Rezension von Ingrid Eßer
Verlag: Rowohlt Kindler (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783463000893
----------------------------------------------------------------------
In ihrem Debütroman „Dabei waren wir uns immer so nah“ beschäftigt
sich Jette Koetschau mit der Frage, wie sich Freundschaften im Zeitverlauf
verändern können. Die drei Protagonistinnen Henri, Merle und Katharina haben
sich während ihres Studiums kennengelernt. Im Laufe der Jahre ist ihr Vertrauen
zueinander gewachsen. Sie wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können
und von den anderen mit all ihren Eigenarten und Stimmungen, frei von Vorwürfen,
ernst genommen und akzeptiert zu werden. Doch nachdem sie die Dreißig
überschritten haben, zeigt sich zunehmend, dass jede von ihnen einen anderen
Lebensentwurf verfolgt.
Merle ist inzwischen verheiratet und Mutter eines kleinen
Kindes. Während ihr Mann neben seiner Arbeit den gemeinsamen Hausbau
vorantreibt, bleibt die Verantwortung für die Kinderbetreuung überwiegend an
ihr hängen. Der bevorstehende Umzug aus der Stadt aufs Land erfüllt sie nicht
nur mit Vorfreude, sondern auch mit Unsicherheit, weil sie sich schon jetzt
häufig alleingelassen fühlt.
Von Katharina wird Merle um ihr Familienglück beneidet, denn
sie wünscht sich seit längerer Zeit ein Kind mit ihrem Partner. Für sie ist es immer
wieder schmerzlich, wenn jemand aus ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis eine
Schwangerschaft verkündet. Um mit ihrer Frustration umgehen zu können, hat sie
sich ein bestimmtes Verhaltensmuster angeeignet.
Henri hingegen ist nicht bereit für längere Beziehungen. Sie
ist die kontaktfreudigste der Freundinnen und immer bereit zuzuhören und gute Ratschläge
zu geben. Gleichzeitig belastet sie das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter. Ihr
Traum ist es, sich beruflich selbständig zu machen. Als ihre Großmutter schwer
erkrankt, stellt sie sich der Herausforderung, sich mit ihrer Mutter gemeinsam um
sie zu kümmern.
Jede der drei Frauen kämpft mit ihren persönlichen
Herausforderungen. In ruhigen Momenten wird ihnen jedoch bewusst, wie sehr sie
die gemeinsamen Treffen, den regelmäßigen Austausch über ihre Gedanken und
Gefühle, aber auch die persönliche Nähe vermissen.
Die Autorin greift Themen auf, die viele Frauen
unmittelbar betreffen. Die feinfühligen, ruhigen Beschreibungen des Alltags
ihrer Protagonistinnen wirken authentisch, so dass man sich gut in die Lage der
Frauen hineinversetzen kann. Es kommt zum Ausdruck, dass sich das Leben nicht detailliert
planen lässt und unvorhergesehene Entwicklungen alles verändern können. Obwohl sich
Merle, Katharina und Henri in einer Situation befinden, in der sie Zuspruch aus
ihrem Umfeld bekommen, ist ihnen bewusst, dass sie an einem Punkt sind, an dem
sie selbst eine Veränderung herbeiführen sollten.
In ihrem Roman „Dabei waren wir uns immer so nah“ erzählt Jette Kötschau mit Feingefühl von den Herausforderungen im Erwachsenenleben jenseits der Dreißig und davon, ob lange bestehende Freundschaften trotz persönlicher Veränderungen Bestand haben können. Lebensnahe Figurengestaltung mit realistischen Gefühlen in emotionalen Situationen zeichnen die Geschichte aus, die ich gerne weiterempfehle.









