Freitag, 19. August 2016

[Rezension Ingrid] Fallwind von Till Raether


Titel: Fallwind (3. Band der Serie mit Hauptkommissar Adam Danowski)
Autor: Till Raether
Erscheinungsdatum: 22.07.2016
Verlag: Rowohlt Polaris (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur

„Fallwind“ von Till Raether zeigt auf seinem Cover einen Gischt umspülten Leuchtturm. Ein solches Gebäude spielt eine Rolle in dem nun bereits dritten Fall für den Kommissar Adam Danowski, der zu den Ermittlungen in einem Todesfall hinzugezogen wird. Die aufgefundene Tote starb aber nicht, wie der Titel vermuten lässt, an einem Sturz von einem hohen Bauwerk, sondern wurde erdrosselt. Der Krimi lässt sich ohne Kenntnisse der ersten beiden Bände lesen, der Autor hat erklärende Rückblicke an entsprechenden Stellen eingefügt.

Der Kriminalroman beginnt zwei Jahre nach den Ereignissen die der Autor in „Blutapfel“, dem zweiten Band der Serie, geschildert hat. Adam Danowski hat in der Zwischenzeit einen Lehrgang gemacht und arbeitet jetzt in der Abteilung Operative Fallanalyse des LKA Hamburg. Als in dem kleinen Nordseedorf Friederikenburg ein Mord geschieht, wird er zur Beratung der zur Aufklärung eingesetzten Sonderkommission hinzugezogen. Die ermordete Frau, Mitte 30, arbeitete bei einem großen Windparkunternehmen im Ort. Als Jugendliche gehörte sie zu den sogenannten Leuchtturmkindern d.h. sie lebte unter der Woche auf dem Festland, um zum Gymnasium zu gehen und besuchte ihre Eltern auf der vorgelagerten Insel nur am Wochenende und in den Ferien. Während dieser Zeit wohnten außer ihr noch zwei weitere Mädchen ihres Alters bei dem Lehrerehepaar, das ihnen Unterkunft und Verpflegung bot. Als eine weitere junge Frau ermordet wird ist Eile bei den Ermittlungen geboten, denn auch sie war eines der Leuchtturmkinder und die dritte im Bunde scheint in Gefahr zu sein.

Im Prolog begegnet der Leser Adam Danowski während dieser aus einer Betäubung erwacht. Allmählich wird ihm bewusst, dass er sich in der Gondel eines Windrads befindet, gemeinsam mit einer ebenfalls betäubten Frau, die ihm vage bekannt vorkommt. Der Autor spielt hier geschickt mit der Angst vor geschlossenen Räumen. Doch bis es zu dieser Szene kommt, ist einiges in Friederikenburg passiert. Die vor Ort ermittelnde Soko besteht aus Polizisten, die bisher keine Erfahrung in der Aufklärung von Mord haben. Außerdem sind sie befangen, weil hier jeder jeden zu kennen scheint und somit Freund- und Feindschaften in die Ermittlungen hineinspielen.

Für Danowski ist es erst seine dritte Fallanalyse im neuen Job, der ihn regelmäßig tage- und sogar wochenlang von zu Hause wegführt. Auch diesmal blendet Till Raether immer wieder Kapitel ein, die das Privatleben und die Familie des Ermittlers in den Blick nehmen. Danowski, der sich schon häufig über die gegen seine Ängste verordneten Therapien hinweggesetzt hat, versucht sich mit zweifelhaftem Erfolg an einer neuen Überwindungstaktik.

Neben der etwas verschroben wirkenden Figur des Protagonisten erschafft der Autor vor allem mit der Leiterin der Soko und ihrem Kollegen sowie den Gasteltern der ermordeten Frauen weitere interessante Charaktere. Ihm gelingt es immer wieder im Plauderton unterhaltsame Geschichten rund um die Handelnden und über das Leben im Dorf zu erzählen. Leider ziehen sich die Fallermittlungen in der Mitte des Romans in die Länge. Dennoch gelingt es Danowski auf seine eigene unnachgiebige Art, mehr als nur die Morde aufzuklären und durch geschickte Nachfragen kommen einige in der Vergangenheit vertuschte Geheimnisse der Bewohner ans Licht. Der Spannungsbogen steigert sich im hinteren Teil, wenn es darum geht, den Täter zu ermitteln bevor ein weiterer Mord geschieht.

„Fallwind“ lässt sich leicht und flüssig lesen. Till Raether präsentiert mehrere mögliche Täter und einige unerwartete Wendungen. Insgesamt ein ordentlich konstruierter Krimi der meine Leseempfehlung erhält.

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