Freitag, 24. Februar 2017

[Rezension Hanna] Mehr Schwarz als Lila - Lena Gorelik


Mehr Schwarz als Lila
Autorin: Lena Gorelik
Hardcover: 256 Seiten
Erschienen am 17. Februar 2017
Verlag: Rowohlt Berlin

Inhalt
Alex ist siebzehn und hat seit sechs Tagen das Haus nicht mehr verlassen, denn Paul ist verschwunden und Ratte redet nicht mehr mit ihr. Dabei gab es eine Zeit, in der die drei unzertrennlich waren. Doch plötzlich ist nichts mehr vor vorher. Ein neuer Referendar kommt an die Schule, zu dem sich Alex hingezogen fühlt. Und auch Ratte verliebt sich und hat plötzlich weniger Zeit für sie. Alex handelt zunehmend intuitiv und ohne nachzudenken und hält an den Spielen fest, die sie, Ratte und Paul doch schon immer gespielt haben. Doch irgendwann stößt jedes Spiel an seine Grenzen…

Meinung
Cover und Titel des Buches scheinen farblich auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen, ihre Bedeutung wird beim Lesen aber schnell klar. Das Cover des Buches zeigt ein rot-grünes Gefieder und spielt auf Alex‘ Papagei an, den ihr Vater ihr vor neun Jahren kurz nach dem Tod ihrer Mutter geschenkt hat. Der Titel bezieht sich auf ihre Vorliebe, ausschließlich schwarz zu tragen und damit verbundene Diskussionen mit ihrer besten Freundin Ratte, ob ihre Hose nun eher dunkellila oder schwarz ist. Doch bevor man das und noch viel mehr über die Protagonistin erfährt, lernt man sie zu Beginn des Buches in einem Moment kennen, in denen sie sich emotional im freien Fall befindet. Um zu erklären, wie es so weit kommen konnte, springt die Ich-Erzählerin einige Monate in die Vergangenheit.

Hier lernt der Leser Alex, Ratte und Lena als verschworenes Dreiergespann kennen. Sie verbringen ihre Zeit meistens gemeinsam. Wenn ihnen langweilig ist, dann spielen sie Spiele wie „Stell dir vor“, in denen sie sich gegenseitig zu übertreffen versuchen. Doch dann wird alles anders, denn ein neuer Referendar unterrichtet die Klasse und lädt die drei bald ein, mit ihm eine Ausstellung zu besuchen. Er, den Alex im Buch nur als „Du“ anspricht, trifft sich fortan häufiger mit den dreien. Alex fühlt sich immer stärker zu ihm hingezogen, handelt ohne nachzudenken und muss sich mit den unerwarteten Konsequenzen auseinandersetzen.

Ich erlebte Alex als authentische Protagonistin, die sich mitten im Erwachsenwerden befindet und sich von ihren Gefühlen leiten lässt. In literarischer Sprache beschreibt sie, was in ihr vorgeht. Dabei macht sie großzügig Gebraucht von Stilmitteln, denn schließlich sind sie die Verbindung zu ihm, der sie in Deutsch unterrichtet. Oft verfällt sie auch ins Stakkato oder erinnert sich an Songtexte, die ihre Gedanken wiederspiegeln. Nach einer Eingewöhnungsphase konnte ich mich gut auf diese ungewöhnliche Sprache einlassen und sie wurde für mich zunehmend zur Stimme von Alex.

Mit Alex‘ Worten vor Augen konnte ich gut nachvollziehen, wie es so weit kommen konnte, dass sie sich privat mit einem Referendar trifft und Gefühle für ihn entwickelt. Dieses brisante Thema verarbeitet die Autorin behutsam und unaufgeregt, sodass der Fokus darauf lag, welchen Einfluss Alex‘ Gefühle und auch die von Ratte und Paul auf ihre Freundschaft haben. Ich muss aber sagen, dass die drei auf mich eher wie Schüler von vor zehn, zwanzig Jahren als wie von heute wirkten. Ihr Verhalten empfand ich oft eher als typisch für die Jugend der 90er / 2000er als der heutigen Zeit. Durch wenige Verweise wie die Jagd auf Pokemon wurde die Handlung aber im Hier und Jetzt fixiert, wodurch für mich ein etwas unstimmiger Eindruck entstand.

Die Handlung spitzt sich schließlich zu. Das Chaos in Alex‘ Innerem treibt sie zu immer impulsiveren Handlungen, die Grenzen testen und schließlich überschreiben. Ein mittels Foto festgehaltener Moment ist es schließlich, der Alex emotionales Kartenhaus in sich zusammenstürzen lässt. Hier findet man sich schließlich in der zu Beginn des Buches geschilderten Situation wieder und die Geschichte wird zu einem Abschluss geführt, der mich berühren konnte und dessen Botschaft ich als sehr stimmig und passend erlebte.

Fazit
„Mehr schwarz als lila“ erzählt die Geschichte von Alex, ihren beiden besten Freunden und einer Menge Gefühlen, die alles durcheinander bringen. Die ungewöhnliche, mit Stilmitteln beladene Sprache wurde für mich bald zu Alex Stimme, die von Freundschaft, Liebe und dem Erwachsenwerden erzählt. Eine ruhige und zugleich starke, authentische Geschichte, die ich sehr gern weiterempfehle.


Donnerstag, 23. Februar 2017

[Rezension Ingrid] Schlafen werden wir später von Zsuzsa Bánk


Titel: Schlafen werden wir später
Autorin: Zsuzsa Bánk
Erscheinungsdatum: 23.02.2017
Verlag: S.Fischer (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen (Leseexemplar)

„Schlafen werden wir später“ von Zsuzsa Bánk ist ein Briefroman in moderner Form. Johanna und Mártha sind Freundinnen seit Kindertagen und schreiben einander E-Mails über das, was sie gerade bewegt. Sie schreiben einander auch Briefe und Postkarten, telefonieren miteinander und besuchen sich gegenseitig. Doch es sind die E-Mails die ihnen den Platz einräumen, ihre Gedanken zu ordnen, der anderen ihre Gefühle begreifbar zu machen, Vergessenes zu erfassen, Ungesagtes zu äußern und zu kurz Gekommenes zu ergänzen. Sie ermöglichen eine schnelle Reaktion auf eine erhaltene E-Mail, nehmen Platz ein für ein nicht stattgefundenes Telefonat und erlauben eine wohldurchdachte Antwort auch nach mehreren Tagen. Selbst wenn in der Hektik des Alltags die Möglichkeit zum erholsamen Schlafen fehlt, sind meistens ein paar schnelle Zeilen an die Freundin rasch geschrieben, egal zu welcher Tageszeit.

Johanna und Mártha sind beide 42 Jahre alt. Johanna ist Lehrerin und wohnt in einem Haus im Schwarzwald. Sie hat sich vor nicht allzu langer Zeit von ihrem Freund Markus getrennt und eine schwere Krankheit überstanden. Außerdem schreibt sie an ihrer Doktorarbeit über die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff steht, deren Werke sie bewundert. Ihre Eltern sind früh verstorben, doch ihre Gedanken verweilen häufig bei ihnen und ihren besonderen Charakteren.
Mártha ist Autorin und hat bisher zwei Lyrikbände geschrieben. Sie arbeitet an einem Buch mit Erzählungen, wenn ihre Zeit als dreifache Mutter es erlaubt. Mit ihrem Mann Simon und den Kindern lebt sie in Frankfurt am Main in einer Erdgeschosswohnung. Wenn sie zu Lesungsterminen fährt kümmert sich oft eine alte Freundin der Familie oder ihre aus Ungarn stammenden Eltern um die Kinder. Ihr großer Wunsch ist es, von ihrer Arbeit ohne Not leben zu können.

Durch diese besondere Form des Romans hat der Leser es mit zwei Ich-Erzählerinnen zu tun. Die Gedanken beider Protagonistinnen liegen also offen vor ihm. Es sind nicht die großen weltpolitischen Ereignisse über die die beiden Frauen schreiben, sondern das ganz normale Leben und die Zwänge des Alltags. Beide sind in Frankfurt-Höchst aufgewachsen und immer füreinander da gewesen. Sie kennen einander so gut, dass ihre Unterhaltungen ganz tief gehen. Sie scheuen sich nicht den anderen zu kritisieren, ihren Ärger übereinander zu benennen oder ihre Enttäuschung. Sie nutzen die Möglichkeit, um sich zu beschweren und ihre Gefühle, die sie in bestimmten Situationen empfinden, von der Freundin bestätigen oder korrigieren zu lassen. Sie verzeihen einander und lassen sich auch gerne von der anderen ermutigen oder loben. Sie sprechen sich wie zu Kinderzeiten mit Kosenamen an und genießen dadurch die Erinnerung gemeinsamer wohliger Vergangenheit, sie streicheln sich mit Worten und verschenken ihre Aufmerksamkeit um der Freundin Halt und Wärme zu geben.

Zsuzsa Bánk schreibt ohne Kapiteleinteilung und lässt die Freundinnen immer im Wechsel mailen. Nicht jeder Tag wird verschriftlicht, denn dazwischen erfolgen Telefonate, Briefe und Besuche auf die die folgenden Mails dann eingehen. In manchen E-Mails sind die Sätze nicht ausformuliert, sondern eine Aneinanderreihung von Worten die direkt aus dem Gedankenkarussell des Alltags kommen und ungefiltert in den Text fließen. Der Roman beginnt im März 2009 und endet im Juni 2012. Natürlich ist es interessant zu verfolgen, ob Mártha in dieser Zeit ihre Erzählungen fertig stellen und Johanna ihre Doktorarbeit beenden wird. Aber was diesen Roman so besonders macht ist die Ehrlichkeit. Beide Charaktere sind aus dem Leben gegriffen und so, dass sie jedem schon einmal begegnet sind oder man sich in ihnen selbst erkennt. Sie wirken authentisch und ich denke, dass viele eigene Erfahrungen der Autorin in sie hinein geflossen sind. Ich habe mich immer tiefer in den Text hineingelesen und war stellenweise sehr berührt von den realistisch eingefangenen Stimmungsbildern des Alltags.  

„Schlafen können wir später“ ist ein wunderbarer Roman über Freundschaft, Selbstverwirklichung, Zusammenhalt und Neufindung, der mich am Ende mit Wärme im Herzen zurücklässt und den ich gerne an empathische Leser weiterempfehle.

Mittwoch, 22. Februar 2017

[Filmrezension Hanna] The Girl with All the Gifts



The Girl with All the Gifts
 Regie: Colm McCarthy
Starttermin: 09. Februar
Länge: 111 Minuten


Inhalt
In einer nahen Zukunft hat ein Pilz den Großteil der Menschheit in zombieartige „Hungries“ verwandelt. Doch einige Hungries-Kinder sind anders. Sie sind ebenfalls infiziert, aber intelligent und lernfähig. Einige der Überlebenden haben sich auf einen schwer bewachten Militärstützpunkt zurückgezogen, wo sie die Kinder als Testobjekte mit Hoffnung auf ein Heilmittel studieren. Melanie ist das schlaueste Hungries-Kind und hat es der Lehrerin Miss Justineau besonders angetan. Doch ausgerechnet ihr Gehirn will Dr Caldwell für ihre Forschung nutzen. Bevor es zum Eingriff kommen kann, überrennen Hungries den Stützpunkt. Miss Justineau, Dr. Caldwell, Melanie und drei Soldaten können fliehen und bilden eine unfreiwillige Gemeinschaft, die sich zum nächsten sicheren Zufluchtsort durchschlagen will. Der Weg führt mitten durchs mit Hungries bevölkerte London…

Meinung
Kurz bevor der Film in die Kinos kam habe ich die Buchvorlage „Die Berufene“ gelesen. Diese hat mir sehr gut gefallen. Das Buch bietet trotz der Zombiethematik eine intelligente, alles andere als oberflächliche Story. Gleichzeitig gab es auch einige Momente, die ich schon beim Lesen erschreckend oder eklig fand. Ich war deshalb gespannt, wie viel der Tiefe der Film beibehält und wie stark er auf Grusel und Erschrecken setzt.

Der Beginn des Films ist nah an der Buchvorlage. Man lernt Melanie kennen, die sehr intelligent und manchmal auch ein bisschen besserwisserisch ist. An sich wirkt sie völlig normal – weshalb also lässt sie sich Tag für Tag freiwillig am ganzen Körper fixiert von einem Soldaten zum Unterricht fahren? Die Antwort liefert schon bald die erste gruselige Szene, in der Sergeant Parks das Klassenzimmer in eine Horde zähneklappernder, unkontrolliert agierender Wesen verwandelt. Nur Melanie kann sich beherrschen, wobei man bald feststellen muss, dass auch ihre Kraft ein Ende kennt. Die zum Zeitpunkt der Verfilmung zwölfjährige Sennia Nanua spielt ihre Rolle als Zombiekind, das möglichst viel wissen und es jedem Recht machen will und deren Lehrerin Miss Junstineau ihr größtes Vorbild ist, mit Bravour.

Bald schon kommt Schwung in die Geschichte, denn der Stützpunkt wird überfallen und die Menschen verlieren ihren sicheren Zufluchtsort. Jetzt steht ihnen ein weiter Weg durch ungeschützte Wildnis und Städte bevor, um eine neue Zuflucht zu finden. Im Gegensatz zum Buch springt die Geschichte sehr schnell direkt nach London. Hier wird der Leser mit spektakulären, erschreckenden Kulissen konfrontiert. In der ganzen Stadt stehen halb verrottete Hungries herum – hier haben die Maskenbildner ganze Arbeit geleistet – die sich nicht bewegen, solange sie kein Lebewesen riechen oder durch Geräusche aufgeschreckt werden. Dieses Szenario ist natürlich prädestiniert für einige Erschreck-Momente, und die Soldaten töten zuhauf angreifende Hungries per Kopfschuss. Da der Film eine FSK16 hat, ufert das zum Glück für mich nicht in Splatter aus, blutige Detailansichten bleiben dem Zuschauer erspart.

Immer wieder gibt es Verschnaufpausen, in denen die Charaktere für kurze Zeit in Sicherheit sind und ihre nächsten Schritte planen können. Ich fand es sehr schade, dass die meisten Erklärungen und Hintergrunde des Buches aus der Filmhandlung herausgenommen wurden. Nur gelegentlich blitzt in diesen Gesprächen die eingangs erwähnte Tiefe durch, die ich am Buch schätze. Hier wurde vor allem Melanies gedankliche Wandlung nachvollziehbar gemacht. Die Situation spitzt sich schließlich zu und die Frage steht im Raum, wie es überhaupt weitergehen kann. Natürlich überspringt der Film einige Stationen des Buches, und vor allem zum Ende hin ändert er immer häufiger Kleinigkeiten im Sinne der Dramatik ab. Bis zum Schluss blieb es spannend, und die letzten Szenen rundeten die Geschichte für mich absolut gelungen ab.

Fazit
„The Girl with All the Gifts“ ist eine Geschichte rund um intelligente und weniger intelligente Hungries und den Überlebenswillen einiger letzter Menschen. Der Film bietet die für das Genre obligatorischen Gänsehaut- und Erschreck-Momente, zusätzlich aber auch interessante Einblicke in die Motivation der einzelnen Charaktere und Erklärungen der Hintergründe, die für mich noch etwas ausführlicher hätten sein dürfen. Vor allem Sennia Nanua als Melanie konnte mich überzeugen. Sehr gerne empfehle ich den Film an Fans vom Zombie-Filmen mit guter Story weiter!

Dienstag, 21. Februar 2017

Gewinnt ein Exemplar von "Cruelty - Ab jetzt kämpfst du allein" von Scott Bergstrom


Gewinnt das hier im Bild gezeigte  Buch "Cruelty - Ab jetzt kämpfst du allein" von Scott Bergstrom. Das Buch ist NEU und ungelesen, weil es den Weg zu mir 2x gefunden hat. Es ist also nicht das von mir gelesene und rezensierte Exemplar! Allerdings ist es als Leseexemplar gekennzeichnet. Also macht bitte nur mit, wenn ihr das Buch nicht verkaufen möchtet !!!

Mitmachen könnt ihr über die facebook-Seite unseres Blogs. 
Kommentiert dazu folgenden Post ---> KLICK

Das Gewinnspiel läuft bis zum 05. März 2017, 20 Uhr. Teilnahmebedingungen findet ihr unterhalb von diesem Post.

Braucht ihr noch eine Entscheidungshilfe dazu, ob ihr mitmachen möchtet?

Hier findet ihr Hannas Rezension zum Buch: KLICK!

und hier könnt ihr meine nachlesen: KLICK!

Hanna hat außerdem einen Artikel über die Aufregung geschrieben, die die Äußerungen und das Buch in den USA verursacht haben. Den Post könnt ihr hier aufrufen: KLICK!

Viel Glück
Eure Ingrid

Teilnahmebedingungen:


Teilnahmeberechtigt sind alle Personen aus Deutschland. Ihr könnt nur über facebook an unserem Gewinnspiel teilnehmen, also müsst ihr selber einen facebook-Account besitzen. Ihr solltet über 18 Jahre alt sein, ansonsten benötigen wir das Einverständnis eurer Erziehungsberechtigten. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Für evtl. Verlust auf dem Postweg übernehmen wir keine Haftung. Mit der Teilnahme an diesem Gewinnspiel erklärt ihr euch einverstanden, dass ich euren Namen für die Gewinner-Bekanntgabe auf facebook veröffentlichen darf. Nach der Gewinnerbekanntgabe habt ihr 48 Stunden Zeit, euch bei mir zu melden. Ansonsten losen wir neu aus.

Montag, 20. Februar 2017

[Rezension Hanna] Die Terranauten - T.C. Boyle

 

Die Terrranauten
Autor: T.C. Boyle
Übersetzer: Dirk van Gunsteren
Hardcover: 608 Seiten
Erschienen am 9. Januar 2017
Verlag: Hanser

Inhalt
Dawn, Ramsay und Linda teilen den gleichen Wunsch: Sie wollen Terranauten werden und sich für zwei Jahre in der „Ecosphere 2“ einschließen lassen. In dieser riesigen, von einer Glaskuppel abgeschirmten Anlage soll sich ein neues, geschlossenes Ökosystem stabilisieren. Während der ersten Mission wurde die Luftschleuse aber schon nach wenigen Wochen und dann immer wieder kurz geöffnet. Für die Mission-2-Crew ist deshalb klar: Nicht rein, nichts raus – zwei Jahre lang bis zum Austausch der Crew. Vier Männer und vier Frauen lassen sich einschließen. Unter ständiger Beobachtung durch die Organisatoren und die Öffentlichkeit muss die Crew ökologische, aber auch technische, menschliche und emotionale Herausforderungen bewältigen.

Meinung
Das Cover fällt durch den Menschen im Raumanzug, der inmitten von Grün steht, ins Auge. Was hat jemand mit solch einem Anzug in einer so lebendigen Umgebung zu suchen? Für mich ist es eine gelungene Anspielung auf das Selbstverständnis der Terranauten, die sich zwar nicht im Raumanzug, aber im roten Overall in die „Ecosphere 2“ einschließen lassen, um als Pioniere in der Erforschung eines geschlossenen Ökosystems zu agieren. Ein Traum, der für zwei der drei Erzählenden bald Wirklichkeit wird.

Das Buch beginnt etwa einen Monat vor dem Einschluss. Man lernt die drei Protagonisten Dawn, Ramsay und Linda kennen kurz bevor sie erfahren, ob sie Teil der Crew sind. Dawn und Linda wissen, dass sie für die gleiche Funktion in Frage kommen und nur eine von ihnen bei dieser zweiten Mission dabei sein wird. So ist die Enttäuschung bei einer von ihnen natürlich groß, sie wird weiterhin nur von außen mitarbeiten. Man erhält deshalb ganz unterschiedliche Eindrücke von den laufenden Vorbereitungen, während der man sich mit den dreien als Leser vertraut machen kann.

Bald ist es so weit und es kommt zum Einschluss der acht Terranauten, die außer Licht, Strom und Informationen zwei Jahre lang nichts von außen erhalten werden. Ich fand es höchst faszinierend, zu beobachten, wie jeder auf seine Art mit der Situation umgeht und sich arrangiert. Die anfängliche Aufregung lässt bald nach, und die Crew muss sich mit Hunger, Kakerlaken, zwischenmenschlichen Spannungen, der ständigen Überwachung, technischen Problemen noch mehr auseinandersetzen. Der Fokus bleibt auf den beiden eingeschlossenen Erzählenden. Man lernt sie immer besser kennen, begleitet sie durch wenige Höhen und viele Tiefen und erlebt mit, wie die Erlebnisse sie als Menschen nachhaltig prägen.

Auch außerhalb der Glaskuppel geht das Leben weiter. Hier begleitet man die zurückgestellte Terranautin, die mit der Aussicht darauf, zwei Jahre später Teil der Mission-3-Crew zu werden, weitermacht. Neid beherrscht ihre Gedanken, wodurch es auch mal anstrengend wurde, ihre Kapitel zu lesen, doch ich konnte ihre Gefühle nachvollziehen. Durch sie wird zudem noch deutlicher, wie groß das Ausmaß der Überwachung und Manipulation ist, mit dem die Organisatoren die Terranauten steuern wollen. Doch ihnen bleiben letztendlich nur Worte, wenn sie die Schleuse nicht öffnen wollen. Und nach einem großen Knall will vor allem ein Terranaut um jeden Preis ihren Kopf durchsetzen.

Das Geschehen „drinnen“ wie „draußen“ konnte mich fesseln. Vor allem die Dynamiken und Entwicklungen auf der zwischenmenschlichen Ebene fand ich sehr interessant. Immer tiefer dringt der Leser ins Innenleben der Protagonisten vor, sodass ich über ihr Handeln zwar den Kopf schütteln musste, doch gleichzeitig verstand, was sie zu teils drastischen Entscheidungen antreibt. Voller Neugier erwartete ich den Moment, in dem die Luftschleuse geöffnet wird. Doch damit ist es nicht vorbei, sondern es wartet die nächste Überraschung, und so wird die Spannung weiter gehalten bis zu einem recht offenen Ende, das hier absolut angebracht ist.

Fazit
„Die Terranauten“ erzählt lose basierend auf einer wahren Geschichte von vier Männern und vier Frauen, die sich für zwei Jahre unter einer Glaskuppel einsperren lassen wollen, um die Stabilisierung eines geschlossenen Ökosystems zu erforschen. Die Einblicke ins Innere der Beteiligten und die zwischenmenschlichen Dynamiken fand ich höchst faszinierend. Immer neue Zwischenfälle und zu treffende Entscheidungen hielten trotz des eher ruhigen Tempos die Spannung aufrecht. Ein herausragender Roman, der mich durchweg begeistern konnte!

Samstag, 18. Februar 2017

[Neuzugänge Hanna] Literarisches und zwei tolle Überraschungen

Hallo liebe Leser,

mich haben in der letzten Woche ganze fünf Bücher erreicht, die ich Euch gerne zeigen möchte.


In letzter Zeit lese ich vermehrt literarische Bücher, und so haben es diese drei Werke in mein Regal geschafft. "Mehr schwarz als lila" von Lena Gorelik von ist frisch erschienen, ich lese es bereits sodass ihr auf eine Rezension nicht mehr lange warten müsst. Es dreht sich um Freundschaft, Liebe und Erwachsenwerden. Auf "Das Nest" von Cythia D'Aprix Sweeney und "Die Vegetarierin" von Han Kang bin ich durch diverse Rezensionen aufmerksam geworden und bin schon gespannt, wie sie mir gefallen werden.


Dann erreichten mich noch zwei tolle Überraschungen. Zum einen wurde mir von LovelyBooks das gestern erschienene Buch "Wir fliegen, wenn wir fallen" von Ava Reed zugeschickt. Dabei gab es viele tolle Goodies: Eine Karte, eine Feder, ein kleiner Notizblock, Schokoherzen, ein Pusteblumen-Bleistift und mein Highlight - ein Mini-Pusteblumen-Stempel! *-* Vielen lieben Dank dafür!

Auch dieses Buch ist eine Überraschung, über die ich mich sehr gefreut habe. "Retour" von Alexander Oetker ist ein Krimi-Debüt, und beigelegt war ein persönlicher Gruß des Autors. Eine tolle Geste, die mich noch noch neugieriger auf das Buch macht. Vielen Dank!

Kennt ihr schon eins der Bücher oder wollt es auch noch lesen?

Liebe Grüße
Eure Hanna

Freitag, 17. Februar 2017

[Rezension Ingrid] Cruelty - Ab jetzt kämpst du allein von Scott Bergstrom


Titel: Cruelty - Ab jetzt kämpfst du allein
Autor: Scott Bergstrom
Übersetzterin: Christiane Steen
Erscheinungsdatum: 17.02.2017
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur (Leseexemplar)

Beim Thriller „Cruelty“ von Scott Bergstrom ist der Titel Programm, denn die Geschichte beinhaltet einige grausam anmutende Szenen. Wer also Gewaltanwendung bei kriminellen Handlungen nicht mag, für den ist dieses Buch nicht geeignet. In kräftigem Orange macht nicht nur der Titel auf dem Cover, sondern auch der in gleicher Farbe eingefärbte Buchschnitt auf sich Thriller aufmerksam. Diese Farbe habe ich direkt mit Gefahr in Verbindung gebracht vor der ich gewarnt werden sollte. Auch der düstere Untertitel „Ab jetzt kämpfst du allein“ erzeugte in mir bereits bei der Betrachtung des Buchs ein beklemmendes Gefühl.

Gwendolyn Bloom ist 17 Jahre alt und lebt momentan in New York. Ihre Mutter ist vor zehn Jahren gestorben. Mit ihrem Stiefvater, der als Politoffizier bei der UN beschäftigt ist, lebt sie irgendwo auf der Welt jeweils über einen längeren Zeitraum dort, wo er gerade beschäftigt ist. Am Tag nach seinem Geburtstag fliegt er aus beruflichen Gründen zu einem Kurzaufenthalt nach Paris. Noch am gleichen Abend stehen plötzlich zwei Special Agents des Diplomatischen Sicherheitsdienstes vor ihrer Haustür und teilen ihr das Verschwinden ihres Vaters mit. Erst auf diese Weise erfährt sie, dass er ein Spion der CIA ist. Weitere Tage vergehen und die rechtschaffene Schwester ihrer Mutter reist an, um sich um sie zu kümmern.  Doch je mehr Zeit vergeht, desto weniger traut Gwendolyn dem Geheimdienst zu, ihren Vater zu finden. Der einzige Anhaltspunkt von dem aus sie ihre eigene Suche aufnehmen kann ist ein altes Taschenbuch, das ihr Vater bei einem Nachbarn kurz vor seiner Abreise deponiert hat. Doch mit unglaublichem Spürsinn gelingt es ihr, die Fährte aufzunehmen. Ihr Nachbar, früher selber für einen Geheimdienst tätig, vermittelt ihr einen Kontakt in Paris, der versucht sie physisch und psychisch auf potentielle Gefahren bei ihrer Suche vorzubereiten. Doch das was dann folgt hat Gwendolyn nicht in ihren schlimmsten Träumen vorausgesehen. Es ist eine Welt voller Gewalt zur Durchsetzung eigener Interessen die aus dem Handel mit Drogen, Menschen und Waffen bestehen.

Das Buch ist im Präsens geschrieben und so kamen mir die Gefahren in die die Protagonisten gerät noch gegenwärtiger vor. Gwendolyn verändert sich als recht junger Charakter in der feindlichen Welt der Geheimdienste sehr schnell. Auch in der Presse erfahre ich immer wieder von Radikalisierungen Jugendlicher bei denen ich staune, wie rasch das möglich ist. Scott Bergstrom beschreibt seine Hauptfigur als groß und kräftig. Eher untypisch für diesen Körperbau trainiert Gwen mehrmals wöchentlich an Sportgeräten auf hohem Niveau. Es ist also annähernd realistisch, wenn sie sich nach ihrer Vorbereitung in Paris erwachsenen Männern kämpferisch entgegenstellt. Sie spricht mehrere Sprachen und steht durch ihre Auslandsaufenthalte an der Seite ihres Vaters anderen Kulturen sensibel und offen gegenüber. Auch das Glück und der Zufall kommen ihr bei ihrer Mission häufiger entgegen. Allerdings fand ich es weniger glaubwürdig, dass sie die mentale Kraft besitzt den Level der Gewaltanwendung so anhaltend hoch zu halten und wörtlich über Leichen zu gehen um ihren Vater zu retten, der sie lebenslang über seine Tätigkeit belogen und immer wieder zu alleinigen Reisen aufgebrochen ist, ohne für ihre Sicherheit zu sorgen.

Nach einer eher ruhigen Einführung in die Welt von Gwendolyn beginnt die Spannung mit der Entführung des Vaters. Auch wenn die Protagonistin im Mittelteil auf der Stelle zu treten scheint, konnte ich eine gewisse Erwartung auf weiteren Nervenkitzels nicht leugnen und ich wurde nicht enttäuscht. Zum Schluss bereitete der Autor mir ein furioses Finale. Das Ende deutet auf eine Fortsetzung hin. Wer mit Gewalt in Thrillern klar kommt und sich die Reife einer noch jungen Frau vorstellen kann, wird dieses Buch mögen und sich von der anhaltenden Spannung mitreißen lassen.