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Mittwoch, 1. September 2021

Rezension: Eis.Kalt.Tot. von Anne Nordby

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Eis.Kalt.Tot 
Autorin: Anne Nordby
Erscheinungsdatum: 04.08.2021
Verlag: Gmeiner (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783839200247
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Anne Nordby ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, die in Dänemark lebt. Das von ihr geschriebene Buch „Eis.Kalt.Tot.“ ist der Beginn einer Serie, die in Kopenhagen spielt. Genremäßig ist die Geschichte als Nordic Noir Thriller einzuordnen. Anne Nordby nutzt die Möglichkeit in ihrer Erzählung auf kritische Themen aufmerksam zu machen. Der Titel erklärt sich davon, dass die Handlung in einem eiskalten Februar spielt und gleich zu Beginn treibt zwischen den Eisschollen im Hafenbecken ein kopfloser Toter.

Die Autorin baut direkt im ersten Kapitel Spannung auf, denn Bente, eine Frau mittleren Alters, die zu einer Geo-Konferenz reist, bemerkt sehr schnell, dass etwas mit dem Taxifahrer nicht stimmt, der sie zum Bahnhof fahren soll. Inwieweit Bente in die kommenden Ereignisse involviert ist, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehen, aber dadurch wurde meine Neugier auf das weitere Geschehen geweckt.

Als nächstes lernte ich Jesper Baek kennen, der erst seit vier Wochen als Vizekriminalkommissar bei der Kopenhagener Mordkommission arbeitet. Bisher lebte und arbeitete er auf dem Land. Nicht nur seine Kollegen, sondern auch ich fragte mich, aus welchem Grund er seine Arbeitsstelle gewechselt hat. Seiner Kollegin Kirsten Vinther, die für die aktuellen Ermittlungen verantwortlich ist, fehlt noch die benötigte Vertrauensbasis zu ihm für eine enge Zusammenarbeit. Dadurch gibt es über die gesamte Erzählung hinweg eine gewisse hintergründige Anspannung zwischen den beiden, vor allem als sich herausstellt, dass kritische Informationen an die Presse gelangt sind. Während ich von Kirsten einen Eindruck als taffe und durchsetzungsfähige Frau erhielt, die gerne sarkastische Worte findet, empfand ich Jesper trotz seiner allgemeinen Unsicherheit als aufmerksamen Beobachter.

Mit der selbständigen Super-Recognizerin Marit Rauch Iversen, die von der Kriminalpolizei zu bestimmten Fällen hinzugezogen wird, hat Anne Nordby eine besonders interessante Person einbezogen. Jede ihrer Figuren ist eigenwillig, mit Ecken und Kanten. Auch durfte ich als Leserin am Privatleben ihrer Charaktere teilnehmen, das nochmals für weitere Konflikte der betreffenden Person im Berufsleben sorgte.

Der Thriller ist komplex gestaltet, denn bald schon bleibt es nicht nur bei einem Mord. Zu zahlreichen Problemen bietet die Autorin Lösungen, die nicht alle Leser gleich gut finden werden. Die Beschreibungen der aufgefundenen Leichen sind nichts für schwache Nerven. Die ungemütliche Atmosphäre mit Eis und Kälte zieht sich durch die gesamten Begebenheiten. Während noch die Ermittler nach einem Serientäter suchen, dessen Morde eng mit der grönländischen Sagenwelt zusammenzuhängen scheinen, flechtet Anne Nordby klimarelevante heikle Sachverhalte in ihren Thriller ein. Man spürt bei diesem Thema ihre Kompetenz, denn sie hat einige Semester Geologie und Paläontologie studiert. Die Darstellung der Kriminalfälle wirkt glaubhaft, obwohl ich von solch brutalen Morden in der Realität niemals hören möchte.

„Eis.Kalt.Tot.“ von Anne Nordby ist ein sehr gut gelungener Nordic-Noir-Thriller, bei der die Autorin kreativ grausame Morde in Szene setzt und nebenher mythische Elemente und ein aktuelles Umweltthema gekonnt einbindet. Zahlreiche unerwartete Wendungen machen die Erzählung durchgehend spannend, daher empfehle ich das Buch gerne an Leser und Leserinnen des Genres weiter.

Donnerstag, 14. März 2013

Rezension zu Brigitte Riebe - Die schöne Philippine Welserin

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Titel: Die schöne Philippine Welserin
Autorin: Brigitte Riebe
Erscheinungsdatum: 04.03.2013
Verlag: Gmeiner Verlag
Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783839213513
Preis: 14,99 Euro


„Die schöne Philippine Welserin“ von Brigitte Riebe ist im Gmeiner Verlag erschienen und umfasst 337 Seiten. Auf dem Cover dieses historischen Kriminalromans ist das Porträts einer jungen Frau zu sehen, dass die Protagonistin darstellt. So gewinnt jeder Leser einen Eindruck davon, warum die Schönheit von Pippa, wie sie manchmal genannt wird, gerühmt wurde. Auch die weitere Covergestaltung in rosa mit violettem Rankenmuster und grünen Randstrichen gefällt mir sehr gut.


Das Buch beschreibt Szenen des Lebens der Philippine Welser, die von 1527 bis 1580 lebte. Jedes Kapitel ist mit einem Heilkraut betitelt, das auf der übernächsten Seite abgebildet und mit Vor- und Nachteilen benannt ist. Das Besondere macht es aus, dass jede Pflanze eine Rolle im nachfolgenden Kapitel spielt. Der Leser begegnet Philippine zum ersten Mal im Prolog am Ende ihres Lebens. Sie hat bereits ihr Tagebuch bereitgelegt, um es ihrer Vertrauten zur sicheren Aufbewahrung nach ihrem Tod zu geben. Philippine wächst in Augsburg in einer betuchten Kaufmannsfamilie auf. Obwohl der Vater nach Ravensburg gezogen ist, wohnt sie dort mit ihrer heilkundigen Mutter in der Nähe des Onkels, der die Familiengeschäfte an seinen Sohn weitergegeben hat, aber gern den beiden auch in finanzieller Not behilflich ist. Die Schwester ihrer Mutter wohnt auf Schloss Bresnitz in Böhmen. Bei einem Besuch hat sie dort Ferdinand II. kennengelernt, den Sohn des Kaisers, zu dem sie in scheinbar hoffnungsloser Liebe entbrennt. Trotzdem beginnt sie nach ihrer Heimkehr ein Techtelmechtel mit einem dorfansässigen Zimmermann. Als dieser sich für eine andere entscheidet und sich die Gelegenheit bietet, reist sie wieder zu ihrer Tante, die es einfädelt, dass Friedrich sie besucht. Das ist der Auslöser für eine romantische Liebesbeziehung zwischen den beiden.


Die Autorin spielt in diesem Buch mit den realen Fakten und ihrer Fantasie, die sie gekonnt miteinander vermischt. Daraus ist eine sehr schöne Liebesgeschichte entstanden, die sich flüssig und schnell lesen lässt und gleichzeitig auch spannend ist. Denn da die Heirat zwischen Philippine und Friedrich geheim gehalten werden musste, galt sie bei vielen natürlich nur als Liebschaft des Kaisersohns. Sie hatte Neider, die ihr und ihren Nachkommen nach dem Leben trachteten. Die Nummer Eins bei der Wahl der Mordwaffe war Gift. Ermittlungen, wie wir sie heute kennen, fanden damals nicht statt und waren vielleicht auch im Umkreis eines Sohns des Kaisers nicht erwünscht. Die kriminellen Taten wurden eventuell auch von der damals als Erklärung gern hinzugezogenen Mystik vertuscht. 


Brigitte Riebe versteht es auch in ihrem neuen Roman mit Leichtigkeit den Figuren Form zu geben, so dass der Lesen sie in ihrer Welt erleben kann. So beschreibt sie Philippine als eine für ihre Zeit über das Übliche hinaus gebildete Person, die von ihrem Onkel den kaufmännischen Umgang mit Zahlen gelernt hat. Von ihrer Mutter hat sie das Interesse und das Wissen über die Wirkweise von Kräutern erworben. Mehrere Schicksalsschläge und die ständige Angst ermordet zu werden auf der einen Seite und andererseits ihr Wunsch eine gute Mutter und Gattin zu sein führen zu einer inneren Zerrissenheit. Sie gibt sich gerne leiblichen Genüssen hin, die mit zunehmendem Alter Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben. Durch den Wechsel der Perspektive innerhalb der Kapitel in die Ich-Erzählung der Philippine kommt der Leser der Gefühlswelt der Protagonistin nah. Aber auch die übrigen Charaktere wie beispielsweise  ihren Onkel, ihre Tante in Böhmen und ihre Schwägerin Eva, die eine wichtige Rolle im Leben von Pippa spielen, gestaltet die Autorin liebevoll treffend. Insgesamt hat mir die Geschichte sehr gut gefallen und ich gebe gerne eine Leseempfehlung an die Leser historischer Liebesromane.


Ein Dankeschön an vorablesen.de für den Gewinn des Buches und den Gmeiner Verlag für das Zuschicken des Rezensionsexemplars!

Samstag, 25. August 2012

Rezension zu Bettina Szrama - Die Hure und der Meisterdieb

Dieses Buch habe ich von der Autorin Bettina Szrama als Rezensionsexemplar geschenkt bekommen. Danke schön für das signierte Exemplar! Es hat mir viel Spaß gemacht, das Buch lesen und rezensieren zu dürfen :-)

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Titel: Die Hure und der Meisterdieb
Autorin: Bettina Szrama
Erscheinungsdatum: 08.08.2011
Buchausgabe: Taschenbuch
Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 9783839212141
Preis: 12,90 Euro




Der historische Roman „Die Hure und der Meisterdieb“ von Bettina Szrama ist im Gmeiner-Verlag erschienen und umfasst 371 Seiten mit 11 Kapiteln, einem Nachwort der Autorin, Lektüreempfehlungen und einer Liste der wichtigsten handelnden Personen und deren Funktionen. Das Cover zeigt eine Frau mit freudigem Lachen angesichts des zu erwartenden Geldes, das der „Heiratsvermittler“ für sie im Beutel bereit hält, der leider vom Titelaufdruck überdeckt wird. Durchaus treffend wird hier die Verführbarkeit einer Frau in der frühen Neuzeit durch Gold und Edelsteine gezeigt. Diese Frau steht als Synonym für die Titelheldin des Romans Anna, die ursprünglich sich als Hure verdingende bildhübsche Gattin des begüterten Hamburger Weinhändlers von Sien.
Der Roman beginnt im Jahr 1695. Anna ist ihrem Ehemann weggelaufen und hat sich einer Truppe wandernden Komödianten angeschlossen. Doch ihr Mann findet sie in Leipzig und fordert von ihrem neuen Liebhaber Satisfaktion. Sie entzieht sich den beiden durch ihre Flucht. Etwa zur gleichen Zeit blickt Nickel List in sicherer Entfernung  auf seine brennende Schankwirtschaft, die er selbst angezündet hat um sich an seiner 2. Frau zu rächen, die mit ihrem Geliebten im Ehebett ruht. Nickel macht sich auf den Weg zu seiner vorherigen Wirkungsstätte Beutha, wo er ebenfalls eine Gaststube betrieben hat. Auf diesem Weg begegnet er Anna, die sich jedoch maskiert zunächst als junger Mann Hannes ausgibt und als Knecht in seinen Dienst tritt. In Beutha erwartet die beiden in der Schänke ein alter Bekannter von List, der sich, als Rosshändler getarnt, den Weg in die Wohnung  begüterter Bürger sucht um diese zu bestehlen. Dem Bekannten gelingt es, Nickel dazu zu überreden, sein Partner zu werden. Damit beginnt die zweifelhafte Karriere des Nickel List als Meisterdieb. Er setzt sein Können in der Schlüsselherstellung dazu ein, Nachschlüssel aufgrund von Wachsabdrücken zu fertigen. Damit macht er sich zum Anführer einer Bande von Dieben und wird aufgrund seines steigenden Bekanntheitsgrads von weiteren dubiosen Gaunern in anderen deutschen Kleinstaaten kontaktiert um mit ihnen zusammenzuarbeiten. Anna scheint er in Liebe ergeben und er ist bereit sich an jedem, ihm angebotenen Beutezug zu beteiligen, um sein eigenes und ihr kostspieliges Leben zu finanzieren. Als Deckung gibt er sich mit fortschreitender Zeit als feiner Herr von der Mosel aus. Stets hat er mit Verrat, Neid und Missgunst zu rechnen bis er schließlich nicht mehr weiß, wem er noch vertrauen kann. Er sehnt sich nach einem ruhigen, ehrlichen Leben in dem er seinen Studien nachgehen kann, aber selbstverständlich ohne Mangel zu leiden. Daher sieht er den Raubzug um die Goldene Tafel der Michaeliskirche in Lüneburg als Höhepunkt und Ende seiner Diebeslaufbahn. Doch ihm und seinen Helfern und Helfershelfern sind die Gesetzesvertreter längst auf den Fersen.
Die von Bettina Szrama erzählte Geschichte beruht zum größten Teil auf historischen Begebenheiten wie auch der Text auf der Buchrückseite den Leser informiert. Ohne aufgesetzte historische Sprache liest sich der Roman sehr flüssig. Die Örtlichkeiten wurden von der Autorin mit den heutigen Bezeichnungen versehen, so dass der Leser die verschiedensten Reisen der Personen leicht nachvollziehen kann. Stets weiß sie, manchmal in kleinen Nebensätzen, darüber zu informieren, wo man sich gerade befindet. Bei den ständigen Bewegungen unterschiedlichen, umherziehenden Räuberbanden ist dies unerlässlich. Ein wichtiges Augenmerk setzt die Autorin auf die Beschreibung ihrer Charaktere, in dem sie deren Beweggründe für einen  liederlichen Lebenswandel detailliert darstellt. Sie versucht zu erklären, warum Nickel in Anna verliebt war.
Die Schere zwischen Arm und Reich stellt die Erlaubnis für die Räuber dar, sich vom Reichtum zur Beseitigung ihrer Bedürftigkeit zu bedienen. Für Nickel List, von dem sich übrigens ein kleines Foto auf dem Vorsatzblatt befindet, ist die zunehmende Größe seiner Bande ein Versorgungsproblem. Oftmals bleibt ihm kaum ein Gewinn an einem Raubzug wenn die Hehler ihm nur einen Bruchteil des Werts der Ware bieten. Ein großer Teil der Beute wird für die Reisen, die Aufenthalte in Schänken und ständigen Saufgelage verbraucht. Der Leser weiß nicht recht, ob er Anna sympathisch finden soll, weil sie berechnend ihre Gunst demjenigen schenkt, der ihr an Gold und Geschmeide am meisten zu bieten hat. Nickel dagegen ist der Intellektuelle, der aufgrund seiner geringen Herkunft kein Studium aufnehmen konnte, als Soldat nicht seine Berufung gefunden hat und von seiner zweiten Frau betrogen wurde. Er ist dein Gentleman-Dieb, stets bemüht auf seinen Raubzügen weder zu morden noch zu verletzen und immer besorgt um seine Vertrauten. Leider hat er in einem Handgemenge zwei Menschen erschossen. Er selbst würde gerne  seinen Gewinn im Stillen mehren, aber dazu ist nicht genug für ihn übrig. Bettina Szrama weiß den Leser auf seine Seite zu ziehen. Durch die historische Authentizität ist das Ende jedoch unabänderlich.
Entlang der Historie entfaltet sich ein Roman, der trotz einer frühen Verfolgung durch die Gesetzeshüter nicht mit erstaunlichen Wendungen im Geschehen geizt, wodurch die Diebe sich der Strafbarkeit lange entziehen können. „Die Hure und der Meisterdieb“ ist ein sehr gut recherchierter Roman, der aufgrund der geschichtlichen Grundlage eine kleine Länge im Mittelteil aufweist, aber dennoch sehr unterhaltend ist. Ich kann das Buch allen Fans des Genres empfehlen, vor allem solchen die Freude am verbürgten Leben historischer Personen haben.
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