Dora ist die Protagonistin des Romans „Und mittendrin der
Birnbaum“ von Ute Mank. Sie ist Mitte achtzig, seit einiger Zeit verwitwet,
nachdem sie sechzig Jahre an der Seite ihres Mannes gelebt hat. Eines Tages
beschließt sie, von ihrer jetzigen Heimat Bielefeld nach Hausen, dem Ort ihrer
Kindheit und Jugend in Hessen, zu ziehen und dort in einem Seniorenheim zu
leben. Ihr Bruder und seine Frau wohnen zeitlebens im Ort.
Dora hat sich stets darangehalten, immer nur nach vorne zu
schauen und die Vergangenheit ruhen zu lassen. Doch in Hausen wird sie von
ihren Erinnerungen eingeholt, vor allem an das letzte Jahr des Zweiten
Weltkriegs. Damals war sie mit Fanny befreundet, einem jüdischen Mädchen. Doras
Spaziergänge führen sie zum Haus der Familie von Fanny, vor dem erst vor Kurzem
Stolpersteine verlegt wurden, erschrickt sie darüber, dass einer für ihre
Freundin fehlt. Die Enkelin früherer Nachbarn zeigt großes Interesse an den
Geschichten aus der Vergangenheit. Dora stellt sich der Herausforderung und
beginnt mit der Aufarbeitung der vielen Fragen, die in ihrer Freundschaft mit
Fanny offen blieben.
Ute Mank erzählt eine realistische Geschichte, die weder
etwas beschönigt noch übertrieben dramatisiert. Während die Handlung in der
Gegenwart in 2011 spielt, schildert sie durch Doras Erinnerungen und die
einiger anderer Dorfbewohner das Leben zur Zeit des Nationalsozialismus und
geht der Frage nach, wie es dazu kommen konnte, dass sich so viele Menschen der
Ideologie der Partei anschlossen, sie mittrugen oder zumindest stillschweigend
hinnahmen. Dora gehörte zu jenen, die von den Veränderungen profitierten,
während ihre Freundin zunehmend ausgegrenzt wurde.
Die Autorin lässt Dora sich in ihren Gedanken mit ihrem
damaligen Handeln auseinandersetzen. Lange bleibt offen, ob sie sich dafür
entscheiden wird, den Verbleib von Fanny aufzuklären oder weiterhin ihren Blick
ausschließlich auf die Zukunft richtet. Es ist schön, dass Ute Mank einiges an
Lokalkolorit einbindet wie beispielsweise die Namen, die die Dorfbewohner den
Häusern nach ihren Erstbesitzern geben.
„Und mittendrin der Birnbaum“ von Ute Mank ist ein ruhig
erzählter, berührender Roman über Erinnerung, Schuld und die Verantwortung des
Einzelnen. Eine nachdenklich stimmende Geschichte, die dazu anregt, die
aktuellen Entwicklungen mit wachem Blick zu betrachten. Gerne empfehle ich das
Buch weiter.
























