Donnerstag, 10. September 2015

[Rezension Ingrid] Ingrid Noll - Der Mittagstisch


Titel: Der Mittagstisch
Autorin: Ingrid Noll

Erscheinungsdatum: 26.08.2015
Verlag: Diogenes Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover Leinen mit Schutzumschlag
Handlungsort: an der Bergstraße gelegen
Handlungszeit: Gegenwart



Eine der Zofen Bathsebas, die da auf dem Cover des Buchs „Der Mittagstisch“ von Ingrid Noll zu sehen ist, dreht leicht amüsiert ihren Kopf zum Betrachter hin, nachdem sie ihre Herrin zum Bad begleitet und den um ihre Gunst buhlenden David im Hintergrund wahrgenommen hat. Vielleicht ahnt sie bereits, wie diese Erzählung enden wird. Ein Schelm, wer diese Szene auf den vorliegenden Roman bezieht! Doch eine kleine Gemeinsamkeit ist nicht von der Hand zu weisen, wenn auch die Geschlechter dabei vertauscht sind. Der Autorin gelingt es im leichten Plauderton, die Protagonistin Nelly ihre Geschichte selbst erzählen zu lassen.

Nelly ist eine alleinerziehende Mutter zweier Kinder im Grundschulalter. Nach einer mehrjährigen Romanze mit dem nordamerikanischen Kindsvater, ist dieser von heute auf morgen in die USA abgereist und hat seitdem kein Lebenszeichen mehr geschickt. Glücklicherweise hat sie von ihren Großeltern ein Haus geerbt, in dem sie nun einen Mittagstisch anbietet. Angefangen hat es mit ihrer Freundin, die Lehrerin an der benachbarten Schule ist und der sie ein warmes Essen in der Mittagspause anbieten wollte. Diese hat dann eine Freundin mitgebracht, die es wiederum ihrem verwitweten Vater erzählt hat, alles unter dem Siegel der Verschwiegenheit, denn offiziell darf es die Teilnehmerrunde nicht geben, weil Nelly keine Konzession dafür hat. Nachdem sie sogar in die Vergrößerung ihres Mittagsmahls investiert hat, erscheint unter anderem der Elektriker Markus mit seiner Freundin, die beide in der Nachbarschaft arbeiten.

Nelly mag Markus sehr, er sieht ihrem Ex-Freund sogar etwas ähnlich, doch der Elektriker ist nur um seine Freundin besorgt. Eine Lebensmittelallergie der Freundin möchte die Köchin ausnutzen, um sie kurzfristig zu ärgern. Leider verläuft die Ausführung des Plans nicht so wie gewünscht. Und dann holt auch noch die Vergangenheit Nelly ein und stellt sich ihrer erträumten Zukunft entgegen. Bis sie sich aus der Reserve holen und zu einer spontanen Aktion hinreißen lässt. In der Folge ist sie auf Mitwisser angewiesen. Ob das wohl gutgeht?

Nelly ist fürsorglich und gewissenhaft. Doch als Tochter wird sie den Ansprüchen ihrer Mutter nicht gerecht. Vor allem in Geldangelegenheiten ist sie immer wieder auf deren Hilfe angewiesen. Ihr Hauptanliegen ist es daher, sich finanziell unabhängig zu stellen. Doch immer wenn sie glaubt ihrem Wunsch näher zu kommen passiert etwas Unerwartetes mit der Folge, dass sie das gewonnene Stück vom Glück teilen muss beziehungsweise es ihr ganz abhanden zu kommen droht.

Durch die gewählte Erzählform wird dem Leser ein Einblick in Nellys Denken ermöglicht. Sie ist eine liebenswerte Persönlichkeit die zur Gutgläubigkeit neigt, der man aber auch gerne das Delikt um den nicht angemeldeten Restaurantbetrieb verzeiht. Aus den Fehlern der Vergangenheit hat sie gelernt, so dass sie zwar im ersten Moment spontane Konsequenzen zieht, diese aber auch hinterfragt und zu korrigieren versucht. Nicht immer können die Schäden dabei beseitigt werden.

An Nellys Mittagstisch versammeln sich die unterschiedlichsten Charaktere beispielsweise die altmodisch redende Freundin, der braungebrannte Sportlehrer und der dicke, alte Schiffssteward, der Nelly zur großen Hilfe wird.  Einige werden ganz nebenher mit wenigen Worten beschrieben, was aber ausreichend dafür ist, den Leser über die besonderen Eigenschaften des Gastes zu informieren und ihn meistens darüber zum Schmunzeln zu bringen.

Die Handlung eilt nur so dahin. Mir hat es Spaß gemacht, das Buch zu lesen, nur der Schluss kommt sehr rasch. Meiner Meinung nach endet das Buch mit einer Person zu viel, hier fehlt etwas die Nachwürze.  Das Buch ist ein „Muss“ für alle Ingrid Noll-Fans und ein Lesevergnügen für jeden Krimileser. Ich vergebe knappe 4 Sterne.



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