Freitag, 31. August 2012

Rezension zu Norbert Klugmann - Weiberkranckheiten

Ein Dankesschön für dieses Rezensionsexemplar an den Sutton Verlag!

Titel: Weiberkranckheiten
Autor: Norbert Klugmann
Erscheinungsdatum: 01.08.2012
Buchausgabe: Taschenbuch
Verlag: Sutton Verlag
ISBN: 9783954000913
Preis: 12,00 Euro


Der historische Roman „Doctor Boff - Weiberkranckheiten“ von Norbert Klugmann ist im Sutton Verlag als Taschenbuch erschienen und umfasst 282 Seiten mit 52 Kapiteln. Die Erzählung spielt im Jahr 1732 in Halle an der Saale. Dementsprechend zeigt das Cover eine Darstellung der Untersuchung einer Frau zu eben jener Zeit. Im Hintergrund befindet sich die stilisierte Kulisse des Marktplatzes von Halle mit Kirche und Rotem Turm.
Der Stadtphysicus Tänzer betreibt eine gutgehende Praxis am Marktplatz in Halle. Er ist Spezialist für Frauenkrankheiten. Eines Tages wird er angegriffen von einem Mann, der ihm die Fehlbehandlung seiner Frau vorwirft. Tänzer fällt aufgrund der Verletzungen ins Koma. Die Stadt sucht nun dringend nach Ersatz für den Physicus. Ihre Wahl fällt auf den weitgereisten und zurzeit in Halle anwesenden Doctor Boff. Er soll vorübergehend die Praxis und die Aufgaben des Stadtphysicus übernehmen. Nach einigen Einwendungen willigt er ein. Dabei beschäftigt er die langjährige Praxishilfe seines Vorgängers Stine weiter, die für den guten Organisationsablauf der Praxis zuständig ist. Zusätzlich engagiert er die ihm bekannte Hebamme Hermine, die ihm während der Untersuchungen als seine rechte Hand dient, da zu dieser Zeit natürlich kein Mann eine Frau abtasten durfte schon gar nicht unter der Kleidung. Einige Frauen schicken auch ihre Männer, die dann Berichten und aufgrund deren Schilderung dann die Behandlung festgesetzt wird. Doctor Boff findet aufgrund seiner Behandlungsmethoden schnell das Vertrauen der Frauen auch höheren Standes, die nach ihm schicken lassen. Als Stadtphysicus gehört es zu seinen Aufgaben sich auch um die in der Stadt weilenden Zahnreißer und Heiler zu kümmern. Er akzeptiert diese und ihre Behandlungsmethoden und gerät dadurch in Gegensatz zur allgemeinen Meinung der Doktoren und Stadtmitarbeiter. So beginnt ein Intrigenspiel gegen ihn. Turbulent wird es, als Tänzer aus der Bewusstlosigkeit erwacht.
Der Roman ist in einem ganz eigenen Stil geschrieben mit stellenweise feinem, hintergründigem Witz. Die Geschichte liest sich flüssig. Etwas verwirrt hat mich, dass es einige Handlungssprünge gibt, bei denen zunächst eine Veränderung beschrieben wird und erst später der Handlungshergang.  Der Autor beschreibt treffend wie Boff sich den Erwartungen der Stadt entzieht und seine ganz eigene Art einzubringen vermag. Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, jedoch sieht sich Boff mit seiner Einstellung nicht nur den Mitarbeitern der Stadt sondern letztlich auch der gesamten Ärzteschaft von Halle gegenüber. Norbert Klugmann schafft mit Doctor Boff einen starken Charakter, dessen Vergangenheit zwar nicht vollständig zur Neugier des Lesers aufgedeckt wird, der jedoch Sympathien aufgrund seiner Haltung für sich zu gewinnen weiß.  Auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft Anfang des 18. Jahrhunderts in der ihr der Zugang zur Universität und so auch beispielsweise einer Tätigkeit als Ärztin verschlossen bleibt bringt der Autor anhand der Schilderung starker Frauencharaktere in die Geschehnisse mit ein. Da ist z.B. die Frau des Rektors, die aufgrund dieser Eigenschaft Vorlesungen besucht oder Hermine, die wie alle Hebammen dieser Zeit unabhängig praktizieren darf. Mir hat der Roman gut gefallen und ich empfehle ihn allen Lesern des Genres uneingeschränkt weiter.

Monatsrückblick - August 2012

Hallo!

Im letzten Monat habe ich unglaublich viel gelesen, da ich seit dem 6. August Semesterferien habe. Ich möchte für euch daher kurz zusammenfassen, was meine persönlichen Lesehighlights des Monats August waren und welche Bücher mich eher enttäuscht haben.

Mittwoch, 29. August 2012

Rezension zu Tom Epperson - Hyänen

Catch them if you can!


Inhalt


Nachdem Gina ihren Mann, einen rücksichtslosen Mafioso, ins Gefängnis gebracht hat, wird sie ins Zeugenschutzprogramm der USA aufgenommen. Doch die Familie ihres Mannes ist ihr auf den Fersen, und der Schutz des Programms erweist sich als unzuverlässig. Gemeinsam mit ihrem Sohn Luke muss sie fliehen, reist von einem Ort zum nächsten in der Hoffnung, möglichst unerkannt zu bleiben. Dabei ahnt sie nicht, dass ein Peilsender an ihrem Wagen befestigt ist. Sechs Profikiller sind ihr dicht auf ihren Fersen, jeder mit dem Ziel, sie zu töten. Der rätselhafte Grey, den sie zufällig in Los Angeles kennen lernt, scheint ihre einzige Hoffnung zu sein…

Sonntag, 26. August 2012

Rezension zu Petra Schier - Das Haus in der Löwengasse

Spannende und gefühlvolle Einblicke in das Leben einer Gouvernante


~ Inhalt ~



Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wächst Pauline im Haushalt ihres Onkels auf, der ihr als Arzt eine umfassende Bildung zukommen lässt. Als dieser überraschend verstirbt und ein Cousain sein Vermögen erbt, ist Pauline auf sich gestellt. In Bonn findet sie eine Anstellung als Gouvernante, wird jedoch gegen ihren Willen zur Geliebten des Hausherrn und verliert nach der Entdeckung durch seine Frau ihre Anstellung. Ohne Arbeitszeugnis und der Stadt verwiesen findet sie in Köln zunächst nur eine Anstellung als Magd. Bald jedoch wird der Textilfabrikant Julius Reuther auf sie aufmerksam. Er stellt sie erneut als Gouvernante für seine Kinder ein, jedoch nicht ganz ohne Hintergedanken…


~ Meinung ~



Das Cover ist recht schlicht gehalten und passt sehr gut zur Geschichte. Entsprechend dem Titel zeigt es den Eingang zu einem Haus, das durch die Ausstattung mit einem Eingangstor und der auf einer Säule stehenden Figur ein Haus der Oberschicht des 19. Jahrhunderts gut repräsentiert. Vom Haus selbst sieht man nicht viel, durch den Bildrand abgeschnitten und vom Tor verborgen macht es einen geheimnisvollen Eindruck. Was Pauline hier wohl erleben wird?

Der Einstieg in die Geschichte hat mir gut gefallen. Für den Leser beginnt die Handlung mit Paulines Eintreffen in Köln, was davor geschah erfährt er recht schnell in Form kurzer Rückblenden. Man befindet sich daher von Anfang an mitten in der Geschichte, welche dementsprechend schnell an Tempo gewinnt und Pauline als Magd in den Haushalt Marius Steins, eines Kolonialwarenhändlers, führt. Nach nur zehn Seiten beginnt Paulines erster Tag als Magd und die Erzählung geht richtig los.

Als Magd unter der Aufsicht Ariane Steins tut sich Pauline zu Beginn schwer. Schnell erfährt der Leser, dass es zwischen der Anstellung einer Gouvernante und einer Magd sehr große Unterschiede gibt, nicht nur was die Aufgaben, sondern auch was die Behandlung angeht. So muss sie in einem Hängeboden über dem Hausflur schlafen, hat nur jeden zweiten Sonntag einen Nachmittag frei und muss in der restlichen Zeit sämtliche anfallenden Arbeiten erledigen. Während der Leser viele interessante Einblicke in das Leben einer Magd im 19. Jahrhundert erhält, mausert sich Pauline bald zur vorbildlichen Angestellten, da ihre Angst vor einem erneuten Verlust ihrer Anstellung groß ist. Wohl fühlt sie sich bei den Steins jedoch nicht, und ihre Bildung bleibt weitestgehend ungenutzt.

Durch einen Zufall lernt sie schließlich den verwitweten Julius Reuther kennen, der ihr Talent erkennt und sie erneut als Gouvernante anstellt. In seinem Haushalt kann Pauline endlich von ihrer Bildung profitieren. Wem Pauline bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ans Herz gewachsen ist, den wird sie spätestens mit ihren Versuchen, Ordnung ins Hause Reuther zu bringen, ein Schmunzeln entlocken. Ihre Erziehungsanstrengungen gegenüber Ricarda und Peter, den Kindern des Hauses, sind interessant zu verfolgen. Auch Julius Reuther, der sich zunächst unnahbar gibt, zeigt bald, dass sich unter seiner harten Schale ein weicher Kern verbirgt, sodass Paulines Sympathie ihm gegenüber ebenso allmählich wächst wie die der Leser. Gefühlvoll beschreibt Petra Schier die vorsichtige Annäherung beider, die jedoch keine Zukunft zu haben scheint. Oder etwa doch?

~ Fazit ~



„Das Haus in der Löwengasse“ konnte mich voll überzeugen. Spannend und gefühlvoll beschreibt Petra Schier die Ereignisse in der Löwengasse, die sich im Verlaufe des Buches zuspitzten und mich schließlich um Paulines und Julius‘ Schicksal haben bangen lassen. Durch humorvolle Szenen und Einblicke in das Leben der Oberschicht im 19. Jahrhundert wird die Handlung abgerundet. Ich gebe daher eine klare Kaufempfehlung!



Die Rezension von Girdie zum gleichen Buch findet ihr hier: "Das Haus in der Löwengasse" aus Girdies Sicht 

Weitere Informationen zum Buch

Vielen Dank an rororo für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: rororo
ISBN-10: 349925901X
ISBN-13: 978-3499259012




Tauschticket - Vorstellung & Tipps

 
Hallo,

seit 2008 bin ich als "Honey111" Mitglied der Tauschplattform Tauschticket. Im Rahmen der Tauschticket Blogaktion 2012 möchte ich euch die Seite näher bringen und einige Tipps für erfolgreiches Tauschen geben.

Wie funktioniert Tauschticket?

Du hast ein Buch gelesen und bist bereit, dich von diesem zu trennen? Dann kannst du es auf Tauschticket einstellen. ISBN eingeben, Zustand beschreiben, Ticketanzahl auswählen, fertig. Wenn jemand sich für das Buch interessiert, kann er es anfordern und du erhälst die geforderte Ticketanzahl (1-5 sind möglich). Wenn du den Tausch bestätigst, wird dir die Adresse des Tauschpartners angezeigt und du schickst ihm das Buch schnellstmöglich zu. Wenn er es erhalten hat, gibt er dir eine Rückmeldung in Form einer Bewertung.
Mit den erhaltenen Tickets kannst du nun selbst Bücher anfordern. Pro Anforderung wird eine Gebühr von 0,49 € erhoben, dafür musst du nun die Kosten der Zusendung nicht tragen.

Das tolle am System: Ein aktuelles Hardcover in gutem Zustand wirst du vielleicht für 4 Tickets los, dafür findest du dann zum Beispiel zwei neuwertige Taschenbücher für je 2 Tickets. Man muss also keinen Tauschpartner suchen, der ein gleichwertiges Buch bestitzt und zum Tausch bereit ist.

Meine Tipps

1. Lege dir Suchaufträge an! Über Mail wirst du sofort informiert, wenn das Buch, das du suchst, eingestellt wurde.

2. Für diejenigen, die etwas Zeit mitbringen: Regelmäßig die Seite aktualisieren und die neuesten Angebote auf deine Wünsche prüfen. So habe ich schon viele gut erhaltene Bücher gefunden, die gerade sehr beliebt waren, denn hier ist auch mal Schnelligkeit gefragt!

3. Bücher, die du eintauschen möchtest, würde ich mit Originalfoto einstellen. So sieht der Tauschpartner direkt, was ihn wirklich erwartet. Das erhöht meiner Meinung nach das Vertrauen in den reibungslosen Tauschverlauf.

4. Wenn dein Buch angefordert wurde, informiere doch kurz den Tauschpartner, wenn du es losgeschickt hast. Packe es außerdem gut ein, denn nichts ist ärgerlicher, als durch dem Postweg angestubste Bücher!


Ich hoffe, ich konnte euer Interesse an Tauschticket wecken oder euch neue, nützliche Tipps geben! Die Plattform lohnt sich wirklich, ich habe zum Beispiel in letzter Zeit erstanden:

"Schattenspieler" von Michael Römling
"Blutsommer" von Rainer Löffler
"Der Knochenbrecher" von Chris Carter
... alle nur 1x gelesen und in einem super Zustand!

Viele Grüße!
Nabura


Samstag, 25. August 2012

Rezension zu Julie Otsuka - Wovon wir träumten

Ein kleines Meisterwerk in leisen Tönen


Inhalt



Das Buch beschreibt die Geschichte einer Gruppe Japanerinnen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dem Schiff nach Amerika übersetzen, um dort ihnen über eine Heiratsvermittlung angepriesene Japaner zu heiraten. Statt wohlhabenden, attraktiven Männern erwartet die meisten jedoch harte Feldarbeit oder der Status eines Dienstmädchens. Jede Japanerin versucht auf ihre Weise, sich an das neue Land und die neuen Lebensumstände zu gewöhnen. Nach dem Angriff auf Pearl Harbour und der folgenden Internierung sind sie jedoch gezwungen, alles erneut aufzugeben.

Rezension zu Bettina Szrama - Die Hure und der Meisterdieb

Dieses Buch habe ich von der Autorin Bettina Szrama als Rezensionsexemplar geschenkt bekommen. Danke schön für das signierte Exemplar! Es hat mir viel Spaß gemacht, das Buch lesen und rezensieren zu dürfen :-)

Titel: Die Hure und der Meisterdieb
Autorin: Bettina Szrama
Erscheinungsdatum: 08.08.2011
Buchausgabe: Taschenbuch
Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 9783839212141
Preis: 12,90 Euro


Der historische Roman „Die Hure und der Meisterdieb“ von Bettina Szrama ist im Gmeiner-Verlag erschienen und umfasst 371 Seiten mit 11 Kapiteln, einem Nachwort der Autorin, Lektüreempfehlungen und einer Liste der wichtigsten handelnden Personen und deren Funktionen. Das Cover zeigt eine Frau mit freudigem Lachen angesichts des zu erwartenden Geldes, das der „Heiratsvermittler“ für sie im Beutel bereit hält, der leider vom Titelaufdruck überdeckt wird. Durchaus treffend wird hier die Verführbarkeit einer Frau in der frühen Neuzeit durch Gold und Edelsteine gezeigt. Diese Frau steht als Synonym für die Titelheldin des Romans Anna, die ursprünglich sich als Hure verdingende bildhübsche Gattin des begüterten Hamburger Weinhändlers von Sien.
Der Roman beginnt im Jahr 1695. Anna ist ihrem Ehemann weggelaufen und hat sich einer Truppe wandernden Komödianten angeschlossen. Doch ihr Mann findet sie in Leipzig und fordert von ihrem neuen Liebhaber Satisfaktion. Sie entzieht sich den beiden durch ihre Flucht. Etwa zur gleichen Zeit blickt Nickel List in sicherer Entfernung  auf seine brennende Schankwirtschaft, die er selbst angezündet hat um sich an seiner 2. Frau zu rächen, die mit ihrem Geliebten im Ehebett ruht. Nickel macht sich auf den Weg zu seiner vorherigen Wirkungsstätte Beutha, wo er ebenfalls eine Gaststube betrieben hat. Auf diesem Weg begegnet er Anna, die sich jedoch maskiert zunächst als junger Mann Hannes ausgibt und als Knecht in seinen Dienst tritt. In Beutha erwartet die beiden in der Schänke ein alter Bekannter von List, der sich, als Rosshändler getarnt, den Weg in die Wohnung  begüterter Bürger sucht um diese zu bestehlen. Dem Bekannten gelingt es, Nickel dazu zu überreden, sein Partner zu werden. Damit beginnt die zweifelhafte Karriere des Nickel List als Meisterdieb. Er setzt sein Können in der Schlüsselherstellung dazu ein, Nachschlüssel aufgrund von Wachsabdrücken zu fertigen. Damit macht er sich zum Anführer einer Bande von Dieben und wird aufgrund seines steigenden Bekanntheitsgrads von weiteren dubiosen Gaunern in anderen deutschen Kleinstaaten kontaktiert um mit ihnen zusammenzuarbeiten. Anna scheint er in Liebe ergeben und er ist bereit sich an jedem, ihm angebotenen Beutezug zu beteiligen, um sein eigenes und ihr kostspieliges Leben zu finanzieren. Als Deckung gibt er sich mit fortschreitender Zeit als feiner Herr von der Mosel aus. Stets hat er mit Verrat, Neid und Missgunst zu rechnen bis er schließlich nicht mehr weiß, wem er noch vertrauen kann. Er sehnt sich nach einem ruhigen, ehrlichen Leben in dem er seinen Studien nachgehen kann, aber selbstverständlich ohne Mangel zu leiden. Daher sieht er den Raubzug um die Goldene Tafel der Michaeliskirche in Lüneburg als Höhepunkt und Ende seiner Diebeslaufbahn. Doch ihm und seinen Helfern und Helfershelfern sind die Gesetzesvertreter längst auf den Fersen.
Die von Bettina Szrama erzählte Geschichte beruht zum größten Teil auf historischen Begebenheiten wie auch der Text auf der Buchrückseite den Leser informiert. Ohne aufgesetzte historische Sprache liest sich der Roman sehr flüssig. Die Örtlichkeiten wurden von der Autorin mit den heutigen Bezeichnungen versehen, so dass der Leser die verschiedensten Reisen der Personen leicht nachvollziehen kann. Stets weiß sie, manchmal in kleinen Nebensätzen, darüber zu informieren, wo man sich gerade befindet. Bei den ständigen Bewegungen unterschiedlichen, umherziehenden Räuberbanden ist dies unerlässlich. Ein wichtiges Augenmerk setzt die Autorin auf die Beschreibung ihrer Charaktere, in dem sie deren Beweggründe für einen  liederlichen Lebenswandel detailliert darstellt. Sie versucht zu erklären, warum Nickel in Anna verliebt war.
Die Schere zwischen Arm und Reich stellt die Erlaubnis für die Räuber dar, sich vom Reichtum zur Beseitigung ihrer Bedürftigkeit zu bedienen. Für Nickel List, von dem sich übrigens ein kleines Foto auf dem Vorsatzblatt befindet, ist die zunehmende Größe seiner Bande ein Versorgungsproblem. Oftmals bleibt ihm kaum ein Gewinn an einem Raubzug wenn die Hehler ihm nur einen Bruchteil des Werts der Ware bieten. Ein großer Teil der Beute wird für die Reisen, die Aufenthalte in Schänken und ständigen Saufgelage verbraucht. Der Leser weiß nicht recht, ob er Anna sympathisch finden soll, weil sie berechnend ihre Gunst demjenigen schenkt, der ihr an Gold und Geschmeide am meisten zu bieten hat. Nickel dagegen ist der Intellektuelle, der aufgrund seiner geringen Herkunft kein Studium aufnehmen konnte, als Soldat nicht seine Berufung gefunden hat und von seiner zweiten Frau betrogen wurde. Er ist dein Gentleman-Dieb, stets bemüht auf seinen Raubzügen weder zu morden noch zu verletzen und immer besorgt um seine Vertrauten. Leider hat er in einem Handgemenge zwei Menschen erschossen. Er selbst würde gerne  seinen Gewinn im Stillen mehren, aber dazu ist nicht genug für ihn übrig. Bettina Szrama weiß den Leser auf seine Seite zu ziehen. Durch die historische Authentizität ist das Ende jedoch unabänderlich.
Entlang der Historie entfaltet sich ein Roman, der trotz einer frühen Verfolgung durch die Gesetzeshüter nicht mit erstaunlichen Wendungen im Geschehen geizt, wodurch die Diebe sich der Strafbarkeit lange entziehen können. „Die Hure und der Meisterdieb“ ist ein sehr gut recherchierter Roman, der aufgrund der geschichtlichen Grundlage eine kleine Länge im Mittelteil aufweist, aber dennoch sehr unterhaltend ist. Ich kann das Buch allen Fans des Genres empfehlen, vor allem solchen die Freude am verbürgten Leben historischer Personen haben.

Freitag, 24. August 2012

Rezension zu Rainer Maria Wacke - Des Teufels Drucker

Druckkunst und Hexenjagd im Mittelalter


Inhalt


Ewald wird als Junge ins Kloster Eberbach im Rheingau aufgenommen. Dort lernt er die Kunst des Schreibens und Verzierens von Büchern. Als er jedoch eine Freundin aus Kindertagen wiedertrifft und ein Verhältnis mit ihr beginnt, wird er entdeckt und muss das Kloster verlassen. Ewald begibt sich nach Mainz. Dort lernt er die Kunst des Druckens und kann mit seinem Talent überzeugen. Eines Tages erhält die Druckerei vom Inquisitor Henricus die Aufgabe, sein Buch zur Hexenbekämpfung zu Drucken, das „Mallus Maleficarum“, den Hexenhammer. Engagiert macht sich Ewald an die Arbeit und begibt sich auf Reisen, um das Buch zu vertreiben. Doch dann muss er feststellen, dass von diesem Buch große Gefahr ausgeht…

Dienstag, 21. August 2012

Rezension zu Sophie Cramer - Der Himmel über der Heide

Zurück in die Heide


Inhalt

Kati arbeitet als Grafikerin in einer Hamburger Agentur. Als ihr Vater ins Krankenhaus kommt, fährt sie in ihre alte Heimat, um ihrer Stiefmutter und Großmutter auf dem Familienbesitz „Heidehof“ auszuhelfen. Dort stellt sie schnell fest, wie sehr sie die Lüneburger Heide vermisst hat. Bald jedoch holen sie auch die Schatten ihrer Vergangenheit ein – denn nicht grundlos kehrte Kati zehn Jahre zuvor der Heimat den Rücken…

Montag, 20. August 2012

Rezension zu Alison Gaylin - Dornröschenschlaf

Das Buch "Dornröschenschlaf" habe ich bei vorablesen.de gewonnen und vom Ullstein Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Danke!

Titel: Dornröschenschlaf
Autorin: Alison Gaylin
Erscheinungsdatum: 23.08.2012
Buchausgabe: Taschenbuch
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 9783548283784
Preis: 9,99 Euro

Das Buch „Dornröschenschlaf“ von Alison Gaylin ist im Ullsteinverlag erschienen. Das Taschenbuch umfasst 461 Seiten inklusive Prolog, 32 Kapitel, Epilog, Anmerkungen der Autorin und Danksagungen. Das Cover ist in rot gehalten von dem sie eine einzelne Rose in rosé und erhabenem Druck deutlich abhebt. Die Rose nimmt offenbar Bezug zum Titel, doch der Titel passt nicht so recht zu den Geschehnissen des Krimis. Ein Zusammenhang ist, ohne zu viel vorweg zu nehmen,  am ehesten darin zu sehen, dass eine der handelnden Personen des Romans es als ihre Schuld ansieht, dass das im Roman gesuchte Mädchen Iris von ihr nicht aufgenommen wird, sozusagen „verflucht“ wie im Märchen, im Gegensatz zu der Freundin. So beginnt denn die Geschichte mit einem Prolog, in dem eben jene Person, die Hausfrau Carol Wentz, im Internet über ein Forum, in dem sich Angehörige Vermisster austauschen, nach Iris sucht. Seit dem Verschwinden des sechsjährigen Mädchens vor elf Jahren ist aus ihr eine  zuvorkommende, stets für ihre Nachbarn und Freunde hilfsbereite Frau geworden. Iris wurde nicht mehr aufgefunden und bleibt vermisst. Doch Carol hütet ihre kleinen Geheimnisse. Und eines Tages ist auch sie verschwunden. Ihr Ehemann wendet sich an die Privatdetektivin Brenna Spector, da er bei den Unterlagen seiner Frau einen Zettel mit ihrer Telefonnummer findet. Brenna ist eine ganz besondere Ermittlerin, da sie unter dem hyperthymestrichem Syndrom leidet. Diese Störung tritt sehr selten auf und wird, wie bei Brenna,  durch ein ganz besonderes Ereignis ausgelöst. Die Betroffenen können sich mit allen Sinnen jederzeit an jede Minute ihres Lebens seit Auftreten der Störung erinnern. Bei Brenna war der Auslöser das Verschwinden der älteren Schwester. Brenna war auch an der Suche vor elf Jahren nach der verschwundenen Iris beteiligt, weil sie darin eine Parallele zum Fall ihrer Schwester sah.

Obwohl ich zunächst gut in die Geschichte reingefunden hatte kommt es im weiteren Verlauf immer wiederzu Spannungsunterbrechungen durch vollkommen irrelevante Rückerinnerungen von Brenna, die kein weiteres Detail zur Auflösung des Falls beitragen. Die Autorin beschreibt detailliert Wohngegenden und Landschaften. Sicher sind diese wichtig um dem Leser zu verdeutlichen, wie Brennas Erinnerungsvermögen funktioniert tragen aber andererseits nicht zum Spannungsaufbau bei. Die Charaktere sind sehr interessant gestaltet. Sowohl Brenna wie auch ihr unkonventioneller Assistent Trent sind liebevoll einzigartig entworfen. Ein besonderer Krimi ist „Dornröschenschlaf“ zwar aufgrund der Eigenart der Detektivin Brenna, insgesamt gesehen hat mich die Darstellung der Ermittlungen aber nicht fesseln können.

Rezension zu Dana Phillips - Avanti Amore: Mein Sommer unter Italienern

"Avanti Amore!" habe ich bei lovelybooks gewonnen und daher von Bastei Lübbe ein Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank an den Verlag!


Titel: Avanti Amore - Mein Sommer unter Italienern
Autorin: Dana Phillips
Erscheinungsdatum: 18.05.2012
Buchausgabe: Taschenbuch
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 9783404606726
Preis: 8,99 Euro




Das Buch „Avanti Amore – Mein Sommer unter Italienern“ von Dana Phillips ist als Taschenbuch bei Bastei Lübbe erschienen. Das Cover ist in den Nationalfarben Italien rot-weiß-grün gestaltet und lässt das Buch gleich als eine pfiffig geschriebene Sommerlektüre wirken. Es umfasst 253 Seiten mit einer kurzen Vorgeschichte, 16 Kapiteln und Danksagung. Jedes Kapitel wird unterbrochen durch eine Kolumne die Dana für die Zeitung bei der sie arbeitet schreibt. Hinter dem Autorennamen Dana Phillips verbirgt sich das Autorenduo Jule und Frauke. Dana Phillips ist aber nicht nur das Pseudonym der Autorinnen sondern auch die Protagonistin dieses Romans.
Bei der Feier ihres 30. Geburtstags bleibt der Platz an Dana‘s Seite leer, da sie immer noch nicht den Mann fürs Leben gefunden hat. Dana ist Journalistin und ihre Chefin hält es für eine gute Idee, Dana auf eine längere Reise nach Italien zu schicken mit dem Auftrag für mehrere Kolumnen und eine abschließende Reportage dort den „Mr. Right“ zu suchen. Nach anfänglichem Zögern erklärt Dana sich bereit dazu. Ausgehend von einer Urlaubsfreundschaft mit einem italienischen Jungen als sie 12 Jahre war, von der ihr außer einem Foto, dem Namen und dem damaligen Urlaubsort aber nichts als Erinnerung geblieben ist, begibt sie sich auf die Suche nach der Liebe, die sie vielleicht in diesem inzwischen erwachsenen Mann zu finden hofft, in Richtung Süden. Welche Erfahrungen sie dort mit den unterschiedlichsten Typen italienischer Männer macht erfährt der Leser bei einer Reise die Dana zu den schönsten Orten Italiens führt von Mailand nach Neapel über Rom zurück in die Toskana und einem Abstecher nach Venedig. Wird Dana ihren Traummann finden?
Der Roman ist eine leichte Sommerlektüre für alle, die sich den Charme der italienischen Landschaft, das Ambiente italienischer Städte, den Geruch des Meeres und den Geschmack italienischen Essens ebenso erlesen wollen wie das typische Verhalten, die Sprache, Kleidung der italienischen Männer und ihr ganz besonderes Verhältnis zur Familie. Dana ist eine sehr gute Beobachterin, die treffend Örtlichkeiten und Personen beschreibt nicht ohne ihre eigenen Gefühle aufzuzeigen. Dieses Buch macht Lust gleich nach Italien aufzubrechen insofern man sich beim Lesen noch nicht vor Ort befindet. 

Rezension zu Sebastian Fitzek - Der Augensammler

 

Das älteste Spiel der Welt




Inhalt

Die Berliner Polizei jagt einen Täter, der mit seinen Opfern ein grausames Versteckspiel spielt: Zunächst tötet er die Mutter der Familie, dann entführt er das Kind und gibt dem Vater und den Ermittlern 45 Stunden Zeit, um es wiederzufinden. Bisher konnten die Kinder nach Ablauf der Zeit nur tot und mit nur noch einem Auge geborgen werden. Der Ex-Polizist und Journalist Alexander Zorbach berichtet regelmäßig über den Stand der Ermittlungen. Als der Augensammler seine vierte Spielrunde beginnt, wird Zorbach selbst zum Teil des Spiels: Offenbar spielt der Täter ihm exklusives Wissen zu, das ihn selbst zum Verdächtigen macht. Gemeinsam mit der blinden Physiotherapeutin Alina, welche den Augensammler getroffen haben will, begibt er sich auf die Suche…

Samstag, 18. August 2012

Rezension zu Petra Durst-Benning - Die Zarentochter

Im Hochzeitkarussell des russischen Zarenhofs



Inhalt

Das Buch beschreibt die Kindheit und Jugend der russischen Zarentochter Olga, genannt Olly, und ihrer beiden Schwestern „Mary“ und „Adini“. Als Kinder des russischen Zars Nikolaus wachsen sie wohlbehütet auf; ihnen wird die beste Erziehung zuteil, mit der sie auch ihre zukünftigen Ehemänner beeindrucken sollen. Diese sollten innerhalb Europas möglichst mächtig sein, denn durch die Verheiratung seiner Töchter möchte Zar Nikolaus seinen Einfluss auch über die Grenzen seines Landes hinaus ausbauen. Olga und ihre Schwestern finden sich bald im „Hochzeitskarussell“ wieder – werden sie einen Mann finden, den sie lieben, der aber auch den Ansprüchen ihres Vaters genügt?

Mittwoch, 15. August 2012

Rezension zu Julie Kagawa - The Iron King

Zauberhaft!


Serie: The Iron Fey (Plötzlich Fee)

Buch 1: The Iron King
Buch 2: The Iron Daughter
Buch 3: The Iron Queen
Buch 4: The Iron Knight (Ende der Serie)














Inhalt


An ihrem sechszehnten Geburtstag wird das Leben von Meghan Chase auf den Kopf gestellt. Ihr Halbbruder Ethan, sonst still und zurückhaltend, greift urplötzlich die Familienmitglieder an und verwüstet das Haus. Daraufhin offenbart ihr Freund Robbie ihr, dass ihr Halbbruder durch einen Wechselbalg ersetzt wurde. Um ihn zu retten, muss sie mit Robbie, der eigentlich eine Fee ist, in die Feenwelt begleiten. Dort trifft sie auf zahlreiche wundersame Wesen, die nicht alle Gutes im Schilde führen, denn Meghan ist eine Halbfee und Tochter des mächtigen Feenkönigs Oberion. Neben ihm sucht auch seine Rivalin, die dunkle Königin Mab nach ihr. Inmitten dieser zauberhaften und zugleich gefährlichen Welt beginnt Meghan, nach Hinweisen auf Ethans Verbleib zu suchen…

Dienstag, 14. August 2012

Rezension zu Neal Shusterman - Vollendet

Titel: Vollendet
Autor: Neal Shusterman
Erscheinungsdatum: 01.08.2012
Buchausgabe: Hardcover
Verlag: Sauerländer Verlag
ISBN: 9783411809929
Preis: 16,99 Euro

Das Buch „Vollendet“ von Neal Shusterman ist im Verlag Sauerländer erschienen. Es wird dem Roman aber nicht gerecht ihn nur als Jugendbuch einzuordnen, da ich ihn für Erwachsene gleichermaßen interessant finde. Die Geschichte ist eine Dystopie, die ihn der nahen Zukunft spielt. In einem Krieg der Abtreibungsbefürworter gegen Abtreibungsgegner wurde mit der Unterzeichnung der „Charta des Lebens“ ein Waffenstillstand geschlossen. Die Charta sieht vor, dass menschliches Leben bis zum Alter von 13 Jahren auf jeden Fall zu schützen ist. Abgetrieben werden darf nicht mehr. Es gibt allerdings die Möglichkeit des „Storchens“ indem man sein Neugeborenes einfach vor irgendeine Haustür legt und der Finder muss (!) es behalten. Doch dann im Alter von 13 bis 18 Jahren, wenn die menschlichen Körperteile auf die Größe Erwachsener herangewachsen sind und dadurch für Jedermann als Organspende nutzbar werden, besteht die Möglichkeit, den Jugendlichen an den Staat sozusagen zurückzugeben. Im Buch werden diese Jugendlichen „Wandler“ genannt. Sie werden nicht getötet, sondern im Sinne der Charta gewandelt d.h. ihre Körper werden vollständig weiterverwertet und leben in anderen fort.  Zurückgegeben werden können z.B. Störenfriede (dadurch erspart der Staat sich Therapie- und Jugendgefängniskosten), Waisenkinder (hier spart der Staat Heimkosten) oder auch Zehntopfer die im Namen des Glaubens „geopfert“ werden. Ärzte werden nicht mehr als Heiler benötigt, sondern fast nur noch in der Form von Chirurgen. Es gibt zu wenig Organspender und von den Wandlern erhält man bei einer Transplantation, insofern man es sich leisten kann, auch größere Teile als allgemein üblich. Dadurch ergibt sich die zentrale Frage des Buchs: Wenn jeder Teil von dir in einem anderen weiterlebt, lebst du dann auch noch oder bist du tot?
Der Roman erzählt von den Wandlern Colin und Risa, die beide vor der Wandlung fliehen. Werden diese lebenswilligen Jugendlichen, die sich gegen den Staat stellen am Ende der Umwandlung entgehen  und wird sich Lev, der dritte Protagonist, den die beiden zunächst als Geisel nehmen, sich seiner Rolle als Glaubensopfer stellen? Das Buch beschäftigt sich in einer packenden Story mit ernsten Problemen über die es sich nachzudenken lohnt. Wäre eine Problemlösung von Abtreibung und zu wenig Organspendern durch solch eine Charta tatsächlich denkbar?  Ich finde die aufgezeigte Lösung richtig gruselig. Allerdings lässt mich das „Zehntopfer“ auch an Opferrituale der Mayas und des alten Testaments denken. Und bis heute sind in Kriegen sicher genug Schützen unterwegs, die im Auftrag des Staates auf jeden Gegner schießen um diesen auszulöschen. Da komme ich schon ins Grübeln, wie groß die Macht des Staates sein kann …
Die Übersetzung des Romans ist gelungen, er liest sich flüssig. In kurzen Kapiteln wird zwischen den je Handelnden hin und her gewechselt. Entsprechend der handelnden Person(en) ist das Kapitel übertitelt, so dass es einfach ist sich zwischen den Schauplätzen zu orientieren.  Mich hat die Idee des Romans fasziniert und ich empfehle ihn gerne weiter.