Autorin: Kathryn Stockett
Übersetzerin: Cornelia Holfeder - von der Tann
Erscheinungsdatum: 27.05.2026
Verlag: btb (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783442763351
In ihrem Roman „Der Club der Unbeugsamen“ nimmt die
US-amerikanische Autorin Kathryn Stockett die Lesenden mit nach Oxford im
Bundesstaat Mississippi. Die Handlung spielt von Juli bis Oktober 1933, einer
Zeit mitten in der „Großen Depression“, der schweren Wirtschaftskrise in den
USA, die mit dem Börsencrash 1929 begann und die gesamten 1930er Jahre mit
weltweiten Auswirkungen prägte. Der amerikanische Originaltitel „The Calamity
Club“ verweist auf die schwierige Lebenssituation der Frauen, die im Fokus der
vorliegenden Geschichte stehen und daher einen Club gründen, um ihre
wirtschaftliche Lage zu verbessern. Sie gehen trotz zahlreicher Widerstände
ihren Weg, was auch der deutsche Titel aufgreift.
Im Prolog kauft die 24 Jahre alte Birdina „Birdie“ Calhoun,
eine der beiden aus der Ich-Perspektive erzählenden Protagonistinnen, in einer
Drogerie eine große Menge Präservative und erwähnt dabei ausdrücklich, dass
diese nicht für sie bestimmt sind. Dieser rätselhafte Einstieg machte mich
neugierig auf den Hintergrund. Zwei Monate zuvor hat Birdie die elfjährige Margot
„Meg“ Lefleur kennengelernt, die zweite Protagonistin des Romans. Meg lebt seit
eineinhalb Jahren in einem Waisenhaus, nachdem ihre Mutter kurz vor Weihnachten
verschwand. Als eines der ältesten Kinder wird sie von der Leiterin des Heims
schikaniert.
Im ersten Teil des Buches zeichnet Kathryn Stockett ein
eindringliches Bild der Lebensumstände ihrer beiden Hauptfiguren. Sie schildert
die unwürdigen Bedingungen im Waisenhaus, in dem Meg aufgrund ihres Verhaltens sogar
vom Schulunterricht ausgeschlossen wird. Birdie reist aus ihrem kleinen Heimatort
nach Oxford, um dort ihre jüngere Schwester Frances zu besuchen und sie um finanzielle
Unterstützung für die Mutter und die Großmutter zu bitten. Während Frances in
eine gut betuchte Familie eingeheiratet hat, reicht Birdies Einkommen aus ihrer
Tätigkeit im örtlichen Dorfladen kaum für den dreiköpfigen Haushallt, zumal sie
für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt wird als ein männlicher Kollege.
Die Bewohner von Mississippi leiden nicht nur unter den
Folgen der anhaltenden Wirtschaftskrise, sondern auch unter den
gesellschaftlichen Zwängen ihrer Zeit. Verstöße gegen die Prohibition werden
streng verfolgt und bestraft, ebenso wie die Einhaltung der Gesetze zur
Rassentrennung und gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen. Kathryn Stockett
macht eindrucksvoll deutlich, wie tief diese Vorschriften das Leben die
Menschen prägen und die Gesellschaft spalten. In der Figur der
Waisenhausleiterin findet sich eine zutiefst unsympathische Figur: Diese ist davon
überzeugt, dass bestimmte Krankheiten sowie gewisse Denk- und Verhaltensweisen von
Frauen unweigerlich zu einer Intelligenzminderung führen. Die Weitergabe dieser
Eigenschaften versucht sie radikal zu unterbinden.
Die Autorin verdeutlicht, dass die wirtschaftliche Not
sowohl die arme als auch die reiche Bevölkerung trifft, wenn auch in
unterschiedlicher Ausprägung. Besonders alleinstehende, einkommensschwache
Frauen verfügen nur über wenige Möglichkeiten, sich ein selbstbestimmtes Leben
aufzubauen und dabei ihre Würde zu bewahren. Den täglichen Kampf für eine
solche Unabhängigkeit wird im zweiten Teil des Buches geschildert. Nachdem
Birdie die verzweifelte Charlie kennengelernt hat, lässt sie sich auf deren
fragwürdigen Vorschlag ein, mit einem als Tanzclub getarnten Unternehmen in
kurzer Zeit viel Geld zu verdienen.
Mit „Der Club der Unbeugsamen“ lässt Kathryn Stockett das
Mississippi des Jahres 1933 lebendig werden. Einfühlsam versteht sie es, über
den familiären Hintergrund ihrer facettenreich gestalteten Protagonistinnen
Birdie und Meg sowie weiteren starken Frauenfiguren sowohl die
gesellschaftlichen Missstände der Zeit als auch den unermüdlichen Kampf von
Frauen gegen Konventionen und für ihre Ziele greifbar zu machen. Sehr gerne
empfehle ich das Buch weiter.
