Montag, 20. September 2021

Rezension: Die Füchse von Hampstead Heath von Ben Aaronovitch

 


[Werbung]
Die Füchse von Hampstead Heath
Autor: Ben Aaronovitch
Übersetzerin: Christine Blum
Hardcover: 224 Seiten
Erschienen am 17. September 2021
Verlag: dtv

----------------------------------------

Es ist Sommer in London, als Abigail Kamara unverhofft eine neue Bekanntschaft macht. Von einer ehemaligen Mitschülerin, die sie seit Jahren nicht gesehen hat, wird sie zu einem mysteriösen Event eingeladen. Am Treffpunkt in Hampstead Heath wartet jedoch nur ein etwa gleichaltriger Junge, Simon, der ebenfalls eingeladen und versetzt wurde. Als Simon anbietet, ihr stattdessen etwas Interessantes zu zeigen, ziehen die beiden gemeinsam los.

Kurz darauf wird Abigail von einer sprechenden Füchsin kontaktiert mit dem Hinweis, dass in der Nähe etwas wächst, das junge Menschen betrifft. Da Abigail bei den Füchsen als menschliche Agentin gelistet ist, soll sie Nachforschungen anstellen. Ihr Cousin Peter Grant ist gerade nicht in der Stadt und sein Chef Nightingale würde ihr Eingreifen bestimmt verbieten. Deshalb beginnt sie auf eigene Faust gemeinsam mit Simon und den Füchsen, der Sache auf den Grund zu gehen.

Ich warte bereits sehnsüchtig auf den nächsten Peter-Grant-Roman aus der Feder von Ben Aaronovitch, habe mich aber sehr über die Nachricht gefreut, dass vorher eine Story mit Abigail Kamara als Protagonistin erscheint. Diese tauchte in den letzten Romanen vermehrt auf und konnte meine Sympathien gewinnen. Es ist schon die dritte Story aus der magischen Welt Aaronovitchs und mit gut 200 Seiten etwa halb so dick wie ein Roman.

Die Story startet mit einer Szene, in der sich Abigail in polizeilicher Obhut befindet und zu verschwundenen Kindern befragt wird. Statt ihre Eltern anzurufen, lässt sie Simons Mutter zur Wache kommen, die von ihr wissen will, wo sich ihr Sohn befindet. Die Szene wirft zahlreiche Fragen auf. Um diese nach und nach zu beantworten sprint die Geschichte einige Tage in der Zeit zurück und ich erfuhr, wie Abigail und Simon sich kennengelernt haben.

Die sprechenden Füchse konnten mich schon in „Die Glocke von Whitechapel“ begeistern und ich fand es toll, dass sie hier wieder eine größere Rolle spielen. Da es sich bei dem vorliegenden Fall laut ihrer Auskunft um eine Menschen- und keine Fuchssache handelt, können sie nur unterstützend agieren. Die schlaue und verschmuste Füchsin Indigo weicht Abigail und Simon als Hauptkontakt bald kaum mehr von der Seite und war für mich der heimliche Star der Story.

Während die Peter-Grant-Romane zunehmend komplexer werden und mich der letzte mit gemischten Gefühlen zurückließ, konnte mich diese Abigail-Kamara-Story auf ganzer Linie überzeugen. Wie schon bei der Tobi-Winter-Story gefiel mit, dass es eine übersichtliche Zahl an Handelnden gibt und der Fokus auf einem klar abgegrenzten Fall liegt, der zunehmend an Spannung gewinnt. Ich vergebe eine klare Leseempfehlung an alle Fans von Ben Aaronovitchs Büchern und freue mich schon auf weiteren Lesestoff aus seiner magischen Welt.

 

Sonntag, 19. September 2021

Rezension: Der Mauersegler von Jasmin Schreiber

 


Rezension von Ingrid Eßer

*Werbung*
Titel: Der Mauersegler
Autorin: Der Mauersegler
Erscheinungsdatum: 27.08.2021
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783847900795
-------------------------------------------------------------------------------------------

Dr. Marvin Prometheus Grabow ist ein junger aufstrebender Arzt und der Protagonist des Romans „Der Mauersegler“ von Jasmin Schreiber. Er wird bei seinem Zweitnamen gerufen, den ihm seine Mutter aufgrund der bekannten griechischen Sage gegeben hat, denn ihr gefällt der Held, der Gutes für die Menschheit tut und Strafe nicht scheut. Auch die Hauptfigur hat Gutes im Sinne. Jakob, bester Freund von Kindertagen an hat Krebs und Prometheus verspricht ihm, sein Bestes zu tun, damit er wieder gesund wird. Doch dann überrollt Jakob die Krankheit und stirbt, zurück bleibt der trauernde Freund, der mit Gewissensbissen kämpft. Er flieht vor der Familie, den Freunden und den Konsequenzen mit dem Auto von seinem Wohnort an der Ostsee nach Dänemark und fühlt sich wie ein Mauersegler, der nicht mehr allein vom Grund wegfliegen kann, wenn er geschwächt gelandet ist.

Die Autorin beschreibt einfühlsam die Gefühlswelt von Prometheus, der sich die Schuld am Tod seines Freunds gibt. Voller Verzweiflung kämpft er gegen das mächtige Verlangen an, Jakob ins Jenseits zu folgen. Die Schuld drückt ihn nieder, seine Gedanken wandern in die Vergangenheit, nicht nur zu schönen gemeinsamen Zeiten, sondern auch zu Abenteuern, die mit körperlichen Verletzungen endeten, bei denen sie aber immer füreinander da waren.

Erst im Laufe der Zeit erfuhr ich als Leserin, warum Prometheus sich selbst anklagt. Durch Zufall trifft er am Strand in Dänemark auf zwei ältere Frauen, die eine Pferdezucht betreiben und einige Gästezimmer anbieten. Die beiden begegnen ihm aufgeschlossen und geben ihm den nötigen Freiraum sich mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen, während sie unaufdringlich für ihn da sind. Bei ihnen begegnet er einer naturverbundenen Lebensweise mit Kenntnissen, welche alt und bewährt sind und manchmal mystisch.

Die Autorin kennt sich in der Sterbe- und Trauerbegleitung aus und daher sind ihre Beschreibung der Auseinandersetzung von Prometheus mit dem Tod des Freundes authentisch. Ihr Schreibstil berührt tief und dennoch gelingt es ihr in bestimmten Situationen einen heiteren Tonfall anzuschlagen und damit die ergreifende Stimmung des Romans aufzulockern. Als studierte Biologin spürte ich Jasmin Schreibers Zuneigung für Flora und Fauna, denn sie bindet Wissenswertes und Unterhaltsames beispielsweise über Pferde und Mauersegler in ihre Geschichte ein. Wer den Roman „Marianengraben“ der Autorin gelesen hat, erlebt eine kurze Erinnerung an eine der Figuren in der Erzählung.

Mit ihrem Roman „Der Mauersegler“ schafft Jasmin Schreiber es erneut, mich emotional zu berühren durch die Auseinandersetzung des Protagonisten mit einer abrupt endenden langjährigen Freundschaft und seine Mitverantwortung daran. Gerne empfehle ich den bewegenden Roman weiter.


Samstag, 18. September 2021

Rezension: Meine Freundin Lotte von Anne Stern

 


Rezension von Ingrid Eßer

*Werbung*
Titel: Meine Freundin Lotte
Autorin: Anne Stern
Erscheinungsdatum: 17.08.2021
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783463000268
-------------------------------------------------------------------------------------------

Wer Anne Sterns Romane rund um die Hebamme Hulda Gold kennt, erlebt die Autorin im Roman „Meine Freundin Lotte“ von einer ganz anderen Seite. Titelgebend und Protagonistin des Buchs ist die Malerin Lotte Laserstein, geboren 1898. Die Geschichte beginnt im Jahr 1961, als die Protagonistin ihre Freundin Gertrud Rose, genannt Traute und deren Ehemann Erich als Gäste in ihrer neuen Heimat Kalmar zu Besuch in Schweden hat. Im Wechsel übernehmen Lotte und Traute die Erzählperspektive in der Ich-Form. Doch nicht nur das aktuelle Miteinander, sondern vor allem ihre langjährige Freundschaft und die gemeinsamen Jahre in Berlin sind Gegenstand der Erzählung.

Die Freundinnen lernten sich im Winter 1924 bei der Ausgabe kostenloser Suppe an Bedürftige kennen. In Traute fand Lotte das perfekte Modell für ihre Malerei. Sie ist eine der wenigen Frauen, die damals bereits an der Kunstakademie Berlins studieren können. Da das Einkommen in Lottes Familie gering ist, unterrichtet sie und verkauft einige ihrer Bilder. Es entwickelt sich eine vertrauensvolle Beziehung zwischen der Malerin und Traute, die als Fotografin ihre eigenen Wege geht und mit Erich schon als junge Frau einen Partner zur Seite hat. Während Lotte stur ihrer malerischen Leidenschaft nachgeht und sich dennoch gerne mal fröhlich und ausgelassen ins Getümmel stürzt, ist die herbe Schönheit Traute die einfühlsamere von beiden, die in unangenehmen Situationen zu klären versteht.

In Kalmar kommt es immer wieder zu misslichen Auseinandersetzungen bei denen Vieles unausgesprochen bleibt zwischen den Frauen. Bis dato bedauert Traute, dass Lotte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist. Als Jüdin hat die Malerin 1937 eine Möglichkeit gefunden nach Schweden zu emigrieren und für einige Zeit verloren die beiden den Kontakt zueinander. Doch auch kleine Geheimnisse und verborgene Gefühle liegen in der Luft. Anne Stern schreibt auf eine ruhige Art über die besondere Beziehung der Freundinnen, wobei auch die Kunst von Lotte in ihrer Berliner Zeit nicht zu kurz kommt. Anhand der von Anne Stern vorgenommenen, teil poetischen Beschreibung entstehen die Bilder vorstellbar im Kopf und forderten mich dazu heraus, im Internet nach Abbildungen zu suchen.

„Meine Freundin Lotte“ von Anne Stern ist das feinsinnige Porträt zweier Künstlerinnen, Lotte Laserstein und ihrer Freundin Traute, über viele Jahre hinweg, die über ihre Arbeit miteinander verbunden waren und deren Zuneigung dabei zunahm. Die Autorin lässt dabei beide Frauen ihre Gedanken und Gefühle mit dem Leser und der Leserin teilen. Gerne empfehle ich den Roman denen weiter, die sich für Biografien historischer Personen interessieren.

Freitag, 17. September 2021

Rezension: Die Berge, der Nebel, die Liebe und ich von Tessa Randau

 


Rezension von Ingrid Eßer

*Werbung*
Titel: Die Berge, der Nebel, die Liebe und ich: 
 Von einer Begegnung, die das Herz wieder öffnete
Autorin: Tessa Randau
Erscheinungsdatum: 17.09.2021
Verlag: dtv (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Ausgabe: Leseexemplar
ISBN: 9783423349987
-----------------------------------------------------------------

In ihrem Buch „Die Berge, der Nebel, die Liebe und ich“ schreibt Tessa Randau über eine Begegnung, die das Herz wieder öffnete, wie es auch im Untertitel heißt. Der Ratgeber in Romanform bietet wertvolle Ratschläge für Beziehungen, vor allem für Paare.

Tessa Randaus Protagonistin ist unbenannt. Sie ist seit längerem verheiratet und mittleren Alters. Das Ehepaar scheint einander zugeneigt, aber ohne, dass sie derzeit gemeinsam besonders schöne Erlebnisse teilen. Daher schenkt die Hauptfigur ihrem Mann Chris ein Wochenende in den Bergen. Gedanklich stellt sie sich vor, wie sie bei Wanderungen die Zeit zu zweit genießen werden und dabei gemeinsame Erinnerungen schaffen können.

Dann wird sie damit konfrontiert, dass Chris sich stattdessen auf den dortigen Bike-Park freut, um seinem Hobby zu frönen. Es kommt zum Streit und sie begibt sich allein auf die Wanderung zu einem Gipfel. Bei einer Rast wird sie von einem älteren Mann angesprochen, der sie auf ihrem weiteren Weg begleitet. Die offene und direkte Art in der beide von Beginn an miteinander reden, erstaunt sie. Die Gespräche auf der Tour führen dazu, dass sie einen neuen Blick für ihre Beziehung zu Chris gewinnt.

Für ihre Geschichte hat die Autorin bewusst einen Charakter gewählt der namenlos bleibt und an dem manche Leserin sich in bestimmten Eigenschaften selbst wiederfindet. Aber das Buch richtet sich nicht nur an Frauen, denn auch Männer werden mal mehr, mal weniger die Situationen wiedererkennen, die das Paar in ihrer Ehe erlebt. Im Laufe der Zeit hat sich Routine eingeschlichen, die Kinder binden Zeit, die das Paar nun nicht mehr für sich allein hat. Tessa von Randau schaut auf die Wünsche der Frau genauso wie auf die des Mannes in der aktuellen Situation, die zum Konflikt geführt haben.

Nicht nur im wörtlichen Sinne lichtet sich der Nebel in der Geschichte „Die Berge, der Nebel, die Liebe und ich“ von Tessa Randau für den Leser und die Leserin, denn sie macht auf nicht bewusste Gefühle aufmerksam. Die Autorin hat sich von Konzepten von Schulze von Thun, Chapman und Bradshaw inspirieren lassen, die sie in ihre Geschichte einbindet, verständlich ausmalt und damit eine fundierte Grundlage für ihre Ratschläge bietet. Neben Anregungen zur Kommunikation richtet sie ihren Blick auf die Kindheit der Figuren. Daraus ergibt sich eine Erzählung mit einigen Denkansätzen für das Miteinander, nicht nur von Paaren, denn gewisse Punkte lassen sich auf weiteres menschliches Miteinander anwenden.

Das Buch „Die Berge, der Nebel, die Liebe und ich“ ist ein empfehlenswerter Ratgeber für Beziehungen von Tessa Randau. In einer ansprechenden, anregenden Geschichte hat die Autorin manchen Ratschlag, basierend auf bewährten Konzepten, für das gegenseitige Verständnis der Kommunizierenden eingebunden. Eine Identifikation mit den Figuren der Erzählung ist leicht möglich. Erwähnenswert sind auch die schönen und passenden Illustrationen von Ruth Botzenhardt, wodurch das Buch optisch für Aufmerksamkeit sorgt. 

Mittwoch, 15. September 2021

Rezension: Tote schweigen nie von A.K. Turner

 

 

[Werbung]
Tote schweigen nie
Autorin: A.K. Turner
Übersetzerin: Marie-Luise Bezzenberger
Hardcover: 400 Seiten
Erschienen am 1. September 2021
Verlag: Droemer HC

----------------------------------------

Cassie Raven arbeitet als Sektionsassistentin im Institut für Rechtsmedizin in Camden. In ihrer Rolle bereitet sie die Leichen für die Untersuchung durch den Pathologen vor. Auch wenn sie nicht Medizin studiert hat, entgeht ihrem geübten Blick selten ein Detail, das einen Hinweis auf die Todesursache geben kann: Oft hat sie sogar dass Gefühl, dass die Toten mit ihr sprechen.

Als eines Tages ihre geliebte Lehrerin Mrs. E auf ihrem Tisch liegt, ist sie schockiert: Diese war gerade erst in den Ruhestand gegangen und ist offenbar in der Badewanne ertrunken. Nichts deutet auf ein Verbrechen hin, doch Cassie glaubt, dass Mrs. E ihr „Meine Zeit noch ist noch nicht gekommen.“ zuflüstert. Definitiv ein Verbrechen ist hingegen der Diebstahl der Leiche eines alten Mannes, der sich kurz darauf ereignet. DS Phyllida Flyte, die erst seit kurzem in Camden ermittelt, hat Cassie im Verdacht, die mit ihrem Gothic-Look auffällt.

Zu Beginn nahm sich die Geschichte Zeit, mich mit der Protagonistin Cassie Raven bekannt zu machen. Für die Fünfundzwanzigjährige ist die Arbeit in der Leichenhalle eine Berufung: Sie kümmert sich voller Fürsorge um die ihr anvertrauten Leichen, redet leise mit ihnen und meint oft sogar letzte Wörter oder Sätze von ihnen zu hören. Dabei bekommt sie nicht nur friedlich eingeschlafene alte Menschen zu sehen, sondern auch Unfalltote oder Opfer von Verbrechen. Oftmals sind es auch die Angehörigen, um die sie sich kümmern muss. Ich fand die Einblicke in ihre Arbeit interessant und authentisch.

Die Dinge kommen in Bewegung, als Cassie feststellen muss, dass ihre ehemalige Lehrerin Mrs. E gestorben ist und über Nacht eine Leiche verschwindet. Mrs. E hat Cassie Jahre zuvor von der Straße geholt und sie motiviert, einen Abschluss zu machen. Bis zu einem Streit einige Monate zuvor haben sie sich regelmäßig gesehen. Cassie will sich nicht mit der naheliegenden Erklärung der Todesursache abfinden, irgendetwas kommt ihr falsch vor. Sie beginnt auf eigene Faust, Nachforschungen anzustellen. Offiziell ermittelt tut hingegen DS Flyte, aus deren Sicht ebenfalls einige Kapitel geschrieben sind. Ihr Beharren auf Cassie als Verdächtige für den Leichenraub macht sie zu Beginn wenig sympathisch, doch im weiteren Verlauf lernt man auch sie besser kennen und entwickelt ein Verständnis für ihr Handeln.

Dieser Thriller überzeugt mit einer ungewöhnlichen, sympathischen Protagonistin, viel psychologischer Spannung und zum Ende hin mit einigen gefährlichen Situationen, die mich um Cassie bangen ließen. Das Verhältnis zwischen Hintergrundstory, Einblicken in die Arbeit einer Sektionsassistentin und Ermittlungen fand ich gelungen. Mich hat die Geschichte fesseln können und ich freue mich jetzt schon auf ein Wiedersehen mit Cassie und DS Flyte in Band 2, der im englischen Original für 2022 angekündigt ist.

Dienstag, 14. September 2021

Rezension: Die Leben der Heiligen von Leigh Bardugo

 

[Werbung]
Die Leben der Heiligen
Autorin: Leigh Bardugo
Übersetzerin: Michelle Gyo
Hardcover: 144 Seiten
Erschienen am 1. September 2021
Verlag: Knaur HC

----------------------------------------

Im Grishaverse von Leigh Bardugo gibt es zahlreiche Heilige, die immer wieder erwähnt werden. Sankta Lizabeta, Sankt Grigori und Sankt Juris spielen in „King of Scars“ sogar eine größere Rolle. In „Die Leben der Heiligen“ sind die Geschichten von insgesamt 27 Männern und Frauen versammelt, welche die Bevölkerung des Grishaverse sich über ihre Heiligen erzählt.

Die Aufmachung des Buches mit seinen Rot- und Goldtönen gefällt mir richtig gut und es passt von den Maßen zum anderen Kurzgeschichtenband „Die Sprache der Dornen“. Jeder Geschiche vorangestellt ist eine ganzseitige Illustration von Daniel J. Zollinger, welche den fiktiven Heiligen in einer Situation der Geschichte zeigt. Der Stil hat mir gut gefallen und für mich sind die Illustrationen das Highlight dieses Buches.

Die Geschichten selbst sind 2 bis 6 Seiten lang und erzählen meist, was der jeweilige Heilige Wundersames getan hat und wie er danach auf grausame Art zu Tode kam. Oft wurde die Hinrichtung durch die Personen angeordnet, denen zuvor geholfen worden war, weil ihnen das Geschehene nicht geheuer war. Aufgrund der Kürze passiert oft auch nicht viel mehr, was ich schade fand. Ich hätte lieber weniger, dafür aber längere, stärker auserzählte Geschichten gelesen.

Einige Geschichten erzählen nicht vom Leben und Sterben des Heiligen selbst, sondern wie der Glaube an diese einer anderen Person geholfen hat. Diese Art des Erzählens wird unter anderem bei Juris und Alina angewandt, sodass man hier keine neuen Informationen zum Charakter selbst erhält. Auch vom letzten Kapitel des Buches, das wie man vorn im Inhaltsverzeichnis sieht vom Dunklen handelt, sollte man nicht zu viel erwarten.

Die Autorin hat sich für ihre fiktiven Heiligengeschichten an denen großer Religionen orientiert, sowohl was Sprache und Stil als auch was die Grausamkeit angeht, mit der die Heiligen zu Tode kommen. Sie lässt viele Charaktere als Märtyrer sterben und zeigt bei der Auswahl der Todesarten Einfallsreichtum. Ob man das in so komprimierter Form lesen möchte, ist definitiv Geschmackssache.

„Die Leben der Heiligen“ ist als Begleitbuch für alle Fans interessant, die noch mehr Einblicke ins Grishaverse und dessen Kulturgut erhalten wollen. Wer das Grishaverse noch nicht kennt oder sich neue Erkenntnisse zu den bekannten Charakteren erhofft, der wird vermutlich enttäuscht. Für mich ist das Buch vor allem ein optisches Highlight und ein Must Have, das meine Grishaverse-Bücher (vorerst?) komplettiert. Aufgrund der Kürze der Geschichten und dem Fokus auf besonders makabere Todesarten fand ich es allerdings schwächer als den ersten Kurzgeschichtenband.

-->