Donnerstag, 28. Dezember 2017

[Rezension Hanna] Woman in Cabin 10 - Ruth Ware


Woman in Cabin 10
Autorin: Ruth Ware
Übersetzerin: Stefanie Ochel
Broschiert: 384 Seiten
Erschienen am 27. Dezember 2017
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

Inhalt
In wenigen Tagen soll Lo Blackwood Teil einer exklusiven Kreuzfahrt zu den norwegischen Fjorden werden. Von diesem Plan lässt sie sich auch nicht abbringen, als jemand in ihre Wohnung einbricht und sie im Schlafzimmer einsperrt. Denn als Reisejournalistin macht sie die Reise stellvertretend für ihre Chefin – das ist ihre Chance, sich zu beweisen! Doch in der ersten Nacht an Bord glaubt sie zu hören, wie jemand über Bord geht, und sieht eine Blutspur. Und die Frau aus Kabine 10, mit der sie am Abend zuvor gesprochen hat, ist verschwunden. Doch niemand glaubt Lo – denn Kabine 10 ist leer, und keiner der wenigen Menschen an Bord hat die Frau je gesehen…

Meinung
Wie viele Menschen jedes Jahr auf Kreuzfahrt gehen und auf hoher See verschwinden weiß ich spätestens seit Fitzeks „Passagier 23“. Deshalb war ich neugierig auf einen neuen Thriller in so einem vorübergehend vom Rest der Welt abgeschnittenen Schauplatz. Bevor Lo die Gangway betritt wird der Leser Zeuge eines traumatischen Ereignisses: Jemand bricht bei ihr ein und sie steht der vermummten Person einen Moment lang gegenüber, bevor diese ihr die Tür vor den Kopf schlägt und sie in ihrem Schlafzimmer einsperrt. Ich konnte absolut nachvollziehen, wie erschüttert Lo nach diesem Vorfall ist und ebenso, dass sie die Kreuzfahrt trotzdem antreten will.

Schon bald geht die Reise los und Lo findet sich zwischen anderen Reisejournalisten, Fotografen und millionenschweren Investoren an Bord der luxuriösen „Aurora Borealis“ wieder. Beim Networken weiß sie noch nicht so recht zu überzeugen, und ausgerechnet ihr Exfreund Ben ist als Journalist ebenfalls an Bord. Doch all das rückt bald in den Hintergrund, als sie glaubt, Zeugin eines Mordes geworden zu sein. Schnell ist klar, dass alle handfesten Beweise dafür vernichtet wurden – oder hat Lo sich das ganze nur eingebildet?

Obwohl ihr niemand glaubt lässt sie nicht locker und beginnt, die Passagiere und die Crew zu befragen, Vermutungen und Verdächtigungen aufzustellen. Dabei geht sie nicht sonderlich geschickt vor und das Ganze zog sich für mich ein wenig in die Länge. Immer wieder kommt es zu kleinen Vorfällen, die alle möglichen Ansatzpunkte vernichten. Das brachte ein wenig Spannung in die ansonsten eher mysteriöse Situation und ließen mich zweifeln, ob all das denn nun wirklich passiert oder sich nur in Los Kopf ereignet.

Im letzten Buchdrittel kommt es zu einem gelungenen Plot Twist, welcher Dramatik bietet und schließlich auch Antworten liefert. Hier beweist die Geschichte, dass doch noch ein Psychothriller in ihr steckt, und bietet Momente, die mich hoffen und bangen ließen. Die Seiten verflogen plötzlich im Nu und die spannende Frage, wem man überhaupt trauen kann, steht im Raum. Allerdings laufen durch den Twist einige Handlungsstränge ins Leere und werden nicht wieder aufgegriffen. Das Verhalten einiger Charaktere bleibt für mich nicht ganz nachvollziehbar. Ein beängstigendes Szenario wird aufgebaut, das leider nicht ganz rund geschliffen ist.

Fazit
In „Woman in Cabin 10“ glaubt Lo, Zeugin eines Mordes geworden zu sein. Doch alle möglichen Beweise wurden vernichtet – oder gab es sie nie? Nach einem dramatischen Start weist das Buch bei Los Versuchen, irgendetwas über den Vorfall herauszufinden, trotz mysteriöser Zwischenfälle kleine Längen auf. Schließlich kann die Geschichte in Sachen Spannung noch einmal ordentlich punkten und bot ein psychologisch aufreibendes Finale. Ich vergebe knappe vier Sterne für Los persönliche Höllen-Kreuzfahrt.