Samstag, 13. Juli 2024

Rezension: Hey guten Morgen, wie geht es dir? von Martina Hefter

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Hey guten Morgen, wie geht es dir?
Autorin: Martina Hefter
Erscheinungstermin: 13.07.2024
Verlag: Klett-Cotta
rezensierte Ausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783608988260
---------------------------------------------------------

„Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ schreibt Juno mitten in der Nacht den Love-Scammern auf ihren Social Media-Kanälen, die Kontakt zu ihr suchen. Die Phrase ist gleichfalls der Titel des Romans von Martina Hefter, dessen Protagonistin Juno ist. Das Cover zeigt ein Gemälde von Gavin Hamilton mit dem Titel „Juno und Jupiter“. In Anlehnung daran benennt die Autorin den Ehemann von Juno ebenfalls nach dem römischen Wettergott.

Juno ist seit vielen Jahren mit Jupiter verheiratet, der an einer unheilbaren Krankheit leidet, die ihn zunehmend schwächt. Infolgedessen schläft er in der kleinen Mietwohnung in einem Pflegebett im Schlafzimmer und Juno im Wohnzimmer. Weil sie Schlafprobleme hat, nutzt sie die Zeit dazu, offensichtlichen Love-Scammern zurückzuschreiben und ihnen von einem erfundenen Alltag zu erzählen. Hier kann die Performancekünstlerin, die sich ständig und überall um ihren Mann Sorgen macht, alles sein und vorgeben, überall auf der Welt zu leben. Eines Tages reißt die Verbindung zu einem der Betrüger nicht ab, der ihre Lügen durchschaut.

Juno nutzt das Wenige, das sie vom Love-Scammer über seinen Alltag erfährt und für wahr hält, um sich im Internet über die gesellschaftlichen Bedingungen zu informieren, in denen er lebt. Sie besorgt sich seriöse Dokumentationen, um die Gründe zu erfahren, warum immer wieder Opfer auf die Betrugsmasche hereinfallen. Die Schwindeleien sind nicht nur erschreckend, sondern es ist gleichzeitig bewegend davon zu erfahren, in welchen maroden Verhältnissen die Schwindler teils leben.

Die Autorin selbst ist wie ihre Protagonistin Performerin. Daher wirken die Beschreibungen von Junos beruflichen Tätigkeiten authentisch. Ihre Leidenschaft, auf einer Bühne zu stehen, und der Traum, erfolgreich zu sein, ist nachvollziehbar. Doch im Gegengewicht dazu stehen die Ängste um die Gesundheit ihres Manns und die Traurigkeit darüber, einige schöne Momente nicht mehr miteinander teilen zu können. Martina Hefter weist in ihrer Geschichte auf fehlenden bezahlbaren städtischen Wohnraum hin, der die Pflege erleichtern würde.

Die personale Erzählperspektive fokussiert durchgehend auf Juno. Ihre Unterhaltung mit dem Loverboy hebt sich zentriert von dem im Blocksatz gesetzten übrigen Text ab. Als Leserin konnte ich an den Gedankengängen der Hauptfigur teilhaben und verstand dadurch ihre berechtigten Befürchtungen, aber auch ihre Wünsche und Bedürfnisse.

Im Prolog ihres Buchs „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ beschreibt Martina Hefter die Tattoos ihrer Protagonistin Juno. Sie sind verbunden mit der im Folgenden einfühlsam erzählten Geschichte eines erfüllten Lebens zwischen Besorgnis, Erfüllung und Hoffnung und gewähren einen Blick hinter den Schein der gesellschaftlichen Normen. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

Mittwoch, 3. Juli 2024

Rezension: Lucid Truth - Was, wenn wir nicht erwachen? von Nina Martin

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Lucid Truth - Was, wenn wir nicht erwachen?
Band 2 von 3
Autorin: Nina Martin
Erscheinungsdatum: 26.06.2024
rezensierte Buchausgabe: limitierte Erstausgabe mit Nachtleuchtfarbe
ISBN: 9783737343046
------------------------------------------------------

Die Handlung der Contemporary-Fantasy „Lucid Truth – Was, wenn wir nicht Erwachen?“, dem zweiten Bans der traumhaften Trilogie Nina Martin, setzt zwei Wochen nach den Begebenheiten ein, die im ersten Teil beschreiben wurden. Der Band wurde in einer limitierten Erstauflage mit Nachtleuchtfarbe ausgestattet, wodurch der weißgeschriebene Titel auch im Dunkeln zu lesen ist, was wunderschön aussieht.

Die Protagonistinnen Ria und Selena wissen immer noch nicht, welche weiteren Auswirkungen die Ereignisse in der Traumwelt Somna, die im ersten Teil beschrieben wurden, sich im Folgenden auf die wache Welt Corpora ergeben werden. Bald schon merken die beiden, dass die Albträume der Menschen nicht aufzuhalten sind und sie sich unerwünscht in mancherlei Form manifestieren. In den Träumen der Menschen, die dabei ursprünglich von Corpora nach Somna gerieten, war alles möglich: fliegen und eine andere Gestalt annehmen, leider aber garstigen Wesen begegnen. Eine überschaubare Anzahl von Menschen hat die Gabe, nicht selbst zu träumen, sondern in die Träume von anderen einzusteigen. Die meisten von ihnen sind in der Traumunion vereinigt.

Das Bündnis verweigerte es früher anzuerkennen, dass auch Frauen Traumgehende sein können. Ria hat sie von dem Gegenteil überzeugt, aber nun soll sie verschweigen, dass es auch noch andere weibliche Personen mit dieser Gabe gibt. Selena, als weitere Hauptfigur, ist mit ihrer Freundin Mo nach Griechenland geflogen. Der illegale Traumgänger Eric hatte sie veranlasst, ihm bei der Zerstörung von Somna zu helfen. In ihrem Geburtsland möchte sie herausfinden, ob seine Behauptung stimmt, dass die Traumgänger durch ein bestimmtes Geschehen ihre Gabe verlieren werden und wie es nun mit der Welt der Träume weitergehen soll. Ihre Mutter könnte eventuell mehr darüber wissen, aber leider ist ein Gespräch mit ihr über das Thema Somna konfliktbehaftet.

Wie bereits im ersten Band der Reihe fokussieren die Kapitel erneut abwechselnd auf Ria und Selena. Wer den Beginn nicht gelesen hat, wird den Prolog kaum einordnen können, bei allen anderen weckt er Hoffnung darauf, dass eine beliebte Person des bisherigen Geschehens, die verloren zu sein schien, doch noch wiederkehrt. Geschickt erinnerte mich die Autorin durch eine Pressemitteilung, die Ria im ersten Kapitel liest, an die vergangenen Ereignisse. Die Protagonistin ist im Zwiespalt über ihr weiteres Vorgehen, denn so sehr sie sich eigentlich von der Traumunion distanzieren möchte, so dringend benötigt sie weitere Traumgänger, um die Welt der Träume wieder aufzubauen.

Nina Martins Fantasy ist komplex. Sie lässt ihre Protagonistinnen in manche siegesgewisse Höhen steigen und einige emotionale Täler durchschreiten. Zum Glück stehen ihnen nicht nur Widersacher entgegen, sondern es finden sich auch Unterstützer mit Ecken und Kanten, die mir als Leserin manchmal suspekt erscheinen, was aber den Reiz der Erzählung ausmacht. Es wirft sich die Frage auf, wie eine gute Zukunft für die Menschheit aussehen sollte. Mehr und mehr zeigt die Figur des Eric seinen wahren Charakter und ich erfuhr Einzelheiten aus seiner Vergangenheit und seiner Freundschaft zu Selenas Vater.

In der traumhaften Fantasy von Nina Martin geht es auch im zweiten Band „Lucid Truth – Was, wenn wir nicht erwachen?“ um nicht weniger darum, die Macht über die Weltherrschaft zu erhalten. Die Sicht der Protagonistinnen als Ich-Erzählerinnen erlaubt es an ihren nachdenklichen, erfreuten, erschütterten oder hoffnungsvollen Gedanken und vielfältigen Gefühlen teilzuhaben. Die Spannung bleibt über die Seiten hinweg erhalten und ließ mich, wie beim ersten Band, am Schluss des Buchs mit einem Cliffhanger ungeduldig auf den abschließenden Teil wartend zurück. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für die Fans des Genres.


-->