Freitag, 3. Oktober 2025

Rezension: Bretonische Versuchungen - Kommissar Dupins vierzehnter Fall von Jean-Luc Bannalec

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Bretonische Versuchungen
Kommissar Dupins vierzehnter Fall 
Autor: Jean-Luc Bannalec (Pseudonym von Jörg Bong)
Erscheinungsdatum: 25.06.2025
Verlag: Kiepenheuer & Witsch (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Broschur mit gestalteten Klappen
ISBN: 9783462002508

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Für Kommissar George Dupin scheint der 14. Fall der Reihe von Jean-Luc Bannalec zunächst ein Heimspiel zu werden. Der Mord, den er aufzuklären hat, ist ebenso spektakulär wie verstörend: In einer Confiserie in der Ville Close von Concarneau wird eine Frau kopfüber in einem Bottich mit flüssiger Schokolade aufgefunden. Sie ist eines der drei Geschwister, die das traditionsreiche Familienunternehmen führen.

Als Dupin die Nachricht erreicht, dass es einen Mord gibt, nimmt er gerade an einer Therapie zur Überwindung seiner Thalassophobie teil. Er bricht diese sofort ab, um sich den Ermittlungen zu widmen. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er nicht, dass er und seine Kollegin Nolwenn bis zur völligen Erschöpfung viele Stunden ununterbrochen mit dem Fall beschäftigt seine werden. Eine erster Verdacht führt die beiden bald nach Bayonne im Süden Frankreichs, wo sich der Stammsitz der Confiserie befindet. Die Suche nach einem Motiv gestaltet sich schwierig, wodurch sich kaum einschätzen lässt, ob weitere Personen in Gefahr sind.

Als ein weiterer Mord geschieht, läuft dem Kommissar die Zeit davon. Ohne Schlaf, nur mit Kaffee und Schokolade als Wachmacher setzt er seine Recherchen fort. Anders als sonst, bleibt Nolwenn auf eigenen Wunsch stets an seiner Seite. Unzweifelhaft steigert es die Spannung, wenn Dupin ohne Unterbrechung ermittelt, wirkte auf mich jedoch stellenweise eher unrealistisch.

Auch diesmal nimmt der Autor die Lesenden mit an verwunschen schöne Orte, diesmal vor allem in der Umgebung von Concarneau. Das Thema „Schokolade“ hat mich besonders angesprochen. Im Krimi erfuhr ich eine Menge über die Ingredienzien und den Herstellungsprozess. Während der sozusagen atemlosen Ermittlungstätigkeit bleibt das Privatleben des Kommissars und seines Teams nahezu ausgeblendet. Aber ein Hinweis zum Schluss lässt erfreuliche Aussichten ahnen. „Bretonische Versuchungen“ ist definitiv ein Must Read für alle Dupin-Fans und ein aufregender Lesegenuss für die Leserschaft von Kriminalromanen. Inzwischen wurde der Band verfilmt und ich freue mich schon auf die Ausstrahlung.

Rezension: Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab? ...wenn die Schneeflocken fallen von Sam McBratney und Anita Jeram


Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab? ...wenn die Schneeflocken fallen
Autor: Sam McBratney
Illustratorin: Anita Jeram
Übersetzer: Rolf Inhauser
Pappbilderbuch: 24 Seiten
Erschienen am 24. September 2025
Verlag: FISCHER Sauerländer
Link zur Buchseite des Verlags

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Es hat geschneit! Der kleine und der große Hase sind in der weißen Schneelandschaft unterwegs und spielen „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Denn auch im Winter gibt es draußen einiges zu entdecken. Der kleine Hase macht es schließlich ganz schön knifflig. Das bringt auch den große Hasen auf eine tolle Idee.

Mein Sohn lässt sich die Geschichten vom kleinen und großen Hasen immer wieder gerne vorlesen. Die Neuauflage dieser winterlichen Geschichte kommt in einem stabilen und handlichen Format für kleine Kinderhände daher und durfte in unserer Sammlung nicht fehlen. Die vertrauten Motive sind hier von einer Schneeschicht bedeckt, die Lust auf die ersten Schneeflocken macht. 

Auf jeder Seite stellen der kleine und der große Hase sich abwechselnd Aufgaben, die erfolgreich gelöst werden. Aber es wird immer schwieriger! Die letzte Aufgabe vermittelt eine wunderschöne Botschaft – gesucht wird das Liebste, was der große Hase hat – und macht Lust darauf, das Buch gleich wieder von vorn zu lesen. Eine wunderschöne, winterliche Geschichte, die sich auch perfekt als Geschenk für Nikolaus oder Weihnachten eignet.


Mittwoch, 24. September 2025

Rezension: Komm und such mich! sagt der kleine Dachs von Constanze von Kitzing


Komm und such mich! sagt der kleine Dachs
Illustratorin: Constanze von Kitzing
Pappbilderbuch: 10 Seiten
Erschienen am 24. September 2025
Verlag: FISCHER Sauerländer
Link zur Buchseite des Verlags

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Der kleine Dachs sucht seine Freunde, um mit ihnen etwas zu spielen. Hinter einem Blätterhaufen raschelt es und im Gebüsch hört er ein Pupsen. Wer war das denn? Das Suchspiel ist bereits in vollem Gange – und am Ende darf sich auch der Dachs selbst verstecken.

Mein Sohn liebt es aktuell sehr, Guckguck zu spielen, daher sind auch Versteckbücher gerade bei ihm ganz hoch im Kurs. Der Dachs und seine Freunde sind in weichen Farben gezeichnet und ihre freundlichen, neugierigen Gesichtsausdrücke machen Lust auf das gemeinsame Suchen. Es gibt fünf Doppelseiten, auf denen jeweils ein Tier gefunden werden muss. Dabei wird das Kind immer direkt angesprochen und gefragt, was sich seiner Meinung nach hinter der Klappe verbirgt.

Die Klappen lassen sich mal zur Seite und mal nach unten öffnen. Mein Sohn hatte den Dreh schnell raus. Sie haben ein gutes Format für kleine Kinderhände, könnten aber noch etwas stabiler sein. Das Buch ist bereits das siebte aus der Reihe rund um den kleinen Dachs, für mich aber das Erste. Hier kam es sehr gut an, weshalb ich es gerne weiterempfehle.


Sonntag, 21. September 2025

Rezension: Der Kreuzweg der Raben von Andrzej Sapkowski


Der Kreuzweg der Raben
Autor: Andrzej Sapkowski
Übersetzer: Erik Simon
Hardcover: 352 Seiten
Erschienen am 2. September 2025
Verlag: dtv
Link zur Buchseite des Verlags

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Geralt von Riva hat erst kürzlich seine Ausbildung zum Hexer in der Festung Kaer Morhen abgeschlossen und ist ins Land Kaedwen gereist, um dort nach Arbeit zu suchen. Schon bald endet er beinahe am Strick, nachdem er einen Räuber getötet hat, der ein Bauernmädchen schänden wollte. Doch er erhält unverhofft Hilfe und lernt so seinen neuen Mentor kennen, den Hexer Preston Holt, von dem er erstaunlicherweise nie zuvor gehört hat. Von ihm lernt er eine neue Art zu kämpfen und erfährt von Vorfällen aus der Vergangenheit der Hexer, die ihm bislang verschwiegen wurden. Er kommt nicht nur Monstern auf die Spur, sondern auch Menschen, die schon lange nichts Gutes mehr im Sinn haben.

Mit „Der Kreuzweg der Raben“ kehrt Andrzej Sapkowski noch einmal ins Witcher-Universum zurück und präsentiert seinen Leser:innen einen jungen, unerfahrenen Geralt von Riva. Er steckt voller Tatendrang, ist aber noch sehr impulsiv und wenig kampferfahren. Damit bringt er sich in Schwierigkeiten, doch zum Glück gibt es auch ihm wohlgesonnene Charaktere, die ihm helfen und von denen er lernen kann. 

Eine Weile wirkt das Buch wie eine lose Aneinanderreihung von Aufträgen und die Kapitel lesen sich wie Kurzgeschichten. Erst mit der Zeit kristallisiert sich ein übergreifender Handlungsbogen heraus, in dem Intrigen, Machtspiele und moralische Entscheidungen im Vordergrund stehen. Wer die Reihe rund um den Witcher bereits kennt, der freut sich über neue Informationen zu den Ursprüngen der Hexer und eine Begegnung mit Nenneke. Aber auch ohne Vorkenntnisse findet man hier ein lesenswertes Abenteuer vor. „Der Kreuzweg der Raben“ ist spannend, intensiv und fesselnd erzählt. Ein Muss für Witcher-Fans und ein idealer Einstieg für alle, die Geralt noch nicht kennen und ganz von vorn beginnen möchten.


Rezension: Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei von Lee Onhwa

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
Autorin: Lee Onhwa
Übersetzerin aus dem Koreanischen: Alexandra Dickmann
Erscheinungsdatum: 27.08.2025
rezensierte Buchausgabe: Hardcover
ISBN: 9783651025226

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Die siebenundzwanzigjährige Yeonhwa erbt in Lee Onhwas Roman „Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei“ die Konditorei ihrer Großmutter. Obwohl sie selbst eine talentierte Bäckerin ist, möchte sie das Geschäft zunächst nicht übernehmen. Doch der Anwalt macht ihr aufgrund der Lage wenig Hoffnung auf einen lukrativen Verkauf. Er konfrontiert sie außerdem mit den ungewöhnlichen Bedingungen, die an das Erbe geknüpft sind: Yeonhwa muss die Konditorei mindestens einen Monat lang führen, darf sie nur von 22 Uhr bis Mitternacht öffnen und soll sich auf all das freuen, was in dieser Zeit geschieht.

Bereits an ihrem ersten Abend begegnet sie dem Großhändler Sawol, der sämtliche Zutaten für den Laden besorgt, aber gleichzeitig auch als Schamane tätig ist. Kurz darauf erscheint eine erste Kundin, die ein Geist ist, wie sich schnell herausstellt. Von nun an taucht jede Nacht ein anderer verstorbener Gast auf, der ihr in der Ich-Perspektive von seinem Leben und seinem Tod erzählt. Nach den Rezepten der Großmutter bereitet Yeonhwa jedem von ihnen ein besonderes Gebäck zu, das für die Besuchenden eine magische Wirkung entfaltet. Auf einer dem Buch beigelegten Karte findet sich eines der Rezepte, weitere sind über den aufgedruckten QR-Code im Internet aufrufbar.

Die tragischen und berührenden Geschichten der Toten nehmen einen breiten Raum ein. Lee Onhwa ist eine südkoreanische Autorin, die einiges von der Lebenswelt ihres Landes in den Roman einfließen lässt. Yeonhwa, die im Haus ihrer Großmutter aufgewachsen ist, hat sich mit der Zeit von ihr entfremdet und für sich einen Weg gefunden, in der die Konditorei keine Rolle mehr spielte. Sie wirkt manchmal ein wenig naiv, zeigt jedoch große Empathie und setzt alles daran, den Geistern Trost zu spenden. Gleichzeitig verarbeitet sie dabei ihre eigene Trauer.

„Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei“ von Lee Onhwa ist ein feinfühlig erzählter Roman mit einer Spur von magischem Realismus, der bewegt und nachklingt. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

Mittwoch, 17. September 2025

Rezension: Goldstrand von Katerina Poladjan

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Goldstrand
Autorin: Katerina Poladjan
Erscheinungsdatum: 27.08.2025
Verlag: S. Fischer (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783103971767
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Im Roman „Goldstrand“ von Katerina Poladjan liegt der etwa sechzig Jahre alte Filmregisseur Edi in Rom auf der Couch seiner „Dottoressa“ genannten Psychotherapeutin. Die beiden haben bereits zahlreiche Sitzungen hinter sich. Die Inhalte der mehr als dreißig bereits abgehaltenen Stunden bleiben im Dunkeln. Nun erinnert Edi sich daran, wie seine Eltern sich kennengelernt haben.

Er erzählt, wie sein Großvater zu Beginn der 1920er-Jahre mit seiner Tochter Vera und seinem Sohn Felix wegen der Hungersnot in der Ukraine aus Odessa nach Konstantinopel flieht. Auf der Überfahrt verschwindet Vera spurlos. Niemand hat gesehen, ob sie über Bord ging. Es beginnt eine jahrelange, von Hoffnung und Verzweiflung geprägte Suche nach ihr.

Später erinnert Eli daran, wie seine italienische Mutter im bulgarischen Warna den Architekten Felix kennenlernt und dieser sein Vater wurde. Mit dieser Begegnung ist der Bau des ersten Hotels am sogenannten Goldstrand verbunden, der später ein internationaler Ferienort werden sollte. Hier bestehen keine politisch bedingten Einschränkungen für einen Besuch. Das Trauma von Veras Verschwindens prägt die Familie bis in die Gegenwart. Eli benennt nicht nur seine Tochter nach ihr, sondern widmet der Geschichte seiner Vorfahren auch Filme.

Nach und nach wird deutlich, dass Eli ein unzuverlässiger Erzähler ist, was auch die Dottoressa bemerkt. Er lässt Erinnerungen, Fantasien und Zukunftsvorstellungen ineinanderfließen, sodass der Lesende unsicher wird, was tatsächlich geschehen ist.

Eli erscheint zunächst als ein familienverbundener Mensch, doch seine gescheiterte Ehe, sein distanziertes Verhältnis zur Tochter und ein erschreckender Gedanke, den er etwa in der Mitte des Romans hat, zeichnen ein komplexeres Bild. Im weiteren Verlauf bleiben die Therapiegespräche nicht mehr im vertrauten Dialog, wodurch Edi die Aufmerksamkeit der Dottoressa zu entgleiten droht.

Das Ende der Geschichte bringt eine überraschende Wendung. Obwohl die Handlung stark auf die Figuren fokussiert ist, treten auch die gesellschaftlichen Umbrüche an den Handlungsorten deutlich hervor. Die Fabulierkunst des Filmregisseurs ist stellenweise amüsant, auch wenn einige Geschehnisse tragisch sind.

„Goldstrand“ von Katerina Poladjan ist ein Roman zwischen Realität und Imagination des Protagonisten. Er ringt mit einem generationenübergreifenden Trauma und sucht auf der Couch seiner Therapeutin nach einer Möglichkeit, es zu verarbeiten. Mit seiner Fantasie kann er sich eigene Wirklichkeiten erschaffen. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für diese erfinderische Erzählung.

Sonntag, 14. September 2025

Rezension: Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten von Anna Maschik

 


Rezension von Ingrid Eßer


Titel: Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
Autorin: Anna Maschik
Erscheinungsdatum: 10.09.2025
Verlag: Luchterhand (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783630878140

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In ihrem Roman ‚Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten‘ zeichnet Anna Maschik das vielschichtige Porträt einer Familie über mehrere Generationen. Die Erzählung entfaltet sich Schicht um Schicht, wie die Zitrone, die auf dem Cover abgebildet ist. Sie beginnt vor mehr als hundert Jahren mit der dreizehnjährigen Bäuerin Henrike, die nach dem frühen Tod der Mutter den Haushalt für ihren Vater und ihre Brüder führt. Sie leben in einem Dorf im Norden Deutschlands. Um den Hunger der Familie zu stillen, schlachtet sie unerlaubterweise ein Schaf, was anders als bei anderen Arten lautlos vonstatten. Mit dieser Handlung beginnt das Buch und gibt ihm den Titel.

Henrikes Urenkelin Alma tritt als Erzählerin der Geschichte auf. Sie fügt die überlieferten Episoden, die nicht immer chronologisch angeordnet sind, mosaikartig zusammen. Anna Maschik gestaltet ihren Roman abwechslungsreich: Sie verwendet zahlreiche Stilmittel wie beispielsweise Metaphern, Repetitionen und Personifikationen. Durch eingestreuten Realismus erscheinen einige Begebenheiten unrealistisch, aber Alma erzählt so, wie sie es gehört hat. Die Lesenden sind gefordert, das Geschehen nach ihren eigenen Vorstellungen zu deuten. Der lange Schlaf einer Figur lässt auf ihre Bedeutungslosigkeit in dieser Zeit schließen, das Verblassen der Farben wird zum Symbol für ein anhaltendes Gefühl von Trauer. Politische Veränderungen haben spürbare Auswirkungen auf das tägliche Leben der Familien.

Die unbenannten Kapitel sind kurz und bestehen mehrfach nur aus einer Auflistung, mit denen Alma sich Übersichten zu bestimmten Themen schafft und dabei Gegensätze verdeutlicht. Die Sätze sind auf das Wichtigste beschränkt, doch trotz der dadurch entstehenden Lücken erhält man einen guten Einblick in das entbehrungsreiche bäuerliche Leben. Nach der Heirat von Almas Großmutter mit dem Sohn eines Möbelhändlers sind die nun veränderten alltäglichen Herausforderungen ebenso nachvollziehbar geschildert. Über die Generationen hinweg bringt die Autorin zum Ausdruck, dass die Mütter und die Väter sich darüber uneins sind, ob ein weiblicher oder ein männlicher Nachwuchs es leichter im Leben haben wird. Die Frauen haben den Wunsch, ihre Erziehung anders zu gestalten als die eigene Mutter, doch Anna Maschik zeigt, dass sich dennoch gewisse Muster ungewollt ständig wiederholen. Die Ablösung von der vorherigen Generation erweist sich selbst bei räumlicher Distanz als schwierig.

Anna Maschiks Roman „Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten“ ist eine kunstvoll geschichtete Erzählung, die über Jahrzehnte auf das Gefüge einer Familie blickt. Die Belastungen des Alltags, die Freuden und Sorgen, die Liebe und das Leid der Figuren werden spürbar, lassen aber Platz zur eigenen Interpretation. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für dieses eindrucksvolle Buch.

Freitag, 12. September 2025

Rezension: Lieselotte, wer versteckt sich hier? von Alexander Steffensmeier


Lieselotte, wer versteckt sich hier?
Autor: Alexander Steffensmeier
Pappbilderbuch: 10 Seiten
Erschienen am 27. August 2025
Verlag: FISCHER Sauerländer
Link zur Buchseite des Verlags

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Lieselotte spielt mit ihren Freunden auf dem Bauernhof verstecken. Der Hund, die Ziege, die Hühner und Schweine und das Pony haben sich versteckt. Ist das hinter dem Holzstapel ein Ringelschwanz oder nur das Ende des Gartenschlauchs? Und was ist hinter der Wäscheleine versteckt, wo Lieselotte doch schon alle Tiere gefunden hat?

„Lieselotte, wer versteckt sich hier?“ ist mein erstes Buch aus der bereits viele Bände umfassenden Reihe rund um die Kuh Lieselotte. Das besondere an diesem fünf Doppelseiten umfassenden Pappbilderbuch sind die großen Klappen, die zum Beispiel einen Traktor oder eine alte Badewanne zeigen und hinter denen sich die Tiere versteckt haben.

Mein Sohn findet es spannend, die Tiere auftauchen und wieder verschwinden zu sehen. Er hatte mit seinen 8 Monaten den Dreh schnell raus und klappt gerne immer wieder auf und zu. Die Klappen müssen dabei einiges aushalten, ich hätte sie mir noch etwas stabiler gewünscht. Insgesamt ein wirklich schönes, liebevoll illustriertes Pappbilderbuch, das zum Entdecken einlädt.


Dienstag, 9. September 2025

Rezension: Die Verlorene von Miriam Georg

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Die Verlorene
Autorin: Miriam Georg
Erscheinungsdatum: 27.08.2025
Verlag: Fischer (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783758500309
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In ihrem Roman „Die Verlorene“ schreibt Miriam Georg zum ersten Mal auf zwei Handlungsebenen, von denen eine in der Gegenwart verortet ist. In ihr stürzt die inzwischen dreiundneunzigjährige Änne Frankfurter Wohnung in Frankfurt von einem Hocker und fällt ins Koma, aus dem sie nicht mehr aufwacht.

Das Verhältnis zu ihrer fünfundsiebzigjährigen Tochter Ellen ist seit jeher belastet. Mit ihr floh sie einst in den Nachkriegstagen aus Schlesien in den Westen. Ihren Vater hat Ellen nie kennengelernt. Ihre Tochter Laura, 37 Jahre alt, stammt aus einer kurzen Ehe. Weder mit Ellen noch mit Laura hat Änne je über ihre Eltern und Geschwister gesprochen. Nach Schlesien ist sie nie zurückgekehrt. Als sie nun bewusstlos im Krankenhaus liegt, bleiben viele Fragen offen, die Tochter und Enkelin ihr gerne gestellt hätten. Beide sind verwundert, als die behandelnde Ärztin ihnen eröffnet, dass Änne nie an Epilepsie gelitten habe, wie sie immer glaubten.

Vor allem Laura wird sich der Brüche in der Familiengeschichte bewusst. Beim Aufräumen in der Wohnung ihrer Großmutter entdeckt sie ein Foto, auf dem zwei junge Frauen mit einem Kleinkind abgebildet sind. Wer darauf abgebildet ist, will sie unbedingt herausfinden und macht sich daher auf den Weg nach Polen, um nach Spuren ihrer Herkunft zu suchen.

Zu Beginn fokussiert die Geschichte noch auf der Gegenwart, doch mit Lauras Nachforschungen nehmen die Kapitel, die in den 1940er Jahren spielen, zunehmend breiteren Raum ein. Ännes Vater führt einen Gutshof. Sie wächst mit einer Schwester und zwei Brüdern auf. Der Zweite Weltkrieg verändert das Leben der Familie grundlegend. Die Söhne werden zum Kriegsdienst eingezogen und dem Hof FremdarbeiterInnen zugewiesen. Als Änne erkrankt, versuchen ihre Eltern dies zu verbergen, denn für eine Krankheit ohne Aussicht auf Heilung gibt es im Dritten Reich keine guten Lösungen.

Als Lesende folgt man Lauras Spurensuche und nähert sich Stück für Stück der jungen Änne. Sie wächst in einer sie beschützenden Familie auf, die zunehmend unter politischen Repressionen leidet. Auf der Suche nach dem Vater von Ellen und dem Grund für Ännes Flucht in den Westen entfaltet sich eine Geschichte mit einigen unerwarteter Wendungen, die für einen regelrechten Lesesog entwickeln. Miriam Georg gelingt es mit Feingefühl die Beweggründe ihrer Figuren für ihr Handeln offenzulegen. Deutlich wird dabei auch, welchen Einschränkungen Frauen in den 1940er Jahren ausgesetzt waren, wenn sie selbstbestimmt leben wollten.

Gute Recherche und eine Verbindung zur eigenen Familiengeschichte der Autorin verleihen dem Roman „Die Verlorene“ von Miriam Georg Authentizität und Nähe zu realen Ereignissen. Familiengeheimnisse sorgen für eine unterschwellige Spannung. Lebendige Figuren, eine wunderschöne Kulisse in Schlesien und starke Gefühle machen die Lektüre eindringlich und hallen nach. Sehr gerne vergebe ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung für das Buch.

Montag, 8. September 2025

Rezension: Welcome Home von Arno Strobel

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Welcome Home - Du liebst dein neues Zuhause.
 Hier biest du sicher. Oder?
Autor: Arno Strobel
Erscheinungsdatum: 27.08.2025
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur mit
 lentikulärem Cover in der ersten Auflage
ISBN. 9783596711512
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Marco und Ines Winkler, beide etwa Mitte Dreißig, sind stolze Besitzer ihres ersten Eigenheims. Aus dem Norden Deutschlands sind sie mit ihrer vierjährigen Tochter Emilia in die neue Wohnsiedlung „Auf Mons“ in den Süden gezogen. Neue Arbeitsstellen haben sie ebenfalls bereits gefunden. Arno Strobel spielt in seinem Thriller „Welcome Home“ nicht nur mit den Nerven diesen Paares, sondern auch mit denen seiner Leserschaft. Denn zu Recht trägt das Werk den Untertitel „Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?“ In der Erstauflage ist das Buch mit einem lentikulärem Wechsel-Motiv ausgestattet, das beim Kippen ein blutiges Messer auf der Fußmatte enthüllt. Ob es sich dabei vielleicht um die Tatwaffe handeln könnte?

Arno Strobel greift erneut ein Thema auf, dass viele Lesende nachvollziehen können: den Wunsch nach den eigenen vier Wänden. Marco und Ines sind mit der Verwirklichung ihres Traums nicht allein. Bei ihrem Einzug ist bereits etwa die Hälfte der dreißig Häuser der Siedlung bewohnt, sodass zahlreiche Nachbarn in die Handlung eingebunden sind. Um die Übersicht zu erleichtern, findet sich auf dem vorderen Vorsatz eine übersichtliche Skizze.

Es ist kalt im November. Auf einer Runde durch das Viertel, ist nur hier und da ein Licht zu sehen, was der Erzählung eine düstere Stimmung verleiht. Nur kurze Zeit nachdem Ines und Marco ihr Haus bezogen haben geschieht nebenan ein Mord. Ines könnte die Täterin oder den Tätern sogar vom Fenster aus gesehen haben. Schon zuvor hatten sie und ihr Mann in merkwürdige Vorkommnisse im Haus bemerkt. Außerdem kursiert das Gerücht, in der Siedlung gingen Geister um. Das Gefühl der Sicherheit schwindet und an seine Stelle tritt eine wachsende Unruhe, ob der Täter erneut zuschlagen wird und ob sie selbst in Gefahr sind.

Bis etwa zur Mitte der Geschichte steigt die Spannungskurve beständig an. Mehrere Figuren geraten in den Fokus, die sich durch markantes Verhalten oder denkwürdige Aussagen verdächtig machen. Dann stagnieren jedoch die Ermittlungen und damit zunächst auch die Spannung. Gezielt weckt der Autor dann zunehmendes Misstrauen zwischen den Bewohnern, bis man nicht mehr weiß, wem man überhaupt noch trauen kann.

Die kurzen Kapiteln werden unregelmäßig von kursiv gesetzten Einschüben unterbrochen, wie üblich in den Thrillern von Arno Strobel. Diesmal erhält man dadurch einen Einblick in die Tragödie einer unbekannten Person, aber später kann man auf diese Weise das Leid eines Opfers nachempfinden. Gegen Ende steigt die Spannungskurve nochmals an und offenbart den bis dahin gut verborgenen Mörder. Sein schnell abgehandeltes Motiv konnte mich jedoch nicht vollständig überzeugen.

Rätselhafte Figuren, eine seltene Erkrankung und das beunruhigende Eindringen in Häuser bilden die Zutaten für den Thriller „Welcome Home“ von Arno Strobel, der zwar gelungen ist, jedoch spannungsmäßig nicht ganz an andere Werke des Autors heranreicht. Thriller-Fans können sich dennoch auf eine fesselnde Lektüre freuen, für die ich gerne eine Leseempfehlung gebe.

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