Donnerstag, 21. Juni 2018

[Rezension Ingrid] Oxen - Der dunkle Mann von Jens Henrik Jensen



„Oxen – Der dunkle Mann“ ist der zweite Band der Thriller-Trilogie des Dänen Jens Henrik Jensen bei dem der Kriegsveteran und frühere Elitesoldat Niels Oxen ermittelt. Er hat die höchsten dänischen Auszeichnungen für seine Einsätze erhalten und ist von den furchtbaren Erlebnissen im Krieg tief traumatisiert. Nach dem Geschehen des ersten Bands hat er sich zurückgezogen und lebt als angeblicher Rumäne bei dem Besitzer einer Fischzucht Jütlands als Helfer in einem abgelegenen Bedienstetenhaus. Dass er dort kein ruhiges und unbeachtetes Leben führen kann, deutet bereits das Cover an. Das Gewitter steht symbolisch für die Vergeltung des bereits im ersten Teil thematisierten Danehofs, einer Versammlung des dänischen Adels und obersten Gerichts.

Nur durch Zufall wird Oxen zum Mitarbeiter der Fischzucht. Über Wochen hinweg installiert er in seiner Unterkunft ein Alarmsystem und einen Notausgang, denn die Schatten seiner Vergangenheit lassen ihm keine Ruhe und er plant die Möglichkeit einer schnellen Flucht vor seinen Verfolgern. Bevor er sich zurückzog hat er einem Experten für den Danehof, der Museumsdirektor des Schlosses Nyborg Slot ist, wichtige Unterlagen zukommen lassen. Eines Nachts wird der Direktor ermordet aufgefunden. An der Aufklärung des Falls hat nicht nur die lokale Kriminalpolizei Interesse, sondern auch der Inlandsnachrichtendienst (PET) für den Margrethe Franck arbeitet. Mit ihr hat Oxen bereits vor geraumer Zeit zusammengearbeitet. Franck arbeitet daran, Oxen aufzuspüren, der aber nach wie vor Skepsis ob der Integrität von Margrethes Chef hat. Und auch die unbenannten Mitglieder des Danehofs möchten Oxen aufspüren. Sie haben für ihn nichts Gutes im Sinn. Oxen entscheidet sich, im Einsatz gegen das Parlamentum wieder mit dem Nachrichtendienst zusammenzuarbeiten.

Über der Trilogie von Jens Henrik Jensen steht die große Frage nach den Namen der Mitglieder des Danehofs. Der zweite Teil lässt sich ohne Kenntnisse des ersten Bands lesen, denn sowohl die Vergangenheit der Hauptfiguren wie auch die geschichtlichen Hintergründe werden ausführlich erklärt, was dazu führt, dass es gerade zu Beginn des Thrillers zu ein paar Längen kommt. Auch diesmal kommt es wieder zu einer heiklen Lage, die nicht ohne weiteres durch die Kriminalpolizei aufgeklärt werden kann, weil verschiedene Gruppen ein Interesse an der Verschleierung des Geschehens haben. Obwohl zwischen Oxen und Franck inzwischen eine gewisse Zuneigung entstanden ist, bleibt ihr Vertrauen zueinander mit Argwohn behaftet. Die Taktiken des Überlebenskampfs von Oxen mit seinen geschärften Sinnen, sind interessant zu lesen. Die Handlung ist von Beginn an spannend und kann den Spannungsbogen bis zum Ende halten, allerdings fehlte mir die Neuartigkeit wie sie durch den Danehof und den Aufbau der Figuren im ersten Teil entstanden ist. Im abschließenden letzten Teil der Trilogie, der im September 2018 auf Deutsch erscheint, wird das Geheimnis um den fehlenden Namen eines entscheidenden Charakters aufgedeckt werden.

„Oxen – Der dunkle Mann“ ist ein Lese-„Muss“ für alle Fans von Jens Henrik Jensen.


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Titel: Oxen - Der dunkle Mann
Autor: Jens Henrik Oxen
Übersetzerin: Friederike Buchinger
Erscheinungsdatum: 09.03.2018
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur

Dienstag, 19. Juni 2018

[Kurzrezensionen Hanna] Drei Mal Literatur - Mütter, Kunst und Abenteuer

Liebe Leser,

heute möchte ich Euch drei literarische Titel vorstellen, die mich sehr begeistert haben. Die ersten beiden Bücher habe ich aufgrund von Ingrids Empfehlung gelesen, das letzte war ein Spontankauf kurz vor Weihnachten. Während es die eine Protagonistin allmählich fort zieht, kehrt der andere nach Jahren in die Heimat zurück. Auf zu ganz neuen Ufern geht es im dritten Buch. Ist etwas interessantes für Euch dabei?



„Die Mütter“ - das ist im gleichnamigen Roman von Brit Bennett eine Gruppe älterer Frauen, die sich täglich in ihrer Kirche treffen, um für andere zu beten. In ihrer Stadt Oceanside geht so einiges vor sich. Ich tauchte ein in die Geschichte von Nadia: Ihre Mutter hat sich ein halbes Jahr zuvor umgebracht und ihr Vater ist mit der neuen Situation überfordert. Bald kann sie endlich die Stadt verlassen studieren gehen - wäre sie nicht von Luke schwanger, dem Sohn des Pastors. Sie entschließt sich zur Abtreibung und wird von Luke allein gelassen, was sie nie wird vergessen können. Die Autorin thematisiert gelungen das Thema Abtreibung und dessen emotionale Konsequenzen für alle Beteiligten. Es geht um Schuld, Liebe, Traumata, Neuanfänge und Gedanken an das, was hätte sein können. Die jungen Erwachsenen suchen nach einem Platz im Leben, still beobachtet und beurteilt von den „Müttern“. Es entsteht ein vertracktes Beziehungsgeflecht, bei dem Versuche, das eigene Leid vorübergehend zu lindern, nur neuen Schmerz auslösen. Ein nachdenklicher und bedrückender Roman, der mich fesseln konnte und den ich gerne weiterempfehle.

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Die Mütter
Autorin: Brit Bennett
Übersetzer: Robin Detje
Hardcover: 320 Seiten
(rezensierte Ausgabe: Leseexemplar)
Erscheinungsdatum: 24. April 2018

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In „Leinsee“ von Anne Reinecke begleitet der Leser den Protagonisten Karl von Berlin zurück in die titelgebende Heimat, wo die Mutter schwer krank ist und der Vater sich das Leben genommen hat. Im Leben seiner berühmten Künstler-Eltern war nie wirklich Platz für ihn. Jetzt wird er im leeren Elternhaus von Erinnerungen eingeholt und muss sich entscheiden, wie er weitermachen will. So recht will er noch nicht zurück nach Berlin zu Mara und der städtischen Kunstszene, die ihn für seine Vakuumkunst bewundert. In Leinsee entsteht eine besondere Freundschaft zu einem Mädchen aus der Nachbarschaft, das sich immer wieder in seinen Garten schleicht und dem er bald kleine Geschenke hinterlässt. Besonders gut gefallen hat mir die bildhafte Sprache der Autorin sowie die kreativen Überschriften, die Karls Gefühlsleben farblich wiederspiegeln. Ein absolut gelungener Roman über Entwicklung und Erinnerungen, Erwachsenwerden und Wieder Kind sein wollen sowie der Suche nach einem eigenen Platz in der Welt.
  
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Titel: Leinsee
Autorin: Anne Reinecke
Hardcover Leinen: 368 Seiten 
Erscheinungsdatum: 28. Februar 2018

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„Euphoria“ von Lily King nimmt den Leser mit ins Neuguinea zu Beginn der 1930er Jahre, wo das Ethnologen-Ehepaar Nell und Fen gerade einen Stamm vorzeitig verlassen hat und die Rückreise nach Australien vorbereitet. Als sie auf ihren britischen Kollegen Andrew Bankson treffen, bewegt dieser sie zum bleiben mit dem Vorschlag, einen interessanten Stamm unweit seines eigenen zu studieren. Ich fand es spannend, in dieses exotische Setting einzutauchen und die drei bei ihrer Forschung zu begleiten. Während Nell und Fen sich immer wieder bezüglich ihrer Forschungsmethoden uneins sind, fühlt sich Bankson zu Nell hingezogen und will enger mit den beiden zusammenarbeiten. Ein Roman rund um Neugier und Entdeckerfreude, disziplinierter Forschung und wilden Ritualen sowie Eifersucht und Leidenschaft, der mich faszinieren konnte. Ich vergebe 5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle literarischen Abenteurer!

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Euphoria
Autorin: Lily King
Übersetzerin: Sabine Roth
Taschenbuch: 272 Seiten
Erschienen am 7. Juli 2017
Verlag: dtv

Sonntag, 17. Juni 2018

[Rezension Hanna] Hier ist es schön - Annika Scheffel



Irma und Sam nehmen an einem besonderen Wettbewerb teil: Sie wollen dazu auserwählt werden, die Fähre zu besteigen, die sie in eine neue Welt bringen soll. Die Erde ist nicht mehr das, was sie einmal war. Dennoch ist für Irmas Eltern ist unverständlich, warum ihr Tochter alles endgültig hinter sich lassen will und sich dazu in der Arena in große Gefahr begibt. Über Sam hingegen ist so gut wie nichts bekannt. Man erzählt sich, dass er an einem der letzten Sommertage angespült wurde. Außerhalb der Arena ist ihm nichts vertraut. Bis er eines Tages seinem Impuls folgt und beschließt, die Welt zu erkunden, mit Irma an seiner Seite.

Als ich vor einigen Monaten im Radio einen Bericht über das „Mars One“ Projekt und dessen Rekrutierung von Kolonisten hörte, fragte ich mich vor allem, was so viele Menschen dazu bewegt hat, sich für diese Mission ohne Rückfahrtschein zu bewerben. Eine ähnliche Frage hat sich auch die Autorin gestellt. In ihrem Roman will die Organisation „Carpe Diem“ einen Mann und eine Frau auswählen, die sie als Hoffnungsträger in eine weit entfernte Welt schickt.

Die Protagonistin Irma lernt man zu Beginn durch Briefe kennen, die an sie geschickt werden. Aus diesen erfährt man, dass sie sich in einer Arena befindet, in welcher der Auswahlprozess für die Mission stattfindet. Das Ganze wird im Fernsehen ausgestrahlt und fesselt die ganze Nation – nur ihre Familie kann kaum zuschauen, als klar wird, dass tödliche Unfälle mit zum Programm gehören. Die Briefe ihrer Eltern und Freunde klingen verzweifelt und zunehmend resigniert, während die Fanpost immer euphorischer wird. Als ich Irma und Sam schließlich begegnete, hatte ich das Gefühl, sie schon lange zu kennen – so wie der Freund eines Freundes, von dem man schon lange gehört hat. Es sind zehn Jahre vergangen, seit Irma ihre Familie verlassen hat. Der Abflug der Fähre steht kurz bevor, da will Sam plötzlich die Welt sehen. Er öffnet die Tür zur Welt und spaziert einfach hinaus, und Irma folgt ihm.

Die Erde ist in einem schlechten Zustand, das ist nach wenigen Schritten klar, die Sam und Irma in der „echten“ Welt tun. Warum, erfährt man nicht, wie so vieles in diesem Roman. Doch es fahren kaum Autos mehr, die Lebensmittel sind knapp, der Himmel fast durchgängig grau. Trotzdem hatte Irma Eltern, sie sie lieben, tolle Freunde und Tom, der offensichtlich für sie schwärmt. Was reicht ihr daran nicht? Diese Frage stellt sich ihr Umfeld und auch der Leser, der in den eingestreuten Rückblicken erfährt, wie Irma erstmals von Carpe Diem gehört und sich schließlich beworben hat.

Sam hingegen ist ein Rätsel. Er will unbedingt zur letzten Insel, die Irma nur für einen Mythos hält. Unbeholfen ist er unterwegs, weiß über die Welt fast nichts. Trotzdem zieht dieses ungleiche Duo weiter. Die Geschichte hat einen bruchstückhaften Charakter, setzt einzelne Szenen aneinander mit rauen Übergängen. Es kommt zu Begegnungen mit Menschen, die Irma einst Briefe schrieben. Während Irma in einer Blase gelebt hat, hat das Leben bei ihnen Spuren hinterlassen. Sie haben Wege gefunden, um mit ihrem Verlust klarzukommen, denn Irma lebt schon seit ihrer Abreise in die Arena gefühlt in einer anderen Welt. Auch über Sams Vergangenheit erfährt man schließlich ein wenig mehr und erfährt Dinge, die das Geschehen in neuem Licht erscheinen lassen.

In der Geschichte schwingt viel Gesellschaftskritik mit – an Reality-Shows und deren überspitzter Inszenierung, der Sensationslust der gaffenden Menge und dem Streben nach mehr, egal, was es kostet. Gleichzeitig wirft das Geschehen immer wieder neue Fragen auf und überlässt vieles der eigenen Interpretation, explizite Botschaften sucht man vergeblich. Ein Buch zwischen Verzweiflung und Hoffnung, Pioniergeist und Größenwahn, Loslassen und Festhalten.




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Hier ist es schön
Autorin: Annika Scheffel
Hardcover: 389 Seiten
Erschienen am 7. Mai 2018
Verlag: Suhrkamp


[Rezension Ingrid] Dünkelgrün fast schwarz von Mareike Fallwickl


Die Österreicherin Mareike Fallwickl beschreibt in ihrem Debütroman „Dunkelgrün fast schwarz“ die Geschichte einer Freundschaft. Raffael und Moritz sind sich im Beisein ihrer Mütter und Geschwister im Alter von vier Jahren auf dem Spielplatz des kleinen Ortes Hallein in der Nähe von Salzburg zum ersten Mal begegnet. Seit diesem Tag sind die beiden Jungen befreundet, gehen zusammen in den gleichen Kindergarten und die Schule. Als sie siebzehn Jahre alt sind bekommen sie eine neue Mitschülerin, Johanna, die fortan die dritte in ihrem Bunde sein wird. Ein Jahr später geschieht etwas Unerwartetes nachdem die Freunde ihre eigenen Wege gehen. Erst 16 Jahre später begegnen sie sich wieder. 

Dunkelgrün fast schwarz ist die Farbwahrnehmung die Moritz mit Raffael verbindet als dieser ihn nach all den Jahren in Hallein unangekündigt besucht. Moritz ist Synästhetiker und nur sein bester Freund weiß darüber Bescheid. Kleine Geheimnisse wie diese verbinden Moritz und Raffael und stärken ihr Vertrauen zueinander. Raffaels Aura war für ihn immer grün, das er aber inzwischen dunkler wahrnimmt. Für mich als Leser ging diese Änderung in der Wahrnehmung von Moritz einher mit der Vorstellung, dass die Gesinnung von Raffael noch beängstigender geworden ist. Raffael ist die treibende Kraft in der Freundschaft, der sich Aktivitäten ausdenkt und auch zu Schabernack aufruft. Moritz dagegen ist ein guter Beobachter und besonnener, lässt sich aber gerne zu Spaß und Unsinn verführen. Einige werden sich in der Konstellation dieser Freundschaft sicher wiedererkennen. Als Johanna die beiden Jugendlichen kennenlernt ist altersmäßig weit mehr im Spiel als nur Freundschaft. Die Gefühle sind nun tiefer und eindringlicher, sie können heilsam sein und glücklich stimmen, aber auch verletzen.

Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht der drei Freunde erzählt, aber auch von Moritz‘ Mutter als Ich-Erzählerin. Auf diese Weise erreicht die Autorin, dass bestimmte Ereignisse aus unterschiedlichen Winkeln erzählt werden können, aber keine wichtigen Details verloren gehen. Bereits von Anfang an wusste ich als Leserin, dass es einen tiefen Schnitt in der Vergangenheit der Freundschaft gegeben hatte und wollte natürlich unbedingt erfahren, was damals geschehen ist. Mareike Fallwickl versorgt den Leser nach und nach in wohldosiertem Maß mit Wissen, um dieses große Geheimnis zu entschlüsseln.

Die Autorin kratzt an der Oberfläche der Fassade ihrer Figuren und lässt uns unter den Anschein von Freundschaft und Integrität schauen. Sie zeigt auf vielfache Weise, wie unsere Gefühle uns beherrschen und wie stark unser Sehnen nach Gesellschaft ist. Mit glasklarer Sprache hat Mareike Fallwickl ein begeisterndes Romandebüt geschrieben, das ich jedem gerne empfehlen möchte. 

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Titel: Dunkelgrün fast schwarz
Autorin: Mareike Fallwickl
Erscheinungsdatum: 05.03.2018
Verlag: Frankfurter Verlagssanstalt (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag

Mittwoch, 13. Juni 2018

[Rezension Ingrid] Zeiten des Aufbruchs von Carmen Korn



„Zeiten des Aufbruchs“ ist der zweite Teil einer Trilogie von Carmen Korn über vier in Hamburg lebenden Frauen, die deren Leben über einen Zeitraum von mehr als achtzig Jahren hinweg erzählt. Diesmal umfasst die Geschichte die Zeit von März 1949 bis November 1969 und schließt damit unmittelbar an das Ende des ersten Bands an. Die Mode der jungen Frauen auf dem Cover des Buchumschlags nahm mich bereits vor dem Lesen in die beschriebene Zeit mit. Bevor die Romanhandlung weitergeführt wird, konnte ich anhand eines vorgeschalteten Personenverzeichnisses mit den Hauptfiguren nochmals in kürzester Form das Geschehen des ersten Bands Revue passieren lassen.

Im Frühjahr 1949 ist Henny, inzwischen 48 Jahre alt, noch immer mit dem Arzt Theo Unger liiert. Schmerzlich vermisst Henny ihre Freundin Käthe, von der sie glaubt, dass sie sie vor einiger Zeit in der Straßenbahn gesehen hat. Derweil hält Käthe sich von ihrer früheren Umgebung fern, weil sie die aktuellen Verhältnisse dort nicht kennt und glaubt, dass Henny darüber Bescheid weiß, wer sie und ihre Mutter in Kriegstagen denunziert hat. Hennys Schwägerin Lina lebt glücklich mit ihrer Partnerin Louise zusammen. Die beiden betreiben eine Buchhandlung. Auch die vierte im Bunde der Freundinnen, Ida, hat ihr Glück gefunden. Sie ist mit Tian Yan, einem Chinesen, der in Hamburg ein Kaffeekontor leitet, verheiratet und hat mit ihm eine gemeinsame Tochter.

Der Wiedereinstieg in die kontinuierlich fortschreitende Geschichte gelingt leicht.  Immer wieder lässt Carmen Korn ihre Figuren nochmal auf vergangene Ereignisse zurückblicken, so dass auch Leser, die den ersten Teil der Trilogie nicht kennen, der Handlung folgen können. Jedes Kapitel ist mit der Zeit überschrieben, in der es spielt. Das Geschehen springt auch diesmal wieder nach kurz beschriebenen Erlebnissen von einer Freundin zur Nächsten oder zu einem ihrer Angehörigen. Der Nachwuchs der Freundinnen rückt zunehmend in den Fokus. Neben dem sehr gut recherchierten geschichtlichen Hintergrund baut die Autorin viel Musik, Kunst, Film und Literatur in ihre Erzählung ein. Es wird geheiratet, geboren und gestorben als Abbild des normalen Lebens vieler Hamburger. Wie bei einem Kaleidoskop unter ständigem Drehen laufen die Szenen der Jahre vorbei, unaufhaltsam vergeht die Zeit und lässt die Freundinnen, die alle ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben, zunehmend älter werden.

Es ist bewegend zu verfolgen, wie Hamburg aus den Trümmern neu entsteht. Daneben bekommt der Rundfunk durch neue Musikstile mehr Abwechslung und der Fernseher hält Einzug in die deutschen Haushalte. Carmen Korn thematisiert in diesem Buch auch, welche Probleme sich dadurch ergeben in der Öffentlichkeit zu stehen, bedingt durch das neue Medium.

Wer „Töchter der Zeit“ und den damit verbundenen ganz besonderen Schreibstil der Autorin gemocht hat, der wird auch „Zeiten des Aufbruchs“ gerne lesen. Ich war neugierig darauf, wie sich die Lebenswege der Freundinnen weiter gestalten und freue mich jetzt auf den abschließenden dritten Band.

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Titel: Zeiten des Aufbruchs (Band 1 von 3)
Rezension zum 1. Band Töchter einer neuen Zeit ->KLICK!
Autorin: Carmen Korn
Erscheinungsdatum: 23.06.2017
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband

Sonntag, 10. Juni 2018

[Kurzrezensionen Hanna] Drei Sommerbücher für die Hängematte

Liebe Leser,

heute möchte ich Euch drei Bücher vorstellen, die sich wunderbar für den anstehenden Sommerurlaub oder gemütliche Lesestunden im heimischen Garten eignen. Alle drei Bücher sind (inzwischen) als Taschenbuch verfügbar. Die Buchfotos sind allesamt in meinem Urlaub auf Kreta im Mai entstanden - vielleicht weckt das bei Euch ebenfalls die Reiselust? Los geht's:


** Mein Name steckt im Titel! Und letztes Jahr war ich sogar selbst in Kuba unterwegs. Klar, dass ich das im Urlaub als erstes lesen musste! ;-) **

In „Mit Hanna nach Havanna“ wird Katrin ihre bisherige Sendung bei Hello-TV weggenommen. Stattdessen soll sie nun die Seniorensendung moderieren! Wie soll sie so den „Goldenen Griffel“ gewinnen, den renommierten Journalistenpreis, nach dem sie sich sehnt? Als eine alte Dame sie bittet, mit ihr nach Kuba zu reisen, um dort nach ihrer Jugendliebe zu suchen, wittert sie ihre Chance. Das Buch erzählt gelungen einen witzig-chaotischen Roadtrip mit einem ungleichen Duo. Die steife Katrin und die lebenslustige Hanna erleben bei ihrer Suche in Kuba so manches Abenteuer. Dabei sind viele Erfahrungen eingeflossen, die die Autorin selbst gemacht hat, und die auch so manche Erinnerungen an meine eigene Kubareise im letzten Jahr wachgerufen haben. Genau der richtige Roman also, wenn ihr gerade Fernweh habt! 

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Mit Hanna nach Havanna
Autorin: Theresia Graw
Taschenbuch: 384 Seiten
Erschienen am 19. Februar 2018
Verlag: Blanvalet 

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In „Der gestohlene Sommer“ erbt Julia das Haus ihrer Großtante in der Nähe von London. Als kleines Kind ist sie nach dem tragischen Tod ihrer Mutter mit ihrem Vater von England nach New York gezogen. Jetzt kehrt sie in ihre Heimat zurück, um Herne Hille für einen Verkauf vorzubereiten. Dabei stößt sie auf ein Geheimnis. Parallel dazu wird die Geschichte von Imogen erzählt, die 1839 als Sechzehnjährige den deutlich älteren Arthur heiratet und zu ihm nach Herne Hill zieht. Doch das Eheleben verläuft anders als erhofft. Die Geschichte springt regelmäßig zwischen den beiden Zeitebenen hin und her, allerdings hätte ich mir mehr Tempo und Überraschungen gewünscht. Was Julia erlebt ist ziemlich vorhersehbar, und auch Imogens tragische Geschichte lässt sich schnell erahnen. Interessant fand ich den Einblick in das Leben als Künstler in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Buch rund um Geheimnisse und die große Liebe, das von mehr Wendungen im Handlungsverlauf profitiert hätte.

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Der gestohlene Sommer
Autorin: Lauren Willig
Übersetzerin: Mechtild Sandberg-Ciletti
Taschenbuch: 448 Seiten
Erschienen am 22. Juli 2016
Verlag: rororo

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 ** Das ist der dritte Band der Reihe - die Bücher sind aber in sich abgeschlossen und auch separat lesbar! ***

In „Die Schattenschwester“ lernt der Leser endlich Star besser kennen und verstehen. Was steckt hinter ihrer merkwürdigen Beziehung zu ihrer Schwester CeCe? Ich fand es gut, dass es zu Beginn nicht so viele redundante Szenen gab wie in Band Zwei. Überhaupt hat mir die Lesepause von zweieinhalb Jahren für die Reihe gut getan. Ich war absolut neugierig, mehr über Star und ihre Herkunft zu erfahren. Dabei lernt man mit den Brüdern Orlando und Maus zwei Charaktere mit so einigen Macken kennen, die man trotzdem bald ins Herz schließen muss. Auch die Ausflüge in die Vergangenheit haben mir Spaß gemacht. Diesmal ist der Schauplatz weniger exotisch – es geht ins England zu Beginn des 20. Jahrhunderts – dafür aber nicht weniger interessant und voller Geheimnisse. Nach einem durchwachsenen zweiten Band konnte mich dieser dritte Teil wieder sehr begeistern!

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Die Schattenschwester
Autorin: Lucinda Riley
Übersetzerin: Sonja Hauser
Taschenbuch: 736 Seiten
Erschienen am 19. März 2018
Verlag: Goldmann

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