind ist munter und man fragt sich, wie man durch den Tag kommen soll. Diese Situation wird hier aufgegriffen und in eine liebevolle Geschichte übersetzt. Die fünf Mäusekinder sind ein bunter Haufen und sie machen allerlei Quatsch, während sie die Aufgaben erledigen, die sie sich als Hilfe überlegt haben. Dabei schlägt niemand über die Stränge, sodass die offenbar alleinerziehende Mama beruhigt im Bett bleiben kann. Am Ende können alle Kinder stolz sein, wie gut sie sich gekümmert haben, und auf Mamas Bett gemeinsam einschlafen. Die farbenfrohen Illustrationen sind wimmlig, ohne für die Zielgruppe von 2 Jahren zu überladen zu wirken. Mir gefallen die mit der Geschichte verbundenen Botschaften sehr gut, sodass ich das Buch gerne weiterempfehle.


Samstag, 22. August 2026

Rezension: Alleinruhelage von Eva Menasse


Alleinruhelage
Autorin: Eva Menasse
Hardcover: 224 Seiten
Erschienen am 13. August 2026
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

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Die Erzählerin hat schon mehrere Anläufe genommen, nach den Ende ihrer Ehe das Wochenendhaus in Vorpommern zu verkaufen. Das Haus hat sie viele Jahre lang  begleitet: Hier hat sie mit ihrer Familie Zeit verbracht, renoviert und mit Freunden gefeiert. Während die Entscheidung reift, das Haus nun wirklich zu verkaufen, schweifen ihre Gedanken immer wieder in die Vergangenheit ab. Erinnerungen an ihre Ehe und das Zusammenleben als Patchwork-Familie, Begegnungen mit Nachbarn und andere Stationen ihres Lebens vermischen sich miteinander. Nach und nach erfährt man mehr darüber, was sie in diesen Jahren erlebt hat und wie sie heute darauf zurückblickt.  

Zu Beginn habe ich recht gut in die Geschichte hineingefunden. Besonders die Szenen rund um das Haus und die Nachbarn haben mir gefallen. Die Begegnungen sind oft unterhaltsam und entwickeln eine ganz eigene Dynamik. Immer wieder kommt es zu Situationen, die mich Schmunzeln ließen. Immer wieder werden Andeutungen gemacht, durch die ich neugierig wurde, was die Erzählerin noch alles erlebt hat.

Die Geschichte springt immer wieder zwischen Erinnerungen, Beobachtungen und Gedanken hin und her. Anfangs fand ich das noch interessant, ich hatte aber zunehmend das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Zwar erfährt man viel über das Leben der Erzählerin, doch häufig werden Ereignisse eher angesprochen als wirklich erzählt. Viele wichtige Momente, die die Erzählerin geprägt haben, wurden für mich als Leserin nicht richtig greifbar werden. Dadurch blieb sie für mich auf Distanz. 

Insgesamt ließ sich der Roman dennoch gut lesen. Es gibt viele interessante Szenen und ich habe das Buch gern zur Hand genommen. Emotional hat es mich allerdings nicht so erreicht, wie ich es mir nach dem gelungenen Einstieg erhofft hatte. Deshalb lässt mich Alleinruhelage mit gemischten Gefühlen zurück und ist eher etwas für Leser:innen, die sich an einer ungewöhnlichen Erzählweise probieren wollen.

Freitag, 21. August 2026

Rezension: Alleinruhelage von Eva Menasse


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Alleinruhelage
Autorin: Eva Menasse
Erscheinungsdatum: 13.08.2026
Verlag: KiWi (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783462002621
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Der Titel des Romans „Alleinruhelage“ bezeichnet den besonders ruhigen Standort des Hauses, das die unbenannte Ich-Erzählerin im gleichnamigen Buch von Eva Menasse verkaufen möchte. Es steht an einem fiktiven Ort in Mecklenburg-Vorpommern, von Wald umgeben und mit einem See in unmittelbarer Nähe. Die aus Österreich stammende Verkäuferin hat dort viele Jahre mit ihrer Familie die Wochenenden verbracht, manchmal aber auch wochenlang in Schreibklausur. Nun jedoch unternimmt sie einen erneuten Versuch, das Haus zu verkaufen.

Nachdem sie den endgültigen Beschluss gefasst hat, neue Käufer zu finden, wandern ihre Gedanken zurück zu den Anfängen ihrer Ehe und dem bald darauf entstandenen Wunsch, ein Wochenendhaus zu kaufen. Bei ihrer Suche findet das Ehepaar ein abgelegenes ehemaliges Wirtshaus, in dessen Umgebung sich eine Siedlung mit mehreren Datschen befindet. Durch das Verhalten einiger Bewohner dieser Sommerhäuser ergeben sich immer wieder besondere Situationen, nicht zuletzt, weil ein Verein, dem sich auch die Ich-Erzählerin   anschließt, das nachbarschaftliche Miteinander regelt.

Es sind vielfältige Themen, die die Verkäuferin aufgreift: amüsante, ernste, gesellschaftskritische und persönliche. Ein Bautrupp, der zum Ausmisten und Reparieren des Gebäudes anrückt, beschreibt sie als Vergnügen, wohingegen sie das Verhältnis zu ihrer Tochter als belastet schildert. Ihre Erinnerungen reichen teils sogar bis zu ihrer Kindheit zurück, wobei die Begebenheiten authentisch wirken und ihre Gefühle gut nachvollziehbar sind. Es finden sich auch interessante Fakten, die bewegen und nachdenklich stimmen. Einige Ereignisse werden in politische Zusammenhänge von Ost- und Westdeutschland sowie Österreich eingeordnet.

Der Roman „Alleinruhelage“ von Eva Menasse ist ein facettenreicher Rückblick der Protagonistin auf ihr Leben, die ohne Schwermut ihr Wochenendhaus verkaufen möchte. Die vielfältigen Ereignisse, die sie während ihrer Aufenthalte dort erlebt hat, haben schöne, traurige, wütende und versöhnliche Erinnerungen hinterlassen. Die Geschichte vermittelt eine breite Palette an Stimmungen und macht zugleich Mut, sich auf einen Neuanfang einzulassen. Das Buch hat mich angenehm überrascht und ich empfehle es sehr gerne weiter.


 

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