Samstag, 27. Juni 2026

Rezension: Kein Sommer ohne August von Lucy Astner

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Kein Sommer ohne August
Autorin: Lucy Astner
Erscheinungsdatum: 01.06.2026
Verlag: Lübbe (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 978375770229

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Mit dem Roman „Kein Sommer ohne August“ hat die Autorin Lucy Astner nach eigener Aussage ein Buch geschrieben, wie sie selbst ihn gerne lesen würde. Bereits die sommerlich frische Gestaltung mit Farbschnitt ist ein Eyecatcher und lässt erahnen, dass die Handlung am Meer spielt. Doch die 32-jährige Protagonistin Charlie, die inzwischen in London in einer Event-Agentur arbeitet, kehrt nicht wegen der faszinierenden Umgebung oder aufgrund eines Urlaubs an ihren früheren Wohnort Liberty Beach zurück. Vielmehr sind es einige kurze Zeilen ihres Jugendfreunds August Green, die sie veranlasst haben, nach zehn Jahren in den Nordosten der USA heimzukehren, jedoch nur für wenige Tage.

Charlies Mutter war alleinerziehend und verfügte nur über geringe finanzielle Mittel. Mit elf Jahren lernt Charlie bei einem Vorfall, der ihr später peinlich ist, in der örtlichen Buchhandlung von Liberty Beach den Enkel der Inhaberin kennen. August ist etwa gleich alt und lebt mit seinen Eltern in New York. Seine dreiwöchigen Ferien verbringt er jedes Jahr bei seiner Großmutter Molly. Über zwölf Sommer hinweg erneuern Charlie und August ihre Freundschaft immer wieder und teilen ihre Liebe zu Geschichten und Büchern.

Lucy Astner versteht es ausgezeichnet, das Geheimnis lange zu bewahren, welches die tiefe Verbundenheit der beiden eines Tages erschüttert und Charlie dazu veranlasste, ihre Heimat zu verlassen. Dass August von ihr bereits auf den ersten Seiten der Geschichte als der größte Fehler ihres Lebens bezeichnet wird, deutet auf die Schwere des Konflikts hin. Der Roman entfaltet sich auf zwei Zeitebenen und wechselt zwischen der Gegenwart und den damaligen Sommern, die in chronologisch erzählt werden.

Für Charlie wird die Buchhandlung von Augusts Großmutter zum Zufluchtsort. Die Beziehung zu ihrer Mutter ist problembelastet. In der Buchhandlung hilft sie Molly und darf in die Geschichten zwischen den Buchseiten eintauchen, was ihr dabei hilft, die Gegenwart auszublenden. Die gemeinsamen Tage mit August sind geprägt von guten Gesprächen über Bücher, jedoch schleicht sich zunehmend ein deutlich stärkeres Gefühl als Zuneigung in ihre Freundschaft ein.

Die langen Monate zwischen den Sommern werden zu einer Zerreißprobe ihrer Beziehung. Die räumliche Distanz nährt das Misstrauen darüber, welche Kontakte der jeweils andere in der Zwischenzeit pflegt. Charlies Argwohn wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass August ihr gegenüber ruhig und zurückhaltend wirkt, während er anderen gegenüber offen und humorvoll auftritt. In ihrem Schmerz zieht sie sich zurück, statt die Möglichkeit einer Aussprache zu nutzen. Außerdem begleitet Charlie über die Jahre hinweg eine Vorstellung ihrer Mutter, die die Liebe mit einer Rolltreppe vergleicht und dafür sorgt, dass sie ihre eigenen Gefühle zu verbergen sucht.

Der Roman „Kein Sommer ohne August“ von Lucy Astner ist ein atmosphärisch dichter Coming-of-Age-Roman mit einer originellen Liebesgeschichte, der von der Magie heißer Sommertage und dem Duft von Büchern begleitet wird. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

Freitag, 19. Juni 2026

Rezension: Der Tag war schön und ich dachte an dich von Sofia Montrone

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Der Tag war schön und ich dachte an dich
Autorin: Sofia Montrone
Übersetzerin: Eva Bonné
Erscheinungsdatum: 19.06.2026
Verlag: Rowohlt (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783498007751

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„Der Tag war schön und ich dachte an dich“ ist das Debüt der in Kalifornien lebenden Autorin Sofia Montrone. Der Roman erzählt die Geschichte der in Manhattan lebenden Leo und ihrer Familie, die ihre Sommer im Norden Italiens verbringt. Dort, in der Lombardei, führt Nonna Tina, die Mutter von Leos Mutter, seit vielen Jahren ein Hotel.

Im Sommer des Jahres 2010 ist Leo zehn Jahren alt. Sie hilft ihrer betagten Großmutter tatkräftig beim Bettenmachen und Reinigen der Zimmer und unterstützt sie auch hier und da, wo es gerade nötig ist. Durch die Spuren jeder Art, die die Gäste im Hotel hinterlassen, beginnt sie darüber nachzudenken, welches Leben diese Menschen wohl in ihrer Heimat führen mögen. Währenddessen verbringt ihre chronisch erschöpfte Mutter die meiste Zeit im Bett. Mit Max ihrem ein Jahr jüngeren Bruder hat sie stets einen Spielgefährten zur Seite. Beide lauschen gerne dem Mythos der „Odyssee“, die ihr Vater, der gerne Trost im Alkohol sucht, ihnen stückweise erzählt. Leo sieht in der Figur des Odysseus Parallelen zu ihrem Vater, der auf der Suche nach Halt im Leben zu sein scheint und dabei seine Familie zurücklässt.

In einem zweiten Erzählabschnitt ist Leo achtzehn Jahre alt und verbringt den heißen Sommer erneut bei ihrer Großmutter im Hotel. Doch ein Unfall hat in den vergangenen Jahre ihre Familie verändert. Leo bandelt halbherzig mit einem Jungen im Dorf an. Als die fast gleichaltrige Amerikanerin Dolores, die eine nahegelegene Geigenbauschule besucht, eine Aushilfsstelle im Hotel annimmt, wirbelt sie Leos Gefühlswelt durcheinander. Für sie scheint nun die Zeit gekommen zu sein, sich mit ihrer nahen Zukunft auseinanderzusetzen. Dabei bleibt die Beschreibung der Beziehung eher im Hintergrund. Der Titel nimmt Anspielung auf Leos Überlegung, zukünftig alles Schöne, das sie sieht, mit Erinnerungen an ihre große Liebe zu verknüpfen.

Sofia Montrone erzählt diese sanft fließende Geschichte in einem sprachgewandten, poetischen Stil. Bei den Handlungen von Leo schaut sie genau hin und lässt ihre Protagonistin im Verlauf der Handlung eine Vielzahl an Gefühle durchleben, von Ekel bis Wohlbehagen, von Wut bis Gelassenheit. Angst, Neugier, Liebe und Trauer begleiten die Romanhandlung. Die Spiele der Weltmeisterschaften reizen die Emotionen der Personen im Umfeld Leos, die in der Phase ihres Coming-of-Age versucht, ihre Erfahrungen einzuordnen und für sich verständlich zu machen. Die Autorin verwendet eine auktoriale Erzählperspektive, wodurch für mich allerdings eine gewisse Distanz zu Leo blieb.

In ihrem Debütroman „Der Tag war schön und ich dachte an dich“ verbindet Sofia Montrone abwechslungsreiche Stimmungsbilder und familiäre Konflikte mit einer feinfühlig erzählten Liebesgeschichte. Der sprachlich feine Schreibstil verleiht dem Roman eine besondere Atmosphäre und trägt auch über ruhigere Passagen hinweg.

Montag, 15. Juni 2026

Rezension: Pause von Lena Kupke

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Pause
Autorin: Lena Kupke
Erscheinungsdatum: 15.05.2026
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783423285421
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In ihrem Debütroman „Pause“ erzählt Lena Kupke von der 36-jährigen Hanna, die in Berlin lebt und während einer beruflichen Präsentation ihrer Arbeit für die Anwesenden völlig unerwartet das Bewusstsein verliert. Die behandelnde Ärztin im Krankenhaus entscheidet, dass sie in den nächsten Stunden nicht allein bleiben soll. Da weder ihr Lebenspartner Paul noch ihre Freundinnen Zeit haben, bleibt ihr als letzte Lösung nur, dass ihre Eltern sie aus dem etwa zweihundert Kilometer entfernten Lüneburg zu sich nach Hause holen.

Während Hannas Schwester Sara immer noch in der Heimat lebt, hat Hanna das Elternhaus bereits vor mehreren Jahren verlassen. Der Alltag ihrer Eltern folgt inzwischen einem routinierten Ablauf, der durch ihre Rückkehr durcheinandergerät. Kaum hat Hanna wieder ihr Kinderzimmer bezogen, werden viele Erinnerungen an die kleinen Marotten ihrer Mutter und ihres Vaters wach. Schon bald empfindet Hanna ihre Anwesenheit im Elternhaus als belastend, nicht zuletzt wegen mancher Bemerkungen ihrer Mutter. Dadurch, dass Hanna aus der Ich-Perspektive heraus erzählt, konnte ich ihrer Gefühlswelt sehr gut nachvollziehen. Ich empfand ihre Handlungen als authentisch, auch weil die Autorin darin vermutlich eigene Erfahrungen hat einfließen lassen.

Es wird von Beginn an deutlich, dass Hanna in den vergangenen Jahren einiges erlebt hat, dass ihr Angst macht und Panik auslöst. Das Problem wird allerdings nie beim Namen genannt, ist aber zwischen den Zeilen zu lesen, beispielsweise dann, wenn jemand über die Kinder von Gleichaltrigen spricht und sie sich am liebsten abwenden möchte. Es zeigt sich mit der Zeit, dass dieses Thema auch ihre Beziehung zu Paul belastet und zu Spannungen zwischen ihnen geführt hat.

In Hannas Familie ist seit jeher vieles unausgesprochen geblieben: man streitet sich und wenn man sich wenig später wieder trifft, ist alles wieder gut. Hanna hat inzwischen jedoch erkannt, dass ihr offenes Reden und Diskutieren über Sorgen und Ängste helfen würde. Es fehlt ihr aber der Mut, ihre eigenen Bedürfnisse klar zu formulieren und für sich einzustehen. Die Geschichte endet für sie mit einem wohlgemeinten Schluss.

Lena Kupke erzählt in ihrem bewegenden Roman „Pause“ feinfühlig mit Tiefgang über schwierige Themen im frischen und zeitweile amüsanten Sprachstil. Sie verdeutlicht, wie wichtig es manchmal sein kann, innezuhalten, um sich darüber klarzuwerden, ob eine neue Ausrichtung des Lebenswegs sinnvoll ist. Gerne empfehle ich den Roman weiter.

Sonntag, 7. Juni 2026

Rezension: Eine Liebe ohne Sommer von Timothy Paul

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Eine Liebe ohne Sommer
Autor: Timothy Paul
Erscheinungsdatum: 15.05.2026
Verlag: Rowohlt Polaris (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover
ISBN: 9783449017568
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Die Liebe von Rosa erlebt, wie bereits der Romantitel „Eine Liebe ohne Sommer“ andeutet, keine warme Jahreszeit, weil ihr geliebter Nikolas an einem kalten Wintertag bei einem Unfall ums Leben kommt. Im Buch von Timothy Paul begegnen sich die beiden durch Zufall auf der Treppe des Hauses, in dem sowohl Rosa als auch die Mutter von Nikolas wohnen. Es bleiben ihnen nur wenige Wochen, um einander besser kennenzulernen, bevor das gemeinsame Glück jäh endet.

Rosa ist 35 Jahre alt und seit drei Jahren Single. Von Beruf ist sie Redakteurin und Ghostwriterin. Sie kann kaum glauben, dass der gutaussehende Nikolas sich für sie interessiert. Obwohl sie sich von Beginn an zu dem charmanten, aber risikofreudigen Mann hingezogen fühlt, erfährt sie von ihm wenig über sich und seine Freunde, von denen er ihr nie jemanden vorstellt. Nach seinem Tod bleiben daher zahlreiche Fragen offen, sodass Rosa das Gefühl hat, den von ihr geliebten Mann nie wirklich gekannt zu haben. Um Antworten zu finden, sucht sie bewusst den Kontakt zu seinen Freunden und Weggefährten. Gespräche mit ihnen sollen ihr Einblicke in sein Leben zu ermöglichen.

Die Geschichte wird von Rosa aus der Ich-Perspektive erzählt, die nicht nur in der Gegenwart spielt, sondern auch Rückblicke auf die kurze Beziehung gewährt. Für zusätzliche Abwechslung Sorgen Auszüge aus Rosas Notizbuch sowie der Verlauf von WhatsApp Chats. Gleich am Anfang steht fest, dass Nikolas verstorben ist. Dennoch wird die Handlung nicht von Trauer beherrscht. Stattdessen prägen vor allem der warmherzige Umgang der Liebenden sowie ihre humorvollen und schlagfertigen Dialoge weite Teile des Romans.

Auf ihrer Suche nach dem Menschen hinter den Erinnerung, begegnet Rosa verschiedenen Personen, die überwiegend interessant gestaltet sind, mich aber nicht alle gleichermaßen überzeugen konnten. Durch die Gespräche setzt sich Schritt für Schritt ein immer vollständigeres Bild von Nikolas zusammen.

Rosas Versuch, die Wahrheit über den geliebten, aber verstorbenen Nikolas zu ergründen, verleiht dem Roman „Eine Liebe ohne Sommer“ eine beständige, unterschwellige Spannung. Feinfühlig schildert Timothy Paul die Licht- und Schattenseiten einer kurzen Liebesbeziehung, die sich trotz des tragischen Ausgangs leicht und flüssig liest. Gerne empfehle ich das Buch daher weiter.

Dienstag, 2. Juni 2026

Rezension: Brombeerblaue Tage von Simone Veenstra

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Brombeerblaue Tage
Autorin: Simone Veenstra
Erscheinungsdatum: 15.05.2026
Verlag: Rowohlt Wunderlich (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783805201292

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Der Roman „Brombeerblaue Tage“ von Simone Veenstra nimmt die Lesenden an der Seite der Protagonistin Elisa, einer Landschaftsarchitektin, mit nach Rügen. Sie folgt damit einem Anruf ihres Vaters, der sie kurzfristig bittet, sich während eines Routine-Checks in einem Krankenhaus auf dem Festland um seinen renovierungsbedürftigen Gutshof und seinen Hund zu kümmern.

Die vierundvierzigjährige Elisa ist selbständig, lebt in Berlin und hat wegen der Auftragslage kaum Zeit für anderes. Der Hof und die Gartenanlage sind in einem bedauerlichen Zustand. Gleichzeitig lebt ihre Leidenschaft für Pflanzen und Gärten neu auf, die einst in den Ferien von ihrer inzwischen verstorbenen, in den Niederlanden lebenden Großmutter geweckt wurde. Diese Naturverbundenheit spricht aus den Buchzeilen und spiegelt sich auch in den illustrierten Pflanzensteckbriefen wider, die jedem Kapitel vorangestellt sind.

Während Elisa versucht, ihre beruflichen Verpflichtungen von Rügen aus weiterzuführen, verschlechtert sich der Gesundheitszustand ihres Vaters. Sie gerät immer stärker in den Konflikt zwischen beruflicher Verantwortung und familiärer Fürsorge, bis sie schließlich selbst an ihre Belastungsgrenze stößt.

Simone Veenstras erzählt eine Geschichte, die nah am Leben ist. Vor allem Frauen haben im mittleren Lebensalter häufig den Spagat zwischen pflegebedürftigen Eltern und den Anforderungen ihres Berufs zu bewältigen. Bei Elisa kommt hinzu, dass sie auf Rügen mit ihrer Liebe zur Natur genau das findet, was ihr gefehlt hat und ihr gut tut. Durch die Begegnungen mit Nachbarn und einer engen Freundin ihres Vaters erkennt sie, wie sehr ihr diese Verbundenheit gefehlt hat. Es ist ein Gefühl, das sie nicht nur früher bei der Großmutter genossen hat, sondern das auch ihren Berufswunsch maßgeblich prägte. Gleichzeitig verschweigt die Autorin nicht die Schattenseiten von Elisas Job.

Der Roman thematisiert ebenfalls die entstehenden Probleme einer Person, die unter einem postoperativen Delir leidet. Die Schilderungen wirken besonders authentisch, weil darin die persönlichen Erfahrungen der Autorin eingeflossen sind. Medizinische Hintergründe und hilfreiche Ratschläge werden glaubwürdig in die Handlung integriert. Ebenso feinfühlig beschreibt Simone Veenstra die Annäherung zwischen Vater und Tochter, deren Beziehung über viele Jahre von Distanz geprägt war.

In ihrem Roman „Brombeerblaue Tage“ zeigt Simone Veenstra mit viel Empathie und aus eigener Erfahrung wie wohltuend und heilsam die Nähe zur Natur sein kann. Sie erzählt von der Suche nach dem, was im Leben wirklich wichtig ist und dem Mut zu einem Neuanfang. Ein berührendes Buch, das ich gerne weiterempfehle! 


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