Mittwoch, 8. Oktober 2014

[Rezension] Das Küstengrab - Eric Berg

Titel: Das Küstengrab
Autor: Eric Berg
Erscheinungdatum: 22.09.2014
Verlag: Limes Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Ausgabe: Klappbroschur (Rezensionsexemplar)
Handlungsort: Ostseeinsel Poel
Handlungszeit: Sommer 1990, Mai u. September 2013




Im Jahr 1990 steht ein 18Jähriger auf der Ostdeutschen Insel Poel vor seinem großen Traum, die Welt zu bereisen. Schon seit einiger Zeit haben seine gleichaltrigen Freunde, die sich seit Jahren in einer alten Klosterruine treffen,  begonnen, sich aufgrund von Ausbildung und Studium in alle Winde zu verteilen. Doch der Traum wird nicht in Erfüllung gehen. 23 Jahre später kehrt seine frühere Freundin, die Fotografin Lea, und ebenfalls Cliquenmitglied auf die Insel zurück. Seit einem schweren Verkehrsunfall auf Poel vor vier Monaten bei dem ihre ältere Schwester Sabina getötet und sie selbst schwer verletzt wurde, leidet sie unter Amnesie. Sie kann sich nicht mehr an die Gründe für ihre Rückkehr nach Poel, ihren Aufenthalt dort und den Unfall erinnern. 1990 hatte sie mit dem Unfalltod ihrer Eltern einen scheren Verlust zu verkraften und sich fast vollständig abgekanzelt, bis sie ihren späteren Mann kennenlernte, ihn wenig später heiratete und noch im gleichen Jahr mit ihm nach Argentinien zog. Auf der Suche nach ihrer Erinnerung und dem Grund für den Verkehrsunfall trifft sie auf ihre Freunde, die noch alle auf Poel leben mit Ausnahme von Julian, der seit dem damaligen schicksalhaften Sommer vermisst wird. 

Lea trifft auf ihre früheren Freunde, die ihrem Alltagsleben auf der Insel nachgehen. Für die Freunde ist es eher ungewöhnlich, ihr nach vier Monaten erneut zu begegnen. Lea scheint sich charakterlich geändert zu haben, doch jeder knüpft unbeirrt an die alten Zeiten an. In all den Jahren hat sich niemand bemüht mit ihr Kontakt aufzunehmen, keiner von ihnen hat an ihrem weiteren Schicksal Interesse gehabt und umgekehrt. Natürlich hat Lea viele Fragen, doch je mehr sie Erkundigungen einholt, desto größer werden die Unsicherheiten der Cliquenmitglieder, deren Aussagen sich schließlich nicht immer gänzlich decken. Unterschwellig weiß Lea, dass ihr die für sie wichtigen Ereignisse und Erinnerungen bewusst verweigert werden. 

Anfangs hatte ich kurz Schwierigkeiten die Vor- und Zunamen der Freunde und ihrer Beziehungen zueinander richtig zuzuordnen. Eine Auflistung im Anhang wäre auch im weiteren Verlauf hilfreich gewesen. Ich erinnere mich selbst noch gut an das Jahr 1990 und finde die Darstellung der Ereignisse realistisch und die Charaktere der Dorfbewohner einschließlich der Freunde glaubhaft. Die Geschehnisse und die darin beinhaltete Problematik nach der Öffnung der Grenzen werden angerissen, aber nicht langweilend ausgeführt. Allerdings hat mir der Hintergrund von Sabina gefehlt, die doch sechs Jahre älter als die Freunde war und zu diesem Zeitpunkt längst ins Berufsleben eingetreten sein musste. Zweifeln lässt mich auch die Tatsache, dass das Elternhaus der beiden Schwestern so lange leer gestanden haben soll. 

Die Konstruktion der Geschichte finde ich gelungen, auch manches Detail hat seine Erklärung. Der Wechsel in die Ich-Erzählperspektive von Lea brachte mir den persönlichen Blick von ihr auf die Geschehnisse. Durch die Aufgliederung auf drei Zeitebenen wurden einige spannungssteigernde Cliffhanger erzeugt. Ich wollte unbedingt wissen, wie der Unfall passieren konnte und habe das Buch dank des leicht lesbaren Schreibstils schnell lesen können. Zum Ende hin gab es denn noch eine unerwartete Wendung und ganz zum Schluss eine unvermutete Erklärung des Unglücks. 

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