Freitag, 25. November 2022

Rezension: Book of Night von Holly Black


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Book of Night
Autorin: Holly Black
Übersetzer:innen: Diana Bürgel und Julian Müller
Hardcover: 512 Seiten
Erschienen am 1. Oktober 2022
Verlag: Knaur TB

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Charlie Hall hat jahrelang als Diebin der besonderen Art gearbeitet. Unter dem Decknamen Charlatan hat sie Gloamisten bestohlen, also magiebegabte Menschen, die gelernt haben, ihre Schatten zu kontrollieren. Nachdem etwas Schreckliches passiert ist, hat sie jedoch beschlossen, ihre Finger von solchen Aufträgen zu lassen. Stattdessen arbeitet sie als Barkeeperin, so auch an jenem Abend, an dem eine Bekannte sie völlig aufgelöst aufsucht und um Hilfe bittet. Deren Freund Adam, der Charlies Nachfolger in Sachen Diebesaufträge ist, ist spurlos verschwunden. Charlie ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, ihren Abstand zu der Welt der Gloamisten zu wahren, und ihrer Bereitschaft, zu helfen. Schließlich willigt sie ein, dass sie versucht, zu Adam Kontakt aufzunehmen. Damit setzt sie Ungeahntes in Gang...

In einem kurzen Prolog zu Beginn des Buches lernte ich Remy kennen, einen Jungen, der mit seinem Schatten spielt und ihn mit seinem Blut füttert. Danach springt die Geschichte zu Charlie, die sich dazu entschieden hat, ein normales Leben zu führen, dass keine Diebestouren mehr enthält. Jahrelang hat sie vor allem Bücher über Magie gestohlen. Während sie der Welt der magischen Schatten den Rücken zukehren will, ist ihre kleine Schwester Posey besessen von der Idee, ihren eigenen Schatten zu beleben. Charlies Freund Vince ist sein Schatten hingegen gestohlen worden, über die Umstände schweigt er sich aus.

Von Beginn an hatte ich meine Probleme damit, in die Geschichte hineinzufinden. Die Autorin hat eine komplexe magische Welt geschaffen, nimmt sich allerdings kaum Zeit, diese zu erklären. Stattdessen muss man sich die Spielregeln der Welt aus dem Kontext erschließen, was mir mal mehr und mal weniger gut gelang. Auch wenn dieser düstere Fantasy-Roman in gutem Tempo voranschreitet und Charlie allerlei brenzlige Situationen bewältigen muss, konnte meine Begeisterung für die Story nicht vollends geweckt werden. 

Es gab zahlreiche überraschende Entwicklungen, die vor allem daraus entstanden, dass man selbst und auch viele Charaktere erst im Verlauf der Geshichte herausfinden, was mit Magie alles möglich ist. Zum Ende hin wartet ein spannender Showdown, der viele Antworten gibt, aber auch einige Fragen offen lässt. Gemeinsam mit dem abschließenden Cliffhanger wird so der zweite Teil vorbereitet. Wer Lust auf eine komplexe Fantasy rund um das magische Thema belebter Schatten hat, der kann diesem Buch eine Chance geben.

Sonntag, 20. November 2022

Rezension: Ein kleines Stück von Afrika - Aufbruch von Christina Rey

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Ein kleines Stück von Afrika - Aufbruch
Band 1 von 2
Autorin: Christina Rey
Erscheinungsdatum: 30.01.2022
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783785728208
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In ihrem Roman „Ein kleines Stück von Afrika“ nahm Christina Rey mich im ersten Band der Dilogie mit dem Untertitel „Aufbau“ mit nach Kenia ins Jahr 1910. Das Cover gibt bereits einen Einblick auf die Vielfalt der Tiere, die dort in freier Wildbahn zu sehen sind, was auch in der Geschichte ein großes Thema ist. Umspielt wird die bewegende fiktive Liebesgeschichte zwischen der jungen Britin Ivory und dem Großwildjäger Adrian von realen historischen Begebenheiten.

Die 17-jährige Ivory Parkland Rowe ist in betuchten Verhältnissen einer Londoner Unternehmerfamilie aufgewachsen und steht kurz davor in der Gesellschaft zu debütieren. Doch ihr Vater hat sie dazu auserkoren, ihn auf eine Safari nach Afrika zu begleiten. Ivory weigert sich jedoch standhaft, Jagd auf wilde Tiere zu machen. Stattdessen bewundert sie die Schönheit der Natur und das Zusammenspiel der Tiere. Sie weckt die Aufmerksamkeit des Jagdführers Adrian, dem sie aber seinen Job übelnimmt. Adrian gelingt es, sich ihr anzunähern. Ivory folgt ihm auf seine Farm, auf der er organisierte Safaris anbietet. Bald merkt sie, dass ihr Mann sie vor der Hochzeit bewusst über bestimmt Dinge im Unklaren gelassen hat. Eine Kluft zwischen ihnen tut sich auf. Als Adrian zum Kriegsdienst eingezogen wird, übernimmt sie die Leitung auf dem Anwesen und setzt eine neue Akzente.

Christina Rey baut in der Erzählung ein realistisch erscheinendes Bild der damaligen Verhältnisse in Kenia auf. Die eigenen Erfahrungen der Autorin und ihre sehr gute Recherche spürt man in der Geschichte, weil sie ihre Begeisterung für das Land einfließen lässt. Zunächst konnte ich eine Jagdgesellschaft begleiten und die Flora und Fauna des Landes kennenlernen. Ich teilte Ivorys Ansichten, was mir die junge Frau zunehmend sympathisch machte. Adrian erschien mir von Beginn an zwielichtig.

Bedauert habe ich den Umgang der Briten mit der schwarzen Bevölkerung, den ich als wirklichkeitsnah und nachvollziehbar empfunden habe. Ivory hat bereits als Kind in London eine Begegnung mit einem schwarzen Jungen gehabt und dabei Ungerechtigkeit in dessen Behandlung kennengelernt. Aber auch für sie als britische Frau, die nach einem selbstbestimmten Leben sucht, ist es schwierig, ihre offene Haltung zu Angehörigen eines anderen Kulturkreises in der öffentlichen Gesellschaft zu zeigen.

Neben dem faszinierenden Setting baut die Autorin solche wichtigen Themen in die Geschichte ein wie Gleichberechtigung der Frauen, Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung und bezahlter Abschuss heute geschützter Tiere aus Freude an der Jagd. Daneben konnte ich noch einiges über die Riten der Einheimischen erfahren und deren Missionierung, die Christine Rey kritisch sieht. Interessiert konnte ich auch die Entwicklungen in Kenia in technischer Hinsicht verfolgen, die das Land für Ausländer besser erschlossen.

Gerne habe mich mit dem Roman „Ein kleines Stück von Afrika – Aufbruch“ von Christina Rey mit nach Kenia nehmen lassen. Eine wunderbare Landschaft, der Reichtum der Tierwelt sowie eine junge Frau mit festen Ansichten, von denen sie sich nicht abbringen lässt, machten die Erzählung für mich zu einem reinen Vergnügen. Mit viel Freude auf die Fortsetzung vergebe ich eine klare Leseempfehlung.


Dienstag, 15. November 2022

Rezension: Das Gesetz der Natur von Solomonica de Winter

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Das Gesetz der Natur
Autorin: Solomonica de Winter
Übersetzerin: Meredith Barth
Erscheinungsdatum: 28.09.2022
Verlag: Diogenes (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover Leinen mit Schutzumschlag
ISBN: 9783257072181
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Die Welt, in der die junge Gaia Marinos lebt, besteht in ihrer Form erst seit „Jenem Tag“. Seither gilt „das Gesetz der Natur“, das dem dystopischen Roman von Solomonica de Winter den Titel gegeben hat. Das darin beschriebene zukünftige Amerika ist weitgehend abgeschnitten von der restlichen Welt. In diesem neugegliederten Land haben sich über die Bundesstaaten hinweg vier Stämme gebildet, die sich gegenseitig als Feind sehen. In jedem Stamm ist nur eine einzige Person mit Lesen und Schreiben beauftragt.

Gaia lebt mit zwei erwachsenen Männern zurückgezogen im Wald. Einer von ihnen hat ihr das Jagen beigebracht, der andere das Lesen, welches er sich selbst zu früherer Zeit im Familienkreis heimlich angeeignet hat. Als ihr Aufenthaltsort entdeckt wird, gerät sie in Gefangenschaft. Inzwischen hat sie eine mystische Eigenschaft entwickelt, die für die Kriegsführung nützlich ist. Sie wünscht sich ihr Leben im Wald zurück. Aber auch der ihr anvertraute Auftrag, Bücher aus alten Zeiten an einem abgelegenen Ort zu finden, hat für sie ihren Reiz. Darin wurden Worte der Vergangenheit festgehalten.

Man bezeichnet Gaia als Mutantin, wobei der Begriff im Sinne von verändertem Individuum gebraucht wird. Die Veränderung wird in ihrem Aussehen deutlich und in einer bestimmten Eigenschaft. Seit Jenem Tag hat es noch mehr solcher Individuen gegeben, aber die Menschheit war bestrebt, sie auszurotten. Der genaue Grund wird nicht beschrieben und auch nicht, wodurch es zu der Veränderung kam. Vielleicht findet Gaia die Antworten in den verborgenen Büchern, die sie sucht. Weil der Roman Teil einer Serie liest er eventuell darüber in der Fortsetzung.

Die Protagonistin hat ihre Eltern verloren. Das Leben in den Wäldern ist mühsam, aber Gaia erfreut sich auch an der Natur. Für sie ist Gerechtigkeit und Güte von Beginn an wichtig. Durch die Gefangennahme gerät sie immer wieder in Situationen, in denen sie für sich abwägen muss, was gut ist und was böse. Oft ist ihr Leben in Gefahr. Die Autorin wirft indirekt die Frage auf, wie viel ein Leben Wert ist. Die neuen Gesetze der Stämme regeln das Zusammenleben der Menschen auf eine rigide Weise. Ausschluss aus der Gemeinschaft und Tod drohen den Abweichlern ebenso wie den Angehörigen. Entsprechend der harten Linie, gestaltet sich der Kampf der Stämme gewaltsam. Gaia durchläuft eine harte Ausbildung in militärischer Auseinandersetzung. Von ihr wird Gehorsam verlangt ohne Rücksicht auf ihre eigenen Gefühle.

Im Amerika des Romans ist die Rollenverteilung klassisch, wobei Gaia eine besondere Position einnimmt. Ihre Einzigartigkeit macht sie überall bekannt und zunehmend ist es für sie schwieriger, sich zu verbergen, weil ihr Ruf ihr vorauseilt und stigmatisiert sie. Ihr Anspruch darauf, gerecht zu handeln, gerät immer wieder ins Wanken. Es gelingt ihr nicht, auf Rache zu verzichten. Gaia spürt zunehmend die Last ihrer Schuld für ihre Handlungen, die keine Güte zeigen.

Der Schreibstil der Autorin ist eigenwillig. Er wirkt manchmal distanziert und versucht Gaias Entscheidungen zu begründen. Gelegentlich finden sich Balladen in den Kapiteln. Sie lenken die Aufmerksamkeit des Lesenden auf sich. Im Mittelteil kommt es während der Kampfvorbereitungen zu Längen.

Der Roman „Das Gesetz der Natur“ von Solomonica de Winter hatte auf mich eine unerwartet fesselnde Wirkung. Bestürzt verfolgte ich die Entwicklung der Stämme im neuen Amerika, die meiner Meinung nach wenig aus dem Fehlern ihrer Vorfahren gelernt haben. Zum Ende hin bleibt die Hoffnung, dass Gaia in der Fortsetzung der Serie durch ihre Entdeckung ein Stück Frieden in die Welt tragen kann. Aufgrund der teilweise gewalttätigen Darstellung mancher Aktionen vergebe ich eine eingeschränkte Leseempfehlung an ältere Leser von Dystopien.

Montag, 14. November 2022

Rezension: Zirkus der Wunder von Elizabeth Macneal


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Zirkus der Wunder
Autorin: Elizabeth Macneal
Übersetzerin: Eva Bonné
Hardcover: 430 Seiten
Erschienen am 28. Oktober 2022
Verlag: eichborn

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Als sich im Jahr 1866 in einem kleinem südenglischen Dorf "Jasper Jupiters Zirkus der Wunder" ankündigt, ist die Aufregung groß. In Scharen treibt es die Bewohner in die Vorstellung, um Kuriositäten wie eine Frau mit Bart und eine walisische Riesin zu bestaunen. Dabei machen sie Witze, dass Nell, deren Haut von Geburt an mit Muttermalen übersät ist, ebenfalls zur Truppe passt. Doch daraus wird wenige Tage später Ernst, als Nell von ihrem Vater tatsächlich an den Impresario verkauft wird. Nach dem anfänglichen Schock merkt Nell, dass ihr neues Leben durchaus Vorteile hat: Sie verdient mehr Geld als je zuvor und ist zum ersten Mal in ihrem Leben von Menschen umgeben, die in ihrem Erscheinungsbild ebenso von der Norm abweichen wie sie.

Ich konnte schnell in die Geschichte eintauchen und war gespannt, was Nell nach ihrem Verkauf erleben wird. Die Autorin machte die Faszination für Freakshows im viktorianischen Zeitalter nachvollziehbar und gibt einen fiktionalisierten Einblick in die Zirkuswelt. Dabei wird die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven von Nell, dem Impresario Jasper und seinem Bruder Toby erzählt.

Jasper ist ein überaus ehrgeiziger Mann, der davon träumt, sich einen Stellplatz in London leisten und vor der Queen auftreten zu können. Er ist stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht und von seiner eigenen Genialität überzeugt. Im Gegensatz dazu ist Toby ein stiller, zurückhaltender Charakter, der seine Wünsche stets zurückgestellt hat. Obwohl die Brüder als Kinder von einem gemeinsamen Zirkus träumten, ist Jasper nun der alleinige Besitzer. Toby arbeitet als Fotograf für ihn und sehnt sich nach seiner Anerkennung. Rückblicke nahmen mich als Leserin mit in den Krieg auf der Krim, wo die beiden etwas Einschneidendes erlebt haben, über das sie nicht sprechen.

Das Erzähltempo ist ruhig, zwischen den einzelnen Abschnitten des Buches gibt es aber Zeitsprünge, sodass die Geschichte dennoch zügig vorankommt. Ich hatte zu Beginn keine konkrete Vorstellung, in welche Richtung sie sich entwickeln wird, und erlebte einige Überraschungen. Die Auseinandersetzung mit dem Leben der als Kuriositäten bezeichneten Menschen im Zirkus mit seinen Licht- und Schattenseiten fand ich gelungen. 

Es gibt viele schöne Szenen, aber auch zahlreiche düstere Momente, welche bei mir zunehmend die Erwartung schürten, dass etwas Schreckliches passieren wird. Obwohl ich mehrfach Zeugin wegweisender Entscheidungen und lebensverändernder Momente wurde, blieben die Figuren zu mir auf Distanz. Ich hätte mir noch mehr Einblicke in ihre Emotionen und ein intensiveres Betrachten der zwischenmenschlichen Momente gewünscht. Nach vielen unerwarteten Wendungen ist auch das Ende anders als gedacht. Für mich rundet es diesen Roman, in dem Freude und Leid oft nah beieinander liegen, stimmig ab. Ein Nachwort gibt Informationen zu den historischen Vorbildern. Gerne empfehle ich dieses Buch an alle weiter, die Lust auf einen historischen Roman haben, der aus dem Rahmen des Gewöhnlichen herausfällt!

Freitag, 11. November 2022

Rezension: Ihr könnt doch noch nicht satt sein! von Renate Bergmann

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Ihr könnt doch noch nicht satt sein! Die Online-Omi tischt auf
Autor: Torsten Rohde als Renate Bergmann (Kunstfigur) 
Erscheinungsdatum: 27.10.2022
Verlag: Ullstein (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover
ISBN: 9783471360484 

 


 


„Ihr könnt doch noch nicht satt sein!“ rief Renate Bergmann ganz entsetzt, als sie sah, dass ihre Gäste das Besteck auf ihren leer gegessenen Tellern ablegten und sich zufrieden den Mund mit ihrer Serviette abputzten. Die über Achtzigjährige Berlinerin hatte den Tisch mit einem karierten Tuch gedeckt …

Solch eine Szene stelle ich mir in meiner Fantasie vor, wenn die Mahlzeit beendet ist, die die Kunstfigur Renate Bergmann für andere gekocht hat. Von den Romanen, die der Autor Torsten Rohde unter dem Pseudonym seiner Protagonistin schreibt,  habe ich zwar noch keinen gelesen, aber schon viel von ihnen gehört. Der bestürzte Ausruf Renates ist der Titel eines Koch- und Backbuchs mit dem Untertitel „Die Online-Omi tischt auf“. Ich erwartete, darin bodenständige leckere Rezepte zu finden und wurde nicht enttäuscht.

Den Einband des großformatigen Buchs wurde von ZERO Media im rot-weißen Karo gestaltet. Auf dem Cover ist Renate beim Abschmecken am Herd in ihrer Küche zu sehen. Die Abbildung hat Rudi Hurzlmeier erstellt. Die Innenseiten wurden von Axel Raidt ausgearbeitet. Insgesamt machte das Buch auf mich einen hochwertigen Eindruck.

Gleich zu Beginn konnte ich anhand der Inhaltsangabe die Kategorien sichten und mir aufgrund der aufgelisteten Gerichte einen ersten Überblick verschaffen. Dazu steht bei jedem Kapitel ein anregendes, zum Thema passendes Foto. Im folgenden Vorwort erklärt Renate Bergmann ihr Anliegen, dem Interessierten ihre Hausfrauenküche nach den Rezepten ihrer Oma nahe bringen zu wollen. Daraus lässt sich rückfolgern, dass diese sich seit langem bewährt hat.

Vor jeder Koch- beziehungsweise Backkategorie gibt es eine Einführung mit ersten Tipps und Kniffen und dem Hinweis auf drei folgende Rezepte, die mit Fotos angeteasert werden. Der Anleitungsteil ist appetitanregend gestaltet und fordert zum Nachkochen oder -backen auf. Zu jedem Gericht gibt es ein einseitiges Foto des zubereiteten Rezepts und auf der gegenüberliegenden Seite stehen die Rezeptur mit der Angabe der Personenzahl sowie die Zubereitung. Schön finde ich es, dass die benötigten Zutaten leicht zu besorgen sind. Außerdem ist oberhalb der Bezeichnung der Speise ein Hinweis im Originalton der Online-Oma zu lesen. Auf jeder dieser Seiten steht unten zusätzlich ein Tipp verschiedenen Inhalts, beispielsweise mit der Empfehlung, einen der Inhaltsstoffe auszutauschen oder wie man das Gericht mit einer weiteren Zutat variiert.

Die Anleitung ist leicht verständlich und einfach umzusetzen. Falls der Backofen benötigt wird, ist die Temperatur und die Backzeit angegeben. Ich habe inzwischen den Gemüseauflauf ausprobiert. Das Ergebnis hat meiner Familie nicht nur sehr gut geschmeckt, sondern sah optisch wie im Buch aus. Bratkartoffeln habe ich ebenfalls nach dem Rezept getestet, weil sie anders zubereitet werden, als ich sie sonst mache. Auch dieses Gericht hat uns gemundet. Noch viele weitere Fotos lachen mich beim Blättern im Buch an und ich werde sicher immer wieder dazu greifen und noch einiges nachkochen und -backen.

Es ist verständlich, dass Renate sich darüber freut, wenn ihre Gäste ihre Teller schnell leer gegessen haben und gesättigt nach Hause gehen. Mir macht es viel Freude, die Rezepturen auszuprobieren und daher empfehle ich das Buch gerne weiter.


Mittwoch, 9. November 2022

Rezension: Mütter hat man nie genug von Monika Maifeld

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Mütter hat man nie genug
Autorin: Monika Maifeld
Erscheinungsdatum: 04.10.2022
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783426227824
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Das Glück ist der 27 Jahre alten Bogenbaumeisterin Stefanie gewogen, denn sie hat es geschafft, sich in der Passauer Innenstadt mit einer Werkstatt selbständig zu machen. Außerdem hat sie einen wohlhabenden Freund. Im Roman „Mütter hat man nie genug“ von Monika Maifeld ist sie die Protagonistin. Obwohl Stefanie bereits eine eigene Wohnung bezogen hat, ist sie gerne bei ihren Eltern in Vilshofen zu Gast und fühlt sich im Kreis der Familie geborgen.

Eines Tages kommt ihr jüngerer Bruder Felix auf die Idee, dass sie beide eine DNA-Probe abgeben, weil sie dadurch eventuell noch unbekannte Verwandte finden könnten. Das Ergebnis wirkt sich allerdings im genauen Gegenteil aus, denn es zeigt, dass Felix und Stefanie nicht miteinander verwandt sind. Nachdem aber auch die Eltern das Resultat zerknirscht bestätigen, gerät Stefanie in eine Identitätskrise.

Zu Beginn läuft die Handlung auf zwei Zeitebenen ab. Während Stefanie sich im Mai 2018 auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter begibt, hat Paula im Mai des Jahres 1990 das Anliegen, endlich ein Kind zu bekommen. Paula steigert sich wahnhaft in ihren Wunsch hinein. Das, was sie unternimmt, um ein Baby zu erhalten, klingt fast wie eine Räubergeschichte. Da mir die damaligen Umstände im Zusammenhang mit einer Geburt im Krankenhaus bekannt sind, halte ich die Schilderungen der Begebenheiten für möglich, fesselnd fand ich sie auf jeden Fall. Beim Lesen dieses Handlungsstrangs sah ich gleich einen Zusammenhang mit Stefanie und erhielt durch die Kenntnis der früheren Ereignisse einen Wissensvorsprung ihr gegenüber. Die Schilderung des Geschehens im Jahr 1990 bricht etwa nach der Hälfte der Buchseiten mit einem Cliffhanger ab.

Dank der guten Recherche der Autorin erfuhr ich mehr über den ungewöhnlichen Beruf von Stefanie. Bei deren Suche nach der Mutter durfte ich sie zu einigen sehenswerten Orten begleiten. Während der ganzen Zeit kämpfte die Protagonistin mit ihrem inneren Konflikt, was ich gut nachvollziehen konnte. Sie erhält von ihrem Freund eine ungeahnte Unterstützung. Seine Fürsorglichkeit nimmt sie in ihrer momentan schwierigen Lage gerne an. Von ihm fühlt sie sich gebraucht. Erst spät erkennt sie, wie Liebe sich in einer Beziehung wirklich anfühlt.

Die Autorin macht es ihrer Protagonistin nicht einfach. Immer wieder konfrontiert sie Stephanie mit neuen Konflikten, die mit wachem Verstand auf ihre Möglichkeiten schaut, zu einer Lösung zu gelangen, auch wenn sie an einem toten Punkt angekommen zu sein scheint. Die Erzählung ist stellenweise dialoglastig mit manch bewegendem oder auch amüsantem Austausch der Gesprächspartner, was das Lesen vorantreibt. Stein für Stein setzt die Bogenbaumeisterin die Informationen über ihre Vergangenheit zusammen. Mein durch die zweite Handlungsebene erweitertes Wissen ließ mich hoffen, dass sie ihre Suche nicht abbricht, was für eine gewisse Hintergrundspannung sorgte. Nebenher thematisiert Monika Maifeld dabei den damals zunehmenden Kinderschmuggel aus Osteuropa.

Leider kommt es im Roman zu einigen Darstellungen, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte wie das lange Siezen eines guten Freunds oder das Öffnen des Geschäfts ganz nach Belieben. Auch ein paar kleine logische Fehler haben sich eingeschlichen, die aber aufgrund der gelungenen komplexen Konstruktion unwichtig sind.

Der Roman „Mütter hat man nie genug“ von Monika Maifeld wirft den Wunsch nach der eigenen Identität auf. Als Leserin fürchtete ich, so wie die Protagonistin Stephanie, dass ihre Suche nach der leiblichen Mutter vergeblich sein wird. Möglichst bald wollte ich erfahren, ob die Hauptfigur erfolgreich sein wird und wie sie ihr Gefühlschaos meistert. Gerne empfehle ich das Buch weiter. 


Montag, 7. November 2022

Rezension: Die Bücher, der Junge und die Nacht von Kai Meyer


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Die Bücher, der Junge und die Nacht
Autor: Kai Meyer
Hardcover: 496 Seiten
Erschienen am 2. November 2022
Verlag: Knaur HC

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Im Jahr 1943 steht das Graphische Viertel in Leipzig nach einem Bombenangriff in Flammen. Eine Nacht, die für viele mit dem Tod endet, bedeutet für einen zehnjährigen Jungen Freiheit. Er war sein Leben lang in einem Raum voller Bücher eingesperrt. Bei seiner Flucht kommt ihm ein Erwachsener zu Hilfe, der jedoch von ihm verlangt, zuerst ein besonderes Buch aus dem Flammen zu retten, ehe er ihn in Sicherheit bringt. 1971 ist aus dem Jungen der Bibliothekar Robert Steinfeld geworden. Ein Anruf seiner Kollegin und Konkurrentin Marie führt ihn nach München. Sie löst dort eine private Büchersammlung auf und hat dabei Exemplare entdeckt, die aus der Buchbinderwerkstatt von Roberts Vorfahren stammen, welche er nie kennengelernt hat. Von den höchst raren Stücken gibt es hier rund zweihundert Stück. Wie sind sie dorthin gelangt?

Der Roman beginnt mit einer bildgewaltigen Szene: Ein zehnjähriger Junge flieht gemeinsam mit einem Erwachsenen aus dem brennenden Leipzig des Jahres 1943. Schon im ersten Absatz wird erwähnt, dass der Junge sein Leben lang eingesperrt war, was zahlreiche Fragen aufwirft. Weitere kommen schnell hinzu: Was ist das für ein Buch, das er aus den Flammen retten sollte, und wer ist der Erwachsene, der ihm das Leben gerettet hat?

Im weiteren Verlauf springt die Geschichte in unregelmäßigen Abständen zwischen drei verschiedenen Zeitebenen hin und her: Neben den Erlebnissen des Jungen im Jahr 1943 und Roberts Versuchen im Jahr 1971, mehr über seine Vergangenheit herauszufinden tauchte ich immer wieder ins Jahr 1933 ein, in welchem Roberts Vater eine junge Frau kennenlernt, die ihr geheimnisvolles Maniskript mit dem Titel "Das Alphabet des Schlafs" bei ihm binden lassen möchte. Mit der Zeit werden immer mehr Zusammenhänge klar, gleichzeitig passt nicht alles zusammen: Einiges von dem, was die Charaktere zu wissen glauben, muss falsch sein. 

Ich folgte den Spuren bestimmter Bücher, die eng mit dem Schicksal der Charaktere verknüpft sind, von Station zu Station. Die zahlreichen Szenen in Räumen voller Bücher lassen beim Lesen sicherlich jedes bibliophile Herz höher schlagen. Die Handlung wird von Geheimnissen, Lügen und Verbrechen geprägt, doch auch von Liebe, Zusammenhalt und Loyalität. Während die gewaltvollen Szenen der beiden frühen Zeitebenen für mich zum Geschehen passten, war ich von Roberts Gewaltausbrüchen im Jahr 1971 irritiert, die für mich nicht zu einem Bibliothekar passten. Während ein Hinweis zum nächsten führt erlebte ich im Mittelteil eine kleine Durststrecke, bevor neue Erkenntnisse zum Ende hin wieder für deutlich mehr Bewegung und ein erhellendes Finale sorgen.

"Die Bücher, der Junge und die Nacht" ist ein historischer Roman, in dem viele Geheimnisse und Zusammenhänge darauf warten, aufgedeckt zu werden, während in der Bücherstadt Leipzig etwas Mysteriöses vor sich geht. Auch wenn manch ein Charakter an Übersinnliches glaubt,  weiß dieser Roman auch ohne Fantasy-Elemente zu überzeugen. Ich lade euch herzlich ein, Euch an der Seite der Steinefelds auf die Suche zu begeben!

Samstag, 5. November 2022

Rezension: Lügen über meine Mutter von Daniela Dröscher


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Lügen über meine Mutter
Autorin: Daniela Dröscher
Hardcover: 448 Seiten
Erschienen am 18. August 2022
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

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Ela wächst in den 1980er Jahren im Hunsrück auf. Ihre Kindheit wird von einem Thema dominiert: Dem Körpergewicht der Mutter. Für ihren Vater ist klar, dass seine Frau dringend abnehmen muss, ob mit einer Kur, Diäten oder den Weight Watchers. Er schämt sich für ihr Aussehen und möchte mit ihr in der Öffentlichkeit so nicht gesehen werden. Stets ist er bestrebt, nach außen hin einen guten Eindruck zu machen und beruflich erfolgreich zu sein. Elas Mutter zieht sich immer weiter zurück, während sie sich zu Hause um zunehmend mehr Personen kümmern muss. Daniela Dröscher schildert in diesem Buch eine fiktionalisierte Version ihrer eigenen Kindheit.

Das Buch beginnt mit einem Dialog in der Gegenwart. In diesem merkt die Erzählerin gegenüber ihrer Mutter an, dass sie bis heute vieles über sie nicht genau wisse und etwas erfinden müsse, wenn sie über sie schreiben will. Ihre Mutter ermuntert sie dazu. Sie ist sich sicher, dass ihre Tochter ihre Geschichte so erzählen kann, dass sie geschützt wird.

In der Vergangenheit begegente ich Ela erstmals im Jahr 1983 kurz vor ihrem siebtem Geburtstag und begleitete ihr Leben über vier Jahre hinweg. Ich tauchte ein in ihren Familienalltag, in dem die Kritik ihres Vaters am Gewicht ihrer Mutter das Dauerthema ist. Dabei ist auffällig, dass Elas Mutter selbst kein Problem mit ihrem Körpergewicht hat und Diäten und weitere Maßnahmen nur ergreift, um ihren Mann zu besänftigen. Auch Elas Blick auf ihre Mutter wird durch das Agieren ihres Vaters zunehmend geprägt. 

Der Kampf um Selbstbestimmung ist in diesem Buch ein zentrales Thema, und zwar nicht nur im Hinblick auf Gewicht, sondern auch im Zusammenhang mit fianziellen und beruflichen Entscheidungen. In den Augen von Elas Vater kennt seine Frau grundsätzlich kein Maß. Dabei stellt man beim Lesen schnell fest, dass er selbst es ist, der immer wieder irrationale Entscheidungen trifft, um sich selbst und seine Wahrnehmung durch andere aufzuwerten. 

Zwischen den einzelnen Kapiteln sind immer wieder kurze Passagen eingefügt, in welchen die Erzählerin das Geschehene aus der heutigen Perspektive reflektiert und einen erwachsenen Blick auf ihr kindliches Erleben gibt. Dadurch gibt sie in der Deutung eine Richtung vor, lässt aber auch Platz für eigene Überlegungen. Es gibt auch weitere Dialoge mit ihrer Mutter, hingegen keine mit ihrem Vater, was aus meiner Sicht eine deutliche Positionierung ist.

Immer wieder schildert Ela Momente, in denen ihre Mutter sich gegen den goldenen Käfig auflehnt, in dem sie lebt. Ich war neugierig, inwiefern ihr ein Ausbruch gelingen wird. Für mich war "Lügen über meine Mutter" eine sehr intensive und eindrückliche Lektüre, die ich gerne weiterempfehle.

Freitag, 4. November 2022

Rezension: Die Liebeslieder von W.E.B. Du Bois von Honorée Fanonne Jeffers


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Die Liebeslieder von W.E.B. Du Bois
Autorin: Honorée Fanonne Jeffers
Übersetzerinnen: Maria Hummitzsch und Gesine Schröder
Hardcover: 992 Seiten
Erschienen am 29. September 2022
Verlag: Piper

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Ailey Pearl Garfield wird 1973 als drittes Kind geboren. Ihr Vater ist Arzt, ihre Mutter hat ihre akademische Ausbildung zugunsten des Nachwuchses abgebrochen. Aileys Vorfahren sind vor allem Schwarze mit afrikanischen Wurzeln, aber auch Weiße und Indigene. Gemeinsam mit ihren älteren Schwestern Lydia und Coco wächst sie im Norden der USA auf, verbringt ihre Sommer jedoch bei der Familie ihrer Mutter in der kleinen Stadt Chicasetta in Georgia. Diese lebt dort auf dem Land der ehemaligen Baumwollplantage, auf der ihre Vorfahren einst Sklaven waren. In einer Zeit, in der Weiße und Schwarze in Amerika offiziell dieselben Rechte haben, erfährt sie, was es heißt, eine ambitionierte schwarze Frau zu sein. Sie entwickelt zunehmend Interesse für die Geschichte ihrer Vorfahren, die sie verstehen will, um ihren eigenen Platz zu finden.

Mit seinen fast 1000 Seiten ist dieses Buch ein echter Schinken, der mich auf eine Reise durch die Jahrhunderte mitnahm. Auf einer Erzählebene begleitete ich Aileys Aufwachsen von ihrer Kindheit in den 1970er Jahren bis ins Jahr 2007. Auf der anderen Erzählebenen lauschte ich dem Flüstern der Ahnen der Creek, jener indigenen Ureinwohner, die einst auf dem Land lebten, das später zu Georgia erklärt und im Rahmen einer Landlotterie Weißen zugesprochen wurde. Sie beginnen ihre Geschichte bei Micco, der 1764 vor der Zeit der Sklaverei in einem Dorf der Creek aufwuchs. Seine Mutter war die Tochter einer Creek und eines Negroes, sein Vater ein Weißer. Von jenen Ahnen erfuhr ich, was im Laufe der Jahrhunderte auf ihrem Land geschah.

Das Themenspektrum dieser Geschichte ist enorm. Ich las mich durch über 250 Jahre und seine gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen. Dabei sind die Abschnitte aus der Perspektive der Ahnen sehr dicht erzählt und ich musste mich bemühen, einen Überblick über die Vielzahl an charakteren und ihre verwandtschaftlichen Verhältnisse zu bewahren. Ein hinten im Buch abgedruckter Stammbaum kann als Unterstützung genutzt werden, deckt aber auch nicht alles ab. Der Schwerpunkt liegt auf den Erlebnissen der Sklaven auf der Plantage und was es heißt, der Besitz eines weißen Mannes zu sein. Aileys Geschichte hat ein deutlich langsameres Erzähltempo. Ich sah sie aufwachsen und erlebte Sommer um Sommer in Chicasetta. Sie verehrt ihre beiden Schwestern, die gänzlich verschiedene Lebenswege einschlagen und sich allmählich von ihr entfernen. Welchen Weg wird sie letztlich selbst einschlagen?

Die Sprache des Buches erlebte ich als zugänglich, sodass ich dieses seitenstarke Werk verhältnismäßig zügig lesen konnte. Die Arbeit der beiden Übersetzerinnen ist hervorragend und ihre Nachbemerkung zum Umgang mit African American Vernacular English las ich mit großem Interesse. Immer wieder benötigte ich jedoch Zeit, das Gelesene zu verarbeiten. Sklaverei und Rassismus sind zentrale Themen und auf beiden Ebenen gibt es viele Szenen, die einen allgemeinen Eindruck des Lebensrealität der Charaktere vermitteln. Hinzu kommt ebenfalls auf beiden Ebenen das Thema des Kindesmissbrauchs und wie diese traumatischen Erfahrungen die Betroffenen ihr Leben lang prägten. Das Thema dominiert die Geschichte über weitere Strecken, nach denen es mir schwer fiel, es wieder hinter mir zu lassen. Eine tiefere Aufarbeitung dieser Vorfälle bleibt aus.

Für mich war "Die Liebeslieder von W.E.B. Du Bois" eine eindrückliche, emotionale und immer wieder heftige Leseerfahrung. Ein epischer generationenübergreifender und feministischer Roman, dessen Lektüre ich als bereichernd empfunden habe.

Dienstag, 1. November 2022

Rezension: This Charming Man von C. K. Donnelly

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: This Charming Man
Autor: C.K. McDonnell
Übersetzer aus dem Englischen: André Mumot
Erscheinungsdatum: 30.09.2022
Verlag: Eichborn (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Leseexemplar
ISBN: 9783847901167
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Vampire – gibt es sie wirklich? Mit dieser Frage muss sich die Redaktion der Stranger Times in Manchester im zweiten Band der schauerlichen Trilogie von C.K. McDonnell beschäftigen. Auf dem Buchumschlag wird die Geschichte angeteasert. Als Leserin schloss ich daraus, dass die Nachtgestalten existieren und unterwegs sind, ihren Blutrausch zu stillen. Jetzt war ich neugierig, was die MitarbeiterInnen der Zeitungsredaktion dazu herausfinden würden.

Die stellvertretende Chefredakteurin Hannah Willis ist seit drei Monaten bei der Stranger Times beschäftigt. Bereits zu Beginn ihrer Tätigkeit hat sie feststellen müssen, dass es Dinge gibt, die mit dem Verstand nicht zu erfassen sind. Aktuell hat sich in Manchester ein junger Mann vor einen Laster geworfen. Man könnte einen Selbstmord vermuten, wenn die Leiche nicht lange Eckzähne hätte und bei der Obduktion menschliches Blut im Magen gefunden wurde. Dr. Carter, die Rechtsanwältin der Zeitung, die mit übernatürlichen Kräften ausgestattet ist, bietet der Redaktion die Story an, behauptet aber, dass es Vampire nicht gibt. Die Kollegen stehen vor einem Rätsel. Außerdem droht einem der Angestellten eine Entführung durch einen Bautrupp, der das marode Badezimmer der Redaktion renovieren soll.

Nicht nur die Redakteure der Stranger Times und Hannah versuchen den Fall aufzuklären, sondern auch Detective Inspector Sturgess, der ebenfalls aus dem ersten Teil der Serie bekannt ist. Die Kollegen der Stranger Times sehen die Notwendigkeit ein, den seltsamen Geschehnissen, meist in Zweier-Teams, nachzugehen. Obwohl bereits auf den ersten Seiten des Buchs eine mysteriöse Begebenheit geschildert wird, kommen die Mitarbeitenden nur mühsam zu ersten Ergebnissen. Eine Antwort auf die Frage, wer dafür verantwortlich ist, liegt in weiter Ferne. Aber sie können nicht verhindern, dass die oder der Übeltäter beziehungsweise die Übeltäterin auf sie aufmerksam wird.

Chefredakteur Bancroft sieht es als seine Aufgabe an, daran zu erinnern, dass wöchentlich eine Zeitung zu erstellen ist und dafür Artikel notwendig sind. Auch diesmal trägt sein Festhalten an gewissen Prinzipien wieder zum Witz des Buchs bei. Mein Kompliment gilt dem Übersetzer André Mumot, der den trockenen britischen Humor so übersetzt, dass ebenfalls deutsche Lesende darüber schmunzeln können. Wie im ersten Buch sind wieder beispielhaft einige Artikel der fiktiven Zeitung für Unerklärtes und Unerklärliches zwischen den Kapiteln zu lesen.

Eine beachtliche Anzahl neuer Figuren wie zum Beispiel ein Wahrheitssprecher, ein redender Hund und ein Schuldentätowierer tragen mit ihrem besonderen Charakter zu einer abwechslungsreichen, spannenden Lektüre bei. Eine innovative Dating-App sorgt mit einer frischen Idee für Wirbel im Geschehen. Immer wieder gibt es unerwartete Wendungen.

Der zweite Band der voraussichtlichen Trilogie über die Mitarbeitenden der Stranger Times überzeugt erneut durch den schwarzen Humor, den mystischen Elementen und den ungewöhnlichen Figuren. An mehreren Stellen bleiben offene Fragen. Ungeduldig erwarte ich die Fortsetzung in der Hoffnung, dass sich darin Stellas Geheimnis lüftet und ich mehr über Bancrofts Frau erfahren werde. Gerne empfehle ich den Roman an Lesende weiter, die einen Sinn für übernatürliche Ereignisse mitbringen


Sonntag, 30. Oktober 2022

Rezension: Das Glück hat acht Arme von Shelby Van Pelt


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Das Glück hat acht Arme
Autorin: Shelby Van Pelt
Übersetzerin: Andrea Fischer
Hardcover: 464 Seiten
Erschienen am 28. September 2022
Verlag: FISCHER Krüger

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Marcellus ist ein Pazifischer Riesenkrake, der sich seit 1299 Tagen in Gefangenschaft im Aquarium von Sowell Bay befindet. Keiner seiner täglichen Besucher ahnt, dass er extrem intelligent ist und sich in vielen Nächten aus seinem Becken schleicht, um sich leckere Snacks wie Seegurken zu gönnen. Eines Abends befreit ihn Tova jedoch aus einer misslichen Lage. Die 70-jährige arbeitet als Putzfrau im Aquarium, obwohl sie das Geld nicht benötigt. Sie hat keine Familie mehr, denn seit kurzem ist sie verwitwet und ihr Sohn Erik ist bereits vor vielen Jahren kurz nach seinem 18. Geburtstag spurlos verschwunden. Im Gegensatz zu ihr behält der 30-jährige Cameron keinen Job sonderlich lange. Er hat gerade wieder eine Kündigung erhalten und wurde daraufhin von seiner Freundin aus der Wohnung geworfen. Als er in den Sachen seiner seit Jahren verschwunden Mutter Hinweise auf seinen Vater findet, kommt er nach Sowell Bay, um diesen aufzuspüren.

Die Geschichte beginnt mit einem Kapiel aus der Sicht von Marcellus, einer Pazifischen Riesenkrake. Er sprach mich als Leserin direkt an und erklärt, dass seine Art eine Lebenserwartung von vier Jahren hat und er diese bald erreicht hat. Er hat fast sein ganzes Leben im Aquarium verbracht und dabei nicht nur gelernt, wie er unauffällig sein Becken verlässt, sondern auch die Menschen ausführlich beobachtet. Ich habe im letzten Jahr mit großer Begeisterung "Mein Lehrer, der Krake" auf Netflix gesehen und war deshalb sehr gespannt auf diese ungewöhnliche Erzählperspektive. Sicherlich ist das Ausmaß der Intelligenz hier überspitzt dargestellt, ähnlich wie zuletzt zum Beispiel beim Hund Halbsieben in "Eine Frage der Chemie". Ich habe mich auf diesen kreativen Kniff gerne eingelassen und fand die kurzen, dafür aber häufig eingeschobenen Kapitel aus Marcellus' Sicht sehr unterhaltsam.

Marcellus ist der nicht so heimliche Star der Geschichte, die sich hauptsächlich um Tova und Cameron dreht. Zu Beginn ist offen, ob und wie die beiden sich begegnen werden. Die beiden liebenswerten Protagonisten müssen allerlei Situationen bewältigen, in die sie sich oftmals ganz allein hineinmanövriert haben. Das Erzähltempo ist langsam und ich erhielt ausführliche Einblicke in ihre Lebensumstände, die mich nachdenklich stimmten, wie es für sie weitergehen kann. Vor allem die erste Buchhälfte hätte man aus meiner Sicht straffen können. Dank Marcellus hatte ich einen deutlichen Wissensvorsprung, wodurch ich auf ein konkretes Ereignis hinfiebern konnte, was gleichzeitig aber Spannung aus der Geschichte nahm. 

Wenn ihr Lust auf einen emotionalen und humorvollen Wohlfühlroman habt, der zum Teil aus der Perspektive eines Kraken geschrieben ist, dann seid ihr hier genau richtig!

Samstag, 29. Oktober 2022

Rezension: Brombeerfuchs - Der Zauber von Sturmauge von Kathrin Tordasi

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Brombeerfuchs Band 2 - Der Zauber von Sturmauge 
Autorin: Kathrin Tordasi
Erscheinungsdatum: 28.09.2022
Verlag: Sauerländer (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover
ISBN: 9783737359245
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Portia Beale und Ben Rees, die inzwischen 13 Jahre alt sind, erleben in der Fantasy „Brombeerfuchs – Der Zauber von Sturmauge“ von Kathrin Tordasi ihr zweites Abenteuer in der Anderswelt. Sie gehören ebenso wie der titelgebende Brombeerfuchs, zu dem der Gestaltwandler Robin wird, zu einer Gruppe unterschiedlicher Lebewesen, die nach Sturmauge finden, dem Wohnsitz eines mächtigen Magiers. Dort wollen sie Schlimmes verhindern.

Für ihre Ferien bei ihren Großtanten Rose und Bramble in Wales hat Portia bereits alles gepackt. Doch plötzlich steht Ben vor der Haustür ihrer Familie in London. Ben kann sich nicht daran erinnern, wie er dorthin gekommen ist. In seiner Hosentasche findet er einen Schlüssel und ein zusammengefaltetes Stück Papier, auf dem eine Landkarte skizziert und eine verwischte Botschaft zu lesen ist. Auf der gemeinsamen Fahrt nach Wales bemerkt Ben, dass mit seiner linken Hand etwas Seltsames geschieht. Zusammen mit Portias Großtanten beschließen sie, dass die Anderswelt ihnen Antworten auf die eigentümlichen Vorkommnisse liefern wird, denn Rose und Bramble vermuten, dass Magie im Spiel ist.

Portia und Ben sind seit ihrem letzten Abenteuer erfahrene Weltenwanderer und daher ahnen die beiden, dass in der Anderswelt etwas Wichtiges geschehen sein muss. Entgegen ihrem Versprechen, die Fantasywelt, in der für die Bewohner von Wales seit jeher die Feen wohnen, nicht mehr zu betreten, öffnen die Großtanten gemeinsam mit den Freunden ein Portal. Schon nach wenigen Buchseiten las ich davon, dass jenseits der Tür magische Kräfte zerstörerisch gewaltet haben. Die Wesen der Anderswelt waren ohnmächtig dagegen.

Der kleinen Gruppe aus Menschen stellen sich die Fragen, ob der Zauber aktuell immer noch eine Gefahr darstellt, ob sich die Quelle dazu finden lässt und ob es ihnen möglich ist, die Magie zu beherrschen. Wenig später werden sie auch von der Königin der Feen entdeckt. Sie gibt den Menschen die Schuld an den verursachten Schäden. Portia, Ben, Rose und Bramble müssen nun zusätzlich zu den übrigen Problemen auch noch beweisen, dass sie nicht für die Verwüstungen verantwortlich sind.

Die Spannung baut sich durch den turbulenten Beginn schnell auf. Mit dem Betreten der Anderswelt sind für die Menschen immer Gefahren verbunden, dass wissen nicht nur Portia und ihre Lieben, sondern auch die Lesenden des ersten Teils. Dennoch benötigt man zum Verständnis nicht dessen Kenntnis. In diesem zweiten Band der Reihe liegt das Augenmerk auf Zaubereien, sei es mittels Runen oder auch Sprüchen.

Auch in der Fortsetzung der „Brombeerfuchs-Reihe“ zeigt Kathrin Tordasi wie stark eine Gemeinschaft ist, wenn man einander vertraut und jeder bei der Problemlösung das einsetzt, was er oder sie am besten kann. Während Portia mit ihrer Identität kämpft, weil sie gewisse Neigungen zum Gestaltwandeln in sich spürt, entwickelt Ben zunehmend mehr Selbstsicherheit durch erste kleine Erfolge, die dazu führen, dass er sich immer mehr zutraut. Die Geschichte fordert dazu auf, Neues zu erlernen und schon an kleinen Fortschritten beständig zu wachsen. Außerdem gibt sie einen guten Ratschlag zur Verarbeitung von Verlusten.

Ich liebe die Romane von Kathrin Tordasi und habe mich auch diesmal wieder gerne verzaubern lassen, darum vergebe ich gerne eine Leseempfehlung für Kinder ab 10 Jahren ebenso wie für Ältere jeden Alters. 


Freitag, 28. Oktober 2022

Rezension: Das kleine Bücherdorf - Winterglitzern von Katharina Herzog


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Das kleine Bücherdorf - Winterglitzern
Autorin: Katharina Herzog
Broschiert: 352 Seiten
Erschienen am 18. Oktober 2022
Verlag: Rowohlt Polaris

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Vicky ist eine ambitionierte Kunsthändlerin, die für das Auktionshaus ihres Vaters arbeitet. Eines Tages fällt ihr zufällig der Brief eines Jungen in die Hände, den dieser per Luftballon an seine tote Mutter geschrieben hat. Im Hintergrund des beigelegten Fotos ist eine seltene Erstausgabe von Alice im Wunderland zu sehen. Ihr Vater beauftragt Vicky, die Ausgabe zu beschaffen, dann erhält sie die lange erhoffte Beförderung. Und so reist sie von München nach Schottland in das charmante Dörfchen Swinton-on-Sea, das sich durch seine zahlreichen Buchhandlungen einen Namen gemacht hat. Ihr Aufenthalt dort gestaltet sich jedoch ganz anders, als sie es erwartet hätte.

Das verschneit-buchige Cover verspricht eine gemütliche Wohlfühlgeschichte und ich war zu Beginn der Lektüre neugierig, was Vicky in Schottland wohl erleben wird. Schon nach wenigen Seiten ist sie mit einer beruflichen Mission auf dem Weg dorthin. Die meisten Kapitel sind aus ihrer Perspektive erzählt, doch von Beginn an wechselt die Perspektive auch regelmäßig zu dem verwitweten Buchhändler Graham, dem Besitzer der ältesten Buchhandlung im Dorf und Vater von Finlay, dessen Brief Vicky gelesen hat. Dadurch erhielt ich gleich einen Einblick in das Dorfleben und freute mich, die einzelnen Charaktere genauer kennenzulernen.

Vicky wird bei ihrer Ankunft von den meisten Dorfbewohnern herzlich empfangen. Eigentlich hatte sie einen Tagestrip geplant, doch aus verschiedenen Gründen wird daraus ein längerer Aufenthalt. Im vorweihnachtlichen Swinton-on-Sea warten allerlei Aktivitäten wie Schlittenfahren und Eisbaden auf sie. Mir hat es Spaß gemacht, die mehr über die einzelnen Bewohner zu erfahren und im Hinblick auf die Liebesgeschichte, die sich allmählich entwickelt, mitzufiebern. 

Der wahre Grund für Vickys Reise gerät dabei nie ganz in Vergessenheit. Der Verlauf der Geschichte ist recht vorhersehbar. Die ein oder andere Überraschung hätte ich schön gefunden, allerdings gibt es auch noch zwei Geheimnisse, die vermutlich in weitern Bänden gelüftet werden. Letztlich bietet das Buch alles, was man für eine cozy Winter Love Story braucht: Zwei sympathische Protagonisten, ein bezaubernder Ort voller Bücher, liebenswürdiger Einwohner und einige Hindernisse, die es zu überwinden gilt. 

Mittwoch, 26. Oktober 2022

Rezension: Die Wunderfrauen - Wünsche werden wahr von Stephanie Schuster

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Die Wunderfrauen - Wünsche werden wahr
Band 4 von 4 der Reihe "Die Wunderfrauen"
Autorin: Stephanie Schuster
Erscheinungsdatum: 28.09.2022
rezensierte Buchausgabe: Broschur mit gestalteten Klappen
ISBN: 9783596707447
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Es ist der Heilige Abend im Jahr 1991 zu dem Stephanie Schuster mich als Leserin ihres Romans „Die Wunderfrauen – Wünsche werden wahr“ auf eine Reise in die Vergangenheit mitnimmt. Die älteste der vier Freundinnen Luise, Marie, Helga und Annabel, die bereits in den vorigen drei Büchern der Serie als Wunderfrauen im Mittelpunkt standen, ist inzwischen Anfang 70. Jede von ihnen kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Im wohlverdienten Ruhestand ist noch keine von ihnen.

Im Prolog offenbart ein Dieb sein Ansinnen, doch es dauert fast bis zum Ende der Geschichte, bis er geschnappt wird. Dabei konnte ich Annabel mit ihrem kriminalistischen Gespür in ihrem Element erleben. Die Erzählung erhält ebenfalls eine hintergründige Spannung durch die hochschwangere Josie, der Tochter von Luise, die sich mit ihrer Familie auf den Weg von Starnberg aus nach Berlin zum Vater ihres Ehemanns macht, um dort das Weihnachtsfest zu feiern. Unliebsame Überraschungen bereiten der Familie auf ihrer Fahrt einiges an Unbill. Noch dazu hat Josie sich vorher mit ihrer Mutter gestritten und ihre Gedanken kreisen um das, was Luise ihr vorgeworfen hat. Währenddessen versuchen die Wunderfrauen ihre Vorbereitungen für Weihnachten fertig zu stellen, damit sie das Fest wie verabredet gemeinsam verbringen können.

Obwohl die Geschichte nur an einem einzigen Tag spielt, erleben die Wunderfrauen erneut Höhen und Tiefen, auch im Rückblick auf vergangene Ereignisse. Als Leserin erfuhr ich, was seit den Begebenheiten in den 1970er, die im vorigen dritten Band der Serie geschildert wurden, geschehen ist. Im höheren Alter steht jede der Freundinnen mitten im Leben und gibt gerne seine Erfahrungen an die jüngere Generation weiter. Darum kam es auch zum Streit zwischen Luise und ihrer Tochter, bei der es um die verschiedenen Auffassungen der beiden zur Rolle der Frau in der Ehe geht. Luise ist zwar immer noch beruflich äußerst engagiert, jedoch sucht sie sich Freiräume und schätzt zunehmend jeden schönen Moment.

Alle Kinder der Wunderfrauen haben sich inzwischen für einen Beruf entschieden und entwickeln sich darin weiter oder nutzen ihre Kenntnisse, um diese in anderen Gebieten anzuwenden. Ihre Mütter sind stolz auf sie, jedoch auch ängstlich über deren Wohlergehen beispielsweise, wenn sie sich auf einer Reise im Ausland ohne festes Ziel befinden. Keine von ihnen fürchtet sich davor, im Alten allein zu sein, sondern sie erkennen, dass die Liebe nicht aufhört und ein Partner an ihrer Seite ihnen angenehme Momente schenken kann. Außerdem ist ihnen ihre Freundschaft viel Wert und sie wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können.

Zwar führt Luise kein Ladenkundebuch mehr, aber sie schreibt weiterhin alles für sie Interessante auf und daher finden sich im Buch auch diesmal wieder zeitgeschichtliche Informationen, Anleitungen und Tipps aus ihrem Notizheft als Einschübe zwischen den Kapiteln. Nebenbei lässt die Autorin aktuelle Musik, Spiele, Markenartikel und anderes in ihre Geschichte einfließen, die zu einem passenden Stimmungsbild beitragen. 

In ihrem Roman „Die Wunderfrauen – Wünsche werden wahr“ erzählt Stephanie Schuster ein letztes Mal von den vier Freundinnen aus Starnberg, die für den Heiligen Abend im Jahr 1991 eine gemeinsame Feier geplant haben. Sie blicken voller Hoffnung und in ruhiger Erwartung auf ihre Zukunft. Gerne vergebe ich auch diesmal eine Leseempfehlung. 


Dienstag, 25. Oktober 2022

Rezension: Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit von Natasha Pulley

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit
Autorin: Natasha Pulley
Übersetzer aus dem Englischen: Jochen Schwarzer
Erscheinungsdatum: 24.09.2022
Verlag: Klett-Cotta (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783608986365
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Im Roman „Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit“ lässt die britische Autorin ihren Protagonisten Joe im 19. Jahrhundert alternative Zeitgeschichte erleben. Im Original heißt der Roman „The Kingdoms“ und er trifft genau wie der deutsche Titel den Kern der Erzählung. Zum einen steht ein Portal zum Zeitreisen, das sich in der Nähe eines Leuchtturms befindet, im Fokus, andererseits erfasst die englische Bezeichnung die Besonderheit, dass kleine Veränderungen in der Weltgeschichte aufgrund von Ränkespielen sowie Schlachten zu Lande und zur See zu dramatischen Verschiebungen der politischen Situation in den Königreichen von Großbritannien, Frankreich und Spanien führen können. Bei Zeitreisen in beide Richtungen ergeben sich dadurch jedes Mal neue Umstände.

Joe findet sich an einem Morgen des Jahres1898 an einem Londoner Bahnsteig wieder. Er kann sich zwar an seinen Namen erinnern, aber nicht an seine Vergangenheit. Einzig eine Frau mit dem Namen Madeline fällt ihm ein. Sein Gedächtnis wird in einer Klinik untersucht, die eine Suchanzeige für ihn aufgibt. Nach einiger Zeit meldet sich dort ein fein gekleideter Mann, der behauptet sein Herr zu sein. Die ihn begleitende jungen Frau behauptet, mit ihm verheiratet zu sein. Einige Monate später erhält er von seinem Herrn die wohlverdiente Freiheit.

Wenige Zeit danach trifft ein mysteriöser Brief ein, der 93 Jahre vorher bei der Post aufgegeben wurde. Er enthält eine Postkarte mit einem Leuchtturm vor der Küste Schottlands und der Aufforderung, nach Hause zu kommen, wenn er sich erinnert. Der Appell ist mit einem einfachen M unterschrieben. Zwei Jahre später ergreift Joe die Gelegenheit und meldet sich, als ein Techniker zur Reparatur eben jenes Leuchtturms gesucht wird. Bestimmt wird er bald wieder mit Madeline vereint sein, die nach seiner Vermutung seine frühere Geliebte war.

Natasha Pulley zeigt auf faszinierende Weise wie das Verhalten bereits einer einzelnen Person sich auf das große Spiel der Mächtigen auswirken kann. Joe droht sich aufgrund seiner Amnesie selbst zu verlieren. Von Anfang an spürt er eine innere Sehnsucht und obwohl er sich an wenig erinnert, verblasst diese nie. Auch eine glückliche Gegenwart kann ihm nicht sein tiefes Verlangen nehmen. Er macht sich auf die Suche nach dem, was er verloren zu haben scheint und findet sich in einer Umgebung wieder, die ihm fremd ist und sich doch bekannt anfühlt.

Neben der Figur des Joe, der viele Facetten zeigt, glänzt vor allem der Charakter des Kapitäns Missouri Kite. An Bord seines Schiffs lernt Joe dessen Härte gegenüber seiner Mannschaft und die Unwägbarkeiten der See kennen. Während Joe sich entsprechend seiner Rolle, die ihm die weltgeschichtlichen Ereignisse zuweisen, verändert, zeigt Kite seine wechselhaften Seiten in Abhängigkeit von seiner Stellung und seinen Erfahrungen. Natasha Pulleys Frauenfiguren wirken eigenständig, obwohl sie ihrer Zeit entsprechend schlechte Anerkennung finden.

Dank sehr guter Recherche beschreibt die Autorin das Leben an Bord eines Schlachtschiffes vorstellbar mit all ihren Härten, die nicht nur im Kampf bestehen, sondern auch beim Wachdienst, dem Segelsetzen und dem Plankenschrubben auf Hoher See. Es finden sich an Bord weitere interessante Figuren, die durch ihre Entwicklung zu losen Enden in der Geschichte beitragen, die über die Zeiten hinweg zum Ende hin von der Autorin zusammengefügt werden.

„Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit“ ist eine Steampunk-Fantasy von Natasha Pulley, die hierin mit der Möglichkeit der Zeitreise spielt. Sie zeigt, wie heftig das Verlangen sein kann, der Liebe zu folgen, die tief im Inneren verwurzelt ist, und dafür alles zurückzulassen, was inzwischen an Wichtigkeit gewonnen hat. Erst zum Schluss zeigt sich im Rückblick, wie gekonnt die Autorin die einzelnen Aspekte ihrer Geschichte zusammengefügt. Gerne empfehle ich das Buch an alle Fantasy-Lesende mit Interesse an Weltgeschichte weiter. 



Montag, 24. Oktober 2022

Rezension: Die Legenden von Andor - Varkurs Erwachen von Timo Grubing und Jens Baumeister

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Die Legenden von Andor - Varkurs Erwachen
Sript: Jens Baumeister 
Illustration: Timo Gruning
Erscheinungsdatum: 15.10.2022
Verlag: Kosmos (Link zur Buchseite des Verlags)
ISBN: 9783440174951
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„Die Legenden von Andor – Varkurs Erwachen“ ist eine Graphic Novel, die von Jens Baumeister gescriptet und von Timo Gruning illustriert wurde. Die Geschichte ist, wie der Name schon sagt, im Fantasy-Universum von Andor angesiedelt, einer Brettspielwelt, die von Michael Menzel und Stefanie Schmitt erdacht wurde. Kenntnisse des Spiels sind für das Lesen nicht erforderlich. Auf den Buchklappen vorne und hinten sind vier Karten enthalten, die als Erweiterung des Basisspiels gemeinsam eine Legende bilden, die mit dem Andor-Brettspiel gespielt werden kann, das man zu diesem Zweck besitzen sollte.

Varkur ist ein Magier. Die Graphic Novel thematisiert seine Vergangenheit bis zum Erwachen seiner dunklen Kräfte. Eines Tages wird er an der Küste von Andor ohne Erinnerung an seine Vergangenheit von Ranja, einer Fischerin aus dem anliegenden Ort, aufgefunden. Sie kümmert sich um ihn. Einer der Dorfbewohner hat ein Auge auf sie geworfen und wird eifersüchtig. Später wird dieser Mann zum eifrigsten Verfolger von Varkur. Der Magier flieht gemeinsam mit Ranja, um herauszufinden, wer er wirklich ist. Ranja geht aus Neugierde mit, um die Welt von Andor jenseits des Fischerdorfs kennenzulernen. 

Auf dem Reiseweg begegnen ihnen Kreaturen, die Übles im Sinn haben. Varkur kann zur Verteidigung seine Kräfte zeigen, von denen er selbst überrascht ist. Dadurch beginnt er, sich selbst zu hinterfragen.

Beim Lesen entfaltete sich eine spannende Geschichte, bei der Wesen der Andorwelt wie im Brettspiel zur Bedrohung der Bevölkerung werden. Die Illustrationen in schwarz-weiß schaffen eine dunkle Atmosphäre. Durch Flashbacks erfuhr ich mit und mit mehr über die Ereignisse, die dazu führten, dass Varkur nach Andor kam. Ein offenes Ende gibt Spielraum für eine Fortsetzung. Für alle Andor-Fans ist das Buch ein Muss. 


Samstag, 22. Oktober 2022

Rezension: Kat Menschiks und des Psychiaters Doctor Medininae Jakob Hein Illustriertes Kompendium der Psychoaktiven Pflanzen


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Kat Menschiks und des Psychiaters Doctor Medininae Jakob Hein Illustriertes Kompendium der Psychoaktiven Pflanzen
Autor: Jakob Hein
illustriert von Kat Menschik
Hardcover: 112 Seiten
Erschienen am 6. November 2022
Verlag: Galiani Berlin

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Welche Pflanzen sind eigentlich psychoaktiv? Sicherlich fallen jeden gleich einige Klassiker ein wie Tabak, Cannabis und Absinth. In der Welt der Pflanzen kann man aber noch viel entdecken. Im vierzehnten Band der Lieblingsbücher-Reihe von Kat Menschik gibt der Schriftsteller und Psychiater Jakob Hein anhand zahlreicher Beispiele einen Einblick ins Thema.

Der Autor hat aus hunderten psychoaktiven Pflanzen eine subjektive Auswahl getroffen, die er seinen Leser:innen näher bringen will. In neun Kapiteln präsentiert er sowohl die Geschichten von Pflanzen, die allseits für ihre Wirkung bekannt sind als auch Wirkungen von mehr oder weniger bekannten Pflanzen, die mir bis dato nicht bekannt waren. Ich erfuhr beispielsweise mehr über Tabak, Absinth und alkoholische Gärung und lernte, was Coca-Blätter mit Coca Cola in der heutigen Form zu tun haben und was es mit dem "Pepper High" auf sich hat. Die Themenvielfalt ist riesig und reicht von Narkotika über Halluzinogene bis hin zu Aphrodisika.

Im Vorwort erwähnt Jakob Hein, dass er Kat Menschik die Idee des Buchs nach der Veröffentlichung des illustrierten Tierlebens vorgeschlagen hat, welches diese mit Mark Benecke erstellt hat. Das "Pflanzenbuch" enthält viele interessante und überraschende Fakten und war für mich eine kurzweilige Lektüre. Im direkten Vergleich zum "Tierbuch" fand ich es jedoch etwas schwächer. Die Informationen werden recht dicht präsentiert und ich hätte mir noch mehr Storytelling gewünscht, das "Tierbuch" hat letztlich fast doppelt so viel Text.

Kat Menschiks Illustrationen unterscheiden sich in beiden Büchern deutlich, was man gleich sieht, wenn man beide Cover nebeneinander legt. Während sie im "Tierbuch" naturgetreue Illustrationen auf schwarzen Hintergründen präsentiert, ist dieses "Pflanzenbuch" ein bunter Rausch, der von der Farbe pink dominiert wird. Ein Hinweis hinten im Buch gibt an, dass hier mit sechs einzeln angemischten Echtfarben gedruckt wurde. Es gibt viele Illustrationen von Pflanzen, Kat Menschik zeigt aber auch Menschen beim Konsum oder greift Stichwörter wie "Superhelden", "Beatles" oder "betrunkene Affen" auf. Optisch ist dieses Buch wieder ein echtes Highlight, bei dem man gleichzeitig allerlei Wissenswertes aus der Welt der psychoaktiven Pflanzen erfährt.

Dienstag, 18. Oktober 2022

Rezension: Das kleine Bücherdorf - Winterglitzern von Katharina Herzog

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Das kleine Bücherdorf - Winterglitzern
Autorin: Katharina Herzog
Erscheinungsdatum: 18.10.2022
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 978349900947
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Der Untertitel „Winterglitzern“ des Romans „Das kleine Bücherdorf“ von Katharina Herzog und die verschneite Umschlaggestaltung weisen darauf hin, dass die Geschichte in der kalten Jahreszeit spielt. Der Haupthandlungsort Swinton-on-Sea in Schottland ist zwar fiktiv, aber einem real existierenden Dorf nachempfunden.

Als Büchermensch fühlte ich mich hier sehr wohl. Mit dazu beigetragen hat, dass es mehrere Buchhandlungen im Ort gibt, von denen einer von einem der Protagonisten betrieben wird. Auf der vorderen Innenklappe ist eine wunderschöne Illustration von Imke Trostbach zu sehen, die die für die Erzählung wichtigsten Häuser in Swinton in einer schematischen Anordnung zeigt und dadurch eine stimmungsvolle Atmosphäre erzeugte, wann auch immer ich sie anschaute.

In der Geschichte spielen nicht nur Personen eine Hauptrolle, sondern auch das Buch „Alice im Wunderland“. Es erinnert die Protagonistin Vicky an schöne Stunden in ihrer Kindheit. Sie arbeitet in München im Auktionshaus ihres Vaters, der sie damit beauftragt, in Swinton eine Erstausgabe des Buchs anzukaufen, von dessen Existenz sie durch Zufall erfahren haben. Bei Erfolg wird Vicky eine Beförderung erhalten.

Die kostbare Ausgabe gehört dem Buchhändler Graham in dem kleinen schottischen Ort. Es erscheint ihr die beste Lösung zu sein, den ausgeschriebenen Aushilfsjob im Laden von Graham anzunehmen, denn ihr wird klar, dass es ihr nicht auf direktem Weg gelingen kann, das Buch anzukaufen. Aber im Zeitablauf wird es immer schwieriger, ihr berufliches Anliegen zu verschweigen und sich der Sache auf sensible Weise anzunähern, denn bei ihr erwachen zunehmend Gefühle für Graham und seinen kleinen Jungen.

Die Geschichte spielt in der Gegenwart, aber in einigen Szenen erinnerten sich die Dorfbewohner an zurückliegende Begebenheiten, die ihr Leben prägten oder durch die sich ihr Leben maßgeblich geändert hat. Sie sind fast alle sympathisch und bei denjenigen, die weniger liebenswert waren, findet sich für ihr Verhalten eine Erklärung in der Vergangenheit. Die Figuren sind abwechslungsreich gestaltet und haben je ihre eigenen Ecken und Kanten. Vicky gelingt es, über ihren Schatten zu springen und ihr bis dahin im Privatbereich professionelles Auftreten abzulegen. Dadurch erlangt sie den Respekt der Einwohner von Swinton und wird von ihnen in ihren Alltag mit einbezogen. Auch in diesem Roman lässt die Autorin wieder Ereignisse und Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben einfließen, was der Geschichte noch mehr Glaubwürdigkeit verleiht.

Es sind nicht nur die schönen Beschreibungen der Umgebung, in der Vicky in Schottland agiert und die eine atmosphärische Stimmung zum Wohlfühlen trotz der Kälte verursachen. Auch über Aktivitäten im Ort zu lesen, die jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit stattfinden und an dem sich nahezu alle Bewohner beteiligen, fand ich interessant und ansprechend. Bei mir wurde der Wunsch geweckt, selbst nach Swinton zu reisen. Vicky nimmt den Zusammenhalt der Bewohner wahr und die bisherigen Vorstellungen ihres weiteren Lebens geraten ins Wanken. Immer mehr gerät sie in einen Zwiespalt zwischen beruflicher Pflicht und einem Wunsch nach Veränderung, wozu Graham erheblich beiträgt.

Neben vielen schönen Momenten, die Katharina Herzog mir in ihrem Roman „Das kleine Bücherdorf – Winterglitzern“ schenkt, erlebt ich auch manch ernste oder traurige Situation, die mich berührte. Aber die Autorin hat ein Händchen dafür, dem Lesenden nach bewegenden Szenen gleich wieder ein paar geschriebene Sonnenstrahlen zu schicken und ihn aufzuheitern. Gerne empfehle ich den unterhaltsamen Roman, der durch manche unvorhersehbare Wendung überrascht, an alle Leser und Leserinnen von Liebesromanen weiter.

Montag, 17. Oktober 2022

Rezension: Zwischen heute und morgen von Carmen Korn

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Zwischen heute und morgen 
Drei-Städte-Saga 2 von 2
Autorin: Carmen Korn
Erscheinungsdatum: 13.09.2022
Verlag: Kindler (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783463407050
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In ihrem Roman „Zwischen heute und morgen“ schildert Carmen Korn Entwicklungen und Begebenheiten in den fiktiven Familien Canna in San Remo, Aldenhoven in Köln und Borgfeldt in Hamburg jeweils in den 1960er Jahren. Ich habe die Familienmitglieder bereits im Roman „Und die Welt war jung“, dem ersten Band der Dilogie der „Drei-Städte-Saga“, kennengelernt und liebgewonnen. Inzwischen hat auch der Nachwuchs sich im Beruf etabliert und einen Partner oder eine Partnerin gefunden. Einige haben ihrerseits bereits ein Kind oder erwarten eines.

Um an den drei Handlungsorten eine lebendige Geschichte zu gestalten, sind eine Vielzahl an Personen notwendig. Auf den ersten Seiten des Buchs steht ein hilfreiches Personenverzeichnis. Im übersichtlichen Stammbaum konnte ich immer wieder nachschlagen, welche Figur in welcher Beziehung zu den anderen steht. Eine größere Rolle übernimmt Pips, ein Musiker und Freund der Familie, der immer noch schwer an den Misshandlungen trägt, die er im Zweiten Weltkrieg erlitten hat. Es zeigt sich nicht nur bei ihm, dass der Krieg auch jetzt noch seine langen Schatten wirft.

Bar und Blumenhandlung der Protagonisten in Italien florieren genauso wie die Galerie und die Schneiderei der Aldenhovens in Köln, während in Hamburg bereits der Ruhestand in Aussicht steht. Für die Älteren steht die Frage im Raum, ob sie ihr Leben nach ihren Vorstellungen gelebt haben und ob es jetzt noch physisch und psychisch möglich ist, sich ausstehende Wünsche zu erfüllen.

Es war wieder eine schöne Zeitreise für mich. Diesmal habe ich es besonders genossen, weil ich mich an einige Ereignisse zum Ende des Jahrzehnts hin noch aus eigener Erfahrung ein wenig erinnern konnte. Auch diesmal bleibt die Autorin nah an ihren Figuren, die im Wandel der Zeiten sich selbst auch weiterentwickeln. In den Jahren 1960 bis zur Mondlandung 1969 fließen in die Erzählung der Mauerbau, die Sturmflut in Hamburg, die Ermordung J.F. Kennedys, die Studentenbewegung und viele andere weltbewegende Geschehnisse mit ein. Aber auch Kunst, Musik, Film und Literatur kommen nicht zu kurz. Ich erfuhr, welche Gerichte regional typisch auf den Tisch kommen und freute mich über das Kölner Platt, dass die Autorin immer wieder mal einfließen lässt und der Geschichte Lokalkolorit gibt.

Kurze Kapitel, viele Dialoge und eine zeitliche Entwicklung mit mehr oder weniger großen Sprüngen prägen den Schreibstil der Autorin. Durch die Angabe von Jahr, Monat und Tag bei den Textabschnitten wusste ich beim Lesen immer, in welcher Zeit ich mich befinde.

Im Roman „Zwischen heute und morgen“, dem zweiten und abschließenden Band ihrer Drei-Städte-Saga zeigt Carmen Korn ihre Figuren beeinflusst von der Vergangenheit, in der Gegenwart lebend und auf die Zukunft ausgerichtet. Der Roman ist für Carmen Korn-Fans ein Muss und für jeden Lesenden historischer Roman ein interessanter Ausflug in die Vergangenheit der 1960er Jahre. 



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