Freitag, 29. Dezember 2023

Rezension: Mrs Potts' Mordclub und der tote Bräutigam von Robert Thorogood

 


(Kurz-)Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Mrs Potts' Mordclub und der tote Bräutigam
Band 2 von bisher 2
Autor: Robert Thorogood
Übersetzer aus dem Englischen: Ingo Herzke
Erscheinungsdatum: 05.10.2023
Verlag: KiWi
ISBN: 97833462002188
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Es ist etwa ein Jahr vergangen, seit es in der britischen Stadt Marlow, die westlich von London liegt, zu mehreren Morden kam. Judith Potts, 78 Jahre alt, verwitwet und Erstellerin komplizierter Kreuzworträtseln hat damals gemeinsam mit ihren jüngeren Freundinnen, der Hundesitterin Suzie und der Pfarrersfrau Becks, entscheidend zu den Aufklärungen der Fälle beigetragen.

Im zweiten Band der Reihe „Mrs Potts Mordclub“ von Robert Thorogood mit dem Titel „Der tote Bräutigam“ sind die drei Frauen vor Ort als Sir Peter Bailey am Tag vor seiner Hochzeit tot in seinem abgeschlossenen Arbeitszimmer aufgefunden wird. Die Umstände sind außergewöhnlich, denn ein schwerer Schrank ist auf ihn gefallen und der Schlüssel zum Raum befindet sich der Hosentasche des Toten. Von der Kriminalpolizei wird der Fall schnell als Unfall abgeschlossen. Doch Judith Potts und ihren Freundinnen fallen immer mehr Details ins Auge, die auf gewollte äußere Eingriffe in das Geschehen, das zum Tod von Sir Bailey führte, hinweisen.

Mir hat es gefallen, dass der Autor die Protagonistinnen genau hinschauen und Zusammenhänge erkennen lässt, die dennoch keine Lösung bieten und mich lange miträtseln ließen. Am Ende der Geschichte machen Becks und Suzie ihrer Freundin Judith Vorwürfe, die das weitere Miteinander der Ermittlerinnen in Frage stellen. Doch manchmal ist bei diesem Kriminalfall alles nur Schein statt Sein. 

Entsprechend eines Cosy Crime kommen die Ermittlungen gemächlich voran. Der Mord sorgt für hohe Aufregung in der kleinen Stadt, in der jeder und jede alle zu kennen scheinen. Das Erbe des Herrenhausbesitzers rückt in den Mittelpunkt. Weil jedoch mehrere Personen sich Hoffnung darauf machen, gibt es einige Mordverdächtige und die Ermittlungen werden immer komplexer.

Obwohl das Motiv für den eventuellen Mord an Sir Bailey eindeutig erscheint, konnte mich die letztliche Auflösung überraschen. Während durchgehend die Spannungskurve gehalten wurde, brachte Robert Thorogood sie zum Schluss auf einen Höhepunkt dadurch, dass eine der drei ermittelnden Freundinnen in unmittelbare Gefahr geriet. Ich empfehle den Krimi gerne weiter, denn er hat mich bestens unterhalten.


Samstag, 16. Dezember 2023

Rezension: Das mangelnde Licht von Nino Haratischwili

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Das mangelnde Licht
Autorin: Nino Haratischwili
Erscheinungsdatum: 25.02.2022
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783627002930
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Erstmal vorweg: Ich finde, dass alles Gute, was ich vor dem Lesen über den Roman „Das mangelnde Licht“ von Nino Haratischwili gehört habe, stimmt!

Der Titel des Buchs bezieht sich auf ein Foto, das eine der vier Protagonistinnen, die Fotografin von Beruf ist, von den anderen dreien aufgenommen hat. Obwohl dieses Bild vom Sonnenlicht geflutet ist, fängt es die desillusionierte Stimmung der Freundinnen ein, über deren junge Leben sich viele Schatten gelegt haben. Dina hat als Fotografin sich nie, auch im übertragenen Sinne nicht, mit zu wenig Licht zufriedengegeben. Auf ihre Weise hat sie einen Kampf dagegen geführt, hat Situationen in Krisengebieten mit ihrer Kamera festgehalten und die Fotos in Zeitungsartikeln und Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, damit die Welt hinschaut und erkennt. Dabei hatte sie die Hoffnung, dass ihr Land, ihre Stadt, ihr Umfeld das dunkle Geschehen beenden kann, das alles ins Verderben zieht.

Nach einer ersten Einführung der Hauptfiguren befand ich mich im Jahr 1987. Aufgrund einer Einladung besucht die Ich-Erzählerin Keto ebenso wie zwei ihrer Freundinnen in Brüssel eine Ausstellung mit Werken von Dina, die das Vierer-Kleeblatt früher komplettiert hat, aber vor mehreren Jahren verstorben ist. Durch die Erwähnung ihres Tods an einem Strick auf der ersten Seite stellten sich bei mir als Leserin die Frage nach den Umständen ihres Sterbens. Es wird viele Seiten brauchen, bis fast zum Ende des Romans, bis ich eine Antwort auf meine Fragen erhalte.

Dinas Fotos haben nichts von ihrer Wirkung auf den Betrachter verloren. Keto geht von Bild zu Bild. Jedes Foto ordnet sie darauf ein, wann und wo es aufgenommen wurde. Ihre Erinnerungen entwickeln sich zu einer Geschichte, die auf die Jahre der Freundschaft der vier Frauen zurückblickt, die Ende 1980er Jahre beginnt.

Während sich Georgien noch in einer starken Unabhängigkeitsbewegung befindet, werden die späteren Freundinnen Dina, Nene, Ira und Keto in Tiflis zu Klassenkameradinnen. Dina ist von den vier Frauen diejenige, die am stärksten nach Freiheiten sucht, sowohl im Denken wie auch für ihre Handlungen. Nene wächst in einer patriarchalen Familie auf, bewahrt aber trotz strenger Vorgaben immer ihre Gutmütigkeit, gelegentlich gepaart mit Sentimentalität. Dagegen ist Ira die Strebsamste und steht Fakten nüchtern gegenüber. Die drei Freundinnen, die bei ihren Familien in der Altstadt leben, brauchen Keto in ihrer Mitte, um den Zusammenhalt durch ihr ausgleichendes Gemüt zu sichern. Sie stehen einander bei, als sie den ersten Liebeskummer erleben. Schwieriger wird ihre Beziehung, nachdem Freunde, Bekannte und Verwandte sich zu zwei konkurrierenden Gangersterbanden zusammenfinden und sie sich auf verschiedenen Seiten wiederfinden mit wenig Möglichkeiten, sich den Verbrechen entgegenzustellen.

Die Autorin erzählt mit einer großen Genauigkeit, die sich nicht mit der Schilderung des Erlebten begnügt, sondern auch die Hintergründe öffnet. Sie lässt Keto nicht nur ihre eigenen Gefühle beschreiben, sondern sie lässt sie auch sich in die Gedankenwelt der Freundinnen versetzen. Aufgrund gemeinsamen Gespräche sucht Keto nach Gründen für deren Handlungen. Jedes der von Keto in Brüssel betrachteten Fotos bringt eigene Geschichten ans Licht: romantisch oder mit grausamen Folgen, voller Lebensfreude oder am Ende der Hoffnung, aber immer lesenswert gestaltet, so dass ich keinen Part missen wollte.

Die vier Freundinnen wachsen inmitten eines Umfelds auf, in dem die einen nach Macht trachten und die anderen sich diesen Bestrebungen beugen. Schon früh wird ihnen schmerzlich deutlich, dass sie nur durch eigenes Tun den um sie befindlichen Ring aus Gewalt und Verzweiflung durchbrechen können. Über die vielen Seiten des Romans hinweg liegt eine unterschwellige Spannung, ob das den jungen Frauen gelingen wird.

In ihrem Roman „Das mangelnde Licht“ erzählt Nino Haratischwili mit großem Einfühlungsvermögen von der Freundschaft vier junger georgischer Frauen, die während der Bewegung zur Unabhängigkeit des sozialistischen Landes aufwachsen. Ihre Verbundenheit wird vielfach auf die Probe gestellt durch Eifersucht und Gewalt im Umfeld bis hin zu Verrat, ist aber ebenso geprägt von gemeinsamen Momenten des Glücks und Hilfsbereitschaft. Sehr gerne empfehle ich das Buch uneingeschränkt weiter.

 



Mittwoch, 13. Dezember 2023

Rezension: Zimt - Für immer von Magie berührt von Dagmar Bach

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Zimt - Für immer von Magie berührt
3. Band von 3 der 2. Staffel
Autorin: Dagmar Bach
Erscheinungsdatum: 26.07.2023
Verlag: KJB
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Farbschnitt
ISBN: 9783737342773
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In „Zimt – Für immer von Magie berührt“ von Dagmar Bach gerät die Protagonistin, die fünfzehnjährige Vicky King, in äußerste Gefahr und auch ihre Familie. Das Buch ist der dritte und abschließende Band der zweiten Staffel der „Zimt-Reihe“.

Schuld für die desaströse Situation, in der Vicky sich befindet, ist der niederträchtige Vater eines Schuldfreunds, der es aus dem Multiversum in die hiesige Welt geschafft hat. Bereits im vorigen Teil der Serie glaubten Vicky und ihre Freunde, die Bedrohung durch ihn beseitigt zu haben. Um das Problem zu lösen, ist es nicht hilfreich, dass Vicky und ihr Freund Konstantin in Begleitung von Zimtgeruch unregelmäßig in Parallelwelten versetzt werden. Sie müssen handeln und eine Lösung dafür finden, die Universen gezielt zu wechseln. Als ob das noch nicht genug wäre, muss Vicky sich damit auseinandersetzen, dass ein Parallel-Ich in der Beziehung mit Konstantin in Liebesdingen schon deutlich weiter fortgeschritten ist als sie selbst. Sie fragt sich in diesem Zusammenhang, ob sie wohl für den Austausch von Liebesbekundungen bereit ist.

Vicky ist und bleibt eine sympathische Protagonistin, der Familie und Freunde wichtig sind. Sie versucht immer einen Ausgleich herzustellen, wenn es in ihrem Umfeld zu einem Konflikt kommt. Dabei ähnelt ihr normaler Alltag dem vieler Gleichaltriger, so dass man sich gut in die Figur einfinden kann und sich beim Lesen manchmal wünscht, an ihrer Seite zu sein.

Ihre Großeltern sorgen auch diesmal durch ihre Social Media Aktivitäten für zwischenzeitliche Auflockerung der manchmal heiklen Situationen, in die Vicky gerät. Die Autorin schafft es, die Spannung anzuziehen, dann leicht zu lockern, um sie erneut bis zum Ende hin zu steigern.

Der Band ist ein passender Abschluss der großartigen Jugendbuchserie, der wieder mystisch, romantisch und dramatisch zugleich ist. Ich empfehle die Serie sehr gerne weiter, auch an interessierte Erwachsene, denn sie hat mir viele vergnügliche Lesestunden bereitet.


Sonntag, 3. Dezember 2023

Rezension: Kleine Probleme von Nele Pollatschek


Kleine Probleme
Autorin: Nele Pollatschek
Hardcover: 208 Seiten
Erschienen am 7. September 2023
Verlag: Galiani-Berlin
Link zur Buchseite des Verlags

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Lars ist ein Autor, der seit dem Schritt in die Selbstständigkeit jedoch noch kein einziges Buch geschrieben hat. Etwas Großes soll es werden, ein Lebenswerk, das Ende des Jahres abgabebereit ist. Doch jetzt ist der 31. Dezember, kurz nach Mittag, und das Buch ist genauso wenig fertig wie all die anderen ToDos, die sich im Laufe des Jahres angesammelt haben. Als seine Frau ihm schreibt, dass ihr Flieger sich verspätet und er vor der Silvesterparty noch einige Dinge erledigen soll, stellt er eine Liste auf: 13 Punkte will er bis Mitternacht abarbeiten. Jetzt aber wirklich. Dass er bis 13 Uhr nur auf die Liste gestarrt hat ist allerdings kein guter Anfang...

Die allermeisten werden es kennen: Unangenehme Aufgaben schiebt man gerne mal vor sich her. Auch wenn ich selbst die meisten Dinge zügig erledige, steht ein Fahrrad mit plattem Reifen in meinem Keller, an dem ich auf dem Weg zur Waschmaschine jedes Mal mit schlechtem Gewissen vorbeihusche. Das Problem bei Lars ist jedoch deutlich ausgewachsener. Nicht nur arbeitet er seit Jahren an einem Roman, den er nicht mal richtig begonnen hat, bei ihm scheitert es an den grundlegendsten Aufgaben wie putzen und Nudelsalat machen. Doch an Silvester trifft ihn die Erkenntnis: Jetzt oder nie.

Der rund 200 Seiten umfassende Roman ließ mich Lars' Gedankenstrom folgen. Als ehemaliger Philosophiestudent macht er sich nicht plötzlich an die Arbeit, sondern reflektiert intensiv seine Situation und sinniert auch mal über Arbeit und Leben im Allgemeinen. Für mich grenzte es geradezu an ein Wunder, dass er bei all dem Denken überhaupt etwas geschafft bekommt. Er ist ein tragikomischer Charakter, der zum Scheitern geradezu verdammt zu sein scheint. Gleichzeitig hegte ich die Hoffnung, dass er doch noch irgendwie die Kurve kriegt. Ihm zuzuschauen ist amüsant, auf Dauer jedoch auch etwas ermüdend. Schließlich nimmt Lars' Kampf gegen den eigenen Schweinehund geradezu spektakuläre Züge an, die Schwung in die letzten Seiten bringen. 

"Kleine Probleme" berichtet überspitzt, unterhaltsam und mit einer guten Portion schwarzem Humor von den Anstrengungen des Abarbeitens gefühlt nie enden wollender ToDo-Listen. Vorsicht ist geboten, wenn ihr dieses Buch in den letzten Tagen des Jahres lest - die könnten danach weniger entspannt werden, als ihr dachtet!

Samstag, 2. Dezember 2023

Rezension: Die Bibliothek im Nebel von Kai Meyer


Die Bibliothek im Nebel
Autor: Kai Meyer
Hardcover: 560 Seiten
Erschienen am 2. November 2023

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Im Jahr 1917 flieht der Bibliothekar Artur aus Sankt Petersburg, nachdem die Geheimpolizei seinen Onkel, seine Tante und seine Cousine aus ihrem Haus verschleppt hat. Ein Bekannter verschafft ihm eine Schiffspassage nach Deutschland, wo er in Leipzig ein Manuskript abliefern soll. Artur hofft vor allem, dort Mara wiederzubegegnen, für die er noch immer Gefühle hat. Doch sie hat sich drei Jahre zuvor während eines Urlaubs an der Côte d'Azur gegen ihn und für ein Leben in Leipzig entscheiden. 

Die Koffer, welche die Familie dort am Urlaubsende für das nächste Mal zurückgelassen hatte, findet 1928 die elfjährige Liette auf dem Dachboden des Hotels. Darin mach sie eine Entdeckung, die ihre Neugier weckt. Im Jahr 1957 begibt sie sich als Hoteldirektorin gemeinsam mit dem ehemaligen Journalisten Thomas Jansen auf die Suche nach Mara - angeblich, weil diese die Alleinerbin der Villa auf dem Nachbargrundstück ist, dessen Bibliothek Liette seit ihrer Kindheit fasziniert. Doch eine gefährliche Person ist den beiden auf den Fersen.

Das Buch spielt ingesamt auf drei Zeitebenen, sodass ich eine Weile brauchte, um in der Geschichte anzukommen. Ich erfuhr zunächst nur das Nötigste über die Charaktere und merkte schnell, dass es über diese einiges zu erfahren gibt. Was ist zwischen Artur und Mara vorgefallen? Was ist aus dem Fund geworden, den Liette auf dem Dachboden gemacht hat? Und wieso will sie Mara unbedingt ausfindig machen? Das sind nur einige Fragen, die ich mir bald stellte.

Mit jedem Kapitel erhielt ich neue Puzzlestücke. So erfuhr ich zum Beispiel, wie Artur und Mara sich kennenlernten und folgte den Spuren, die Mara in Frankreich hinterlassen hat. Bald wird klar, dass alle drei Zeitebenen eng miteinander verwoben sind und ich das große Ganze verstehen muss, um alle Antworten zu erhalten. Es gibt viele Zeitsprünge, dafür bleibt die Zahl der Charaktere übersichtlich, sodass ich den Überblick behalten konnte.

Auf allen Zeitebenen gibt es gefährliche Personen, welche die Wege der Charaktere kreuzen. Es kommt zu hochspannenden Szenen, in denen es um Leben und Tod geht, dazwischen jedoch auch längere ruhige Phasen, in denen der Fokus auf Rückblicken und der Suche nach Mara liegt. Diese bleibt als Figur am wenigsten greifbar. Gleichzeitig bilden die Fragen nach ihren Geheimnissen und der Motivation ihres Handelns den Kern des Romans. Die Neugier, hier endlich Antworten zu erhalten, ließ mich weiterlesen, bis meine Geduld in den letzten Kapiteln endlich belohnt wurde.

"Die Bibliothek im Nebel" bietet eine Handlung, die sich über mehrere Jahrzehnte und von Russland über Deutschland bis nach Frankreich erstreckt. Wer Lust hat, tief in einen Roman einzutauchen und zahlreiche Geheimnisse Stück für Stück zu lüften, der ist hier genau richtig. Ein intensives Leseerlebnis, das mir sehr gut gefallen hat.

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