Samstag, 17. November 2018

[Rezension Hanna] Der magische Adventskalender - Jan Brandt, illustriert von Daniel Faller



[Werbung]
Der magische Adventskalender
Autor: Jan Brandt
Illustrator: Daniel Faller
Hardcover: 208 Seiten
Erschienen am 8. Oktober 2018
Verlag: Dumont
-----------------------------------------------------------------------

Jonas lebt gemeinsam mit seinem Vater, einem Schreiner, und seiner Schwester in dem kleinen Städtchen Ravenhagen. Er teilt nicht gern und stibitzt seiner Schwester sogar ihr Frühstück, wenn niemand hinschaut. Doch dann findet er vor dem Haus im Rinnstein einen Kasten, der sich als Adventskalender herausstellt. Doch die Türchen, die alle kleine Symbole zeigen, sind fest verschlossen. Sie deuten alle auf Personen in Ravenhagen hin, welche die jeweilige Tür als einzige öffnen können. Jonas ist fest entschlossen, das Geheimnis zu lüften. Doch dazu muss er so manches Mal seinen Mut zusammen nehmen. Darüber hinaus will ihm jemand den Kalender streitig machen, und dieser entwickelt zunehmend ein Eigenleben…

Mit 24 Kapiteln und einem Epilog ist diese Geschichte ein Adventskalender in Buchform. Jeden Tag kann der Leser in eine kurze Episode eintauchen. Am ersten Tag findet Jonas den magischen Kalender vor seiner Tür und hat auch gleich eine Idee, wie er das verschlossene Türchen öffnen kann. Das Haus der Holzfäller ist abgebildet, und die können die Schokolade problemlos aus seinem Versteck befreien.

Die nächsten Tage werden zu einer größeren Herausforderung, denn oft symbolisieren sie Personen, mit denen Jonas bislang nicht oder nicht oft geredet hat. Bei einigen hatte er dazu bislang keinen Grund, vor anderen hat er eher ein bisschen Angst. Außerdem sind auch Personen wie zum Beispiel Lehrer dabei, mit denen er zwar oft spricht, bei denen er aber nicht so recht weiß, wie er seine Bitte, das Türchen zu öffnen, vortragen soll.

In einigen Kapiteln wird es auch spannend, denn Maik Mirscheidt, der mit Jonas zur Schule geht, will ihm den Adventskalender abluchsen. Immer wieder lauert er Jonas auf und dieser muss sich etwas einfallen lassen, um den Kalender zu beschützen. Außerdem hat der Adventskalender scheinbar noch mehr magische Eigenschaften als das exklusive Türchen-Öffnen, die es zu lüften gilt. Besonders erstaunt ist Jonas, als er feststellt, dass jemand im Kalender zu wohnen scheint…? Und was hat es eigentlich damit auf sich, dass jede Schokolade die Form eines Buchstaben hat?

Mir machte es großen Spaß, immer wieder in die Geschichte einzutauchen. Sie hat eine lockere Sprache und die Atmosphäre ist magisch durch die rätselhaften Mechanismen des Kalenders und die ungewöhnlichen Begegnungen, die Jonas macht. Sehr gefallen haben mir auch die schönen Illustrationen von Daniel Faller. In jedem Kapitel wartet eine ganzseitige Visualisierung der beschriebenen Szene auf den Leser. Die Geschichte lässt sich von Jung und Alt gleichermaßen lesen. Begebt Euch nach Ravenhagen und findet an Jonas Seite mehr über das Geheimnis des Adventskalenders heraus!

Freitag, 16. November 2018

[Rezension Ingrid] Der Stammhalter von Alexander Münninghoff


Titel: Der Stammhalter - Roman einer Familie
Autor: Alexander Münninghoff
Erscheinungsdatum: 20.07.2018
Verlag: C.H. Beck (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783406727320
---------------------------------------------------------------------------


Im Buch „Der Stammhalter“ erzählt Alexander Münninghoff die Geschichte seiner eigenen Familie, die mit seinem Großvater Joan Münninghoff beginnt, der im Jahr 1917 im lettischen Riga die zukünftige Großmutter des Autors kennenlernt. Zwei Jahre später wurde die Ehe geschlossen aus der vier Kinder hervorgingen.

Der Niederländer Joan Münninghoff gründete während des ersten Weltkriegs eine Exportfirma in Dänemark und ließ sich später in Lettland nieder. Durch seine erfolgreichen Geschäfte war er wohlhabend und gelangte dadurch zu einigem Einfluss. Permanent vergrößerte er sein Unternehmen. Um die vier Kinder des Ehepaars Joan und Erica Münninghoff kümmerte sich hauptsächlich eine Gouvernante. Frans, der Erstgeborene und Vater des Autors, sollte als Stammhalter später die Geschäfte weiterführen. Mit elf Jahren wurde er auf ein Internat in die Niederlande geschickt. Doch Zeit seines Lebens hat Frans sich nie als Niederländer gesehen.

Der zweite Weltkrieg ließ Joan und seine Familie im Jahr 1940 aus Lettland in das niederländische Voorburg in der Nähe von Den Haag flüchten. Sobald es ihm möglich war, schloss Frans sich der deutschen Waffen-SS an. Arbeitete er zunächst als Dolmetscher so kämpfte er später an der vordersten Front. Für seinen Vater ist und bleibt er ein Querulant, was sich in vielen geschilderten Ereignissen zeigt. Die Geburt von Alexander im Jahr 1943 nahm das Familienoberhaupt wohlwollend zur Kenntnis und setzte kurz nach dem Krieg alles daran, das Sorgerecht für den Enkel auf die Seite seines Sohns zu bekommen als dieser sich von seiner Frau trennte.

Die wahre Geschichte der Familie Münninghoff liest sich stellenweise spannender als mancher Roman mit fiktiven Charakteren. Der Autor gibt sich zunächst als neutraler Erzähler. Anhand von Gesprächen und Schriftgut hat er das Leben seines Großvaters und Vaters gekonnt rekonstruiert und schildert sowohl bedeutende Ereignisse als auch unbedeutend erscheinende Begebenheiten, die aber ungeahnte Auswirkungen haben. Er lässt das unbeschwerte, manchmal ausgelassene Leben in Riga wiederaufleben genauso wie die schwierigen Kriegsjahre, in denen vor allem Joan manche Beziehung zum Erhalt der Normalität spielen ließ. Alexander Münninghoff erklärt Zusammenhänge soweit sie sich ihm erschließen, räumt aber eine dunkle ungeklärte Seite im Leben seines Großvaters ein, durch die er seinen Willen umsetzen konnte.

Überrascht hat mich vor allem ein Teil der Geschichte, in dem das rigorose Eingreifen des Großvaters es verhindert hat, dass der Autor vielleicht so wie ich im Kreis Heinsberg aufgewachsen wäre. Besonders hier zeigt sich die Stellung Joans als Großvater, Vater und Ehemann, der von seinen Angehörigen Treue und Ergebenheit erwartet, nichts darf den Ruf der Familienehre trüben. Ab einem bestimmten Zeitpunkt stellt Alexander Münninghoff seine Wahrnehmung der Dinge auf den Prüfstand. Er beginnt gewisse Ereignisse zu hinterfragen. Aus dem inzwischen zeitlichen Abstand heraus sieht er sein Verhältnis zu Vater und Mutter zunehmend differenzierter. Sein persönliches Schicksal lehrt die Bereitschaft zur Vergebung und der Akzeptanz der gegebenen Umstände.

Im Roman „Der Stammhalter“ hat Alexander Münninghoff sich mit seiner familiären Vergangenheit auseinandergesetzt und sie in den historischen Kontext eingebunden. Manches reale Ereignis ist dabei unerwarteter als eine Fiktion. Insgesamt eine faszinierende Geschichte, die ich gerne weiterempfehle.

Montag, 12. November 2018

[Rezension Ingrid] Mein ist die Macht von Leon Sachs


*Werbung*
Titel: Mein ist die Macht
Autor: Leon Sachs
Verlag: emons 
Erscheinungsdatum: 11.10.2018
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur
ISBN: 9783740804336
----------------------------------------------------------
„Mein ist die Macht“ ist der zweite Thriller von Leon Sachs bei dem der französische Geschichtsprofessor Alex Kauffmann mit seiner Verlobten, der französischen Architektin Natalie Villeneuve, und deren Onkel, dem in Bordeaux lebenden Rabbiner Fabrice Mannarino, in Tatermittlungen einbezogen werden. Der Terror im vorliegenden Krimi bezweckt den Kampf um die Macht zur Führung mit deren Hilfe sich ein Machtinhaber die Möglichkeit erhofft, die Glaubensrichtung bestimmen zu können. Doch zuerst gilt es, die Zustimmung der Mehrheit in der Bevölkerung Deutschlands zu bekommen. Mit dem dadurch erhaltenen Vertrauen lässt sich die Macht ausbauen. Dementsprechend deutet auch der Titel bereits darauf hin, dass die im Thriller verübten Anschläge allein dem Zweck dienen, die Führung an sich zu reißen. Auf dem Cover ist ein funkensprühender Regen wie nach einer Explosion zu sehen. Furios beginnt der Krimi mit einem Bombenanschlag auf die Zentralmoschee in Köln bei der eine solche Wolke sicher gesehen worden wäre.

Der Anschlag erschüttert die Politik und die Glaubenswelt. Deren Vertreter treffen sich daraufhin innerhalb von zwei Wochen zum Abschluss eines Friedensvertrags, der einen Rat der Religionen begründen soll, auf dem Petersberg in der Nähe von Bonn. Als Rabbiner ist der über 70 Jahre alte Fabrice zwar kein hoher Würdenträger, doch er gehört zu den anwesenden jüdischen Vertretern. Ebenfalls vor Ort ist die erfolgreiche Lobbyistin Cara Allegri aus Berlin. In einem vertraulichen Gespräch teilt sie Fabrice mit, dass sie die Information darüber hat, dass am nächsten Tag ein Anschlag auf die an der Versammlung teilnehmende Tochter des US-Präsidenten geplant sein soll und sie deshalb seine Hilfe benötigt. Am nächsten Tag beobachten die beiden im Hotel einen verdächtigen Mann. Doch statt ihn stellen zu können, wird Fabrice anscheinend gelinkt und gerät selbst unter Tatverdacht. Natalie und Alex eilen ihm zu Hilfe, die sich jedoch als schwierig zu erbringen erweist. Immer tiefer dringen die beiden und Cara zu einer undurchsichtigen Verschwörung vor, die sie zunehmend selbst ins Fadenkreuz der Machtgierigen bringt.

Natürlich macht es mehr Spaß, wenn man auch die ersten Ermittlungen aus „Falsche Haut“ kennt, in die Alex, Natalie und Fabrice einbezogen waren, doch das Lesen von „Mein ist die Macht“ ist unabhängig davon möglich. Mir hat der vorliegende Thriller sogar noch etwas besser gefallen. Leon Sachs ist eine äußerst gute Konstruktion gelungen, die den Leser kaum oder keinen Vorsprung vor den Erkenntnissen der Protagonisten gibt. Erst nach und nach deckt er neue Fakten auf und gibt die Drahtzieher preis. Die Spannung ist von Beginn an vorhanden, die Spannungskurve hält sich bis zum Schluss. Leon Sachs spielt mit der Wahrheit und täuscht die Leser. Mit geschickt gesetzten Cliffhangern verließ er einige Szenen, was sie Spannung weiter steigerte. Aufgrund der mir dann fehlenden Information des weiteren Handlungsablaufs kam ich ins Grübeln darüber, ob Fabrice oder eine andere bis dahin unschuldig erscheinende Person nicht doch Täter oder Mithelfer sein könnte. Ganz nebenbei baut der Autor noch in die Beziehung von Alex und Natalie eine geheimnisvolle Problemvariante ein.

Dank der Kenntnisse von Leon Sachs über Konflikte zwischen Religionen und Politik und seiner sehr guten Recherche konnte ich einiges aus der Welt verschiedener Glaubensrichtungen erfahren, auch zur Symbolik. Der Thriller greift ein heute hochbrisantes Thema auf und führt es äußerst fesselnd aus. Gerne empfehle ich das Buch an Leser des Genres Krimi und Thriller weiter.

Samstag, 10. November 2018

[Rezension Hanna] Die Frauen von Savignyplatz - Joan Weng


 

[Werbung]
Die Frauen von Savignyplatz
Autorin: Joan Weng
Taschenbuch: 320 Seiten
Erscheinungsdatum: 5. Oktober 2018
Verlag: Aufbau

-----------------------------------------------------------------------

 
Im Berlin des Jahres 1916 soll die siebzehnjährige Vicky, deren Eltern eine Metzgerei gehört, mit dem Herrn Tucherben Ebert verheiratet werden. An dem deutlich älteren Mann, mit den sie kaum je ein Wort gewechselt hat, reizt sie nichts. Dem tristen Alltag entfliehen kann sie am Besten durch Liebesromane, die sie gern auch an die Kundinnen der Metzgerei weiterempfiehlt. Als eines Tages Willi in den Laden kommt, der vier Jahre älter ist als sie, eigentlich Chemiestudent und in der Stadt, um etwas für seinen Hauptmann zu erledigen, ist es um sie geschehen. Als er schon zurück an der Front ist, merkt Vicky, dass sie schwanger ist. Neun Jahre später steht sie vor den Scherben ihres Lebens: Ihr Mann will sie und die vier Kinder verlassen. Wie soll sie allein zurecht kommen? Sein Vorschlag, eine Buchhandlung zu eröffnen, klingt für sie irrwitzig - oder könnte es wirklich funktionieren?

Die Buchbeschreibung verspricht einen Roman über eine Frau, die mit ihrer Freundin eine Buchhandlung nur für Frauen eröffnet. Ich freute mich sehr auf diese Geschichte im Berlin der 20er Jahre. Nach wenigen Seiten wird jedoch klar, dass Vickys Weg bis zur Eröffnung des Ladens länger ist, als die Beschreibung den Eindruck erweckt. Der Roman beginnt im Jahr 1916, wo ihre Hochzeit mit den deutlich älteren Herrn Ebert bevorsteht, einem Freund der Familie, den sie kaum kennt. Als sie sich Hals über Kopf in den Soldaten Willi verliebt und von ihm schwanger wird, muss sie eine wegweisende Entscheidung treffen.

Nach 40 Seiten macht die Geschichte einen Zeitsprung ins Jahr 1925. In diesem und im Folgejahr spielt der Rest der Geschichte. Inzwischen hat Vicky vier Kinder und ihr Mann eröffnet ihr, dass er sie für eine andere verlassen will. Vicky nimmt das zuerst nicht ernst, denn er ist ihr schon seit Jahren untreu und ist doch immer wieder zu ihr zurückgekommen. Doch jetzt hat er seine alte Flamme geschwängert und will mit ihr zusammenleben. Gut konnte ich mich in Vicky hineinversetzen und ihre Verzweiflung nachvollziehen sowie ihre Unsicherheit, was sie sich selbst nun zutrauen kann.

Zwei Personen spielen in Vickys Leben eine wichtige Rolle. Das ist zum einen ihr Bruder Bambi, der psychisch versehrt aus dem Krieg zurückgekommen ist. Nachdem er jahrelang gedanklich ganz abwesend war ist er inzwischen wieder klarer, weigert sich aber, Fleisch zu essen, was von seiner Umwelt mit Argwohn betrachtet wird. Doch mit seiner sanften und hilfsbereiten Art ist er eine wichtige Stütze für Vicky. Zum anderen ist da Lisbeth, Vickys beste Freundin, die ihr immer mit Rat und Tat zur Seite steht und sie motiviert, nicht aufzugeben.

Das Thema, als Frau in den 20er Jahren eine andere Rolle als die der Mutter und Hausfrau einzunehmen, steht im Zentrum der Geschichte. Die Autorin nutzt das Setting, um weitere Aspekte einzubringen: Vicky lehnt sich gegen ihre Eltern auf, von denen sie finanziell abhängig ist und die Resonanz der Gesellschaft auf ihre Idee, in einem Laden am Savignyplatz Liebesromane zu verkaufen, fällt höchst unterschiedlich aus. Sollten Frauen sich wirklich mit dieser „Dienstmädchenlektüre“ die Zeit vertreiben dürfen? Hier trifft Emanzipation auf konservative Einstellungen. Auch der erstarkende Nationalsozialismus spielt eine Rolle. Ich fand es interessant, in die Zeit einzutauchen und Vicky zu begleiten, die alles andere als perfekt ist, sondern Ecken und Kanten hat. Gestört hat mich jedoch das Hin und Her in Vickys Beziehung, das sich durch das gesamte Buch zieht. Sie und ihr Mann sprechen sich lange nicht richtig aus und die Entscheidung, wie es nun weitergehen soll, ändert sich mehrfach.

In „Die Frauen vom Savignyplatz“ wird Vicky von ihrem Mann verlassen und steht mit ihren vier Kindern allein da. Ihre Eltern, auf deren Unterstützung sie angewiesen ist, wollen, dass sie möglichst schnell einen neuen Mann und Freund der Familie heiratet. Doch sie will lieber auf eigenen Beinen stehen – zu jener Zeit eine große Herausforderung für eine vierfache Mutter. Der Autorin gelingt es, die Zeit lebendig werden zu lassen und hat mich Vicky eine authentische Protagonistin geschaffen. Nur das andauernde Hin und Her in Sachen Liebe dauerte mir zu lang. Eine schöne Story für alle weiblichen Leserinnen, die Lust auf einen historischen Roman haben, der in Berlin spielt!

Donnerstag, 8. November 2018

[Rezension Ingrid] Träume der Provence von Anja Saskia Beyer


Titel: Träume der Provence
Autorin: Anja Saskia Beyer
Erscheinungsdatum: 28.08.2018
Verlag: Tinte & Feder #amazonpublishing
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
ISBN: 9782919802388
----------------------------------------------------


Anne, die Mutter der Protagonistin des Romans „Träume der Provence“ von Anja Saskia Beyer, war in den 1960ern einige Zeit als Au-Pair-Mädchen in Südfrankreich, doch darauf angesprochen, verschließt sie sich. Doch mit einer Aprikosentarte, wie sie auch auf dem Cover zu sehen ist, verwöhnt sie ihre Tochter Marie und ihren Enkel Robin immer wieder gern.

Mehrere Jahre nach dem Tod von Anne verliert Marie ihre Anstellung und ist gezwungen das Haus in Berlin, in dem sie mit dem inzwischen fünfzehnjährigen Robin wohnt, aufzugeben. Bei Aufräumarbeiten findet ihr Sohn auf dem Dachboden Fotos, die seiner Großmutter gehört haben. Auf einem davon ist ein Gemälde abgelichtet und auf der Rückseite der Vermerk, dass es von einem gewissen Vincent Soleil an Anne gegeben wurde. Bennett, ein mit Marie befreundeter Galerist, bestätigt den eventuellen Wert des Bilds. Eine Reise in die Provence auf der Suche nach Vincent Soleil käme Bennet gerade recht, um neue Kontakte zu Künstlern zu knüpfen, die die Umsätze seiner maroden Galerie wieder ankurbeln sollen. So reist er gemeinsam mit Marie und Robin in den Sommerferien nach Saint-Paul-de-Vence, einem kleinen Künstlerdorf in der Nähe von Nizza. Für Marie wird es eine Suche nach der Vergangenheit und dem Geheimnis ihrer Mutter.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart suchen Marie, Robin und Bennet in der nach dem Gemälde, im Jahr 1966 konnte ich Anne mit ihrer Au-Pair-Familie nach Südfrankreich begleiten. Während Marie und ihre Familie eine Erfindung der Autor sind, existiert das Künstlerdorf in der Provence tatsächlich. Anja Saskia Beyer beschreibt das quirlige Leben im Dorf authentisch und vorstellbar. Ihre Protagonisten sind gut ausformuliert und haben Ecken und Kanten. Deren Probleme versucht die Autorin aus unterschiedlichen Ansichten zu sehen, was ihr der allwissende Erzählstil ermöglicht. Obwohl ihre Charaktere einige Sorgen im Alltag haben, gibt gerade die Figur der Marie ein Vorbild, denn sie verliert auch in schwierigen Situationen nicht ihren. Einige Male handelt sie allerdings allzu spontan und unüberlegt. Ganz nebenher entwickelt sich eine Liebe, die im Laufe der Zeit reift.

„Träume der Provence“ ist eine leichte Lektüre die man vor allem gerne zur Unterhaltung liest und sich von der Geschichte mit in die Provence nehmen lassen kann. Ich habe den Roman gerne gelesen und empfehle ihn daher weiter.

Dienstag, 6. November 2018

[Rezension Hanna] Mittagsstunde - Dörte Hansen


[Werbung]
Mittagsstunde
Autorin: Dörte Hansen
Hardcover: 320 Seiten
Erscheinungsdatum: 15. Oktober 2018
Verlag: Penguin Verlag

-----------------------------------------------------------------------

„De Welt geiht ünner“ – davon ist Marret Feddersen schon lange überzeugt. Überall im kleinen Dorf Brinkebüll sieht die die Anzeichen: Ein Sommer ohne Störche, tote Bäume, Felder ohne Hasen, tote Rehe, tote Kinder. Marret Ünnergang, wie sie bald nur noch genannt wird, ist im kleinen Dorf Brinkebüll aufgewachsen, ihren Eltern gehört die Gastwirtschaft. Doch mit ihren Gedanken war sie immer schon ganz woanders. Mit siebzehn wird sie schwanger, danach noch sonderlicher. Jahrzehnte später kehrt ihr Sohn Ingwer ins Dorf zurück. Er ist promovierter Archäologe, steckt mit seinem Leben jedoch irgendwie fest und hat ein Sabbatjahr beantragt, um seine Großeltern zu pflegen. Nach vielen Jahren wird er wieder ein Teil der Dorfgemeinschaft und blickt mit einer frischen Perspektive auf deren Sitten und unausgesprochene Regeln. Doch wo ist sein Platz?

Der erste Roman der Autorin, „Altes Land“, hat mir sehr gut gefallen, weshalb ich mich auf diesen zweiten Roman gefreut habe. Auch „Mittagsstunde“ spielt in einem dörflichen Umfeld in Nordfriesland. Dort hat sich im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte einiges verändert. Zuerst begegnet der Leser der sonderlichen Marret Feddersen. Diese verkündet jahrelang den Weltuntergang und sieht in jedem einschneidenden Ereignis ein Zeichen dafür. Auf Klapperlatschen läuft sie durchs Dorf und erzählt jedem davon, eine alte Zeitschrift des Wachtturms ist ihr Beweis.

In der Gegenwart kehrt Marrets Sohn Ingwer ins Dorf zurück, dem er vor langer Zeit den Rücken gekehrt hat. Das Dorfleben hat sich inzwischen stark geändert: Der Dorfladen ist zu, die Schule auch, die meisten Bewohner haben das Vieh abgeschafft und die verlassenen Gebäude wurden von Stadtflüchtigen renoviert. Nur für Ingwers Großmutter Ella ist das alles noch lebendig, sie leidet an Demenz. Dafür ist die körperlich noch deutlich fitter als ihr Mann Sönke, der mit seiner zunehmenden Gebrechlichkeit hadert.

Die Geschichte springt zwischen den 60er Jahren und der Gegenwart hin und her, sodass für den Leser deutlich wird, was sich verändert hat und welche Entwicklung die Charaktere in dieser langen Zeitspanne gemacht haben. Dabei begegnen dem Leser viele Charaktere, die etwas schrullig und verschroben, aber irgendwie liebenswert sind. Der Leser erhält Einblick ins alltägliche Dorfleben, rauschende Feste, viel Getratsche und das starke Gemeinschaftsgefühl, dass die langjährigen Einwohner verbindet.

Es gibt viele unterhaltsame Szenen, zum Beispiel wenn Ingwers alter schmächtiger Schulkamerad plötzlich in Cowboykluft auftaucht, einen künstlichen Büffelschädel neben die Jagdtrophäen hängt und Zugezogenen Line Dance beibringt. Genauso oft gab es Momente, die mich berühren konnten. Denn wenn die Charaktere auf die letzten rund fünfzig Jahre zurückblicken und Bilanz ziehen, erinnern sie sich nicht nur an die schönen Momente, sondern auch an all das, was sie bereuen. Und da gibt es so einiges, vieles davon ist seit Jahrzehnten unausgesprochen.

Der Autorin gelingt es, den Verlust des Ursprünglichen und den Aufbruch in eine neue Zeit mit all seinen Konsequenzen deutlich zu machen. Dabei findet sie genau die richtigen Worte. Viele Stellen habe ich markiert, weil die Sätze nur allzu wahr und treffend sind. Die Charaktere schließt man schnell ins Herz, sie haben Tiefe und ich konnte mit ihnen mitfühlen. Der Fokus liegt darauf, Momente und Gefühle einzufangen. Für Ingwer steht schließlich eine wichtige Entscheidung an, die ich gut nachvollziehen konnte. Mich konnte das Buch mit seinen authentischen Charakteren und einer starken Sprache begeistern, sodass ich es gern weiterempfehle!

[Rezension Ingrid] Die Fotografin - Am Anfang des Weges von Petra Durst-Benning


*Werbung wegen Verlinkung*
Titel: Die Fotografin - Am Anfang des Weges (Teil 1 von 5)
Autorin: Petra Durst-Benning
Erscheinungsdatum: 10.09.2018
Verlag: blanvalet (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783764506629
----------------------------------------------------------------------------------


„Die Fotografin – Am Anfang des Weges“ ist der erste Teil der großen Saga mit voraussichtlich fünf Bänden von Petra Durst-Benning, in der sie das Leben der Fotografin Minna Reventlow schildert. Minna, genannt Mimi, ist eine fiktive Figur, die 1879 geboren wurde und in Esslingen als Tochter eines Pfarrers und seiner Frau aufgewachsen ist. Die Haupthandlung des ersten Teils spielt im Jahr 1911. Bereits das Cover vermittelt mit seiner Aufmachung ein gewisses Flair der damaligen Zeit und so wie die junge Frau auf dem Umschlag stellte ich mir beim Lesen Mimi vor.

Josef, der Bruder von Mimis Mutter, ist Wanderfotograf und Mimis großes Vorbild. Nach einigen Jahren als Angestellte in ihrem erlernten Beruf der Fotografin entscheidet Mimi sich mit Mitte 20 dazu, ihre eigenen Ideen zur Gestaltung von Fotos umzusetzen und sich selbständig zu machen. Daher beschließt sie, sich bei verschiedenen Fotografen in ganz Deutschland zu verdingen. Der Beginn ist schwierig, aber mit der Zeit erwirbt sie sich einen guten Ruf. Eines Tages erhält sie während eines Aufenthalts in Isny die Nachricht von der Erkrankung ihres Onkels, der inzwischen seine Wanderschaft aufgegeben und sich in Laichingen auf der Schwäbischen Alb niedergelassen hat. Mimi reist vor ihrem nächsten Auftrag zu ihm. Aufgrund des Fortschritts der Krankheit ihres Onkels entscheidet sie sich, noch eine Weile länger zu bleiben um ihn zu pflegen und sein Geschäft fortzuführen. Aber die Ortsbewohner sind ihr gegenüber misstrauisch und verärgert stellt sie fest, dass die meisten sich nach der Meinung eines örtlichen Fabrikanten richten der vielen von ihnen Arbeit gibt. Mimi steht nicht in seiner Gunst. Wird sie trotzdem in Laichingen bleiben?

Der erste Band der Serie erzählt die ersten Jahre Mimis in dem für eine Frau zur damaligen Zeit eher ungewöhnlichen Beruf als Fotografin. Ihre Mutter hatte bei einem Schlüsselerlebnis, bei dem Mimi sieben Jahre alt war, geschworen, dass es Mimi nie an etwas sollte. Daran hält sie sich und lässt ihrer Tochter bei der Berufsentscheidung freie Wahl. Beim Lesen war ich dabei in meine Wohlfühlzone gerückt. Doch Petra Durst-Benning macht es ihrer Protagonistin nicht leicht. Durch ihre reisende Tätigkeit reift Mimi als Persönlichkeit. In Laichingen, einem Ort der weltweit für seine Leinenweberei bekannt ist, hat sie mit vielen Gefühlen zu kämpfen. Die Sorge um ihren Onkel bringt sie dazu, zu seinem Wohl umzudenken. Aber sie lässt sich in ihren grundsätzlichen Ansichten nicht verbiegen und nicht einschüchtern. Ihr wird deutlich, dass eine finanzielle Absicherung die Freiheit mit sich bringt, eine eigene Meinung vertreten zu können.

Die Autorin hat in ihrem Roman nicht nur liebenswerte Figuren, sondern auch unfreundliche beschrieben. Ihre Charaktere haben Ecken und Kanten, sind wandlungs- und entwicklungsfähig. Mimi wurde mir schnell sympathisch. Sie verfügt über ausreichend Selbstbewusstsein, ist aber nicht überheblich, sondern geerdet, hat Herz und Verstand. Ich bin mir sicher, dass einigen Nebenfiguren wie beispielsweise Eveline und ihrem ältesten Sohn in den weiteren Bänden noch eine größere Rolle zukommen wird.

Das Thema der Historischen Fotografie ist sehr gut recherchiert und aufbereitet. Man spürt beim Lesen die jahrelange Leidenschaft der Autorin für dieses Sachgebiet. Zur bildhaften Untermalung gibt es im Anhang einige Beispiele der Atelierfotografie und Postkartengestaltung aus dem Bestand von Petra Durst-Benning. Obwohl Figuren und Handlung fiktiv sind wirken sie überaus authentisch.

Mit „Die Fotografin – Am Anfang des Weges“ hat Petra Durst-Benning einen Roman geschrieben, der mich vom Thema her von Beginn an fasziniert hat. Obwohl im weiteren Verlauf einige spannende und berührende Ereignisse zu lesen sind, bleiben am Schluss manche Handlungsstränge offen. Daher freue ich mich schon auf die Fortsetzung. Gerne empfehle ich das Buch uneingeschränkt weiter.

Samstag, 3. November 2018

[Rezension Hanna] Mortal Engines. Krieg der Städte - Philip Reeve

 

[Werbung]
Mortal Engines. Krieg der Städte
Autor: Philip Reeve
Übersetzer: Gesine Schröder und Nadine Püschel
Taschenbuch: 336 Seiten
Erscheinungsdatum: 24. Oktober 2018
Verlag: FISCHER Tor

-----------------------------------------------------------------------

In einer fernen Zukunft ist London eine mächtige Traktionsstadt: Schon vor langer Zeit haben Städte begonnen, sich fortzubewegen, und jagen seither einander. Nachdem sich London zehn Jahre lang vor größeren Städten versteckt hat, wagt es sich nun wieder in die Jagdgründe und erwischt gleich eine kleine Schürferstadt. Dieses Spektakel lässt sich auch Tom, der zur Gilde der Historiker gehört, nicht entgehen. Mit der Beute kommen einige Plunderer an Bord, deren Funde sich Tom zusammen mit seinem großen Vorbild Valentine, dem Obersten Historiker anschauen will. Doch plötzlich zieht jemand ein Messer und will Valentine erstechen. Tom kann den Mordanschlag verhindern, während der Attentäter in den Abgrund springt. Doch Tom hat ihren Namen gehört: Hester Shaw. Woraufhin Valentine ihn ihr hinterher in den Abgrund stößt…

Der Trailer zum gleichnamigen Film, der im Dezember erscheint, konnte meine Neugier an diesem dystopischen Szenario wecken. Der erste Band dieser vierteiligen Buchreihe startet spektakulär: Die Traktionsstadt London verleibt sich eine kleine Schürferstadt ein, um mit der Beute das eigene Fortbestehen zu sichern. Denn so läuft es seit vielen Jahrhunderten, das ist das Gesetz des Städtedarwinismus: Fressen und gefressen werden.

Auch Tom gehört zu denjenigen, die Londons Erfolg bejubeln. Für ihn ist es ganz normal, dass die Stadt umherfährt und jagen geht. Doch dann gerät sein Leben von einem Moment auf den anderen völlig aus den Fugen: Er rettet den Obersten Historiker Valentine vor einer Messerattacke, hört den Namen der Attentäterin und findet sich gleich darauf mit ihr in den Außenlanden wieder. Warum hat sie den Anschlag verübt? Ist sie gefährlich? Und warum hat Valentine ihn durch den Stoß in die Tiefe fast umgebracht?

Für das ungleiche Duo Hester und Tom beginnt eine abenteuerliche Reise. Auf sich allein gestellt durchqueren sie die Jagdgründe. Dabei erfährt Tom mehr über Hester und warum sie Valentine umbringen will. Ihre Sicht auf die Dinge passt so gar nicht zu allem, was er bislang zu wissen glaubte. Auf eine wichtige Frage hat jedoch auch sie keine Antwort, und gerade diese könnte entscheidend für das Schicksal vieler sein. Schon bald kommt es zur nächsten brenzligen Situation: Die beiden werden von einem Städtchen aufgesammelt, in dem sie gefesselt und als Sklaven verkauft werden sollen, denn es gibt immer weniger Beute und so ist sich jeder selbst der Nächste.

Während den Leser in den Kapiteln rund um Hester und Tom eine actionreiche und spannende Story erwartet, erfährt man auch, was währenddessen in London vor sich geht. Dort hört Valentines Tochter Katherine ein Gespräch mit, das sie ins Grübeln bringt. Sie will wissen, was ihr Vater vor ihr verheimlicht. Dabei beweist sie, dass sie mehr ist als ein verwöhntes Püppchen. Mit Grips und Mut findet sie einige erstaunliche Dinge heraus. In Kombination mit dem, was in den Außenlanden ans Licht kommt, hatte ich bald einen Verdacht, was vor sich geht.

Dem Autor ist es gelungen, sympathische und ungewöhnliche Charaktere zu schaffen, die man auf einem temporeichen Abenteuer begleitet. Die spektakulären Kulissen wurden vor meinem inneren Auge lebendig und ich freue mich schon riesig darauf, sie auf der großen Leinwand zu sehen. Zügig geht es von einem Ort zum nächsten, neue Bekanntschaften werden gemacht und Kämpfe ausgefochten. Dabei ist der Autor nicht zimperlich und lässt mehrfach wichtige Personen sterben. Das große Finale ist das Sahnehäubchen dieses Fanatsy-Spektakels, das mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln und begeistern konnte. Ich werde auf jeden Fall weiterlesen. Fans von Action und Fantasy sollten sich dieses Buch nicht entgehen lassen!

Donnerstag, 1. November 2018

[Rezension Hanna] Die Römer kommen! - Armin Maiwald


 

[Werbung]
Die Römer kommen!
Autor: Armin Maiwald
Hardcover: 304 Seiten
Erscheinungsdatum: 20. September 2018
Verlag: Emons Verlag

-----------------------------------------------------------------------


Wie könnte die Gründung Kölns abgelaufen sein? Mit dieser Frage beschäftigt sich Armin Maiwald in „Die Römer kommen!“. Acht Legionäre und ein Hauptmann, dazu drei Zivilisten – diese kleine Gruppe soll einen geeigneten Platz für ein Lager direkt am Rhenus finden. Späher des nahe gelegenen germanischen Dorfes beobachten argwöhnisch, wie ein Holzpflock genau dort in die Erde gehauen wird, wo sie ihre Toten begraben. Hier muss ein Frieden ausgehandelt werden, während um den Pflock herum die ersten Zelte aufgebaut werden. Als nächstes wollen die Römer einen Brunnen bauen und Lehm finden. Doch dabei haben sie mit einigen Herausforderungen zu kämpfen: Die Vorräte sind knapp, Verstärkung lässt auf sich warten und es gibt aufständische Germanen, die nicht daran denken, die Römer in Ruhe zu lassen…

Viele Städte sind stolz darauf, dass sie einst von den Römern gegründet wurden. Doch der Autor stellt völlig zurecht die Frage, wie es in diesen Gegenden eigentlich zugegangen ist, bevor die Römer kamen. Natürlich lebten hier schon Menschen, und diese waren nicht alle damit einverstanden, dass die neue Macht aus dem Süden sich bei ihnen niederließ. Ich fand die Idee spannend, den Ablauf einer römischen Stadtgründung in fiktiver Form sowohl aus der Perspektive der Römer als auch der Germanen zu beschreiben

Zu Beginn des Buchs findet eine kleine Gruppe Römer einen geeigneten Lagerplatz auf der linken Seite des Rheins und markiert das Gebiet mit einem Holzpflock. Dabei hatte ich schon nach wenigen Seiten jede Menge gelernt: Acht Legionäre und ein Hauptmann sind ein contubernium, eine Zelteinheit. Sie achten vor allem auf eine erhöhte Lage, die Schutz vor Hochwasser bietet, und nach der Markierung muss der Lagerbau erst vom Prätor freigegeben werden. Der Ton ist locker und oft musste ich über die Kommentare der Römer und Germanen schmunzeln. Die Geschichte ist so unterhaltsam aufbereitet, dass man sie zügig lesen kann und sie alle Altersgruppen gleichermaßen anspricht. Dazulernen kann hier jeder noch etwas.

Immer wieder kommt es zu spannenden Momenten: Werden die Germanen Frieden halten? Können die Römer den Lehm finden, den sie für den Brunnen und ihre Häuser brauchen? Dabei lernt man einzelne Germanen und Römer besser kennen, zum Beispiel den Hauptmann Quintus Agrippa, der so manche brenzlige Entscheidung treffen muss, den Druiden Ansgar, der bedacht agiert und nicht verraten will, warum er Latein sprechen kann und Demosthenes, der wegen eines Geiselaustauschs bis auf weiteres bei den Germanen leben muss und damit überfordert ist, dass ihm gleich mehrere Damen im Dorf schöne Augen machen. Der Fokus liegt auf dem Aufbau des Lagers, es kommt dabei aber auch zu kleineren Kämpfen. Hier geht der Autor nicht ins Detail, sodass die Geschichte auch von einem jüngeren Publikum gelesen werden kann. Viel zu schnell ist schließlich der Winter da, mit dem das Buch schließt und der dem Leser die Möglichkeit gibt, zu überlegen, wie es wohl in den nächsten Jahren weitergegangen ist, bis aus dem Lager eine echte Stadt wurde.

In „Die Römer kommen“ gelingt es Armin Maiwald, mit seinen Worten Geschichte lebendig werden zu lassen. Unterhaltsam und lehrreich, ohne belehrend zu wirken, erzählt er vom Aufbau eines römischen Lagers am Rhein, bei dem sowohl friedlicher als auch kämpferischer Kontakt zu Germanen nicht ausbleibt. Mir hat die Lektüre, die zweifelsohne ein All Age Roman ist, sehr viel Spaß gemacht!
-->