Autorin: Jessica Berger Gross
Übersetzerin aus dem amerikanischen Englisch: Angela Koonen
Erscheinungsdatum: 02.02.2026
Verlag: Lübbe (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Leseexemplar als Softcover
ISBN: 9783757701963
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Der Titel des Romans „Hazel sagt Nein“ nimmt die entscheidende
Antwort der 18-jährigen Protagonistin auf die Aufforderung ihres Direktors vorweg,
mit ihm eine sexuelle Beziehung einzugehen. Die US-amerikanische Autorin
Jessica Berger Gross entfaltet ihre Geschichte rund um diesen verstörenden und
lebensverändernden Moment von Hazel Blum im Büro des Schulleiters.
Hazel ist mit ihren Eltern und ihrem elfjährigen Bruder Wolf
im Sommer von Brooklyn in die Kleinstadt Riverburg in Maine gezogen, nachdem
ihr Vater dort eine Professur für Amerikanistik angenommen hat. Zunächst ahnen
weder Hazel noch ihre Familie, welche weiten Kreise der Vorfall im Büro der
Schule ziehen wird, denn die Protagonistin schweigt nicht über das unmoralische
Angebot. Ihre Eltern wenden sich an die Präsidentin des Colleges, um Rat zu
suchen.
Von Hazel wird es zunächst nicht gewollt, dass das Thema in
die Öffentlichkeit gerät. Jedoch greifen Journalisten den Fall auf, wodurch das
mediale Interesse wächst. Jessica Berger Gross beleuchtet dabei sowohl
Schattenseiten als auch die möglichen Vorteile durch das Rampenlicht, in das
Hazel gerät. Besonders eindringlich schildert sie die Auswirkungen auf die einzelnen
Familienangehörigen, allen voran für den feinfühligen Wolf, der ausgerechnet
mit der gleichaltrigen Tochter des Direktors endlich eine Schulfreundin
gefunden hat.
Die Bewohner von Riverburg sind gespalten, wem sie glauben
sollen, denn es steht Aussage gegen Aussage. Wie zu erwarten war, stellt der
Schulleiter die Situation so dar, als habe seine Schülerin ihn verführen
wollte. Er ist ein angesehener Mann, der für die Schule bereits einiges
erreicht hat. Es ist erstaunlich, dass er bisher noch von keiner Schülerin
angezeigt wurde, denn er hat frühere unmoralischen Beziehungen Hazel gegenüber
erwähnt. Auch für ihn und seine Familie hat Hazels „Nein“ Konsequenzen.
Die Autorin versteht es, den Ernst der Lage immer wieder mit
feinem Humor aufzuheitern. Sie ist stark darin, die Gefühle und inneren
Konflikte der einzelnen Familienmitglieder im Umgang mit Hazels Erlebnis und
den weitreichenden Folgen darzustellen. Allerdings ist mir die Darstellung des Konsum
von Joints als Mittel zur Entspannung zu sorglos beschrieben.
Zwischenzeitlich verliert sich der Schwerpunkt des Romans in
etlichen Nebenhandlungen, während er sich im mittleren Teil zum Hauptthema
aufschaukelt, bis ins unglaubwürdige. Dennoch regen gerade die verschiedenen
Reaktionen und Auswirkungen zum Nachdenken an. Es ist schwierig zu beurteilen,
ob Hazel in jeder Situation die für sie beste Entscheidung getroffen hat.
In ihrem Roman „Hazel sagt Nein“ macht Jessica Berger Gross deutlich,
wie komplex und weitreichend die Folgen eines einzigen „Neins“ sein können –
für die Betroffene selbst, für ihre Familie und für eine ganze Gemeinschaft. Es
braucht Mut, Grenzen zu setzen, und noch mehr Mut, zu ihnen zu stehen. Trotz
einiger erzählerischer Schwächen konnte mich der Roman überzeugen und wird noch
lange nachhallen. Gerne empfehle ich ihn weiter.
