Rezension von Ingrid Eßer
Titel: Mirabellentage
Autorin: Martina Bogdahn
Erscheinungsdatum: 16.04.2026
Verlag: KiWi (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783462013542
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Im Roman „Mirabellentage“ von Martina Bogdahn erzählt die
Pfarrhaushälterin Anna Nass, Anfang fünfzig, in der Ich-Perspektive von ihrem arbeitsreichen
Leben im bayrischen Blumfeld. Der Pastor, für den sie tätig war und den sie
seit ihrer Kindheit kannte, ist im Alter von nur siebenundfünfzig Jahren
plötzlich verstorben. Genau wie sie ist er vor Ort in einer ländlichen Umgebung
aufgewachsen, wobei er ein paar Jahre älter war. Beide haben die Natur geliebt,
was sich auch in den schönen Schilderungen der Landschaft widerspiegelt. Zum
Pfarrhaus gehört ein großer Garten in dessen Mitte ein Mirabellenbaum steht,
der mit seinen Früchten dafür sorgt, dass jeder Besuchende des Hauses ein Glas
Konfitüre erhält und dem Buch seinen Titel gibt.
In der Natur umherzustreichen war sowohl für Anna als auch
für Josef befreiend von all den Erwartungen, die ihnen vom Elternhaus auferlegt
wurden. Im Verlauf der Handlung erinnert sich die Haushälterin immer wieder an
diese Zeit zurück, weswegen das aktuelle Geschehen stellenweise ins Stocken
gerät. Selbst schwierigen Situationen gewinnt Anna eine humorvolle Seite ab. Der
gesamte Text wird von einem feinen Augenzwinkern begleitet, die Beschreibungen
sind oft überspitzt dargestellt. Die Dorfbewohnenden sind äußerst geübt darin,
aufgrund von kleinsten Bemerkungen die sonderbarsten Mutmaßungen aufzustellen. Die
Gerüchteküche kocht und die Fantasie lässt diese mit jeder Weitergabe der
Vermutung übersprudeln. Martina Bogdahn bedient so manches Klischee des
Landlebens, versteht es jedoch dabei auch, auf verschiedene Probleme
hinzuweisen.
Der Tod des Pfarrers in der Gegenwart des Jahres 2010 und sein damit verbundener letzter Wille stellen Anna vor unerwartete Herausforderungen, aus denen sich weitere zahlreiche, amüsante Szenen ergeben. Doch sie steht zu ihrem Wort, auch wenn sie dabei über ihren Schatten springen muss. Auf dem Weg, die übernommene Aufgabe auszuführen, stellt sie fest, dass nur derjenige heimkommen kann, der zuvor weggegangen ist.
Der neue Priester, der wenig später ins Pfarrhaus einzieht, stammt aus
Norddeutschland und sorgt erwartungsgemäß im Ort für neue Spekulationen, da er auf
direktem Wege aus Rom eintrifft. Bald schon erweist er sich als recht
selbständig, so dass Anna um ihre Anstellung bangt. Hinter ihrem Frohsinn kann
sie die Notwendigkeit, sich ernsthaft Gedanken über ihre Zukunftsgestaltung zu
machen, nicht verbergen.
In ihrem Roman „Mirabellentage“ schildert Martina Bogdahn das Leben der Pfarrhaushälterin Anna Nass im ländlichen Blumfeld. Sie greift dabei auf vergnügliche Weise im überzeichneten Maß die Eigenheiten des Dorflebens auf, deutet gleichzeitig aber auch problematische Seiten im ländlichen Zusammenleben an. Gerne empfehle ich diese unterhaltsame, warmherzige Geschichte an Lesende mit einem Sinn für das Komische weiter.
