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Sonntag, 13. September 2026

Rezension: Der geheime Apfelgarten - Getrennte Welten von Rebeka Eder

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Der geheime Apfelgarten - Getrennte Welten
Autorin: Rebekka Eder
Erscheinungsdatum: 14.08.2026
Verlag: Rowohlt
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch mit Klappen
ISBN. 9783499017049
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Rebekka Eder alias Rebekka Frank hat die Roman-Dilogie „Der geheime Apfelgarten“ als Hommage an das Buch „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett geschrieben, welches sie als Kind gelesen und geliebt hat. Zwar greift sie die Idee der verborgenen Obstanlage dieser Geschichte auf, aber ansonsten ist selbstverständlich vieles anders: andere Figurenkonstellationen, ein anderer Handlungsort und andere Handlungszeit.

Angesiedelt hat die Autorin ihre Erzählung auf der ehemaligen Elbinsel Finkenwerder, die zu Beginn der Handlung im Jahr 1887 im Norden zu Hamburg und im Südteil zu Preußen gehörte. Diese besondere politische Situation fand ich sehr interessant. Die Landesgrenze spielte für die Inselbewohner im Alltag kaum eine Rolle. Jedoch sind die Besitzer der größten Ländereien miteinander zerstritten und die Hamburger Familie Rentfeld und die preußische Familie Loop achten streng darauf, dass ihr Besitz nicht von der jeweils anderen Seite überschritten wird.

Kea Loop ist fünfzehn Jahre alt und kümmert sich seit geraumer Zeit heimlich um den Apfelgarten ihrer verstorbenen Mutter. Warum diese gestorben ist und weshalb Keas Vater den Garten danach sich selbst überlassen hat, bleibt zunächst ein Geheimnis und verleiht der Geschichte eine hintergründige Spannung. Endlich ist es Kea gelungen, einen Apfel zu züchten, der sie an die Lieblingssorte ihrer Mutter erinnert. Durch Zufall hat sich der Baum jedoch im Garten der Rentfelds entwickelt. Kea scheut sich nicht, die Grenze zu übersteigen, wird dabei aber von Kristen Focke beobachtet, einem Knecht des Hofes auf der Hamburger Inselseite. Zunächst befürchtet sie Schwierigkeiten, stattdessen springt mehr als ein Funke der Begeisterung für den Garten und den Apfel auf Kristen über.

Aus der ersten Begegnung entwickelt sich eine zunächst etwas sentimental geschilderte, wohl dem jungen Alter der beiden geschuldete Liebegeschichte, die nicht nur die verschiedenen Landeszugehörigkeiten überwindet, sondern auch die Standesunterschiede zwischen ihnen. Doch das Schicksal hat in den folgenden fünf Jahre andere Pläne mit Kea und Kristen. Erst 1892 begegnen sich die beiden wieder, gerade als auf Finkenwerder die Cholera ausbricht. Beide haben in gewissem Maße Verantwortung für ihnen nahestehende Menschen übernommen und hadern mit dem aktuellen Erlass, dass der Grenzübertritt bei Todesstrafe verboten ist.

Neben der im Vordergrund stehenden Romanze mit Höhen und Tiefen vermittelt Rebekka Eder in „Der geheime Apfelgarten – Getrennte Welten“ einen anschaulichen Eindruck von den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit, lässt historische Fakten einfließen und gibt Einblicke in den Apfelanbau. Die Hommage an Frances Hodgson Burnetts „Der geheime Garten“ ist dabei erkennbar, auch wenn die Geschichte für mich noch nicht ganz an das große Vorbild heranreicht. Die zahlreichen offenen Fragen am Ende machen jedoch neugierig auf die Fortsetzung. Vielleicht rückt die Geschichte im zweiten Band noch näher an die bezaubernde Atmosphäre des Vorbilds heran. Gerne empfehle ich das Buch weiter,

Freitag, 31. Juli 2026

Rezension: Dabei waren wir uns immer so nah von Jette Kötschau


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Dabei waren wir uns immer so nah
Autorin: Jette Kötschau
Erscheinungsdatum: 17.07.2026
Verlag: Rowohlt Kindler (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783463000893

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In ihrem Debütroman „Dabei waren wir uns immer so nah“ beschäftigt sich Jette Koetschau mit der Frage, wie sich Freundschaften im Zeitverlauf verändern können. Die drei Protagonistinnen Henri, Merle und Katharina haben sich während ihres Studiums kennengelernt. Im Laufe der Jahre ist ihr Vertrauen zueinander gewachsen. Sie wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können und von den anderen mit all ihren Eigenarten und Stimmungen, frei von Vorwürfen, ernst genommen und akzeptiert zu werden. Doch nachdem sie die Dreißig überschritten haben, zeigt sich zunehmend, dass jede von ihnen einen anderen Lebensentwurf verfolgt. 

Merle ist inzwischen verheiratet und Mutter eines kleinen Kindes. Während ihr Mann neben seiner Arbeit den gemeinsamen Hausbau vorantreibt, bleibt die Verantwortung für die Kinderbetreuung überwiegend an ihr hängen. Der bevorstehende Umzug aus der Stadt aufs Land erfüllt sie nicht nur mit Vorfreude, sondern auch mit Unsicherheit, weil sie sich schon jetzt häufig alleingelassen fühlt.

Von Katharina wird Merle um ihr Familienglück beneidet, denn sie wünscht sich seit längerer Zeit ein Kind mit ihrem Partner. Für sie ist es immer wieder schmerzlich, wenn jemand aus ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis eine Schwangerschaft verkündet. Um mit ihrer Frustration umgehen zu können, hat sie sich ein bestimmtes Verhaltensmuster angeeignet.

Henri hingegen ist nicht bereit für längere Beziehungen. Sie ist die kontaktfreudigste der Freundinnen und immer bereit zuzuhören und gute Ratschläge zu geben. Gleichzeitig belastet sie das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter. Ihr Traum ist es, sich beruflich selbständig zu machen. Als ihre Großmutter schwer erkrankt, stellt sie sich der Herausforderung, sich mit ihrer Mutter gemeinsam um sie zu kümmern.

Jede der drei Frauen kämpft mit ihren persönlichen Herausforderungen. In ruhigen Momenten wird ihnen jedoch bewusst, wie sehr sie die gemeinsamen Treffen, den regelmäßigen Austausch über ihre Gedanken und Gefühle, aber auch die persönliche Nähe vermissen.

Die Autorin greift Themen auf, die viele Frauen unmittelbar betreffen. Die feinfühligen, ruhigen Beschreibungen des Alltags ihrer Protagonistinnen wirken authentisch, so dass man sich gut in die Lage der Frauen hineinversetzen kann. Es kommt zum Ausdruck, dass sich das Leben nicht detailliert planen lässt und unvorhergesehene Entwicklungen alles verändern können. Obwohl sich Merle, Katharina und Henri in einer Situation befinden, in der sie Zuspruch aus ihrem Umfeld bekommen, ist ihnen bewusst, dass sie an einem Punkt sind, an dem sie selbst eine Veränderung herbeiführen sollten.

In ihrem Roman „Dabei waren wir uns immer so nah“ erzählt Jette Kötschau mit Feingefühl von den Herausforderungen im Erwachsenenleben jenseits der Dreißig und davon, ob lange bestehende Freundschaften trotz persönlicher Veränderungen Bestand haben können. Lebensnahe Figurengestaltung mit realistischen Gefühlen in emotionalen Situationen zeichnen die Geschichte aus, die ich gerne weiterempfehle.

Freitag, 19. Juni 2026

Rezension: Der Tag war schön und ich dachte an dich von Sofia Montrone

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Der Tag war schön und ich dachte an dich
Autorin: Sofia Montrone
Übersetzerin: Eva Bonné
Erscheinungsdatum: 19.06.2026
Verlag: Rowohlt (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783498007751

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„Der Tag war schön und ich dachte an dich“ ist das Debüt der in Kalifornien lebenden Autorin Sofia Montrone. Der Roman erzählt die Geschichte der in Manhattan lebenden Leo und ihrer Familie, die ihre Sommer im Norden Italiens verbringt. Dort, in der Lombardei, führt Nonna Tina, die Mutter von Leos Mutter, seit vielen Jahren ein Hotel.

Im Sommer des Jahres 2010 ist Leo zehn Jahren alt. Sie hilft ihrer betagten Großmutter tatkräftig beim Bettenmachen und Reinigen der Zimmer und unterstützt sie auch hier und da, wo es gerade nötig ist. Durch die Spuren jeder Art, die die Gäste im Hotel hinterlassen, beginnt sie darüber nachzudenken, welches Leben diese Menschen wohl in ihrer Heimat führen mögen. Währenddessen verbringt ihre chronisch erschöpfte Mutter die meiste Zeit im Bett. Mit Max ihrem ein Jahr jüngeren Bruder hat sie stets einen Spielgefährten zur Seite. Beide lauschen gerne dem Mythos der „Odyssee“, die ihr Vater, der gerne Trost im Alkohol sucht, ihnen stückweise erzählt. Leo sieht in der Figur des Odysseus Parallelen zu ihrem Vater, der auf der Suche nach Halt im Leben zu sein scheint und dabei seine Familie zurücklässt.

In einem zweiten Erzählabschnitt ist Leo achtzehn Jahre alt und verbringt den heißen Sommer erneut bei ihrer Großmutter im Hotel. Doch ein Unfall hat in den vergangenen Jahre ihre Familie verändert. Leo bandelt halbherzig mit einem Jungen im Dorf an. Als die fast gleichaltrige Amerikanerin Dolores, die eine nahegelegene Geigenbauschule besucht, eine Aushilfsstelle im Hotel annimmt, wirbelt sie Leos Gefühlswelt durcheinander. Für sie scheint nun die Zeit gekommen zu sein, sich mit ihrer nahen Zukunft auseinanderzusetzen. Dabei bleibt die Beschreibung der Beziehung eher im Hintergrund. Der Titel nimmt Anspielung auf Leos Überlegung, zukünftig alles Schöne, das sie sieht, mit Erinnerungen an ihre große Liebe zu verknüpfen.

Sofia Montrone erzählt diese sanft fließende Geschichte in einem sprachgewandten, poetischen Stil. Bei den Handlungen von Leo schaut sie genau hin und lässt ihre Protagonistin im Verlauf der Handlung eine Vielzahl an Gefühle durchleben, von Ekel bis Wohlbehagen, von Wut bis Gelassenheit. Angst, Neugier, Liebe und Trauer begleiten die Romanhandlung. Die Spiele der Weltmeisterschaften reizen die Emotionen der Personen im Umfeld Leos, die in der Phase ihres Coming-of-Age versucht, ihre Erfahrungen einzuordnen und für sich verständlich zu machen. Die Autorin verwendet eine auktoriale Erzählperspektive, wodurch für mich allerdings eine gewisse Distanz zu Leo blieb.

In ihrem Debütroman „Der Tag war schön und ich dachte an dich“ verbindet Sofia Montrone abwechslungsreiche Stimmungsbilder und familiäre Konflikte mit einer feinfühlig erzählten Liebesgeschichte. Der sprachlich feine Schreibstil verleiht dem Roman eine besondere Atmosphäre und trägt auch über ruhigere Passagen hinweg.

Sonntag, 7. Juni 2026

Rezension: Eine Liebe ohne Sommer von Timothy Paul

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Eine Liebe ohne Sommer
Autor: Timothy Paul
Erscheinungsdatum: 15.05.2026
Verlag: Rowohlt Polaris (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover
ISBN: 9783449017568
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Die Liebe von Rosa erlebt, wie bereits der Romantitel „Eine Liebe ohne Sommer“ andeutet, keine warme Jahreszeit, weil ihr geliebter Nikolas an einem kalten Wintertag bei einem Unfall ums Leben kommt. Im Buch von Timothy Paul begegnen sich die beiden durch Zufall auf der Treppe des Hauses, in dem sowohl Rosa als auch die Mutter von Nikolas wohnen. Es bleiben ihnen nur wenige Wochen, um einander besser kennenzulernen, bevor das gemeinsame Glück jäh endet.

Rosa ist 35 Jahre alt und seit drei Jahren Single. Von Beruf ist sie Redakteurin und Ghostwriterin. Sie kann kaum glauben, dass der gutaussehende Nikolas sich für sie interessiert. Obwohl sie sich von Beginn an zu dem charmanten, aber risikofreudigen Mann hingezogen fühlt, erfährt sie von ihm wenig über sich und seine Freunde, von denen er ihr nie jemanden vorstellt. Nach seinem Tod bleiben daher zahlreiche Fragen offen, sodass Rosa das Gefühl hat, den von ihr geliebten Mann nie wirklich gekannt zu haben. Um Antworten zu finden, sucht sie bewusst den Kontakt zu seinen Freunden und Weggefährten. Gespräche mit ihnen sollen ihr Einblicke in sein Leben zu ermöglichen.

Die Geschichte wird von Rosa aus der Ich-Perspektive erzählt, die nicht nur in der Gegenwart spielt, sondern auch Rückblicke auf die kurze Beziehung gewährt. Für zusätzliche Abwechslung Sorgen Auszüge aus Rosas Notizbuch sowie der Verlauf von WhatsApp Chats. Gleich am Anfang steht fest, dass Nikolas verstorben ist. Dennoch wird die Handlung nicht von Trauer beherrscht. Stattdessen prägen vor allem der warmherzige Umgang der Liebenden sowie ihre humorvollen und schlagfertigen Dialoge weite Teile des Romans.

Auf ihrer Suche nach dem Menschen hinter den Erinnerung, begegnet Rosa verschiedenen Personen, die überwiegend interessant gestaltet sind, mich aber nicht alle gleichermaßen überzeugen konnten. Durch die Gespräche setzt sich Schritt für Schritt ein immer vollständigeres Bild von Nikolas zusammen.

Rosas Versuch, die Wahrheit über den geliebten, aber verstorbenen Nikolas zu ergründen, verleiht dem Roman „Eine Liebe ohne Sommer“ eine beständige, unterschwellige Spannung. Feinfühlig schildert Timothy Paul die Licht- und Schattenseiten einer kurzen Liebesbeziehung, die sich trotz des tragischen Ausgangs leicht und flüssig liest. Gerne empfehle ich das Buch daher weiter.

Dienstag, 2. Juni 2026

Rezension: Brombeerblaue Tage von Simone Veenstra

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Brombeerblaue Tage
Autorin: Simone Veenstra
Erscheinungsdatum: 15.05.2026
Verlag: Rowohlt Wunderlich (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783805201292

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Der Roman „Brombeerblaue Tage“ von Simone Veenstra nimmt die Lesenden an der Seite der Protagonistin Elisa, einer Landschaftsarchitektin, mit nach Rügen. Sie folgt damit einem Anruf ihres Vaters, der sie kurzfristig bittet, sich während eines Routine-Checks in einem Krankenhaus auf dem Festland um seinen renovierungsbedürftigen Gutshof und seinen Hund zu kümmern.

Die vierundvierzigjährige Elisa ist selbständig, lebt in Berlin und hat wegen der Auftragslage kaum Zeit für anderes. Der Hof und die Gartenanlage sind in einem bedauerlichen Zustand. Gleichzeitig lebt ihre Leidenschaft für Pflanzen und Gärten neu auf, die einst in den Ferien von ihrer inzwischen verstorbenen, in den Niederlanden lebenden Großmutter geweckt wurde. Diese Naturverbundenheit spricht aus den Buchzeilen und spiegelt sich auch in den illustrierten Pflanzensteckbriefen wider, die jedem Kapitel vorangestellt sind.

Während Elisa versucht, ihre beruflichen Verpflichtungen von Rügen aus weiterzuführen, verschlechtert sich der Gesundheitszustand ihres Vaters. Sie gerät immer stärker in den Konflikt zwischen beruflicher Verantwortung und familiärer Fürsorge, bis sie schließlich selbst an ihre Belastungsgrenze stößt.

Simone Veenstras erzählt eine Geschichte, die nah am Leben ist. Vor allem Frauen haben im mittleren Lebensalter häufig den Spagat zwischen pflegebedürftigen Eltern und den Anforderungen ihres Berufs zu bewältigen. Bei Elisa kommt hinzu, dass sie auf Rügen mit ihrer Liebe zur Natur genau das findet, was ihr gefehlt hat und ihr gut tut. Durch die Begegnungen mit Nachbarn und einer engen Freundin ihres Vaters erkennt sie, wie sehr ihr diese Verbundenheit gefehlt hat. Es ist ein Gefühl, das sie nicht nur früher bei der Großmutter genossen hat, sondern das auch ihren Berufswunsch maßgeblich prägte. Gleichzeitig verschweigt die Autorin nicht die Schattenseiten von Elisas Job.

Der Roman thematisiert ebenfalls die entstehenden Probleme einer Person, die unter einem postoperativen Delir leidet. Die Schilderungen wirken besonders authentisch, weil darin die persönlichen Erfahrungen der Autorin eingeflossen sind. Medizinische Hintergründe und hilfreiche Ratschläge werden glaubwürdig in die Handlung integriert. Ebenso feinfühlig beschreibt Simone Veenstra die Annäherung zwischen Vater und Tochter, deren Beziehung über viele Jahre von Distanz geprägt war.

In ihrem Roman „Brombeerblaue Tage“ zeigt Simone Veenstra mit viel Empathie und aus eigener Erfahrung wie wohltuend und heilsam die Nähe zur Natur sein kann. Sie erzählt von der Suche nach dem, was im Leben wirklich wichtig ist und dem Mut zu einem Neuanfang. Ein berührendes Buch, das ich gerne weiterempfehle! 


Dienstag, 19. Mai 2026

Rezension: Meeresdunkel von Till Raether

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Meeresdunkel
Autor: Till Raether
Erscheinungsdatum: 17.04.2026
Verlag: Rowohlt Polaris (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur mit Farbschnitt
ISBN: 9783499017193
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Das Buch „Meeresdunkel“ ist der erste Thriller von Till Raether. Darin schickt er zwei Familien auf die Insel Mallorca in eine alte Finca. Zunächst entsteht der Eindruck, dass beide Familien unabhängig voneinander nur aufgrund einer Mail der Vermieterin das Haus gebucht haben. Im Verlauf zeigt sich jedoch, dass deutlich mehr Zusammenhänge zwischen den Protagonist*innen bestehen, die sie auch zu diesem Urlaub gebracht haben.

Henrike erhält eine Nachricht, dass die Finca am Ende einer Bucht kurz vor der Renovierung steht und daher besonders günstig zu mieten sei. Spontan bucht sie das Haus, um ihren Mann damit zu überraschen, in der Annahme, er werde zustimmen, da er etwas wiedergutzumachen habe. Begleitet wird sie von ihren beiden vierzehnjährigen Zwillingen sowie ihrem Bruder. Sie ahnt nicht, dass zur gleichen Zeit auch Marie die Finca gebucht hat, ebenfalls nach Erhalt derselben E-Mail. Marie reist mit ihrem Ehemann Samuel und dem achtjährigen Sohn Juri begleitet.

Beide Paare gehen davon aus, dass es nur bis zum nächsten Tag dauern wird, bis der Irrtum der Doppelbuchung sich aufklärt. Darum arrangieren sie sich in dem großen maroden Haus, in das bereits Feuchtigkeit eingedrungen ist. Als Lesende konnte ich nicht so recht nachvollziehen, warum man sich auf ein solch dubioses Buchungsangebot einlässt. In der ersten Hälfte baut sich trotz latenter Spannung nur langsam eine bedrohliche Atmosphäre auf, und es wirkt lange nicht so, als könnte es bald zu einem Mord kommen. Die handelnden Figuren fallen mit immer mehr Eigenheiten auf und es werden erste Details zu deren Hintergrund erzählt. Das Wetter wird zunehmend ungemütlich, ein Closed-Room-Setting beginnt sich abzuzeichnen, bis dann endlich die Täterin oder der Täter angreift.

Till Raether setzt mehr auf undurchsichtige Charaktere statt auf eine steigende Spannung. Nach dem Verbrechen baut der Autor die komplexen Verflechtungen rund um seine Protagonist*innen und zwielichtigen Nebenfiguren weiter aus. Für mich waren nicht immer die Gründe nachvollziehbar, wer seine Zuneigung wem entgegenbrachte. Die Handlung wirkt zunehmend konstruiert und wenig realistisch. Dennoch ist der Unterhaltungswert des Thrillers „Meeresdunkel“ aufgrund bedrückender Atmosphäre, unerwarteter Wendungen und einem überraschenden Ende gegeben. 

Dienstag, 12. Mai 2026

Rezension: Ein Ort, der bleibt von Sandra Lüpkes

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Ein Ort, der bleibt
Autorin: Sandra Lüpkes
Erscheinungsdatum: 17.04.2026
Verlag: Rowohlt Kindler (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783463000671

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In der türkischen Bezeichnung des Botanischen Gartens Istanbul ist der Name des Gründers Alfred Heilbronn erhalten geblieben. Neben einem Handlungszweig, der in der Gegenwart spielt, reist Sandra Lüpkes in ihrem Roman „Ein Ort, der bleibt“ in der Zeitgeschichte zurück in die 1930er und 1940er Jahre, als der Garten angelegt und zu Bedeutung gekommen ist.

Neben dem Botanischen Garten stehen drei Frauen im Mittelpunkt der Handlung. Eine von ihnen ist Magda Heilbronn, Jahrgang 1889 und Ehefrau des Gründers. Obwohl sie nach der Geburt ihrer Kinder promovierte und einen Doktortitel in Philosophie erwarb, wurde ihr der erhoffte Lehrauftrag an der Universität ihres Wohnortes Münster verwehrt. Sie drängt ihren Mann, der Einladung zu folgen, ein Botanisches Institut in Istanbul aufzubauen.

Etwa zur gleichen Zeit strebt auch die einige Jahre jüngere, in Istanbul lebende Mehpare Basarman eine Habilitation an. Später wird sie zur geschätzten Assistentin von Alfred Heilbronn. Mit großer Sachkenntnis beschreibt die Autorin das Sammeln, Züchten und Pflegen von Pflanzen. Dabei wird spürbar, mit wie viel Begeisterung die Botanik*innen sich ihrer Aufgabe widmen.

Während Magda und Mehpare historische Persönlichkeiten sind ist Imke, die dritte Protagonistin des Romans, eine fiktive Figur. Eine befristete Anstellung als Stadtplanerin führt sie in der heutigen Zeit von Münster nach Istanbul. Dort arbeitet sie an einem Gutachten mit, das über die Zukunft des Botanischen Gartens entscheiden soll. Durch Imkes Perspektive greift Sandra Lüpke zudem die Situation von Frauen in der Türkei auf.

Dank ihrer sorgfältigen Recherche lässt Sandra Lüpkes sowohl die Zeit als auch die Schauplätze lebendig werden. Sie verdeutlicht die zunehmenden Repressalien, die jüdische Wissenschaftler in Deutschland nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hinzunehmen hatten und lenkt damit den Blick auf ein wenig bekanntes Kapitel der Geschichte. Es werden Magdas Sorgen angesichts des Aufbruchs in ein fremdes Land mit einer anderen Kultur deutlich. Gleichzeitig zeigt die Autorin, wie schwierig es für Mehpare ist, sich in einem von Männern dominierten Wissenschaftsbetrieb zu behaupten, obwohl in der noch jungen Republik offiziell eine Gleichstellung angestrebt wurde.

In ihrem Roman „Ein Ort, der bleibt“ erzählt Sandra Lüpkes von einer heute kaum bekannten Episode der Geschichte: der Emigration deutsch-jüdischer Wissenschaftler*innen in die Türkei während der Zeit des Nationalsozialismus. Gleichzeitig thematisiert sie auch die Fragen nach Zugehörigkeit sowie den Platz der Frau in der Gesellschaft. Geschickt verbindet die Autorin historische Fakten mit fiktionalen Elementen und verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf überzeugende Weise. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

Donnerstag, 18. Dezember 2025

Rezension: Rückkehr nach St. Malo von Hélène Gestern

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Rückkehr nach St. Malo
Autorin: Hélène Gestern
Übersetzerinnen aus dem Französischen: Patricia Klobusiczky und Brigitte Große
Erscheinungsdatum: 12.08.2025
Verlag: Rowohlt Kindler
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Im Roman „Rückkehr nach St. Malo“ der französischen Autorin Hélène Gestern habe ich leider nicht die fesselnde Geschichte gefunden, die der Klappentext verspricht. denn die Handlung verweilt häufig auf der Stelle. Der Geschichtsprofessor Yann de Kérambrun kehrt geraume Zeit nach dem Tod seines Vaters und während seiner laufenden Scheidung von seinem Wohnort Paris in das geerbte Haus der Familie nach Saint-Malo zurück. Dort erinnert er sich an die Sommer seiner Kindheit. Im Original heißt das Buch „Cézembre“ nach einer kleinen Insel, die etwa vier Kilometer von Saint-Malo entfernt liegt.

Yann schwelgt in Erinnerungen und erzählt von seinem Urgroßvater, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Schiffsantriebsgesellschaft gründete. Das Unternehmen besteht auch weiterhin und wird von Yanns Cousine geführt. Im Haus stößt Yann auf alte Dokumente und Notizbücher des Firmengründers. Ich benötigte etwa hundert Seiten, um näher zu erfahren, wohin die Geschichte eigentlich führen will: Der Protagonist versucht aufzuklären, warum seine männlichen Vorfahren mehr Härte statt Liebe gegenüber ihren Nachkommen zeigten.

Hélène Gestern erzählt nicht nur von der mühsamen Recherche Yanns weitere Details zur Vergangenheit seiner Familie durch Verwandte und Bekannte zu erhalten, sondern sie beschreibt auch ausführlich die Landschaft an der bretonischen Küste sowie die Insel Cézembre und deren historisch verbürgte Bedeutung Yann ergründet vor allem die familiären Geschehnisse vor dem Ersten Weltkrieg. Demgegenüber ist die Geschichte der Insel weitgehend mit dramatischen Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg verbunden.

Der zeitliche Fokus springt von Kapitel zu Kapitel und kehrt immer wieder in die Gegenwart zurück, in der der Protagonist beginnt, sich neu zu verlieben. In kursiv gesetzten Einschüben wechselt die Autorin häufig die Erzählerperspektive und lässt dabei oft unbenannte Figuren eine kurze Begebenheit schildern. Manchmal erleichternd diese Passagen die Einordnung der Ereignisse und liefern kleine passende Puzzleteil für den Lesenden. Das Familiengeheimnis erweist sich schließlich als weitaus komplexer, als Yann zu Beginn seiner Nachforschungen erwartet hat.

Obwohl sich die realistische Handlung in behäbigem Tempo entwickelt, wollte ich wissen, wie sich die Fäden letztlich entwirren. Daher habe ich quergelesen und war mit dem Ende versöhnt. 



Montag, 1. Dezember 2025

Rezension: Knochenkälte von Simon Beckett (Dr. David Hunter Band 7)

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Knochenkälte (Dr. David Hunter Band 7)
Autor: Simon Beckett
Übersetzerinnen aus dem Englischen: 
Erscheinungsdatum: 05.11.2025
Verlag: Rowohlt Wunderlich (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783805200547

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Im Thriller „Knochenkälte“ des englischen Autors Simon Beckett ermittelt der Anthropologe Dr. David Hunter in seinem siebten Fall. Obwohl seit dem Erscheinen des letzten Bands im Frühjahr 2019 mehr als sechs Jahre vergangen sind, setzt die aktuelle Handlung nur etwa eineinhalb Jahre nach dessen Ereignissen ein. Der Titel verweist auf Knochen, die in einer unwirtlichen Region lange im Erdreich verborgen lagen.

Dr. David Hunter, der schon lange als forensischer Berater der Polizei tätig ist, soll an einer Suchaktion im schottischen Carlisle teilnehmen. Er beschließt, bereits am Nachmittag vor der ersten Besprechung von London aus aufzubrechen. Aufgrund starken Regens und der Umgehung einer Unfallstelle verirrt er sich in den Cumbrian Mountains im Nordwesten Englands. Dort fällt sein Navigationssystem aus.

Er strandet im Pub eines abgelegenen Bergdorfs, in dem ihm die Einheimischen unfreundlich begegnen. Sein Handy hat keinen Empfang. Aufgrund eines zweifelhaften Hinweises übernachtet er als einziger Gast in einem heruntergekommenen Hotel, das von einem Ehepaar geführt. Schon beim ersten Gespräch mit ihnen wird deutlich, dass sie vor Ort nicht beliebt sind. Am nächsten Morgen stellt er auf der Rückfahrt fest, dass ein Erdrutsch ein Stück der Straße weggespült hat. Wenig später kappt an dieser Stelle verunfallter Lastwagen die Stromversorgung.

Simon Beckett errichtet diesmal ein Closed Circle Szenario. Dazu gehört auch, dass Dr. Hunter an seinem nächsten Tätigkeitsort nicht so früh erwartet wird und ihn bei der Arbeit niemand vermisst. Außerdem geschieht gerade sehr wenig in seinem Privatleben, das nur am Rand Erwähnungen findet, und aus dieser Sicht nicht nach ihm gesucht wird. Im Dorf gibt es mehrere für den vorliegenden Fall bedeutsame Personen beziehungsweise Gruppen: die bereits erwähnte Familie, die das Hotel betreibt, eine alteingesessene Familie, deren Oberhaupt gerade neunzig Jahre alt geworden ist und dem alle Anverwandten hörig sind sowie die Betreiberin des ortsansässigen Forstunternehmens.

Es ist ein äußerst kompliziertes, für Dr. Hunter kaum zu durchschauendes mit- und gegeneinander im Ort, dem er selbst eine neue Angriffsfläche bietet. Ohne die Identität des Finders einer Leiche preiszugeben, deutet Simon Beckett im Prolog an, dass die Sachlage nicht so einfach ist, wie sie sich zunächst für den Anthropologen und die Leserschaft darstellt. Ohne seine gewohnten Kolleg*innen bleiben ihm nur begrenzte Möglichkeiten, die Funde zu untersuchen, und bald bleibt es nicht beim ersten Toten. Die Funde und die Anwesenheit von Dr. Hunter strapazieren die Nerven der Dorfbewohner und es kommt zu einem neuen Mordfall.

Die Spannung hält Simon Beckett bis zum Schluss hoch, auch wenn die forensischen Details aufgrund des Settings weniger Raum einnehmen als in früheren Bänden. Dafür beschreibt er die regenfeuchte, später verschneite Umgebung, mit der der Ermittler zurechtkommen muss, umso ausführlicher. Dr. Hunter wird körperlich bis zur Grenze der Belastbarkeit gefordert, so dass zwar die Handlung fesselnd bleibt, aber manchmal am Rand der Glaubwürdigkeit steht. In einigen Situationen verhält er sich gegenüber den Dorfbewohner nahezu eingeschüchtert, was in der Folge zum Erhalt der Dramatik beiträgt, aber nicht immer unbedingt realistisch erscheint.

„Knochenkälte“, der siebte Band der Serie um den ermittelnden Anthropologen Dr. David Hunter, von Simon Beckett ist ein grundsolider Thriller in einem Closed Circle Szenario. Er kann unabhängig von den anderen Teilen gelesen werden. Die bedrückende, nicht nur metaphorisch gemeinte eiskalte Stimmung in einem abgelegenen Dorf in den Bergen, das von hohen Bäumen umgeben ist und die sich zuspitzenden Ereignisse sorgen für ein intensives Leseerlebnis. Das Buch ist ein Muss für jeden Dr. Hunter-Fan, ein guter Einstieg in die Serie für diejenigen, die den Ermittler kennenlernen wollen und insgesamt eine spannende Unterhaltung für jeden Trillerlesenden.

Dienstag, 22. Juli 2025

Rezension: A Taste of Cornwall: Eine Prise Liebe von Katharina Herzog


A Taste of Cornwall: Eine Prise Liebe
Autorin: Katharina Herzog
Broschiert: 368 Seiten
Erschienen am 15. Juli 2025
Verlag: Rowohlt Polaris
Link zur Buchseite des Verlags

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Sophie Dubois lebt in London und hat ehrgeizige Ziele: Als eine der bekanntesten Restaurantkritikerinnen möchte sie eine eigene Fernsehshow übernehmen. Am Tag der Restauranteröffnung des Models Annabelle Scott überstürzen sich bei ihr privat die Ereignisse. Emotional aufgeladen streitet sie mit der Gastgeberin und schreibt danach einen Verriss, der einen Shitstorm gegen ihre Person auslöst. Daraufhin schlägt ihr Chef ihr einen längeren Urlaub vor, in welchem sie beweisen soll, was sie im Streit behauptet hat: Dass sie selbst ein Spitzenrestaurant eröffnen kann. In dem kleinen Hafenort Port Haven in Cornwall übernimmt sie das Smuggler's Inn, dessen verstorbener Besitzer ganz besondere Auflagen hinterlassen hat. Sie darf nicht modernisieren und muss zudem das gesamte Personal übernehmen. Zähneknirschend fügt sich Sophie in ihr Schicksal. Wird sie dem Pub zu neuem Glanz verhelfen können?

Ich habe die Reihe rund um das kleine Bücherdorf von Katharina Herzog sehr gerne gelesen und war gespannt, in dieser neuen Reihe literarisch nach Cornwall zu reisen. Bevor es an die Küste geht lernte ich Sophie zunächst in ihrer bisherigen Heimat in London kennen. Dort nistet sich ihre Mutter bei ihr ein, nachdem sie aus ihrer Seniorenresidenz geflogen ist und ihre Tochter hat Schwierigkeiten in der Schule. Sophies emotionaler Stress entlädt sich in einem Verriss von Annabelle Scotts Restaurant und dem darauffolgenden Shitstorm. Aus meiner Sicht war der Verriss nicht so schlimm geschrieben, dass es die darauf folgenden Reaktionen rechtfertigt hätte – Restaurantkritiker dürfen sich doch auch mal negativ äußern?! Aber es ist schließlich das Mittel zum Zweck, um Sophie nach rund 80 Seiten nach Cornwall zu bringen.

In Port Haven erwarteten mich als Leserin eine bunte Mischung an Charakteren, die alle ihre Eigenheiten haben, die ich aber bald in Herz geschlossen habe. Sophie stößt mit ihren Ideen zunächst auf Ablehnung und ich war neugierig, ob sie das Ruder herumreißen kann. Immer wieder gibt es Zeitsprünge von einigen Wochen, durch welche die Geschichte in zügigem Tempo vorankommt. Ich hatte aber häufiger das Gefühl, dass große Probleme zu einfach und schnell gelöst wurden. Es gibt auch eine Liebesgeschichte, die allerdings recht wenig Platz einnimmt. Dafür erhalten auch Sophies Mutter und Tochter, die mit nach Cornwall gereist sind, Raum für ihre eigenen Erlebnisse vor Ort. Sophie macht charakterlich eine große Entwicklung durch, die zu verfolgen ich schön fand. Wer Lust auf einen Wohlfühlroman mit kulinarischen Thema an der Küste Cornwalls hat, für den ist dieser Reihenauftakt das Richtige!

Freitag, 13. Dezember 2024

Rezension: Zwischen Ende und Anfang von Jojo Moyes


Zwischen Ende und Anfang
Autorin: Jojo Moyes
Übersetzerin: Karolina Fell
Hardcover: 528 Seiten
Erschienen am 10. Dezember 2024
Verlag: Wunderlich (Rowohlt)
Link zur Buchseite des Verlags

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Lila tut sich schwer mit ihrer aktuellen Situation: Ihr Mann hat sie für eine andere Frau verlassen, kurz nachdem ihr Ratgeber für glückliche Beziehungen ein Bestseller geworden ist. Das Verhältnis zu ihren Töchtern ist angespannt, ihr Stiefvater ist seit dem Tod ihrer Mutter quasi bei ihr eingezogen und für ihr neues Buch ist noch kein Kapitel geschrieben. Als sie erfährt, dass ihr Mann mit seiner neuen Freundin ein Kind erwartet, denkt sie, dass dies die Spitze des Eisberges ist. Doch dann steht auch noch ihr leiblicher Vater vor der Tür, der sich jahrelang nicht hat blicken lassen und nicht mal bei der Beerdigung ihrer Mutter war. Damit ist das Chaos in Lias Leben perfekt. Sie muss sich fragen, wie es für sie weitergehen soll und was ihr wirklich wichtig ist.

Als Leserin wurde ich vom ersten Kapitel an mitten hineingeworfen in Lilas trubeliges Leben, mit dem sie aktuell alles andere als zufrieden ist. Nichts scheint nach Plan zu laufen und es kommen immer mehr unerfreuliche Entwicklungen hinzu. Eine wichtige Stütze für sie ist ihre beste Freundin Eleanor, die sie ermutigt, positiv nach vorn zu blicken und auf ein Date zu gehen. Doch davon will Lila zunächst nichts wissen. Das Buch beinhaltet viele herausfordernde Themen, gleichzeitig gibt es immer wieder amüsante Situationen, die der Lektüre eine gewisse Leichtigkeit geben. 

Ich konnte zum einen gut nachvollziehen, dass Lila die Situation belastet, in der sie sich befindet und warum sie sich so schwer damit tut, die Weichen für ihre Zukunft zu stellen. Auf der anderen Seite hatte ich oft das Gefühl, dass sie wirklich an allem etwas auszusetzen hat und sie sich damit das Leben noch schwerer macht, was ich anstrengend fand. Im Hinblick auf ihr neues Buchprojekt trifft sie eine Entscheidung, über die ich nur den Kopf schütteln konnte und bei der ich die weiteren Ereignisse sehr vorhersehbar fand.

Wie der Titel andeutet, gibt es allmählich positive Entwicklungen, die Lila Hoffnung auf einen Neuanfang schöpfen lassen. Es erscheinen neue Charaktere auf der Bildfläche, welche neue Dynamiken in die Handlung bringen. Mit zwei Vätern im Haus und zwei Love Interests wird es plötzlich recht voll in Lias Leben. Es gibt viele tolle Figuren, die ich mit der Zeit immer mehr ins Herz schloss. Ich fand es schön, auch tiefere Einblicke zum Beispiel in das Leben von Lias Tochter Celie sowie ihrem Stiefvater Gene zu erhalten, sodass ich auch hier mithoffte, dass auch sie ihr Glück finden werden. Auch wenn es mir Lila als Protagonistin nicht immer einfach gemacht hat, so ist „Zwischen Ende und Anfang“ insgesamt ein warmherziger Roman mit einer guten Mischung aus unterhaltsamen und nachdenklich stimmenden Szenen, den ich gerne weiterempfehle.


Sonntag, 10. November 2024

Rezension: Im Nordlicht von Miriam Georg

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Im Nordlicht (Band 2 von 2 der Nordwind-Saga)
Autorin: Miriam Georg
Erscheinungsdatum: 15.10.2024
Verlag: rororo (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch mit Klappen
ISBN: 9783499012303
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Im zweiten Band der „Nordwind-Saga“ von Miriam Georg, der „Im Nordlicht“ betitelt ist, weicht die Darstellung des Schicksals der Protagonistin Alice in ihren jungen Jahren ein wenig vor dem dramatischen Geschehen in der Familie von John Reeven, dem weiteren Protagonisten des Romans, zurück. Immer noch sucht Alice nach ihrer Tochter Rosa, versieht aber weiterhin ihren Dienst im Haus der Villa der Reevens, um vor der anstehenden Gerichtsverhandlung eine gute Reputation vorweisen zu können. Für Alice ist es eine emotionale Herausforderung an ihrer Arbeitsstätte ständig auf John zu treffen, den sie liebt, von dem sie aber weiß, dass er seine Verlobte Evelyn heiraten wird. Sie ist sich bewusst, dass ihre Liebe nicht sein darf, weil sie in eine andere Gesellschaftsschicht hineingeboren wurde. John und sie bemühen sich um einen respektvollen Umgang miteinander und darum, ihre Gefühle im Beisein von anderen zu unterdrücken.

Von Beginn des Buchs an, ergeben sich in Fortsetzung des ersten Bands einige Fragen, die eine hintergründige Spannung aufkommen lassen, wie beispielsweise, ob es der Schwester von John besser gelingt als Alice, sich gegen ihren Ehemann gegen Übergriffen zur Wehr zu setzen. Des Weiteren ist offen, ob es Johns Bruder Julius gelingt, seine Ehe mit Marlies zu retten, die sich ihm gegenüber gefühlskalt gibt. Letztlich schließt sich für mich als Leserin auch die Lücke, die im Lebenslauf von Alice noch offen ist. Außerdem gibt es Neuigkeiten zum entlassenen Dienstmädchen Sala. Um die gesamten Verwicklungen richtig einordnen zu können, sollte man meines Erachtens nach den ersten Teil der Serie gelesen haben.

Miriam Georg gelingt es mit Feingefühl dem Lesenden die Beweggründe ihrer Figuren für ihr Handeln offenzulegen. Während sich die Tragik im ersten Teil hauptsächlich durch die Schilderung der Kindheit und Jugend von Alice ergab, muss diesmal die gut betuchte Bankiersfamilie Reeven mehrere Schicksalsschläge einstecken, wodurch sich zeigt, dass Glück nicht mit Geld zu kaufen ist. Insgesamt ist die Stimmung im gesamten Roman recht bedrückend. Dank guter Recherche basieren die Beschreibungen der Autorin auf vergleichbaren Geschehnissen, gegebenen Konventionen und geltenden Gesetzen. Sie lotet die Möglichkeiten aus, die Frauen in der damaligen Zeit besaßen, um eine gleichberechtigte Ehe zu führen.

In ihrem Roman „Im Nordlicht“, der bis auf die Rückblicke in die Vergangenheit von Alice vor Kriegsbeginn im Jahr 1914 spielt, lässt Miriam Georg noch einmal die Gegensätzlichkeiten der Gesellschaftsschichten in Hamburg, aber auch die Unterschiede in der Gesetzgebung für Mann und Frau deutlich werden. Die vielen tragischen Begebenheiten sind ergreifend. Die Cliffhanger aus dem ersten Band werden bis zum Ende hin weitgehend geklärt. Der Schluss ermöglicht eine Fortsetzung der Dilogie. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

Dienstag, 13. August 2024

Rezension: Yoko von Bernhard Aichner


Yoko
Autor: Bernhard Aichner
Hardcover: 336 Seiten
Erschienen am 13. August 2024

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Yoko hat einige Jahre als Metzgerin an der Seite ihres Vaters gearbeitet. Nach dessen Tod hat sie die Räumlichkeiten jedoch zur Glückskeksmanufaktur umgestaltet. Mit ihrem kleinen Unternehmen beliefert sie diverse chinesische Restaurants. Dabei trifft sie eines Tages am Hintereingang eines Restaurants auf zwei Männer, die einen Hund bis zum Tod quälen. Yoko mischt sich ein und wird selbst zum Opfer. Danach fühlt sie sich tagelang ohnmächtig, bis ein neuer Gedanke in ihr heranreift: Sie will die Männer ausfindig machen und sich rächen. Bald macht sie sich noch mehr Feinde, die vor absolut nichts zurückschrecken.

Gleich zu Beginn des Thrillers wurde ich Zeugin von grausamen Szenen, nach denen Yokos Leben in Scherben liegt. Kurze Sätze und ein schnörkelloser Stil brachten mich schnell mitten ins Geschehen, das mit hohem Tempo voranschreitet. Ich erfuhr mehr über Yokos Aufwachsen bei ihrem inzwischen verstorbenen Vater, wo eine schockierende Enthüllung lauert, und ihrer Beziehung zu Maren, die ihr Bestes gibt, um Yoko beizustehen. Bevor ich mich versah zog Yoko bereits los in der festen Absicht, einen Mord zu begehen.

Ich hatte leider von Beginn an Probleme damit, mich auf die Geschichte einzulassen. Es gibt wenig Rahmenhandlung, man erfährt das Nötigst über Yoko, bevor sich die Handlung auf den Rachefeldzug fokussiert. Dabei fand ich es erstaunlich, dass Yoko so leicht an Informationen gelangen kann. Außerdem fand ich es einfach zu weit hergeholt, dass eine schwer traumatisierte Glückskeksbäckerin plötzlich zur gnadenlosen Rächerin wird, die der chinesischen Mafia die Stirn bietet. Prinzipiell mag ich temporeiche Thriller, die Nervenkitzel bieten, dieser hat meinen Geschmack leider nicht getroffen.

Dienstag, 23. Juli 2024

Rezension: Die schönste Version von Ruth-Maria Thomas

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Die schönste Version 
Autorin: Ruth-Maria Thomas
Erscheinungsdatum: 16.07.2024
Verlag: Rowohlt Hundert Augen (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783498006952
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In ihrem Roman „Die schönste Version“ schreibt Ruth-Maria Thomas von der toxischen Beziehung zwischen ihrer Protagonistin Jella und ihrem Freund Yannick. Eines Tages sitzt Jella auf der Polizeiwache einer kleinen Stadt in der Lausitz und zeigt Yannick an, weil er ihre Kehle zugedrückt hat. Gleichzeitig erfährt der Lesende, dass sie ihn heftig mit einem Gegenstand geschlagen hat, um sich zu befreien, was aber ebenfalls als Straftat gilt. In der Folge blickt die Autorin zurück auf die Vergangenheit von Jella und lässt sie selbst erzählen, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Durchgehend besteht eine Hintergrundspannung dadurch, dass man wissen möchte, ob es Jella schafft sich von Yannick zu lösen oder ob es eine Möglichkeit gibt, den Konflikt beizulegen.

Die Eltern der Protagonistin leben seit vielen Jahren getrennt, weil Jellas Mutter von der Kleinstadt gelangweilt war und nach Berlin zog. Jella blieb bei ihrem Vater, weil sie als Grundschulkind bereits erkannte, dass er sie an seiner Seite brauchte. Als Teenager versuchte sie sich so zu geben wie andere Gleichaltrige, deren Verhalten und äußeres Aussehen ihr gefielen. Sie zeigt dabei die für sie schönste Version von sich selbst. Jahre später lernt sie Yannick in einer Bar kennen. Er ist Künstler und mit seinen Arbeiten bisher wenig erfolgreich, versteht sich selbst aber in der Beziehung als maßgebend kultiviert. Jella wird neben ihrem Studium und ihrem Job zu seiner Muse. Bald ziehen die beiden in eine gemeinsame Wohnung. Die beiden verstehen es zunehmend, den anderen an seinen verwundbaren Stellen zu treffen.

Die Autorin beschreibt ein denkbares Szenario in einer teils derben, offen ehrlichen Sprache mit der sie Szenen schildert, die genau hinschauen auf weibliche Befindlichkeiten. Mir persönlich war das häufig zu nah, mir blieb wenig Raum für eigene fantasievolle Gedanken. Positiv an der Geschichte fand ich neben der Thematisierung des schwierigen Aspekts der häuslichen Gewalt das Herausarbeiten der Bedeutung von Erfahrungen aus der Kindheit auf das spätere Verhalten und die Relevanz von Freundinnen, beides verbunden mit der Suche nach Identität. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die Themen stärker ins Alltagsleben integriert worden wären und weniger in einer detaillierten Veranschaulichung jeder sexuellen Vereinigung der Hauptfigur. Grundsätzlich wird durchgehend viel geweint und geschluchzt in allen möglichen Lebenslagen. Wer das mag, ist hier richtig. Meine Erwartungen, nach Lesen des Klappentextes, wurden leider nur teils erfüllt.

Montag, 22. Juli 2024

Rezension: Im Nordwind von Miriam Georg

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Im Nordwind (Dilogie Band 1 von 2)
Autorin: Miriam Georg
Erscheinungsdatum: 16.07.2024
Verlag: rororo (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch mit gestalteten Klappen
ISBN: 9783499012297
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Der Roman „Im Nordwind“ ist der erste Band einer Dilogie von Miriam Georg, die die Frauenrechte in der Hansestadt Hamburg in den 1910er Jahren ebenso wie Standesunterschiede in dieser Zeit thematisiert. Die Protagonistin Alice ist verheiratet und hat eine fünfjährige Tochter. Gemeinsam wohnen sie in einer kleinen Wohnung in einem zweiten Hinterhaus auf der Uhlenhorst. Einer alten Familienweisheit zufolge bringt Nordwind Ärger, was für Alice zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung zu werden scheint.

Alice arbeitet in einer Kämmerei und muss ihren schwer verdienten Lohn bei ihrem Ehemann Henk abliefern. Wenn er sie als ungehorsam empfindet, hat das schmerzhafte Folgen für sie. Als er auch Tochter Rosa immer mehr zurechtweist und Alice sie an Körper und Geist gefährdet ansieht, beschließt sie, sich von ihrem Ehemann zu trennen. Bei der wöchentlich stattfindenden Sprechstunde der Rechtsberatung der Sozialfürsorge trifft sie auf den Rechtsanwalt John Reeven, der sich dort ehrenamtlich engagiert und ihre Scheidung in die Wege leiten soll.

John stammt aus einer alteingesessenen, angesehenen Unternehmerfamilie, ist verlobt und lebt noch in der elterlichen Villa, die in einer der vornehmsten Gegenden Hamburgs steht. Bei dem ersten Besuch von Alice möchte er ihren Fall schnell zu den Akten legen, denn die geltenden Gesetze sprechen Frauen wenige Rechte in der Ehe zu. Doch Alice beharrt weiterhin auf seine Hilfe und ihre Verletzungen nach einem Ehestreit veranlassen ihn, ihr beizustehen.

Sowohl Alice wie auch Henk stammen aus einer Schaustellerfamilie. Auf den ersten Seiten wird durch den Bruder der Protagonistin angedeutet, dass er sie einmal verloren hat, ohne dass ich zunächst als Leserin die Bemerkung einordnen konnte, Nach etwa einhundert Seiten wechseln Handlungszeit und -ort. Im Jahr 1896 wächst in der Nordmarsch ein Mädchen heran, dass dort ehemals nicht beheimatet war. Schon bald ahnte ich, wer mir aus der Ich-Erzählerin in diesem Perspektivenwechsel seine Geschichte erzählt. Von diesem Zeitpunkt an blickt die Erzählung über die Begebenheiten im Jahr 1913 immer wieder einmal in die Vergangenheit.

Beide Handlungsstränge gestaltet die Autorin dank ihrer sehr guten Recherche authentisch und bewegend. Obwohl man es weiß oder zumindest ahnt, ist es erschreckend darüber zu lesen, wie groß die Unterschiede der Rechte von Frauen im Vergleich zu denen der Männer in der damaligen Zeit waren, Interessant fand ich die Einbindung von speziellen Hamburger Gepflogenheiten, nicht nur in Verbindung mit der Rechtsberatung und Sozialfürsorge, sondern auch mit dem Stand des Adels.

Alice kämpft jedoch nicht nur darum, als gleichwertig in der Ehe angesehen zu werden, sondern ist sich auch Standesunterschieden bewusst. Für ihre Tochter wünscht sie ein unbeschwerteres Leben, als sie es bisher selbst kennengelernt hat. Durch den Kontakt zu John und seiner Familie wird ihr vor Augen geführt, was Wohlstand bewirken kann. Aber von außen ist nicht sichtbar, was die Familie von innen bewegt. Die Krankheit von Johns Vater stürzt die Geschwister Reeven in große Probleme und es kommt zwischen ihnen zu Streitigkeiten.

Miriam Georg ist mit „Im Nordwind“ ein fesselnder erster Band ihrer Dilogie gelungen, der ausgezeichnet zu unterhalten versteht und durchgehend mit dem Schicksal der Protagonistin Alice und den Geschehnissen in der Familie einer fiktiven großen Unternehmensdynastie berührt. Dafür spreche ich sehr gerne eine Leseempfehlung aus und erwarte nun nach dem Cliffhanger am Ende des Buchs ungeduldig die Fortsetzung.


Sonntag, 23. Juni 2024

Rezension: Eifelfrauen - Der Ruf der Nachtigall von Brigitte Riebe

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Eifelfrauen - Der Ruf der Nachtigall
Autorin: Brigitte Riebe
Erscheinungsdatum: 18.06.2024
Verlag: Wunderlich (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783805201032
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Der Zweite Weltkrieg ist beendet und im kleinen fiktiven Eifeldorf Altenburg versuchen Klara und Mia, die beiden Töchter der Künstlerin Johanna Fuchs, wieder in den Alltag zurückzufinden. Sie sind die beiden Protagonistinnen des Romans „Der Ruf der Nachtigall“, dem zweiten Band der Serie „Eifelfrauen“ von Dr. Brigitte Riebe. Titelgebend ist der Gesang des gleichnamigen Vogels, den Klara eines nachts hört und der sie hinaus in den Garten lockt. Dort trifft sie auf einen Fremden, den sie später als Pavel kennenlernt und der genau wie sie, den Tönen lauscht. Im Prolog, in dem diese Szene beschrieben ist, konnte ich als Leserin noch nicht ahnen, wie folgenschwer diese Begegnung mit Pavel für Klara sein wird.

Auch der zweite Band profitiert wieder von der sehr guten Recherche der promovierten Historikerin Brigitte Riebe und ihrer Leidenschaft, geschichtliches Geschehen in ihre Geschichten einzubinden und dadurch ihren Lesern und Leserinnen erlebbar zu machen. Im Zeitraum Juni 1945 bis Oktober 1954 switcht sie zwischen den Handlungsorten Altenburg, Trier, Köln und Wittlich, einem Städtchen zwischen Eifel und Mosel, hin und her. Geschickt setzt sie ihre Figuren so, dass sie die damaligen Brauchtumsfeste und Gepflogenheite in den Orten der Handlung einbinden kann, die zum großen Teil noch heute bestehen. Klaras Stimme veranlasst sie dazu, eine Gesangskarriere anzustreben, so dass die Welt der Musik zwischen Ernst und Unterhaltung Eingang in die Erzählung findet.

Obwohl sie vom äußeren her und auch charakterlich verschieden sind, verbindet Klara mit ihrer Schwester Mia das Streben nach Unabhängigkeit. Mia sucht ihr Glück bei der Familie in Trier, wodurch ich als Leserin erfuhr, wie die Tabakbranche sich nach dem Zweiten Weltkrieg weiterentwickelt hat. Ebenso genossen die handelnden Personen immer wieder regionale kulinarische Köstlichkeiten, die Appetit darauf machen. Insgesamt entsteht ein gut vorstellbares, realistisches Bild der Zeit. Das erdachte Schicksal der Figuren sorgt für einige unerwartete Wendungen, die manchmal zu kleinen Abschweifungen von der Haupthandlung auf historisch bemerkenswerte Ereignisse führen. Sowohl Klara wie auch Mia verlieben sich, bauen aber sie bauen nur langsam Vertrauen zu den von ihnen Geliebten auf, die es erlaubt, sich mit der Vergangenheit des Partners zu beschäftigen. Dadurch macht Klara erst nach Jahren eine schmerzhafte Erfahrung.

Im zweiten Band ihrer Serie „Eifelfrauen“ lässt Dr. Brigitte Riebe die Nachkriegszeit bis Mitte der Fünfziger Jahre lebendig werden. Über die Jahre hinweg erhalten die beiden jungen Protagonistinnen Klara und Mia, anders als ihre Mutter Johanna im ersten Teil, trotz Schwierigkeiten, die Möglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens entsprechend ihrer Fähigkeiten und Wünsche. Gerne empfehle ich den unterhaltsamen Roman an geschichtlich Interessierte Lesende weiter.


Samstag, 22. Juni 2024

Rezension: Das kleine Bücherdorf - Sommerzauber von Katharina Herzog


Das kleine Bücherdorf - Sommerzauber
Autorin: Katharina Herzog
Broschiert: 336 Seiten
Erschienen am 18. Juni 2024
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Link zur Buchseite des Verlags

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Ann Webster ist die Inhaberin der Secondhandboutique "Vintage & Couture" im schottischen Bücherdorf Swinton-on-Sea. Das besondere an ihren ausgestellten Kleidungsstücken ist, dass sie von Zetteln mit der Geschichte der früheren Besitzerinnen begleitet werden. Niemand ahnt, dass Ann noch mehr schreibt: Seit Jahren veröffentlicht unter Pseudonym als Selfpublisherin historische Liebesromane. Ihr neuestes Werk hat es gerade auf Platz 1 der E-Book Bestseller geschafft. Als sie von einer Lektorin gefragt wird, ob sie ein Buch bei einem Verlag herausbringen will, ist ihre Aufregung groß. Doch diese verlangt, dass Ann einen Roman rund um das Brautkleid schreibt, das seit Jahren ohne Geschichte im Schaufenster hängt und das eng mit Anns eigenem Schicksal verknüpft ist. Als dann auch noch der Mann auftaucht, der Ann als junger Frau das Herz gebrochen hat, ist das emotionale Chaos bei ihr perfekt.

Ich habe mich sehr gefreut, ein letztes Mal nach Swinton-on-Sea zurückzukehren und endlich das Geheimnis des Brautkleids aus Anns Boutique zu lüften, das schon seit dem ersten Band im Raum steht. In einem kurzen Prolog erfuhr ich, wie Ann in den Besitz dieses Kleides gekommen ist. Doch das ist nur ein einziges Puzzlestück in dessen Geschichte, denn es steckt noch viel mehr dahinter.

Das Tempo der Geschichte ist von Beginn an hoch und die Ereignisse überschlagen sich geradezu. Nachdem Anns neues Buch zum Bestseller wird, ist sie auch in Swinton-on-Sea, in dem E-Books verpöhnt sind, Gesprächsthema und immer mehr Menschen versuchen, das Pseudonym zu lüften, über das ausschließlich Shona Bescheid weiß. Vor einiger Zeit hat sie außerdem herausgefunden, dass der Chef ihrer Tochter Isla derjenige ist, der ihr einst das Herz gebrochen hat, und der jetzt für eine Hoteleröffnung in Swinton ist. Auch über die Beziehung zu Anns Ex-Mann Colin, Islas Vater, erfuhr ich mehr. Und beim Versuch, mehr über die Vergangenheit des Brautkleids herauszufinden, macht Ann endlich Fortschritte.

Gut gefallen hat mir, dass der Handlungsverlauf in vielerlei Hinsicht unvorhersehbar ist. Ich erlebte so manche Überraschung, mit der ich nicht gerechnet hätte, sei es im Hinblick auf die Liebesgeschichte oder die Geheimnisse des Brautkleids. Am Ende fügt sich alles sehr gelungen zusammen. Auch die anderen Dorfbewohner, die mir in den vorherigen Bänden ans Herz gewachsen sind, haben noch mal einige Auftritte und schöne Neuigkeiten im Gepäck. Insgesamt ist "Das kleine Bücherdorf - Sommerzauber" ein wirklich gelungener Reihenabschluss. Ich verlasse Swinton-on-Sea mit einem lachenden und einem weinenden Auge und kann für die ganze Reihe eine große Leseempfehlung aussprechen.

Dienstag, 11. Juni 2024

Rezension: Das Licht in den Birken von Romy Fölck

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Das Licht in den Birken
Autorin: Romy Fölck
Erscheinungsdatum: 14.05.2024
Verlag: Wunderlich (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783805201117
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In ihrem Roman „Das Licht in den Birken“ erzählt Romy Fölck von einer Schicksalsgemeinschaft, die sich auf Bennos Gnadenhof für Tiere in der Lüneburger Heide zusammenfindet. Der Hof ist hoch verschuldet und deshalb hat Benno das ursprüngliche Kesselhaus renoviert und dort zwei Wohnungen eingerichtet. Thea hat eine davon gemietet. Sie ist Mitte Fünfzig und hat jahrelang eine der Herden Ziegen in Portugal gehütet, die präventiv Wälder reinigen und dadurch die Brandgefahr verringern. Kaum ist sie eingezogen, findet Benno beim Holzsammeln im nahegelegenen Forst Juli, eine junge verunfallte Frau, der er Unterkunft bietet, bis sie weiterwandern kann.

Thea, Benno und Juli haben jeweils ihr Päckchen aus der Vergangenheit zu tragen. Mit Respekt füreinander akzeptieren sie die Launen der anderen und gewähren ihnen den benötigten Freiraum. Die Geschichte spielt innerhalb von zwei bis drei Wochen. Für diesen kurzen Zeitraum laufen die Geschehnisse in eiligem Tempo ab. Die Figuren entwickeln sehr zügig Nähe und Mitgefühl, so dass sie sich der Probleme der anderen annehmen und schnellstmöglich eine Lösung anbieten, was auf mich allerdings teils unrealistisch wirkte. Leider fand ich die Begründung für die Rückkehr von Thea nach Deutschland nicht vollständig überzeugend, denn ihr hatte es in Portugal eigentlich sehr gut gefallen. Gerne hätte ich mehr über ihr früheres Leben auf Wanderschaft erfahren. Auch die Sinneswandlung von Julis Mutter in Bezug auf ihr Verhältnis zur Tochter kam meiner Meinung nach recht plötzlich.

Die im Roman verarbeiteten Themen wie beispielsweise Wechseljahre, Verarbeiten einer Scheidung, Ertrag bringende Umgestaltung eines Gehöfts und Selbstverwirklichung sind interessant und tragen zum Unterhaltungswert des Romans bei. Manchmal ecken die Charaktere mit den von ihnen angebotenen Lösungen zur Problembewältigung auch an und sorgen damit für Abwechslung in der zuweilen absehbaren Entwicklung der Handlung.

Romy Fölck beschreibt in ihrem Roman „Das Licht in den Birken“ die zunehmende Freundschaft dreier sehr unterschiedlicher Figuren, die sich auf einem landwirtschaftlichen Anwesen zusammenfinden. Innerhalb kürzester Zeit bewältigen sie durch gegenseitige Unterstützung die größten Schwierigkeiten. Wer einen Feel-Good-Roman sucht ist hier richtig.

Samstag, 27. April 2024

Rezension: Und alle so still von Mareike Fallwickl


Und alle so still
Autorin: Mareike Fallwickl
Hardcover: 368 Seiten
Erschienen am 16. April 2024

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Elin ist 21 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter Alma in deren eigenem Wellnesshotel. Für sie bestand ihre Familie immer nur aus ihnen beiden. Doch dann bittet Alma sie, zu ihrer Oma Iris zu fahren, die sie nie kennengelernt hat. Diese hat sich mit anderen Frauen vor das Krankenhaus gelegt. Die Aktion sorgt für Irritation - gegen was oder wofür sind die Frauen? Was sind ihre Forderungen? Doch die Beteiligten äußern sich nicht dazu. Nicht nur Elin wird Zeugin der Aktion, sondern auch die Pflegerin Ruth, Elins Tante, und der neunzehnjährige Nuri, der zahlreiche Aushilfsjobs hat, um seine Arztrechnungen bezahlen und eines Tages in eine eigene Wohnung ziehen zu können.

Zu Beginn des Romans lernte ich die drei Protagonist:innen näher kennen. Elin ist eine erfolgreiche Influencerin, doch die zahlreichen Hasskommentare machen ihr zu schaffen. Sie leidet unter Panikattacken und die hohe Zahl ihrer sexuellen Kontakte mit Besuchern des Hotels bereitet ihrer Therapeutin Sorgen. Bei einer dieser Begegnungen passiert etwas, von dem sie nicht sicher ist, ob es Gewalt war. Doch bevor sie weiter darüber nachdenken kann wird sie zu ihrer Oma geschickt, deren Verhalten Fragen aufwirft. 

Ruth arbeitet in dem Krankenhaus, vor das ihre Mutter sich mit den anderen Frauen legt. Sie möchte ihre Arbeit gut erledigen, doch es gibt so viel zu tun, dass sie bis zur Erschöpfung und darüber hinaus arbeitet und trotzdem nicht alles schafft, was zu tun wäre. Im Krankenhaus begegnet sie auch Nuri, der keinen Schulabschluss hat und daher diverse Jobs im Niedriglohnsektor hat - Barkeeper, Reinigungskraft, Bettenschubser, Essenslieferant - um sich finanziell über Wasser zu halten.

Schnell war ich mittendrin in der Geschichte und gespannt darauf, welche Reaktion die stille Revolte der Frauen auslöst. Der Geist der Aktion verbreitet sich und plötzlich verweigern überall Frauen die Arbeit. Der Autorin gelingt es damit eindrucksvoll, den Wert von Care Arbeit zu verdeutlichen und was das plötzliche Wegbrechen für Konsequenzen hätte. Auch die katastrophalen Zustände in Pflegeberufen und im Niedriglohnsektor sind Teil des Romans. Der starke Zusammenhalt der Frauen hat mir gut gefallen und mit Nuri hat die Geschichte einen männlichen Charakter, der sich nicht dem männlichen Rollenklischee entsprechend verhalten möchte. 

Nicht alles wird auserzählt, die Geschichte setzt auf intensive Szenen und überlässt es den Leser*innen, sich das restliche Geschehen genauer auszumalen. Für mich ist "Und alle so still" ein feministischer Gesellschaftsroman, der gelungen aufzeigt, welche Konsequenzen eine kollektive Verweigerung der Frauen hätte und der zum Nachdenken ebenso wie zur Diskussion einlädt.

Mittwoch, 17. April 2024

Rezension: Und alle so still von Mareike Fallwickl

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Und alle so still
Autorin: Mareike Fallwickl
Erscheinungsdatum: 16.04.2024
Verlag: Rowohlt Hundertaugen (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783498002985

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Was wäre, wenn alle Frauen sich weigern würden, eine Arbeit, gleich welcher Art, zu erledigen und sich stattdessen einfach untätig hinlegen? Dieser Frage geht Mareike Fallwickl in ihrem Roman „Und alle so still“ nach. Der Titel lehnt sich an das Schweigen der liegenden Frauen an, denn es ist alles gesagt und es hat kaum etwas bewirkt. Die Arbeit vieler Frauen bleibt unsichtbar und erfährt daher keine Wertschätzung. Gleiche Bezahlung für alle Arbeitnehmer(innen) für gleiche Arbeit gibt es oft nicht. Das Schweigen ist aber auch das Resultat der Müdigkeit, sich immer wieder bewähren zu müssen. Ohne Worte wirkt der stille Protest wie eine Mauer.

Die Kapitel wechseln in einer personalen Erzählperspektive zwischen mehreren Protagonist(inn)en. Eine von ihnen ist Elin, 21 Jahre alt und erfolgreiche Influencerin, die sich aufgrund zahlreicher Hasskommentare zu ihren Posts in therapeutischer Behandlung befindet. Ihr Körper ist bereits so oft kommentiert worden, dass sie selbst das Gefühl für ihn verloren hat. Ihre Mutter, die Leiterin einer Therme, hat sie allein erzogen und ihr die Vielfalt kulturellen Guts gezeigt, Respekt ohne Wertung, aber auch das klare Formulieren ihrer Bedürfnisse.

Ein weiterer Protagonist ist der neunzehnjährige Nuri, der einen deutschen Vater und eine singhalesische Mutter hat. Er hat die Schule abgebrochen, ohne Kenntnis seiner Eltern. Seitdem hangelt er sich mit Aushilfsjobs durchs Leben und nimmt häufig körperlich besonders anstrengende, für Ungelernte aber vergleichsweise gut bezahlteste Arbeitsaufträge an. Die machomäßige Haltung vieler seiner Geschlechtsgenossen ist für ihn nicht akzeptabel. Die 55 Jahre alte Ruth dagegen arbeitet über das Maß hinaus als Pflegekraft im Krankenhaus. Sie erlebt ihre Mutter im Patriarchat des Vaters. Sie hat sich nie aufgelehnt und ein ausgeprägtes Pflichtgefühl ihren Mitmenschen gegenüber entwickelt.

Vor allem durch ihre Figuren Nuri und Ruth verweist Mareike Fallwickl nicht nur auf den allgemeinen zunehmenden Notstand in der Pflege, sondern auch auf den hohen Anteil bestimmter Personengruppen im Niedriglohnsektor. Die Beschreibungen der ausgeführten Tätigkeiten sind überaus realistisch, erschreckend und stimmen nachdenklich. Obwohl es genügend Personen gibt, die diese Arbeiten veranlassen und, beziehungsweise oder, die Arbeitsbedingungen kennen, gibt es kaum Verbesserungen irgendeiner Art.

Die drei Protagonist(inn)en treffen während des Aufstands der Frauen aufeinander. Die Kapitel werden wiederholt unterbrochen von der ungewöhnlichen Sichtweise einer Pistole, einer Berichterstattung und einer Gebärmutter, wobei erstere mich von Beginn an beunruhigte. Die Autorin spielt im Rahmen dieses Zukunftsbilds mit Klischees und überspitzt herausfordernd ihre Darstellung. Einige Themen sind nur am Rand angesprochen, würden aber ansonsten den Rahmen des Romans sprengen. Jedoch verdeutlichen sie, wie viel mehr Ungerechtigkeiten, Vorurteile und Stigmatisierungen noch zu beheben sind. Auch ich bin der Meinung der Autorin, dass ein gleichberechtigtes Zusammenleben der Geschlechter dann möglich ist, wenn Männer sich neu orientieren.

Der Roman „Und alle so still“ von Mareike Fallwickl ist so elektrisierend wie das Cover. Der Autorin ist es gelungen, das relevante Thema von Ungleichheiten in unserer Gesellschaft so in eine Geschichte zu verpacken, dass sie die Lesenden aufrüttelt. Hoffentlich erreicht sie ausreichend Entscheidungsträger unseres Systems, um zu Veränderungen zu führen. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung und eine Aufforderung zum Lesen.


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