Donnerstag, 25. Dezember 2025

Rezension: Himmelerdenblau von Romy Hausmann

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Himmelerdenblau
Autorin: Romy Hausmann
Erscheinungsdatum: 27.08.2025
Verlag: Penguin
Buchformat: Klappenbroschur
ISBN: 9783328604280
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Das titelgebende Wort des Thrillers „Himmelerdenblau“ wurde von der mit sechszehn Jahren verschwundenen Julie als Kind erfunden und fungiert daher passend an einer Stelle als Safety Word. Die Podcast-erfahrene Autorin Romy Hausmann lässt im Buch in einem entsprechenden Medienformat das Paar Liv und Phil den zwanzig Jahre zurückliegenden Fall der noch immer vermissten Julie neu aufrollen. Die beiden suchen nach einem spektakulären neuen Puzzleteil, dass zu einer endgültige Aufklärung führen könnte.

Liv ist eine von mehreren Figuren, auf die sich der Fokus in ständig wechselnden Perspektiven richtet. Dazu gehört auch Daniel, der damalige Freund der Verschwundenen. Einen besonders breiten Raum nimmt Theo ein, der Vater von Julie. Seine Demenz stellt die Autorin eindrucksvoll und glaubwürdig dar. Sein Stolz beruht darauf, einst der Leiter der Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Charité gewesen zu sein.

Romy Hausmann spielt mit den Lesenden, indem sie einige falsche Fährten auslegt. Kaum glaubt man, ein mögliches Szenario der damaligen Ereignisse erkannt zu haben, stellt es sich als Irrweg heraus. Gegen Ende wird eine der handlungstragenden Figuren tot aufgefunden, was nochmals zu einer überraschenden Wendung der Ereignisse führt. Erst auf den letzten Seiten überzeugt die Autorin mit einer Lösung, die man so nicht unbedingt erwartet hätte und die zugleich den Einsatz von Theo für seine Familie betont.

Der Thriller „Himmelerdenblau“ ist aufgrund zahlreicher unerwarteter Entwicklungen nicht nur durchgehend spannend, sondern durch Theos Schicksal auch berührend. Gerne empfehle ich das Buch an alle Lesenden des Genres weiter.

Donnerstag, 18. Dezember 2025

Rezension: Rückkehr nach St. Malo von Hélène Gestern

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Rückkehr nach St. Malo
Autorin: Hélène Gestern
Übersetzerinnen aus dem Französischen: Patricia Klobusiczky und Brigitte Große
Erscheinungsdatum: 12.08.2025
Verlag: Rowohlt Kindler
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Im Roman „Rückkehr nach St. Malo“ der französischen Autorin Hélène Gestern habe ich leider nicht die fesselnde Geschichte gefunden, die der Klappentext verspricht. denn die Handlung verweilt häufig auf der Stelle. Der Geschichtsprofessor Yann de Kérambrun kehrt geraume Zeit nach dem Tod seines Vaters und während seiner laufenden Scheidung von seinem Wohnort Paris in das geerbte Haus der Familie nach Saint-Malo zurück. Dort erinnert er sich an die Sommer seiner Kindheit. Im Original heißt das Buch „Cézembre“ nach einer kleinen Insel, die etwa vier Kilometer von Saint-Malo entfernt liegt.

Yann schwelgt in Erinnerungen und erzählt von seinem Urgroßvater, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Schiffsantriebsgesellschaft gründete. Das Unternehmen besteht auch weiterhin und wird von Yanns Cousine geführt. Im Haus stößt Yann auf alte Dokumente und Notizbücher des Firmengründers. Ich benötigte etwa hundert Seiten, um näher zu erfahren, wohin die Geschichte eigentlich führen will: Der Protagonist versucht aufzuklären, warum seine männlichen Vorfahren mehr Härte statt Liebe gegenüber ihren Nachkommen zeigten.

Hélène Gestern erzählt nicht nur von der mühsamen Recherche Yanns weitere Details zur Vergangenheit seiner Familie durch Verwandte und Bekannte zu erhalten, sondern sie beschreibt auch ausführlich die Landschaft an der bretonischen Küste sowie die Insel Cézembre und deren historisch verbürgte Bedeutung Yann ergründet vor allem die familiären Geschehnisse vor dem Ersten Weltkrieg. Demgegenüber ist die Geschichte der Insel weitgehend mit dramatischen Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg verbunden.

Der zeitliche Fokus springt von Kapitel zu Kapitel und kehrt immer wieder in die Gegenwart zurück, in der der Protagonist beginnt, sich neu zu verlieben. In kursiv gesetzten Einschüben wechselt die Autorin häufig die Erzählerperspektive und lässt dabei oft unbenannte Figuren eine kurze Begebenheit schildern. Manchmal erleichternd diese Passagen die Einordnung der Ereignisse und liefern kleine passende Puzzleteil für den Lesenden. Das Familiengeheimnis erweist sich schließlich als weitaus komplexer, als Yann zu Beginn seiner Nachforschungen erwartet hat.

Obwohl sich die realistische Handlung in behäbigem Tempo entwickelt, wollte ich wissen, wie sich die Fäden letztlich entwirren. Daher habe ich quergelesen und war mit dem Ende versöhnt. 



Samstag, 13. Dezember 2025

Rezension: Die Frau, der Ruhm und der Tod von Grän & Waldenfels (Hauptkommissarin Clara Frings Band 2)

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Die Frau, der Ruhm und der Tod
(Band 2 Hauptkommissarin Clara Frings)
Erscheinungsdatum: 01.12.2025
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783426562567
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Der Kriminalroman „Die Frau, der Ruhm und der Tod“ des Autorinnenduos Christine Grän und Marianne von Waldenfels entführt die Lesenden in die Schlagerwelt der 1970er Jahre. Für Hauptkommisssarin Clara Frings ist es der zweite Fall nach der Aufklärung eines Journalistenmords im Vorjahr. Vorkenntnisse aus dem ersten Teil sind nicht nötig.

Claras beste Freundin Elfi ist Moderatorin der Sendung „Von Frau zu Frau“. Während einer Liveausstrahlung im Kölner Aufnahmestudio bricht ihr Gast, die Sängerin Mona Lisa, die mit bürgerlichem Namen Monika Lindner heißt, plötzlich zusammen. Sie wurde von Otto Nachtsheim, einem in Köln weithin bekannten und geschätzten Bürger, produziert und gemanagt. Gemeinsam mit seiner Familie ist er bei der Sendung vor Ort anwesend.

Obwohl Clara die neue Abteilung „Gewalt gegen Frauen“ mit Dienstsitz in Bonn leitet, wird ihr der Fall übergetragen. Bald stellt sich heraus, dass neben der Leiterin des Fanclubs auch jedes Mitglied der Familie Nachtsheim ein Tatmotiv gehabt hätte. Nichts ist eindeutig und es könnte auch jemand ganz anderes gewesen sein. Während Clara und ihre beiden Mitarbeiterinnen im Mordfall der Mona Lisa immer wieder auf Lügen stoßen und mühsam die Wahrheit freilegen müssen, sind gleichzeitig weitere Fälle zu bearbeiten.  

Das Privatleben der Ermittlerin spielt eine wichtige Rolle. Sie ist mit ihrem obersten Chef liiert, dem sie jedoch ein Geheimnis verschweigt. Außerdem ist sie mit dem Archivar der Dienststelle befreundet. Diese Beziehungen eröffnen zahlreiche Verbindungen zu kulturellen Ereignissen jener Jahre, sowohl regional als auch überregional. So entsteht ein authentisches und atmosphärisches Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse der Jahre 1975 und 1976, in denen die Handlung spielt. Auch viele bedeutende politische Ereignisse sind in die Geschichte eingebettet. Dabei sind die Themen beispielsweise die Gewalttaten der Roten Armee Fraktion und Ost-West-Spionagetätigkeiten. Für mich zeichnete der Kriminalroman ein realistisches Bild jener Zeit, wie ich sie selbst erlebt habe, auch wenn einige Details etwas konstruiert wirken.

„Die Frau, der Ruhm und der Tod“ von Grän & Waldenfels ist ein Kriminalroman, der die damaligen Ermittlungsweisen überzeugend einfängt und nicht nur zeithistorisches Flair bietet, sondern auch glaubhafte Einblicke in die Schlagerszene liefert. Bis zum Schluss bleibt die Spannung erhalten, wer der Täter oder die Täterin ist. Das Ende ist auf eine Fortsetzung ausgelegt. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

Dienstag, 9. Dezember 2025

Rezension: Tête-à-Tête mit einer Schildkröte: Was die Urwesen uns zu sagen haben von Sy Montgomery

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Tête-à-Tête mit einer Schildkröte:
Was die Urwesen uns zu sagen haben
Autorin: Sy Montgomery
Übersetzerin aus dem amerikanischen Englisch: Stefanie Schäfer
mit Illustrationen von Matt Patterson
Erscheinungsdatum: 22.10.2025
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783257073652

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Die in Deutschland geborene und seit langem in New Hampshire/USA lebende Naturforscherin Sy Montgomery widmet ihr Buch „Tête-à-Tête mit einer Schildkröte“ ganz den eierlegenden Kriechtieren. Es ist die am stärksten gefährdete Gattung der Erde.

Gemeinsam mit dem Tierillustrator Matt Patterson hat die Autorin vor fünf Jahren begonnen, der Turtle Rescue League in Massachusetts ehrenamtlich zu unterstützen. Für ihre Einsätze mit denen sie auch ihre Recherchen verbunden hat, nimmt sie in unregelmäßigen Abständen eine zweistündige Autofahrt auf sich. Es ist nicht die einzige Organisation, die sich der Rettung von Schildkröten verschrieben hat, über die die Autorin berichtet. Einige Ortsnamen der Hilfsstationen hat sie geändert, denn Schildkröten sind auf verschiedene Weise begehrt und deshalb gefährdet.

Die Tiere haben auf dem Schwarzmarkt einen so hohen Wert, dass die Gefahr einer Entführung besteht. Man sagt Teilen ihres Körpers eine gewisse Heilfähigkeit zu und das Potential Schönheit zu erhalten. Der Verzehr ihrer Eier und der ihres Fleisches gilt mancherorts als Delikatesse und aus ihrem Rückenschild wird Schmuck gefertigt.

Es ist die Geschichte vieler einzelner Schildkröten von denen Sy Montgomery in ihrem Buch erzählt, aber auch die von den Menschen, die ihnen helfend zur Seite stehen. Sie beschreibt, wie die Verletzungen der Tiere entstanden sind, die in der Hilfsstation betreut werden. Neben diesen bewegenden Einzelschicksalen vermittelt sie immer wieder faszinierendes Wissen. Die erstaunliche Vielfalt der Arten, ihre sehr unterschiedlichen Größen und ihre oft hohe Lebenserwartung sind beeindruckend. Sie besiedeln unterschiedliche Lebensräume.

Sy Montgomery beschreibt den Alltag in der lebendigen Turtle Rescue League. Dort hilft man den verletzten Tieren mit Fachwissen und Verantwortungsbewusstsein. Obwohl die Schildkröten Namen erhalten, ist man sich stets bewusst, dass sie nach ihrer Heilung eines Tages wieder in die Freiheit entlassen werden. Die Autorin dokumentiert ihren Genesungsweg, weshalb bestimmte Namen im Buch immer wieder genannt werden. Als Leserin erlebte ich viele emotionale Höhen und Tiefen im nie sicheren Heilungsprozess. Bei einigen Schildkröten entwickelte sich kein Leben in den gelegten Eiern. Manche Tiere machten große Fortschritte. Leider gab es auch erwartete oder plötzliche Todesfälle der erwachsenen Tiere.

Sy Montgomery schreibt in ihrem Sachbuch mitreißend und warmherzig über die vielfältige Welt der Schildkröten und über die Menschen, die sich unermüdlich für sie einsetzen. Über die Webseiten und Instagram-Kanäle der Autorin und der Turtle Rescue League konnte ich als wunderbare Ergänzung einiges zusätzlich in Bild und Ton ansehen und -hören. Ich empfehle das Buch „Tête-à-Tête mit einer Schildkröte“ uneingeschränkt weiter. Es ist ein großes Lesevergnügen das ganz nebenbei reiches Wissen vermittelt.

Montag, 1. Dezember 2025

Rezension: Knochenkälte von Simon Beckett (Dr. David Hunter Band 7)

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Knochenkälte (Dr. David Hunter Band 7)
Autor: Simon Beckett
Übersetzerinnen aus dem Englischen: 
Erscheinungsdatum: 05.11.2025
Verlag: Rowohlt Wunderlich (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783805200547

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Im Thriller „Knochenkälte“ des englischen Autors Simon Beckett ermittelt der Anthropologe Dr. David Hunter in seinem siebten Fall. Obwohl seit dem Erscheinen des letzten Bands im Frühjahr 2019 mehr als sechs Jahre vergangen sind, setzt die aktuelle Handlung nur etwa eineinhalb Jahre nach dessen Ereignissen ein. Der Titel verweist auf Knochen, die in einer unwirtlichen Region lange im Erdreich verborgen lagen.

Dr. David Hunter, der schon lange als forensischer Berater der Polizei tätig ist, soll an einer Suchaktion im schottischen Carlisle teilnehmen. Er beschließt, bereits am Nachmittag vor der ersten Besprechung von London aus aufzubrechen. Aufgrund starken Regens und der Umgehung einer Unfallstelle verirrt er sich in den Cumbrian Mountains im Nordwesten Englands. Dort fällt sein Navigationssystem aus.

Er strandet im Pub eines abgelegenen Bergdorfs, in dem ihm die Einheimischen unfreundlich begegnen. Sein Handy hat keinen Empfang. Aufgrund eines zweifelhaften Hinweises übernachtet er als einziger Gast in einem heruntergekommenen Hotel, das von einem Ehepaar geführt. Schon beim ersten Gespräch mit ihnen wird deutlich, dass sie vor Ort nicht beliebt sind. Am nächsten Morgen stellt er auf der Rückfahrt fest, dass ein Erdrutsch ein Stück der Straße weggespült hat. Wenig später kappt an dieser Stelle verunfallter Lastwagen die Stromversorgung.

Simon Beckett errichtet diesmal ein Closed Circle Szenario. Dazu gehört auch, dass Dr. Hunter an seinem nächsten Tätigkeitsort nicht so früh erwartet wird und ihn bei der Arbeit niemand vermisst. Außerdem geschieht gerade sehr wenig in seinem Privatleben, das nur am Rand Erwähnungen findet, und aus dieser Sicht nicht nach ihm gesucht wird. Im Dorf gibt es mehrere für den vorliegenden Fall bedeutsame Personen beziehungsweise Gruppen: die bereits erwähnte Familie, die das Hotel betreibt, eine alteingesessene Familie, deren Oberhaupt gerade neunzig Jahre alt geworden ist und dem alle Anverwandten hörig sind sowie die Betreiberin des ortsansässigen Forstunternehmens.

Es ist ein äußerst kompliziertes, für Dr. Hunter kaum zu durchschauendes mit- und gegeneinander im Ort, dem er selbst eine neue Angriffsfläche bietet. Ohne die Identität des Finders einer Leiche preiszugeben, deutet Simon Beckett im Prolog an, dass die Sachlage nicht so einfach ist, wie sie sich zunächst für den Anthropologen und die Leserschaft darstellt. Ohne seine gewohnten Kolleg*innen bleiben ihm nur begrenzte Möglichkeiten, die Funde zu untersuchen, und bald bleibt es nicht beim ersten Toten. Die Funde und die Anwesenheit von Dr. Hunter strapazieren die Nerven der Dorfbewohner und es kommt zu einem neuen Mordfall.

Die Spannung hält Simon Beckett bis zum Schluss hoch, auch wenn die forensischen Details aufgrund des Settings weniger Raum einnehmen als in früheren Bänden. Dafür beschreibt er die regenfeuchte, später verschneite Umgebung, mit der der Ermittler zurechtkommen muss, umso ausführlicher. Dr. Hunter wird körperlich bis zur Grenze der Belastbarkeit gefordert, so dass zwar die Handlung fesselnd bleibt, aber manchmal am Rand der Glaubwürdigkeit steht. In einigen Situationen verhält er sich gegenüber den Dorfbewohner nahezu eingeschüchtert, was in der Folge zum Erhalt der Dramatik beiträgt, aber nicht immer unbedingt realistisch erscheint.

„Knochenkälte“, der siebte Band der Serie um den ermittelnden Anthropologen Dr. David Hunter, von Simon Beckett ist ein grundsolider Thriller in einem Closed Circle Szenario. Er kann unabhängig von den anderen Teilen gelesen werden. Die bedrückende, nicht nur metaphorisch gemeinte eiskalte Stimmung in einem abgelegenen Dorf in den Bergen, das von hohen Bäumen umgeben ist und die sich zuspitzenden Ereignisse sorgen für ein intensives Leseerlebnis. Das Buch ist ein Muss für jeden Dr. Hunter-Fan, ein guter Einstieg in die Serie für diejenigen, die den Ermittler kennenlernen wollen und insgesamt eine spannende Unterhaltung für jeden Trillerlesenden.

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