Mittwoch, 22. Juli 2026

Rezension: Ein unglücklicher Tod - Ein Fall für DC Smith von Peter Grainger

 

Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Ein unglücklicher Tod - 1 Band Serie DC Smith
Autor: Peter Grainger
Übersetzerin: Eva Regul
Erscheinungsdatum: 22.07.2026
rezensierte Buchausgabe: Leseexemplar als Taschenbuch
ISBN des Hardcovers: 9783257696677

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„Ein unglücklicher Tod“ ist der erste Kriminalfall, in dem DC Smith ermittelt, wobei „DC“ nicht den Dienstrang des Detective Sergeants bezeichnet, sondern als Abkürzung seines Vornamens David Conrad steht. Der englische Autor Peter Grainger hat das Buch in seiner Heimat bereits vor dreizehn Jahren veröffentlicht, nun erscheint es erstmals auf Deutsch. In England sind inzwischen siebzehn Bände erschienen, und es gibt weiterhin Nachschub, in denen DC Smith selbst ermittelt oder zur Fallaufklärung herangezogen wird.  

Nach einer eingehenden Untersuchung eines Falls, an dem DC Smith zuvor beteiligt war, kehrt er zurück an seinen Posten bei der Polizei von Kings Lake, einem fiktiven Ort an der Nordseeküste in Norfolk, der etwa dem realen King`s Lynn entspricht. Er steht kurz vor der Berentung und hat es abgelehnt, auf einem höheren Rang, den er bereits inne hatte, weiterzuarbeiten.

Detective Inspector (DI) Reeve weist ihm als seiner Vorgesetzte Aufgaben in Prävention und Kommunikation zu. Ein eigenes Team soll er aber zunächst nicht erhalten. Zudem übergibt sie ihm eine Akte über den Tod des siebzehnjährigen Wayne, bei der nur noch eine Unterschrift fehlt, um den Fall abzuschließen. DC Smith wertet dies als Hinweis darauf, dass DI Reeve es für möglich hält, dass der Junge nicht einfach beim Schwimmen im Fluss ertrunken ist. Außerdem erhält er eine besondere Aufgabe: Er soll den neuen Kollegen DC Waters für wenige Tage über seine Schulter schauen lassen. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, mit welcher großen Hilfe ihn DC Waters unterstützen wird.

Von Beginn an verdeutlicht Peter Grainger, dass DC Smith nicht bei jedem Kollegen ein hohes Ansehen genießt. Man fiebert mit, ob es ihm gelingt, den Fall vollständig aufzuklären, um seine Kompetenz zu beweisen und seine Kritiker eines Besseren zu belehren. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung versteht es DC Smith, die richtigen Fragen an die entscheidenden Personen zu richten. Gerne verschafft er sich ein eigenes Bild von Spuren und Hinweisen bei den Ermittlungen, kann jedoch ebenso gut delegieren, um sich zu entlasten. Er bleibt sachlich und respektvoll, weiß aber genauso gut mit Ironie umzugehen. Seine Frau ist verstorben und man spürt seine Trauer, wenn er an sie denkt.

Die Umstände des Todes von Wayne erweisen sich erwartungsgemäß als komplex. Dabei greift der Autor ein Thema auf, welches zunächst nicht absehbar ist. Die fesselnde Atmosphäre hält sich mühelos bis zum Schluss. Über die Vergangenheit von DC Smith finden sich immer wieder kleine Andeutungen, vieles bleibt aber offen. Daher freue ich mich auf die nächsten Bände der Reihe, um mehr darüber zu erfahren. Gerne empfehle ich diesen Auftakt der Serie weiter.


Dienstag, 21. Juli 2026

Rezension: Tür auf für Dackel und Maus - Beim Einkaufen von Pe Grigo


Tür auf für Dackel und Maus - Beim Einkaufen
Autorin & Illustratorin: Pe Grigo
Pappbilderbuch: 20 Seiten
Erschienen am 21. Juli 2026
Verlag: Hanser
Link zur Buchseite des Verlags

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Dackel und Maus wollen Äpfel kaufen gehen und ziehen gemeinsam los. Sie sehen einen Laden und rufen laut „Bitte Tüüür aaauf!“ Doch im Laden stellt sich heraus: Hier gibt es gar keine Äpfel, dafür aber jede Menge anderer toller Sachen. Und dann ist auch noch die Maus verschwunden! Dieses Spiel wiederholt sich mehrere Male, bis die beiden Tiere endlich den Obst- und Gemüseladen gefunden haben.

Mein 18 Monate alter Sohn war bei diesem Buch direkt Feuer und Flamme. Mit großem Eifer öffnet er Dackel und Maus durch Umblättern immer wieder die Tür zum jeweiligen Laden. Wo sich die Maus überall versteckt hatte er schnell raus und tippt gleich begeistert auf das Versteck, wo mal eine Nase, mal ein Auge oder die Ohren hervorschauen. In den Läden gibt es viel zu Entdecken. Backwaren, Bücher, Spielzeug und schließlich Obst und Gemüse. Mein Sohn benennt fleißig die angebotenen Waren. Die liebevollen Illustrationen und die Mitmachelemente sorgen dafür, dass er das Buch immer wieder anschauen will und dabei großen Spaß hat. Sehr gerne empfehle ich das Buch an Kinder in ähnlichem Alter weiter!


Sonntag, 19. Juli 2026

Rezension: Tage am Fluss von Jochen Mariss

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Tage am Fluss
Autor: Jochen Mariss
Erscheinungsdatum: 09.07.2026
Verlag: Kiepenheuer und Witsch (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783462013672

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Sara, die Protagonistin des Romans „Tage am Fluss“ von Jochen Mariss, lebt in einem kleinen Ort unweit von Hamburg, der ohne Umwege nur über eine von ihr betriebene Gierseilfähre erreichbar ist. Eine weitere Hauptfigur ist Leon, der sich einer Gruppe von Umweltaktivisten angeschlossen hat, die durch eine Baumbesetzung den Uhlendorfer Forst vor der Abholzung bewahren wollen. An einem heißen Sommertag betritt Leon die Fähre von Sara und wird dort aufgrund einer Verletzung und der Hitze bewusstlos. Obwohl Handlung, Figuren und Orte, abgesehen von Großstädten, fiktiv sind, wirkt das klimatische Szenario der gesamten Geschichte erschreckend aktuell.

Sara ist in ihren Vierzigern und vor einigen Jahren in ihre Heimat zurückgekehrt, um die Familientradition fortzusetzen und die Fähre in vierter Generation zu betreiben. Gemeinsam mit ihrem Hund lebt sie zurückgezogen im Elternhaus und verzichtet weitgehend auf Konsum. Sieben Hühner, drei Schafe sowie ein Garten ermöglichen ihr, sich zu großen Teilen selbst versorgen kann. Ihr Leben im Einklang mit der Natur wird jedoch zunehmend durch die Unwägbarkeiten des Wetters beeinträchtigt, denn bei Niedrig- und Hochwasser kann sie die Fähre nicht übersetzen.

Nicht nur für Leon, sondern auch für die Lesenden ergeben bereits nach den ersten Seiten zahlreiche Fragen, die eine unterschwellige Spannung erzeugen: Warum ist Sara zurückgekehrt? Welches Leben hat sie zuvor geführt? Und was ist mit ihrem Bruder geschehen, an den sie durch Leon erinnert wird?

Als Leon, mehr als zwanzig Jahre jünger als Sara, die Fähre betritt, befindet er sich auf der Flucht, ohne ein bestimmtes Ziel. Nur aufgrund seines gesundheitlichen Zustands, gewährt Sara ihm eine Nacht in ihrem Haus. Auch Leon bleibt zunächst eine geheimnisvolle Figur, deren Vergangenheit sich sowohl Saral als auch den Lesenden erst nach und nach erschließt.

Jochen Mariss gelingt es, Gegensätze miteinander zu verbinden. Einerseits schildert er die idyllische Flusslandschaft, an deren Ufer Sara in ihrer wenigen freien Zeit sitzt und liest, aber auch gerne zum Schwimmen in den Fluss steigt. Auf der anderen Seite beschreibt er Saras fordernden Alltag mit körperlich anstrengenden Arbeit. Zusätzlich muss sie sich seit geraumer Zeit mit den Befürwortern einer Brücke auseinandersetzen, die ihre Interessen mit dreisten Methoden durchsetzen wollen. Die besondere Stärke des Autors, eine Situation in prägende Worte zu setzen, blitzt im gesamten Roman immer wieder durch, in guten wie in schlechten Zeiten.

Anhand des Alters der beiden Hauptfiguren wird veranschaulicht, dass das Thema Klimawandel ebenso wie der verantwortungsvolle Umgang mit der Umwelt generationsübergreifend wichtig sind. Vor allem Leon beschäftigt sich intensiv mit existenziellen Fragen zur Zukunft der Welt. Zugleich verdeutlicht Jochen Mariss, dass Liebe nicht abhängig vom Alter ist und vielmehr Verständnis, Vertrauen und gemeinsame Werte entscheidend sind.

Der Debütroman von Jochen Mariss „Tage am Fluss“ verbindet aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen mit einer feinfühlig erzählten Liebesgeschichte über zwei Figuren, die in einer eigenwilligen Beziehung sind. Die Geschichte stimmt nachdenklich über die Beziehung des Menschen zur Umwelt und veranschaulicht, wie Nähe durch Offenheit und gemeinsame Überzeugungen wachsen kann. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter, bei dem die Luft genauso vor Hitze flirrt wie gerade in unserem Sommer. 


Dienstag, 14. Juli 2026

Rezension: Der Club der Unbeugsamen von Kathryn Stockett

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Der Club der Unbeugsamen
Autorin: Kathryn Stockett
Übersetzerin: Cornelia Holfeder - von der Tann
Erscheinungsdatum: 27.05.2026
Verlag: btb (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783442763351
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In ihrem Roman „Der Club der Unbeugsamen“ nimmt die US-amerikanische Autorin Kathryn Stockett die Lesenden mit nach Oxford im Bundesstaat Mississippi. Die Handlung spielt von Juli bis Oktober 1933, einer Zeit mitten in der „Großen Depression“, der schweren Wirtschaftskrise in den USA, die mit dem Börsencrash 1929 begann und die gesamten 1930er Jahre mit weltweiten Auswirkungen prägte. Der amerikanische Originaltitel „The Calamity Club“ verweist auf die schwierige Lebenssituation der Frauen, die im Fokus der vorliegenden Geschichte stehen und daher einen Club gründen, um ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Sie gehen trotz zahlreicher Widerstände ihren Weg, was auch der deutsche Titel aufgreift.

Im Prolog kauft die 24 Jahre alte Birdina „Birdie“ Calhoun, eine der beiden aus der Ich-Perspektive erzählenden Protagonistinnen, in einer Drogerie eine große Menge Präservative und erwähnt dabei ausdrücklich, dass diese nicht für sie bestimmt sind. Dieser rätselhafte Einstieg machte mich neugierig auf den Hintergrund. Zwei Monate zuvor hat Birdie die elfjährige Margot „Meg“ Lefleur kennengelernt, die zweite Protagonistin des Romans. Meg lebt seit eineinhalb Jahren in einem Waisenhaus, nachdem ihre Mutter kurz vor Weihnachten verschwand. Als eines der ältesten Kinder wird sie von der Leiterin des Heims schikaniert.

Im ersten Teil des Buches zeichnet Kathryn Stockett ein eindringliches Bild der Lebensumstände ihrer beiden Hauptfiguren. Sie schildert die unwürdigen Bedingungen im Waisenhaus, in dem Meg aufgrund ihres Verhaltens sogar vom Schulunterricht ausgeschlossen wird. Birdie reist aus ihrem kleinen Heimatort nach Oxford, um dort ihre jüngere Schwester Frances zu besuchen und sie um finanzielle Unterstützung für die Mutter und die Großmutter zu bitten. Während Frances in eine gut betuchte Familie eingeheiratet hat, reicht Birdies Einkommen aus ihrer Tätigkeit im örtlichen Dorfladen kaum für den dreiköpfigen Haushallt, zumal sie für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt wird als ein männlicher Kollege.

Die Bewohner von Mississippi leiden nicht nur unter den Folgen der anhaltenden Wirtschaftskrise, sondern auch unter den gesellschaftlichen Zwängen ihrer Zeit. Verstöße gegen die Prohibition werden streng verfolgt und bestraft, ebenso wie die Einhaltung der Gesetze zur Rassentrennung und gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen. Kathryn Stockett macht eindrucksvoll deutlich, wie tief diese Vorschriften das Leben die Menschen prägen und die Gesellschaft spalten. In der Figur der Waisenhausleiterin findet sich eine zutiefst unsympathische Figur: Diese ist davon überzeugt, dass bestimmte Krankheiten sowie gewisse Denk- und Verhaltensweisen von Frauen unweigerlich zu einer Intelligenzminderung führen. Die Weitergabe dieser Eigenschaften versucht sie radikal zu unterbinden.

Die Autorin verdeutlicht, dass die wirtschaftliche Not sowohl die arme als auch die reiche Bevölkerung trifft, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Besonders alleinstehende, einkommensschwache Frauen verfügen nur über wenige Möglichkeiten, sich ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen und dabei ihre Würde zu bewahren. Den täglichen Kampf für eine solche Unabhängigkeit wird im zweiten Teil des Buches geschildert. Nachdem Birdie die verzweifelte Charlie kennengelernt hat, lässt sie sich auf deren fragwürdigen Vorschlag ein, mit einem als Tanzclub getarnten Unternehmen in kurzer Zeit viel Geld zu verdienen.

Mit „Der Club der Unbeugsamen“ lässt Kathryn Stockett das Mississippi des Jahres 1933 lebendig werden. Einfühlsam versteht sie es, über den familiären Hintergrund ihrer facettenreich gestalteten Protagonistinnen Birdie und Meg sowie weiteren starken Frauenfiguren sowohl die gesellschaftlichen Missstände der Zeit als auch den unermüdlichen Kampf von Frauen gegen Konventionen und für ihre Ziele greifbar zu machen. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter. 



Donnerstag, 2. Juli 2026

Rezension: Unerwünschte Töchter von Miriam Carbe


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Unerwünschte Töchter
Autorin: Miriam Carbe
Erscheinungsdatum: 28.05.2026
Verlag: Hanser (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783446287426
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In ihrem Roman „Unerwünschte Töchter“ spannt Miriam Carbe einen Bogen über vier Generationen ihrer Familie und beleuchtet das Leben ihrer Urgroßmutter Margarethe, ihrer Großmutter Marianne, ihrer Mutter Monika sowie ihre eigenen Kindheit. Entsprechend des Titels kamen sie jeweils zu einem Zeitpunkt zur Welt, der von ihren Müttern eher unpassend empfunden wurde.

Margarethe wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Dresden, bereits drei Monate nach der Hochzeit ihrer Eltern in wohlhabende Verhältnisse hineingeboren und war bedauerlicherweise nicht der erwartete Sohn. Sie selbst gebar ihre Tochter Marianne 1914, nur wenige Tage bevor ihr Ehemann zum Kriegsdienst eingezogen wird und davon nicht zurückkehrte. Während des Zweiten Weltkriegs ist Marianne mit einem Offizier der Wehrmacht liiert, der zunächst im Innendienst eingesetzt wird, später jedoch an die Front versetzt wird und dort fällt. Zu diesem Zeitpunkt erwartet sie bereits Monika. 1967 kommt in dieser Kette der Mütter die Autorin zur Welt, gegen den Wunsch ihrer Großmutter und ihres Vaters.

Ein über die Generationen weitergereichter Kirschholzschrank ihrer Urgroßmutter, der sich heute im Besitz der Autorin befindet, erinnert sie an ihre Vorfahrinnen, deren Lebenswege den Roman inspiriert haben. Einst beherbergte er Bücher wechselnder Genres, die stets als Bereicherung der Lebensqualität galten sowie Dekorationsartikel. Heute bewahrt die Autorin darin jedoch einen besonderen Schatz auf: die Tagebücher und Notizen der Frauen ihrer Familie, die diese zahlreich hinterlassen haben und deren älteste Ausgabe Eintragungen von 1908 enthält. Sie haben darin Familienereignisse festgehalten oder einfach ihre Gedanken zu Themen, die sie gerade beschäftigten.

Miriam Carbe erzählt die familiären Geschehnisse in chronologischer Reihenfolge. Zwischen die historischen Kapitel fügt sie Abschnitte ein, in denen sie eigene Erinnerungen schildert und Kenntnisse, die auf den Aufzeichnungen der Vorfahrinnen basieren, aus denen sie immer wieder zitiert, was maßgeblich zur Authentizität des Romans beiträgt. Zeiträume, zu denen sich keine Hinweise in den Eintragungen finden, füllt sie mit Fiktion, was ihr hervorragend gelingt, da sich keine Brüche erkennen lassen. Um bestimmte Aspekte der gesellschaftspolitischen Entwicklung und deren Auswirkungen in die Erzählung einzubinden, erschafft sie fiktive Figuren, deren Lebensgeschichten sich ebenso nahtlos in die überlieferte Familiengeschichte einfügen.

Die Geschichte zeichnet zwischen den Zeilen die Entwicklung der Rolle der Frau über die Jahre hinweg ab. Sie zeigt allerdings auch, wie tief Konventionen prägen können, so dass sie an die nächste Generation weitergegeben werden, obwohl sie längst überholt sind. Die Vorfahrinnen der Autorin stellen sich auf ihre eigene Art und den ihn gegebenen Möglichkeiten gegen die ihnen auferlegten, gesellschaftlichen Erwartungen und erkämpfen sich gewisse Freiräume. Dennoch bleiben sie manchmal ihrer eigenen Meinung gegenüber Widerständen fest verhaftet.

Mit „Unerwünschte Töchter hat Miriam Carbe einen bewegenden Roman geschrieben, der Familiengeschichte, historische Fakten und Fiktion überzeugend miteinander verbindet. Die zitierten Tagebucheinträge machen die Schicksale der Vorfahrinnen der Autorin unmittelbar erfahrbar, so dass ein vielschichtiges Generationenporträt entsteht, das nachhallt. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter.

 

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