Mittwoch, 27. Mai 2020

Rezension: City of Girls von Elizabeth Gilbert


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City of Girls
Autorin: Elizabeth Gilbert
Übersetzerin: Britt Somann-Jung
Paperback: 496 Seiten
Erschienen am 27. Mai 2020
Verlag: S. FISCHER

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Vivian stammt aus einer wohlhabenden Familie, doch während ihres ersten Jahrs am renommierten Vassar College hat sie zur Enttäuschung ihrer Eltern keinerlei Ehrgeiz gezeigt und wurde freigestellt. Zu Hause wissen ihre Eltern nichts mit ihr anzufangen: Ihr Vater ist mit der Leitung einer Hämatit-Mine beschäftigt, ihre Mutter mit allem rund um Pferde und das Reitturniere. Deshalb wird sie zu ihrer Tante Peg nach New York City geschickt, der dort eine Theaterkompanie gehört. Das Leben in Pegs Wohnung ist ganz anders als ihr bisheriges Internatsleben. Begeistert taucht Vivian in die Theaterwelt ein und freundet sich mit dem Revuegirl Celia an, die ihr weitere Seiten der Stadt zeigt. Doch dann macht Vivian einen Fehler.

Das Buch beginnt im Jahr 2010 mit einem Brief, den Vivian erhalten hat. In diesem wird sie von einer Frau namens Angela gefragt, was Vivian für ihren Vater war. Um das zu beantworten möchte sie die ganze Geschichte erzählen und springt dazu ins Jahr 1940, in welchem sie nach New York City gezogen ist. Die Ankunft in der Stadt ist für sie ein höchst aufregendes Erlebnis. Nach Jahren im Internat und in feiner Gesellschaft staunt Vivian nicht schlecht über das Leben ihrer Tante Peg. Sie ist sorglos und lebenslustig, umgibt sich mit illustren Persönlichkeiten und ihr Theater bietet für kleines Geld leichte Unterhaltung für die Nachbarschaft.

Peg überlässt Vivian ein Zimmer in ihrer Wohnung über dem Theater, das sie sonst für ihren Mann Billy freihält, der aber nie da ist. Er arbeitet als bekannter Regisseur an der Westküste und die beiden sind nur noch auf dem Papier verheiratet. In der Wohnung ist nach der Abendvorstellung immer etwas los und Peg lässt einige aus ihrer Truppe bei sich wohnen, darunter auch das Revuegirl Celia. Niemand hat bestimmte Erwartungen daran, wie Vivian ihre Tage verbringt. Da sie von ihrer Großmutter das Nähen lernte, kümmert sie sich bald um die Kostüme und wird damit schnell als Teil der Kompanie angesehen.

Ich konnte Vivians Begeisterung rund um diese für sie neue Welt gut nachvollziehen und ließ mich von den Beschreibungen ihrer Tage und Nächte mitreißen. Peg und ihre Theaterfreunde sind faszinierende Persönlichkeiten, die engagiert bei der Sache sind, auch wenn ihre Stücke alles andere als hohe Qualität bieten. An Celias Seite entdeckt Vivian schließlich auch die Welt der Partys und sexuellen Abenteuer. Leidenschaft in all ihren Facetten spielt eine große Rolle und sie berichtet offen von ihren Erfahrungen.

Vivian ist keine besonders politisch interessierte Person, doch die Auswirkungen des Kriegs in Europa sind zunehmend spürbar. Peg lässt eine alte Freundin im Theater wohnen, deren Haus in England zerstört wurde. Ihre Schauspielkünste könnten dem Theater zu neuem Glanz verhelfen und Vivian findet in ihr ein neues Vorbild. Schließlich kommt es zum in der Buchbeschreibung angekündigtem Fehler, der vieles unwiderruflich verändert. Danach nimmt das Tempo deutlich zu. Das letzte Buchdrittel umfasst mehrere Jahre bis hinein in die 70er und beantwortet die eingangs von Angela gestellte Frage.

In „City of Girls“ taucht man an der Seite von Vivian ein in das pulsierende New York City des Jahres 1940. Die Theaterwelt kann sie begeistern, und ein Revuegirl zeigt ihr schließlich auch die wilden Seiten der nächtlichen Stadt. Eine schillernde literarische Reise, die ich von der ersten bis zur letzten Seite genossen habe!
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