Mittwoch, 22. Februar 2017

[Filmrezension Hanna] The Girl with All the Gifts



The Girl with All the Gifts
 Regie: Colm McCarthy
Starttermin: 09. Februar
Länge: 111 Minuten


Inhalt
In einer nahen Zukunft hat ein Pilz den Großteil der Menschheit in zombieartige „Hungries“ verwandelt. Doch einige Hungries-Kinder sind anders. Sie sind ebenfalls infiziert, aber intelligent und lernfähig. Einige der Überlebenden haben sich auf einen schwer bewachten Militärstützpunkt zurückgezogen, wo sie die Kinder als Testobjekte mit Hoffnung auf ein Heilmittel studieren. Melanie ist das schlaueste Hungries-Kind und hat es der Lehrerin Miss Justineau besonders angetan. Doch ausgerechnet ihr Gehirn will Dr Caldwell für ihre Forschung nutzen. Bevor es zum Eingriff kommen kann, überrennen Hungries den Stützpunkt. Miss Justineau, Dr. Caldwell, Melanie und drei Soldaten können fliehen und bilden eine unfreiwillige Gemeinschaft, die sich zum nächsten sicheren Zufluchtsort durchschlagen will. Der Weg führt mitten durchs mit Hungries bevölkerte London…

Meinung
Kurz bevor der Film in die Kinos kam habe ich die Buchvorlage „Die Berufene“ gelesen. Diese hat mir sehr gut gefallen. Das Buch bietet trotz der Zombiethematik eine intelligente, alles andere als oberflächliche Story. Gleichzeitig gab es auch einige Momente, die ich schon beim Lesen erschreckend oder eklig fand. Ich war deshalb gespannt, wie viel der Tiefe der Film beibehält und wie stark er auf Grusel und Erschrecken setzt.

Der Beginn des Films ist nah an der Buchvorlage. Man lernt Melanie kennen, die sehr intelligent und manchmal auch ein bisschen besserwisserisch ist. An sich wirkt sie völlig normal – weshalb also lässt sie sich Tag für Tag freiwillig am ganzen Körper fixiert von einem Soldaten zum Unterricht fahren? Die Antwort liefert schon bald die erste gruselige Szene, in der Sergeant Parks das Klassenzimmer in eine Horde zähneklappernder, unkontrolliert agierender Wesen verwandelt. Nur Melanie kann sich beherrschen, wobei man bald feststellen muss, dass auch ihre Kraft ein Ende kennt. Die zum Zeitpunkt der Verfilmung zwölfjährige Sennia Nanua spielt ihre Rolle als Zombiekind, das möglichst viel wissen und es jedem Recht machen will und deren Lehrerin Miss Junstineau ihr größtes Vorbild ist, mit Bravour.

Bald schon kommt Schwung in die Geschichte, denn der Stützpunkt wird überfallen und die Menschen verlieren ihren sicheren Zufluchtsort. Jetzt steht ihnen ein weiter Weg durch ungeschützte Wildnis und Städte bevor, um eine neue Zuflucht zu finden. Im Gegensatz zum Buch springt die Geschichte sehr schnell direkt nach London. Hier wird der Leser mit spektakulären, erschreckenden Kulissen konfrontiert. In der ganzen Stadt stehen halb verrottete Hungries herum – hier haben die Maskenbildner ganze Arbeit geleistet – die sich nicht bewegen, solange sie kein Lebewesen riechen oder durch Geräusche aufgeschreckt werden. Dieses Szenario ist natürlich prädestiniert für einige Erschreck-Momente, und die Soldaten töten zuhauf angreifende Hungries per Kopfschuss. Da der Film eine FSK16 hat, ufert das zum Glück für mich nicht in Splatter aus, blutige Detailansichten bleiben dem Zuschauer erspart.

Immer wieder gibt es Verschnaufpausen, in denen die Charaktere für kurze Zeit in Sicherheit sind und ihre nächsten Schritte planen können. Ich fand es sehr schade, dass die meisten Erklärungen und Hintergrunde des Buches aus der Filmhandlung herausgenommen wurden. Nur gelegentlich blitzt in diesen Gesprächen die eingangs erwähnte Tiefe durch, die ich am Buch schätze. Hier wurde vor allem Melanies gedankliche Wandlung nachvollziehbar gemacht. Die Situation spitzt sich schließlich zu und die Frage steht im Raum, wie es überhaupt weitergehen kann. Natürlich überspringt der Film einige Stationen des Buches, und vor allem zum Ende hin ändert er immer häufiger Kleinigkeiten im Sinne der Dramatik ab. Bis zum Schluss blieb es spannend, und die letzten Szenen rundeten die Geschichte für mich absolut gelungen ab.

Fazit
„The Girl with All the Gifts“ ist eine Geschichte rund um intelligente und weniger intelligente Hungries und den Überlebenswillen einiger letzter Menschen. Der Film bietet die für das Genre obligatorischen Gänsehaut- und Erschreck-Momente, zusätzlich aber auch interessante Einblicke in die Motivation der einzelnen Charaktere und Erklärungen der Hintergründe, die für mich noch etwas ausführlicher hätten sein dürfen. Vor allem Sennia Nanua als Melanie konnte mich überzeugen. Sehr gerne empfehle ich den Film an Fans vom Zombie-Filmen mit guter Story weiter!

Dienstag, 21. Februar 2017

Gewinnt ein Exemplar von "Cruelty - Ab jetzt kämpfst du allein" von Scott Bergstrom


Gewinnt das hier im Bild gezeigte  Buch "Cruelty - Ab jetzt kämpfst du allein" von Scott Bergstrom. Das Buch ist NEU und ungelesen, weil es den Weg zu mir 2x gefunden hat. Es ist also nicht das von mir gelesene und rezensierte Exemplar! Allerdings ist es als Leseexemplar gekennzeichnet. Also macht bitte nur mit, wenn ihr das Buch nicht verkaufen möchtet !!!

Mitmachen könnt ihr über die facebook-Seite unseres Blogs. 
Kommentiert dazu folgenden Post ---> KLICK

Das Gewinnspiel läuft bis zum 05. März 2017, 20 Uhr. Teilnahmebedingungen findet ihr unterhalb von diesem Post.

Braucht ihr noch eine Entscheidungshilfe dazu, ob ihr mitmachen möchtet?

Hier findet ihr Hannas Rezension zum Buch: KLICK!

und hier könnt ihr meine nachlesen: KLICK!

Hanna hat außerdem einen Artikel über die Aufregung geschrieben, die die Äußerungen und das Buch in den USA verursacht haben. Den Post könnt ihr hier aufrufen: KLICK!

Viel Glück
Eure Ingrid

Teilnahmebedingungen:


Teilnahmeberechtigt sind alle Personen aus Deutschland. Ihr könnt nur über facebook an unserem Gewinnspiel teilnehmen, also müsst ihr selber einen facebook-Account besitzen. Ihr solltet über 18 Jahre alt sein, ansonsten benötigen wir das Einverständnis eurer Erziehungsberechtigten. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Für evtl. Verlust auf dem Postweg übernehmen wir keine Haftung. Mit der Teilnahme an diesem Gewinnspiel erklärt ihr euch einverstanden, dass ich euren Namen für die Gewinner-Bekanntgabe auf facebook veröffentlichen darf. Nach der Gewinnerbekanntgabe habt ihr 48 Stunden Zeit, euch bei mir zu melden. Ansonsten losen wir neu aus.

Montag, 20. Februar 2017

[Rezension Hanna] Die Terranauten - T.C. Boyle

 

Die Terrranauten
Autor: T.C. Boyle
Übersetzer: Dirk van Gunsteren
Hardcover: 608 Seiten
Erschienen am 9. Januar 2017
Verlag: Hanser

Inhalt
Dawn, Ramsay und Linda teilen den gleichen Wunsch: Sie wollen Terranauten werden und sich für zwei Jahre in der „Ecosphere 2“ einschließen lassen. In dieser riesigen, von einer Glaskuppel abgeschirmten Anlage soll sich ein neues, geschlossenes Ökosystem stabilisieren. Während der ersten Mission wurde die Luftschleuse aber schon nach wenigen Wochen und dann immer wieder kurz geöffnet. Für die Mission-2-Crew ist deshalb klar: Nicht rein, nichts raus – zwei Jahre lang bis zum Austausch der Crew. Vier Männer und vier Frauen lassen sich einschließen. Unter ständiger Beobachtung durch die Organisatoren und die Öffentlichkeit muss die Crew ökologische, aber auch technische, menschliche und emotionale Herausforderungen bewältigen.

Meinung
Das Cover fällt durch den Menschen im Raumanzug, der inmitten von Grün steht, ins Auge. Was hat jemand mit solch einem Anzug in einer so lebendigen Umgebung zu suchen? Für mich ist es eine gelungene Anspielung auf das Selbstverständnis der Terranauten, die sich zwar nicht im Raumanzug, aber im roten Overall in die „Ecosphere 2“ einschließen lassen, um als Pioniere in der Erforschung eines geschlossenen Ökosystems zu agieren. Ein Traum, der für zwei der drei Erzählenden bald Wirklichkeit wird.

Das Buch beginnt etwa einen Monat vor dem Einschluss. Man lernt die drei Protagonisten Dawn, Ramsay und Linda kennen kurz bevor sie erfahren, ob sie Teil der Crew sind. Dawn und Linda wissen, dass sie für die gleiche Funktion in Frage kommen und nur eine von ihnen bei dieser zweiten Mission dabei sein wird. So ist die Enttäuschung bei einer von ihnen natürlich groß, sie wird weiterhin nur von außen mitarbeiten. Man erhält deshalb ganz unterschiedliche Eindrücke von den laufenden Vorbereitungen, während der man sich mit den dreien als Leser vertraut machen kann.

Bald ist es so weit und es kommt zum Einschluss der acht Terranauten, die außer Licht, Strom und Informationen zwei Jahre lang nichts von außen erhalten werden. Ich fand es höchst faszinierend, zu beobachten, wie jeder auf seine Art mit der Situation umgeht und sich arrangiert. Die anfängliche Aufregung lässt bald nach, und die Crew muss sich mit Hunger, Kakerlaken, zwischenmenschlichen Spannungen, der ständigen Überwachung, technischen Problemen noch mehr auseinandersetzen. Der Fokus bleibt auf den beiden eingeschlossenen Erzählenden. Man lernt sie immer besser kennen, begleitet sie durch wenige Höhen und viele Tiefen und erlebt mit, wie die Erlebnisse sie als Menschen nachhaltig prägen.

Auch außerhalb der Glaskuppel geht das Leben weiter. Hier begleitet man die zurückgestellte Terranautin, die mit der Aussicht darauf, zwei Jahre später Teil der Mission-3-Crew zu werden, weitermacht. Neid beherrscht ihre Gedanken, wodurch es auch mal anstrengend wurde, ihre Kapitel zu lesen, doch ich konnte ihre Gefühle nachvollziehen. Durch sie wird zudem noch deutlicher, wie groß das Ausmaß der Überwachung und Manipulation ist, mit dem die Organisatoren die Terranauten steuern wollen. Doch ihnen bleiben letztendlich nur Worte, wenn sie die Schleuse nicht öffnen wollen. Und nach einem großen Knall will vor allem ein Terranaut um jeden Preis ihren Kopf durchsetzen.

Das Geschehen „drinnen“ wie „draußen“ konnte mich fesseln. Vor allem die Dynamiken und Entwicklungen auf der zwischenmenschlichen Ebene fand ich sehr interessant. Immer tiefer dringt der Leser ins Innenleben der Protagonisten vor, sodass ich über ihr Handeln zwar den Kopf schütteln musste, doch gleichzeitig verstand, was sie zu teils drastischen Entscheidungen antreibt. Voller Neugier erwartete ich den Moment, in dem die Luftschleuse geöffnet wird. Doch damit ist es nicht vorbei, sondern es wartet die nächste Überraschung, und so wird die Spannung weiter gehalten bis zu einem recht offenen Ende, das hier absolut angebracht ist.

Fazit
„Die Terranauten“ erzählt lose basierend auf einer wahren Geschichte von vier Männern und vier Frauen, die sich für zwei Jahre unter einer Glaskuppel einsperren lassen wollen, um die Stabilisierung eines geschlossenen Ökosystems zu erforschen. Die Einblicke ins Innere der Beteiligten und die zwischenmenschlichen Dynamiken fand ich höchst faszinierend. Immer neue Zwischenfälle und zu treffende Entscheidungen hielten trotz des eher ruhigen Tempos die Spannung aufrecht. Ein herausragender Roman, der mich durchweg begeistern konnte!

Samstag, 18. Februar 2017

[Neuzugänge Hanna] Literarisches und zwei tolle Überraschungen

Hallo liebe Leser,

mich haben in der letzten Woche ganze fünf Bücher erreicht, die ich Euch gerne zeigen möchte.


In letzter Zeit lese ich vermehrt literarische Bücher, und so haben es diese drei Werke in mein Regal geschafft. "Mehr schwarz als lila" von Lena Gorelik von ist frisch erschienen, ich lese es bereits sodass ihr auf eine Rezension nicht mehr lange warten müsst. Es dreht sich um Freundschaft, Liebe und Erwachsenwerden. Auf "Das Nest" von Cythia D'Aprix Sweeney und "Die Vegetarierin" von Han Kang bin ich durch diverse Rezensionen aufmerksam geworden und bin schon gespannt, wie sie mir gefallen werden.


Dann erreichten mich noch zwei tolle Überraschungen. Zum einen wurde mir von LovelyBooks das gestern erschienene Buch "Wir fliegen, wenn wir fallen" von Ava Reed zugeschickt. Dabei gab es viele tolle Goodies: Eine Karte, eine Feder, ein kleiner Notizblock, Schokoherzen, ein Pusteblumen-Bleistift und mein Highlight - ein Mini-Pusteblumen-Stempel! *-* Vielen lieben Dank dafür!

Auch dieses Buch ist eine Überraschung, über die ich mich sehr gefreut habe. "Retour" von Alexander Oetker ist ein Krimi-Debüt, und beigelegt war ein persönlicher Gruß des Autors. Eine tolle Geste, die mich noch noch neugieriger auf das Buch macht. Vielen Dank!

Kennt ihr schon eins der Bücher oder wollt es auch noch lesen?

Liebe Grüße
Eure Hanna

Freitag, 17. Februar 2017

[Rezension Ingrid] Cruelty - Ab jetzt kämpst du allein von Scott Bergstrom


Titel: Cruelty - Ab jetzt kämpfst du allein
Autor: Scott Bergstrom
Übersetzterin: Christiane Steen
Erscheinungsdatum: 17.02.2017
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur (Leseexemplar)

Beim Thriller „Cruelty“ von Scott Bergstrom ist der Titel Programm, denn die Geschichte beinhaltet einige grausam anmutende Szenen. Wer also Gewaltanwendung bei kriminellen Handlungen nicht mag, für den ist dieses Buch nicht geeignet. In kräftigem Orange macht nicht nur der Titel auf dem Cover, sondern auch der in gleicher Farbe eingefärbte Buchschnitt auf sich Thriller aufmerksam. Diese Farbe habe ich direkt mit Gefahr in Verbindung gebracht vor der ich gewarnt werden sollte. Auch der düstere Untertitel „Ab jetzt kämpfst du allein“ erzeugte in mir bereits bei der Betrachtung des Buchs ein beklemmendes Gefühl.

Gwendolyn Bloom ist 17 Jahre alt und lebt momentan in New York. Ihre Mutter ist vor zehn Jahren gestorben. Mit ihrem Stiefvater, der als Politoffizier bei der UN beschäftigt ist, lebt sie irgendwo auf der Welt jeweils über einen längeren Zeitraum dort, wo er gerade beschäftigt ist. Am Tag nach seinem Geburtstag fliegt er aus beruflichen Gründen zu einem Kurzaufenthalt nach Paris. Noch am gleichen Abend stehen plötzlich zwei Special Agents des Diplomatischen Sicherheitsdienstes vor ihrer Haustür und teilen ihr das Verschwinden ihres Vaters mit. Erst auf diese Weise erfährt sie, dass er ein Spion der CIA ist. Weitere Tage vergehen und die rechtschaffene Schwester ihrer Mutter reist an, um sich um sie zu kümmern.  Doch je mehr Zeit vergeht, desto weniger traut Gwendolyn dem Geheimdienst zu, ihren Vater zu finden. Der einzige Anhaltspunkt von dem aus sie ihre eigene Suche aufnehmen kann ist ein altes Taschenbuch, das ihr Vater bei einem Nachbarn kurz vor seiner Abreise deponiert hat. Doch mit unglaublichem Spürsinn gelingt es ihr, die Fährte aufzunehmen. Ihr Nachbar, früher selber für einen Geheimdienst tätig, vermittelt ihr einen Kontakt in Paris, der versucht sie physisch und psychisch auf potentielle Gefahren bei ihrer Suche vorzubereiten. Doch das was dann folgt hat Gwendolyn nicht in ihren schlimmsten Träumen vorausgesehen. Es ist eine Welt voller Gewalt zur Durchsetzung eigener Interessen die aus dem Handel mit Drogen, Menschen und Waffen bestehen.

Das Buch ist im Präsens geschrieben und so kamen mir die Gefahren in die die Protagonisten gerät noch gegenwärtiger vor. Gwendolyn verändert sich als recht junger Charakter in der feindlichen Welt der Geheimdienste sehr schnell. Auch in der Presse erfahre ich immer wieder von Radikalisierungen Jugendlicher bei denen ich staune, wie rasch das möglich ist. Scott Bergstrom beschreibt seine Hauptfigur als groß und kräftig. Eher untypisch für diesen Körperbau trainiert Gwen mehrmals wöchentlich an Sportgeräten auf hohem Niveau. Es ist also annähernd realistisch, wenn sie sich nach ihrer Vorbereitung in Paris erwachsenen Männern kämpferisch entgegenstellt. Sie spricht mehrere Sprachen und steht durch ihre Auslandsaufenthalte an der Seite ihres Vaters anderen Kulturen sensibel und offen gegenüber. Auch das Glück und der Zufall kommen ihr bei ihrer Mission häufiger entgegen. Allerdings fand ich es weniger glaubwürdig, dass sie die mentale Kraft besitzt den Level der Gewaltanwendung so anhaltend hoch zu halten und wörtlich über Leichen zu gehen um ihren Vater zu retten, der sie lebenslang über seine Tätigkeit belogen und immer wieder zu alleinigen Reisen aufgebrochen ist, ohne für ihre Sicherheit zu sorgen.

Nach einer eher ruhigen Einführung in die Welt von Gwendolyn beginnt die Spannung mit der Entführung des Vaters. Auch wenn die Protagonistin im Mittelteil auf der Stelle zu treten scheint, konnte ich eine gewisse Erwartung auf weiteren Nervenkitzels nicht leugnen und ich wurde nicht enttäuscht. Zum Schluss bereitete der Autor mir ein furioses Finale. Das Ende deutet auf eine Fortsetzung hin. Wer mit Gewalt in Thrillern klar kommt und sich die Reife einer noch jungen Frau vorstellen kann, wird dieses Buch mögen und sich von der anhaltenden Spannung mitreißen lassen. 

[Buchplauderei] Wie sich ein Debüt-Autor die amerikanische YA-Community zum Feind machte

 
Hallo liebe Leser,

heute ist in Deutschland "Cruelty. Ab jetzt kämpfst du allein" von Scott Bergstrom erschienen, zu dem ich heute auch meine Rezension veröffentlicht habe. In dieser habe ich das Buch ganz allein nach seiner Geschichte bewertet. Doch obwohl das Buch ein Debüt ist, hat der Autor in Amerika schon für große Aufregung gesorgt. Ich habe mir die Hintergründe dessen näher angeschaut.

Doch von Anfang an.

Mir wurde das Buch auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Ausgestellt noch hinter Glas und mit knallorangem Schnitt zog das Buch die Blicke am Rowohlt-Stand auf sich. Als es mir als Geschichte über eine toughe Protagonistin, die ihren verschwundenen Vater sucht, vorgestellt wurde, war meine Neugier vollends geweckt. Ich freute mich total, als ich dann auch noch ein Leseexemplar mit nach Hause nehmen durfte.

Kurz vor Weihnachten hatte sich "Cruelty" dann den Platz ganz oben auf meinem SuB erkämpft und ich begann, zu lesen. Parallel zur Lektüre suchte ich die englische Ausgabe des Buches auf Goodreads - das mache ich ganz gerne bei in Deutschland noch nicht erschienenen Büchern, um einen groben Eindruck davon zu bekommen, wie gehypt oder nicht gehypt das Buch in Amerika ist. Auf goodreads.com erwartete mich eine relativ schlechte Bewertung von 3,3 bei ca. 200 Ratings. Auf Amazon.com hingegen findet man eine überragende Wertung von 4,6. Was war denn da passiert? Mir gefiel das Buch, das ich gerade las, eigentlich sehr gut.

Ich tat also, was ich sonst nicht tue - ich las mich durch die Kommentare. Und siehe da: Einige Goodreads-Mitglieder haben dem Buch aus Prinzip einen Stern gegeben aufgrund der Äußerungen des Autors. Da wollte ich jetzt wirklich wissen, was passiert war. Relativ schnell fand ich verschiedene Artikel, unter anderem diesen hier, der das Geschehen ganz gut zusammenfasst.

Was war also passiert? 

In Kürze: Das Debüt des Autors versprach schon vor Veröffentlichung, erfolgreich zu werden, denn es wurde sofort in 16 Länder verkauft und Paramount sicherte sich die Filmrechte. In dem Zuge wurde Scott Bergstrom von Publishers Weekly interviewt und es kam zu folgendem Statement:

“The morality of the book is more complicated than a lot of YA so I wanted to try doing it on my own,” Bergstrom said. “In a lot of YA, the conflict takes place inside a walled garden, set up by outside adult forces. If you think of those stories as a metaphor for high school, they start to make a lot more sense, but that was one thing I wanted to depart from.” (Quelle)

Zusätzlich fand man in der zu diesem Zeitpunkt bereits verfügbaren Leseprobe folgende (damals nur auf englisch verfügbare) Sätze:
"Ich hole ein Buch aus meinem Rucksack und lehne mich gegen die Tür, und der Zug schießt durch den Tunnel in Richtung Queens. Es ist ein Roman mit einer Teenager-Heldin, der in einer dystopischen Zukunft spielt. Welcher Roman spielt keine Rolle, denn sie sind alle gleich." (deutsche Ausgabe, S.21)

Die Empörung der amerikanischen YA-Gemeinde war riesig. Unter dem Hashtag #morallycomplicatedYA brachten zahlreiche Leser mal mehr auf ironische, mal mehr auf entzürnte Weise ihre Meinung zum Kommentar des Autors zum Ausdruck.

Und heute?

Seit der großen Aufregung ist ein gutes Jahr vergangen. Unter oben genanntem Hashtag findet man nun vor allem Bilder eines Panels der YALC (Zufall oder Absicht der Veranstalter?!). Die Goodreads-Bewertung wird sich aber wohl im Gegensatz zur überragenden Bewertung auf amazon.com nicht mehr erholen.

Jetzt ist das Buch also auch auf deutsch verfügbar. Ich habe es schon gelesen und fühlte mich unterm Strich sehr gut unterhalten.

Ist das Buch wirklich komplizierter als der Rest der YA-Literatur? Nö. 

Trotzdem würde ich mich sehr freuen, wenn die Geschichte den Sprung in die Kinos schafft und ich werde wohl auch zur Fortsetzung greifen, wenn sie auf deutsch erscheint (das scheint noch zu dauern, die Veröffentlichung des Originals ist für 2018 geplant).

Ich glaube, dass der Autor mit dem großen Erfolg im Rücken schon vor der Veröffentlichung des Buches wohl ein bisschen größenwahnsinnig reagiert und dick aufgetragen hat. "Mein Buch ist ja so viel besser als der Rest" - das denkt der ein oder andere Autor vielleicht, aber das sagt man dann eben nicht im Interview mit der Publishers Weekly. Ich war nach meiner Recherche erstaunt, welch große Wellen ein einzelnes Interview in der YA-Community schlagen kann. Ich persönlich verzeihe dem Autor seinen Fehltritt, sofern er solche Kommentare in Zukunft für sich behält und weiterhin spannende Bücher schreibt.

Was denkt ihr zu diesem Vorfall? Werdet ihr "Cruelty: Ab jetzt kämpfst du allein" lesen?

Liebe Grüße
Eure Hanna




[Rezension Hanna] Cruelty. Ab jetzt kämpfst du allein - Scott Bergstrom

 

Cruelty. Ab jetzt kämpfst du allein
Autor: Scott Bergstrom
Übersetzerin: Christiane Steen
Paperback: 432 Seiten
Erschienen am 17. Februar 2017
Verlag: Rowohlt Polaris

Inhalt
Die siebzehnjährige Gwendolyn Bloom ist ein Diplomatenkind. Aktuell lebt sie in New York und besucht dort eine Privatschule. Ihr Vater arbeitet für die UN und ist die einzige Person, die sie als Familie betrachtet, seit ihre Mutter vor 10 Jahren bei einem Angriff in Algier ums Leben kam. Doch dann verschwindet ihr Vater auf einer Dienstreise nach Paris. Wurde er entführt oder ist er auf eigene Faust vom Radar verschwunden? Im Zuge der Ermittlungen erkennt Gwendolyn, dass ihr Vater all die Jahre als Spion tätig war. Als die Suche nach ihm eingestellt wird, beschließt sie, auf eigene Faust weiterzusuchen. Sie lässt ihr altes Ich hinter sich und begibt sich auf höchst gefährliches Terrain.

Meinung
Mit seinem knallorangen Titel und Buchschnitt ist dieser Thriller ein Hingucker, der sofort mein Interesse weckte. Im ersten Kapitel lernt man Gwendolyn als normale, etwas rebellische Schülerin kennen, die fünf Sprachen spricht und nicht so reich ist wie die anderen Privatschüler. Doch die Geschichte wird schon bald düster, weshalb ich gut verstand, dass das Buch trotz des Alters der Protagonistin im Erwachsenenprogramm des Verlags veröffentlicht wurde. Bevor es so weit ist, lernt der Leser Gwendolyn aber erst einmal besser kennen. Auch nach 10 Jahren belastet sie der Tod ihrer Mutter immer noch sehr, und auch über die ständigen Dienstreisen ihres Vaters ist sie nicht glücklich. Am liebsten möchte sie ein ganz normales Leben führen und freut sich sehr, als ihr Mitschüler Terrance echtes Interesse an ihr zeigt.

Nach diesem ruhigen Einstieg wird Gwendolyns Leben mit dem Verschwinden ihres Vaters aus den Angeln gehoben. Es folgt eine Phase der Ungewissheit, in welcher sie die Information verarbeiten muss, dass ihr Vater all die Jahre als Spion gearbeitet hat. Ich konnte nicht so recht glauben, dass sie all die Jahre nichts gemerkt haben will. Doch sie schaltet schnell um und wagt schließlich den großen Schritt, alles hinter sich zu lassen und sich selbst auf die Suche zu begeben. Fast ein Drittel des Buches ist an diesem Punkt schon gelesen, und wer bis hierhin durchgehalten hat, wird mit einer spektakulären und rasanten Story belohnt.

Innerhalb weniger Wochen macht Gwendolyn in einer Rocky-mäßigen Zusammenstellung kurzer Szenen eine umfassende Transformation durch und wird zur knallharten Kickass-Heldin. Sie versteht schnell, dass sie es mit höchst gefährlichen Verbrechern zu tun bekommen wird, wenn sie etwas über das Schicksal ihres Vaters erfahren will. Deshalb nimmt sie erst einmal eine falsche Identität an, die sie fünf Jahre älter macht. Das passte viel besser zu ihrem Auftreten und hätte für mich von vornherein ihr echtes Alter sein dürfen. Wie glaubwürdig man diese rasante Wandlung findet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass mich die neue Gwendolyn bestens unterhalten konnte. Immer wieder wird sie angegriffen und muss sich verteidigen, muss entscheiden wem sie vertraut und riskante Wagnisse eingehen, um an Informationen zu gelangen. Ihre Suche führt sie in die dunkelsten und gefährlichsten Ecken verschiedener Großstädte. Hier gelingt es dem Autor gut, die Atmosphäre der Stadtteile einzufangen, die Touristen meist nicht zu sehen bekommen.

Gwendolyn wächst zunehmend in ihre neue Identität hinein. Immer wieder muss sie Teile ihres alten Selbst aufgeben, um weiterzukommen. Es gibt spektakuläre, aber auch grausame Szenen, die ich absolut kinoreif fand. Die Protagonistin war immer wieder für eine Überraschung gut und ging weiter, als ich es ihr zugetraut hätte. Atemlos las ich mich durch die Seiten bis hin zu einem irren Showdown. Wer dachte, dass es danach vorbei ist, wird noch mal mit einem Twist belohnt. Das Ende ist relativ offen und ich vermisste ein bestimmtes Gespräch ganz besonders, weshalb ich mich schon jetzt auf die bereits angekündigte Fortsetzung freue.

Fazit
Lasst Euch bei „Cruelty. Ab jetzt kämpfst du allein“ nicht vom harmlosen Beginn täuschen. Nach einer längeren Aufwärmphase nimmt das Buch so richtig an Fahrt auf. Aus der rebellischen Schülerin wird eine knallharte Kämpferin, die alles auf eine Karte setzt, um herauszufinden, was mit ihrem Vater geschehen ist. Actionreiche und schockierende Szenen konnten mich mitreißen und ich fieberte mit, wie weit Gwendolyn bereit ist zu gehen. Ich vergebe sehr gute vier Sterne. Ein Buch für alle, die Lust auf einen Spionagethriller mit einer starken weiblichen Protagonistin haben.