Rezension von Ingrid Eßer
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Mit dem Roman „Kein Sommer ohne August“ hat die Autorin Lucy
Astner nach eigener Aussage ein Buch geschrieben, wie sie selbst ihn gerne
lesen würde. Bereits die sommerlich frische Gestaltung mit Farbschnitt ist ein
Eyecatcher und lässt erahnen, dass die Handlung am Meer spielt. Doch die 32-jährige
Protagonistin Charlie, die inzwischen in London in einer Event-Agentur
arbeitet, kehrt nicht wegen der faszinierenden Umgebung oder aufgrund eines
Urlaubs an ihren früheren Wohnort Liberty Beach zurück. Vielmehr sind es einige
kurze Zeilen ihres Jugendfreunds August Green, die sie veranlasst haben, nach
zehn Jahren in den Nordosten der USA heimzukehren, jedoch nur für wenige Tage.
Charlies Mutter war alleinerziehend und verfügte nur über
geringe finanzielle Mittel. Mit elf Jahren lernt Charlie bei einem Vorfall, der
ihr später peinlich ist, in der örtlichen Buchhandlung von Liberty Beach den
Enkel der Inhaberin kennen. August ist etwa gleich alt und lebt mit seinen
Eltern in New York. Seine dreiwöchigen Ferien verbringt er jedes Jahr bei
seiner Großmutter Molly. Über zwölf Sommer hinweg erneuern Charlie und August ihre
Freundschaft immer wieder und teilen ihre Liebe zu Geschichten und Büchern.
Lucy Astner versteht es ausgezeichnet, das Geheimnis lange zu
bewahren, welches die tiefe Verbundenheit der beiden eines Tages erschüttert und
Charlie dazu veranlasste, ihre Heimat zu verlassen. Dass August von ihr bereits
auf den ersten Seiten der Geschichte als der größte Fehler ihres Lebens bezeichnet
wird, deutet auf die Schwere des Konflikts hin. Der Roman entfaltet sich auf
zwei Zeitebenen und wechselt zwischen der Gegenwart und den damaligen Sommern,
die in chronologisch erzählt werden.
Für Charlie wird die Buchhandlung von Augusts Großmutter zum
Zufluchtsort. Die Beziehung zu ihrer Mutter ist problembelastet. In der Buchhandlung
hilft sie Molly und darf in die Geschichten zwischen den Buchseiten eintauchen,
was ihr dabei hilft, die Gegenwart auszublenden. Die gemeinsamen Tage mit
August sind geprägt von guten Gesprächen über Bücher, jedoch schleicht sich zunehmend
ein deutlich stärkeres Gefühl als Zuneigung in ihre Freundschaft ein.
Die langen Monate zwischen den Sommern werden zu einer Zerreißprobe
ihrer Beziehung. Die räumliche Distanz nährt das Misstrauen darüber, welche
Kontakte der jeweils andere in der Zwischenzeit pflegt. Charlies Argwohn wird
zusätzlich dadurch verstärkt, dass August ihr gegenüber ruhig und zurückhaltend
wirkt, während er anderen gegenüber offen und humorvoll auftritt. In ihrem Schmerz
zieht sie sich zurück, statt die Möglichkeit einer Aussprache zu nutzen. Außerdem
begleitet Charlie über die Jahre hinweg eine Vorstellung ihrer Mutter, die die
Liebe mit einer Rolltreppe vergleicht und dafür sorgt, dass sie ihre eigenen Gefühle
zu verbergen sucht.
Der Roman „Kein Sommer ohne August“ von Lucy Astner ist ein atmosphärisch dichter Coming-of-Age-Roman mit einer originellen Liebesgeschichte, der von der Magie heißer Sommertage und dem Duft von Büchern begleitet wird. Gerne empfehle ich das Buch weiter.









