Samstag, 12. April 2014

[Rezension] Simon van Booy - Die Illusion des Getrenntseins


Titel: Die Illusion des Getrenntseins
Autor: Simon van Booy
Übersetzerin: Claudia Feldmann
Erscheinungsdatum: 14.04.2014
Verlag: Insel Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
Handlungsort: Verschiedene Orte in den U.S.A., England und Frankreich
Handlungszeit: 1939-2010



Für das Buch „Die Illusion des Getrenntseins“ titelgebend ist eine fiktive Fotoausstellung in New York, in der Bilder von amerikanischen Soldaten gezeigt wurden, die man auf europäischen Schlachtfeldern im 2. Weltkrieg gefunden hat. Eines dieser Bilder spielt eine verbindende Rolle in diesem Roman. Denn der amerikanische Autor Simon van Booy bildet in den einzelnen Kapiteln zunächst lose Erzählfäden über unterschiedliche Charaktere,  die sich zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten aufhalten und die sich erst im Laufe des Romans zu einer Einheit zusammenfinden. Der Titel des Buchs wird zur Untermalung der Handlungen, denn wenn es auch den einzelnen Personen des Romans selbst kaum bewusst ist, so wird dem Leser doch am Ende klar, dass alle Fadenenden miteinander durch familiäre Zugehörigkeit, situative Gegebenheiten oder blanken Zufall miteinander verbunden sind. Hinter der Idee des Buchs steht eine wahre Geschichte.

Der inzwischen ungefähr 70jährige Martin ist Hausmeister in einem Seniorenheim in Los Angeles. Seine Herkunft ist dubios. Laut seinen Eltern wurde er ihnen von einem Unbekannten auf den Arm gegeben, ohne weitere Auskünfte zu seiner Abstammung. Anschließend verschwand der Fremde. Aufgewachsen ist er in Paris bis seine Eltern mit den Kindern nach Amerika auswanderten. Aktuell soll Martin ein kleines Fest zum Empfang des neuen Mitbewohners Hugo, der vor kurzem aus England eingetroffen ist, im Heim vorbereiten. Gerade als Hugo den Festsaal betrifft, bricht er zusammen. Ein eben jenem Hugo gewidmetes Kapitel beendet schließlich das Buch und führt damit auch wieder an den Anfang des Romans zurück. 

Simon von Booy erzählt in einem allwissenden Erzählstil, lediglich Hugo lässt er in Ich-Form zu Wort kommen. Meistens gibt der Autor die Handlungen der Personen in ihrem direkten Umfeld wieder und informiert darüber, was letztlich wichtig ist um die Zusammenhänge für den Leser erkennbar zu machen. Gelegentlich fängt er die flüchtigen Gedanken seiner Charaktere ein, hier und da wendet er sich sogar direkt an den Leser. Einige Sätze sind von poetischer Feinheit und scheinen abzulenken von den bitteren Tatsachen der Realität. Inmitten der Weltgeschichte leben die Figuren des Autors ein herausragendes Leben. Entgegen allgemeiner Vorstellungen engagieren sie sich für Freiheit, Gerechtigkeit oder mehr Menschlichkeit, auch wenn es dazu in einigen Fällen erst nach einer aufgedrängten, ausgeführten Pflicht kommt. Das Cover spiegelt ein gutes Beispiel hierzu wieder. Es zeigt einen amerikanischen Fallschirmjäger, der neben dem Eiffelturm landet. Auch wenn es zu dieser Szene im Buch nicht kommt, verbirgt sich hierin einer der Fäden aus denen sich die Geschichte zusammensetzt. Und immer wieder taucht die Angst dieser mutigen Menschen auf, über die der Autor schreibt, vor dem was getan werden soll oder sogar getan werden muss. 

Das Buch lässt sich leicht lesen, erfordert jedoch die Aufmerksamkeit des Lesers um den Zusammenhang der Schicksale der einzelnen Personen über vier verschiedene Länder beziehungsweise Bundesstaaten hinweg in Verbindung zu bringen. Ein besonderer Lesegenuss, den ich gerne weiterempfehle.

1 Kommentar:

  1. Das Buch klingt sehr interessant...ich setze es mal auf meine Wunschliste :D

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