Rezension von Ingrid Eßer
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Anfang der 1960er Jahre entsteht in Nordvirginia, unweit der
Hauptstadt der USA, eine neue Vorstadtsiedlung mit etlichen Regeln, die die
Gemeindeverwaltung den Hausbesitzern vorschreibt. Die dreiunddreißigjährige Margret
Ryan und ihre Familie sind stolze Bewohner eines der Häuser. Gemeinsam mit drei
Nachbarinnen gründet Margret einen Buchclub. Die Clubmitglieder sind die
Protagonistinnen im Roman „Der Buchclub der eigensinnigen Frauen“ von Marie
Bostwick.
Die Idee für den Buchclub stammt zwar von Margret, die drei
Kinder hat und deren Traum es ist, journalistisch tätig zu werden. In ihren
Alltag hat sich eine gewisse Routine eingeschlichen. Sie fühlt sich zunehmend
ihrer Mutter ähnlich, obwohl sie das stets vermeiden wollte. Bei der Auswahl
der ersten Lektüre für den Club folgt sie dem Vorschlag der neununddreißigjährigen
Charlotte, ebenfalls dreifache Mutter, diie sich gern als Malerin verwirklichen
möchte. Auch die dreiundzwanzigjährige Bitsy, die wegen ihrer Heirat mit einem
doppelt so alten Tierarzt ihren Studienwunsch aufgegeben hat, und die
einundvierzigjährige Vivian, sechsfache Mutter und ehemalige Krankenschwester,
lesen das gerade erschienene Buch „Der Weiblichkeitswahn“ der Feministin Betty
Friedan. Darin werden die damals vorherrschenden gesellschaftlichen Erwartungen
an Frauen in Frage stellt, die sie häufig auf eine Rolle als Hausfrau und
Mutter reduzieren.
Angeregt von ihrer Lektüre beginnen die Frauen, ihr
bisheriges Leben zu hinterfragen. Jede von ihnen sucht einer Möglichkeit, die
Kenntnisse, die sie besitzen beruflich anzuwenden oder den erlernten Beruf
wieder aufzunehmen. Dabei stoßen sie auf verschiedene Schwierigkeiten, die es
zu überwinden gilt. Beispielsweise ist es Frauen zu dieser Zeit nicht möglich,
ohne die Zustimmung ihres Ehemanns ein eigenes Bankkonto zu eröffnen. Sie
kämpfen um Gleichberechtigung, die Anerkennung ihrer Leistungen sowie die
Würdigung all ihrer Kompetenzen. Zugleich ist ihnen bewusst, dass sie einer
Bevölkerungsgruppe angehören, die über gewisse finanzielle Mittel, aber auch Unterstützung
aus ihrem Umfeld verfügt und dadurch Möglichkeiten hat, die vielen anderen
Frauen verschlossen bleiben. Die Autorin lässt immer wieder aktuelles Zeitgeschehen
einfließen und verdeutlicht damit, wie eng die persönlichen Lebenswege mit den
gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen verbunden sind. Anhand von
Margrets Ehe wird zudem die Perspektive des Ehemanns auf die Veränderungen in
der Beziehung beleuchtet. Da sich die Freundschaft der Frauen zunächst eher
langsam entwickelt und ihr familiäres Umfeld ausführlich beschrieben wird,
weist die Geschichte anfangs einige Längen auf. Mit der Zeit nimmt sie jedoch
Fahrt auf und führt für jede der vier Frauen zu einigen, manchmal unerwarteten
Wendungen in ihrem Leben.
Der Roman „Der Buchclub der eigensinnigen Frauen“ von Marie Bostwick erzählt von vier Frauen, die sich in einer amerikanischen Neubausiedlung zusammenschließen, um den titelgebenden Club zu gründen. Dabei zeichnet sie ein Bild der damaligen weiblichen Lebensrealität und gesellschaftlichen Stellung. Die unterschiedlichen Lebenssituationen der Protagonistinnen zeigen, wie vielfältig die Wege zu mehr Unabhängigkeit sein können. Eine unterhaltsame Geschichte über den Zusammenhalt von Frauen und die Suche nach Selbstbestimmtheit, die deutlich macht, dass Gleichberechtigung keine Selbstverständlichkeit ist. Gerne empfehle ich das Buch weiter.









