Samstag, 21. Januar 2017

[Rezension Hanna] Das Ende aller Geheimnisse - Stefan Keller


Das Ende aller Geheimnisse
Autor: Stefan Keller
Taschenbuch: 336 Seiten
Erschienen am 20. Januar 2017
Verlag: rororo

Inhalt
Heidi Kamemba ist die erste schwarze Kriminalkommissarin Deutschlands. Da hilft es nicht viel, dass sie bei ihren alten Kollegen aufgrund ihrer kommandierenden Art als „die Deutsche“ bekannt war. Sie fällt im Präsidium auf wie ein bunter Hund, worüber ihr neuer Chef nicht sonderlich begeistert ist. Gleich an ihrem ersten Tag im KK12 wird eine Leiche in der Nähe eines Parkplatzes an der Landstraße vor Mettmann gefunden. Sein Mörder hat den Mann erschossen, verbrannt und seine Fingerkuppen abgeschnitten, um die Identität zu verheimlichen. Was ist das Motiv für eine solch professionale Tat ohne Spuren? Heidi und ihre Kollegen nehmen die Ermittlungen auf.

Meinung
Auf Heidi Kamembas ersten Fall aus der Feder von Stefan Keller bin ich aufgrund des Handlungsortes aufmerksam geworden. Ich arbeite in Düsseldorf und war neugierig darauf, einen fiktiven Charakter der ansässigen Polizei bei den Ermittlungen zu begleiten. Nach einem kurzen Prolog, in dem man die letzten Momente des Mordopfers miterlebt, lernt man die Protagonistin Heidi an ihrem ersten Arbeitstag beim KK12 kennen. Aufgrund ihrer Hautfarbe bekommt sie sofort mehr Aufmerksamkeit, als ihr lieb ist. Ihre neue Kollegen und vor allem ihr Chef sind davon ebenfalls nicht sonderlich begeistert. Aus ihnen wurde ich genauso wie Heidi erst einmal nicht schlau, sie geben sich zurückhaltend und der Empfang ist nicht sonderlich herzlich.

Heidi ist froh, dass sie die merkwürdige Atmosphäre im Präsidium schnell hinter sich lassen und zum Fundort einer Leiche fahren kann. Die Identität des Opfers wurde mit allen Mitteln verschleiert, der Mörder scheint genau gewusst zu haben, was er da tat. Doch schnell findet Heidi einen allerersten Ansatzpunkt für die Ermittlungen und stürzt sich motiviert in die Arbeit. Ihre Kollegen können diesem Aktionismus nicht viel entgegensetzen und erzielen selbst keine besonderen Durchbrüche. So findet sich Heidi schnell in der Rolle der genialen, von der Spurensicherung geachteten Ermittlerin wieder. Diese Rolle steht ihr gut und ich gönnte ihr den Erfolg. Etwas schade fand ich, dass sämtliche Kollegen im Vergleich dazu wirkten, als hätten sie nichts auf dem Kasten.

Heidi ist mir mit ihrer engagierten und aufrichtigen Art schnell sympathisch geworden. Sie möchte in ihrer neuen Rolle unbedingt etwas bewegen, und ihre Hautfarbe sollte dabei keine Rolle spielen. Man erhält auch kurze Einblicke in ihr Privatleben. Ihr besorgter Vater ist amüsant, während das Verhalten ihres Freundes bei ihr Zweifel auslöst. Indem einige Kapitel aus der Sicht ihrer Kollegen geschrieben sind, lernt man auch diese etwas besser kennen und erhält Einblicke in die Gründe für ihr Verhalten.

Heidi merkt schnell, dass jegliche Erwähnung ihres Vorgängers auf Unmut stößt und beginnt parallel zu den laufenden Ermittlungen mit Nachforschungen zu dessen Tod. Schnell findet sie heraus, dass Selbstmord als Todesursache festgehalten wurde. Doch warum beschäftigt das ihre Kollegen so sehr? Unbeirrt bohrt sie tiefer und bringt Überraschendes ans Licht. Dieser zweite Handlungsstrang bot gelungene Abwechslung und offenbart noch mal eine neue Seite an Heidi und einigen anderen Charakteren.

Bei den Mordermittlungen hangeln sich die Kriminalkommissare von einem Hinweis zum nächsten und ermitteln in verschiedene Richtungen. Der Fall wird zunehmend brisant, in der Folge wächst die Unruhe im Team. Schließlich wird ein Beweisstück gefunden, dass mit dem Motiv zusammenhängen könnte. Die Erklärungen hierzu waren für mich nicht ganz plausibel. Es hätte noch mehr Erklärungen bedurft, um mich voll zu überzeugen. Wusste der Kriminalroman lang durch ruhige, angespannte Ermittlungen zu fesseln, wurde es auf den letzten Seiten temporeich und gefährlich. Ich fand diesen Abschluss gelungen und würde mich über einen weiteren Fall für Heidi Kamemba freuen.

Fazit
In „Das Ende aller Geheimnisse“ begleitet der Leser Heidi Kamemba bei ihren Ermittlungen im Fall eines ermordeten Mannes, dessen Identität vom Mörder bewusst verschleiert wurde. Heidi stürzt sich voller Motivation in die Ermittlungen und wurde mir schnell sympathisch. Ihre Kollegen hingegen geben Heidi und dem Leser Rätsel auf. Der brisante Fall und ein zweiter Handlungsstrang rund um den Tod ihres Vorgängers konnten mich fesseln. Gerne empfehle ich diesen deutschen Kriminalroman weiter und vergebe sehr gute vier Sterne.

Donnerstag, 19. Januar 2017

[Rezension Ingrid] Geheimzutat Liebe - Taste of Love von Poppy J. Anderon


Titel: Geheimzutat Liebe Band 1: Taste of Love
Autorin: Poppy J. Anderson
Erscheinungstermin: 13.01.2017
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
Mein Dank gilt dem Lübbe Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

„Geheimzutat Liebe –Taste of Love“ ist der erste Band einer dreiteiligen Serie von Poppy J. Anderson. Bereits das Cover lässt hoffen, dass die feinen Zutaten ein schmackhaftes Gericht oder im übertragenen Sinne einen Roman voller Gefühle ergeben. Das Wort Liebe ist in glänzenden erhabenen Buchstaben zu sehen und die Liebe ist es auch, die in dieser Geschichte das Salz zur Suppe gibt.

Andrew Knight, Mitte 30, besitzt seit geraumer Zeit ein angesehenes Restaurant in Boston. Neben verwaltenden Tätigkeiten steht er auch täglich in der Küche und bereitet Mahlzeiten zu. Doch seine Nerven sind im Moment aufs Äußerste angespannt, so dass er sich spontan für einen Kurztrip nach Maine ans Meer entscheidet. Auf dem Weg dorthin verursacht er einen Autounfall und lernt dabei Brooke Day kennen. Brooke ist gelernte Journalistin, leitet aber wegen der Erkrankung ihrer Mutter derzeit das familieneigene kleine Restaurant. Andrews Wagen muss repariert werden und so folgt er Brooke zur Übernachtung zum Gasthaus. Es ist Ruhetag und so hilft er Brooke in der Küche bei der Zubereitung des Abendessens. Brooke ahnt nicht, wer da neben ihr werkelt, denn Andrew hat seine wahre Identität verschleiert. Beide schwelgen in Geschmack und duftenden Gerichten und seit langer Zeit hat Andrew wieder Freude am Kochen. Liebe geht bekanntlich durch den Magen und so keimen aus einer zunächst eher ruppigen Bekanntschaft ganz allmählich zarte Gefühle. Doch wie wird Brooke reagieren, wenn sie die Wahrheit über Andrew erfährt und wird Liebe über so viele Meilen hinweg Bestand haben können?

Andrew hat sich trotz seines Erfolgs seine Natürlichkeit bewahrt. Die Erwartungen seiner Familie, die ihn gerne als Anwalt gesehen hätte, hat er nicht erfüllt und ist daher besonders stolz über das Erreichte. Doch in Folge seiner Karriere als Koch und Restaurantbesitzer wird auch die Öffentlichkeit zunehmend auf ihn aufmerksam und weiterführende Angebote bleiben nicht aus. Das bestätigt zwar Andrew in seiner Leistung, aber der Erfolgsdruck lastet auf ihm.

Brooke dagegen hat ihre eigenen Berufswünsche hintenangestellt um ihre Eltern zu unterstützen. Ihr Vater umsorgt momentan zwar seine kranke Frau, lässt sich die Leitung des Familienrestaurants jedoch nicht aus den Händen nehmen, Auseinandersetzungen mit Brooke sind dadurch vorprogrammiert. Aber sie lässt sich kein X für ein U vormachen, erkennt den Wert einer Renovierung des Restaurants und setzt sich unbeirrt für ihre Meinung ein. Von Beginn an habe ich darauf gehofft, dass die beiden ein Paar werden. Der ständige Schlagabtausch der Protagonisten, die beide nicht auf den Mund gefallen sind, ist köstlich zu lesen und entbehrt nicht Witz und Ironie.

Ein wenig fragwürdig fand ich das Verhalten Andrews, seinem Restaurant spontan mehrere Tage den Rücken zukehren. Die Auseinandersetzung mit der Krankheit der Mutter und die Folgen daraus, zeigen auf, dass eigene Lebenspläne durch die Sorge um andere geliebte Menschen durcheinandergebracht werden können. Allerdings halte ich es für ein wenig unrealistisch, dass Brooke dafür ihren Journalistenjob vollständig aufgibt. Die wechselnden Gefühle zwischen Brooke und Andrew sind realistisch und nachvollziehbar dargestellt.

Poppy J. Anderson erfüllt die Erwartungen der Leserinnen an einen Liebesroman dadurch, dass sie zwei ausreichend attraktive Charaktere, die mir schnell sympathisch wurden, aufeinandertreffen lässt. Doch hinzu kommt noch eine gehörige Portion Küchenerfahrung, die sie mir in Form verschiedenster Gerichtskompositionen beschrieben hat. Bei der Vorstellung des Geschmacks der Zutaten, die sich da vereinten, muss ich zugeben, dass ich sehr gerne mal probiert hätte. Zwei der Rezepte finden sich zum Nachkochen auf der Innenseite der Buchklappen.

Insgesamt hat mir der Roman ein paar schöne Lesestunden beschert. Die Leidenschaft der Autorin fürs Kochen ist in der Geschichte spürbar. Man kann sich davon gut bei Kälte oder Regenwetter warm eingekuschelt unterhalten lassen, das Buch aber auch genauso gut in der Sonne genießen. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Mittwoch, 18. Januar 2017

[Rezension Hanna] Elefant - Martin Suter

 

Elefant
Autor: Martin Suter
Hardcover Leinen: 352 Seiten (rezensierte Ausgabe: TB-Leseexemplar)
Erschienen am 18. Januar 2017
Verlag: Diogenes

Inhalt
Eines Tages entdeckt der obdachlose Alkoholiker Schoch in seiner Schlafhöhle am Fluss einen kleinen rosaroten Elefanten, der im Dunkeln leuchtet. Ob er besser mit dem Trinken aufhören sollte? Doch am nächsten Tag ist der Elefant immer noch da. Er ist keine Halluzination, sondern das Projekt von Dr. Roux, der mit seiner außergewöhnlichen Forschungen zur Genmanipulation auf wissenschaftlichen und kommerziellen Erfolg hofft. Doch nicht alle Mitwisser teilen seine Vorstellung. Sollte dieses besondere Lebewesen nicht verehrt und versteckt werden, statt als Forschungsobjekt im Labor zu landen? Der kleine Elefant wirbelt das Leben der freiwillig und unfreiwillig Involvierten gehörig durcheinander und lässt sie große Entscheidungen treffen.

Meinung
Der rosa Elefant auf dem Buchcover weckte schnell meine Neugier. Was passiert wohl, wenn Menschen unverhofft auf so einen außergewöhnlichen, ganz und gar lebendigen Elefanten treffen? Gleich zu Beginn lernt der Leser den Obdachlosen Schoch kennen. Er hält seine Sichtung des Elefanten für eine Sinnestäuschung und folgt erst einmal seiner täglichen Routine, bevor er merkt, dass es sich um ein echtes Lebewesen handelt.

Der Autor gibt authentische Einblicke in das Leben des alkoholabhängigen Obdachlosen. Eindringlich beschreibt er die tägliche, immer gleiche Gedankenspirale, woher man etwas zu essen bekommt, wo und mit wem man sich zum Trinken trifft bis hin zu einem Tagesabschluss, der im Rausch zu einer verschwommenen, kaum greifbaren Erinnerung wird. Doch der kleine Elefant gibt Schoch eine neue Aufgabe. Sein Versuch, ihm zu helfen, gibt ihm Verantwortung und zwingt zum Umdenken. Ob er dem kleinen Lebewesen zugunsten mit seiner Routine brechen kann? Dank ausführlicher Einblicke in seine Gedankenwelt konnte ich sein Handeln nachvollziehen und erwartete mit Spannung seine nächsten Schritte.

Parallel zum Fund des Elefanten durch Schoch wird erzählt, wie es überhaupt zu dessen Existenz kam. Hier hat der Autor ausführlich recherchiert und gibt umfassende Einblicke in die zahlreichen Schritte der Genmanipulation. Sogenannte Glowing Animals sind heute schon Realität und Gegenstand kontroverser Diskussionen. Dr. Roux geht insofern „nur“ einen Schritt weiter, als dass er mit dem Elefanten ein Tier wählt, das aufgrund seiner langen Fortpflanzungszyklen bisher eine untergeordnete Rolle in der Genmanipulation spielt und verschiedene angestrebte Eigenschaften kombiniert. Wer bislang nichts über die Befruchtung, das Austragen, die Geburt und die Aufzucht eines genmanipulierten Elefanten wusste, dem sei versprochen, dass sich das durch die Lektüre ändern wird.

Das Buch hat eine klare, präzise Sprache und trotz einiger Zeitsprünge konnte ich der Handlung mühelos folgen. Die Fortpflanzung in der Elefantenwelt braucht seine Zeit, und so streckt sich das Buch über einen längeren Zeitraum und hält bis auf wenige hektische Momente sein ruhiges Tempo vom Anfang bis zum Ende. Die Szenen, in denen der kleine Elefant umsorgt wird und seine Schritte in der großen Welt macht, haben einen echten Niedlichkeitsfaktor. Dieser stimmt umso nachdenklicher in Bezug auf die Frage, ob es so etwas wirklich geben sollte. Dr. Roux entwickelt sich zunehmend zum tragisch-komischen Charakter, sodass die Meinung des Autors zu dieser Frage nicht verborgen bleibt.

Auch wenn die nützlichen Aspekte der Genmanipulation zwischendurch kurz angerissen werden, ist das Geschehen im Buch so speziell, dass ein eher einseitiger Blick auf das Thema geboten wird. Ich hätte mir zudem noch ein mehr Konfrontation gewünscht. Die konträren Parteien sind leider die meiste Zeit darauf bedacht, nicht miteinander zu sprechen. Gerne hätte ich zum Beispiel erlebt, wie Dr. Roux seine Haltung gegenüber jemandem vertritt, der das Tier als heilig verehrt. Das Ende konnte mich schließlich mit seiner Originalität in Bezug auf das Schicksal der menschlichen Beteiligten und dem von mir schon früh erwarteten Schicksal des Elefanten zufriedenstellen.

Fazit
Ein Elefant ist ein Elefant, auch wenn er aufgrund einer Wachstumsstörung winzig ist, außerdem rosa und im Dunkeln leuchtend. Ein Tier also, das sich bedächtig und mit Anmut bewegt und dem man mit einer gewissen Ehrfurcht begegnet. So las sich auch das Buch, welches in ruhigem Tempo das höchst aktuelle Thema der Genmanipulation aufgreift und ganz unterschiedliche Menschen und ihre Einstellungen auf das Elefäntchen treffen lässt. Umfassende und authentische Einblicke in die Welt der Elefanten und der Obdachlosigkeit runden das Buch gelungen ab. Ein Buch für alle, die sich fragen, was in der Welt der Gene möglich ist und ob es auch umgesetzt werden sollte.

Montag, 16. Januar 2017

[Rezension Hanna] Young Elites. Die Gemeinschaft der Dolche - Marie Lu


Young Elites. Die Gemeinschaft der Dolche
Autorin: Marie Lu
Übersetzerin: Sandra Knuffinke und Jessica Komina
Hardcover: 416 Seiten
Erschienen am 16. Januar 2017
Verlag: Loewe

Inhalt
Adelina war vier Jahre alt, als in ihrer Heimat Kenettra das Blutfieber wütete. Alle erkrankten Erwachsenen starben, während die Kinder gezeichnet zurückblieben. Während Adelinas Mutter der Krankheit erlag, hat sie selbst ein Auge verloren und ihr schwarzes Haar ist silbern geworden. Ein Makel, wegen dem sie zehn Jahre später als beschädigte Ware gilt, die ihr Vater loswerden will. Als die Situation eskaliert, brechen merkwürdige Kräfte aus Adelina hervor. Gehört sie etwa zur Elite, den wenigen Gezeichneten, die durch die Krankheit eine besondere Gabe erworben haben? Bald wird sie von anderen kontaktiert, die sind wie sie. Und sie verfolgen kein geringeres Ziel, als den König zu stürzen…

Meinung
Nachdem mich die Legend-Trilogie von Marie Lu begeistern konnte, habe ich mich riesig über die Nachricht gefreut, dass der Auftakt ihrer zweiten Trilogie ins Deutsche übersetzt wird. Das Cover zeigt ein Mädchen mit silbernen Haaren wie denen Adelinas und ihre Augen sind verdeckt, in Anlehnung an ihr linkes fehlendes Auge. Die Verbindung zur Protagonistin ist also gelungen, dennoch passt das Cover für mich nicht zu recht zur actionreichen, düsteren Story. Für mich war der Autorenname aber das Leseargument schlechthin, sodass ich neugierig in die fremde Welt eintauchte.

Das Buch ist von der ersten Seite an spannend, denn Adelina offenbart dem Leser gleich zu Beginn, dass sie auf ihre Hinrichtung wartet. Wie es so weit kommen konnte, erfährt man in einer Rückblende. In dieser wird das Blutfieber und seine Folgen erklärt, sodass ich schnell ein Grundverständnis der Welt erwarb. Außerdem erfährt man mehr über Adelinas Beziehung zu ihrem Vater und ihrer Schwester und wie es zur Eskalation der Situation und dem Hervorbrechen ihrer Illusionskräfte kommen konnte. Nach einem kurzen Luftholen wird es dann actionreich mit dem ersten Auftreten der Dolche, die allesamt besondere Fähigkeiten haben, zum Beispiel Feuer oder Wind zu kontrollieren.

Mir hat die Grundidee der Welt sehr gefallen. Wenige Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten auszustatten ist sicherlich nicht sonderlich innovativ, doch ich fand die Kombination mit dem Blutfieber, den grundsätzlich in Ungnade gefallenen Gezeichneten und den Geheimnissen rund ums Königshaus gelungen. Marie Lu legt zudem besonderen Wert darauf, zu zeigen, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern vieles dazwischen. Keiner der Charaktere ist nur gut oder böse. Der Anführer der Gemeinschaft der Dolche zum Beispiel will die Situation der Gezeichneten durch den Sturz des Königs grundsätzlich verbessern, greift aber nicht ein, wenn Gezeichnete ohne Fähigkeiten verfolgt oder sogar umgebracht werden. Und er ist auch bereit, seinesgleichen zu töten, sollten sie eine Gefahr darstellen. Der in dieser Hinsicht zwiespältigste Charakter ist aber Adelina selbst. Sie möchte sich unbedingt nützlich machen, doch in ihr lauert eine Dunkelheit, die sie außer Kontrolle geraten könnte. Immer wieder trifft sie Entscheidungen, die ich nicht gutheißen konnte, während die Gründe für mich nachvollziehbar waren.

Das Buch konnte mich so fesseln, dass ich es in kürzester Zeit gelesen habe. Immer wieder kommt es zu brenzligen Situationen, die bewältigt werden müssen. Ich erlebte die Entstehung neuer Freundschaften und Bündnisse genauso wie Intrigen und Verrat. Die Handlung bleibt überschaubar und fokussiert sich ganz auf Adelina und ihre wachsenden Kräfte sowie den Plan der Gemeinschaft der Dolche. Immer wieder kommt es zu spannenden Highlights, welche die Handlung in eine neue Richtung lenken. Das Finale des Buches übertrifft diese schließlich noch mal um ein Stück und eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Band. Ganz besonders neugierig hat mich ein neuer Charakter gemacht, der auf den letzten Seiten eingeführt wird. Auf welche Weise wird er wohl ins Geschehen eingreifen?

Fazit
„Young Elites. Die Gemeinschaft der Dolche“ ist der actionreiche, düstere Trilogieauftakt rund um Adelina, die entdeckt, dass sie über die Fähigkeit der Illusion verfügt. Das ist ihre Eintrittskarte in eine völlig neue Welt, in der die Gemeinschaft der Dolche den König stürzen will. Besonders gut gefallen hat mir, dass jeder Charakter seine hellen und dunklen Seiten hat. Die Geschichte konnte mich durch regelmäßige Spannungshighlights fesseln und durch unerwartete Wendungen überraschen. Von mir gibt es eine große Leseempfehlung!

Samstag, 14. Januar 2017

[Rezension Hanna] Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. Das Originaldrehbuch - J.K. Rowling

 
Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. Das Originaldrehbuch
Autorin: J.K. Rowling
Übersetzerin: Anja Hansen-Schmidt 
Hardcover: 304 Seiten
Erschienen am 14. Januar 2017
Verlag: Carlen
 
Inhalt
Der Zauberer Newt Scamander reist in New York ein. Im Gepäck hat er einen magischen Koffer voller Tierwesen, um die er sich kümmert. Dieser wird ihm schon bei seinem ersten Gang durch die Stadt zum Verhängnis: Ein Niffler, der mit Vorliebe alles Glänzende in seine Bauchtausche stopft, bricht aus dem Koffer aus und geht ausgerechnet in einer Bank auf die Jagd. Beim Einfangen verwechselt Newt seinen Koffer mit dem eines No-Majs, und dann wird auch noch eine Mitarbeiterin des magischen Kongresses auf seine Verstöße gegen Zaubereiartikel aufmerksam. Unterdessen hinterlässt ein unbekanntes Wesen eine Spur der Verwüstung in der Stadt…

Meinung
Den Film „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ habe ich im Dezember im Kino gesehen. Über die Ankündigung, dass das Originaldrehbuch veröffentlicht wird, habe ich mich deshalb sehr gefreut. Ich finde es zwar schade, dass J.K. Rowling keinen Roman daraus gemacht hat. Dennoch hatte ich große Lust darauf, mit dem Buch noch einmal in die magische Welt einzutauchen. Die Aufmachung des Buches finde ich total gelungen. Es ist einfach ein echter Hingucker, und zwar sowohl außen als auch innen. Das Designstudio MinaLima hat hier ganze Arbeit geleistet und konnte mich bei der Lektüre mit seinen schönen, schwarz-weißen Illustrationen der Tierwesen begeistern.

Im Buch sind alle Dialoge des Films plus Regieanweisungen abgedruckt. So war ich schnell wieder mitten in der Geschichte und erlebte erneut Newts unterhaltsame Ankunft in New York. Ich fand es hilfreich, zuerst den Film gesehen zu haben. Zum Beispiel hatte ich die Miene des Zollbeamten, der einen Blick in Newts auf „muggelgerecht“ eingestellten Koffer wirft, noch gut in Erinnerung. Dadurch war die Szene beim Lesen noch viel unterhaltsamer. Aus den kurzen Regieanweisungen wird erst durch Mimik und Gestik der Schauspieler, den Kulissen und Animationen eine lebendige, fesselnde Geschichte. Hat man diese noch im Kopf, dann ist das Drehbuch eine tolle Erinnerungshilfe.

Besonders gut fand ich, dass mir durch die Regieanweisungen noch mal Kleinigkeiten aufgefallen sind, die ich im Film gar nicht bemerkt habe oder schon wieder vergessen hatte. Außerdem enthalten die Anweisungen immer wieder Charakterisierungen bestimmter Figuren, zum Beispiel „ein wichtigtuerischer Paragrafenreiter“, die mich zum Schmunzeln brachten. Fans entdecken so noch einmal neue Seiten am Film, die das zweite Anschauen noch interessanter machen.

Auch zur Handlung selbst möchte ich noch ein paar Worte verlieren: Ich fand New York als Schauplatz klasse, denn so erfährt man endlich mal etwas über die Welt der Zauberer auf der anderen Seite des großen Teichs. Das magische Amerika ist deutlich konservativer als England, und die anderen Regeln und Begrifflichkeiten fand ich interessant. Newts Geschichte wird durch die ausgebüxten Tierwesen schnell rasant und amüsant. Mit dem No-Maj Jacob und den Hexen Tina und Queenie hat die Autorin sympathische Nebencharaktere mit amüsanten Ecken und Kanten geschaffen.

Am meisten gefallen haben mir alle Szenen, die sich rund um die Tierwesen drehten. Hier kann der Film mit spektakulären Animationen punkten. Schade fand ich hingegen, dass den Liebesgeschichten nicht so viel Platz eingeräumt wird. Außerdem wurde die unterhaltsame, lockere Geschichte an einen bestimmten Punkt plötzlich sehr ernst und es werden Entscheidungen getroffen, die mich schockierten. Der krasse Wechsel kam für mich zu schnell. Nachdem ich mich darauf eingestellt hatte, konnte mich das erhöhtes Tempo und eine große Überraschung noch mal so richtig fesseln. Das Ende war bittersüß und lässt einiges offen, vermutlich bereits mit Blick auf die geplanten Fortsetzungen.

Fazit
Das Originaldrehbuch von „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ ist bestens dazu geeignet, nach dem Anschauen des Films noch einmal in dessen magische Welt abzutauchen. Mit den Bildern im Kopf konnte ich die Szenen nochmals durchleben und in den Regieanweisungen schmökern, die immer wieder interessante Details oder Interpretationen boten. Leser sollten allerdings ihre Erwartungen richtig stecken: Das ist kein neuer Roman, sondern ein Drehbuch mit Illustrationen. Ein Drehbuch, das bei allen Potterheads nicht im Regal fehlen sollte!

Donnerstag, 12. Januar 2017

[Rezension Ingrid] Das Haus in der Nebelgasse von Susanne Goga


Titel: Das Haus in der Nebelgasse
Autorin: Susanne Goga
Erscheinungstermin: 09.01.2017
Verlag: Diana (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Leseexemplar 
Vielen Dank an den Diana Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

Das Cover deutet bereits an, dass den Leser der Roman „Das Haus in der Nebelgasse“ von Susanne Goga in die Hauptstadt Englands nach London führt. Dort gelangt die Protagonistin Matilda Gray im Jahr 1900 auf der Suche nach einem ganz bestimmten Haus unweit der Themse in eine schmale neblige Gasse mit hohen Häusern in der sie fündig wird.

Matilda unterrichtet an einer Mädchenschule mit angeschlossenem Internat. Hier wird zwar Allgemeinwissen vermittelt, doch hintergründig werden den Konventionen der Zeit entsprechend die Schülerinnen darauf vorbereitet ihren späteren gutbetuchten Ehemännern den Haushalt zu führen und auf dem gesellschaftlichen Parkett zu glänzen. Laura Wesley ist 17 Jahre alt, Waise und eine der Schülerinnen. Eines Tages zieht sie Matilda in einer bestimmten Angelegenheit ins Vertrauen. Nach den Schulferien erscheint sie jedoch nicht mehr zum Unterricht, sondern reist gemeinsam mit ihrem Vormund ins Ausland. Ihre Begleitung hat der Schule erklärt, dass sie eine Krankheit dort auskurieren soll. Laura, die immer betont hat, durch Schulabschluss und Studium einmal unabhängig leben zu wollen, schickt Matilda aus Italien eine verschlüsselte Postkarte. Die Lehrerin folgt verschiedenen Hinweisen auf der Suche nach einer Möglichkeit, Laura zu helfen. Dabei begegnet sie dem Historiker Stephen Fleming, der ein Kenner der Geschichte Londons ist. Die Aufdeckung des Geheimnisses führt sie in das alte London von dem Teile immer noch unter dem heute Sichtbaren verborgen liegen.

Ein kurzer Prolog, der im Jahr 1665 spielt, ließ mich ahnen, dass damals in einer Familie sich etwas Schlimmes ereignet hatte und ungeduldig habe ich darauf gewartet bis sich zeigte, was diese kurze Episode mit den Geschehnissen im Jahr 1900 zu tun hatte. Die Autorin hat sehr gut zur Geschichte Londons recherchiert. Für uns heute nicht mehr sichtbar, weist Susanne Goga auf ein London hin, dessen historische Gemäuer sich noch immer unter den Gebäuden der Stadt befinden. Ihre Protagonistin scheut sich nicht, den Dingen persönlich auf den Grund zu gehen. Matilda ist selbstbewusst, engagiert und unabhängig. Obwohl auch ihre Eltern früh verstorben sind, hat sie sich ihren Studienwunsch erfüllt, so wird sie für manche Schülerin sicher zum Vorbild. Allerdings werden ihr von ihrer Schule deutliche Grenzen des Erlaubten gesetzt, auch in Bezug auf ihre Ermittlungen im Fall Lauras. Sie scheut die Konsequenzen bei Bekanntwerden ihrer unerlaubten Handlungen. Grundsätzlich ist Matilda jedoch mutig wenn sie sich beispielsweise bei Dunkelheit allein in verrufene Gegenden begibt. Matilda blieb mir allerdings etwas zu distanziert, in Herzensangelegenheiten hätte ich ihr mehr Courage zugetraut. In Sachen Liebe gibt es im weiteren Verlauf noch eine Wendung, die unvorbereitet kam.

Susanne Goga schreibt flüssig und leicht lesbar. Das Familiengeheimnis, nach dem Matilda sucht, hat sie sehr geschickt in ihrer gut konstruierten Geschichte verborgen. Das Spannungselement des aufzudeckenden Geheimnisses zieht sich durch den ganzen Roman, auch wenn die kleinteilige Suche nach der Lösung sich im Mittelteil ein wenig hinzieht. Das Hintergrundthema des unterirdischen Londons ist interessant und unverbraucht. Die Autorin flechtet geschickt in ihren Roman zeitlich Passendes, damals Aktuelles aus der Kulturszene ein. Insgesamt konnte ich mir London und seine Bewohner zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Beschreibungen gut vorstellen. Ich fühlte mich bestens unterhalten und ich empfehle ihn gerne weiter.

Mittwoch, 11. Januar 2017

[Rezension Ingrid] Kuckucksland von Marco Mahler


Titel: Kuckucksland
Autor: Marco Mahler
Erscheinungstermin: 08.11.2017
Verlag: amazonpublishing
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
Vielen Dank an amazonpublishing für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

Zwischen 1979 und 1990 wurden Kinder aus Flüchtlingslagern in Namibia zu ihrer Sicherheit in die frühere DDR gebracht, um dort eine gute Erziehung zu genießen und um nach ihrer vorgesehenen Rückkehr zur Führungselite zu gehören. Bezug hat die historische Episode zum Erziehungsverhalten des Kuckucks, der seine Jungen ebenfalls fremd aufziehen lässt und der daher zum Teil des Buchtitels „Kuckucksland“ wurde. In diesem Debütroman von Marco Mahler bilden die damaligen Ereignisse den Hintergrund für die Geschichte eines der namibischen Kinder das in Deutschland bis zu seinem 12. Lebensjahr aufgewachsen ist, dann aber aufgrund der Beendigung des Projekts in seine Heimat zurückgeschickt wurde. Kombiniert hat der Autor das Ganze mit dem Traum des kauzigen hessischen Rentners Karl.

Nach dem Tod seiner Frau lebt der 71-jährige Karl zwar seinen Alltag weiter, aber Ziele hat er eigentlich keine. Seine Frau wäre gerne einmal nach Afrika gereist. Resultierend daraus keimt in ihm der Wunsch einen Löwen in freier Wildbahn zu sehen. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Ortsvorsteher des Dorfs in dem er wohnt, beschließt er spontan den Traum Realität werden zu lassen. Ohne weiteren Plan fliegt er nach Namibia und begegnet dort Timmy, der zur Gruppe der Kinder gehört, die in der DDR aufwuchsen und inzwischen Mitte Dreißig ist. Timmy lebt von Gelegenheitsjobs und kleinen Gaunereien. Bald schon erkennt Karl, dass er mit Timmys Hilfe seinen Traum Wirklichkeit werden lassen kann. Das ungleiche Paar begibt sich auf eine Suche nach wilden Tieren, nach einem Vater und nach einem Sohn.

Marco Mahler hat in seinem Debütroman zwei sehr unterschiedliche Charaktere zueinander geführt. Als Leser durfte ich zunächst Karl kennen lernen, der früher als Journalist bei der örtlichen Zeitung gearbeitet hat, jedoch von Klatsch und Tratsch gar nichts hält. Doch in seinem Heimatdorf wird gerne mal nach dem Äußeren geurteilt und danach was jemand bereits einmal gemacht hat. Änderungen sind dabei grundsätzlich nicht vorgesehen und so ist es auffällig wenn man sich anders als bisher verhält oder sein Hab und Gut nicht pflegt. Genau dann setzt das Gerede ein. Für Karl ist der Flug nach Afrika ein Aufbrechen der Regeln. Doch wie sich natürlich zeigt, kann man seinen Besitz nicht einfach so zurücklassen und eine Rückkehr ist absehbar, auch bei Karl. Aber die Erfahrungen und Erinnerungen kann ihm keiner nehmen.

Timmy ist zwar nach seiner Rückkehr nach Namibia im Jahr 1990 wieder von seiner Familie aufgenommen worden, konnte jedoch die Ansprüche seines Vaters an seine Person nicht erfüllen. Er sucht die Unabhängigkeit von seiner Familie, hat aber dazu keine genauen Vorstellungen, da ihm die monetäre Unterstützung fehlt. Nach einer kurzen heftigen Affäre hat er sein Herz kein weiteres Mal verschenkt, und geht nur auf gelegentliche Verabredungen ein. Den Job als Fahrer von Karl dient ihm in erster Linie zum Geldverdienen, wird aber für ihn zu einer Reise auf der er sich mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen muss. Gleichzeitig hat er dabei aber auch die Weichen für seine Zukunft zu stellen.

Die beiden Charaktere scheuen sich nicht, sich mit ihrem eigenen Verhalten kritisch auseinanderzusetzen und es zu ändern. Neben amüsanten Situationen enthält das Buch auch Szenen mit Tiefgang. Allerdings finden sich hier und da abrupte Stimmungswechsel. In wenigen Dialogszenen klingt der Rückblick auf vergangene Ereignisse recht förmlich. Lange Zeit trägt Timmy ein Geheimnis mit sich, dass er dem Leser erst am Ende des ersten Teils offenbart und das im zweiten Teil noch einmal eine gewisse unterschwellige Spannung erzeugt.

Der Roman liest sich locker und leicht. Den Landschaftsbeschreibungen Namibias merkt man an, dass der Autor das Land selbst bereist hat. Ich konnte mir die Gegend, in der die Geschichte spielt, gut vorstellen. Auch das Beziehungsgeflecht in einem kleinen Dorf ist authentisch wiedergegeben.

Zwar sind im bisherigen Leben von Karl und Timmy nicht alle Wünsche in Erfüllung gegangen, doch durch beide lernen voneinander, dass man die Hoffnung nicht aufgeben sollte. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und bin gerne mit den beiden gedanklich nach Afrika gereist. Mich hat das Buch gut unterhalten und ich empfehle es gerne weiter.