Dienstag, 18. Mai 2021

Rezension: Wie Träume im Sommerwind - Katharina Herzog

 


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Wie Träume im Sommerwind
Autorin: Katharina Herzog
Broschiert: 352 Seiten
Erschienen am 18. Mai 2021
Verlag: Rowohlt Polaris

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Mit einem Studium an der rennomierten „Ecole de Givaudan“ in Paris ist Emilia ihrem Traum, als Parfümeurin zu arbeiten, ganz nah gekommen. Doch ihre Familie ahnt nicht, dass sie das Studium ohne Abschluss beendet hat und seither Nachtschichten in „Paul’s Birstro“ schiebt. Als Emilia die Nachricht erreicht, dass ihre Schwester Clara nach einem Autounfall ins künstliche Koma versetzt wurde, reist sie sofort in ihre Heimat nach Zinnowitz auf Usedom. Hier heißt es warten, dass Claras Zustand sich bessert. Bei einem Besuch in Claras Zimmer fällt Emilia ein alter Brief in die Hände, der sie auf einen Plan bringt...

Die Sommer-Romane von Katharina Herzog sind für mich inzwischen ein Must Read und ich freute mich darauf, diesmal eine literarische Reise nach Usedom zu unternehmen. Hierhin kehrt Emilia ungeplant zurück, um ihrer Familie beizustehen und darauf zu warten, dass sich der Zustand ihrer Schwester Clara bessert. Der Unfall trifft Claras Kinder besonders schwer. Lizzie steckt gerade in einer rebellischen Phase und kapselt sich nun völlig ab, während ihr kleiner Bruder Felix Angst hat, in Zukunft bei seinem Vater und dessen Freundin leben zu müssen. Darüber hinaus steckt der Rosenhof der Familie in finanziellen Schwierigkeiten und Emilias Eltern haben sich auseinandergelebt.

Die Geschichte konnte mich schnell packen und ich hoffte mit, dass es Clara bald bessergeht. Der zermürbende Zustand des Wartens wird authentisch dargestellt. Ein alter Brief aus England, den Emilia in Claras Zimmer findet, bringt sie schließlich auf eine Idee: Er enthält ein Foto mit einer nach Clara benannten Rose, deren Durft betörend sein soll. Vielleicht hilft dieser Duft Clara beim Aufwachen? Mit einer Reise nach Kent kann Emilia aktiv werden und vielleicht zur Genesung beitragen.

In Rückblenden wird erzählt, was Clara sechzehn Jahre zuvor erlebt hat, als sie nach dem Schulabschluss einige Wochen in Kent bei einer Freundin ihrer Mutter gelebt hat. In der Gegenwart folgt Emilia diesen Spuren und erlebt einige Überraschungen. Rosen spielen in diesem Buch eine ganz besondere Rolle, denn zum einen betreiben Emilias Eltern einen Rosenhof und zum anderen hat Clara bei ihrer Reise nach Kent im berühmten Garten von Sissinghurst Castle gearbeitet, der über einen beeindruckenden Rosengarten verfügt. Die Beschreibungen machen große Lust, selbst einmal nach Sissinghurst zu reisen und die Düfte auf sich einwirken zu lassen.

Auch die Liebe kommt in diesem Buch nicht zu kurz. Emilia trifft auf ihren alten Schwarm, der ihr jedoch schon vor Jahren klar gemacht hat, dass er kein Interesse hat. Bald sind die Gefühle für ihn dennoch wieder da. Auf ihrer Reise nach Kent hofft sie, nicht nur die nach Clara benannte Rose, sondern auch den Absender der Briefes zu finden. Die Geschichte bietet eine gute Mischung aus schönen und berührenden Momenten.

„Wie Träume im Sommerwind“ führt Emilia und den Leser nach Usedom auf einen Rosenhof und schließlich nach Kent in die Gärten von Sissinghurst Castle. In diesem Familien- und Liebesroman spielen Rosen und Düfte eine besondere Rolle. Mich hat die Geschichte bestens unterhalten, sodass ich sie sehr gerne weiterempfehle!

Samstag, 15. Mai 2021

Rezension: Die Geschichte von Kat und Easy von Susann Pásztor

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Die Geschichte von Kat und Easy
Autorin: Susann Pásztor
Erscheinungsdatum: 06.05.2021
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783462052817

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Katharina, genannt Kat und Isolde, genannt Isi, werden im Jahr 1973 sechszehn Jahre alt und sind neugierig auf das Leben. Sie sind die Protagonistinnen im Roman „Die Geschichte von Kat und Easy“ von Susann Pásztor. Kennen gelernt haben sie sich vor gar nicht so langer Zeit auf dem Gymnasium des fiktiven Orts Laustedt. Anfangs hat nur Kat zu Isi Easy gesagt, doch langsam nehmen die Freunde den Klang auf. Easy ist wohlbehütet aufgewachsen, doch auf einer heimlichen Liste hat sie Dinge gesetzt, die vielleicht anstößig sind, die sie aber unbedingt erleben möchte. Kat unterstützt sie dabei, nach eigener Aussage hat sie manche Sachen der Auflistung bereits ausprobiert.

In der Silvesternacht 1972/73 begegnen sie einem jungen Mann im Jugendzentrum des Orts, in den sie sich beide verlieben und der ihre Liebe erwidert. Nach den tragischen Ereignissen des folgenden Sommers verlieren sich die ehemals besten Freundinnen allerdings aus den Augen. Erst als beide 62 Jahre alt sind kommt ein erneuter Kontakt zustande durch den Blog, den Kat professionell betreibt. Kat willigt nach kurzem Zögern ein, als sie von Easy dazu eingeladen wird, gemeinsam mehrere Tage in einem Ferienhaus auf Kreta zu verbringen. Voller Skepsis über den weiteren Verlauf des Urlaubs, aber auch gespannt auf das, was die inzwischen wieder in Leustedt wohnende Easy zu berichten hat, bricht sie zu ihrer Reise auf.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Einerseits erzählt Susann Pásztor die Geschichte von Kat und Easy im Jahr 1973 als allwissende Erzählerin im Präsens, was mich als Leserin die Geschehnisse intensiver erleben ließ. Auf der anderen Seite lässt die Autorin Kat die Ereignisse in der Gegenwart im Urlaub auf Kreta in der Retrospektive selbst erzählen. Unterbrochen werden die Kapitel gelegentlich von Blogeinträgen, auf die Kat in ihren Schilderungen Bezug nimmt. Den beiden jungen Protagonistinnen scheint im Jahr 1973 die Welt offen zu stehen, sie können alles werden und alles sein. Während Kat die mehr treibende Kraft ist, hat Easy kühne Träume und lässt sich unbeschwert und offenherzig durch den Tag treiben. Die Autorin zeigt auf dieser Handlungsebene eine Coming-of-Age-Geschichte mit den dabei typischen Gefühlen der Jugendlichen von Zusammenhalt, sich füreinander freuen, aber auch Missgunst und Eifersucht auf. Was mich gestört hat, war der Umgang mit Drogen, der nach der Darstellung kaum unliebsame Konsequenzen hatte.

Die in der Gegenwart spielende Geschichte auf Kreta warf von Beginn an nicht nur für Kat, sondern auch für mich als Leserin die Frage auf, welche Stimmung sich bei einem Zusammentreffen mit der ehemals besten Freundin nach so langer Zeit entwickeln würde. Durch den Beruf als Blogbetreiberin bekommt der Roman einen modernen Touch, doch es irritierte mich, dass die Freundinnen sich in ihrem reifen Alter auch während des persönlichen Zusammenseins über Soziale Medien austauschen. Nach meinem Empfinden konnte dadurch eine gewisse Distanz zwischen den beiden nicht abgebaut werden, was mir als Leserin ein Störgefühl verursachte, genauso wie der weitere sorglose Umgang mit Rauschmitteln. Vom Charakter her haben sich beide über die Jahre hinweg wenig geändert. Bis zum Schluss bleibt eine gewisse Hintergrundspannung darüber, welchen Grund es dafür gibt, dass die Freundschaft damals jäh endete.

Da ich nur wenig jünger bin als die Protagonistinnen im Roman „Die Geschichte von Kat & Easy“ von Susann Pástor, habe ich mich gerne in das Jahr 1973 mitnehmen lassen. Doch das Verhältnis der Freundinnen in der Gegenwart zueinander hat mich wenig berührt, vor allem weil ich empfunden habe, dass die Handlung langatmig verlief und auf beiden Zeitebenen der Konsum von Rauschgift bagatellisiert wurde.


Montag, 10. Mai 2021

Rezension: Das Spiel von Jan Beck

 


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Das Spiel
Autor: Jan Beck
Broschiert: 480 Seiten
Erschienen am 27. Juli 2020
Verlag: Penguin

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Christian Brand, einem Beamten des EKO Cobra in Wien, gelingt es durch sein beherztes Eingreifen nach Dienstschluss, den Fortgang eines Amoklaufs zu verhindern. Damit gehen jedoch schon fünf Tote auf sein Konto, weshalb ihm sein Chef eine Pause und Therapie verordnet. Doch kurz darauf gibt es eine Planänderung: Christian wurde von der Europol-Ermittlerin Inga Björk angefordert, um ihr bei Ermittlungen Personenschutz zu geben. Auch der Journalist Werner Krakauer, der schwer erkrankt ist und vor seinem Tod noch einen letzten großen journalistischen Erfolg feiern will, hat eine Spur gefunden. Für 100.000 Euro steigt er im Darknet ins sogenannte Jagdspiel ein. Dessen Opfer ahnen nicht, dass ihr Leben in höchster Gefahr ist...

Das Buch beginnt mit einer kurzen, erschreckenden Szene, in der eine Frau beim Laufen im Wald überwältigt und auf grausame Weise ermordet wird. Dabei erwähnen die Täter ein Mal, das sie auf ihr entdeckt haben. Danach lernt man die eingangs erwähnten Charaktere Christian Brand, Inga Björk und Werner Krakauer kennen, die vom Autor in Position gebracht werden. Außerdem begleitet man die siebzehnjährige Schülerin Mavie Nauenstein, die von ihren Eltern beim kleinsten vermeintlichen Fehltritt geschlagen wird. Trotzdem schleicht sie sich abends aus dem Haus, um zur Party ihres Mitschülers Silas zu fahren. Der Besuch wird zum Fiasko, denn im UV-Licht wird ein Skorpion-Tattoo auf ihrem Rücken sichtbar, von dem sie nichts ahnte und mit dem sie die Aufmerksamkeit der anderen Gäste auf sich zieht.

Zunächst ist nicht klar, wie die Geschichten der einzelnen Charaktere miteinander in Verbindung stehen. Dies kristallisiert sich allmählich heraus, während man gleichzeitig immer mehr über das sogenannte Jagdspiel erfährt, das im Darknet veranstaltet wird. Die Kapitel sind kurz und die Perspektive wechselt alle paar Seiten. Neben den zuvor erwähnten Hauptcharakteren schwenkt sie auch zu einer Jägerin und verschiedenen Opfern. Brutale Morde werden geschildert, sodass das Buch nichts für schwache Nerven ist.

Die Geschichte setzt vor allem auf ein hohes Tempo und viel Action. Für mich blieb unvorhersehbar, in welche Richtung sich das Ganze entwickeln wird. Was für meinen Geschmack allerdings zu kurz kam war die Auseinandersetzung mit der Motivation der Handelnden. Das blieb mir zu oberflächlich und hier werden einige Klischees bedient. Zum Schluss geht alles sehr schnell, es gibt einige Erklärungen und dennoch hatte ich danach noch einige Fragezeichen im Kopf.

„Das Spiel“ bietet spannende Unterhaltung für alle Thriller-Fans!

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