Mittwoch, 29. Oktober 2014

[Rezension] Stefan Bachmann - Die Wedernoch

Titel: Die Wedernoch
Autor: Stefan Bachmann
Übersetzer: Hannes Riffel
Erscheinungsdatum: 24.09.2014
Verlag: Diogenes Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensiertes Exemplar: Hardcover
Handlungsorte: London und Altes Land
Handlungszeit: Fantasy-Dampfzeitalter



Das Cover des Buchs „Die Wedernoch“, dem zweiten Band einer Dilogie im Genre Steampunk-Fantasy von Stefan Bachmann wurde dem des ersten Buchs angepasst, so dass beide rein äußerlich sehr gut zusammenpassen. Auch diesmal schmückt wieder ein mechanisches Tier, in diesem Fall ein aufziehbarer Käfer, das Titelbild. Der Käfer gehört zu den vielen neuen Elementen, die der Autor sich für den zweiten Teil ausgedacht hat. 

Hettie, die Schwester von Bartholomew, dem Protagonisten im ersten Buch, hat als „Portal von London“ den Zugang zum Alten Land geöffnet. Dort läuft sie an der Seite eines Feenbutlers auf eine Hütte zu, der sie scheinbar nicht wirklich näherkommen. Als sie schließlich am Ziel angelangt sind, werden sie von einer Gruppe Feen im Dienst des Königs, entdeckt, von denen eine Hettie mit zu ihrem Schloss nimmt, um ihr dort Gesellschaft zu leisten, ganz nach ihren Launen.

Unterdessen sucht Bartholomew mit der Hilfe von Mr. Jelliby in London nach Hinweisen darauf, wie zu seiner Schwester gelangen kann. In einem Gefängnis trifft er auf Pikey Thomas, einem Jungen der in einem Erdloch unter einer Apotheke haust und der ein umwölktes Auge besitzt. Sein richtiges Auge hat eine Fee genommen und ausgetauscht. Über dieses Auge kann er Hettie sehen, zu mindestens zeitweise. So erhält Barth nach vielen Jahren den ersten Hinweis auf den Aufenthaltsort von Hettie und für Pikey ist Barth die Chance aus seinem Erdloch herauszukommen. London steht kurz vor einem Krieg gegen die Feen und plötzlich sind die beiden Jungen mitten in dieser Auseinandersetzung. Wird es den beiden gelingen, Kontakt zu Hettie aufzunehmen und sie wieder nach London zurückzuholen. Und wird sich Hettie aus dem Einfluss der Fee im Alten Land lösen können?

Die Leser des ersten Band „Die Seltsamen“ werden auch hier wieder ungewöhnlichen  Wesen, Orte und Situationen finden. Mit Pikey Thomas führt Stefan Bachmann erneut eine ganz eigenartige Figur in seine Geschichte ein. An seiner Seite lernt der Leser die Lebensweise der armen Bevölkerung von London kennen, wohingegen Hettie im Feenschloss des alten Landes zwar selbst nicht in Saus und Braus lebt, jedoch im Umfeld der Fee das Schlossleben kennenlernt. Die Kapitel fokussieren im ständigen Wechsel zwischen der Welt in der Hettie lebt und dem Handlungsschauplatz London beziehungsweise England.

Obwohl das Buch wieder mit vielen neuen Ideen aufwartet, flacht die Spannung im mittleren Teil etwas ab. Ebenfalls haben sich ein paar kleine Fehlerchen im Handlungsablauf eingeschlichen, so als ob Teile im Text im Nachhinein gestrichen worden wären. Diese sind jedoch nicht weiter handlungsrelevant. Aufgrund der manchmal doch recht gewaltsamen Beschreibungen ist das Buch nicht für jüngere Leser geeignet. Dem Autor gelingt es in seinem flüssig zu lesenden Schreibstil Situationen zu schaffen, die zunächst in die eine Richtung führen, um ihnen dann im nächsten Moment eine ungewöhnlichen Wende zu geben. Zum Ende hin nimmt die Spannung nochmal zu und es kommt zu einem überraschenden Schluss, was vor allem der Entwicklung der Charaktere Hettie zu verdanken ist. Trotz der kleinen Schwächen konnte der Autor mich mit diesem Buch wieder überraschen und überzeugen. Gerne gebe ich eine Leseempfehlung mit der Ergänzung zuerst den ersten Band zu lesen. 

Dienstag, 28. Oktober 2014

[Rezension] Süße Sünden - Kira Licht



Inhalt
Maya betreibt ein kleines Café in München und himmelt sein einiger Zeit Max an, der das Sportgeschäft auf der anderen Straßenseite betreibt. Von ihrer Wohnung über dem Café aus beobachtet sie regelmäßig, wie er abends sein Geschäft schließt, doch angesprochen hat sie ihn noch nie. Ihre besten Freundinnen Sabine und Jo sind der Ansicht, dass Maya dringend Nachhilfe braucht. Bald haben die drei einen mehrtägigen Flirtkurs gebucht. Ob Maya hier wirklich etwas lernt? Und was können Sabine und Jo, die ja eigentlich nur zur Unterstützung mitfahren, für ihr Liebesleben mitnehmen?

Meinung
Gleich zu Beginn des Buches lernt man die drei Freundinnen Maya, Sabine und Jo kennen, deren Liebesleben nicht unproblematisch ist. Während Maya sich nicht traut, ihren Schwarm anzusprechen, befindet sich Sabine seit Jahren in einer Beziehung mit einem Mann, der sie nicht ernst nimmt. Und Jo schleppt ein Mädchen nach dem anderen ab, ohne sich fest binden zu wollen.

Maya sträubt sich zunächst gegen den Flirtkurs, und so begleitet man sie zunächst einige Tage bei ihrem Alltag im Café. Die Beschreibungen all der leckeren Köstlichkeiten haben mir das Wasser im Mund zusammen laufen lassen, während ich auch Mayas Mitarbeiterinnen die teils sehr schrulligen Stammkunden kennenlernen durfte.

Nach 100 Seiten machten sich die Freundinnen dann auf den Weg ins Flirthotel, wo die drei einige schräge Bekanntschaften machen. Sowohl Teilnehmer als auch Dozenten sind allesamt sehr speziell. Maya, für die der Flirtkurs doch eigentlich gedacht war, wird während der Zeit hauptsächlich zur Beobachterin, während der Fokus plötzlich auf Sabine liegt. Erst nach der Rückkehr aus dem Urlaub steht Maya wieder im Mittelpunkt. Jo erregte vor allem durch ihre sarkastischen Kommentare Aufmerksamkeit, doch aus ihrer Geschichte hätte man definitiv mehr machen können.

Die Geschichte der Freundinnen wird in lockerem Tonfall erzählt und bietet vor allem schräge Charaktere, die teilweise jedoch sehr klischeehaft sind. Wohin das Buch führt, ist absolut vorhersehbar, und so liest man sich in lockerem Tempo und ohne größeres Drama durch die Seiten. Zum Abschalten perfekt, wer hingegen Überraschungen erwartet, ist hier fehl am Platz.

Fazit
„Süße Sünden“ ist ein lockerer Frauenroman, in dem drei Freundinnen die Liebe suchen beziehungsweise unfreiwillig über sie stolpern. Es punktet vor allem durch schräge Charaktere, doch manche Passagen waren für mich zu ereignislos. Für diese locker-leichte Geschichte, die gleichzeitig aber großen Hunger auf Süßes macht, vergebe ich knappe vier Sterne.

Buchinfos

Taschenbuch: 320Seiten
Preis: 9,99 Euro
Erscheinungsdatum: 4. September 2014
Verlag: Egmont LYX
Handlungszeit: Gegenwart
Handlungsorte: München, Hotel in der Nähe der österreichischen Grenze
Link zur Buchseite des Verlags

Sonntag, 26. Oktober 2014

[Rezension] Die Könige von Köln - Tilman Röhrig

Titel: Die Könige von Köln
Autor: Tilman Röhrig
Erscheinungsdatum: 01.09.2014
Verlag: Pendo Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Ausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Handlungsort: Köln
Handlungszeit: 1794-1804 (im Epilog)



Weitere Informationen zu interessanten Details und Bildern der damaligen Zeit: KLICK!

In seinem Buch „Die Könige von Köln“ thematisiert Tilman Röhrig ein Kapitel der Stadtgeschichte Kölns, das Ende des 18. Jahrhunderts beginnt. Passend dazu findet sich auf dem eher sehr schlicht gehaltenen Cover des Buchs im unteren Bereich eine Skizze der historischen Stadt am Rhein.  Unmittelbar darüber sieht man das Stadtwappen mit den drei Kronen, die symbolisch für die Heiligen Drei Könige stehen, die im Roman eine große Rolle spielen, und den elf Tropfen, die an die Heilige Jungfrau Ursula und ihre zehn jungfräulichen Gefährtinnen erinnern. Der auf dem vorderen Buchumschlag abgebildete Schlüssel verweist auf ein Geschehen im Oktober des Jahrs 1794 mit dem die Erzählung des Autors beginnt, als dem französischen General Championet vor dem Hahnentor die Stadtschlüssel der bis dahin freien Reichsstadt Köln übergeben wurden, um einer militärischen Übernahme durch die Revolutionsarmee zu entgehen. Als Gegenleistung zur kampflosen Übergabe erhielt die Stadt die Zusage, dass die Bürger an ihren Sitten und Gewohnheiten festhalten dürften. Dieses Versprechen war jedoch nur von vorübergehender Dauer, wie der Roman von Tilman Röhrig eindrücklich zeigt.

Einige Gelehrte Kölns sorgten sich um die Kunstschätze als sich die Truppen Napoleons der Stadt näherten. Der Priester und damalige Rektor der Universität Franz Wallraf kennt den Tagelöhner Arnold Klütsch, der über Herkuleskräfte verfügt. Er lässt nach diesem schicken, damit er hilft die in großen Kisten sehr gut verpackten Kunstgegenstände, darunter der Schrein und die Gebeine der Heiligen Drei Könige aus dem Dom, zum Rhein hin zu bringen. Diese sollen auf die andere Flussseite und bis nach Arnsberg vor dem Zugriff der Franzosen in Sicherheit gebracht werden. Der noch junge Arnold kommt dieser Aufgabe gerne nach, weil er mit seinem Verdienst seine Eltern und sechs Geschwister unterstützt. Seit langem schon ist er in Walburga, der Schneiderstochter verliebt. Doch er ist realistisch und macht sich nicht zu viel Hoffnung auf Erwiderung seiner Zuneigung, ganz im Gegensatz  zu seinem besten Freund, dem angehenden und burschikosen Advokat Norbert Fletscher, der Walburga seine Liebe offen zeigt. Wird es gelingen, die Kunstschätze zu retten und wer wird die Gunst von Walburga erobern?

Tilman Röhrig erzählt eine wechselhafte Geschichte, wechselhaft im Hinblick auf die politische Situation in Köln und dem Rheinland ebenso wie in Bezug auf das Glück seiner Protagonisten. Mit Arnold, Norbert und Walburga sowie deren Familienangehörigen schafft er starke eigenwillige Charaktere. Zunächst scheinen alle drei liebenswert, doch eine der Figuren entwickelt sich so, dass er sich schließlich meiner Sympathie entzog. Eine Übersicht am Ende des Buchs informiert darüber, ob die jeweilige Figur historisch verbürgt, erfunden oder gar beides ist. So zählt Arnold beispielsweise als Kölner Original.

Zu Beginn jeden Kapitels umreißt der Autor die jeweilige politische Lage. Dank sehr guter Recherche hat er die tatsächlichen historischen Daten in seine Erzählung eingearbeitet. Sein Schreibstil ist flüssig und leicht lesbar und dennoch von einer ganz eigenen Formf. Er lässt ein Bild der damaligen Stadt und ihrer Bewohner vor dem Auge des Lesers entstehen, das diesem die Geschichte lebendig macht. Seine Charaktere fügen sich hier nahtlos ein. Es macht Spaß dieses Buch zu lesen und ich gebe gerne eine Leseempfehlung an die Freunde historischer Romane. Ein Muss für geschichtlich interessierte Kölner!

Historischer Hintergrund zum Buch "Die Könige von Köln"



Bei historischen Romanen beeindrucken mich oft die Daten und Fakten, die der jeweilige Autor einbindet. Dabei stelle ich mir aber auch oft die Frage, wie dicht der Autor sich an die Realität hält. Und oftmals finde ich das Setting und die Zeit so spannend, dass ich einfach noch mehr darüber erfahren möchte, so dass ich regelmäßig während des Lesens im Internet unterwegs bin auf der Suche nach den Hintergründen. So möchte ich meine Funde zu den Büchern gerne mit euch teilen.

Meine (Ingrids) Rezension zum Buch findet ihr hier: KLICK!

Der Roman beinhaltet einen Teil der Stadtgeschichte Kölns. 1794 wurde der Stadtschlüssel Köln kampflos an einen französischen General übergeben, dessen Armee im Anmarsch auf die Stadt war. Näheres dazu gibt es hier: http://www.epoche-napoleon.net/geschichte/koeln1794.html und hier: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/epochen/epochen/Seiten/1794bis1815.aspx

Die Franzosen strebten durch ihre linksrheinischen Eroberungen eine cisrhenanische Republik an: http://de.wikipedia.org/wiki/Cisrhenanische_Republik

Einige Gelehrte der Stadt sorgten sich um die Kunstschätze, darunter die Reliquien aus dem Kölner Dom wie beispielsweise die Gebeine der Heiligen Drei Könige und daher suchten sie nach einer Möglichkeit diese den nahenden Franzosen zu entziehen, zurecht wie sich später zeigte. http://www.derwesten.de/staedte/arnsberg/wie-die-reliquien-der-heiligen-drei-koenige-nach-arnsberg-kamen-id8839403.html
 
Auf der folgenden Webseite gibt es eine kurze Geschichte des Schreins der Heiligen Drei Könige: http://www.koelner-dom.de/index.php?id=17458 Von dieser Seite aus kann man ein wenig durch den Kölner Dom „stöbern“

Natürlich hat auch die Stadt Köln einige Legenden zu bieten wie z.B. die um die Blutsäule an St. Gereon, die auch im Buch Erwähnung findet: http://www.koeln.de/koeln/111_orte_die_blutsaeule_an_st_gereon_entlarvt_suender_612979.html oder auch die der Jungfrau Ursula und ihrer 10 jungfräulichen Gefährtinnen, für die die 11 Tropfen im Stadtwappen stehen: http://www.heiligenlexikon.de/BiographienU/Ursula_von_Koeln.htm

Historische Personen: Der Autor Tilman Röhrig hat in einem Personenverzeichnis aufgelistet, welche handelnden Personen historisch verbürg sind und welche lediglich seiner Fantasie entsprechen. Einigen historischen Figuren hat er auch neues Leben eingehaucht. 

Im Folgenden noch ein paar Links zu historischen Figuren und ihrer realen Geschichte:

[Rezension] Der Fall Moriarty - Anthony Horowitz



Inhalt
Fünf Tage nachdem Sherlock Holmes und sein Widersacher James Moriarty an den Reichenbachfällen aufeinandertrafen und angeblich gestorben sind, trifft Frederick Chase, Chefermittler bei einer Detektivagentur in New York, in Meiringen ein. Er jagt den Kriminellen Clarence Devereux, der sich dort scheinbar mit Moriarty treffen wollte. Die ortsansässige Polizei wurde mit der Untersuchung des Vorfalls an den Reichenbachfällen betraut, verweigert ihm aber die Auskunft. Kurz nach ihm trifft jedoch Athelney Jones, Kriminalinspektor von Scotland Yard, ein. Die beiden gehen eine Kooperation ein und folgen den Spuren Devereux‘, die sie bald zurück nach London und mitten hinein in ein Netz von Lügen, Geheimnissen und Verbrechen führt.

Meinung
Der Roman ist aus der Perspektive von Frederik Chase geschrieben und beginnt recht ungewöhnlich. Der Ich-Erzähler hinterfragt zunächst die Ereignisse an den Reichenbachfällen. Was ist dort geschehen? Er analysiert Watsons Bericht der Ereignisse und kommt zu dem Schluss, dass es einige Ungereimtheiten gab. Dies berichtet er, weil seine eigene Geschichte, die Geschichte dieses Romans, nur wenige Tage später am gleichen Schauplatz beginnt.

Die erste Überraschung für mich war, dass er gar nicht Moriarty oder Holmes sucht, sondern eine dritte Person namens Devereux, die sich dort mit Moriarty treffen sollte. Schnell verbündet Chase sich mit dem Inspektor Jones. Dieser wurde mir mit seiner eifrigen und offenen Art schnell sympathisch. Nachdem er bei Ermittlungen mehrfach zu falschen Schlüssen gekommen war und die Fälle von Sherlock Holmes aufgeklärt wurden, möchte Jones nun ebenso gut werden. Mit seinen Fähigkeiten findet er bald einen Hinweis, der die beiden auf der Suche nach Clarence Devereux zurück nach London führt. Schritt für Schritt scheinen sie Devereux näher zu kommen… oder endet alles doch nur in einer Sackgasse?

Das Buch bietet eine gelungene Mischung aus klassischer Ermittlungsarbeit und ungewöhnlichen, gewagten Vorstößen. Auf der Jagd nach dem Verbrecher, dessen Gesicht niemand kennt, begeben sich die beiden bald durch ihre offensiven Methoden auch selbst in Gefahr. Werden sie Devereux finden? Und welche dritte Macht hat ihre Finger im Spiel? Ich rätselte mit und wurde doch gewaltig überrascht.

„Der Fall Moriarty“ bietet einen spannenden Fall, in dem die Ermittlungsmethoden an Sherlock Holmes erinnern. Die Ermittler Chase und Jones sind gleichzeitig aber völlig anders als Holmes und Watson, und so ist der Roman eine ganz eigenständige Geschichte, bei der ich mitfieberte. Die Richtung, die der Roman einschlägt, ist völlig anders, als ich es erwartet hatte, und hat mich überraschen und begeistern können. Fans von Sherlock Holmes, die seinen Ermittlungsstil lieben und doch nach einer ganz neuen Geschichte suchen, sollten sich dieses Buch nicht entgehen lassen!

Buchinfos

Hardcover: 341 Seiten
Preis: 19,95 Euro
Erscheinungsdatum: 28. Oktober 2014
Verlag: Insel Verlag
Handlungszeit: 1890
Handlungsort: Meiringen, London
Link zur Buchseite des Verlags

Samstag, 25. Oktober 2014

[Ingrids Neuzugänge] Querbeet


Liebe Leser,

schaut mal, welche Bücher mich diese beziehungsweise letzte Woche erreicht haben:

  • "Zerbrochener Mond" von Sally Gardner aus dem Verlag Carlsen. Es handelt sich hierbei um eine Dystopie. Die Autorin geht von der Vorstellung aus, dass der 2. Weltkrieg anders geendet hat wie tatsächlich geschehen. Was wäre, wenn ein totalitätes System die Herrschaft übernommen hätte? Mir gefiel die Inhaltsangabe so gut, dass ich das Rezensionsexemplar beim Verlag angefragt habe. Etwa die Hälfte habe ich bereits gelesen und es gefällt mir bisher sehr gut.
  • "Chili im Blut" von Motsi Mabuse aus dem Verlag Lübbe. Nachdem ich Frau Mabuse auf dem Event des Bastei Lübbe Programms "Blogg die Preview" persönlich kennengelern habe, musst ich natürlich auch ihre Biograpie haben - auf Tauschticket konnte ich das Buch ergattern.
  • "Die andere Hälfte der Hoffnung" von Mechtild Borrmann aus dem Verlag Droemer. Das Buch ist eine Mischung aus Spannung und Zeitgeschehen und mein Wunschbuch, dass mir der Verlag zum Rezensieren zur Verfügung gestellt hat.
  • "Die Stadt-Ärztin" von Ursula Niehaus ebenfalls von Knaur (Droemer). Dieses Buch habe ich als Überraschungspost vom Verlag erhalten. Es geht dabei um die fiktive Geschichte der historisch verbürgten Person Agathe Streicher, einer Ärztin im 15. Jahrhundert.
Na, kennt ihr schon eines der Bücher?

Liebe Grüße
Eure Ingrid

[Rezension] Champion - Marie Lu


Die Reihe

Band 1: Legend (Rezension)
Band 2: Prodigy (Rezension)
Band 3: Champion


Inhalt
Fast acht Monate sind vergangen, seit das geplante Attentat auf den Elektor Anden glücklicherweise verhindert werden konnte. Während June in Los Angeles gemeinsam mit zwei weiteren Anwärtern zur Princeps-Anwärterin ernannt wurde und sich der Welt der Politik stellen muss, ist Day, dem es zunehmend schlechter geht, in San Fransisco. Dann erhält er jedoch einen Anruf von June: Er soll zu einem wichtigen Treffen nach L.A. reisen. Dort erfährt er, dass in den Kolonien eine offensichtlich in der Republik entwickelte Seuche ausgebrochen ist, welche die Friedensverhandlungen auf Eis gelegt hat. Nun haben sie sich mit Afrika verbündet und drohen mit einem vernichtenden Schlag. Der Schlüssel zur Lösung des Problems liegt offensichtlich in Days Bruder Eden. Doch kann Day es zulassen, dass er erneut mit Eden experimentiert wird?

Meinung
Der Einstieg des Buches ist ruhig und ich hatte auf den ersten Seiten Zeit, mich wieder in der Welt der Protagonisten zurechtzufinden. Seit den Ereignissen von „Prodigy“ sind einige Monate vergangen, und in der Zwischenzeit hat sich einigen geändert. Der Große Test wurde abgeschafft, Friedensverhandlungen wurden aufgenommen, und Day und June haben seither nicht mehr miteinander geredet. Nun wird der Leser Zeuge des ersten Gesprächs nach dieser langen Zeit der Funkstille, und die Ereignisse kommen langsam ins Rollen.

Days Zerrissenheit in Anbetracht der Tatsache, dass Eden der einzige zu sein scheint, der die Vernichtung der Republik abwehren kann, konnte ich nachvollziehen, obwohl es mich etwas gewundert hat, dass nur eine Alles (tagelange Experimente) oder Nichts-Lösung zur Debatte stand. Vielleicht hätte eine Blutprobe ja schon einmal erste Erkenntnisse gebracht? Während Days Gedanken vor allem um seinen Bruder kreisen und darum, wie viel Zeit er selbst noch hat, müssen June und Anden sich auf dem politischen Parkett beweisen. Es wird viel diskutiert, Möglichkeiten werden abgewogen. Gut gefallen haben mir die Einblicke, die man in das Leben in der Antarktis erhielt. Das hat die Verhältnisse, die in der Republik herrschen, nochmal in ein neues Licht gerückt.

Bald läuft den Protagonisten die Zeit davon, und es wurde wieder richtig actionreich und spannend. Ich fieberte mit, ob eine Lösung gefunden werden kann. Gewagte Pläne werden geschmiedet, deren waghalsige Umsetzung mich durch die Seiten fliegen ließ. Schließlich kommt es zu einem letzten, hochspannenden Showdown. Leider empfand ich das Ende als etwas zu dramatisch und als ein kleines bisschen unlogisch. Dennoch hat die Trilogie einen Abschluss gefunden, der mich zufrieden stellen konnte.

Fazit
„Champion“ ist der finale Band der Trilogie rund um Day und June. Nach einem eher ruhigen Einstieg, in dem Möglichkeiten abgewogen und Pläne geschmiedet werden, wurde es bald actionreich, die Zeit läuft den Protagonisten davon und sie müssen um das kämpfen, was sie lieben. Marie Lu hat mit diesem Buch den spannenden Abschluss einer gelungenen Trilogie geschaffen, die im Regal von Dystopienfans nicht fehlen sollte!

Buchinfos

Taschenbuch: 368 Seiten
Preis: £ 7,99
Erscheinungsdatum: 5. November 2013
Verlag: Penguin
Handlungszeit: Zukunft im Jahr 2132
Haupthandlungsort: Los Angeles

Deutsche Buchausgabe: Legend - Berstende Sterne
Verlag: Loewe Verlag
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Donnerstag, 23. Oktober 2014

[Rezension] Die Nacht gehört dem Drachen - Alexia Casale


Inhalt
Über ihre Vergangenheit bei Fiona und ihren Eltern redet Evie nicht. Doch nun hat sie sich endlich getraut, ihren Adoptiveltern von ihren Rippenschmerzen zu erzählen. Bei der Operation wurde ihr deshalb ein Stück Rippe entnommen, das sie mit nach Hause nehmen durfte. Ihr Onkel Ben schlägt vor, aus der Rippe einen Drachen zu schnitzen, und Evie setzt das Projekt begeistert um. Als der Drache nachts erwacht und sich zu ihrem Beschützer erklärt, wird für sie vieles anders…

Meinung
Die Geschichte beginnt kurz nach der Operation, bei der Evie ein Stück Rippe entfernt wurde. Warum diese Operation nötig war, erfährt man nicht, doch man merkt schnell, dass dunkle Schatten über Evies Vergangenheit liegen. Bald kommt die Idee auf, aus dem Knochen einen Drachen zu schnitzen. Der Drache hat mir als Ausgangspunkt der Geschichte sehr gut gefallen und ich war gespannt, welche Rolle er in Evies Leben spielen wird. Ihn umgibt während der ganzen Geschichte etwas Mythisches: Ist er tatsächlich lebendig oder doch nur ein Teil von Evies Fantasie? Er begibt sich mit Evie auf nächtliche Abenteuer, mich durch ihre poetische Sprache verzaubern konnten.

Evies Familie ist absolut liebenswert, und ich habe sie schnell ins Herz geschlossen. Ihre Adoptiveltern Amy und Paul sind stets um ihr Wohlbefinden besorgt und kümmern sich liebevoll um sie. Auch zu ihrem Onkel Ben hat sie eine enge Beziehung, und er lockert die Stimmung oft auf, wenn sich vor allem Amy zu viele Sorgen macht. Doch auch in ihrer Vergangenheit ist etwas geschehen, das ihr Leben nachhaltig verändert hat. Durch Evie lernen sie allmählich, damit besser umzugehen.

Mir fiel es während des Buches schwer, Evie richtig einzuschätzen. Obwohl das Buch in der Ich-Perspektive geschrieben ist, verschließt sie sich nicht nur gegenüber ihren Eltern und Freunden, sondern auch gegenüber dem Leser. Auch wenn es auf der einen Seite vielleicht besser ist, nicht zu viele Details über die Vorfälle in ihrer Vergangenheit zu erfahren, hatte ich auf der anderen Seite das Gefühl, durch ihre Verschlossenheit keinen Zugang zu ihr zu finden.

Bald verbringt Evie ihre Zeit auch wieder in der Schule und mit ihren Freundinnen. Hier steckte viel Potenzial, was meiner Meinung nach aber nicht ganz ausgeschöpft wurde. Gut gefallen hat mir die Veränderung, die in ihrer Freundschaft zu Lynne vorgeht. Vor allem aus der Geschichte rund um Sonny hätte man aber mehr machen können.

Im Buch hat mir lange Zeit eine klare Richtung gefehlt, in die die Geschichte geht. Nur langsam lernen alle Beteiligten, was es heißt, wieder nach vorn zu blicken. Es muss viel zwischen den Zeilen gelesen werden, wodurch die Geschichte etwas Geheimnisvolles umgibt, ich aber manchmal auch das Gefühl hatte, etwas verpassen zu können. Vor allem der Drache redet in Rätseln, und sein Ziel bleibt schleierhaft. Hier kommt die Auflösung erst ganz zum Schluss. Diese war überraschend und beantwortet so manche Frage, lässt mich aber auch sehr unentschlossen zurück.

Fazit
„Die Nacht gehört dem Drachen“ ist eine Geschichte, die eher einen stillen Ton anschlägt. Die Idee des Drachens aus einem Rippenknochen hat mir sehr gut gefallen. Allerdings werden die Geheimnisse des Buches nur langsam aufgedeckt, wodurch im Mittelteil eine klare Richtung fehlte. Dennoch ist es der Autorin gelungen, für die Aufarbeitung einer dunklen Vergangenheit eine ganz besondere Atmosphäre zu erschaffen. Dafür gibt es von mir gute drei Sterne. 


Buchinfos

Hardcover mit Schutzumschlag: 320 Seiten
Preis: 14,90 Euro
Erscheinungsdatum: 25. Oktober 2013
Verlag: Carlsen Verlag
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Montag, 20. Oktober 2014

[Rezension] Adnan für Anfänger - Adnan Maral


Titel: Adnan für Anfänger - Mein Deutschland heißt Almanya
Autor: Adnan Maral
Erscheinungsdatum: 22.09.2014
Verlag: Blanvalet Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Ausgabe: Klappbroschur/Rezensionsexemplar
Handlungort: Deutschland (vorwiegend Frankfurt)/Türkei
Handlungszeit: 1968- 2014




In seinem Buch „Adnan für Anfänger – Mein Deutschland heißt Almanya“ versucht der türkische Schauspieler Adnan Maral eine Verständnisbrücke zwischen Deutschland und der Türkei zu schlagen. Der Autor ist in einem kleinen Ort in der Türkei geboren, lebt aber schon seit seiner Kindheit in Deutschland. Die Kapitel seines Buchs orientieren sich an einer Begebenheit die, fiktiv oder nicht, in einer Arztpraxis stattgefunden hat. Zwischen den auf den Arzt wartenden Patienten, zu denen  Adnan Maral gehört und den Angestellten der Praxis entwickelte sich ein reger Austausch zu unterschiedlichsten Themen. Auf diese Weise leitet der Autor jeweils Schilderungen von Erlebnissen aus seinem Leben ein, die in direktem Bezug zum Miteinander von Deutschen und Türken stehen. 

Selbstkritisch und heiter schaut er auf die Eigenschaften der jeweiligen Nation und erzählt ganz nebenbei auch Sachliches. So habe ich noch einiges hinzulernen können. Neben Wissen und Witz scheut der Autor sich schließlich nicht, den Leser an einem besonders traurigen Ereignis seines Lesens teilhaben zu lassen. 

Herr Maral betont, dass er natürlich Erfahrungen nur aus seiner persönlichen Sicht schildern kann. Jedoch konnte ich beim Lesen manche Parallele zum Leben von ausländischen Mitbürgern in meiner Umgebung finden.  Überrascht hat mich, dass Adnan Maral sich auch an der Seite unseres Außenministers in einer Delegation des Auswärtigen Amtes für die Kunst als Vermittler im Austausch der beiden Länder einsetzt. Wer eine kritische Auseinandersetzung zum Thema Integration erwartet wird bei diesem Buch nicht fündig, wer aber humorvoll mit ernsten Tönen im Plauderton unterhalten werden möchte ist mit diesem Buch bestens bedient.

Interesse an einer zweiten Meinung? 
Hannas Rezension zum gleichen Buch findet ihr hier: KLICK!

Sonntag, 19. Oktober 2014

[Rezension] Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe - A. J. Betts


Inhalt
Zac ist an Leukämie erkrankt und hat gerade eine Knochenmarktransplantation bekommen. Deshalb muss er wochenlang in einem Krankenhauszimmer ausharren, dass er nicht verlassen darf. Doch einige Tage nach der Transplantation zieht ein gleichaltriges Mädchen ins Nebenzimmer. Durch Klopfen und Pochen nehmen sie erstmals Kontakt zueinander auf. Das ist der Beginn einer ungewöhnlichen Geschichte über Freundschaft und Liebe…

Meinung
Zu Beginn des Buches lernte ich Zac kennen, der sich die Zeit in seinem Krankenhauszimmer vertreiben muss. Man merkt schnell, dass er ein Kämpfer ist, der die Hoffnung auf Heilung nicht aufgegeben hat, obwohl er schon einen Rückfall erlitten hat. Doch ihm fällt die Decke auf den Kopf, da er sein Zimmer nicht verlassen darf. Zac, der seine Situation aus der Ich-Perspektive schildert, beschönigt nichts, durch seinen Humor und Sarkasmus wird die bedrückende Stimmung aber immer wieder aufgelockert.

Die neue Zimmernachbarin interessiert Zac zuerst nur mäßig, da er sein Zimmer ja sowieso nicht verlassen kann. Doch Mia ist laut: Ihre Musik und die Streitigkeiten mit ihrer Mutter dringen durch die dünne Wand bis zu Zac. Und so nehmen die beiden bald Kontakt zueinander auf – durch Klopfen, durch Zettelchen, durch soziale Netzwerke. Schnell stellte ich fest, dass die beiden höchst unterschiedlich sind: Der kahlköpfige Zac, der um Genesung kämpft und die hübsche und rebellische Mia, die ihren Freunden den Krebs verschweigt.

Bald gibt es einen größeren Zeitsprung, nach dem auch Mia zu Wort kommt. Schnell spürte ich, dass die Situation sich verändert hat. Durch einen Zufall treffen Mia und Zac das erste Mal aufeinander und beginnen, sich kennen zu lernen. Dabei steht die Liebe gar nicht so sehr im Vordergrund. Die beiden helfen sich vielmehr gegenseitig, ihre Situation anzunehmen, sich selbst wieder mögen zu lernen und die Hoffnung nicht aufzugeben. Trotz ihrer Verschiedenheit ist ausgerechnet Zac derjenige, der Mia das geben kann, was sie am meisten braucht, und umgekehrt.

Die Geschichte zeigt, dass Freude, Hoffnung, Verzweiflung und Trauer oft ganz nah beieinander liegen. Die Situation von Zac und Mia hat mich berührt und betrübt, doch nie war das Buch so niederschmetternd, dass alle Hoffnung verloren schien. Gelegentlich konnte ich das Gefühlleben der beiden aber nicht gänzlich nachvollziehen. Zwischen Zac und Mia entsteht bald ein vorsichtig geknüpftes Band, das stets zerbrechlich wirkt, und ich wünschte den beiden, dass sie erkennen, was der andere für sie wirklich bedeutet. Mehr möchte ich auch gar nicht verraten, denn man sollte sich auf die Geschichte von Zac und Mia am besten ohne zu großes Vorwissen einlassen.

„Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ überraschte mich mit zwei außergewöhnlichen Protagonisten, die ganz unterschiedlich mit der Diagnose Krebs umgehen und eher widerstrebend erkennen, wie sehr sie sich gegenseitig helfen können. Die Geschichte ist bedrückend und schön zugleich, denn die Hoffnung geht nie ganz verloren. Ich vergebe daher sehr gute vier Sterne an die Geschichte von Zac und Mia.

Buchinfos

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Preis: 14,99 Euro
Erscheinungsdatum: 25. September 2014
Verlag: Fischer KJB
Handlungszeit: Gegenwart
Handlungsort: Westaustralien
Link zur Buchseite des Verlags

Samstag, 18. Oktober 2014

[Rezension] Der Circle - Dave Eggers



Inhalt
Mae ist vierundzwanzig und hat seit ihrem Studium in einem mittelmäßigen Job bei den Strom- und Gaswerken ihres Heimatortes gearbeitet. Jetzt, nach achtzehn Monaten, wird endlich ihr Traum wahr: Ihre Studienfreundin Annie hat ihr einen Job beim Circle beschafft, dem wohl modernsten und einflussreichsten Technologiekonzern Amerikas. Von ihrem Einsatzort in der Customer Experience lernt sie die Unternehmensphilosophie kennen und erlebt den Start weltverändernder Innovationen hautnah mit. War sie anfangs noch skeptisch, wird sie allmählich ein Teil des Circle. Aber wohin wird die Vision des Unternehmens die Welt führen?

Meinung
Der Leser lernt Mae an ihrem ersten Arbeitstag beim Circle kennen. Sie ist begeistert, geradezu überwältigt von der Gelegenheit, für das Unternehmen arbeiten zu dürfen. Eine erste Führung des Campus zeigt ihr, dass das Unternehmen seinen Mitarbeitern alles bieten möchte: Die neueste Technik, Sportplätze, Partys, Livemusik, die besten Köche in der Kantine, Wohnheimszimmer, wenn es zu spät wird, um nach Hause zu fahren. Auf den ersten Blick wirkte dieses Unternehmen auch auf mich wie der Traum eines jeden Arbeitnehmers.

Nach den ersten überwältigenden Tagen voller neuer Eindrücke beginnt für Mae ihr Einsatz in der Customer Experience. Hautnah verfolgte ich, wie sie ihre Hauptaufgabe kennenlernt, die Beantwortung von Kundenanfragen. Doch damit ist es nicht getan. Bald wird ein weiterer Bildschirm aufgestellt, auf dem sie mit ihrem Vorgesetzten kommuniziert. Einer, mit dem sie im sozialen Netzwerk des Circle agieren kann, denn Partizipation ist alles. Einer, der den Rang ihrer sozialen Aktivität anzeigt, ein Armband für Vitalfunktionen und Schritte misst, ein Kopfhörer, mit dem sie Fragen beantwortet… immer mehr Technologie kommt hinzu, die immer mehr Möglichkeiten der Kommunikation, aber auch der Überwachung bietet. Hat Mae anfangs noch den Campus um fünf Uhr verlassen und sich aus dem sozialen Netzwerk ausgeklinkt, wird sie bald eindringlich gebeten, den Circle an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Immer stärker wird sie ein Teil der Gemeinschaft, will dazugehören, und muss schließlich entscheiden, was ihr im Leben wichtig ist.

Besonders fasziniert hat mich, wie schleichend die Entwicklung vor sich geht. Wo ist die Grenze, an der man zugeben sollte, dass es zu viel wird? Mit wie viel Transparenz und Überwachung kann man selbst leben? Der Autor nahm mich mit in eine Welt, die sich gar nicht so sehr von unserer heutigen unterscheidet. Die technischen Innovationen, die beschrieben werden, gibt es zum Teil schon oder es ist nicht unwahrscheinlich, dass sie bald möglich sind. Doch sollte man sie wirklich in dem Ausmaß einsetzen, wie der Circle es tut? Könnte es passieren, dass ein Unternehmen in unserer Zukunft tatsächlich eine solche Macht entwickelt, und wie viel Macht haben Technologiekonzerne heute schon? Wie viel in diesem Buch wird in zehn, zwanzig, dreißig Jahren Realität sein?

Die eindringliche, nüchterne Sprache des Buches hat mich immer tiefer in die Geschichte hineingezogen. Nur wenige Bücher haben es bislang geschafft, mich so sehr zum Nachdenken zu bringen wie dieses. Obwohl ich es nun seit ein paar Tagen ausgelesen habe, beschäftigt es mich noch immer sehr. Dave Eggers zeigt zahlreiche Möglichkeiten auf, wie eine flächendeckende Überwachung realisiert werden kann, wie das Wissen und die Erfahrungen eines jeden der ganzen Welt zugänglich gemacht werden können. Gleichzeitig präsentiert er Charaktere, die von dem, was sie tun und wofür sie stehen, vollkommen überzeugt sind. Oder kommt bei dem einen oder anderen nicht doch ein leiser Zweifel auf…? Gerade die Tatsache, dass die Ideen nicht von Grund auf schlecht sind, sondern man es damit zu weit treiben kann, macht es schwer, die Grenze zwischen Richtig und Falsch zu finden.

Erwartet keine actionreiche Geschichte, keine großen Emotionen. Hier wartet eine kühle Welt der Technologie auf euch, die auf völlige Transparenz ohne Geheimnisse und auf maximale sozial Vernetzung zusteuert. Kann und will man so etwas? Findet am besten selbst heraus, wo eure Schmerzgrenze der Überwachung liegt – lest dieses Buch, von mir gibt es dafür eine ganz klare Leseempfehlung.

Ingrids Rezension zum Buch:  KLICK!

Buchinfos

Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Preis: 22,99 Euro
Erscheinungsdatum: 14. August 2014
Verlag: Kiepenheue & Witsch
Handlungszeit: in nicht allzu ferner Zukunft
Handlungsort: Kalifornien, USA
Link zur Buchseite des Verlags

Dienstag, 14. Oktober 2014

[Rezension] Lieblingsdesserts - Janneke Philippi

Titel: Lieblingsdesserts
Autorin: Janneke Philippi
Übersetzerin: Barbara Buchwalter
Erscheinungsdatum: 01.10.2014
Verlag: Matthaeus Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Ausgabe: Hardcover im Großformat (32,8 cm x 23,2 cm)
Handlungsort: Küche
Handlungszeit: immer wieder gerne


Bereits das Cover des Kochbuchs „Lieblingsdesserts“ von Janneke Philippi macht Appetit. Die eher schlichte Präsentation des zubereiteten Rezepts vor dunklem Hintergrund lenkt den Blick auf das Wesentliche. Die Nachspeisen, die sich in diesem Buch versammeln können sich sehen lassen, was auch durch die Größe des Buchs beeindruckend unterstützt wird. Auf den ersten Seiten findet sich ein Inhaltsverzeichnis mit einer sinnvollen Einteilung. Hierbei erhält man direkt den Verweis auf auch eher ungewöhnliche Bestandteile beziehungsweise Zubereitungsweisen der aufgeführten Rezepte mit beispielsweise altbackenem Brot und Kräutern oder Grillen.

Schlägt man die entsprechende Seite des Kapitels auf, erhält man informativ in einem hell unterlegten Kasten die aufgeführten Rezepte aufgelistet. Begleitet wird das doppelseitige Bild mit der Ansicht des fertig zubereiteten ersten Rezepts, das sich dann auf der Rückseite oder zwei Seiten weiter befindet. Überhaupt gibt es kein großes Suchen in diesem Buch, denn Foto und Arbeitsanleitung folgen unmittelbar aufeinander, allenfalls getrennt durch zwei Seiten. Neben den Arbeitsanweisungen sind links die Zutaten gelistet, über denen in Fettdruck steht für wie viele Personen das Dessert gedacht ist. So kann durch einfaches Umrechnen eine Anpassung an die gewünschte zu bewirtende Anzahl Mitessender erreicht werden. Unterhalb der Anleitung steht kurz in einem Absatz die geschätzte Zeit für die Zubereitung. Leider fehlt dort, wo ein Backofen benötigt wird, die Angabe ob die Temperatureinstellung Umluft- oder Ober-/Unterhitze gilt. 

Auf vielen Seiten beeindrucken nicht nur die Fotos, sondern auch viele Tipps ganz unterschiedlicher Art. Dabei kann es sich um Hinweise zum Produkt handeln, ich habe aber auch weitere Zubereitungsarten oder Kombinationen mit anderen Lebensmitteln gefunden. Auf mancher Seite finden sich zudem noch mehr kurze Rezepte, Dekoideen, Tipps zu Aufbewahrung und zu Variationen in Kästchen mit durchbrochener Strichelung als Umrahmung. Ganz am Ende des Buch verrät die Autorin dem Leser ihre ganz persönlichen Top 10 der Lieblingsdesserts.

Nachdem ich einige Rezepte ausprobiert habe, kann ich behaupten, dass das zubereitete fertige Dessert tatsächlich so aussieht wie es auf den Fotos gezeigt wird. Einen kleinen Nachteil haben die Rezepte dennoch: sie enthalten keine Nährwertangaben. Vielleicht ist es aber auch besser, dass man nicht weiß, wie viele Kalorien da so einige Gerichte enthalten, denn mit diesen Angaben im Kopf könnte der Genuss der Speisen eingeschränkt werden ;-)

Im Folgenden möchte ich euch nun einige Desserts aus dem Buch näher vorstellen:

1) Himbeer-Tiramisu mit weißer Schokolade

Dieses Dessert musste einfach als erstes her, weil ich so gerne Himbeeren mag :-) Das Rezept versprach eine Zubereitung von weniger als 20 Minuten - et voilá, es stimmte!

Die verwendeten Zutaten


Mascarponecreme, Espressomischung zum Tränken
und Himbeeren - los geht der Aufbau!

FERTIG! Ich finde, es sieht aus, wie auf dem Buch
 ABER: aufgegessen war das Tiramisu in Windeseile !!!

 
2) Französischer Schokoladenkuchen

Schokoladenkuchen ist eigentlich immer gut, oder? Dieser wird ganz ohne Mehlt gebacken, nur Schokolade, Zucker, Eier, Butter und eine Prise Salz = kaum Kalorien (wer's glauben will) ;-)

Die benötigten Zutaten (ohne die Prise Salz)
Schokoladenbutter mit Eier-Zucker-Mischung












Fertig! So herrlich fluffig von innen und ratzfatz aufgegessen


3) Estragon-Sahnepudding

Besonders gespannt war ich auf die Rezepte bei denen Kräuter verwendet wurden. Ich habe mir den folgenden Pudding zum Ausprobieren ausgesucht, weil ausreichend Estragon in unserem Garten wächst. 

Die benötigten Zutaten

Der Estragon zieht in der Sahne durch und
wird anschließend abgeseit



Diesmal nicht wie auf dem Buchfoto, sondern mit leckeren Himbeeren
garniert
Superlecker! Auch dieser Nachtisch war schneller aufgegessen als zubereitet!

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig Appetit machen. Bei uns wird es auch zukünftig immer wieder Desserts aus dem Buch "Lieblingsdesserts" von Janneke Philippi, übrigens eine Niederländerin, geben.