Dienstag, 12. Mai 2026

Rezension: Ein Ort, der bleibt von Sandra Lüpkes

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Ein Ort, der bleibt
Autorin: Sandra Lüpkes
Erscheinungsdatum: 17.04.2026
Verlag: Rowohlt Kindler (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783463000671

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In der türkischen Bezeichnung des Botanischen Gartens Istanbul ist der Name des Gründers Alfred Heilbronn erhalten geblieben. Neben einem Handlungszweig, der in der Gegenwart spielt, reist Sandra Lüpkes in ihrem Roman „Ein Ort, der bleibt“ in der Zeitgeschichte zurück in die 1930er und 1940er Jahre, als der Garten angelegt und zu Bedeutung gekommen ist.

Neben dem Botanischen Garten stehen drei Frauen im Mittelpunkt der Handlung. Eine von ihnen ist Magda Heilbronn, Jahrgang 1889 und Ehefrau des Gründers. Obwohl sie nach der Geburt ihrer Kinder promovierte und einen Doktortitel in Philosophie erwarb, wurde ihr der erhoffte Lehrauftrag an der Universität ihres Wohnortes Münster verwehrt. Sie drängt ihren Mann, der Einladung zu folgen, ein Botanisches Institut in Istanbul aufzubauen.

Etwa zur gleichen Zeit strebt auch die einige Jahre jüngere, in Istanbul lebende Mehpare Basarman eine Habilitation an. Später wird sie zur geschätzten Assistentin von Alfred Heilbronn. Mit großer Sachkenntnis beschreibt die Autorin das Sammeln, Züchten und Pflegen von Pflanzen. Dabei wird spürbar, mit wie viel Begeisterung die Botanik*innen sich ihrer Aufgabe widmen.

Während Magda und Mehpare historische Persönlichkeiten sind ist Imke, die dritte Protagonistin des Romans, eine fiktive Figur. Eine befristete Anstellung als Stadtplanerin führt sie in der heutigen Zeit von Münster nach Istanbul. Dort arbeitet sie an einem Gutachten mit, das über die Zukunft des Botanischen Gartens entscheiden soll. Durch Imkes Perspektive greift Sandra Lüpke zudem die Situation von Frauen in der Türkei auf.

Dank ihrer sorgfältigen Recherche lässt Sandra Lüpkes sowohl die Zeit als auch die Schauplätze lebendig werden. Sie verdeutlicht die zunehmenden Repressalien, die jüdische Wissenschaftler in Deutschland nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hinzunehmen hatten und lenkt damit den Blick auf ein wenig bekanntes Kapitel der Geschichte. Es werden Magdas Sorgen angesichts des Aufbruchs in ein fremdes Land mit einer anderen Kultur deutlich. Gleichzeitig zeigt die Autorin, wie schwierig es für Mehpare ist, sich in einem von Männern dominierten Wissenschaftsbetrieb zu behaupten, obwohl in der noch jungen Republik offiziell eine Gleichstellung angestrebt wurde.

In ihrem Roman „Ein Ort, der bleibt“ erzählt Sandra Lüpkes von einer heute kaum bekannten Episode der Geschichte: der Emigration deutsch-jüdischer Wissenschaftler*innen in die Türkei während der Zeit des Nationalsozialismus. Gleichzeitig thematisiert sie auch die Fragen nach Zugehörigkeit sowie den Platz der Frau in der Gesellschaft. Geschickt verbindet die Autorin historische Fakten mit fiktionalen Elementen und verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf überzeugende Weise. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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