Samstag, 3. Dezember 2022

Rezension: The Atlas Six - Wissen ist tödlich von Olivie Blake

 

Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: The Atlas Six - Wissen ist tödlich (Band 1 von 3)
Autorin: Olivie Blake
Übersetzerinnen aus dem amerikanischen Englisch: 
Heide Franck und Alexandra Jordan
Verlag: Fischer Tor (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783596707638

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Rezension: Dark Ivy - Wenn ich falle von Nikola Hotel


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Dark Ivy - Wenn ich falle
Autorin: Nikola Hotel
Broschiert: 416 Seiten
Erschienen am 15. November 2022
Verlag: Kyss

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Eden hat es geschafft: Dank eines Stipendiums kann sie ein Studium an der Woodford Academy beginnen. Sie ist fest entschlossen, diese Chance für einen Neuanfang zu nutzen, denn nach dem Tod eines ihr nahe stehenden Menschen hat sie schwere Monate hinter sich. Schon bei ihrer Ankunft lernt sie die sympathische Kendra kennen, die sie sich zur Freundin wünscht. Diese stellt Eden ihrem Bruder Devin und seinem Kumpel William vor, welche bei ihr jedoch keinen guten ersten Eindruck hinterlassen. Dennoch übt William eine Faszination auf Eden aus. Verbirgt sich hinter der Fassade des verschlossenen Millionenerben vielleicht doch mehr?

Das Buch beginnt mit einem kurzen Prolog, den ich nicht recht einordnen konnte und in welchem sich die Ich-Erzählerin wünscht, zu Tode zu erfrieren. Ich fragte mich, was es damit wohl auf sich hat. Danach begleitete ich Edens Ankunft an der Woodford Academy, die auf einer Insel liegt. Die meisten Studenten werden von ihren Eltern bis zur Anlegestelle der Fähre gebracht, William Grantham III. wird gar von seinem Chauffeur in einer Limousine vorgefahren. Eden hingegen kommt mit dem Bus, weil sie sich das Studium nur dank eines Stipendiums leisten kann und ihr Vater, der sie allein groß gezogen hat, arbeiten muss.

Die sozialen Unterschiede zwischen Eden und den anderen Studenten sind ein Thema, das im Laufe der Geschichte immer wieder aufgegriffen wird. Eden kann es sich nicht leisten, ständig essen zu gehen oder sich ein neues Handy zu kaufen. William hingegen wünscht sich, dass die Leute in ihm etwas anderes sehen als den Erben eines riesigen Vermögens. Nach einer eher unglücklichen ersten Begegnung nähern sich die beiden vorsichtig einander an und ich war gespannt, was daraus entstehen wird. Die beiden senden sich Botschaften als Blackout Poetry, welche im Buch abgedruckt ist und die dem Buch eine besondere Note gibt.

Edens Gedanken- und Gefühlswelt wird von dem Verlust dominiert, den sie elf Moante zuvor erlitten hat. Sowohl Kendra als auch William reagieren verständnisvoll und helfen ihr, nach vorne zu Blicken. In dem Zusammenhang gibt es einige bittersüße, emotionale Szenen, die mir sehr gefallen haben. Etwas gewundert habe ich mich, dass es am Anfang des Buches kurz um den Fund von Pillen ging, die dann die ganze Zeit gar kein Thema mehr sind. Stattdessen erlebt Eden typische erste Uniwochen - erste Freundschaften, Vorlesungen, Partys - und beginnt, sich zu verlieben. Es gibt viele schöne Entwicklungen, bis mir als Leserin auf den letzten Seiten des Buches komplett der Boden unter den Füßen weggezogen wird und die Geschichte mit einem fiesen Cliffhanger endet. Insofern bin ich jetzt schon mehr als gespannt auf den zweiten Teil dieser Dilogie, der im April erscheinen wird! 

Mittwoch, 30. November 2022

Rezension: Der Pfirsichgarten von Melissa Fu

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Der Pfirsichgarten
Autorin: Melissa Fu
Erscheinungsdatum: 26.10.2022
Verlag: S.Fischer (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783103971675
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Im Roman „Der Pfirsichgarten“ erzählt die heute in England lebende, in den USA aufgewachsene Melissa Fu die berührende Geschichte von Dao Renshu, einer fiktiven Figur, den das Leben von Changsha in der chinesischen Provinz Hunan in den 1930er Jahren mit einigen Zwischenstationen ab 1968 nach Los Alamos in New Mexico/USA führt. Das wunderschön gestaltete Cover fordert dazu auf, das Buch in die Hand zu nehmen und in die Geschichte einzutauchen. Der Titel erschließt sich erst im Laufe des Lesens; er nimmt Bezug auf eine alte chinesische Sage in der ein Fischer durch Zufall einen üppig blühenden Garten voller Pfirsichbäumen und mit glücklichen und zufriedenen Bewohnern betritt. Meilin, die Mutter des Protagonisten, erzählt ihrem kleinen Sohn die Geschichte mit einem erfreulicheren, von ihr erfundenen Ende, was er aber erst als Erwachsener bemerkt.

Dao Renshu ist der einzige Sohn des Sohns eines Petroleumhändlers. Er trägt den Namen der Familie weiter und ist daher besonders schutzwürdig. Sein Vater kehrt aus dem Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg nicht nach Hause zurück. Gemeinsam mit seiner Mutter flieht er vor der drohenden Besatzung. Immer wieder müssen sie vor Angriffen fliehen, bis sie es auf die Insel Taiwan schaffen. Verluste begleiten sie auf ihrem Weg, aber Meilin gelingt es mit ihrem Einfallsreichtum und zahlreichen Einschränkungen, den Lebensunterhalt zu sichern. In ihrem Gepäck trägt sie fortwährend eine kostbare Schriftrolle mit alten Märchen, die sie von ihrem Mann erhalten hat. Für sie geht ein Traum in Erfüllung, als ihr Sohn ein Stipendium für ein Studium in den Vereinigten Staaten erhält. Dort nennt Renshu sich Henry. Seine Tochter Lily wächst nach seinem Wunsch weitgehend ohne Kontakt zur chinesischen Kultur auf, bis sie sich als Studentin auf die Reise in die Vergangenheit ihres Vaters begibt.

Melissa Fus Vater ist ebenso wie Renshu ein Einwanderer aus Taiwan. Ihr Roman wurde von seiner Lebensgeschichte inspiriert. Meilin ist in einer weltoffenen Familie groß geworden, die aber die Traditionen nicht verleugneten. Sie war die einzige Frau ihres Manns und hat außer Renshu keine weiteren Kinder. Obwohl jeder Anfang an einem neuen Ort schwierig ist, verfolgt sie unnachgiebig zwei feste Ziele. Einerseits wünscht sie sich für ihren Sohn eine schönere Zukunft als ihre eigene und andererseits möchte sie sich nicht mehr fest an Jemanden binden. Die Sagen ihrer Vorfahren, die sie schon ihr Leben lang begleiten, bieten ihre eine Rückzugsmöglichkeit, auch wenn diese nur in ihrer Gedankenwelt existiert.

Renshu wächst trotz der Ortswechsel wohlbehütet durch seine Mutter heran. Einige Entscheidungen von ihr kann er als Junge noch nicht nachvollziehen, später lernt er, diese zu akzeptieren. Er nimmt wahr, dass Bildung sehr nützlich ist und Anerkennung bringt. In der Schule entwickelt er den Ehrgeiz, zu den Besten zu gehören. Bereits als Student versteht er sehr bald, dass seine Kenntnisse auch für politische Systeme von Interesse sind, die diese ungern einem anderen Land zugestehen. Renshus/Henrys Tochter Lily begreift zunächst nicht, warum ihr Vater sich über seine Vergangenheit ausschweigt. Sie muss erst ihre eigenen Werte entdecken und Unabhängigkeit erreichen, bevor sie die Zusammenhänge sieht, ihre eigenen Schlüsse daraus zieht und dadurch zu sich selbst findet. Geschichten werden auch für sie zu einem Schatz, aus dem sie Erfahrungen gewinnt, durch die sie getröstet wird und durch die sie sich mit ihrer Großmutter in der Ferne verbunden fühlt.

Der Roman „Der Pfirsichgarten“ ist ein großartiger Roman von Melissa Fu. Zwar geschieht einiges Leid, das aber auch Neuanfänge hervorbringt mit der Hoffnung auf eine verheißungsvollere Zukunft. Als Leserin tauchte ich eine in eine mir noch weitgehend unbekannte ostasiatische Welt in den späten 1930er und 1940er Jahren und erlebte abwechslungsreiche Figuren, die sich je nach Lebenslage neu ausrichteten. Das Buch war mir ein durchgehendes Lesevergnügen und darum empfehle ich ihn gerne weiter.

Montag, 28. November 2022

Rezension: Sterne glitzern auch im Schnee von Meike Werkmeister

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Sterne glitzern auch im Schnee"
Autorin: Meike Werkmeister
Erscheinungsdatum: 21.09.2022
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783442493715
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Acht Tage vor Weihnachten ist Anni noch nicht in der richtigen Stimmung für das anstehende große Fest, denn Ihr Auftragsbuch ist übervoll. Auch hat ihr Partner Thies das Haus noch nicht passend geschmückt, wie er es sonst in der Adventszeit macht. Im Roman „Sterne glitzern auch im Schnee“ von Meike Werkmeister begegnete ich dem miteinander lebenden Pärchen, das ebenfalls im ersten Roman der Autorin „Sterne glitzern auch im Dunkeln“ die Hauptrolle spielt, in einer für die beiden gerade anstrengenden Zeit. Den Vorgängerband kenne ich nicht, dennoch fiel mir das Lesen leicht.

Die Autorin erzählt eine Geschichte, wie sie im wirklichen Leben zu finden sein könnte. Die 38-jährige Anni sorgt sich um Thies und bemerkt, dass es in ihrer Beziehung Dinge gibt, die unausgesprochen sind. Neben der vielen Arbeit hat die Protagonistin noch weitere Schwierigkeiten zu bewältigen. Einerseits setzt anhaltender Schneefall ein, der die Pläne einiger ihrer liebsten Menschen durcheinanderbringt, andererseits bekommt das Paar überraschenden Besuch, der Geduld und Diplomatie im Umgang erfordert. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass Anni und Thies jedes Problem beseitigen können, auch in ihrer Beziehung, und wurde nicht enttäuscht.

Das Buch ist, wie der Untertitel schon sagt, ein kleiner Winterroman. Auf dem Cover glitzert der Titel festlich und die Schneekristalle vermitteln bereits beim Betrachten ein winterliches Feeling. Die vordere Klappe ist mit einem Zitat aus dem Roman gestaltet von finepic aus München mit liebevollen Illustrationen von Renata Wolff, deren Werke im gesamten Buch zu finden sind.

Nach der Geschichte gibt es im Anhang „Annis Adventskalender“. Für die ersten 24 Tage des Dezembers findet sich auf jeweils einer entweder ein illustrierter Spruch, eine Bastelanleitung oder ein Rezept. So wird das Buch zu einem Begleiter durch die Adventszeit.

„Sterne glitzern auch im Schnee“ vom Meike Werkmeister ist ein bezaubernder vorweihnachtlicher Roman, der den Lesenden in Freude auf das Fest bringt und ihm am Beispiel der Protagonistin Anni zeigt, dass es für einige Alltagssorgen in dieser Zeit pragmatische Lösungen gibt. Gerne empfehle ich das Buch weiter.



Samstag, 26. November 2022

Rezension: Wintersonne von Katrine Engberg


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Wintersonne
Autorin: Katrine Engberg
Übersetzer: Ulrich Sonnenberg
Hardcover: 432 Seiten
Erschienen am 26. Oktober 2022
Verlag: Diogenes

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In Kopenhagen wird auf einem Hügel hinter einem Spielplatz ein Koffer gefunden, in welchem sich die Hälfte einer zersägten Leiche befindet. Die Ermittlungen werden Annette Werner übertragen, denn ihr Chef Jeppe Kørner nimmt sich eine Auszeit vom Polizeidienst und arbeitet als Holzfäller auf der Insel Bornholm. Dorthin verschlägt es auch Esther de Laurenti, die von der Tochter der verstorbenen Anthropologin Margrethe Dybris, über die Esther eine Biographie schreiben will, eingeladen wurde. Auch die Spuren der zersägten Leiche deuten schon bald in Richtung Bornholm...

Das Buch beginnt mit einem kurzen Prolog, in dem ein Mann aus der Bewusstlosigkeit erwacht, um voller Schrecken festzustellen, dass er im Begriff ist, zersägt zu werden. Danach springt die Handlung zu Annette Werner und dem Fund einer halben zersägten Leiche in einem Koffer in Kopenhagen. Annette trägt erstmals die Verantwortung für eine Mordermittlung, weil ihr Chef Jeppe sich nicht im Dienst befindet. Ich war gespannt, wie sie diese neue Rolle ausfüllen wird.

Natürlich ist Jeppe nicht aus der Welt, und auch das Wiedersehen mit meiner liebsten Nebenfigur Esther de Laurenti lässt nicht lange auf sich warten. Beide hat es auf die Insel Bornholm verschlagen - der eine fällt dort Bäume, die andere recherchiert für eine Biographie. Manch einer in ihrem Umfeld verhält sich merkwürdig und ich fragte mich, ob das nur Verschrobenheit ist oder mehr dahinter steckt.

Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, weil es nur eine halbe Leiche gibt und diese nicht identifiziert werden kann. Annette analysiert mit ihrem Team die aktuellen Vermisstenfälle und folgt gleichzeitig der Spur des Koffers, in welchem die Leiche gefunden wurde. Diese weist nach Bornholm und schnell ist da die Idee, ob Jeppe nicht wenigstens kurz... 

Die Ermittlungen schreiten in mäßigem Tempo voran. Dabei muss man darüber hinwegsehen, dass es schon ein extrem großer Zufall ist, dass drei Charaktere aus völlig unterschiedlichen Gründen alle auf Bornholm zu tun haben. Es gibt wenig klassische Ermittlungsarbeit, sondern ich erfuhr immer mehr über diverse Bornholmer, ihre Verstrickungen und Geheimnisse. Dabei ist lange nicht klar, ob und was davon irgendeine Relevanz für den Mordfall hat. In dieser Hinsicht ähnelt das Buch seinem Vorgänger. Zum einen bin ich traurig, dass dies der letzte Fall der Reihe ist, zum anderen habe ich das Gefühl, dass sich die Ermittler-Konstellation etwas abgenutzt hat, sodass ich mich auf ganz neuen Lesestoff der Autorin freue. Wer die vorherigen Teile der Reihe mochte, der sollte diesen Abschluss nicht verpassen!

Freitag, 25. November 2022

Rezension: Book of Night von Holly Black


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Book of Night
Autorin: Holly Black
Übersetzer:innen: Diana Bürgel und Julian Müller
Hardcover: 512 Seiten
Erschienen am 1. Oktober 2022
Verlag: Knaur TB

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Charlie Hall hat jahrelang als Diebin der besonderen Art gearbeitet. Unter dem Decknamen Charlatan hat sie Gloamisten bestohlen, also magiebegabte Menschen, die gelernt haben, ihre Schatten zu kontrollieren. Nachdem etwas Schreckliches passiert ist, hat sie jedoch beschlossen, ihre Finger von solchen Aufträgen zu lassen. Stattdessen arbeitet sie als Barkeeperin, so auch an jenem Abend, an dem eine Bekannte sie völlig aufgelöst aufsucht und um Hilfe bittet. Deren Freund Adam, der Charlies Nachfolger in Sachen Diebesaufträge ist, ist spurlos verschwunden. Charlie ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, ihren Abstand zu der Welt der Gloamisten zu wahren, und ihrer Bereitschaft, zu helfen. Schließlich willigt sie ein, dass sie versucht, zu Adam Kontakt aufzunehmen. Damit setzt sie Ungeahntes in Gang...

In einem kurzen Prolog zu Beginn des Buches lernte ich Remy kennen, einen Jungen, der mit seinem Schatten spielt und ihn mit seinem Blut füttert. Danach springt die Geschichte zu Charlie, die sich dazu entschieden hat, ein normales Leben zu führen, dass keine Diebestouren mehr enthält. Jahrelang hat sie vor allem Bücher über Magie gestohlen. Während sie der Welt der magischen Schatten den Rücken zukehren will, ist ihre kleine Schwester Posey besessen von der Idee, ihren eigenen Schatten zu beleben. Charlies Freund Vince ist sein Schatten hingegen gestohlen worden, über die Umstände schweigt er sich aus.

Von Beginn an hatte ich meine Probleme damit, in die Geschichte hineinzufinden. Die Autorin hat eine komplexe magische Welt geschaffen, nimmt sich allerdings kaum Zeit, diese zu erklären. Stattdessen muss man sich die Spielregeln der Welt aus dem Kontext erschließen, was mir mal mehr und mal weniger gut gelang. Auch wenn dieser düstere Fantasy-Roman in gutem Tempo voranschreitet und Charlie allerlei brenzlige Situationen bewältigen muss, konnte meine Begeisterung für die Story nicht vollends geweckt werden. 

Es gab zahlreiche überraschende Entwicklungen, die vor allem daraus entstanden, dass man selbst und auch viele Charaktere erst im Verlauf der Geshichte herausfinden, was mit Magie alles möglich ist. Zum Ende hin wartet ein spannender Showdown, der viele Antworten gibt, aber auch einige Fragen offen lässt. Gemeinsam mit dem abschließenden Cliffhanger wird so der zweite Teil vorbereitet. Wer Lust auf eine komplexe Fantasy rund um das magische Thema belebter Schatten hat, der kann diesem Buch eine Chance geben.

Sonntag, 20. November 2022

Rezension: Ein kleines Stück von Afrika - Aufbruch von Christina Rey

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Ein kleines Stück von Afrika - Aufbruch
Band 1 von 2
Autorin: Christina Rey
Erscheinungsdatum: 30.01.2022
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783785728208
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In ihrem Roman „Ein kleines Stück von Afrika“ nahm Christina Rey mich im ersten Band der Dilogie mit dem Untertitel „Aufbau“ mit nach Kenia ins Jahr 1910. Das Cover gibt bereits einen Einblick auf die Vielfalt der Tiere, die dort in freier Wildbahn zu sehen sind, was auch in der Geschichte ein großes Thema ist. Umspielt wird die bewegende fiktive Liebesgeschichte zwischen der jungen Britin Ivory und dem Großwildjäger Adrian von realen historischen Begebenheiten.

Die 17-jährige Ivory Parkland Rowe ist in betuchten Verhältnissen einer Londoner Unternehmerfamilie aufgewachsen und steht kurz davor in der Gesellschaft zu debütieren. Doch ihr Vater hat sie dazu auserkoren, ihn auf eine Safari nach Afrika zu begleiten. Ivory weigert sich jedoch standhaft, Jagd auf wilde Tiere zu machen. Stattdessen bewundert sie die Schönheit der Natur und das Zusammenspiel der Tiere. Sie weckt die Aufmerksamkeit des Jagdführers Adrian, dem sie aber seinen Job übelnimmt. Adrian gelingt es, sich ihr anzunähern. Ivory folgt ihm auf seine Farm, auf der er organisierte Safaris anbietet. Bald merkt sie, dass ihr Mann sie vor der Hochzeit bewusst über bestimmt Dinge im Unklaren gelassen hat. Eine Kluft zwischen ihnen tut sich auf. Als Adrian zum Kriegsdienst eingezogen wird, übernimmt sie die Leitung auf dem Anwesen und setzt eine neue Akzente.

Christina Rey baut in der Erzählung ein realistisch erscheinendes Bild der damaligen Verhältnisse in Kenia auf. Die eigenen Erfahrungen der Autorin und ihre sehr gute Recherche spürt man in der Geschichte, weil sie ihre Begeisterung für das Land einfließen lässt. Zunächst konnte ich eine Jagdgesellschaft begleiten und die Flora und Fauna des Landes kennenlernen. Ich teilte Ivorys Ansichten, was mir die junge Frau zunehmend sympathisch machte. Adrian erschien mir von Beginn an zwielichtig.

Bedauert habe ich den Umgang der Briten mit der schwarzen Bevölkerung, den ich als wirklichkeitsnah und nachvollziehbar empfunden habe. Ivory hat bereits als Kind in London eine Begegnung mit einem schwarzen Jungen gehabt und dabei Ungerechtigkeit in dessen Behandlung kennengelernt. Aber auch für sie als britische Frau, die nach einem selbstbestimmten Leben sucht, ist es schwierig, ihre offene Haltung zu Angehörigen eines anderen Kulturkreises in der öffentlichen Gesellschaft zu zeigen.

Neben dem faszinierenden Setting baut die Autorin solche wichtigen Themen in die Geschichte ein wie Gleichberechtigung der Frauen, Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung und bezahlter Abschuss heute geschützter Tiere aus Freude an der Jagd. Daneben konnte ich noch einiges über die Riten der Einheimischen erfahren und deren Missionierung, die Christine Rey kritisch sieht. Interessiert konnte ich auch die Entwicklungen in Kenia in technischer Hinsicht verfolgen, die das Land für Ausländer besser erschlossen.

Gerne habe mich mit dem Roman „Ein kleines Stück von Afrika – Aufbruch“ von Christina Rey mit nach Kenia nehmen lassen. Eine wunderbare Landschaft, der Reichtum der Tierwelt sowie eine junge Frau mit festen Ansichten, von denen sie sich nicht abbringen lässt, machten die Erzählung für mich zu einem reinen Vergnügen. Mit viel Freude auf die Fortsetzung vergebe ich eine klare Leseempfehlung.


Dienstag, 15. November 2022

Rezension: Das Gesetz der Natur von Solomonica de Winter

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Das Gesetz der Natur
Autorin: Solomonica de Winter
Übersetzerin: Meredith Barth
Erscheinungsdatum: 28.09.2022
Verlag: Diogenes (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover Leinen mit Schutzumschlag
ISBN: 9783257072181
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Die Welt, in der die junge Gaia Marinos lebt, besteht in ihrer Form erst seit „Jenem Tag“. Seither gilt „das Gesetz der Natur“, das dem dystopischen Roman von Solomonica de Winter den Titel gegeben hat. Das darin beschriebene zukünftige Amerika ist weitgehend abgeschnitten von der restlichen Welt. In diesem neugegliederten Land haben sich über die Bundesstaaten hinweg vier Stämme gebildet, die sich gegenseitig als Feind sehen. In jedem Stamm ist nur eine einzige Person mit Lesen und Schreiben beauftragt.

Gaia lebt mit zwei erwachsenen Männern zurückgezogen im Wald. Einer von ihnen hat ihr das Jagen beigebracht, der andere das Lesen, welches er sich selbst zu früherer Zeit im Familienkreis heimlich angeeignet hat. Als ihr Aufenthaltsort entdeckt wird, gerät sie in Gefangenschaft. Inzwischen hat sie eine mystische Eigenschaft entwickelt, die für die Kriegsführung nützlich ist. Sie wünscht sich ihr Leben im Wald zurück. Aber auch der ihr anvertraute Auftrag, Bücher aus alten Zeiten an einem abgelegenen Ort zu finden, hat für sie ihren Reiz. Darin wurden Worte der Vergangenheit festgehalten.

Man bezeichnet Gaia als Mutantin, wobei der Begriff im Sinne von verändertem Individuum gebraucht wird. Die Veränderung wird in ihrem Aussehen deutlich und in einer bestimmten Eigenschaft. Seit Jenem Tag hat es noch mehr solcher Individuen gegeben, aber die Menschheit war bestrebt, sie auszurotten. Der genaue Grund wird nicht beschrieben und auch nicht, wodurch es zu der Veränderung kam. Vielleicht findet Gaia die Antworten in den verborgenen Büchern, die sie sucht. Weil der Roman Teil einer Serie liest er eventuell darüber in der Fortsetzung.

Die Protagonistin hat ihre Eltern verloren. Das Leben in den Wäldern ist mühsam, aber Gaia erfreut sich auch an der Natur. Für sie ist Gerechtigkeit und Güte von Beginn an wichtig. Durch die Gefangennahme gerät sie immer wieder in Situationen, in denen sie für sich abwägen muss, was gut ist und was böse. Oft ist ihr Leben in Gefahr. Die Autorin wirft indirekt die Frage auf, wie viel ein Leben Wert ist. Die neuen Gesetze der Stämme regeln das Zusammenleben der Menschen auf eine rigide Weise. Ausschluss aus der Gemeinschaft und Tod drohen den Abweichlern ebenso wie den Angehörigen. Entsprechend der harten Linie, gestaltet sich der Kampf der Stämme gewaltsam. Gaia durchläuft eine harte Ausbildung in militärischer Auseinandersetzung. Von ihr wird Gehorsam verlangt ohne Rücksicht auf ihre eigenen Gefühle.

Im Amerika des Romans ist die Rollenverteilung klassisch, wobei Gaia eine besondere Position einnimmt. Ihre Einzigartigkeit macht sie überall bekannt und zunehmend ist es für sie schwieriger, sich zu verbergen, weil ihr Ruf ihr vorauseilt und stigmatisiert sie. Ihr Anspruch darauf, gerecht zu handeln, gerät immer wieder ins Wanken. Es gelingt ihr nicht, auf Rache zu verzichten. Gaia spürt zunehmend die Last ihrer Schuld für ihre Handlungen, die keine Güte zeigen.

Der Schreibstil der Autorin ist eigenwillig. Er wirkt manchmal distanziert und versucht Gaias Entscheidungen zu begründen. Gelegentlich finden sich Balladen in den Kapiteln. Sie lenken die Aufmerksamkeit des Lesenden auf sich. Im Mittelteil kommt es während der Kampfvorbereitungen zu Längen.

Der Roman „Das Gesetz der Natur“ von Solomonica de Winter hatte auf mich eine unerwartet fesselnde Wirkung. Bestürzt verfolgte ich die Entwicklung der Stämme im neuen Amerika, die meiner Meinung nach wenig aus dem Fehlern ihrer Vorfahren gelernt haben. Zum Ende hin bleibt die Hoffnung, dass Gaia in der Fortsetzung der Serie durch ihre Entdeckung ein Stück Frieden in die Welt tragen kann. Aufgrund der teilweise gewalttätigen Darstellung mancher Aktionen vergebe ich eine eingeschränkte Leseempfehlung an ältere Leser von Dystopien.

Montag, 14. November 2022

Rezension: Zirkus der Wunder von Elizabeth Macneal


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Zirkus der Wunder
Autorin: Elizabeth Macneal
Übersetzerin: Eva Bonné
Hardcover: 430 Seiten
Erschienen am 28. Oktober 2022
Verlag: eichborn

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Als sich im Jahr 1866 in einem kleinem südenglischen Dorf "Jasper Jupiters Zirkus der Wunder" ankündigt, ist die Aufregung groß. In Scharen treibt es die Bewohner in die Vorstellung, um Kuriositäten wie eine Frau mit Bart und eine walisische Riesin zu bestaunen. Dabei machen sie Witze, dass Nell, deren Haut von Geburt an mit Muttermalen übersät ist, ebenfalls zur Truppe passt. Doch daraus wird wenige Tage später Ernst, als Nell von ihrem Vater tatsächlich an den Impresario verkauft wird. Nach dem anfänglichen Schock merkt Nell, dass ihr neues Leben durchaus Vorteile hat: Sie verdient mehr Geld als je zuvor und ist zum ersten Mal in ihrem Leben von Menschen umgeben, die in ihrem Erscheinungsbild ebenso von der Norm abweichen wie sie.

Ich konnte schnell in die Geschichte eintauchen und war gespannt, was Nell nach ihrem Verkauf erleben wird. Die Autorin machte die Faszination für Freakshows im viktorianischen Zeitalter nachvollziehbar und gibt einen fiktionalisierten Einblick in die Zirkuswelt. Dabei wird die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven von Nell, dem Impresario Jasper und seinem Bruder Toby erzählt.

Jasper ist ein überaus ehrgeiziger Mann, der davon träumt, sich einen Stellplatz in London leisten und vor der Queen auftreten zu können. Er ist stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht und von seiner eigenen Genialität überzeugt. Im Gegensatz dazu ist Toby ein stiller, zurückhaltender Charakter, der seine Wünsche stets zurückgestellt hat. Obwohl die Brüder als Kinder von einem gemeinsamen Zirkus träumten, ist Jasper nun der alleinige Besitzer. Toby arbeitet als Fotograf für ihn und sehnt sich nach seiner Anerkennung. Rückblicke nahmen mich als Leserin mit in den Krieg auf der Krim, wo die beiden etwas Einschneidendes erlebt haben, über das sie nicht sprechen.

Das Erzähltempo ist ruhig, zwischen den einzelnen Abschnitten des Buches gibt es aber Zeitsprünge, sodass die Geschichte dennoch zügig vorankommt. Ich hatte zu Beginn keine konkrete Vorstellung, in welche Richtung sie sich entwickeln wird, und erlebte einige Überraschungen. Die Auseinandersetzung mit dem Leben der als Kuriositäten bezeichneten Menschen im Zirkus mit seinen Licht- und Schattenseiten fand ich gelungen. 

Es gibt viele schöne Szenen, aber auch zahlreiche düstere Momente, welche bei mir zunehmend die Erwartung schürten, dass etwas Schreckliches passieren wird. Obwohl ich mehrfach Zeugin wegweisender Entscheidungen und lebensverändernder Momente wurde, blieben die Figuren zu mir auf Distanz. Ich hätte mir noch mehr Einblicke in ihre Emotionen und ein intensiveres Betrachten der zwischenmenschlichen Momente gewünscht. Nach vielen unerwarteten Wendungen ist auch das Ende anders als gedacht. Für mich rundet es diesen Roman, in dem Freude und Leid oft nah beieinander liegen, stimmig ab. Ein Nachwort gibt Informationen zu den historischen Vorbildern. Gerne empfehle ich dieses Buch an alle weiter, die Lust auf einen historischen Roman haben, der aus dem Rahmen des Gewöhnlichen herausfällt!

Freitag, 11. November 2022

Rezension: Ihr könnt doch noch nicht satt sein! von Renate Bergmann

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Ihr könnt doch noch nicht satt sein! Die Online-Omi tischt auf
Autor: Torsten Rohde als Renate Bergmann (Kunstfigur) 
Erscheinungsdatum: 27.10.2022
Verlag: Ullstein (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover
ISBN: 9783471360484 

 


 


„Ihr könnt doch noch nicht satt sein!“ rief Renate Bergmann ganz entsetzt, als sie sah, dass ihre Gäste das Besteck auf ihren leer gegessenen Tellern ablegten und sich zufrieden den Mund mit ihrer Serviette abputzten. Die über Achtzigjährige Berlinerin hatte den Tisch mit einem karierten Tuch gedeckt …

Solch eine Szene stelle ich mir in meiner Fantasie vor, wenn die Mahlzeit beendet ist, die die Kunstfigur Renate Bergmann für andere gekocht hat. Von den Romanen, die der Autor Torsten Rohde unter dem Pseudonym seiner Protagonistin schreibt,  habe ich zwar noch keinen gelesen, aber schon viel von ihnen gehört. Der bestürzte Ausruf Renates ist der Titel eines Koch- und Backbuchs mit dem Untertitel „Die Online-Omi tischt auf“. Ich erwartete, darin bodenständige leckere Rezepte zu finden und wurde nicht enttäuscht.

Den Einband des großformatigen Buchs wurde von ZERO Media im rot-weißen Karo gestaltet. Auf dem Cover ist Renate beim Abschmecken am Herd in ihrer Küche zu sehen. Die Abbildung hat Rudi Hurzlmeier erstellt. Die Innenseiten wurden von Axel Raidt ausgearbeitet. Insgesamt machte das Buch auf mich einen hochwertigen Eindruck.

Gleich zu Beginn konnte ich anhand der Inhaltsangabe die Kategorien sichten und mir aufgrund der aufgelisteten Gerichte einen ersten Überblick verschaffen. Dazu steht bei jedem Kapitel ein anregendes, zum Thema passendes Foto. Im folgenden Vorwort erklärt Renate Bergmann ihr Anliegen, dem Interessierten ihre Hausfrauenküche nach den Rezepten ihrer Oma nahe bringen zu wollen. Daraus lässt sich rückfolgern, dass diese sich seit langem bewährt hat.

Vor jeder Koch- beziehungsweise Backkategorie gibt es eine Einführung mit ersten Tipps und Kniffen und dem Hinweis auf drei folgende Rezepte, die mit Fotos angeteasert werden. Der Anleitungsteil ist appetitanregend gestaltet und fordert zum Nachkochen oder -backen auf. Zu jedem Gericht gibt es ein einseitiges Foto des zubereiteten Rezepts und auf der gegenüberliegenden Seite stehen die Rezeptur mit der Angabe der Personenzahl sowie die Zubereitung. Schön finde ich es, dass die benötigten Zutaten leicht zu besorgen sind. Außerdem ist oberhalb der Bezeichnung der Speise ein Hinweis im Originalton der Online-Oma zu lesen. Auf jeder dieser Seiten steht unten zusätzlich ein Tipp verschiedenen Inhalts, beispielsweise mit der Empfehlung, einen der Inhaltsstoffe auszutauschen oder wie man das Gericht mit einer weiteren Zutat variiert.

Die Anleitung ist leicht verständlich und einfach umzusetzen. Falls der Backofen benötigt wird, ist die Temperatur und die Backzeit angegeben. Ich habe inzwischen den Gemüseauflauf ausprobiert. Das Ergebnis hat meiner Familie nicht nur sehr gut geschmeckt, sondern sah optisch wie im Buch aus. Bratkartoffeln habe ich ebenfalls nach dem Rezept getestet, weil sie anders zubereitet werden, als ich sie sonst mache. Auch dieses Gericht hat uns gemundet. Noch viele weitere Fotos lachen mich beim Blättern im Buch an und ich werde sicher immer wieder dazu greifen und noch einiges nachkochen und -backen.

Es ist verständlich, dass Renate sich darüber freut, wenn ihre Gäste ihre Teller schnell leer gegessen haben und gesättigt nach Hause gehen. Mir macht es viel Freude, die Rezepturen auszuprobieren und daher empfehle ich das Buch gerne weiter.


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