Rezension von Ingrid Eßer
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In ihrem Debütroman „Die Spielverderberin“ erzählt Marie
Menke von der Freundschaft dreier junger Frauen. Eine von ihnen ist Sophie, die
als Ich-Erzählerin den aktuellen Umgang mit ihren Freundinnen Romy und Lotte ebenso
schildert wie gemeinsame Erlebnisse, die vier Jahre zurückliegen. Damals
standen sie alle drei kurz vor dem Abitur. Titelgebend sind Situationen, in
denen eine der Freundinnen nicht im Sinne der anderen handelt und dadurch
Spannungen entstehen.
Sophie und Lotte sind in einer Bauerschaft im fiktiven
Süthland aufgewachsen und von Kindheit an befreundet. Romy hingegen zog erst
als Jugendliche mit ihren Eltern und ihrem Bruder in die nahegelegene
Kleinstadt. Kennengelernt haben sich die drei auf dem Gymnasium.
Wenn Sophie davon berichtet, dass Lotte und Romy früher ohne
sie etwas unternommen haben, erscheint sie zunächst nicht eifersüchtig. Doch
ihre zunehmende Hinwendung zu Romy zeigt das Gegenteil. Sie bewundert deren
frühe Unabhängigkeit im Denken und Handeln. Obwohl es Sophie gelingt, mehr
Beachtung zu erhalten, hat sie nicht damit gerechnet, dass Romy ihre Pläne für
die Zeit nach dem Abitur trifft, ohne ihre Freundinnen einzubeziehen.
Bereits auf den ersten Seiten des Romans deutet Marie Menke
an, dass zu Beginn des Studiums etwas geschehen ist, dass Sophie nie
vollständig verarbeitet hat. Lotte hat dabei sichtbare Wunden davongetragen. Diese
Andeutung erzeugt eine unterschwellige Spannung bis zum Schluss, weil man als
Lesende unbedingt wissen möchte, was damals vorgefallen ist.
Am Ende ihres Studiums befindet sich Sophie in einer Phase
der Selbstfindung. Auch Lotte, die zunächst eigenständig erscheint, hat noch
kein festes Ziel vor Augen. Sophie ist sich nicht sicher, ob sie nach dem
Abitur die richtige Entscheidung bei der Berufswahl getroffen hat. Ihre Eltern
haben ihr dabei freie Wahl gelassen, aber es wird deutlich, dass sie insgeheim etwas
anderes erwarteten.
Wenn jemand sich vom Landleben begeistert zeigt, kommen
Sophie Bedenken, ob sie nach Abschluss ihres Studiums in einer Stadt arbeiten
möchte. Bei ihre Abwägungen bezieht sie stets ihre Freundschaften zu Lotte und
Romy mit ein. Eine besondere Stärke des Romans ist die authentische Darstellung
dieser inneren Konflikte, in der sich viele Lesende in der Rolle einer der
Freundinnen wiederfinden werden.
In ihrem Debütroman „Spielverderberin“ schreibt Marie Menke eindringlich über die Freundschaft dreier junger Frauen und ihrem Leben zwischen Stadt und Land. Wie ein roter Faden zieht sich die Frage durch die Geschichte, wie viele eigenständige Entscheidungen eine Freundschaft aushält. Gerne vergebe ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung.
