Freitag, 22. September 2017

[Rezension Hanna] Die Melodie meines Lebens - Antoine Laurain


Die Melodie meines Lebens
Autor: Antoine Laurain
Übersetzerin: Sina de Malafosse
Hardcover: 256 Seiten
Erschienen am 12. September 2017
Verlag: Atlantik

Inhalt
Alain Massoulier erhält eines Tages einen Brief, der ganze dreiunddreißig Jahre zu spät bei ihm eintrifft. In diesem lädt eine Plattenfirma seine alte Band zu einem Termin ein. Das wäre ihre große Chance gewesen! Stattdessen haben sie sich nach einiger Zeit aufgelöst und aus den Augen verloren. Alain beschließt, die anderen zu suchen und ihnen von dem Brief zu erzählen. Vielleicht haben sie ja im Gegensatz zu ihm noch eine Aufnahme ihres besten Songs? Die mehr als drei Jahrzehnte haben die ehemaligen Bandmitglieder was ihre Berufe und Ambitionen betrifft in höchst unterschiedliche Richtungen getrieben.

Meinung
Die ersten drei Bücher von Antoine Laurain habe ich mit Begeisterung gelesen, und so war ich neugierig auf „Die Melodie meines Lebens“. Das Buch beginnt mit Alain, der seine Postfiliale aufsucht, um eine Erklärung dafür zu fordern, dass ein für ihn so wichtiger Brief mehr als drei Jahrzehnte zu spät zugestellt wird. Er erntet dafür aber nicht viel mehr als ein Schulterzucken und den Verweis auf den Fund bei Renovierungsarbeiten. Gleich danach erfährt man, dass in dem Brief Alains alte Band von einer Plattenfirma eingeladen wird. Genau das, wovon die Band damals träumte! Schnell hat Alain den Entschluss gefasst, Kontakt zu den anderen Bandmitgliedern aufzunehmen.

Alain und seine Suche ist der Ausgangpunkt der Geschichte, und doch dreht die Geschichte sich nicht nur um ihn. Vielmehr erhält man viele Einblicke, was das Leben seit der gemeinsamen Zeit aus den einzelnen Bandmitgliedern gemacht hat. Das erinnerte mich ein wenig an „Der Hut des Präsidenten“ mit dem Unterschied, dass nicht nacheinander auf die verschiedenen Charaktere geschaut wird, sondern die Erzählung mal hierhin, mal dorthin springt. Dadurch fiel es mir am Anfang schwer, eine Orientierung zu erhalten. Zum Glück gibt es im dritten Kapitel eine Auflistung der Band, die dabei half, die Handelnden auseinander zu halten.

Mit seinen Charakteren bedient sich der Autor gesellschaftlich in den verschiedensten Ecken. Neben dem Arzt gibt es einen Künstler, einen Auswanderer, einen rechtspopulistischen Politiker, einen Antiquitätenhändler und auch einen Unternehmer mit Präsidentschaftsambitionen. Meist wird aus der dritten Person erzählt, für einzelne Kapitel wechselt die Geschichte aber auch in die Ich-Perspektive und ließ den Leser noch tiefer in die Gedanken und Geheimnisse einzelner blicken. Es ist eine Momentaufnahme der aktuellen Situation der Charaktere, wobei die Begegnung mit Alain vergleichsweise wenig auslöst, ganz im Gegensatz zu anderen Zwischenfällen, von denen berichtet wird.

Das Buch ist wie ein Puzzle, wobei nicht alles eng miteinander verbunden wird, sondern nur über die alte Band lose zusammenhängt. Deutlich stärker als in seinen bisherigen Romanen übt der Autor hier eine charmant verpackte, deutliche Gesellschaftskritik in Bezug auf ganz verschiedene Themen. Am Ende wird die Geschichte mit einigen Ereignissen auf die Spitze getrieben, was für mich nicht hätte sein müssen. Schließlich erhält die Angelegenheit des verspäteten Briefes einen gelungenen Abschluss und auch die Musik spielt noch einmal eine Rolle, was ich schön fand.

Fazit
In „Die Melodie meines Lebens“ sorgt ein Brief dafür, dass Alain nach den ehemaligen Mitgliedern seiner Band sucht, die sich schon vor über drei Jahrzehnten aufgelöst hat. Der Leser lernt ganz verschiedene Charaktere kennen, wobei die Geschichte näher an aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen ist als die bisherigen Werke des Autors. Ich fand die verschiedenen Einblicke interessant, hätte mir aber noch mehr roten Faden und weniger überspitzte Ereignisse gewünscht. Eine kurzweilige Geschichte Fans des Autors und alle, die Interesse an einem unterhaltsamen und zugleich kritischen Blick auf Frankreich haben.


Samstag, 16. September 2017

[Rezension Hanna] Das Glück des Zauberers - Sten Nadolny


Das Glück des Zauberers
Autor: Sten Nadolny
Hardcover: 320 Seiten
Erschienen am 1. September 2017
Verlag: Piper

Inhalt
Pahroc hat die 100 Jahre bereits überschritten, als für ihn ein großer Wunsch in Erfüllung geht: Seine vier Monate alte Enkelin Mathilda zeigt als erste seiner Nachkommen die Begabung fürs Zaubern, indem sie ihm mit der „langen Hand“ die Brille von der Nase fegt. Er beginnt, Briefe an sie zu schreiben, die ihr als Packen übergeben werden sollen, wenn sie erwachsen ist. Darin erteilt er ihr Ratschläge rund ums Zaubern und erzählt dabei seine eigene Lebensgeschichte. In zwölf Briefen blickt der Leser durch Pahrocs Augen auf das 20. Jahrhundert zurück, in welchem ihm die Zauberei in so mancher verzwickter Lage half und ihn heimlich Großes hat tun lassen.

Meinung
Das Buch beginnt mit einem Begleitbrief von Rejlander, die sich als Pahrocs Nachlassverwalterin vorstellt und an zwei Freunde schreibt, denen sie das Zustandekommen seiner Briefsammlung und seine Pläne für die Übergabe an Mathilda irgendwann nach ihrem achtzehnten Geburtstag erklärt. Nach dieser Einstimmung war ich neugierig, selbst einen Blick auf die Briefe werfen zu dürfen und tauchte ein in die Aufzeichnungen des Zauberers.

Mir hat die Idee, dass ein Großvater Briefe mit Ratschlägen an seine Enkelin schreibt, sehr gefallen. Besonders interessant wird es durch den Aspekt des Zauberns. Erst mit fortschreitendem Alter kann man bestimmte Zauber überhaupt erlernen, weshalb Pahroc diese nach der Erlernbarkeit ordnet und erzählt, welche Erfahrungen er selbst damit gemacht hat. Pahroc blickt auf diverse Ereignisse des 20. Jahrhunderts zurück, sowohl solche, welche die ganze Bevölkerung miterlebt hat als auch einzelne Sternstunden, bei denen er als Zauberer ganz nah dran war und sie sogar manchmal entscheidend beeinflusst hat.

Mit Pahroc hat er einen klugen Erzähler geschaffen, der oft mit einem zwinkernden Auge von seinen Erlebnissen berichtet, aber auch ernste Töne anschlägt und Warnungen ausspricht. Der historische Rückblick wird durch den Aspekt des Zauberns bereichert, denn dieser schafft zum einen durch Zauber wie das Fliegen und Geld zaubern große Freiheiten im Hinblick auf den Verlauf der Geschichte und sorgt zum anderen durch die fantastisch-fabulierende Perspektive für Unterhaltung. Da erteilt Pahroc zum Beispiel Ratschläge zum richtigen Umgang mit Krokodilen, denn er verwandelt sich ja selbst gern in eins. Oft schwingen in seinen Berichten aber auch eine Gesellschaftskritik sowie philosophische Gedanken mit, die ins Nachdenken bringen.

In seinen Briefen schildert Pahroc mehr oder weniger chronologisch sein Leben, mal greift er auch vor oder blickt noch einmal zurück auf ein bislang ausgelassenes Erlebnis. Auch das aktuelle Tagesgeschehen von 2012 bis Mai 2017 wird aufgegriffen, denn in diesem Zeitraum hat er die Briefe verfasst. Durch den plaudernden Tonfall lässt sich das Buch zügig lesen. Immer wieder stellte ich mir vor, wie es wohl für Mathilda sein wird, diese Briefe in der Hand zu halten. Diese Frage wird im Buch nicht explizit beantwortet, was ich gut fand, denn so blieb offen, ob ihre Gefühle und Gedanken die gleichen waren wie meine. Was dem Leser jedoch nicht vorgehalten wird, ist, was in der Zukunft passiert, nachdem Mathilda die Briefe gelesen hat. Hier halt das Nachwort einen gelungenen Kniff bereit, der mich überraschen konnte und einen nachdenklich-hoffnungsvollen Abschluss bildet.

Fazit
In „Das Glück des Zauberers“ erzählt der Zauberer Pahroc mittels Briefen der erwachsenen Version seiner aktuell vier Monate alten Enkelin seine Lebensgeschichte und gibt Ratschläge zum Zaubern. Dieser Rückblick auf das 20. Jahrhundert, bei welchem der Schwerpunkt auf den 1920er bis 1950er Jahren liegt, wurde durch den Aspekt des Zauberns absolut bereichert. Das Buch ist eine Mischung aus Historik, Fabulierkunst, Humor, Gesellschaftskritik und Philosophie, die mir sehr gut gefallen hat. Solltet ihr eine Gelegenheit erhalten, wie ich einen Blick auf Pahrocs Briefe an Mathilda zu werfen, dann ergreift sie unbedingt!


Freitag, 15. September 2017

[Rezension Ingrid] Beware that girl von Teresa Toten


Titel: Beware that girl
Autor: Teresa Toten
Übersetzerin: Brigitte Jakobeit
Erscheinungsdatum: 24.08.2017
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendtaschenbuch (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur (gelesen im Rahmen einer Leserunde)

„Beware that girl“ ist ein Roman für Jugendliche ab 14 Jahren von der Kanadierin Teresa Toten. Im oberen Drittel des Covers sieht der am Buch Interessierte den Blick einer jungen Frau, der so wirkt, als ob sie etwas zu verbergen hätte. Darüber ist tiefgründig „Sie weiss alles über dich“ zu lesen. Mir stellte sich hier gleich de Frage, wer damit gemeint ist, was bereits eine gewisse Spannung noch vor Beginn des Buchs erzeugte. Die gesamte Gestaltung des Buchs in schwarz und taupe vor hellem Hintergrund wirkt geheimnisvoll. Im unteren Bereich des Covers ist die abendliche Silhouette einer Großstadt zu erkennen, gemeinsam mit den glitzernden Lichtern führte sie mich in die Welt der Upper Class Girls nach New York an die High School Waverly.

Kate und Olivia sind die beiden Protagonistinnen. Kate hat eine schwierige Kindheit erlebt. Aber sie ist sportlich und kreativ und eine sehr gute Schülerin, so dass sie Privatschulen für Mädchen über diverse Stipendien besuchen konnte.  Als Ziel hat sie sich gesetzt, einen Studienplatz in Yale zu erhalten. Ein späterer guter Job soll ihr eine gewisse Macht über andere Personen geben. Dafür bedient sie sich auch gern mal einer Lüge, um sich ins rechte Licht zu setzen. Im letzten Schuljahr an der für sie neuen Schule Waverly sucht sie bewusst nach einer betuchten Freundin mit Connections. Auch Olivia ist auf der Suche nach einer Freundin mit der sie zwar nicht über ihre Vergangenheit sprechen möchte, dafür aber auf seelische und moralische Unterstützung hofft. Sie hat ein Jahr aus zunächst unbekannten Gründen mit der Schule pausiert. Ihre früheren Freundinnen studieren bereits. Mit Kate scheint sie die perfekte Freundin gefunden zu haben. Ganz neu an der Schule ist aber auch der Direktor für Förderung und Modernisierung Mark Redkin. Sein Charme und sein gutes Aussehen erobern die Frauen. Und auch Olivia findet seine Anziehungskraft unwiderstehlich. Das ist Kate überhaupt nicht recht, weil damit ihre Rolle ins Wanken gerät.

Damit der Leser einen ungefähren Eindruck von der Geschichte des Romans erhält, finden auf der Rückseite des Buchs zwei Bücher Erwähnung, die ich aber bisher nicht gelesen habe. So konnte ich unbeeinflusst mit dem Lesen beginnen. Alle Kapitel sind mit Kate, Olivia oder dem Namen beider Protagonistinnen überschrieben, so dass man immer direkt weiß, auf wem im Folgenden der Fokus gerichtet wird. Kate erzählt dabei in den nur ihr gewidmeten Abschnitten in der Ich-Form. Der Prolog ist mit dem Namen der beiden Hauptfiguren überschrieben, doch die beschriebene Szene bleibt namenslos. Es steht lediglich fest, dass den beiden etwas Schreckliches zugestoßen ist. Kate und Olivia bleiben zu diesem Zeitpunkt unter sich, nahe kommen kann man ihnen nicht, aber man möchte schnellstmöglich erfahren, was sie erlebt haben. Darauf musste ich allerdings bis nahezu zum Schluss warten.

Die Autorin spielt nicht nur mit den Figuren, sondern auch mit dem Leser. Kate und Olivia wissen ihre Geheimisse geschickt voreinander zu verbergen und auch der Leser erfährt erst im Laufe der Erzählung warum die Charaktere die jeweiligen Mittel zur Verfolgung ihrer eigenen Ziele einsetzen. Von Beginn an konnte ich Mark Redkin nicht einordnen. Obwohl er hilfsbereit erscheint und tatkräftig seinem Job nachgeht, wirkt sein Handeln aufgesetzt. Teresa Toten arbeitet in ihrem Roman sehr gerne mit dem Stilmittel der Übertreibung und mit vielen Klischees. Beispielsweise verhält Olivia sich so, wie man sich ein reiches Mädchen vorstellt, das hauptsächlich damit beschäftigt ist, sich um sich selbst zu kümmern. Dabei denkt sie wie viele ihresgleichen im Roman so viel über sich nach, dass sie glaubt, zur Stabilisierung ihrer Psyche nur noch mit Tabletten leben zu können. Mark wird von der Autorin als unwiderstehlich gestaltet, dadurch wird dem Leser auffällig deutlich, wie sehr Olivia und Kate als junge Frauen gefordert sind, hinter die Fassade zu blicken. Ob ihnen das gelingt, ist neben der Frage die sich aus dem Prolog ergibt, spannungsfördernd bis zum Ende. An wenigen Stellen kommt es leider zu kleinen unlogischen Zusammenhängen.

Auch wenn Olivia und Kate meine Sympathie nicht gewinnen konnten, so haben doch die Geheimnisse der Hauptfiguren und der stille, aber emotionale Kampf auf psychischer Ebene der beiden untereinander einen Lesesog bei mir entwickelt. Der Roman endet in einem so nicht erwarteten Finale. Trotz kleiner Schwächen hat das Buch mir spannende Lesestunden geschenkt. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

Donnerstag, 14. September 2017

[Rezension Hanna] Beware That Girl. Sie weiß alles über dich - Teresa Toten


Beware That Girl
Autorin: Teresa Toten
Übersetzerin: Brigitte Jakobeit
Paperback: 400 Seiten
Erschienen am 24. August 2017
Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch

Inhalt
Kate kommt als neue Stipendiatin an die Waverly School, eine Privatschule an der Upper East Side in New York, welche die besten Chancen auf die Zusage eines Colleges erster Wahl bietet. Ihr großes Ziel ist Yale. Als Meisterin in der Manipulation anderer tut sie alles, um dieses zu erreichen. Olivia, die das letzte Jahr nach einer mysteriösen Auszeit wiederholt, scheint zu diesem Zweck die perfekte neue Freundin zu sein. Im Nu sind die beiden unzertrennlich. Doch Kate ist nicht die einzige Meisterin ihrer Kunst. Etwas Gefährliches ist im Gange, das ihr zum Verhängnis werden könnte.

Meinung
Das Cover zeigt eine Silhouette der Upper East Side, darüber die hart blickenden Augen eines Mädchens. Das könnte Kate sein, ihr Ziel fest im Blick. In einem kurzen Prolog blickt der Leser auf Kate und Olivia. Eine liegt im Koma, die andere harrt seit achtundvierzig Stunden an ihrem Bett aus. Wer der beiden wer ist, erfährt man erst einmal nicht. Meine Neugier im Hinblick auf diese Frage und wie es überhaupt zu dieser Situation kommen konnte, war geweckt.

Die Geschichte springt danach ein halbes Jahr in die Vergangenheit und man lernt Kate kennen, die neu an der Waverly School ist. Sie lässt den Leser an ihren Gedanken teilhaben und man erfährt schnell, dass sie einen konkreten Plan hat, wie sie die Menschen in ihrer Umgebung von sich überzeugt, um erfolgreich zu sein und als großes Ziel einen Platz in Yale zu erhalten. Der wichtigste Schritt auf dem Weg dorthin ist die für diesen Zweck perfekte beste Freundin. Ihre Wahl fällt auf Olivia – ihr Vater ist sehr reich und immer unterwegs, die Mutter tot, sie scheint leicht beeinflussbar und mit psychischen Problemen belastet. Gibt es da einen Zusammenhang mit ihrer Auszeit? Kate weiß auch das Schulpersonal zu bezirzen und schmiedet parallel einen Plan, um an die Schülerakten zu kommen und mehr zu erfahren. Immer wieder wird Kate außerdem von alten Erinnerungen heimgesucht. Sie scheint selbst ein großes Geheimnis in Bezug auf ihre Vergangenheit zu hüten. Wie auch in Bezug auf viele andere Fragen lädt das zum fleißigen spekulieren ein, was dahinter stecken könnte.

Die Kapitel aus Kates Sicht wechseln sich mit denen aus der Sicht Olivias ab. Hier erfährt man als Leser, dass ihr Kate als neue beste Freundin sehr gelegen kommt. Es ist daher wenig verwunderlich, dass die beiden bald wirklich unzertrennlich sind. Sie liebt es, Kate an der Welt der Reichen teilhaben zu lassen. Immer wieder gibt es auch Andeutungen, was im letzten Jahr vorgefallen ist, doch Olivia ist in Richtung des Lesers weniger offen als Kate. Es bleibt bei viel oberflächlichem Geplauder a la Gossip Girl, wo man einen Blick in das glamourös-gelangweilte Schul- und Partyleben der Teenager von New Yorks High Society erhält.

Immer wieder wird dem Leser etwas psychologische Spannung geboten im  Hinblick auf die Frage, wer eigentlich was im Schilde führt. Bald scheint es so, als wäre eine andere Person noch besser in der Manipulation anderer als Kate. Oder wird sie nur zunehmend paranoid? Die Geschichte dreht sich immer stärker um dieses Thema und dabei wird die Gefahr zunehmend greifbar. Ich fand es dabei allerdings nicht nachvollziehbar, wie leichtgläubig einige Personen agieren und die Entwicklungen in der Folge nicht sonderlich glaubwürdig.

Schließlich kommt es zu einem sehr abrupten Umschwung und es wird ein komplizierter Plan ausgeheckt. Das Handeln der Personen war für mich erneut wenig nachvollziehbar. Für den Showdown schlägt die psychologische Spannung dann gänzlich in Action um, was ich schade fand. Erst auf den letzten Seiten wird dann noch mal eine kleine Überraschung im Hinblick auf die wahren Absichten der Beteiligten geboten, was für mich ein guter Abschluss war.

Fazit
In „Beware that Girl“ kommt Kate als Stipendiatin an eine vornehme Privatschule der Upper East Side, wo sie durch geschickte Manipulation anderer ihr großes Ziel Yale erreichen will. Bald fragt man sich als Leser, wer hier eigentlich Einfluss auf wen ausübt. Doch viele Personen verhielten sich zu arglos, weshalb der Verlauf der Geschichte für mich zunehmend an Glaubwürdigkeit verlor. Dennoch fand ich das psychologische Spiel interessant und die Atmosphäre erinnerte mich an Gossip Girl, weshalb sich Fans der Serie das Buch genauer anschauen sollten.

Dienstag, 12. September 2017

[Rezension Ingrid] Oxen - Das erste Opfer von Jens Henrik Jensen


Titel: Oxen - Das erste Opfer
Autor: Jens Henrik Jensen
Übersetzerin: Friederike Buchinger
Erscheinungsdatum: 08.09.2017
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur (Leseexemplar)

„Oxen – Das erste Opfer“ ist der erste Band einer Thriller-Trilogie des Dänen Jens Henrik Jensen. Oxen ist ein eher ungewöhnlicher dänischer Nachname und entspricht dem deutschen „Ochse“. Titelgebend ist der Protagonist Niels Oxen, Anfang 40, Kriegsveteran und früher als Elitesoldat bei den Jägern. Eingesetzt wurde er unter anderem auf dem Balkan und in Afghanistan. Dafür wurde er mit höchsten Ehren ausgezeichnet. Aber seine Einsätze sind nicht spurlos an ihm vorbei gegangen und er ist tief traumatisiert. Erst im Laufe der Geschichte offenbaren sich alle Gründe, warum Oxen sich mit seinem Hund, einem weißen Samojeden, den Sommer über in den nordjütländischen Wald zurückgezogen hat und bereits vor etwa einem Jahr aus der Gesellschaft ausgestiegen ist. Dunkel und beklemmend wirken die Bäume auf dem Cover und sie geben sehr gut die Stimmung im Buch wieder. Im oberen Bereich des Titelbilds leuchtet dem Leser der Name des Protagonisten blutrot entgegen. Auch durch die Fallermittlungen, in die Oxen involviert wird, zieht sich eine blutige Spur.

Oxen’s Neugier bringt ihn eines Tages bei einem Streifzug durch die Gegend in die Nähe von Schloss Norlund. Er beobachtet seltsame Vorkommnisse auf dem Schlossgelände und schafft es nicht mehr rechtzeitig sich spurlos zurückzuziehen. Daher wundert er sich nicht, dass er einige Tage später von einem Trupp Polizisten in seinem Lager im Wald aufgestöbert wird. Widerwillig folgt er Kommissar Grube aufs Polizeirevier und erfährt hier vom Tod des Schlossbesitzers. Einer der Verdächtigen ist er selbst. Verwunderlich ist, dass sowohl der Polizeipräsident als auch die Spitze des Inlandsnachrichtendienstes PET beim Verhör anwesend sind. Sonderbarerweise erhält er vom Chef des Geheimdienstes ein Jobangebot, welches er nach einigem Zögern annimmt, auch weil das Gehalt ungewöhnlich hoch ist. Unterstützt wird er von Margrethe Franck, einer Mitarbeiterin des PET.

Oxen beginnt auf seine Art mit der Recherche. Obwohl er und Franck sich anfangs wenig mögen, bringt ihre Arbeit sie allmählich dazu, Vertrauen zueinander aufzubauen. Beide erhalten sich aber eine gewisse Skepsis dem anderen gegenüber. Der Fall stellt sich als zunehmend verzwickter dar. Delikte geschehen und werden verschleiert, doch die beiden geben nicht auf. Ihre Ermittlungen führen sie schließlich zu einem alten Geheimbund.

Mit Niels Oxen und Margrethe Franck hat der Autor zwei interessante Charaktere geschaffen. Nicht nur Oxen plagen Alpträume, sondern auch Franck, die zudem ein körperliches Handicap trägt. Bei Oxen hatte ich das Gefühl, dass er weiß, worauf er sich bei dem neuen Job einlässt. Anhand der Erfahrungen in der Vergangenheit als Soldat und einer kurzen Zeit als Polizeischüler versucht er mit seinem Verhalten, der jeweiligen Situation entsprechend zu handeln ohne anzuecken. Laufende brenzlige Situationen lassen sich dadurch natürlich nicht vermeiden.

Bereits der Text auf der Buchrückseite ließ mich als Leser wissen, dass Oxen von „sieben Dämonen“ heimgesucht wird. Jens Henrik Jensen zeigt mir damit eine hässliche Seite des Krieges auf. Auch mehr oder weniger unversehrte Kriegsheimkehrer haben meistens mit ihren Erinnerungen an all die Greuel zu kämpfen, die sie erlebt haben, viele ein Leben lang. Ganz nebenbei lernte ich außerdem mit dem Danehof ein Kapitel dänischer Geschichte kennen, dass mir bisher unbekannt war.

Der Autor baut den Thriller komplex auf. Es gibt mehrere Todesfälle, die miteinander verbunden werden wollen. Die Suche nach dem Motiv gestaltet sich schwierig. Für die Fallermittlungen entscheidend sind sowohl bei Oxen wie auch bei Franck Seilschaften auf die sie im Bedarfsfall zurückgreifen können. Gemeinsam ziehen sie Verbindungen die sie der Lösung über viele Umwege näher bringen. Einige mitwirkende Charaktere blieben bis zum Schluss undurchsichtig, auch der Zweifel an der Integrität der Figuren untereinander steigerte die durchgehende Spannung. Das Ganze endet in einem furiosen Finale.

Obwohl der Fall letztlich als aufgeklärt gilt, bleiben einige Dinge fragwürdig, so dass ich als Leser auf Antworten in den nächsten beiden Bänden hoffe. In verschiedenen Szenen werden Gewaltanwendungen beschrieben, das Buch ist also nichts für sensible Leser. „Oxen“ ist meiner Meinung nach zurecht ein Bestseller unter den Thrillern Dänemarks, darum erhält der Kriminalroman von mir eine Leseempfehlung.

Montag, 11. September 2017

[Rezension Hanna] Die Spur der Bücher - Kai Meyer


Die Spur der Bücher
Autor: Kai Meyer
Hardcover: 448 Seiten
Erschienen am 24. August 2017
Verlag: FISCHER FJB

Inhalt
Im viktorianischen London ist Mercy eine talentierte Diebin, die für ihre Kunden seltene Bücher beschafft. Der Bibliomantik hat sie abgeschworen, seit es einige Jahre zuvor zu einem fatalen Vorfall kam, für den sie sich die Schuld gibt. Doch nun steht ein alter Bekannter vor ihrer Tür und bittet sie, Nachforschungen zu einem mysteriösen Todesfall anzustellen. Ein Buchhändler und Nachbar ihres verstorbenen Ziehvaters wurde tot in seinem Laden aufgefunden – er ist verbrannt, während kein Buch zu schaden kam. Widerwillig folgt Mercy den wenigen Spuren. Bald muss sie feststellen, dass der Vorfall Teil einer weitaus größeren Angelegenheit voller Intrigen und Geheimnisse ist, bei der einige der einflussreichsten Menschen der Londoner Buchwelt ihre Finger im Spiel haben.

Meinung
Nachdem die „Seiten der Welt“-Trilogie von Kai Meyer mich begeistern konnte, habe ich mich sehr über die Nachricht gefreut, dass der Autor noch mehr über die Welt der Bibliomantik zu erzählen hat. Die neue Geschichte spielt im viktorianischen London und damit zeitlich vor den bislang erschienenen Büchern. Die Aufmachung ist erneut ein echter Hingucker: Das Cover passt in seiner Aufmachung super zur Trilogie und zeigt mit der Buchhändlerstraße einen wichtigen Handlungsort. Dort ist unter anderem das „Liber Mundi“ zu erkennen, der Buchladen des verstorbenen Ziehvaters der Protagonistin Mercy.

Das Buch startet spannend und temporeich mit einem Einbruchsversuch, den Mercy gemeinsam mit einigen Freunden unternimmt. Dabei geht sie jedoch Madame Xu, der gefürchtetsten und einflussreichsten Person von ganz Chinatown, in die Falle. Es folgen nervenaufreibende Dialoge und eine temporeiche, bibliomantische Jagd. Dieser fulminante Auftakt machte Lust darauf, mehr über Mercy und ihre Geschichte zu erfahren.

Im Anschluss macht die Geschichte einen Sprung von mehreren Jahren und man begegnet einer deutlich veränderten Mercy. Der Bibliomantik hat sie nach jenem fatalen Tag abgeschworen und auch viele alte Kontakte abgebrochen. Aus dem Mädchen, das sich für unbesiegbar hielt, ist eine junge Frau geworden, die vorsichtig und mit Berechnung agiert. Ihre Schuldgefühle bestimmen noch immer ihr Handeln. Ein mysteriöser Todesfall in der Buchhändlergasse sorgt dafür, dass ein alter Bekannter nun auf sie zukommt. Was er zu erzählen hat ist eine Überraschung von Mercy und es bewegt sie dazu, zum ersten Mal seit Jahren einen Fuß in ihr altes Leben zu setzen.

Auch wenn Mercy selbst keine Bibliomantik mehr wirkt, ist die Geschichte doch ein Zurückkommen in jene magische Welt, die mich schon zuvor fasziniert hat. Ich begegnete bereits bekannten Elementen der Bibliomantik wie dem Spalten von Seitenherzen und den lebenden Origamis. Gleichzeitig gibt es neue Dinge zu entdecken. Kreativ fand ich, dass auch mit Penny Dreadfuls, also billigen Romanheften, eine schwache Form der Bibliomantik gewirkt werden kann. Außerdem gibt es neue bibliomantische Artefakte wie den Veterator, grob gesagt ein geschwätziges Lexikon mit Füßen, und einiges mehr. Dem Autor gelingt es sehr gut, neue interessante Elemente in die Welt einzubinden und gleichzeitig die ins Herz geschlossenen Grundlagen nicht aus den Augen zu verlieren. Auch eine lose Verbindung zur Seiten der Welt-Trilogie kann man als Fan entdecken, während man als Neueinsteiger kein Vorwissen benötigt und auch nicht gespoilert wird.

Die Protagonistin Mercy habe ich schnell ins Herz geschlossen. Ihre Vorgeschichte konnte mich berühren und sehr gern begleitete ich sie bei ihrem Versuch, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Dabei wurde mir eine gute Mischung aus temporeichen Szenen vor mal imposanten, mal düsteren Kulissen zum einen und Gesprächen mit möglicherweise Beteiligten zum anderen geboten, die stückweise neue Erkenntnisse brachten. Das Finale ist spektakulär und bietet gleich mehrere Überraschungen verschiedenster Art, die das Buch gelungen abschließen. Einige Dinge sind aber noch offen geblieben, weshalb ich nun vorfreudig auf „Der Pakt der Bücher“ warte, was im Herbst 2018 erscheint.

Fazit
In „Die Spur der Bücher“ stellt Mercy Nachforschungen zu einem mysteriösem Todesfall an, bei dem eindeutig Bibliomantik am Werk war. Fans der Seiten der Welt-Trilogie wie ich können mit diesem Buch in die bibliomantische Welt zurückkehren und erleben eine eigenständige, absolut gelungene Geschichte mit einer guten Mischung aus Bekanntem und Neuem. Auch Neueinsteiger ohne bibliomantisches Vorwissen können und sollten hier zugreifen. Ein Muss für jeden, der Phantastik mag und Bücher liebt!

Donnerstag, 7. September 2017

[Rezension Hanna] Die Gleichung des Lebens - Norman Ohler



Die Gleichung des Lebens
Autor: Norman Ohler
Hardcover: 416 Seiten
Erschienen am 7. September 2017
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Inhalt
Im Jahr 1747 erhält das Mathematikgenie Leonard Euler von König Friedrich dem Zweiten einen ungewöhnlichen Auftrag. Friedrich will das Oderbruch, ein Sumpfgebiet östlich von Berlin, trockenlegen, um dort Flüchtlinge anzusiedeln und Kartoffeln anbauen zu lassen. Euler soll Realisierbarkeit, Dauer und Kosten berechnen – aber nicht in der Akademie, sondern vor Ort. Die Dimension der Aufgabe lasse sich dort erst richtig begreifen. So recht überzeugt ist Euler nicht, doch auf Befehl des Königs macht er sich auf den Weg. Die Arbeiten am neuen Kanal sind schon in vollem Gange und werden vom mysteriösen Tod des leitenden Ingenieurs überschattet. Ob Euler dieses Rätsel nicht lösen könne…? Gleichzeitig betrachten die Bewohner des Gebietes, die von der Fischerei leben, die Entwicklungen mit Sorge. Werden sie die Pläne unterstützen oder Widerstand leisten?

Meinung
Das ganz in grün gehaltene Cover des Buches zeigt die Sumpflandschaft des Oderbruchs und gibt einen Vorgeschmack auf den Schauplatz der Geschichte. Gleich zu Beginn wird ein Toter gefunden: Der Aufseher des Fischmarkts von Wrietzen findet den französischen Ingenieur für den neues Kanal tot im Wasser treibend. Als Todesursache wird ein Stich ins Herz festgestellt mit einer Waffe, wie sie nur die beiden Einflussreichsten Familien der Brücher besitzen. Beide weisen von sich, etwas mit der Sache zu tun zu haben. Doch die Zukunft des Bruchs führt bei ihnen trotzdem zu hitzigen Diskussionen.

Nach einem ersten Einblick, was im Bruch vor sich geht, springt die Geschichte nach Berlin und man trifft auf den Mathematiker Leonard Euler. Er lebt für die Wissenschaft und hat es bislang aus seiner Sicht erfolgreich vermieden, nach Sanssouci zu reisen. Doch nun muss er seine Forschung für einen Tag pausieren und dem Ruf des Königs folgen. Euler machte für mich den Eindruck eines leicht chaotischen Genies. Er geht an Neues kritisch heran und wird davon angetrieben, Dinge herausfinden zu wollen. Wenn die Sprache auf den König kommt ist er etwas mürrisch, doch im Grunde genommen ist er aufrichtig und wissensdurstig, weshalb ich ihn mochte.

König Friedrich lernt man bei Eulers Besuch als Visionär kennen. Er hat große Pläne und will, dass sie realisiert werden. Aufgeben ist für ihn keine Option. In seinem Plan rund um die Trockenlegung des Oderbruchs, die Ansiedlung von Flüchtlingen und der Nutzung des Bodens für den Anbau der frisch aus Amerika importierten Kartoffel ist Euler ein wichtiges Rad im Getriebe, weshalb er zur Recherche vor Ort ausgesandt wird.

Bald trifft auch Euler im Oderbruch ein und beginnt, sich umzuschauen. Gleichzeitig versucht er, unauffällig mehr über den Tod des Ingenieurs in Erfahrung zu bringen. Dem Autor ist es insbesondere bei allen Szenen im Oderbruch außerordentlich gut gelungen, die Atmosphäre einzufangen. Die schwüle Luft, das Surren der Mücken, das Schmatzen der Kutschenräder auf dem nassen Boden… die Szenerie wurde vor meinem inneren Auge lebendig. Ebenso wurden die Vor- und Nachteile der Trockenlegung gut dargestellt: Der Aufwand der Arbeiten am Kanal, die Verunsicherung der Fischer und die Hoffnung der neuen Siedler.

Als Leser erhält man einen umfassenden Eindruck der Situation. Die Handlung hätte aber noch straffer und schwungvoller erzählt sein dürfen. Viele einzelne Szenen lassen ein umfassendes Gesamtbild entstehen, doch die Ermittlungen zum Mordfall, der meine Neugier gleich zu Beginn weckte, geraten immer wieder in den Hintergrund und auch die Brücher brauchen lange, bis sie eine Entscheidung treffen und nach ihr handeln. Zum Ende hin erlebte ich schließlich einige Überraschungen und es wurde richtig spannend – ein gelungener Abschluss der Geschichte.

Fazit
In „Die Gleichung des Lebens“ wird Leonard Euler vom König ins Oderbruch geschickt, um Berechnungen anzustellen. Bald ermittelt er darüber hinaus in einem Mordfall und setzt sich mit dem Für und Wider einer Trockenlegung auseinander. Die Handlung hätte noch straffer sein können, während mir die Charaktere und die Darstellung der verzwickten Situation sehr gut gefallen haben. Eine atmosphärisch dicht erzählte Geschichte, die das Oderbruch vor meinem inneren Auge lebendig werden ließ. Historisch interessierten Lesern kann ich das Buch klar empfehlen!  

Freitag, 1. September 2017

[Neuheiten September 2017] Auf diese Bücher freuen wir uns

Hallo liebe Leser und Leserinnen,

auch im September warten einige potentielle Buch-Highlights des Jahres auf uns: Liebesromane, Spionage, Krimis, Fantasy, Schauergeschichten... aber schaut selbst!

Auch NEU: der 1. Buchblog-Award. Hanna und ich sind für den Sonderpreis nominiert. Über eure Stimme freuen wir uns RIESIG :D -------> http://www.buchblog-award.de/news/portfolio/buchsichten/ (Seite nach unten scrollen und die Hand klicken) DANKE!!!

Hanna freut sich auf...
     

Mein September ist blau-weiß mit einem Schuss rosa. ;-)
  • Sabine Schoder: So was passiert nur Idioten. Wie uns., FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, ET 21.09.2017 - Das Buch ist die Fortsetzung zu "Liebe ist was für Idioten. Wie mich." Ich hätte zwar nicht erwartet, dass es weitergeht, freue mich aber schon sehr darauf.
  • Morgan Rhodes: Falling Kingdoms. Eisige Gezeiten, Goldmann, ET 18.09.2017 - Endlich erscheint der vierte Teil der Serie. Gefühlt liegt immer eine Ewigkeit zwischen den Teilen, aber ich mag die Welt und die Charaktere und möchte deshalb weiterlesen.
  • Sten Nadolny: Das Glück des Zauberers, Piper, ET 01.09.2017 - Hier hat mich die Buchbeschreibung so sehr angesprochen, dass ich es unbedingt lesen möchte.
  • Stina Lund: Preiselbeertage, Rowohlt Polaris, ET 22.09.2017 - In diesem Buch reist die Protagonisten nach Jahren zurück in ihre Heimat Schweden. Ich habe letztes Jahr einen Roadtrip durch das Land gemacht und freue mich über ein Buch, das dort spielt und mal kein Krimi ist. ;-)
  • Antoine Laurain: Die Melodie meines Lebens, Atlantik, ET 12.09.2017 - Bislang haben mir alle drei übersetzten Bücher des französischen Autors sehr gefallen, darum freue ich mich über eine neue Geschichte aus seiner Feder.
Ingrid freut sich auf...


Bei mir gibt es im September wieder einen bunten Cocktail Bücher:
  • Alina Bronsky, Und du kommst auch drin vor, dtv junior, ab 12 Jahre, ET 08.09.2017, eine Romanhandlung klingt wie das Leben der 15-jährigen Kim, aber sie geht nicht gut aus. Muss Kim jetzt Angst haben? Sowas ähnliches ist mir auch schon passiert - Herzklopfen!

  • Brigitte Riebe, Marlenes Geheimnis, Diana Verlag, ET: 11.09.2017. Ich mag den Schreibstil der Autorin sehr. Diesmal spielt ihre Geschichte am Bodensee und sie nimmt mich mit ins letzte Jahrhundert. Ich liebe Familiengeheimnisse!

  • Arturo Perez-Reverte, Der Preis, den man zahlt, Suhrkamp Verlag, ET: 11.09.2017. Einen Spionageroman wie diesen habe ich lange nicht mehr gelesen. Das Buch spielt im Jahr 1936 (letztes Jahrhundert <3 ) in Alicante (in der Nähe mache ich gerne Urlaub :) Bin gespannt!

  • Benjamin Ludwig, Ginny Moon hat einen Plan, Harper Collins, ET: 11.09.2017. Die Protagonistin Ginny Moon ist 14 Jahre alt ... und hat eine Zwangsstörung. Mich fasziniert das immer wieder, vor allem weil doch fast jeder von uns irgendeinen Spleen hat, oder?

  • H.P. Lovecraft, Das Werk, Fischer Tor, ET: 21.09.2017. Das Buch heißt nicht nur umsonst "Das Werk", denn es ist eine illustrierte Prachtausgabe, also für mich auch etwas ganz, ganz besonderes. H.P.Lovecraft wird oft in einem Zug mit Edgar Allen Poe genannt. Obwohl ich sehr viel von Poe gelesen habe, kenne ich von H.P. Lovecraft bisher nichts. Auf mich warten phantastische Erzählungen vom Feinsten. Freu mich riesig drauf :D

  • Neil Shusterman, Scythe - Die Hüter des Todes,  1. von 3 Bänden, Sauerländer, ET: 21.09.2017, Leben in einer perfekten Welt. Es gibt keine Krankheiten mehr und keine Kriege. Die zu Scythe ausgebildeten Personen haben darüber zu entscheiden, wer wann sterben muss. Mir hat die Serie "Vollendet" des Autors sehr gut gefallen und ich finde, dass sich der Klappentext von Scythe schon sehr gut anhört.

  • Karen Sander, Bald stirbst auch du, 4. Band rund um die Ermittler Stadler und Montario aus Düsseldorf, Rowohlt Verlag, ET: 22.09.2017, Der vorige Band war sehr spannend - klar, dass ich in der Serie weiter lesen möchte!

  • Till Raether, Neunauge, 4. Band rund um den Ermittler Adam Danowski aus Hamburg, Rowohlt Verlag, ET: 22.09.2017. Auch hier gilt: ich bin gespannt wie es weitergeht
Kommt Ihr mit in unsere Welt der Bücher? Auf welche Neuerscheinungen freut ihr euch?

Liebe Grüße
Hanna & Ingrid

Samstag, 26. August 2017

[Rezension Hanna] Riders. Schatten und Licht - Veronica Rossi


Riders. Schatten und Licht
Autorin: Veronica Rossi
Paperback: 528 Seiten
Erschienen am 24. August 2017
Verlag: FISCHER FJB

Inhalt
Gideon Blake hat seinen Schulabschluss in der Tasche und ist seinem Ziel, ein Ranger zu werden, nun ganz nahe. Er nimmt am Auswahlverfahren RASP teil und schlägt sich dort bislang sehr gut. Doch dann geht ein Fallschirmabsprung schief. Gideon müsste tot sein, kommt aber mit schweren Knochenbrüchen ins Krankenhaus. Ein Wunder? Als er nach wenigen Tagen wieder fit ist, weiß er, dass etwas nicht stimmt. Dann taucht ein Mädchen auf, das behauptet, er sei der personifizierte „Krieg“, einer der vier Apokalyptischen Reiter. Und sie diejenige, die alle vier finden muss, damit die Menschheit nicht von Dämonen versklavt wird…

Meinung
Von Veronica Rossi habe ich bereits die Aria und Perry-Trilogie gelesen und habe mich deshalb sehr über die Nachricht gefreut, dass ein neues Buch von ihr veröffentlicht wird. Dass es um Apokalyptische Reiter geht wird schon durch das Cover signalisiert und klang für mich erst mal schräg, doch der Autorenname hat mich überzeugt. Neugierig, was es mit den Reitern auf sich hat, startete ich ins Buch.

Auf den ersten Seiten trifft man auf Gideon, der gerade aus einer Bewusstlosigkeit erwacht und sich selbst gefesselt und benommen vorfindet. Er wird einem Verhör unterzogen und soll von Anfang an ganz genau berichten, was ihm widerfahren ist. So taucht der Leser in Gideons Erinnerungen ein, beginnend mit seinem eigentlich tödlichen Fallschirmsprung und dem Erwachen mit übermenschlichen Fähigkeiten.

Gideons Geschichte ist temporeich erzählt und konnte mich schnell fesseln. Die Entdeckung seiner neuen Fähigkeiten übte auch auf mich eine Faszination aus und ich wollte mehr darüber erfahren, was er kann und wieso. Vieles findet er zunächst zufällig heraus, zum Beispiel kann er seine Wut auf die Menschen in seiner Umgebung übertragen. Bald trifft er auf Daryn, die behauptet, eine Seherin zu sein und die vier Apokalyptischen Reiter vereinigen zu müssen.

Nach dieser Eröffnung kommt es auch zur ersten Begegnung mit den Dämonen, durch welche Action in die Story kommt. Diese tauchen selten allein auf und bedeuten ordentlichen Ärger. Auch sie besitzen unterschiedliche Kräfte, die sie rücksichtslos einsetzen, um ihre Pläne zu verwirklichen. Die Dämonen tauchen immer wieder auf, für mich wurde allerdings nicht glaubhaft genug erklärt, warum sie sich die ersten Male immer so schnell zurückziehen, obwohl sie Gideon mühelos hätten überwältigen können. Erst im Laufe der Geschichte werden die Kämpfe spannender, wobei sich die Dämonen immer wieder ziemlich dämlich verhalten.

Nachdem Daryn Gideon gefunden hat machen sich die beiden daran, die anderen vier Reiter zu finden. Länger als ich zu Beginn dachte hat das Buch deshalb etwas von einem Roadtrip. Ich fand es interessant, nach und nach die anderen Reiter und ihre Fähigkeiten kennenzulernen. Ich fand die Idee der Autorin, jeden Reiter mit einer Waffe, einer Rüstung, einer Emotion, die sich auf andere auswirkt und natürlich einem Pferd auszustatten, sehr kreativ. Die Pferde spielen übrigens keine zentrale Rolle, sondern gehören einfach dazu. Wer mit Pferde-Büchern nichts anfangen kann, der sollte sich davon auf keinen Fall abschrecken lassen.

Das gemeinsame Training fand ich zunächst interessant, um die einzelnen Fähigkeiten besser kennenzulernen. Bald zog es sich für mich allerdings etwas hin. Während ich die taffe Daryn von Beginn an sehr mochte, verhielt sich vor allem Gideon auch als personifizierter „Krieg“ für mich zu machohaft, was ich nervig fand. Schließlich kommt es zu einem doppelten, spannenden Finale, in denen die Reiter zeigen müssen, was in ihnen steckt. Das Buch ist in sich relativ abgeschlossen, eine sehr wichtige Frage bleibt aber offen, sodass ich mich schon sehr auf den zweiten Teil dieser Dilogie freue!

Fazit
In „Riders. Schatten und Licht“ erwacht Gideon nach einem Unfall als einer von vier Apokalyptischen Reitern, welche die Menschheit vor Dämonen schützen sollen. Ich fand die Fähigkeiten und Beigaben, mit denen jeder Reiter ausgestattet ist, interessant. Für mich hätten sich die Dämonen aber noch etwas schlauer und Gideon etwas weniger machohaft verhalten dürfen. Wer Lust auf Fantasy mit Action und einem Hauch von Endzeit-Feeling hat, der ist bei diesem Buch richtig!


Freitag, 25. August 2017

[Rezension Hanna] Der Junge auf dem Berg - John Boyne


Der Junge auf dem Berg
Autor: John Boyne
Übersetzerin: Ilse Layer
Hardcover: 304 Seiten
Erschienen am 24. August 2017
Verlag: FISCHER KJB

Inhalt
In den 1930er Jahren wächst Pierrot als Sohn einer Französin und eines Deutschen in Paris auf. Sein bester Freund ist der taube Anshel, der spannende Geschichten schreiben und mit dem er sich auf Gebärdensprache unterhalten kann. Doch dann wird Pierrot zur Waise: Sein Vater begeht Selbstmord, und seine Mutter stirbt an Tuberkulose. Nach einem kurzen Aufenthalt im Waisenhaus holt ihn seine Tante zu sich. Sie arbeitet als Hauswirtschafterin auf dem Berghof, der Adolf Hitler gehört. Gerne möchte Pierrot ihm gefallen, auch wenn er nicht weiß, warum er sich dazu Peter nennen soll und Anshel nicht mehr schreiben darf. Mit der Zeit übernimmt er Hitlers Ansichten immer stärker und trifft folgenreiche Entscheidungen.

Meinung
Wie hätte es einem Jungen ergehen können, der im Umfeld Hitlers aufwächst? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Buch, in dessen Mittelpunkt Pierrot steht. Zu Beginn der Geschichte ist er sieben Jahre alt und wohnt in Paris. Für sein Alter ist er aufgeweckt, doch seine Familiensituation ist nicht leicht. Sein Vater hat im Ersten Weltkrieg gekämpft und versucht, die Erinnerungen mit Alkohol zu vergessen, was bei ihm aber auch zu Gewaltausbrüchen gegen Pierrots Mutter führt.

Nach der Beschreibung der Umstände, unter denen Pierrot aufgewachsen ist, wird auf wenigen Seiten der Tod beider Elternteile beschrieben und er wird zum Waisen. In der Schule, im Waisenhaus und auf der Fahrt zu seiner Tante erlebt er selbst, wie es ist, von anderen gehänselt und gepeinigt zu werden. Mit diesen Erfahrungen im Gepäck trifft er schließlich auf dem Berghof ein. Bis dahin wirkte Pierrot auf mich für sein Alter recht klug, in einigen Situationen handelt er aber auch unbedarft und naiv.

Pierrot empfindet es als große Ehre, auf dem Berghof wohnen zu dürfen. Er hat häufiger Gelegenheit, mit Hitler zu reden. Dadurch übernimmt er immer stärker dessen Ansichten, ohne sie zu hinterfragen, und entfernt sich dabei von den Personen, die ihm zuvor nahe standen. Ich hätte es gut gefunden, wenn dieser extreme Wandel noch mehr erläutert worden wäre. Wie konnten die Gespräche mit Hitler dazu führen, dass Pierrot sich so schnell und stark von seinen ursprünglichen Überzeugungen entfernt? Bald ist Pierrot nicht mehr wiederzuerkennen. Die Meinungen von anderen will er nicht hören. Schließlich kommt es zu einer Situation, in der er entscheiden muss, wem seine Treue gilt. Er trifft eine schockierende Entscheidung, nach der es kein Zurück mehr gibt.

Danach ist es beklemmend, zu erleben, was die Jahre mit Pierrot machen. Seine Entwicklung hat mich ins Grübeln gebracht darüber, wie intelligente Menschen, denen früh gute Werte vermittelt wurden, sich durch eindringliche Propaganda gänzlich verändern können und zu welchen Taten sie fähig sind. Die Botschaft, die das Buch vermittelt, ist bedrückend. Das Ende ist ein wenig versöhnlich und lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück.

Fazit
In „Der Junge auf dem Berg“ wird Pierrot nach dem Tod seiner Eltern von seiner Tante auf den Berghof von Adolf Hitler geholt, wo sie als Hauswirtschafterin arbeitet. Die Begegnungen mit Hitler machen Pierrot zu einem völlig anderen Menschen, welcher die Propaganda verinnerlicht und in schockierende Taten umsetzt, ohne sie zu hinterfragen. Ich hätte mir noch tiefere Einblicke in Pierrots Wandlung gewünscht. Das Buch gibt einen bedrückenden Einblick, was Propaganda auslösen kann. Ich kann es an Jugendliche und auch an Erwachsene empfehlen.

Donnerstag, 24. August 2017

[Rezension Ingrid] Und es schmilzt von Lize Spit


Titel: Und es schmilzt
Autorin: Lize Spit
Erscheinungsdatum: 24.08.2017
Verlag: S.Fischer Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen (Leseexemplar)

„Und es schmilzt“ ist der Debütroman der Belgierin Lize Spit. Das Cover des Buchs gaukelt dem Leser mit seiner blümchenhaften Gestaltung eine heile Welt vor. Doch so wie die Buchstaben auf dem Titel haptisch spürbar sind, hat das Leben in einem kleinen Dorf in Flandern tiefe seelische Wunden bei der Protagonistin Eva hinterlassen. Auf dem weißen, nach außen unbefleckt wirkenden Umschlag sind bei näherem Hinsehen Schmelzschlieren und Tautropfen zu erkennen. In der Geschichte verhält es sich ähnlich, denn erst wer hinter die Fassade schaut, wird das Hässliche erkennen.

Der Roman wird auf drei zeitlichen Ebenen in der Ich-Form durch Eva erzählt. Es ist Silvester 2015 und die Protagonistin folgt der Einladung eines früheren Klassenkameraden. Zum Schuljahrgang gehörten außer ihr nur noch zwei Jungen. Inzwischen wohnt sie in Brüssel. Sie war seit neun Jahren nicht mehr in ihrem Geburtsort, der ungefähr eineinhalb Stunden entfernt liegt. Vor der Fahrt packt sie sich eine Curverkiste mit gefrorenem Eis in den Kofferraum. Die Erzählung in der Gegenwart erkennt man an den Uhrzeiten, die dem Text vorangestellt sind. Unterbrochen wird die Geschichte zum einen von Rückblicken auf den Sommer 2002, die jedes Mal durch das Datum des Tags betitelt werden, zum anderen von den Erinnerungen Evas an Ereignisse aus ihrem Umfeld in Familie, Schule und Dorf, die eine treffende Bezeichnung als Überschrift haben.

Zunächst ließ mich die Autorin einen Blick auf ihre Familie werfen. Schon nach wenigen Seiten wurde mir klar, dass in Evas Jungmädchenwelt, vielleicht auch heute noch, nicht alles in Ordnung ist, denn sie fühlt sich unvollständig. Es ist schwierig für sie, das Gefühl zu erklären. Anders gesagt, hat Lize Spit dazu nur eine fadenscheinige Erklärung gefunden. Herhalten muss der bei der Geburt verstorbene Zwilling ihres älteren Bruders, der wohl auch für die Alkoholsucht ihrer Eltern verantwortlich gemacht wird. Deutlich wird herausgestellt, dass Eva in dem kleinen Ort kaum Möglichkeiten hatte, Freunde zu finden und daher für ihre Freizeitgestaltung und zur Behebung ihrer Langeweile auf die beiden Klassenkameraden Pim und Laurens angewiesen war.

Die Autorin glänzt mit ihrem Schreibstil, auch den Zeitgeist hat sie gut eingefangen, ihre Fantasie ist grenzenlos, aber ihre Charaktere verharren im eignen Dreck. Eva erzählt als 27-Jährige das, was sie als gerade Vierzehnjährige im damaligen heißen Sommer mit den beiden Jungen erlebt hat. Was ist so faszinierend an der Geschichte? Um dem Buch nicht die Spannung zu nehmen, wird auch im Klappentext kaum etwas von der Handlung angedeutet. Es sind die zu Beginn in den Text gestreuten Hinweise, die beim Leser Fragen hinterlassen wie beispielsweise der Sinn des Eisblocks im Kofferraum, die Todesursache des Bruders von Pim, der Grund für das auffällige Verhalten von Evas Schwester oder auch wieso am Wegrand des Dorfs ein Slip von Eva liegt. Natürlich wollte auch ich hierzu eine Lösung finden, lesend konnte ich aus meiner gesicherten Position voyeuristisch die Gründe entdecken.

Um es hier einmal deutlich auf den Punkt zu bringen: hinter der Fassade verbirgt sich Gewalt an einer Minderjährigen, aber auch an Tieren, verursacht durch Minderjährige! Das ist erschreckend! Tragisch ist auch, dass die Taten scheinbar keine Konsequenzen für die Beteiligten haben. Reue, Bedauern oder Einsicht werden nicht geäußert. Eva, Laurens und Pim haben erfolgreich geschwiegen. Ich hoffe, dass die Darstellung der Gewalt keine Nachahmer finden wird. Neben der 14-jährigen Protagonistin, die einerseits als kreativ und autodidaktisch dargestellt wird und dennoch nur der Langeweile entfliehen will, werden durchgehend die jungen Frauen des Dorfs als lüstern und mit wenigen Hemmungen dargestellt. Die Eltern sind mit sich selbst genug beschäftigt oder stehen im Selbstverständnis hinter ihren Kindern.

Eigentlich mag ich es, wenn der Autor eines Textes ganz nah an das Geschehen ran zoomt. Aber in diesem Roman beugt Lize Spit sich so weit vor, dass mir der Blick vor Augen verschwimmt und mir davon übel wird. Die Autorin selbst äußert sich nicht dazu, inwieweit die Schilderungen autobiografisch sind. Sie selbst ist gleichaltrig mit Eva und ebenfalls im Dorf aufgewachsen. Auf mich wirkt der Roman so, als ob sie sich etwas von der Seele schreiben wollte. Man muss dieses Buch nicht lesen und daher gebe ich auch keine Leseempfehlung. 
PS: Ich sehe den Roman als reine Fiktion an, die der Fantasie der Autorin entspricht und habe ihn als solchen bewertet. Sollten sich Personen aufgrund ihrer eigenen Erfahrung in der Geschichte wiedererkennen und Ähnliches erlebt haben, benötigen sie Hilfe. Eine Anlaufstelle dafür ist beispielsweise https://www.hilfeportal-missbrauch.de/startseite.html

Mittwoch, 23. August 2017

[Rezension Hanna] Vintage - Grégoire Hervier



Vintage
Autor: Grégoire Hervier
Übersetzer: Alexandra Baisch und Stefanie Jacobs
Hardcover: 400 Seiten (Foto zeigt das Leseexemplar)
Erschienen am 23. August 2017
Verlag: Diogenes

Inhalt
Der fünfundzwanzigjährige Thomas Dupré ist begeisterter Gitarrist, der sich als Schreiber für kleine Musikzeitschriften etwas Geld verdient. Zusätzlich hilft er gerade in seinem Pariser Lieblingsladen „Prestige Guitars“ aus. Der Besitzer überlässt ihm einen besonderen Auftrag: Er soll die wertvollste Gitarre des Ladens bei dessen Käufer in Schottland abliefern. Bei diesem handelt es sich um einen Lord, der mit Thomas einen Deal macht: Wenn er ihm hilft, einen Beweis zu finden, dass die legendäre Gitarre „Gibson Moderne“ tatsächlich gebaut worden ist, erhält er eine Million Dollar. Thomas stürzt sich begeistert hinein in eine abenteuerliche Suche, die zunehmend gefährlicher wird…

Meinung
Das Cover des Buches zeigt einen Gitarrenkopf, der die Suche nach der legendären „Gibson Moderne“ symbolisiert. Zu Beginn lernt man den Protagonisten Thomas kennen, in dessen Leben sich alles um Musik dreht und der mit fünfundzwanzig Jahren schon so einiges über Vintage-Gitarren weiß. Dementsprechend aufregend ist für ihn das Kennenlernen des schottischen Käufers der teuersten Gitarre des Ladens. Dieser ist ein leidenschaftlicher Sammler und Thomas bei seinem Besuch im siebten Himmel. Ich konnte gut nachvollziehen, warum das Angebot, nach der legendären Gitarre zu suchen, für ihn so verlockend klingt, dass er zusagt.

Auch wenn ich mich mit Gitarren und der Rockmusik der 50er, 60er und 70er nur oberflächlich auskenne, konnte mich Thomas Begeisterung anstecken und ich war neugierig, was seine Suche ergeben wird. Zunächst beginnt er mit intensiver Internetrecherche. Doch bald gibt es eine erste heiße Spur, und sein Sponsor schickt Thomas los, um vor Ort zu recherchieren. Engagiert macht er sich auf den Weg und trifft im weiteren Verlauf auf so manche spezielle Charaktere, die eins verbindet: Die Liebe zur Musik. Die einen agieren höchst professionell, die anderen machen von Beginn einen sehr zwielichtigen Eindruck.

Von Beginn an war klar, dass es keine einfache Aufgabe ist, einen Nachweis für die Existenz der „Gibson Moderne“ zu finden. Viele Gerüchte sind im Umlauf, dazu komplette Fälschungen, aber auch Modelle mit späterem Baujahr, die eben nicht zu jener ersten Auflage gehören, bei der nicht klar ist, ob sie nur auf dem Papier existiert oder gebaut wurde. Beim Lesen lernte ich so einiges über Gitarren und speziell die legendäre Moderne, was zu einem großen Teil auf Fakten beruht. Das meiste verstand ich als Laie, nur manchmal driften Thomas und seine Gesprächspartner in eine Fachsimpelei ab, die mir zu speziell wurde.

Für Thomas ist die Suche zunächst ein tolles Abenteuer, doch bald zeigt sich, dass das Ganze nicht ungefährlich ist. Eine echte Moderne wäre sehr wertvoll, sodass schließlich auch Emotionen wie Gier, Neid und große Enttäuschung eine große Rolle spielen. Hat er die Motive seiner Gesprächspartner richtig eingeschätzt? Wenn jemand für die Moderne über Leichen geht – wie weit ist Thomas dann selbst bereit zu gehen? Er gerät in gefährliche Situationen, welche mich gespannt weiterlesen ließen. Dabei wird die grundlegende Frage aufgeworfen, wie weit Leidenschaft und Begeisterung gehen und wo sie ihre Grenzen haben sollten. Nach einer längeren ruhigen Phase, in der viel recherchiert und schrittweise aufgedeckt wird, hielt der Schluss noch mal rasante Entwicklungen und Überraschungen bereit, was mit sehr gut gefallen hat.

Fazit
In „Vintage“ sucht Thomas Dupré im Auftrag eines schottischen Lords nach einem Beweis, dass im Jahr 1957 die legendäre Gitarre „Gibson Moderne“ tatsächlich gebaut wurde. Seine Suche lässt ihn Bekanntschaft mit höchst unterschiedlichen Musikliebhabern machen. Trotz gelegentlicher Fachsimpelei konnte ich Thomas‘ Faszination nachvollziehen und begleitete ihn neugierig auf seiner Reise, auf der es mitunter auch gefährlich wurde. Für Fans der Musik-Epoche ist der Roman ein Muss, aber auch wer grundsätzlich Lust auf eine unterhaltsame Suche hat, wird hier fündig.

Dienstag, 22. August 2017

[Rezension Ingrid] Die goldene Stadt von Sabrina Janesch


Titel: Die goldene Stadt
Autorin: Sabrina Janesch
Erscheinungsdatum: 18.08.2017
Verlag: Rowohlt Berlin (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen

„Die goldene Stadt“ von Sabrina Janesch ist Abenteuerroman und gelebte Geschichte gleichzeitig. Das peruanische Machu Picchu ist titelgebend, die Stadt, in der man ursprünglich große Goldvorkommen vermutet hat. Nach einer alten Sage wurde Gold nach einem bestimmten Ritual an einem Ort gesammelt. Dieser Ort wird als El Dorado bezeichnet und gilt als verschollen, Machu Picchu ist einer der möglichen Orte, wenn auch die Goldfunde nicht den Erwartungen entsprachen. Auf dem braunen Hintergrund des Covers findet man rund um die goldene Mitte in der Farbe taupe Ausschnitte einer Landkarte von Augusto R. Berns, der die Stadt etwa 1876 entdeckte.

Augusto R. Berns kam als Rudolf August Berns in Uerdingen als Sohn eines Weinhändlers zur Welt. Der Protagonist des Romans ist eine Person der Zeitgeschichte. Doch die Autorin schreibt hier keine Biographie. Durch einen Zeitungsartikel wurde sie 1911 auf den Deutschen aufmerksam, der Machu Picchu deutlich früher als bisher vermutet gefunden hat. Auf den Spuren der Stadt wurde ihre Neugier nicht nur von der Person des Entdeckers geweckt, sondern auch von dem Mysterium, das die goldene Stadt umgibt. Ich fand es eine gute Idee der eigentlichen Erzählung, das Entstehen des Romans voranzustellen. Schon auf den ersten Seiten wurde auf diese Weise auch mein Interesse geweckt. In einer Übersicht konnte ich die wichtigsten Daten im Leben von Augusto R. Berns nachlesen und daran im Laufe des Lesens die Handlung zeitlich eingeordnet. In ihre Erzählung hat die Autorin viele Fakten über Peru und seine Bewohner eingefügt.

Verfolgt man die Berichterstattung über die goldene Stadt im Internet kann man ahnen, welche Schwierigkeiten die Recherche der Autorin bereitet hat. Das unwirtschaftliche Gelände in den Anden bewahrt nicht nur das Geheimnis der Stadt, sie gibt auch wenige Informationen über die Menschen preis, die sich dort aufhielten. Sabrina Janesch hat viele Einzelheiten zusammengetragen, nach Verwandten gesucht, Wissenschaftler befragt und das Land bereist. Daraus entstanden ist ihre ganz eigene Vorstellung des Protagonisten Augustus Berns, der nach dem plötzlichen Tod seines Vaters und der Heirat seiner Mutter mit einem Kupferarbeiten den Schulbesuch abbrechen muss. Seine Träume von einem Leben als Entdecker in Peru muss er zunächst beenden, doch vergessen kann er sie nicht.

Die Familie zieht nach Solingen und Augustus wird in einer Regenschirmfabrik als Schlosser und Schmied ausgebildet. So viel er von seinem hart erarbeiteten Geld erübrigen kann, spart er, um seinen Traum doch noch ermöglichen zu können. Statt zum Militärdienst reist Augustus in die Niederlande und heuert auf einem Schiff nach Peru an. Um dort seinen Lebensunterhalt zu verdienen, tritt er dem peruanischen Militär bei. Die Erfahrungen seines Berufs kann er dort nützlich einsetzen. Er schließt Bekanntschaften, die ihm später von Vorteil sein werden und er lernt die Sprache des Landes.

Die Figur des Augustus, die die Autorin beschreibt, kann man sich gut vorstellen. Das Leben von Berns ist eine Abfolge von Erlebtem, erworbenem Wissen und Kenntnissen, Gelegenheiten, Glück aber auch Misserfolg. Sie füllt die Kindheit und Jugend des Protagonisten mit kleinen Episoden, die schon den Charakter des späteren Entdeckers erkennen lassen. Er ist gewitzt, neugierig und interessiert an allem, was mit Geologie und Technik zu tun hat. Schon früh entstehen in seinem Kopf Szenarien der Geschichte, die für ihn in langweiligen Stunden lebendig werden. Sabrina Janesch beschreibt Städte und Natur auf eine solche Weise, die auch für mich das Geschehen lebendig werden ließen. Leider war mir aber nicht immer klar, wann Augustus wie viel Geld zur Verfügung hatte. Die letzten Jahre Berns bleiben im Dunkeln.

Mit ihrem Buch „Die goldene Stadt“ ist Sabrina Janesch ein Mix aus Historie und Fantasie gelungen. Ihr Schreibstil liest sich mühelos. Obwohl mir Machu Picchu bereits ein Begriff war, habe ich die Stadt auf den Spuren von Augustus R. Berns nochmals neu entdeckt. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

Montag, 21. August 2017

[Rezension Hanna] Underground Railroad - Colson Whitehead


Underground Railroad
Autor: Colson Whitehead
Übersetzer: Nikolaus Stingl
Hardcover: 352 Seiten
Erschienen am 21. August 2017
Verlag: Hanser

Inhalt
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist die Sklaverei in den Südstaaten Amerikas ein fest etabliert. Cora wurde als Sklavin geboren und schuftet auf einer Baumwollplantage in Georgia. Ihre Mutter ist die einzige geflüchtete Sklavin der Plantage, die nie gefunden und vor den Augen der anderen zu Tode gefoltert wurde. Cora fühlt sich von ihr im Stich gelassen und ist unter den anderen Sklaven als zu meidender Sonderling bekannt. Bis sie eines Tages von Caesar angesprochen wird: Er habe Verbindungen zur Underground Railroad, einem Netzwerk, das Sklaven bei der Flucht unterstützt. Gemeinsam mit ihr will er die Flucht wagen. Nach einigem Zögern sagt Cora zu und erlebt eine Odyssee, die geprägt ist von vorsichtiger Hoffnung und schweren Rückschlägen.

Meinung
Das Cover des Buches zeigt ein düsteres, allein stehendes Haus unter einem Sternenhimmel. Etwa so habe ich mir die Stationen der Unterground Railroad vorgestellt, zu denen die Sklaven in der Dunkelheit von ihren Helfern gebracht werden und wo eine versteckte Falltür hinunterführt zu Schienen, auf denen Züge die Geflüchteten gen Freiheit transportieren. Denn der Begriff Underground Railroad wird in diesem Roman wörtlich genommen: Aus dem historisch belegten Netzwerk von Unterstützern, die Sklaven versteckten und sie über geheime Fluchtrouten in Sicherheit brachten wird in diesem Roman ein unterirdisches, in seiner Ausdehnung enormes Schienennetz für die Flucht.

Die Protagonistin Cora lernt man als Sklavin mit starkem Willen kennen, die das Risiko einer Flucht abwägt. Ihre Großmutter wurde in Afrika geraubt und starb als Sklavin, doch ihre Mutter ist vor Jahren geflüchtet und wurde nie gefunden. Andere Beispiele führen Cora jedoch vor Augen, welches schlimme Schicksal all jenen blüht, die gefunden werden. Ist es trotzdem einen Versuch wert?

Während Cora überlegt, lernt man ihren Alltag auf der Plantage kennen. Die kräftezehrende Arbeit, die Intrigen unter den Sklaven, die Grausamkeit und Willkür des Plantagesbesitzers und entsetzliche Strafen, die jeden einmal treffen. Auch wenn mir die historischen Fakten bekannt waren, hat es mich betroffen gemacht, die Szenen durch Coras Augen zu erleben. Dass Cora flüchten wird verrät schon der Titel, doch nach diesen Einblicken konnte ich umso besser verstehen, weshalb ihr die Entscheidung so schwer fällt und warum sie sich schließlich wie so viele vor ihr trotzdem dafür entscheidet.

Mit der Flucht kommt zur Dramatik eine Spannungskomponente hinzu. Wird das Vorhaben erfolgreich sein? Die Erlebnisse während der Flucht zeigten mir noch deutlicher, welches Schicksal den Geflüchteten bei Gefangennahme droht und ebenso denen, die geholfen haben. Immer wieder schöpft Cora vorsichtig Hoffnung, dass sich alles zum Besseren wendet. Dafür sorgen auch viele ganz verschiedene Menschen, die helfen wollen – ein großer Appell an Zivilcourage, die auch unter den widrigsten Bedingungen zum Glück nie gänzlich erstickt werden kann.

Doch der Rassismus und damit verbundene feindselige Übergriffe treiben Cora von einem Ort zum anderen. Ich hatte großen Respekt vor ihrer Stärke, die sie bei all dem zeigt. Ihre Erlebnisse führten mir eindringlich vor Augen, wie Menschen durch Propaganda und Rassendenken zu grausamen Taten getrieben werden, die sie in der vollen Überzeugung ausführen, im Recht zu sein. Kurze Kapitel geben Einblicke in die Gedanken von Menschen, denen Cora auf ihrem Weg begegnet, und ließen mich ihre Motivation besser verstehen, auch wenn sie oft verwerflich ist. Dem Autor gelingt es, dass bei all der Grausamkeit die Hoffnung bis zum recht offenen Ende nie ganz verloren geht, was für mich eine gelungene Botschaft ist.

Fazit
In „Underground Railroad“ wagt die Sklavin Cora die lebensgefährliche Flucht gen Norden. Ihre Erlebnisse auf der Plantage und auf der Suche nach Freiheit machten mich betroffen. Eindringlich berichtet der Roman von gelebtem Rassismus in seiner schlimmsten Form und Menschen mit Zivilcourage, die heimlich Widerstand leisten und Hoffnung geben. Das Buch lässt den Leser durch die Augen einer Sklavin aufs Geschehen blicken und hat mich ins Nachdenken gebracht nicht nur über die Sklaverei in Amerika, sondern über Rassismus im Allgemeinen. Ich kann die Lektüre klar weiterempfehlen.

Sonntag, 20. August 2017

[Rezension Ingrid] Die Überlebende von Lisa Gardner


Titel: Die Überlebende
Autorin: Lisa Gardner
Übersetzer: Michael Windgassen
Erscheinungsdatum: 21.07.2017
Verlag: rororo (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch

„Die Überlebende“ von Lisa Gardner ist der achte Fall der Serie um die Ermittlerin Sergeant Detective D.D.Warren  aus Boston. Obwohl ich bisher noch kein Buch der Reihe gelesen habe, konnte ich der Handlung mühelos folgen, vor allem weil die Autorin kaum auf die vorigen Fälle verweist. Sie informiert ausreichend über die aktuelle Zusammensetzung des Teams von D.D. Warren. Den Thriller widmet Lisa Gardner entsprechend dem Titel allen Überlebenden, zu denen die Protagonistin Flora Dane gehört. Das Cover zeigt bereits, dass es blutig zugeht.

Flora hat eine Entführung überlebt und steht im Mittelpunkt der aktuellen Ermittlungen. Sie ist auf einer Farm in Maine aufgewachsen und verließ ihr Elternhaus, um in Florida zu studieren. Dort wurde sie vor sieben Jahren von einem Trucker verschleppt, der sie in eine enge dunkle Kiefernkiste sperrte. Licht, Essen und Getränke gab es nur als Belohnung, wenn sie sich nach seinem Willen verhielt. 472 Tage war sie in seiner Gewalt; er starb bei ihrer Befreiung.

Jetzt lebt Flora in Boston. Seitdem sie ihre Freiheit wieder erlangte, hat sie sich ausgiebig mit Selbstverteidigung beschäftigt. Das Schicksal anderer entführter Frauen geht ihr sehr nah. Am Wochenende vergnügt sie sich in Bars, jedoch mit dem Hintergedanken nach potentiellen Tätern Ausschau zu halten. Sie verhält sich auffällig und aufreizend, die Folgen sind voraussehbar. Dank ihres Verteidigunstrainings meistert sie eine brenzlige Situation bei der jedoch ein Mann stirbt. D.D. Warren und ihr Team werden mit der Aufklärung des Verbrechens beauftragt. Flora ist wenig kooperativ, die Ermittlungen stocken. Und irgendwo im Hintergrund befindet sich jemand aus der Vergangenheit Floras, der noch eine Rechnung mit ihr offen hat ...

Das Buch ist aus zwei Perspektiven geschrieben. Einerseits erzählt Flora einiges was sie erlebt beziehungsweise erlebt hat in der Ich-Form, andererseits gibt es den allwissenden Erzähler der weitere Geschehnisse und die Ermittlungen beschreibt. Gleich zu Beginn schildert Flora im Rückblick ihre Gefühle die sie empfand als sie nach ihrer Entführung in der Kiste erwachte. Diese Situation wirkte beklemmend auf mich. Im zweiten Kapitel findet ein Verbrechen in der Gegenwart statt und schließlich beginnen im dritten Kapitel die Ermittlungen. Dabei sind Täter und Opfer bekannt und ich fragte mich, was jetzt denn noch folgen könnte, denn eigentlich war doch schon das Wichtigste geklärt. Aber Lisa Gardner versteht es gekonnt die Spannung noch weiter zu steigern und bis zum Schluss zu halten. Der Leser erfährt noch vor Auflösung des Falls von einem Sachverhalt den Flora in Bezug auf ihre Entführung verbirgt. Es trägt zum Erhalt der Spannung bei darauf zu warten, wann und ob Flora das Detail bekannt geben wird. Die Ermittlungen ziehen sich im mittleren Teil etwas in die Länge, während im Hintergrund die Gefahr längst nicht beseitigt ist und weitere Opfer vermutet werden können.

Gerade weil Flora aus einer gewöhnlichen Familie kommt und auch im Alltag unauffällig ist, wirkt ihre Entführung so furchterregend. Gekonnt spielt die Autorin mit der Angst einer Person vor Enge, Dunkelheit, Einsamkeit, Hunger und Durst. Lisa Gardener hat sehr gut zum Thema Verteidigungsstrategien recherchiert, denn sie überraschte mich mit einigen beschriebenen Aktionen. Das Verhalten ihrer Charaktere lässt sich vom Täter bis zum Opfer gut nachvollziehen. Mir gefiel es, etwas über das private Umfeld der Ermittlerin zu erfahren. D.D. Warren wird als Person gezeigt, die Ecken und Kanten hat und auch Gefühle zeigt.

Mich hat das Buch bestens unterhalten und für einige spannende und schaurige Stunden gesorgt. Für D.D. Warren und ihr Team besteht genügend Raum für weitere Fortsetzungen. Gerne empfehle ich das Buch an Thrillerfans weiter.