Sonntag, 20. März 2016

[Lesungsbericht Hanna] Weiterlesen! Die große WDR2 Preview auf der lit.cologne

Hallo liebe Leser,

"Weiterlesen!" hieß gestern am letzten Tag der lit.cologne. Gemeinsam mit Ingrid habe ich die WDR2 Previewveranstaltung besucht, bei der drei Autoren aus ihren noch nicht veröffentlichten Büchern gelesen haben.

Um 18 Uhr ging es in den ausverkauften Balloni-Hallen in Köln-Ehrenfeld los: Die drei Autoren Katja Lange-Müller, Tilman Rammstedt und Jörg Maurer betraten gemeinsam mit der Moderatorin, Gisela Steinhauer, die Bühne.

Los ging es mit Katja Lange-Müller, die aktuell an ihrem Roman "Drehtür" arbeitet. Die Protagonistin Asta war als Krankenschwester jahrelang für "Ärzte ohne Grenzen" im Einsatz. Nachdem ihre Kollegen für ein One-Way Ticket zusammengelegt haben, das nur bis München und nicht bis in ihre Heimat Berlin reichte, steht sie nun am Münchener Flughafen rauchend neben einer Drehtür und denkt an die vergangenen Jahre zurück.

Katja Lange-Müller berichtete, dass die Protagonistin Asta entstanden ist, weil sie sich fragte, was sie gemacht hätte, wenn sie in ihrem gelernten Beruf als Krankenschwester geblieben wäre. Der Roman dreht sich um das Helfen und darum, wie das Helfen in vielen Fällen misslingt. Die Autorin las eine bislang noch nie vorgetragene Stelle aus der Mitte des Buches vor, in der Asta sich an einen Aufenthalt in Tunesien erinnert.





















Als nächstes war Tilman Rammstedt an der Reihe. Er hat sich auf ein ungewöhnliches Schreibprojekt eingelassen: Seit dem 11. Januar schreibt er jeden Tag ein Kapitel seines Buches "Morgen mehr". Unter http://www.morgen-mehr.de/ können Leser seine Fortschritte tagesaktuell verfolgen. Am 8. April muss das Buch fertig sein, denn es erscheint am 9. Mai in gebundener Form bei Hanser. Auf die Frage der Moderatorin, ob ihm in den Sinn gekommen wäre, zu schummeln, antwortete der Autor ehrlich, dass ihm dieser Gedanke natürlich gekommen ist. Doch aus seiner Idee, das Buch vorher komplett zu konzipieren, wurde nichts - das habe aber auch bei seinen vorherigen Büchern nicht geklappt. Tatsächlich sei ihm die Grundidee des Buches erst zwei Tage vor Start des Projekts gekommen, und er wisse am Ende eines Tages und Kapitels meist nicht, wie es am nächsten morgen weitergeht.

Tilmann Rammstedt las uns die ersten Kapitel seines Romans vor, in denen man einen Ich-Erzähler kennen lernt, der noch nicht geboren ist. Damit es zu seiner Geburt und seinem Leben kommt, das er bereits vom Anfang bis zum Ende kennt, muss er erst einmal gezeugt werden. Einige Monate vor seiner Zeugung sieht es allerdings noch gar nicht danach aus, denn die Personen, die seine Mutter und sein Vater werden müssen, kennen sich noch nicht einmal. Tilmann Rammstedt erklärte, dass die Cliffhanger am Ende der Kapitel nicht in erster Linie für den Leser sind, sondern für ihn selber: Mit ihnen motiviert er sich jeden Morgen, weiterzuschreiben und schafft bewusst Probleme, auf die er eine Lösung finden muss.





















Den Abschluss machte Jörg Maurer. Sein neuer Alpenkrimi "Schwindelfrei ist nur der Tod" erscheint am 27.April im FISCHER Verlag und ist der achte Fall für seinen Kommissar Jennerwein. Der Autor berichtete, dass der Kommissar nun tatsächlich einen Schritt ins digitale Zeitalter macht, denn er besitzt im neuen Band ein Smartphone. Auf diesem hat ihm jeder Kollege eine App aufgespielt, die er unbedingt braucht, zum Beispiel einen Weißwurst-Finder.

Jörg Maurer las einzelne Szenen vor, die noch nicht zu viel über die Handlung verrieten. Wir lernten einen Dieb kennen, der scheinbar einen Verfolger hat, reisten in die Vergangenheit zu einem Banküberfall und wohnten schließlich noch einer Runde äußerst gerissener Verbrecher bei. Vom Autor erfuhren wir, dass er das Ziel verfolgt, Spannung und Kabarett zu verbinden, und das wurde beim Vorlesen mehr als deutlich. Gekonnt spielte er mit seiner Stimme und sorgte damit für große Erheiterung im Publikum.





















Der Abend in den Balloni-Hallen hat uns bestens unterhalten können. Besonders gut hat mir gefallen, dass man drei Autoren gefunden hatte, die sich in völlig anderen Genres bewegen und auch vom Typ und ihrer Arbeitsweise sehr verschieden waren. So war für jeden etwas dabei und der Abend war äußerst abwechslungsreich. Für mich war das sicherlich nicht der letzte Besuch der lit.cologne und ich freue mich schon auf das nächste Jahr!

Eure Hanna

Text: Hanna Eßer
Fotos: Ingrid und Josef Eßer

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen