Sonntag, 3. April 2016

[Rezension Hanna] Das Meer in deinem Namen - Patricia Koelle


Das Meer in deinem Namen
Autorin: Patricia Koelle
Taschenbuch: 544 Seiten
Erschienen am 21. Mai 2015
Verlag: FISCHER Taschenbuch 

Inhalt
Carly ist bei ihrer Tante Alissa aufgewachsen, denn ihre Eltern kamen ums Leben, als sie noch klein war. Wie, darüber wird nicht geredet, denn schon früh hat Carly gelernt: Den Tod kehrt ihre Tante unter den Teppich. Irgendetwas hat es jedoch mit dem Meer zu tun, denn das ihre Tante zum Tabu erklärt. Seit Jahren arbeitet Carly als studentische Hilfskraft für ihren Professor Thore Sjöberg. Doch sie hat ihr Astronomiestudium inzwischen abgeschlossen, weshalb ihr Vertrag nicht mehr verlängert werden kann. Thore schlägt ihr deshalb eine Übergangslösung vor: Bis sie einen Job gefunden hat, soll sie ein Haus an der Ostsee aufräumen, dass er von einer verstorbenen Verwandten geerbt hat. Carly springt über ihren Schatten und sagt zu. Was wird sie in dem verträumten Häuschen mit Reetdach finden? Und wird sie sich dem Meer stellen können, das sie seit Jahren nicht gesehen hat?

Meinung
Die Protagonistin Carly war mir von Beginn an sympathisch. Sie hat ihr Studium abgeschlossen, doch der Schritt in die Berufswelt erfordert, dass sie sich deutschlandweit bewirbt. Das bedeutet aber, dass sie alles, mit dem sie sich über die Jahre arrangiert hat, hinter sich lassen muss: Ihren Professor Thore, in den sie heimlich und aussichtslos verliebt ist, ihre kleine Hausmeisterwohnung und ihren besten Freund Orje, dessen Gefühle sie wiederum nicht erwidert. Carly ist verunsichert. Deshalb konnte ich gut verstehen, dass sie Thores Vorschlag, vier Wochen ein Haus an der Ostsee aufzuräumen, trotz der Nähe zum Tabuthema Meer annimmt. Schon bald befand ich mich an Carlys Seite auf dem Weg nach Ahrenshoop wieder und war neugierig, was sie dort finden wird.

In Ahrenshoop macht Carly gleich erste nette Bekanntschaften und findet ein verträumtes Häuschen zum Aufräumen vor. Die Faszination, die das Haus auf Carly auswirkt, wurde auch für mich greifbar. Was für eine Person war die ehemalige Bewohnerin Henny? Warum liegen überall im Haus Briefe von einem gewissen Joram, die von Henny oftmals mit Kommentaren versehen wurden? Und wo sind Hennys zahlreiche Bilder, die sie in ihrem jahrelangen Wirken gemalt, aber nur selten verkauft hat? Carly beginnt, sich Gedanken zu machen und stellt einige Nachforschungen an. Gleichzeitig lernt sie weitere Bewohner von Ahrenshoop kennen und beginnt, sich einzuleben. Die Autorin hat viele liebenswerte Charaktere erschaffen, welche den Ausflug zwischen den Buchseiten zu einem tollen Erlebnis machten, bei dem ich mich wegträumen und wohlfühlen konnte.

Das Buch bleibt interessant, denn Carly erfährt immer mehr über Henny und Joram. Allmählich gelingt es ihr, die Puzzlestücke zusammenzusetzen und Hennys Geschichte zu begreifen. Durch Rückblenden, in denen Henny selbst zu Wort kommen darf, wurde für mich einiges noch verständlicher gemacht. Doch auch in der Gegenwart warten noch einige Fragen auf ihre Antwort. Bis zum Schluss werden Geheimnisse gelüftet, weshalb ich stets neugierig weiterlas.

Bei der Spurensuche macht auch Carly eine Entwicklung durch, die mir sehr gut gefallen hat. Ich freute mich mit ihr für jeden Schritt in Sachen Vergangenheitsbewältigung und Nach-Vorn-Schauen, den sie tat. In ihrer Zeit in Ahrenshoop besuchen sie auch ihre alten Freunde und ihre Familie, sodass Vergangenheit und Gegenwart aufeinander treffen und ich neugierig war, wie sich Carly im Hinblick auf ihre Zukunft entscheiden wird. Zum Ende wird es dann noch einmal emotionaler, die Ereignisse passten perfekt zur Geschichte und haben mir richtig gut gefallen. Doch es sind auch noch einige Fragen offen, weshalb ich mich schon sehr auf die Fortsetzung, „Das Licht in deiner Stimme“, freue.

Fazit
„Das Meer in deinem Namen“ ist eine Wohlfühl-Geschichte mit zahlreichen Geheimnissen rund um die Vergangenheit der verstorbenen Besitzerin des Hauses, das die Protagonistin Carly aufräumen soll. Gleichzeitig muss sich Carly ihrer eigenen Vergangenheit stellen und eine Entscheidung in Bezug auf ihre Zukunft treffen. Liebenswerte Charaktere, zarte Liebesgeschichten, unerwartete Entdeckungen und die toll eigefangene Atmosphäre der Ostsee runden das Buch richtig toll ab. Für mich ein rundum gelungenes Buch und damit ein echtes Lesehighlight!

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