Sonntag, 29. September 2013

[Rezension] Polivka hat einen Traum von Stefan Slupetzky



☆ Inhalt ☆


Als der Wiener Bezirksinspektor Polivka zu einem Toten in der Franz-Josefs-Bahn gerufen wird, sieht zunächst alles nach einem Unfall aus. Es gab eine Notbremsung, in deren Folge der Tote offenbar so unglücklich gestolpert ist, dass er sich das Genick gebrochen hat. Als Polivka jedoch kurz darauf eine gefesselte Frau auf der Bahnhofstoilette findet und die vor einer Befragung die Flucht ergreift, ist er überzeugt davon, dass es sich um einen Mord handeln muss. Von seinem Chef wird er aufgefordert, den Fall zu den Akten zu legen. Doch als er von ähnlichen Unfällen in ganz Europa erfährt und diese ihn erneut auf die Spur der mysteriösen Frau von der Bahnhofstoilette führen, beginnt für Polivka eine brisante Reise durch Frankreich, Belgien und Österreich.

☆ Meinung ☆


Das Buch beginnt nicht gleich mit dem eigentlichen Fall, um den sich der Rest des Buches drehen wird, sondern mit einem anderen Toten im Zug, der mit einer Gurke erstickt wurde. Polivka gelingt es schnell, den Fall mit unorthodoxen Methoden inoffiziell aufzuklären. So kann man einen ersten Eindruck vom eigenwilligen Ermittler gewinnen, bevor sich das Buch nach einigen Seiten dem Hauptfall zuwendet.

Ich habe gut in das Buch hineingefunden und mich schnell an Polivkas doch recht eigenwilligem Charakter gewöhnt. Das Tempo zu Beginn ist hoch, schnell ist ein erster Fall aufgeklärt und Polivka sitzt auf den Spuren des mysteriösen Unfalls in betrunkenem Zustand im Nachtzug nach Paris. Etwas Schwierigkeiten bereitete mir allerdings der Wiener Dialekt, in dem die Gespräche, vor allem während sich Polivka noch im der Heimat befindet, abgedruckt sind. Gut gefallen hat mir der intelligente Witz und der trockene Humor, den das Buch immer wieder an den Tag legt.

Auf seiner Reise findet sich Polivka immer wieder in gefährlichen Situationen wieder. Begleitet wird er dabei unter anderem von seinem Kollegen Hammel, der ihm treu zur Seite steht, und einer Frau, die nicht nur Polivkas berufliches Interesse weckt. Im Verlauf der Geschichte kommen allmählich noch einige weitere Charaktere hinzu, über die ich an dieser Stelle nichts verraten möchte.

Nach und nach eröffnet sich Polivka eine höchst verzwickte Geschichte mit starkem politischem Hintergrund. Stefan Slupertzky spricht ein Thema an, das sicherlich höchst aktuell ist und den Leser zu der Frage veranlasst, wie viel davon tatsächlich Realität ist oder werden könnte. In der zweiten Buchhälfte ist die Handlung daher von politischen Dialogen geprägt. Diese erfordern ein intensives und konzentriertes Lesen, wurden von mir allerdings als zäh empfunden. Die Ermittlungen enden schließlich höchst abrupt, was dann noch geschehen ist erfährt man vor allem in Form kurzer Zeitungsartikel. Dieses Stilelement konnte mich leider ebenfalls nicht ganz überzeugen.

„Polivka hat einen Traum“ bietet einen verschrobenen, aber amüsanten Inspektor und eine Ermittlungsreise durch Europa mit starkem politischem Hintergrund. Das Buch ist lange Zeit temporeich und spannend, die politischen Dialoge zum Ende hin empfand ich allerdings als zäh. Ich kann diesen Kriminalroman vor allem an (europa-)politisch interessierte Leser weiterempfehlen.


Weitere Informationen zum Buch


Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Preis: 19,95 Euro
Erscheinungsdatum: 20. September 2013
Verlag: Kindler
Link zur Buchseite des Verlags


Samstag, 28. September 2013

[Rezension] Petra Durst-Benning - Die Champagnerkönigin

Titel: Die Champagnerkönigin
(2. Band der Jahrhundertwind-Trilogie)
Autorin: Petra Durst-Benning
Erscheinungsdatum: 13.09.2013
Verlag: List Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783471350584
Preis: 19,99 Euro

Link zum Tagebuch der Recherchereise auf der Webseite von Petra Durst-Benning: KLICK!

Eine Rezension zum ersten Band der "Jahrhundertwind"-Triloge zu dem Buch "Solang die Welt noch schläft" findet sich HIER!



Die junge Frau auf dem Cover des Buchs „Die Champagnerkönigin“ von Petra Durst-Benning schaut auf die vor ihr in der Sonne liegenden Weinberge. Am Himmel sind bereits Wolken aufgezogen. Ihre Haltung spiegelt Stolz wieder, es könnte der Stolz auf das inzwischen erreichte sein. Diese Einbandgestaltung steht in Bezug zur Geschichte, die die Autorin über ihre Protagonistin Isabelle Feininger erzählt. Das Buch ist der zweite Band der Trilogie „Jahrhundertwind“. Diese schildert das Schicksal der drei zunächst in Berlin in der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert wohnenden Freundinnen Josefine, Isabelle und Clara. „Die Champagnerkönigin“ kann problemlos ohne Vorkenntnisse des ersten Bands gelesen werden. 

Isabelle folgt ihrer Liebe, dem Radrennfahrer Leon Feininger, in die Pfalz, wo die Eltern von Leon ein Weingut besitzen. Nach kurzem Entschluss und gegen den Willen ihrer Eltern haben die beiden sich das Ja-Wort gegeben. Doch in der Pfalz angekommen, stellt Isabelle fest, dass sie  dort nicht wie in ihrer Vorstellung ein prächtiges Herrenhaus, sondern ein Bauernhof mit Weinländereien und einigen Zuchttieren erwartet. Zum Glück übernehmen die Eltern von Leon die meisten Arbeiten, doch schon bald beginnt  sie ihre Entscheidung zu bedauern, mit Leon in die Pfalz gezogen zu sein. Einige Zeit nach ihrer Ankunft trifft ein verhängnisvoller Brief ein, der Leon darüber informiert, dass er das Weingut seines Onkels in der Champagne geerbt hat. Mit bebenden Herzen und neuer Hoffnung fahren die beiden nach Hautvillers, um das Erbe anzutreten.  Rund um das Haus sind Reparaturen nötig und die Reben bedürfen entsprechender Pflege. Mit frohem Mut machen die beiden sich an die Arbeit und müssen schnell erkennen, dass ihr Wissen und ihr Wille nicht allein ausreichend sind, um ein Weingut zum Erblühen zu bringen. Und im Hintergrund lauert bereits eine Konkurrentin, die nur allzu gerne die Ländereien in ihren eigenen Besitz bringen möchte.  

Wieder einmal hat Petra Durst-Benning mit „Der Champagnerkönigin“ ein Buch geschrieben, das mich in seinen Bann ziehen konnte. Doch neben liebenswerten und nicht gar so freundlichen Figuren und faszinierenden Landschaften vermittelt sie auf unterhaltsame Weise, im genau richtigen Maß sehr gut recherchiertes Wissen rund um die Champagnerherstellung vom Rebschnitt über die Traubenlese bis zur Assamblage und dem späteren Verkauf. Illustrationen der damaligen Zeit, die aus dem Bestand der Autorin stammen, untermalen passend zum Thema  das Geschehen. In bildhaften Worten lässt Petra Durst-Benning die Landschaft der Champagner vor dem Auge des Lesers entstehen. Isabelle, die reiche, verwöhnte Fabrikantentochter aus Berlin wird in diesem Buch zur Sympathieträgerin. Das Buch ist zu keiner Zeit langweilig, denn man hofft  ständig mit Isabelle, dass es ihr gelingt, das Weingut zur Blüte zu bringen. Immer wieder wird sie von neuen nicht gerade positiven Nachrichten überrascht und das Bangen um ihre existenzielle Grundlage geht weiter. Leon scheint für Isabelle die Liebe ihres Lebens zu sein.
Da er den Radsport nicht aufgeben mag, treten Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden auf. Doch kaum scheint im Leben von Isabelle wieder die Sonne, trifft sie ein ungleich großer Schicksalsschlag. Zum Glück hat sie ihre beiden Freundinnen aus Berlin Josefine und Clara. Auch vor Ort hat sie sich, die anfangs skeptisch als Städterin beäugt wurde, als rechtschaffene Person Anerkennung verdient und mit einigen Leuten wie z.B. ihrem Verwalter und ihren Nachbarn angefreundet. Aber nicht alle Bekannten stehen auf ihrer Seite und so lernt sie, misstrauisch zu sein. Einen Ausgleich zur täglichen Pflicht findet sie in Fahrten in die nahe gelegene Stadt Reims, in die der Leser sie begleiten darf. Und über allem steht der letztlich große Traum von Isabelle einen entsprechend besonderen Champagner zur Jahrhundertwende herzustellen. Die Geschichte hat mir von Beginn an sehr gut gefallen und ich empfehle daher dieses Buch gerne weiter. Wer möchte kann auf der Webseite der Autorin durst-benning. de in das wunderschön gestaltete Reisetagebuch der Recherche zum Buch reinlesen.


Mittwoch, 25. September 2013

[Rezension] Töchter des Mondes: Sternenfluch von Jessica Spotswood





Das Buch ist Teil einer Trilogie:

Töchter des Mondes

Band 1: Töchter des Mondes: Cate (Rezension)
Band 2: Töchter des Mondes: Sternenfluch
Band 3: ? (engl.: Sisters' Fate)





☆ Inhalt ☆


Seit über einem Monat ist Cate nun schon Mitglied der Schwesternschaft. Während sie noch mit ihrem neuen Leben in New London hadert, findet in der Stadt die Nationalratsversammlung der Bruderschaft statt. Diese beschließt ungeheuerliches: Frauen dürfen nicht mehr außerhalb des Hauses arbeiten und Mädchen darf das Lesen nicht mehr beigebracht werden. Die Lage spitzt sich immer weiter zu, sodass auch Maura und Tess ins Haus der Schwesternschaft gebracht werden. Doch wer von ihnen ist die mächtigste Hexe? Laut einer neuen Prophezeiung soll sie nicht nur der Gedankenmagie fähig sein, sondern auch Hellseherin sein. Und wird die Schwesternschaft gegen die Herrschaft der Bruderschaft aufbegehren?

☆ Meinung ☆


Nachdem der erste Teil der Serie recht abrupt mit Cates öffentlicher Bekanntgabe endete, der Schwesternschaft beizutreten, setzt das Buch etwas mehr als einen Monat danach ein. Cate hat ihre Rolle als Schwester akzeptiert, jedoch geringe Lust, die anderen Mädchen genauer kennenzulernen. Dank ihrer Mitbewohnerin Rilla taut sich schließlich doch etwas auf. Sie beginnt, die anderen besser kennen zu lernen und sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was wäre, wenn sie tatsächlich die mächtigste Schwester ist.

Das Buch hat sich für mich sehr in die Länge gezogen, weshalb es mir schwer fällt, nicht zu viel über das Geschehen zu verraten, da ich das Gefühl hatte, dass insgesamt sehr wenig geschieht. Die Bruderschaft wird immer stärker, und nach und nach verschlägt es auch Finn, Sachi und Rory sowie Maura und Tess nach New London. Die meiste Zeit verbringen die Charaktere jedoch damit, über „was wäre, wenn“-Fragen zu diskutieren und ihre Handlungsmöglichkeiten zu prüfen. Mein Interesse wurde durch einzelne dramatische Szenen, zum Beispiel die Vorgehensweisen der Bruderschaft oder ein Besuche in Harwood, erhalten. Dennoch dauerte es für mich viel zu lange, bis endlich Bewegung in die festgefahrene Situation der Schwesternschaft kam. Im letzten Viertel des Buches wurde es dann aber noch einmal richtig spannend.

Cate hadert in diesem Buch sehr mit ihrem Schicksal. Sie ist um die Sicherheit von Finn, Maura und Tess besorgt und hofft daher, selbst die stärkste Schwester zu sein, um Verantwortung übernehmen zu können. Maura ist damit jedoch überhaupt nicht einverstanden. Sie ist noch störrischer, zickiger und anstrengender als in Vorgängerband und möchte um jeden Preis selbst Macht erlangen. Damit bringt sie aber wenigstens etwas Wirbel in die sonst zähe Handlung. Tess war in diesem Buch durch und durch sympathisch – in sie konnte ich mich gut hineinversetzen und sie kann mit ihrer aufrichtigen Art überzeugen. Finn spielt in diesem Band eine wichtige Rolle für Cates Herz und die Pläne der Schwesternschaft, wobei die Liebesgeschichte hier nur eine Nebenrolle spielt.

In „Töchter des Mondes: Sternenfluch“ treffen nach und nach alle Charaktere in New London ein. Die Bruderschaft verschärft ihre Gesetze und will außerdem um jeden Preis die Hexe der Prophezeiung finden, was die Schwesternschaft immer mehr in die Enge treibt. Für meinen Geschmack wurde in diesem Buch aber zu viel diskutiert und überlegt, wodurch die Handlung nur sehr langsam vorankam. Das Ende war dann aber noch einmal richtig spannend. Da „Töchter des Mondes“ eine Trilogie werden soll, hoffe ich darauf, dass im Abschlussband wieder mehr passiert. Wen der erste Band der Reihe begeistern konnte, der wird sicherlich auch an der Fortsetzung Gefallen finden.


Weitere Informationen zum Buch


Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Preis: 17,99 Euro
Erscheinungsdatum: 9. August 2013
Verlag: Egmont INK

Dienstag, 24. September 2013

[Rezension] Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joël Dicker




☆ Inhalt ☆


Anfang 2008: Marcus Goldmanns erstes Buch war ein voller Erfolg. Nun soll er ein zweites Buch schreiben, der Verlag sitzt ihm in Nacken. Doch seit seinem ersten Erfolg im Jahr 2006 wird er von einer Schreibblockade heimgesucht, sein neues Buch existiert nicht einmal als Idee. Völlig verzweifelt besucht er seinen ehemaligen Professor und Mentor Harry Quebert in Aurora. Auch dort kommt er nicht voran, macht in Harrys Haus jedoch eine mysteriöse Entdeckung: In einer Schachtel findet er Fotos von Harry, dem ewigen Junggesellen, und einem jungen Mädchen namens Nola. Wer ist sie? Harry deutet eine „schlimme Geschichte“ an, geht aber nicht ins Detail. Als einige Wochen nach Marcus Abreise aus Aurora Nolas Leiche in Harrys Garten gefunden wird, steht Harry unter dringendem Mordverdacht. Marcus ist von Harrys Unschuld überzeugt, kehrt nach Aurora zurück und beginnt mit Nachforschungen. Was ist die Wahrheit über den Fall Harry Quebert?

☆ Meinung ☆


Der Einstieg in die Geschichte wirft zunächst zahlreiche Fragen auf. Im Prolog wird der Leser Zeuge eines Notrufs vom 30. August 1975, in dem gemeldet wird, dass ein Mädchen von einem Mann verfolgt durch den Wald flüchtet. Dann springt man in den Oktober 2008, wo Marcus Goldmann gerade sein zweites Buch veröffentlicht hat, das ein voller Erfolg wurde. Schließlich landet der Leser am Ausgangspunkt der Geschichte, dem Beginn des Jahres 2008, und bei dem von Schreibblockaden geplagten Marcus. Bei Marcus Besuch in Aurora lernt der Leser Harry Quebert kennen, bevor im Juni 2008 mit dem Fund der Leiche von Nola Kellergan die Ereignisse ins Rollen kommen.

Obwohl das offensichtliche Ziel des Buches die Aufklärung der Frage ist, wer Nola getötet hat, bietet dieses Buch noch viel mehr. Es konstruiert nach und nach, was im Sommer 1975 in Aurora geschah und zum verheerenden 30. August führte. Ein Fokus liegt auf Harrys verbotener Beziehung zu Nola, dessen Beschreibung in mir die verschiedensten Gefühle – von Entsetzen bis hin zu Mitgefühl – weckte. Aber auch andere Einwohner, deren Geschichten mit der Harrys und Nolas verknüpft sind, kommen zu Wort und geben ihr Wissen über die Ereignisse preis. Doch Vorsicht – die offensichtliche Wahrheit kann oft auch nur Lüge oder Missverständnis sein. Hat sich alles wirklich so zugetragen, wie es erzählt wird?

Das Geschehen wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt, zwischen denen regelmäßig gewechselt wird. Zahlreiche Rückblenden springen ins Jahr 1975, aber auch zu anderen Zeitebenen, zum Beispiel zu Marcus Highschooljahren oder seiner ersten Begegnung mit Harry. In der Gegenwart  sucht Marcus in Aurora nach dem Mörder und schreibt gleichzeitig ein Buch über den Fall, das von seinem Verleger schon vor dem Erscheinen als Sensation promotet wird. Dadurch wird die Handlung vielschichtig und komplex und zahlreiche Personen sind involviert. Es gilt, den Überblick zu wahren - dafür wird man mit einem außergewöhnlichem Buch belohnt.

„Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ ist ein vielschichtiges Buch, das den Leser immer tiefer in das Geschehen im Jahr 1975 eintauchen lässt. Gleichzeitig treibt Marcus in der Gegenwart die Suche nach Nolas Mörder voran und schreibt zeitgleich dazu ein Buch über die Ereignisse. Wie die Seitenzahl es schon verrät, erwartet den Leser eine sehr ausführliche Spurensuche, die mir sehr gefallen hat, Freunde temporeicher Geschichten aber eher abschrecken könnte. Immer wieder wurde ich von unabsehbaren Wendungen überrascht, von denen ich die meisten nicht kommen sah. Dieser komplexe Roman ist letztendlich schwer in Worte zu fassen, weshalb ich interessierten Lesern nur empfehlen kann, sich selbst auf die Suche nach der Antwort auf die Frage zu begeben, was im Sommer 1975 mit Nola geschah.


Weitere Informationen zum Buch


Gebundene Ausgabe: 736 Seiten
Preis: 22,99 Euro
Erscheinungsdatum: 13. August 2013
Verlag: Piper
Link zur Buchseite des Verlags