Freitag, 19. Januar 2018

[Rezension Hanna] Im Kopf des Mörders. Kalte Angst - Arno Strobel



Im Kopf des Mörders. Kalte Angst
Autor: Arno Strobel
Taschenbuch: 368 Seiten
Erschienen am 11. Januar 2018
Verlag: FISCHER Taschenbuch

Inhalt
Es ist der erste Mordfall nach der Auszeit von Oberkommissar Max Bischoff: In Düsseldorf-Gerresheim wurden ein Junge und sein Vater vor den Augen der Mutter ermordet. Der Täter trug eine Fliegenmaske und hat mit verzerrter Stimme gesprochen. Max geht der Fall besonders nahe, sieht er doch immer wieder Jenny vor sich. Kurz darauf schlägt die Fliegenmaske erneut zu und bringt einen Mann um. Max und sein Partner Böhmer setzen alles daran, einen Ansatzpunkt zu finden, um weitere Morde zu verhindern. Ausgerechnet ein Insasse der Forensischen Psychiatrie in Langenfeld scheint voraussagen zu können, was als nächstes passiert. Doch er will nur gegen Freilassung kooperieren. Für Max und Böhmer entsteht ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die Zeit…

Meinung
Nach dem nervenaufreibenden ersten Fall für Max Bischoff, der für ihn persönlich tragisch endete, war ich neugierig auf den zweiten Band der Reihe. Die Handlung spielt erneut in Düsseldorf und setzt einige Monate nach den Ereignissen des ersten Bandes ein. Als Böhmer ihn zu einem Tatort ruft, ist es für Max der erste Mordfall seit dem Geschehenen. Dieses hat er noch immer nicht ganz verarbeitet, weshalb er sehr emotional auf die neuesten Ereignisse reagiert. Trotzdem oder vielmehr gerade deswegen will er unbedingt dafür sorgen, dass der Täter gefasst wird.

In kurzen Kapiteln werden dem Leser die Mordszenen aus der Sicht eines Opfers beschrieben. Diese Kapitel sind blutig und schockierend – für meinen Geschmack war das zu viel, sodass ich sie nur überfliegen konnte. Spannend fand ich hingegen die Ermittlungen, bei denen die SoKo Fliege bald unter großem Zeitdruck steht, um weitere Morde zu verhindern. Spurensuche und Befragungen nehmen nur wenig Raum ein. Stattdessen fokussieren sich Max und Böhmer schnell auf den Insassen der Forensischen Psychiatrie, der etwas über den Verlauf der Mordserie zu wissen scheint.

Das Tempo der Geschichte ist hoch und die Zeit, etwas über den Täter herauszufinden, ist mehr als knapp. Ich fand die Idee, das ausgerechnet ein eingesperrter Mörder als einziger Hinweise zu den laufenden Ermittlungen geben kann, gelungen. Die Gespräche mit ihm gestalten sich als zäh, da er zum einen in seiner eigenen Welt zu leben scheint und zum anderen nicht kooperieren will, wenn ihm keine Freiheit zugesagt wird. Immer wieder sprechen Max und Böhmer mit ihm und erhalten kleine Informationsbrocken, mit denen sie arbeiten müssen. Gut konnte ich die Verzweiflung und den Druck nachvollziehen, der auf der ganzen Soko und insbesondere Max lastet.

Etwas schade fand ich, dass für alle anderen Formen der Ermittlungen nur wenig Zeit bleibt. Max und Böhmer beschränken sich auf wenige Fragen und dem Täter gelingt es scheinbar, ohne irgendwelche Spuren zu den Tatorten zu gelangen und sie wieder zu verlassen. Zum Ende hin kann sich das Buch in Sachen Spannung noch einmal steigern. Schließlich erwartet den Leser eine große Überraschung, die mich in Sachen Plausibilität jedoch nicht hundertprozentig überzeugen konnte. Ein Cliffhanger auf den letzten Seiten zeichnete sich schon länger ab und konnte meine Neugier auf den dritten und wahrscheinlich letzten Teil der Reihe wecken.

Fazit
In „Kalte Angst“ wird Max Bischoff zum ersten Mal seit seiner Auszeit mit Morden konfrontiert, die er aufklären soll. Ich fand es interessant, dass ausgerechnet ein nicht allzu kooperationswilliger, eingesperrter Mörder der einzige Hinweisgeber ist. Max ist ein authentischer Charakter, der sich trotz seiner emotionalen Schieflage für die Ermittlungen brennt und mit dem ich mitfiebern konnte. Wer interessiert daran ist, mehr über ihn und seine Fälle zu erfahren, der startet am Besten mit dem ersten Teil „Tiefe Narbe“. Eine bislang gelungene Reihe, die ihr Niveau im zweiten Band halten kann.