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Montag, 3. Februar 2025

Rezension: Klapper von Kurt Prödel

 


Rezension: Ingrid Eßer

Titel: Klapper
Autor: Kurt Prödel
Erscheinungsdatum: 30.01.2025
Verlag: park X Ullstein (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783988160249
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In seinem Debütroman „Klapper“ nimmt Kurt Prödel den Lesenden mit in das Jahr 2011, als seine Titelfigur die neue Klassenkameradin Vivi-Marie kennenlernt, die sich „Bär“ nennen lässt. Jahre später, im Frühjahr 2025, sitzt Klapper, der mit bürgerlichem Namen Thomas heißt, vor seinem Rechner. Er möchte den Wert seiner virtuellen Waffen eines Computerspiels überprüfen, das er früher häufig gespielt hat. Dabei fällt ihm das Profilbild einer Mitspielerin auf. Es gehört zum Account von Bär unter dem der Vermerk steht, dass die Gamerin seit mehr als dreizehn Jahren offline ist. Für mich als Leserin stellte sich die Frage, welcher Umstand dazu geführt hat.

Klapper ist ein Außenseiter in seiner Klasse. Er ist ein Nerd, der die gesamten Schulferien in seinem Zimmer vor dem PC verbringt. Seinen Spitznamen verdankt er den deutlich hörbaren Klickgeräuschen seiner Gelenke, was ihn häufig zum Ziel von Spottversen macht. Das ändert sich, als Bär sich im Unterricht neben ihn setzt und sich bei einer Auseinandersetzung mit einem Mitschüler auf seine Seite schlägt.

Mit seinen Eltern wohnt Thomas in einem Neubaugebiet am Rande einer Kleinstadt im Westen Deutschlands. Vivi-Marie hingegen lebt in einer wohlhabenderen Gegend. In ihrem Zimmer unter dem Dach widmet sie sich genauso leidenschaftlich wie Thomas dem Gaming. Sie ist groß und kräftig. Im Vergleich zu Klapper ist sie kommunikationsfreudiger und integriert sich rasch in die Klassengemeinschaft. Sie bemüht sich, ihn aus seiner Zurückgezogenheit herauszuholen.

Die Erzählung wechselt zwischen zwei Zeitebenen, wobei die Gegenwart in nur wenigen Szenen beleuchtet wird. Sowohl Klapper als auch Bär sind gut konstruierte, interessante Hauptfiguren. Bei Vivi-Marie fehlte mir aber manchmal eine genauere Erklärung für ihre Ansichten, wodurch ich ihre Handlungen nicht immer nachvollziehen konnte.

Die Beschreibung des Geschehens erscheint aus dem Leben gegriffen. Fast jeder Lesende, der zu Beginn der 2010er Jahre aufgewachsen ist, kennt vermutlich jemanden wie Klapper. Ich konnte mich gut in ihn und sein Umfeld einfühlen. Am Ende der Geschichte überrascht der Roman mit einer unerwarteten Wendung.

In seinem Roman „Klapper“ erzählt Kurt Prödel von einer Freundschaft zweier Computerfreaks, die dabei sind, sich selbst zu finden. Vor allem der Schluss sorgt dafür, dass die Geschichte nachhallt. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

Mittwoch, 31. Mai 2023

Rezension: Die unglaubliche Grace Adams von Fran Littlewood

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Die unglaubliche Grace Adams
Autorin: Fran Littlewood
Übersetzerin aus dem Englischen: Katharina Naumann
Erscheinungsdatum: 27.04.2023
Verlag: Ullstein (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Broschur mit gestalteten Klappen
ISBN: 9783864932083

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Bereits die erste Szene des Romans „Die unglaubliche Grace Adams“ der Engländerin Fran Littlewood zeigte mir als Leserin, wozu die titelgebende Protagonistin in der Lage ist: mitten im Stau steigt sie aus Frust aus ihrem Auto und lässt es stehen, denn sie hat eine Mission und die kann nicht warten. Es ist der Tag des 16. Geburtstags ihrer Tochter, die nach einem Familienstreit vor kurzem zu ihrem Vater gezogen ist, von dem Grace getrennt lebt. Aus diesem Anlass möchte sie ihr unbedingt gratulieren und ihr eine ganz besondere Torte schenken, die sie noch abholen muss. Sie will ihrem Kind aber auch zeigen, dass sie sie noch liebt, und sie will sie wieder zu sich nach Hause holen.

Für ihr Empfinden benötigt die Bäckereifachverkäuferin viel zu lange, um ein Geschenkband um die Tortenschachtel zu binden. Als ihre Kräfte unterwegs schwinden, besorgt sie sich einen Golfschläger und benutzt ihn als Stütze. Das Titelbild zeigt eine euphorische Grace mit Geschenk und Putter. Die leuchtenden Farben symbolisieren die Hitze des Tages. Der Untertitel „Grace kann alles. Außer ruhig bleiben“ zeigt, dass von der Protagonistin einige spontane, übersteigerte Reaktionen im Roman zu erwarten sind. Ich wurde nicht enttäuscht.

Die Geschichte spielt auf drei Handlungsebenen. Während Grace auf dem Weg zu ihrer Tochter ist, denkt sie an verschiedene Ereignisse zurück. Einerseits erfuhr ich, wie die Hauptfigur mit 28 Jahren ihren Ehemann kennenlernte und was in den darauffolgenden Jahren geschah, andererseits konnte ich verfolgen, was vor vier Monaten zum Zerwürfnis mit ihrem Kind führte. Ich las von dem Sprachtalent der Protagonistin, von heiteren gemeinsamen Momenten mit ihrem Mann, aber auch von ihren Problemen mit seiner Mutter. Aktueller war die Sorge um ihre Tochter, nachdem sie den Tipp erhalten hatte, deren Instagram-Account zu checken. Ihre Kommunikation fand nicht mehr auf einer Ebene statt und war zunehmend gestört. Erst mit dem Aufdecken weiterer Details der Vergangenheit von Grace verstand ich, dass es ein Ereignis gab, über das sie den Mantel des Schweigens gehüllt hat, was zunehmend die Beziehung mit ihrem Mann belastete. Die Rückblenden führen zum Ende hin durch das Einhalten des chronologischen Ablaufs zu kleinen Längen.

Die bunte Umschlaggestaltung covert die Probleme von Grace, die tiefer gehen und berühren. Zunehmend konnte ich ihre Wut und ihre überzogenen Handlungen verstehen über all diejenigen, die versuchten, sie von ihrem Plan abzuhalten. Ich nahm ihre Traurigkeit beim Lesen wahr, ihre Liebe und ihre Verzweiflung, aber auch ihren unnachgiebigen Willen, alles dafür zu geben, um ihr Ziel zu erreichen.

Fran Littlewood sorgt mit ihrem Debüt „Die unglaubliche Grace Adams“ durch manche unvorhersehbare Wendung für eine ansprechende und teils amüsante Unterhaltung. Der Wunsch von Grace, eine gute Mutter zu sein und ihre eigenen Bedürfnisse hintanzustellen führt für die inzwischen Mitte 40-jährige zu einiger Tragik in Bezug darauf, ein selbstbestimmtes Leben zu haben. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für diese emotional einfühlsam erzählte Geschichte.


Samstag, 17. Dezember 2022

Rezension: Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd - Eine bewegte Geschichte von Charlie Mackesy

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und
das Pferd - Eine bewegte Geschichte
Autor: Charlie Mackesy
Übersetzerin aus dem Englischen: Susanne Goga-Klinkenberg
Erscheinungsdatum: 24.11.2022
rezensierte Buchausgabe: Hardcover
ISBN: 9783471360644
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Eine Antwort auf die Frage „Zuhause ist nicht immer ein Ort, oder?“ ist der Antrieb des kleinen Jungen im Buch „Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ sich auf die Suche danach zu begeben, was ein Zuhause wirklich ausmacht. Die Geschichte wurde von dem Briten Charlie Mackesy erdacht und illustriert. Weil das Buch bei den Lesenden und Betrachtenden so gut ankam, hat der Autor und ein Produktionsteam dazu einen Film erstellt. Das nun vorliegende Buch trägt den Untertitel „Eine bewegte Geschichte“ wodurch es Bezug auf den Film nimmt. Die Formen in den Zeichnungen sind gegenüber der ersten Fassung noch weicher, runder und detaillierter, was ich als noch bewegender empfunden habe.

Es ist kalt und es schneit. Ein Junge hat sich verlaufen und findet den Weg nach Hause nicht mehr. Er trifft auf einen Maulwurf, der sich ein Loch an die Oberfläche gegraben hat. Jetzt ist der Junge nicht mehr einsam, denn gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach einer Möglichkeit, sein Zuhause zu finden. Doch zuerst befreien sie einen Fuchs und begegnen einem Pferd. Durch gemeinsame Erlebnisse kommen sie sich näher und entwickeln Verständnis füreinander.

Die zwischen den Freunden gesprochenen Sätze sind einfühlsam, manchmal poetisch und zum Nachdenken auffordernd. Dunklere Bilder und Gedanken wechseln zu hellen Illustrationen, die Hoffnung widerspiegeln. Die Farbgestaltung ist überwiegend in Blau- und Beigetönen sowie Weiß. Es macht Freude, die Zeichnungen zu betrachten. Beispielsweise gibt es beeindruckende Schneelandschaften, einen Sonnenuntergang oder den nächtlichen Himmel, die man auf sich wirken lassen sollte.

Die Freunde machen einander Mut und geben sich gegenseitig Kraft. Sie erleben Angst und teilen Freude miteinander. Dabei verschwinden alle Unterschiede zwischen ihnen und es kommt nur darauf an, dass sie füreinander Zuneigung empfinden. Das Verlangen des Maulwurfs nach Kuchen bringt Humor in die Erzählung. Die Suche führt den Jungen zu der Erkenntnis, dass ein Zuhause nicht an einen Ort gebunden sein muss, sondern auch durch Gefühle gebildet werden kann.

Am Beginn und am Ende des Buchs finden sich Noten einer „Hymn to the Robin“, die von Charlie Mackesy und Isobel Waller-Bridge komponiert wurde. Sie drückt die Stimmungslage des Jungen in den verschiedenen Situationen musikalisch aus.

Diese ergreifende und herzerhellende Geschichte der vier Freunde empfehle ich gerne weiter sowohl an ältere Leser und Leserinnen wie auch an jüngere, die das Buch gemeinsam mit Erwachsenen erkunden sollten.


Freitag, 11. November 2022

Rezension: Ihr könnt doch noch nicht satt sein! von Renate Bergmann

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Ihr könnt doch noch nicht satt sein! Die Online-Omi tischt auf
Autor: Torsten Rohde als Renate Bergmann (Kunstfigur) 
Erscheinungsdatum: 27.10.2022
Verlag: Ullstein (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover
ISBN: 9783471360484 

 


 


„Ihr könnt doch noch nicht satt sein!“ rief Renate Bergmann ganz entsetzt, als sie sah, dass ihre Gäste das Besteck auf ihren leer gegessenen Tellern ablegten und sich zufrieden den Mund mit ihrer Serviette abputzten. Die über Achtzigjährige Berlinerin hatte den Tisch mit einem karierten Tuch gedeckt …

Solch eine Szene stelle ich mir in meiner Fantasie vor, wenn die Mahlzeit beendet ist, die die Kunstfigur Renate Bergmann für andere gekocht hat. Von den Romanen, die der Autor Torsten Rohde unter dem Pseudonym seiner Protagonistin schreibt,  habe ich zwar noch keinen gelesen, aber schon viel von ihnen gehört. Der bestürzte Ausruf Renates ist der Titel eines Koch- und Backbuchs mit dem Untertitel „Die Online-Omi tischt auf“. Ich erwartete, darin bodenständige leckere Rezepte zu finden und wurde nicht enttäuscht.

Den Einband des großformatigen Buchs wurde von ZERO Media im rot-weißen Karo gestaltet. Auf dem Cover ist Renate beim Abschmecken am Herd in ihrer Küche zu sehen. Die Abbildung hat Rudi Hurzlmeier erstellt. Die Innenseiten wurden von Axel Raidt ausgearbeitet. Insgesamt machte das Buch auf mich einen hochwertigen Eindruck.

Gleich zu Beginn konnte ich anhand der Inhaltsangabe die Kategorien sichten und mir aufgrund der aufgelisteten Gerichte einen ersten Überblick verschaffen. Dazu steht bei jedem Kapitel ein anregendes, zum Thema passendes Foto. Im folgenden Vorwort erklärt Renate Bergmann ihr Anliegen, dem Interessierten ihre Hausfrauenküche nach den Rezepten ihrer Oma nahe bringen zu wollen. Daraus lässt sich rückfolgern, dass diese sich seit langem bewährt hat.

Vor jeder Koch- beziehungsweise Backkategorie gibt es eine Einführung mit ersten Tipps und Kniffen und dem Hinweis auf drei folgende Rezepte, die mit Fotos angeteasert werden. Der Anleitungsteil ist appetitanregend gestaltet und fordert zum Nachkochen oder -backen auf. Zu jedem Gericht gibt es ein einseitiges Foto des zubereiteten Rezepts und auf der gegenüberliegenden Seite stehen die Rezeptur mit der Angabe der Personenzahl sowie die Zubereitung. Schön finde ich es, dass die benötigten Zutaten leicht zu besorgen sind. Außerdem ist oberhalb der Bezeichnung der Speise ein Hinweis im Originalton der Online-Oma zu lesen. Auf jeder dieser Seiten steht unten zusätzlich ein Tipp verschiedenen Inhalts, beispielsweise mit der Empfehlung, einen der Inhaltsstoffe auszutauschen oder wie man das Gericht mit einer weiteren Zutat variiert.

Die Anleitung ist leicht verständlich und einfach umzusetzen. Falls der Backofen benötigt wird, ist die Temperatur und die Backzeit angegeben. Ich habe inzwischen den Gemüseauflauf ausprobiert. Das Ergebnis hat meiner Familie nicht nur sehr gut geschmeckt, sondern sah optisch wie im Buch aus. Bratkartoffeln habe ich ebenfalls nach dem Rezept getestet, weil sie anders zubereitet werden, als ich sie sonst mache. Auch dieses Gericht hat uns gemundet. Noch viele weitere Fotos lachen mich beim Blättern im Buch an und ich werde sicher immer wieder dazu greifen und noch einiges nachkochen und -backen.

Es ist verständlich, dass Renate sich darüber freut, wenn ihre Gäste ihre Teller schnell leer gegessen haben und gesättigt nach Hause gehen. Mir macht es viel Freude, die Rezepturen auszuprobieren und daher empfehle ich das Buch gerne weiter.


Sonntag, 25. September 2022

Rezension: Carrie Soto is Back von Taylor Jenkins Reid



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Carrie Soto is Back
Autorin: Taylor Jenkins Reid
Übersetzerin: Babette Schröder
Taschenbuch: 416 Seiten
Erschienen am 1. September 2022
Verlag: Ullstein Taschenbuch

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Carrie Soto hat die Tennis-Szene über ein Jahrzehnt dominiert, indem sie zwischen 1976 und 1987 zwanzig Grand-Slam-Titel im Einzel der Damen gewonnen hat, was vor ihr noch keiner gelungen ist. Doch dann zieht im Jahr 1994 die Spielerin Nicki Chan mit ihr gleich. Daraufhin kündigt Carrie Soto ihr Comeback an: Sie wird in der Saison 1995 alle vier Grand-Slam-Turniere spielen, um erneut die erfolgreichste Tennisspielerin aller Zeiten zu sein. Hat sie, die von den Medien nur "Die Kampfmaschine" genannt wird, mit ihren 37 Jahren eine Chance, ihr Ziel zu erreichen?

Das Buch beginnt mit dem Gewinn des zwanzigsten Grand-Slam-Tiels für Nicki Chan, den Carrie gemeinsam mit ihrem Vater live im Stadion miterlebt. Ihres Empfindens nach hat Nicki ihr damit alles weggenommen, wofür sie je gearbeitet hat. Sie ist wild entschlossen, es mit einem Comeback zu versuchen, auch wenn sie weiß, dass dieses fürchterlich schief gehen kann. Würde sie ihr Ziel erreichen, wäre sie nicht nur wieder die Spielerin mit den meisten Grand-Slam-Titeln, sondern auch die älteste, die je ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat.

Im folgenden wird auf rund 70 Seiten Carries bisherige Tenniskarriere in zügigem Tempo zusammengefasst: Von den ersten Anfängen mit ihrem Vater als Trainer und dem Spiel, das ihr den Spitznamen "Die Kampfmaschine" einbrachte über zahlreiche Siege bis hin zu ihrem verletzungsbedingtes Karriereende 1989. Ich lernte Carrie als extrem ehrgeizige Person kennen, die keine Freundschaften sucht und nicht versucht, zu gefallen. Mir hat es gefallen, dass die Autorin eine Protagonistin abseits des "Beliebte Sportlerin"-Klischees geschaffen hat, die sich nicht darum schert, was andere über sie denken. Das heißt allerdings nicht, dass ich Carries Entscheidungen alle gutgeheißen habe, denn diese sind tatsächlich oft rücksichtslos und egozentrisch.

Mir hat es Spaß gemacht, mit Carrie mitzufiebern, ob sie ihr Ziel erreichen wird. In den Kapitelüberschriften läuft meist ein Countdown bis zum nächsten Grand-Slam-Turnier und ich begleitete Carries Vorbereitungen und die einzelnen Spiele. Ich selbst habe wenig Ahnung von Tennis, was meine Lesefreude aber nicht trübte, da das Tempo hoch ist und die Beschreibungen der technischen Feinheiten des Spiels zwar vorhanden sind, eher kurz ausfallen. Schön fand ich, dass es stets nicht nur um das Tennisspiel an sich geht, sondern Carries Beziehungen zu ihr nahestendenden Personen wie ihrem Vater und ihrem Trainingspartner Bowe Huntley beleuchtet werden sowie ihr schwieriges Verhältnis zu den Medien und anderen Spielerinnen. Carrie macht eine emotionale Entwicklung durch, die ich gerne beobachtet habe. 

Taylor Jenkins Reid ist es mit "Carrie Soto s Back" erneut gelungen, einen fiktiven Charakter auf fesselnde Weise in das Rampenlicht eines realistischen Settings zu setzen. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass sie über jede beliebige Sportart hätte schreiben können, sie hätte mich so oder so gehabt. Entsprechend empfehle ich das Buch sehr gerne weiter, ganz unabhängig davon, ob ihr begeisterte Tennis-Fans seid oder nicht!

Montag, 15. August 2022

Rezension: Findelmädchen - Aufbruch ins Glück von Lilly Bernstein

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Findelmädchen
Autorin: Lilly Bernstein
Erscheinungsdatum: 28.07.2022
Verlag: Ullstein (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch 
ISBN: 9783548065687
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Der historische Roman „Findelmädchen“ von Lilly Bernstein brachte mich zeitlich gesehen zurück in die 1950er Jahre. Das Cover zeigt im Hintergrund den Kölner Dom. In dieser Stadt am Rhein erwartet der leibliche Vater der 15 Jahre alten Helga nach der Rückkehr aus seiner Kriegsgefangenschaft seine Tochter und seinen Sohn Jürgen. Was zunächst für die beiden Kinder, wie es im Untertitel heißt, ein „Aufbruch ins Glück“ sein könnte, erweist sich vor allem für Helga als steiniger Weg.

Helga und Jürgen können sich kaum an die Zeit kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern: sie wussten nicht, wo ihre Eltern sind. Mit anderen elternlosen Kindern lebten sie in Köln in schlimmen Verhältnissen. Eines Tages findet ein französisches Paar dort ihren Sohn wieder, einen Freund der Geschwister. Das Paar nimmt Helga und Jürgen mit in die Heimat und behandelt sie wie eigene Kinder.

Viele Jahre später erreicht die beiden eine positive Antwort auf eine Suchanfrage ihres Pflegevaters nach ihrem leiblichen Vater. Beide freuen sich auf die Heimkehr nach Köln. Helgas Vater meldet seine Tochter auf der Hauswirtschaftsschule an. Zur Ausbildung gehört auch ein Praktikum, das Helga im Waisenhaus absolviert. Es erschreckt sie, wie die Kinder dort behandelt werden. Besonders Bärbel, ein Kind mit etwas dunklerer Hautfarbe, wird häufig schikaniert. Helga versucht es zu schützen, und verzweifelt fast an ihrer eigenen Machtlosigkeit. Auch in Sachen Liebe fühlt sie sich zuweilen hilflos.

Lilly Bernstein thematisiert in ihrem Roman die Verhältnisse im Kinderheim in den 1950ern. Seit einer eigenen Reportage vor einigen Jahren beschäftigt sie sich immer wieder damit. Sie hat Gespräche mit Betroffenen geführt und erzählt darüber in bewegender Weise. Trotz der Gängelung erwähnt sie aber auch, dass Kinder manchmal das Leben im Waisenhaus gerne mochten, weil es für sie die beste Alternative war.

Im Roman werden die Ansichten der 1950er über Erziehung deutlich, sich von den heutigen unterscheiden und die auch erkennbar sind in der Entscheidung des Vaters, Helga den Besuch des Gymnasiums zu verweigern. Damals hielt man eine Ausbildung für Frauen oft für überflüssig, weil sie nach ihrer Heirat keiner Arbeit nachgehen, sondern sich ausschließlich um den Haushalt kümmern sollte. So sah es das Gesetz vor.

Berührend ist auch das Schicksal von Bärbel, einem sogenannten „Brown Baby“, also ein von einer deutschen Mutter geborenes Besatzungskind mit afroamerikanischem Vater, für die besondere Regelungen vom Staat getroffen wurden. Auf verschiedene Weise versteht es die Autorin, tagesaktuelle Nachrichten in das Geschehen einzubringen. Über eine Freundin der Familie, die eine Milchbar betreibt, bindet Lilly Bernstein dank einer Musikbox auch damals bekannte Songs in die Geschichte ein. Unwichtige Details in Handlungssträngen lässt sie bisweilen weg.

Helga ist hilfsbereit, anpassungsfähig, wissbegierig und arbeitet so wie ihr Vater und ihr Bruder viele Stunden am Tag. Für Freizeit bleibt kaum Spielraum, wenn, dann meist am Sonntag. In der Vergangenheit von Helgas Eltern gibt es ein Geheimnis, das der Vater lange zu verbergen weiß. Die Familienmitglieder untereinander schweigen sich häufig aus, dadurch unterbleibt ein offener Umgang miteinander, wie es früher häufiger vorkam. Dank eines dramaturgischen Kniffs konnte ich als Leserin fortlaufend bis zum Ende des Romans mehr über das Schicksal der Mutter von Helga und Jürgen erfahren.

Im Roman „Findelmädchen – Aufbruch ins Glück“ belebt Lilly Bernstein aka Lioba Werrelmann den Zeitgeist der 1950er Jahre. Für ihre 15-jährige Protagonistin bedeutet die Heimkehr aus Frankreich nach Köln, die Vorbereitung auf ein selbstbestimmtes Leben. Dafür riskiert sie einiges und setzt sich, trotz möglicher Konsequenzen für sie selbst, für andere ein. Mit der Zeit erwacht in ihr die Sehnsucht nach Liebe und Vertrauen. Es ist erschütternd darüber zu lesen, dass die Konventionen und Regeln nicht immer im Sinne der Hauptfigur zum Tragen kommen. Gerne empfehle ich das Buch weiter.


Montag, 11. April 2022

Rezension: Der Papierpalast von Miranda Cowley Heller

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Der Papierpalast
Autorin: Miranda Cowley Heller
Übersetzerin aus dem amerikanischen Englisch: Susanne Höbel
Erscheinungsdatum: 31.03.2022
Verlag: Ullstein (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783550201370

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Der Roman „Der Papierpalast“ von Miranda Cowley Heller nimmt den Lesenden mit zu einem heißen Tag in den Back Woods auf Cape Code in Massachuttes. Hier besitzt die Familie der Protagonistin und Ich-Erzählerin Eleanor Biishop, kurz Elle genannt, eine Sommerunterkunft. Liebevoll wie auch sarkastisch bezeichnen sie diese als Papierpalast, weil Elles Großvater die Innenräume aufgrund seiner finanziellen Lage mit Platten aus Presspappe ausgekleidet hat.

Die Geschichte verwebt zwei Handlungsebenen miteinander. Einerseits erzählt Elle in der Gegenwart von einem ersten Augusttag, der sie zu einer wichtigen Entscheidung in ihrem Leben treibt, denn am Vorabend ist etwas Bedeutsames für sie geschehen. Andererseits schaut sie zurück in die Vergangenheit. Seit ihrer Jugend trägt sie ein Geheimnis mit sich, dass sie bis heute nur mit ihrem besten Freund Jonas teilt. Die Frage, ob sie ihr Leben so weiterleben soll wie bisher oder mutig genug für einen Neuanfang ist, umspannt den ganzen Roman. Sowohl das, was sich früher ereignet hat wie auch die aktuellen Geschehnisse tragen zu ihrem letztendlichen Entschluss bei.

Elle ist Anfang 50, verheiratet und Mutter von drei Kindern. An diesem besonderen Tag in Back Woods ist nicht nur ihr Mann Peter anwesend, sondern auch Jonas, dessen Mutter ein Haus in der Nachbarschaft besitzt. Elle ist älter als der Freund ihrer Kindheitstag und damals waren sie ein ungleiches Gespann. Ihre Eltern sind geschieden und sowohl Mutter wie auch Vater hatten später neue Partner mit denen Elle und ihre drei Jahre ältere Schwester sich arrangieren mussten. Die neuen Beziehungspersonen hatten manchmal selbst Kinder. Argwöhnisch betrachteten die Geschwister die neuen Familienkonstellationen, immer mit der Befürchtung in Sachen Liebe und Zuneigung ihrer Eltern selbst zu kurz zu kommen.

Peter steht für Elle für Beständigkeit. Er hat für seine Familie ein Heim geschaffen. Mit ihm teilt sie eine Liebe, die ihr über manche Trauer hinweggeholfen hat. In unangenehmen Situationen gibt er ihr Rat und Hilfe. Über die Jahre hinweg hat er aber nie ihr uneingeschränktes Vertrauen erhalten, denn Elle hat ihm nicht von ihrem Geheimnis erzählt. An diesem ersten Tag im August fühlt die Protagonistin sich zerrissen von der anstehenden Entscheidung, denn ihr sind die Konsequenzen ihres Tuns bewusst.

Miranda Cowley Heller betet ihre Geschichte in eine landschaftlich bemerkenswerte Gegend ein. Durch die wechselnden Beziehungen der Eltern kommt es zu einer steigenden Anzahl handelnder Personen. Es erforderte meine Aufmerksamkeit als Leserin, ihren einzelnen Background über die wechselnden Rückblicke hinweg zu verfolgen, denn nicht immer verläuft die Zeitachse in der Vergangenheit chronologisch. Die Autorin beschreibt das Empfinden von Elle empathisch und berührend. Der Lesende sollte sich auf offene Beschreibungen mancher Szenen mit Gewaltanwendung einstellen.

Der Roman „Der Papierpalast“ von Miranda Cowley Heller nimmt einen heißen Sommertag, der zu einer wichtigen Entscheidung im Leben der Hauptfigur Eleanor Bishop führen wird, in den Fokus. Hinter der Fassade einer intakten Ehe steht ein großes Geheimnis, das die Protagonistin nur mit ihrem Jugendfreund teilt mit dem sie immer noch in Kontakt steht. Die Geschichte ist dramatisch, freimütig und berührend. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung. 


Mittwoch, 6. April 2022

Rezension: Die sieben Männer der Evelyn Hugo von Taylor Jenkins Reid

 


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Die sieben Männer der Evelyn Hugo
Autorin: Taylor Jenkins Reid
Übersetzerin: Babette Schröder
Taschenbuch: 464 Seiten
Erschienen am 31. März 2022
Verlag: Ullstein Taschenbuch

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Evelyn Hugo war von den 1950er bis in die 1980er Jahre hinein eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen Hollywoods. Neben ihren Filmerfolgen ist der Öffentlichkeit vor allem im Gedächtnis geblieben, dass sie insgesamt sieben Mal verheiratet war. Inzwischen sind all diese Männer tot und die neunundsiebzigjährige Evelyn führt seit Jahren ein zurückgezogenes Leben. Nun bittet sie die ambitionierte, aber bislang nicht sonderlich erfolgreiche Journalistin Monique, ihre Biographie zu schreiben, in der die Welt die ganze Wahrheit über ihr Leben erfährt. Warum sie sich ausgerechnet für Monique entschieden hat, will sie zunächst nicht verraten. Evelyn nimmt sie mit auf eine Erinnerungsreise in die Vergangenheit, die Überraschendes ans Licht bringt.

Zu Beginn des Buches ist ein Zeitungsartikel abgedruckt, welcher ankündigt, dass die Filmlegende Evelyn Hugo einige ihrer Kleider für wohltätige Zwecke versteigern will. Monique, aus deren Sicht die Geschichte in der Gegenwart geschrieben ist, ist selbst überrascht, als ausgerechnet sie für ein Interview mit Evelyn angefordert wird. Die Macher der Zeitschrift, für die sie arbeitet, hätten lieber jemand anderen geschicht, doch Evelyn will Monique und niemand anderen. Bei ihrem ersten Treffen enthüllt sie, dass es nicht um ein Interview zur Versteigerung geht, sondern um eine Biographie über ihr Leben. Diese dürfe Monique nach Evelyns Tod veröffentlichen und das Geld aus dem erwarteten Millionendeal behalten. Moniques Fragen zum wieso und wie lange werden von Evelyn nicht beantwortet. Stattdessen tauchte ich mit den beiden nach 50 Seiten in die 1950er Jahre in Hollywood ein.

Der Rest der Geschichte besteht hauptsächlich aus Rückblicken, in denen Evelyn ihre Lebensgeschichte erzählt und die aus sieben Teilen bestehen, die nach dem jeweiligen Ehemann benannt sind. Diese werden gelegentlich zum einen von abgedruckten Zeitungsartikeln unterbrochen, die wiederspiegeln, was in jener Zeit über Evelyn erzählt wurde. Mal werden Dinge aufgedeckt, die geheim bleiben sollten und die Beteiligten zum Handeln zwingen, mal wird die Presse gezielt mit Falschinformationen gefüttert. Zum anderen kehrt man immer wieder kurz in die Gegenwart zurück, in der Monique das Gehörte reflektiert und Rückfragen stellt.

Schon im zweiten Kapitel wird von Monique auf einer einzigen Seite zusammengefasst, was ihre Internetrecherche zum Leben von Evelyn Hugo ergeben hat. Wer meint, damit das Wichtigste zu wissen, der irrt gewaltig. Evelyns Erzählung bringt allerlei überraschende Wahrheiten ans Licht. Zu Beginn ihrer Karriere ist sie zu beinahe allem bereit, um einen Durchbruch zu erzielen. Später geht es darum, der Öffentlichkeit eine erfundene Version von ihr zu zeigen, die ihren Erfolg sichert und mit ihrem wahren Ich wenig zu tun hat. Ich begleitete Evelyn durch zahlreiche Höhen und Tiefen. Sie trifft folgenschwere Entscheidungen, sie lügt und manipuliert, um sich zu schützen und die, die sie liebt. Dabei macht sie im Dialog mit Monique deutlich, dass sie nichts davon bereut und die ungeschönte Wahrheit ans Licht kommen kann, wenn alle Beteiligten und schließlich auch sie selbst verstorben sind.

Ich fand die Lektüre sehr fesselnd und bin nur so durch die Seiten geflogen. Die Einblicke in ein Leben aus Glanz und Glamour waren interessant. Gleichzeitig wurde mir bewusst gemacht, wie hoch der Preis ist, den sie dafür zahlen musste. Die Abhängigkeit von den Mächtigen der Filmbranche, die gnadenlosen Schlagzeilen in den Medien, Erfolgsdruck und ein ständiges Zurückstellen der eigenen Wünsche. Erst ganz zum Schluss werden die eingangs von Monique gestellten Fragen beantwortet und sorgten für einen emotionalen Abschluss. Ich gebe eine große Leseempfehlung: Lasst Euch von Evelyn mit ins historische Hollywood nehmen!

Dienstag, 11. Januar 2022

Rezension: Zum Paradies von Hanya Yanagihara

 


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Zum Paradies
Autorin: Hanya Yanagihara
Übersetzer: Stephan Kleiner
Hardcover: 896 Seiten
Erschienen am 11. Januar 2022
Verlag: Claassen

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In „Zum Paradies“ nahm Hanya Yanagihara mich mit in die Jahre 1893, 1993 und 2093 - drei gänzlich unterschiedliche Jahrhunderte, die gleichzeitig auch drei ganz unterschiedlichen Welten angehören.

Im Jahr 1893 gehört New York zu den Freistaaten, in denen man im Gegensatz zu den Kolonien heiraten kann, wen man will. David Bingham entstammt einer reichen, angesehenen Familie und hat seinen Großvater, mit dem er in einem Haus am Washington Square lebt, gebeten, eine Ehe für ihn zu arrangieren. Der deutlich ältere Charles Griffith ist der erste Kandidat, der Davids Sympathien gewinnen kann. Doch dann lernt David den mittellosen Edward Bishop kennen. Eine Ehe so weit unter Stand würde sein Großvater niemals gutheißen, sodass David in ein Dilemma gerät.

Auch im Jahr 1993 lernte ich einen David Bingham kennen. Dieser führt eine Beziehung mit Charles Griffith, der in einem Haus am Washington Square lebt. In der Gegenwart von Charles’ reichen Freunden fühlt er sich oft wie ein Fremdkörper. Wie viele seiner Freunde leidet Charles außerdem unter einer nicht benannten Krankheit, bei der es sich vermutlich um AIDS oder - da wir uns in einer Welt befinden, die nicht ganz die unsere ist - etwas ganz ähnliches handelt. Charles’ Ex-Freund Peter hingegen ist an Krebs erkrankt und verbringt einen letzten Abend in der Gesellschaft seiner Freunde, bevor er in der Schweiz aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen wird. Außerdem hat David einen Brief seines Vaters bekommen, in dem dieser ihm seine Lebensgeschichte erzählt.

In der Welt des Jahres 2093 lebt Charlie mit ihrem Ehemann in einer von acht Parteien im Haus am Washington Square, in dem sie als Kind allein mit ihrem Großvater lebte. Zahlreiche Krankheiten, Katastrophen und der Klimawandel haben in den letzten Jahrzehnten gewütet und das gesellschaftliche Leben in New York hat sich stark verändert. Alles ist stark reglementiert und es herrscht Ressourcenknappheit. In Briefen, die ein Charles Griffith von 2043 bis 2088 an einen Peter schreibt, erfuhr ich einiges darüber, wie es so weit kommen konnte.

Die offensichtlichste Gemeinsamkeit aller drei Teile sind die sich wiederholenden Namen, wobei sich die gleichnamigen Charaktere in Sachen Herkunft und Persönlichkeit sehr unterscheiden. Das Haus am Washington Square spielt immer wieder eine Rolle und es gibt viele Themen und Motive, die in den verschiedenen Geschichten immer wieder auftauchen. Diese verbindenden Elemente halten die drei ansonsten völlig unterschiedlichen Geschichten zusammen.

„Zum Paradies“ nimmt familiäre Strukturen und Spannungen unter die Lupe, erwiderte und unerwiderte Liebe und Fragen der Abstammung, des Standes des eigenen Vermächtnisses. Die gesellschaftlichen Strukturen der drei unterschiedlichen Welten erschließen sich beim Lesen schrittweise und vieles wird nur angedeutet. Die Charaktere lassen häufig ihre Gedanken schweifen, reflektieren ihr Leben und ihre Lebensgeschichte.

Für mich zog sich das Buch an vielen Stellen in die Länge und es passierte nicht genug, um meine Neugier über so viele Seiten zu erhalten. Gleichzeitig fiel es mir schwer, zu den Charakteren im Zentrum der jeweiligen Geschichten eine Verbindung aufzubauen. Erst der dritte Teil, der etwa auf der Hälte des Buches beginnt, konnte mein Interesse wieder wecken. Das hier beschriebene, dystopische Szenario stimmt vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie nachdenklich im Hinblick auf die Frage, wie viele Parallelen es wohl zu unserer Welt im Jahr 2093 geben wird. Die Ideen der Autorin hinsichtlich des Aufbaus des Buches und der von ihr aufgegriffenen Themen und Motive haben mir gefallen, die Umsetzung konnte mich jedoch nur mäßig überzeugen.

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