Rezension von Ingrid Eßer
Das Buch „Meeresdunkel“ ist der erste Thriller von Till
Raether. Darin schickt er zwei Familien auf die Insel Mallorca in eine alte
Finca. Zunächst entsteht der Eindruck, dass beide Familien unabhängig
voneinander nur aufgrund einer Mail der Vermieterin das Haus gebucht haben. Im
Verlauf zeigt sich jedoch, dass deutlich mehr Zusammenhänge zwischen den
Protagonist*innen bestehen, die sie auch zu diesem Urlaub gebracht haben.
Henrike erhält eine Nachricht, dass die Finca am Ende einer
Bucht kurz vor der Renovierung steht und daher besonders günstig zu mieten sei.
Spontan bucht sie das Haus, um ihren Mann damit zu überraschen, in der Annahme,
er werde zustimmen, da er etwas wiedergutzumachen habe. Begleitet wird sie von
ihren beiden vierzehnjährigen Zwillingen sowie ihrem Bruder. Sie ahnt nicht,
dass zur gleichen Zeit auch Marie die Finca gebucht hat, ebenfalls nach Erhalt
derselben E-Mail. Marie reist mit ihrem Ehemann Samuel und dem achtjährigen
Sohn Juri begleitet.
Beide Paare gehen davon aus, dass es nur bis zum nächsten
Tag dauern wird, bis der Irrtum der Doppelbuchung sich aufklärt. Darum
arrangieren sie sich in dem großen maroden Haus, in das bereits Feuchtigkeit
eingedrungen ist. Als Lesende konnte ich nicht so recht nachvollziehen, warum
man sich auf ein solch dubioses Buchungsangebot einlässt. In der ersten Hälfte
baut sich trotz latenter Spannung nur langsam eine bedrohliche Atmosphäre auf,
und es wirkt lange nicht so, als könnte es bald zu einem Mord kommen. Die
handelnden Figuren fallen mit immer mehr Eigenheiten auf und es werden erste
Details zu deren Hintergrund erzählt. Das Wetter wird zunehmend ungemütlich,
ein Closed-Room-Setting beginnt sich abzuzeichnen, bis dann endlich die Täterin
oder der Täter angreift.
Till Raether setzt mehr auf undurchsichtige Charaktere statt auf eine steigende Spannung. Nach dem Verbrechen baut der Autor die komplexen Verflechtungen rund um seine Protagonist*innen und zwielichtigen Nebenfiguren weiter aus. Für mich waren nicht immer die Gründe nachvollziehbar, wer seine Zuneigung wem entgegenbrachte. Die Handlung wirkt zunehmend konstruiert und wenig realistisch. Dennoch ist der Unterhaltungswert des Thrillers „Meeresdunkel“ aufgrund bedrückender Atmosphäre, unerwarteter Wendungen und einem überraschenden Ende gegeben.









