Donnerstag, 16. Juli 2015

[Rezension] Till Raether - Blutapfel

Der Apfel am Baum ist von
der Sorte "Topaz"


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Titel: Blutapfel (2. Band der Serie mit dem Ermittler Adam Danowski)
Autor: Till Raether
Erscheinungsdatum: 30.05.2015
Verlag: Rowohlt Polaris
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur
Handlungsort: Hamburg
Handlungszeit: Gegenwart



 


Bäume mit Blutäpfeln stehen in der Hainapfel-Siedlung, in die die Ermittlungen in einem Mordfall den Hamburger Hauptkommissar Adam Danowski führen. Dort hat das Opfer Oliver Wiebusch gewohnt, unauffällig, freundlich und gerne hilfsbereit beispielsweise beim Beschneiden der Apfelbäume beim Nachbarn. Unverständlich also, dass Wiebusch auf der Fahrt durch den Elbtunnel in seinem eigenen Auto erschossen wurde und der Täter unerkannt entkommen konnte. 

„Blutapfel“ von Till Raether ist der zweite Fall für den Ermittler Danowski. Das Buch lässt sich ohne Vorkenntnisse des ersten Bands problemlos lesen, denn auch ich kenne den ersten Fall nicht. Mit dem Prolog stellt der Autor den Leser zunächst vor ein Rätsel, denn dort begegnet er der Geheimdienstagentin Tracy Harris, die nicht mit der Wimper zuckt während zwei ihrer Kollegen jemanden unter Gewaltanwendung verhören und dabei misshandeln. Zunächst scheint kein Zusammenhang mit dem Fall von Adam Danowski zu bestehen. 

Erste Ermittlungserkenntnisse im Mordfall geben Hinweise in Richtung Organisierte Kriminalität. Bei einem gezielten Einsatz mit dem Ziel, die Täter festzunehmen, sollen Schulterkameras eingesetzt werden. Tracy Harris begleitet diesen Einsatz als Product Deployment Manager des Unternehmens, das die Kameras vertreibt. Obwohl sehr lange die Hintergründe des Verbrechens an Wiebusch unbekannt bleiben, hat der Leser ab diesem Zeitpunkt gegenüber Danowski den Vorteil, dass er über die Agententätigkeit von Harris Bescheid weiß. So kann er einige Situationen und Handlungen von ihr besser einschätzen als Danowski, der sich von ihr täuschen lässt.

Der Leser lernt Adam Danowski nicht nur bei der Ausübung seines Berufs kennen, sondern auch im Privatleben. Seine Frau ist Lehrerin, er hat zwei Kinder und gemeinsam wünschen sie sich mehr Platz zum Wohnen. Er grübelt darüber, ob er in Teilzeit gehen und sich dann mehr um die Kinder kümmern soll, wenn seine Frau eine Rektorenstelle annimmt. Aber so ein wenig ist er auch eifersüchtig über die Beförderung eines Mitarbeiters und würde sich diese eigentlich selber wünschen. 

Der Charakter Danowski wirkt sehr realistisch. Der Umgang mit den Kollegen ist stimmig ebenso wie sein Verhalten zur Vorgesetzten. Neben dem Hauptkommissar gibt es gerade im beruflichen Umfeld des Ermittlers eine ganze Reihe Figuren mit liebenswerten Ticks und Eigenheiten wie beispielsweise die ständig an ihrem Pferdeschwanz nestelnde und auf richtliniengenaues Vorgehen achtende Meta Jurkschat. Sie ersetzt seinen früheren, Zoten liebenden Partner Andreas Finzel, genannt Finzi, der zum Anfang des Buch in einem Pflegeheim untergebracht ist, praktisch bewegungsunfähig und stumm nach einem Alkoholexzess. Niemand glaubt seine Behauptung, dass jhm jemand nach dem Leben trachtet. Finzi sorgt im Buch für eine große Überraschung. 

Das Buch wechselt in nicht zu langen Kapiteln immer wieder die Perspektive. Eine der Personen auf die sich dabei der Fokus richtet ist Trickster,  der wie das Mordopfer das Hobby Urban Exploring teilt und zu diesem in Konkurrenz stand. Sehr interessant fand ich die Beschreibungen über die Ausübung dieses Hobbies, dass mir bisher unbekannt war. 

Mehrere mögliche Täter und dadurch Taterklärungen machen diesen Krimi spannend von Beginn an. Eingeflochtene Nebenhandlungen, die mit den am Fall beteiligten Figuren verbunden sind, steigern die Spannung zusätzlich und lassen diese nicht abreißen. Zum Schluss gibt es eine überraschende Lösung. Mir hat „Blutapfel“ sehr gut gefallen und ich empfehle ihn daher gerne an Krimileser weiter.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Gloriareise des DryasVerlags: Gloria zu Gast in Erkelenz


Am Wocheennde war ein ganz besonderer Gast bei mir zu Besuch: Gloria (fikitve Person) aus dem Buch "Gloria und die Liebenden von Verona" der Autorin Marlene Klaus.

Der Dryas Verlag hat sich für dieses Buch etwas Besonderes ausgedacht: Das Buch wird zusammen mit einer Kladde auf Reise geschickt. Der Empfänger kann das Buch mit in den Urlaub nehmen und es dort an einem interessanten Ort fotografieren oder auch zusammen mit einer Sehenswürdigkeit am eigenen Wohnort, so wie ich es gemacht habe. In der beiliegenden Kladde kann er einen Gruß, Fotos oder anderes eintragen. Nach Abschluss der Reise wird die Kladde der Autorin geschenkt. Wenn ihr auch Interesse an der Aktion habt, meldet euch bitte beim Verlag unter presse@dryas.de.

Altes Rathaus in Erkelenz mit Rokokoportal

Reste der Stadtmauer Erkelenz















Nun, ich denke, Gloria hat es in Erkelenz gut gefallen. Leider konnte sie nicht sehr lange bleiben, hat jedoch Zeit gefunden, einen kurzen Brief an ihre Erfinderin zu schreiben:


"Liebe Marlene,

auf unserer Reise sind Tante Jo und ich gestern Abend in Erkelenz angekommen. Erkelenz ist eine bezaubernde Kleinstadt unweit von Gladbach, bekannt durch seine Webereien.

Unsere Unterkunft liegt in der Nähe des Markts. Da uns das Wetter wohlgesonnen ist, haben wir vorhin einen kleinen Spaziergang entlang des Alten Rathauses mit seinem Rokokoportal vorbei zur Burgruine und den Resten der Burgmauer gemacht. Kastell und Mauer sind schon seit über 100 Jahren dem Verfall anheim gegeben - wie Schade!

Wir haben überlegt, ob wir nicht besser mit dem Zug weiterfahren, haben uns dann aber doch wieder für die Kutsche entschieden. Morgen geht es weiter.

Es grüßt dich aus Erkelenz
Gloria

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Eine Sehenswürdigkeit der Stadt konnte Gloria zu ihrer Zeit leider nicht besichtigen: die Bronze-Plastik "Äppels Bell". Wohl aber hätte sie die reale Sibilla Cüppers treffen können, die von 1816 bis 1901 in einem Stadtteil von Erkelenz lebte  Das Buch machte sich im Arm der Marktfrau hervorragend als Farbfleck:

Äppels Bell in Erkelenz mit dem Buch "Gloria und die Liebenden von Verona" im Arm
Ich wünsche dem Buch weiterhin eine spannende und abenteuerliche Reise.

Eure Ingrid

Donnerstag, 9. Juli 2015

[Rezension] Die verbotene Zeit - Claire Winter



Inhalt
London, 1975: Carla hat durch einen Autounfall ihre Erinnerungen an die letzten sieben Monate verloren. Als sie versuchen möchte, die Zeit vor dem Unfall zu rekonstruieren, versucht ihr Mann Tom, sie davon abzuhalten. Welches Ziel verfolgt er damit? Bald findet sie heraus, dass sie mit einem berüchtigten Journalisten in Kontakt stand, um eine Frau zu finden, die angeblich mit ihrer Mutter befreundet war. Kann sie ihm trauen? Carla beschließt, den Spuren ihrer Familie in die Vergangenheit zu folgen. Diese führen sie ins Berlin der 1930er Jahre…

Meinung
Das Buch beginnt mit einem kurzen, mysteriösen Prolog über eine kurze Begebenheit im Jahr 1959 in Cornwall. Eine junge Frau trifft an der Küste einen Unbekannten, der ihr etwas Entsetzliches erzählt. Wer ist sie, und was ist danach passiert? Eine Antwort auf diese Frage gibt das Buch erst einmal nicht, stattdessen springt es ins Jahr 1975, in dem ich Carla kennen lernte. Diese ist nach ihrem Unfall wieder zu Hause, kann sich aber nicht mehr an die vergangenen Monate erinnern.

Das Buch nimmt sich wenig Zeit, die Protagonistin und ihre Situation genauer vorzustellen. Bereits auf den ersten Seiten ist sie davon überzeugt, dass ihr etwas verheimlicht wird, und beginnt gleich damit, Fragen zu stellen. Ihr Mann wirkte auf mich von Beginn an absolut unsympathisch, während Carla eine mangelnde Durchsetzungskraft und Beharrlichkeit an den Tag legt. Zu Beginn der Geschichte fühlte ich mich ihr daher nicht wirklich nahe, sondern nahm eher die Rolle einer distanzierten Beobachterin ein. Zum Glück entwickelt sich Carla im Laufe der Handlung stark weiter und wurde mir in diesem Zug immer sympathischer.

Immer wieder springt das Buch in die Vergangenheit und erzählt die Geschichte von Dora und Edith im Berlin der 1920er Jahre. Diese Rückblicke machen etwa die Hälfte des Buches aus und umfassen eine Zeitspanne von mehr als zwanzig Jahren. Die Erzählungen über die Freundschaft der zwei ungleichen Mädchen fand ich sehr schön. Mit Beginn der 1930er Jahre brechen schließlich düstere Zeiten an. Der Autorin ist es gelungen, darzustellen, wie sich die Atmosphäre in Berlin zuerst ganz schleichend und schließlich immer schneller verändert. In meist ruhigen Tönen erzählt sie von immer schlimmer werdenden Diskriminierungen, von wachsender Skepsis und Verzweiflung, aber auch von Freundschaft, Loyalität und Liebe.

In der Gegenwart plätschert das Buch leider lange Zeit vor sich hin. Während ich durch die Rückblicke allmählich eine Ahnung von dem bekam, was vorgefallen ist, kommt Carla mit ihren Nachforschungen zur sehr langsam voran. Es kommt zu interessanten Begegnungen, doch auf den großen Durchbruch wartet man vergebens. Bedeutende Enthüllungen ließen auf sich warten und führten dazu, dass es während Carlas Nachforschungen weniger große Emotionen gab, als ich erwartet hätte.

In der Vergangenheit wird die Situation wie nicht anders zu erwarten immer dramatischer. Hier rechne ich es Claire Winter hoch an, dass sie die dunkelsten Momente nur andeutet und auf brutalste Beschreibungen verzichtet. Auch so habe ich genug Bilder im Kopf, die mich erahnen lassen, was zu dieser Zeit passiert ist. Nach vielen Überraschungen und Wendungen in der Vergangenheit erwarten den Leser kurz vor Schluss schließlich auch große Enthüllungen in der Gegenwart. Diese konnten mich berühren und waren ein gelungener Abschluss des Buches. Insgesamt hat mir der Weg bis dorthin aber zu lange gedauert.

Fazit
„Die verbotene Zeit“ erzählt von Clara, deren Suche nach ihren verlorenen Erinnerungen dazu führt, dass sie ihre Familiengeschichte erforscht. In Rückblenden erzählt das Buch gleichzeitig von zwei Freundinnen im Berlin der 1920er bis 1940er Jahre. Während mich die Rückblenden voll überzeugen konnten, haben mir bei Claras Nachforschungen in der Gegenwart zu lange große Emotionen und Überraschungen gefehlt. Dafür entschädigt schließlich ein starker Buchabschluss. Wenn ihr Familiengeschichten mit historischem Bezug mögt und es für euch auch gerne einmal ruhiger und dafür eindringlicher zugehen darf, dann solltet ihr zu diesem Buch greifen.

Buchinfos

Hardcover: 576 Seiten
Preis: 19,99 Euro
Erscheinungsdatum: 14. April 2015
Verlag: Diana Verlag
Handlungszeit: 1975, 1922-1946
Haupthandlungsorte: Cornwall, London, Berlin
Link zur Buchseite des Verlags

Sonntag, 5. Juli 2015

[Rezension] Marc Levy - Mit jedem neuen Tag

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Titel: Mit jedem neuen Tag
Autor: Marc Levy
Übersetzerinnen: Eliane Hagedorn und Bettina Runge
Erscheinungsdatum: 25.05.2015
Verlag: blanvalet 
rezensierte Buchausgabe: persönliches Leseexemplar
Handlungzeit: Gegenwart
(Haupt-) Handlungsort: New York (USA)





Der Journalist Andrew wird auf seiner morgendlichen Joggingrunde von einer unbekannten Person angegriffen. Ein vorsätzlich geführter, geübter Messerstich lässt ihm wenig Zeit ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Doch Andrew erhält wunderbarerweise vom Leben eine zweite Chance und wacht nach einer Bewusstlosigkeit zwei Monate vor dem Angriff, in seiner Vergangenheit wieder auf.
Am Beginn seines Buchs „Mit jedem neuen Tag“ schildert Marc Levy zunächst den Überfall. Die eigentliche Erzählung beginnt dann damit, dass Andrew eine Freundin aus Jugendzeiten wiedertrifft.  Valery ist zwar in einer Beziehung, aber beide zieht es zueinander hin, so dass Andrew beschließt, ihr einen Heiratsantrag zu machen. Noch vor der Hochzeit lernt er eine andere Frau kennen, in die er sich verliebt. Seine Gefühle kann er nicht gänzlich unterdrücken und so gesteht er sie seiner Frau am Abend der Heirat, woraufhin sie ihn verlässt. 

Während sein Privatleben im Aufruhr ist, recherchiert Andrew für einen neuen großen Artikel über eine unglaubliche Geschichte, die sich in Argentinien in den 70er Jahren zugetragen hat. Erst kurz vorher hat er einen Skandal aufgedeckt, der ihn nach China führte. Besonders ein Kollege neidet ihm seinen Erfolg. Mit seiner zweiten Chance erhält er nun die Gelegenheit in seinem Privatleben zu vermeiden, Valerys Gefühle zu verletzen und gleichzeitig bei seinen Recherchen zu verhindern dem Gegner ins Visier zu geraten, denn in diesem Bereich vermutet er seinen Attentäter. Valery, seine Freunde und Kollegen hält er für ungeeignet, die Tat vollbracht zu haben oder täuscht er sich in dieser Ansicht?

„Mit jedem neuen Tag“ schreibt Andrew auf sein Notizheft in dem er Rechercheergebnisse festhält, als ihm die zweite Chance gegeben wird. Denn ihm wird bald klar, dass er durch wenige Abweichungen in seinem eigenen Verhalten durchaus eine Änderung in seinem Umfeld hervorrufen kann und so kommt er mit jedem neuen Tag der Lösung des Falls näher. Im vorliegenden Roman steht die Liebe weniger im Vordergrund, sondern die Aufklärung des Überfalls.  Dabei konfrontiert der Autor den Leser mit zwei ungeheuerlichen Ereignissen der Geschichte. 

Mit den Charakteren des Romans konnte ich mich im Laufe der Erzählung nicht anfreunden. Andrew war mir als Figur zu flattrig in Bezug auf seine Liebe, zu schnell wendete er sich von Valery ab nachdem er die andere Frau kennengelernt hatte, zu bedacht ist er darauf, Karriere zu machen. Aber auch Valery konnte mir nicht sympathisch werden, vielleicht war ihr Verhalten während ihrer Jugendzeit Andrew gegenüber dabei ausschlaggebend. 

Die Gestaltung des Covers finde ich zu allgemein, es führte mich weder zum Titel noch zum Inhalt. Der Schreibstil von Marc Levy war leicht und flüssig zu lesen. Gerade auf den ersten Seiten entwickelte sich die Geschichte rasch weiter und wartete mit einer überraschenden Lösung auf. Ich war von den Themen im Buch betroffen. Sie machen den Leser nachdenklich und werden mir sicher in Erinnerung bleiben. Ich empfehle dieses Buch Lesern, die gerne Thriller mit Liebesgeschichte im Hintergrund lesen.

Freitag, 3. Juli 2015

[Rezension] Annie Sloan - Das grosse Wohnideenbuch

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Titel: Das grosse Wohnideenbuch - Die richtigen Farben und Materialien für jeden Wohnstil
Autoren: Annie Sloan und Felix Sloan
Übersetzerin: Wiebke Krabbe
Erscheinungstermin: 27.04.2015
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt 


Annie Sloan ist Innenraumdesignerin und bekannt für ihre dekorative Malerei. Mit diesem Buch möchte sie dem Leser zeigen, welche grundlegenden Wohnstile es gibt. So kann jeder für sich anhand der Fotos und Beschreibungen auf Entdeckung gehen, um den für ihn passenden Stil zu finden. Gleichzeitig bietet sie genügend Tipps dazu, den entsprechenden Stil auch in der eigenen Wohnung umzusetzen. Ihr Sohn Felix, ebenfalls Raumdesigner, hat sie bei der Arbeit am Buch unterstützt. Aus der beruflichen Erfahrung heraus entwickelte sie eine besondere Kollektion Kreidefarben, die sie auch im vorliegenden „Das große Wohnideenbuch“ vorstellt.
In einem Vorwort geht sie zunächst auf den Begriff des Stils ein. Wesentlich für die Ausgestaltung der eigenen Wohnung beziehungsweise des eigenen Hauses ist die persönliche Note, die vom Besitzer selbst erzählen soll. In einer kurzen Übersicht erklärt Annie Sloan die Grundregeln des Raumdesigns bevor sie auf die Möglichkeit eingeht Stile zu mixen. Denn in der Regel findet sich im eigenen Zuhause mehr als ein Stil.  

In neun Kapiteln greift die Autorin neun verschiedene Stile auf, von modernem Klassizismus, schwedischem Stil über Retro, Behème, floralem Vintage und französischer Eleganz bis hin zum rustikalen Country, maritimem Look und Industrie-Chic. Bewusst arbeitet sie im jeweiligen Buchabschnitt Gegensätze zwischen den Stilen heraus. Die Kapitel beginnen mit einer Erklärung warum der jeweilige Stil entsprechend bezeichnet wird. Daraufhin folgt die Beschreibung der Möbel und Accessoires sowie die Farben die typischerweise vorherrschen. 

Die Buchrückseite bietet dem Leser einige bildliche Einblicke in die Kapitel des Buchs: oben links und Mitte: französische Eleganz, oben rechts: Stilmix, unten links: Schwedischer Stil, unten rechts: Bohème-Stil


Besonders schön finde ich die Idee, die nun in jedem Kapitel folgt, denn zu jedem Stil haben Annie Sloan und ihr Sohn eine entsprechende Wohnung oder ein Haus gefunden, das man als Leser nun von innen anschauen darf, während die Autorin die Stilelemente erläutert. Die Fotos des Buchs sind aussagekräftig und nehmen oft sogar eine ganze Seite ein, für mich ein Grund mehr das Buch auch in Zukunft immer gerne zur Hand zu nehmen und wieder neu inspirieren zu lassen. Jedes Kapitel schließt mit einer Idee zum farblichen eigenen Gestalten von Möbeln, Wänden oder Türen. 

Das Buch ist generationsübergreifend von Interesse, denn es spiegelt den Geschmack unserer heutigen Zeit wieder. Es wurde nicht jeder mögliche Wohnstil aufgegriffen, stattdessen zeigen Annie und Felix Sloan beispielhaft grundverschiedene Stilrichtungen und unterstützen den Leser dabei die wesentlichen Elemente zu erkennen, so dass er in der Lage ist, diese nach seinem Geschmack bei der Dekoration seiner eigenen Wohnung umzusetzen. 


Montag, 29. Juni 2015

[Rezension] Mario Giordano - Tante Poldi und die sizilianischen Löwen

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Titel: Tante Poldi und die sizilianischen Löwen
Autor: Mario Giordano
Erscheinungsdatum: 12.03.2015
Verlag: Lübbe Verlag
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur
Handlungsort: Sizilien (Italien)
Handlungszeit: Gegenwart




„Tante Poldi und die sizilianischen Löwen“ ist ein turbulenter Kriminalroman aus der Feder von Mario Giordano. Doch zunächst einmal beginnt die Geschichte ziemlich ruhig. Erzählt wird sie von dem fiktiven Neffen der Protagonistin Poldi, dessen Stelle in meiner Vorstellung beim Lesen immer vom Autor des Buches eingenommen wurde. Nach Angabe von Mario Giordano trägt der Roman tatsächlich autobiographische Züge, wurde aber zum Vergnügen des Lesers mit entscheidend erheiternden Elementen fiktiv aufgefrischt. Die sizilianischen Löwen im Titel spielen übrigens eine wichtige Rolle im Zuge der Ermittlungen.

Tante Poldi ist kräftig gebaut dabei aber nicht zu groß, trinkt gerne und eher regelmäßig einen über den Durst, trägt ständig eine schwarze Perücke und legt viel Wert auf angemessene Kleidung für jeden Anlass. Die Abbildung auf dem Cover kommt meinem Bild von ihr sehr nahe. Kurz vor ihrem 60. Geburtstag äußert sie den Wunsch, schwermütig wie sie manchmal ist,  sich ins Jenseits zu saufen und das mit Meerblick in der Nähe der Familie ihres verstorbenen Ex-Mannes in Sizilien. So packt sie ihre Koffer und reist in Begleitung ihres Neffen zu ihrem Wunschziel. Mit Hilfe der Familie findet sie bald ein passendes Häuschen. Auf den Innenseiten der Klappen finden sich zur besseren Einordnung der Handlungsorte zwei sehr schön gestaltete Karte von Sizilien beziehungsweise von einem Teil der Insel.

Poldis schriftstellernder Neffe besucht sie einmal im Monat und ihm erzählt sie jedes Mal was sich inzwischen ereignet hat. Hin und wieder hilft ihr der junge Valentino. Als dieser eines Tages nicht erscheint, beginnt sie sich Sorgen zu machen. Schließlich begibt sie sich auf die Suche und findet, wie sie es schon geahnt hat, seine Leiche am Meer. Sie hat auch schon eine Vermutung, wer der Täter sein kann, aber ihr fehlen die Beweise. Statt die Aufklärung des Falls dem zuständigen und wie Poldi findet attraktiven Commissario Montana zu überlassen, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln. 

Mit Tante Poldi erschafft der Autor einen ganz besonderen Charakter. Ihr Bayrisch, in das sie ungewollt in gewissen Situationen verfällt und in dem sie ihrem Neffen ihre Geschichte erzählt, ist zwar für einen Rheinländer wie mich gewöhnungsbedürftig, aber es gibt der Geschichte eine besondere Note. Hin und wieder bedient Poldi sich unkonventioneller Methoden bei ihren Ermittlungen. Sie ist keine rundum liebenswürdige Figur, wurde mir im Laufe der Erzählung aber immer sympathischer. 

Mario Giordano nimmt den Leser mit auf eine Reise nach Sizilien und lässt ihn dort an den Schönheiten der Insel wie auch an den Lebensgewohnheiten der Sizilianer teilhaben. Ein Schreibstil mit belebter Sprache und Dialoge mit Wortwitz machen das Buch zu einem lesenswerten Kriminalroman. Der letzte Satz lässt auf eine Fortsetzung hoffen, bei der man vielleicht auch erfährt, was sich eigentlich in Tansania ereignet hat.  

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