Samstag, 8. August 2026

Rezension: Bretonischer Glanz - Kommissar Dupins fünfzehnter Fall von Jean-Luc Bannalec

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Bretonischer Glanz - Kommissar Dupins fünfzehnter Fall
Autor: Jean-Luc Bannalec
Erscheinungsdatum: 
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
rezensierte Buchausgabe Paperback mit gestalteten Klappen
ISBN: 9783462006032

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Der fünfzehnte Fall führt den aus Paris stammenden und nach Concarneau versetzten Kommissar Dupin an die Nordwestküste der Bretagne nach Roscoff. Die vorliegenden Fallermittlungen verknüpft Jörg aka Jean-Luc Bannalec wieder eng mit einer regionalen Spezialität. Obwohl die kleine Gemeinde nicht einmal 3500 Einwohner zählt, genießt sie weit über die Bretagne hinaus einen hervorragenden Ruf für ihre Roscoff-Zwiebeln, die sich durch ihre zartrosa Farbe und ihren mild-süßen Geschmack auszeichnen.

Eine besondere Würze erhält der Kriminalroman dadurch, dass die Tote in der Nähe eines der Lesungsorte des gerade stattfindenden, leider fiktiven Krimifestivasl in Roscoff aufgefunden wird. Das Opfer ist die junge, streitbare Betreiberin eines Zwiebelhofs, die sich mit großem Engagement für eine biodynamische Bewirtschaftung einsetzt. Der vor Ort zuständige Kollege geht in den wohlverdienten Ruhestand. Weil Dupins Mitarbeiter Kadeg ohnehin als Zuhörer das Festival besucht, empfiehlt er seinen Chef für die Ermittlungen. Während sich das gesamte Team als krimibegeistert erweist, ist Dupin wenig angetan von dem Wunsch eines Kriminalromanautors, ihn bei seiner Arbeit zu begleiten.

Neben den Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten in Roscoff und der Umgebung greift der Autor auch gesellschaftspolitische Themen der Bretagne auf. Zum einen sind es Probleme im Zusammenhang mit Fährverbindungen, zum anderen sind es die Sorgen der landwirtschaftlichen Erzeugerinnen und Erzeuger, die zwischen den polizeilichen Ermittlungen verdeutlichen, welche Herausforderungen die Menschen vor Ort zu bewältigen haben und dadurch zum Nachdenken anregen.

Noch bevor das Motiv und Täterschaft geklärt werden können, geschieht ein weiterer Mord, so dass Dupin und sein Team aus Concarneau ihre bisherigen Erkenntnisse neu bewerten und die bisher ins Visier der Ermittlungen geratenen Personen befragen müssen. Es bleibt bis zum Ende spannend, wer die Morde begangen hat und ob sie von einer oder mehreren Personen ausgeführt wurden.

Auch der fünfzehnte Fall für Kommissar Dupin und sein Team verbindet wieder eine fesselnde Ermittlungsarbeit mit viel regionalem Flair. Mir hat es große Freude bereitet, leserisch erneut in die Bretagne zu reisen.

Mittwoch, 5. August 2026

Rezension: Der Blutmensch zu Köln - Eva-Maria Silber und Kirsten Wilczek (Bas Sello und Mathilde von Tabouillot 1)

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Der Blutmensch zu Köln
Autorinnen: Eva-Maria Silber und Kirsten Wilczek
Erscheinungsdatum: 28.11.2025
Verlag: between Pages by Piper
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
ISBN: 9783377902733

Nominiert für den Goldenen Homer 2026
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Die beiden Autorinnen Eva-Maria Silber und Kirsten Wilczek haben in ihrem historischen Kriminalroman „Der Blutmensch zu Köln“ ein tatsächliches Verbrechen aus Holstein im Jahr 1866 aufgegriffen, es fiktiv aufgearbeitet und es nach Köln in den August des Jahres 1847 verlegt. Dort verbrennt ein Gutshof zu Schutt und Asche, zwischen denen die Leichen des Bauern, der Bäuerin, von fünf Söhnen und einer Tochter sowie von zwei Knechten und einer Magd gefunden werden. Sehr bald steht fest: die Opfer wurden erschlagen, bevor das Feuer ausbrach, nur ein Sohn überlebt verletzt.

Das fünfzehnjähriges Dienstmädchen Ida gerät unter den Verdacht, die Taten gemeinsam mit ihrem Liebsten begangen zu haben. Ihr Motiv soll Rache gewesen sein, denn sie wurde am Tag des Verbrechens von ihrem Dienstherrn entlassen. Die Redakteurin Mathilde von Tabouillot wird auf den Fall aufmerksam und wittert darin eine Chance, sich mit einer aufsehenerregenden Berichterstattung zu profilieren. Sie glaubt ebenso an die Unschuld der Magd wie Sergeant Hans Baudewin, der Ida verhaften musste. Beide wenden sich an die Kanzlei des erfahrenen Anwalts Dr. Venedey, der die Verteidigung der Magd übernimmt und dabei von seinem Rechtsreferendar Bas Sello unterstützt wird.

Der Kriminalfall ist gut konstruiert und überzeugend inszeniert. Als Anwältinnen gelingt es Eva-Maria Silber und Kirsten Wilczek, juristische Zusammenhänge und die damalige Rechtslage verständlich und anschaulich zu vermitteln. Grundlage hierfür ist ihre sorgfältige Recherche, die sich keineswegs auf rechtliche Aspekte beschränkt. Sie verstehen sich auch darin, das Köln des Jahres 1847 aufleben zu lassen und dabei ein detailreiches Bild der Stadt mit ihren historischen Gebäuden und ihrem damaligen Erscheinungsbild zu zeichnen.

Für humorvolle Momente sorgen die Autorinnen immer wieder, indem sie die rheinische Lebensart durch Dialoge im örtlichen Dialekt, dem rheinischen Singsang, authentisch zum Ausdruck bringen. Für alle, die das Kölnische Platt nicht beherrschen folgt immer eine geschickt in den Text eingearbeitete Übersetzung.

Auch Namensgebung der handelnden Personen wurde passend zu Zeit und Ort gewählt, selbst der französische Nachname der Redakteurin fügt sich stimmig in den historischen und regionalen Kontext ein und basiert auf einem wahren Hintergrund. Die Figur der Mathilde haben die beiden Autorinnen in Anlehnung an eine bekannte Frauenrechtlerin mit gleichem Namen gestaltet.

Aufgrund der geschickten Konstruktion des fiktiven Falls mit der zentralen Frage, ob Idas Unschuld bewiesen werden kann und wenn nicht, ob sich der oder die wahren Täter finden lassen, wird die Spannung bis zum Schluss hochgehalten, Die Geschichte ist als Reihe angelegt und der nächste Fall „Der Bonbonmord zu Köln“ ist bereits erschienen.

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