Mittwoch, 17. Januar 2018

[Rezension Ingrid] Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie von Rachel Joyce


„Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie“ von Rachel Joyce ist ein Buch voller Musik. Ein Notenstreifen zieht sich in Wellen über das Cover des Romans. Weiter zu sehen sind eine junge Frau, ein junger Mann und zwei Stühle an einem kleinen Bistrotisch an dem die beiden sitzen werden und damit ist man schon mitten in der Erzählung. Die Autorin nahm mich zeitlich mit den Januar 1988 als die CD gegenüber der Vinylschallplatte an Bedeutung gewann. Der Roman erzählt nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern schaut auch auf die Auswirkungen der strikten Weigerung des Protagonisten Frank, CD’s in sein Sortiment aufzunehmen.

Frank besitzt seit 14 Jahren einen Plattenladen in einem langsam verfallenden Gebäude in einer Gegend mit Häusern ähnlichen Alters und Zustands. Es gibt nur noch wenige weitere Geschäfte in der Straße. In der Stadt ist Frank förmlich eine Institution, denn er verkauft Musik auf Vinyl aller Stilrichtungen und jeglichen Alters. Was ihn aber so einzigartig macht, ist sein Gespür dafür, welches Musikstück sein Kunde gerade benötigt, um wieder in eine gute Stimmung zu kommen. Eines Tages fällt eine junge Frau in einem auffallend grünen Mantel direkt vor seinem Laden in Ohnmacht kurz nachdem sie Frank durch die Schaufensterscheibe in die Augen geblickt hat. Sofort eilen er und einige andere ihr zu Hilfe. Frank vergisst, sie nach ihrem Namen zu fragen, bevor sie spurlos verschwindet. Er ist verwirrt, denn ihm ist aufgefallen, dass er ihr keine passende Musik zuordnen kann. Allerdings hat sie ihre Handtasche zurück gelassen und daher hofft er auf ein Wiedersehen.

Aus der Inhaltsangabe wusste ich, dass Schallplatten im Roman eine große Rolle spielen würden. Zunächst war ich skeptisch, ob ich die Songs kennen würde, die die Autorin für ihre Erzählung ausgewählt hat. Meine Bedenken wurden schnell zerstreut, denn Rachel Joyce schaffte es allein durch die Beschreibung der Komposition, egal ob ernst oder Unterhaltung, mir dessen Aussage zu vermitteln. Daher ist eine Kenntnis der einzelnen Stücke nicht unbedingt notwendig. Man spürt zwischen den Zeilen die Begeisterung der Autorin für die Musik. Sehr schön fand ich auch die kleinen Geschichten zu den Komponisten, die die Autorin ganz nebenbei einstreut.

Bereits bevor der Roman beginnt habe ich Frank und seine besondere Fähigkeit im Prolog kennen gelernt. Er ist ein Bär von einem Mann und ein Gemütsmensch der es versteht, anderen zuzuhören. Den Antrieb, seine Kunden glücklich zu machen und trotz Schwierigkeiten an seinem Plattenladen festzuhalten, konnte ich erst durch die Rückblicke auf seine Kindheit und Jugend besser verstehen. Diese Kenntnis zeigte leider auch eine unerfreuliche Seite des Protagonisten, wodurch er mir aber nicht weniger sympathisch wurde. Von Beginn an hätte ich gerne Ilse, die junge Deutsche, die ihre Tasche in seinem Laden zurück gelassen hat, an seiner Seite gesehen. Neben den beiden liebenswerten Hauptfiguren finden sich in der Geschichte noch eine ganze Reihe weiterer unverwechselbarer Charaktere, die zum besonderen Charme des Romans beitragen wie beispielsweise ein tollpatschiger Verkäufer, eine eifersüchtige Tattoo-Künstler und ein Devotionalien verkaufender Pater.

„Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie“ hat mir noch besser als erwartet gefallen. Es ist eine emotional berührende Erzählung durch mancherlei Hochs und Tiefs des Lebens. Rachel Joyce versteht es, eine gewisse Spannung zunächst durch die Suche nach Ilse aufzubauen und mich als Leser anschließend darum Bangen zu lassen, ob Frank seinen Laden schließen muss. Und natürlich habe ich auf ein Happy End für Frank und Ilse gehofft. Der Roman ist ein Plädoyer für den Zusammenhalt einer Gemeinschaft. Man spürt das Herzblut der Autorin, das ihn ihm steckt. Zart und doch voller Kraft spielt er mit den Gefühlen der Leser und überrascht mit unerwarteten Wendungen Gerne vergebe ich hierzu eine Leseempfehlung.

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Titel: Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie
Autorin: Rachel Joyce
Übersetzerin: Maria Andreas
Erscheinungsdatum: 29.12.2017
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag

1 Kommentar:

  1. Hey,

    das Buch hört sich ganz interessant an. Das werde ich mir mal merken. :)
    Danke schön für deine Rezension.

    Hab einen tollen Abend.

    Ganz lieben Gruß
    Steffi von angeltearz liest

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