Donnerstag, 25. August 2016

[Rezension Ingrid] George von Alex Gino


Titel: George
AutorIn: Alex Gino
Übersetzerin: Alexandra Ernst
Erscheinungsdatum: 25.08.2016
Verlag: Fischer Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
Altersempfehlung: ab 10 Jahre
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag (Leseexemplar)

George denkt wie ein Mädchen, sie fühlt wie ein Mädchen, aber sie steckt im Körper eines Jungen. In dem nach der Protagonistin benannten Buch „George“ setzt Alex Gino das Thema Transgender in den Mittelpunkt. Ihre*seine eigenen Erfahrungen lässt er spürbar dabei einfließen. Das Cover nimmt den Inhalt des Romans auf und weist den Leser mit dem bunt gestalteten Schriftzug des Titels auf die Vielfalt des Lebens hin.

George besucht die vierte Klasse. Ihre Lehrerin sucht gerade die passenden Schauspieler für das jährliche Theaterstück und George würde gern für die weibliche Hauptrolle vorsprechen. Doch sie traut sich nicht, denn für jeden in ihrer Umgebung ist sie ein Junge. Und dementsprechend hat ihre Umwelt die Erwartung, dass sie sich auch wie ein Junge benimmt. Sie blättert gern in Zeitschriften für Mädchen, wünscht sich Röcke zu tragen und sich zu schminken. Doch selbst als ihre Mutter die versteckten Hefte findet, versteht sie nicht deren wirkliche Bedeutung. Ihre gleichaltrige Freundin Kelly aber zeigt, was wahre Freundschaft bewirken kann.

Die*der AutorIn schreibt beherzt über ein für sie*ihn wichtiges Thema. So schlicht und einfach wie der Titel ist auch die Darstellung des gleichnamigen Charakters. Ich fand es sehr schön, dass ich George ganz einfach als normales Schulkind im Kreis seiner Mitschüler erleben durfte. Dadurch wurde sie mir direkt sympathisch. In ihrem Alter wächst die Aufmerksamkeit für Unterschiede zwischen den Geschlechtern und auch sie kann sich dem nicht entziehen. Es geht in diesem Roman nicht darum, von welchem Geschlecht sich George sexuell angezogen fühlt, sondern allein um die Rollenerwartung an sich selbst und ihres dazu differierenden Körpers. Alex Gino stellt einerseits die Auseinandersetzung von George mit sich selbst und der Suche nach einer passenden Gelegenheit Klarheit über ihre Identität zu schaffen dar, andererseits macht sie*er deutlich, welche Erwartungen Lehrer, Freunde und Familie ganz generell an Jungen stellen. Gespannt habe ich verfolgt, ob es George gelingen wird, sich verständlich zu machen, dabei flogen die Seiten des Buchs nur so dahin.

George hat sich einen Mädchennamen ausgesucht mit dem sie gerne angesprochen würde. Dieser Name ist so gänzlich anders als ihr derzeitiger und zeigt, dass hier nicht ein fließender Übergang gewünscht, sondern ein radikaler Schnitt nötig ist. George ist ein Mädchen, egal was sein Körper vorgibt. Zum Glück für sie gibt es im Roman Figuren die loyaler sind als andere. Gut fand ich auch die kleinen Hinweise im Buch, wie Betroffene weiter vorgehen können, um ihre selbst empfundene Identität öffentlich zu leben.

„George“ ist ein Jugendbuch ab 10 Jahren und die einfach gehaltene Sprache scheint mir für dieses Alter geeignet, um die enthaltene Problematik zu verstehen. Der Roman bietet aber auch eine Grundlage zu einer ersten Diskussion zum Thema Transgender in diesem Alter. Er ist realistisch geschrieben, auch weil Alex Gino seine Charaktere so beschreibt, wie sie jedem im Schulalltag und in der Freizeit tatsächlich begegnen. Die*der AutorIn verschweigt nicht, dass es Probleme geben kann wenn jemand es gegenüber anderen ausspricht, das er das Gefühl hat im falschen Körper zu sein. Dadurch sollte es denjenigen, die so empfinden wie George, leicht fallen, sich mit ihr zu identifizieren.

Der Roman ist mit viel Empathie seitens der*des AutorIn geschrieben, bewegend und berührend und gerne empfehle ich ihn daher weiter. Sei derjenige als den du dich selbst empfindest!

Kommentare:

  1. Hallo liebe Ingrid,

    eine unglaublich berührende Rezension, die ein Grund mehr ist, weshalb ich dieses Buch unbedingt lesen möchte! :)

    Liebe Grüße
    Kathi von Lesendes Federvieh

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    1. Hallo Kathie,

      danke schön :) Und: Lesen lohnt sich. LG Ingrid

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