Montag, 3. August 2020

Rezension: Die Wunderfrauen - Alles, was das Herz begehrt von Stephanie Schuster



Rezension von Ingrid Eßer

*Werbung*
Titel: Die Wunderfrauen - Alles, was das Herz begehrt (Band 1 von 3)
Autorin: Stephanie Schuster
Erscheinungstermin: 29.07.2020
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783596700325
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Im Roman „Die Wunderfrauen“ führt Stephanie Schuster den Leser mittenrein in eine Turnstunde, die erstaunlicherweise im Gemischtwarenladen von Luise Dahlmann in Starnberg stattfindet. „Alles, was das Herz begehrt“ ist der Untertitel des ersten Band der Trilogie über vier junge Frauen, die nach den harten Jahren des Zweiten Weltkriegs nun neben anderen Wünschen der gemeinsame Traum eint, wieder glücklich zu sein.

Es ist Herbst 1953 und Luise ist eine der Protagonistinnen. Zur Turngruppe gehört auch Marie Wagner, die aus Niederschlesien vertrieben wurde und jetzt in der Landwirtschaft von Luises Bruder im nahen Leutstetten mithilft sowie Helga Knaup, die aus betuchtem Hause kommt, sich aber gegen eine arrangierte Hochzeit auflehnt und das Erlernen eines eigenen Berufs anstrebt. Annabel von Thaler, die Ehefrau des Chefarztes der nahen Geburtsklinik und die vierte der Wunderfrauen des Romans, ist in dieser ersten Szene allerdings eine stille Beobachterin bis sie den anderen durch ein ungeschicktes Manöver auffällt, das noch lange für Gesprächsstoff sorgt. Schon im Prolog fällt auf, dass die vier Frauen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen kommen und verschiedene Meinungen und Auffassungen haben.

Es ist eine neue Generation von Frauen, die da heranwächst. Anders als ihre Mütter noch sich nach dem Willen ihrer Eltern und Ehemänner zu richten hatten, regt sch bei ihnen der eigene Wille und sie hinterfragen die bisher üblichen Konventionen. Statt zu resignieren setzen sie ihre Worte in Taten um mit allen Konsequenzen. Das Glück, das sie zu finden hoffen, besteht darin, so zu leben, wie sie es für sich selbst als gut befinden. Wenn dabei der ein oder andere Traum in Erfüllung geht ist das umso besser.

Der Roman ist vollgepackt mit Geschichten, nicht nur aus Mitte der 1950er, sondern auch im Rückblick auf die Vergangenheit der Protagonistinnen, auf ihre Kinder- und Jugendzeit zu Hause bei ihren Eltern. Manches wird dabei nur angerissen, denn der Fokus liegt auf den aktuellen Entwicklungen im Leben der Frauen. Jeder hat sein Päckchen an Not und Leid zu tragen, ohne dass sie je die Hoffnung an eine schöne Zukunft verloren hätten. Auf ihrem Weg in die Selbstbestimmtheit erfahren sie Missgunst und Neid, gewinnen aber auch Vertrauen und manchmal unerwartete Unterstützung und erfahren so wie nah Liebe und Hass, Freude und Leid beieinander liegen.

Die Autorin ließ mich die 1950er Jahre auch in Film, Literatur und Musik erleben. Viele Themen der damaligen Zeit baut sie in den Roman ein wie beispielsweise Flucht und Vertreibung, Vormundgestellung bei ledigen Müttern, das Ansehen von Ärzten gegenüber dem von GIs, Traumata von Kriegsteilnehmern und vieles mehr.

In ersten Teil ihrer Trilogie der Wunderfrauen setzt Stephanie Schuster für jede ihrer Protagonistinnen den Grundstein für ein erfülltes Leben. Ich warte schon ungeduldig auf die Fortsetzung, um zu erfahren, ob Luise, Helga, Marie und Annabel ihrem Traum vom Glücklichsein näherkommen. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.


Samstag, 1. August 2020

Rezension: Land in Sicht von Ilona Hartmann

*Werbung*
Land in Sicht
Autorin: Ilona Hartmann
Hardcover: 160 Seiten
Erschienen am 21. Juli 2020
Verlag: Blumenbar

----------------------------------------

Acht Tage und sieben Nächte auf einem Flusskreuzfahrtschiff der Route Passau - Wien sind mit 24 Jahren wohl keine übliche Urlaubswahl. Auch Jana wäre nicht auf die Idee gekommen, wenn auf der MS Mozart nicht ihr Vater der Kapitän wäre. Sie hat ihn nie kennengelernt, doch die Suche nach ihm hat nicht lang gedauert, nachdem sie erst einmal beschlossen hatte, das zu ändern. Nun schippert sie mit Dutzenden Unterhaltung suchenden Rentnern über die Donau, im Gepäck zahlreiche Fragen und Zweifel rund ums Thema Vater: Wie sage ich es ihm? Wie wird es sich anfühlen? Was verspreche ich mir davon?

Die Geschichte schlägt von Beginn an einen lockeren und sarkastischen Ton an. Jana checkt auf der MS Mozart ein und nimmt die Atmosphäre des Flusskreuzfahrtschiffes in sich auf. Für die ansonsten ausnahmslos älteren Mitreisenden ist sie eine willkommene Abwechslung. Ihre Reflektion dieser Art, Urlaub zu machen, fand ich unterhaltsam und ich konnte mir die Stimmung an Bord gut vorstellen.

Jana ist allerdings mit einer Mission gekommen: Sie will ihren Vater, den Kapitän des Schiffes, kennenlernen. Doch nun zögert und beobachtet sie, denkt darüber nach, wie es war, ohne ihn aufzuwachsen und fragt sich immer wieder, was genau sie sich nun eigentlich von dieser Begegnung verspricht. Ihre Auseiandersetzung mit der Vaterfrage geht in die Tiefe und ich konnte ihre Zweifel und Überlegungen gut nachvollziehen.

„Land in Sicht“ ist schnell gelesen und bietet skurrile Situationen, messerscharfe Beobachtungen und nachdenklich stimmende Momente. Die Autorin hat einen tollen schwarzen Humor, der die Geschichte prägt. Wie wäre es mit einer Flusskreuzfahrt für den diesjährigen Urlaub in der Heimat? Schnappt euch das Buch und legt ab!

-->