Mittwoch, 15. November 2017

[Rezension Ingrid] Das Werk - H.P. Lovecraft (Hrsg. Leslie S. Klinger


In der großen kommentierten Ausgabe „Das Werk“, herausgegeben von Leslie S.Klinger, finden sich die besten 22 Erzählungen von Howard Phillips Lovecraft. Darüber enthält der Prachtband auf insgesamt mehr als 900 Seiten beinahe 300 Abbildungen, davon viele im Vierfarbdruck. Abgebildet sind Karten, Illustrationen der Geschichten aus bereits erschienenen Ausgaben, eigene Zeichnungen von Lovecraft, Cover von Büchern, Filmplakate und einiges mehr. Zahlreiche Anmerkungen am Rand oder in der Fußnote ordnen die jeweilige Erzählung in den zeitlichen Kontext ein und geben Querverweise zu Orten und Personen in der jeweiligen Geschichte, auf ähnliche Werke, weitere Veröffentlichungen und Verfilmungen. Einzig ein, zwei Lesebänder hätte ich mir zur Ausstattung gewünscht.

Nach einer Einführung von Alan Moore mit einem ersten Blick auf den Autor und sein Schaffen sowie dem Versuch einer Klärung, warum seine Erzählungen so erfolgreich sind, vertieft Leslie S. Klinger in einem mehr als 50-seitigen Vorwort diese Basis mit einem tieferen Blick auf das Leben von H.P. Lovecraft. Doch nicht nur biographische Daten finden sich hier, sondern auch die Einordnung seines Werks in der Literatur.

Neben Edgar Allan Poe gilt Lovecraft als einer der einflussreichsten Autoren der Phantastik und der modernen Horrorliteratur. Lovecraft wuchs in einer Zeit der Unsicherheit im Amerika der 1910er auf und festigte seine eigenen Zukunftsängste in vielfachen Hass. Er gilt als frauenverachtend, anti-semitisch und rassistisch. Auch diesen Aspekt verschweigt das Buch nicht.

Lovecrafts Arbeiten sind beeinflusst von Poe und H.G. Wells. Einen ersten Höhepunkt erreichte sein Schaffen im Jahr 1920. Das Genre, in dem Lovecraft schrieb, nannte er selbst „übernatürliches Grauen“, ScienceFiction war noch relativ neu am Markt. Fast alle Erzählungen des Autors wurden zunächst in Pulp-Magazinen, das sind Zeitschriftenmagazine mit Geschichten unterschiedlicher Genres, veröffentlicht. Lovecraft verließ die Schule aufgrund einer Krankheit ohne Abschluss und widmete sich anschließend dem Amateuerjournalismus, der auf seine Initiative durch Schulungen der Schreibenden im Niveau gesteigert werden konnte.

Unter den 22 Erzählungen des Buches finden sich mehrere Geschichten, die auf seinen Träumen beruhen sowie eine erste Erzählung von 1917 mit Elementen des sogenannten Cthulhu-Mythos, dessen Entwurf Lovecraft gerne zugesprochen wird. Die meisten Erzählungen siedelt Lovecraft in der von ihm erdachten Stadt Arkham an. Hier setzt auch die Weiterführung seines Werks durch Anhänger Lovecrafts an, nicht nur in weiteren Geschichten sondern auch als Szenario für Rollenspiele und einem Brettspiel.

Obwohl mir die Arbeiten von Poe und Wells geläufig sind, habe ich vor Erscheinen des gewaltigen Buchs „Das Werk“ noch nichts von H.P. Lovecraft gelesen. Ich war überrascht, wie vielschichtig seine Storys sind indem er teilweise die Genre Horror mit ScienceFiction vermischt. Durch die ausführlichen informativen Kommentare und der zahlreichen Abbildungen werden auch viele Kenner des Autors hier in den neuübersetzten Erzählungen noch einiges Neues entdecken. Das Buch ist optisch ein Hingucker und eignet sich sicher als Geschenk für Liebhaber der Phantastik, genauso wie zum Selbstkauf.

*Werbung* Wer sich noch unsicher ist, ob er das Buch lesen möchte, kann sich in einer 15-seitigen Leseprobe, die auf der Seite des Fischer Verlags zu finden ist, einen Einblick verschaffen: KLICK ZUR LESEPROBE
Titel: Das Werk
Autor: H.P. Lovecraft
Herausgeber: Leslie S. Klinger
Erscheinungsdatum: 21.09.2017
Verlag: FISCHER TOR (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag

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