Mittwoch, 8. September 2021

Rezension: Eine Familie in Berlin - Paulas Liebe von Ulrike Renk

 

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Eine Familie in Berlin - Paulas Liebe
Autorin: Ulrike Renk
Broschiert: 501 Seiten
Erschienen am 16. August 2021
Verlag: Aufbau

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Im Jahr 1978 wächst die fünfzehnjährige Paula in Berlin als Tochter eines Rabbiners der neuen jüdischen Gemeinde und ältestes von vier Kindern auf. Das Geld in der Familie ist stets knapp, weshalb Paulas kinderlose, wohlhabende Tante August anbietet, sie als Gesellschafterin zu sich zu holen. Paula ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, bei ihrer Familie zu bleiben und dem, ihre Bildung weiter auszubauen. Sie entscheidet sich für letztes, wodurch sie Klavierstunden erhält, Auguste in die Oper und an die See begleitet und so allmählich aufblüht. Einige Jahre später lernt sie Richard Dehmel kennen, den besten Freund ihres Bruders Franz. Mit seinen Gedichten kann Richard sein Publikum fesseln wie kaum ein anderer. Ob er der Richtige für Paula ist?

Das Buch ist der Auftakt einer neuen Familiensaga von Ulrike Renk, bei der in jedem Buch eine andere Frau im Mittelpunkt stehen wird. In diesem ist es Paula Dehmel, die wie der Klappentext verrät die Ehefrau des Dichters Richard Dehmel und selbst auch Schriftstellerin war. Ich war gespannt, mehr über sie zu erfahren.

Die Geschichte beginnt lange vor Paulas Kennenlernen mit Richard Dehmel mit der Phase, in der Paula überlegt, ob sie das Angebot ihrer Tante August annehmen und zu ihr ziehen soll. Ich lernte die Protagonistin im Umgang mit ihrer Familie kennen, die ihr sehr am Herzen liegt. Vor allem zu ihrem Bruder Franz hat sie ein enges Verhältnis, die beiden schlafen mit ihrer Schwester Elise im selben Zimmer und tuscheln an vielen Abenden noch lang miteinander. Die Eltern würden ihr lieber ein eigenes Zimmer zur Verfügung stellen, doch aufgrund der begrenzen finanziellen Möglichkeiten müssen sie Untermieter aufnehmen und haben Platz. Dies ist nur eins von vielen Argumenten, die schließlich zu Paulas Umzug zu Auguste führen.

In ruhigem Tempo erzählt die Autorin von Paulas Leben, die allmählich zu einer jungen Frau heranwächst. In den einzelnen Kapiteln fokussiert die Geschichte auf prägende Erlebnisse, die mal mehr und mal weniger auf den bekannten Fakten beruhen. Besonders viel Zeit wird Paulas Erlebnissen im Sommerhaus ihrer Tante in Ahrenshoop eingeräumt, wo sie Kraft tanken und ihre Gedanken sortieren kann. Hier entwickelt sich auch eine tiefe Freundschaft zu Phine, die zur selben Gemeinde gehört und einige Zeit bei ihnen verbringt.

Als Leserin erhielt ich zahlreiche Einblicke in Paulas Überlegungen, wie sie ihre Zukunft gestalten möchte. Sie ist eine feinfühlige und sensible Persönlichkeit, die sich sorgt, dass sie der großen Liebe nie begegnen wird. Die Sprache ist insgesamt sehr poetisch, was ich jedoch nicht immer authentisch fand. Ein Beispiel: Würde ein sechsjähriger Junge beim Anblick des Meeres wirklich sagen: „Das ist eine Urgewalt [...] Stärker, als ich es bin.“?

Zwischen den Kapiteln gibt es immer wieder größere Zeitsprünge nach vorn. Auf der Hälfte des Buches taucht schließlich Richard Dehmel auf und es geht lange darum, ob die beiden trotz der Vorbehalte von Paulas Familie werden heiraten dürfen. Auch hier muss man die poetische Sprache mögen, um seine Freunde an dem teils auf realer Korrespondenz basierenden Briefwechsel der beiden zu haben. Mir persönlich war die Ausdrucksweise zu schwülstig und ich konnte Paulas Begeisterung für den unsteten Dichter nicht teilen. Die nachfolgenden Jahre werden in stetig steigendem Tempo erzählt bis hin zu einer wegweisenden Entscheidung Paulas, deren Konsequenzen vermutlich im Folgeband erzählt werden, auch wenn sie dann nicht mehr die Protagonistin ist.

Der Roman gibt umfassende Einblicke in das Leben von Paula und ihrer Familie im Berlin am Ende des 19. Jahrhunderts. Dass er auf einer wahren Biographie beruht hat mich neugierig gemacht, doch in der Umsetzung habe ich die Spannung vermisst und bin mit der Sprache nicht warm geworden.

 

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