Rezension von Ingrid Eßer
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Im Roman „Die Rätsel meines Großvaters“ des japanischen
Autors Masateru Konishi, in der gelungenen Übersetzung von Karina Hermes, löst
die Protagonistin Kaede erneut einige knifflige Kriminalfälle. Dabei hilft ihr
die geniale Logik ihres Opas, die verbunden ist mit einem festen Ritual, das teils von magischem Realismus umwoben ist. An
Kaedes Seite steht ihre Freundin Misaki, die wie sie als Lehrerin arbeitet. Zu
den handelnden Personen zählen Kaedes Kollege Iwata, zu dem sie sich hingezogen
fühlt, sowie dessen Freund, der Schauspieler Shiki. Die Figur des
Kriminalbeamten Agatsuma, der früher vom Großvater unterrichtet wurde, übernimmt
eine tragende Rolle bei den aktuellen Ermittlungen.
Sicherlich muss man den ersten Band der Reihe nicht
unbedingt gelesen haben, da der Autor wichtige Hintergründe erklärt. Allerdings
gibt es immer wieder Anspielungen auf die Vergangenheit der Hauptfiguren. Da
mir der erste Teil bekannt war, fand ich mich schneller in die Geschichte ein
als beim letzten Mal. Besonders hervorzuheben ist erneut die sensible
Darstellung der Demenzerkrankung des Großvaters, der Anfang siebzig ist. Ebenso ist wieder das typische
japanische Flair zu spüren, das sich vor allem durch den Umgang der Personen
miteinander zeigt, der geprägt ist von Respekt und Zurückhaltung. Die im Buch allgegenwärtige
Kriminalliteratur hingegen, aus dem der Großvater sein Wissen bezieht, ist international
geprägt.
Inhaltlich reicht das Spektrum der Fälle beispielsweise von
der Frage, ob es den Weihnachtsmann tatsächlich gibt, da er im Traum einer der
Figuren verschwunden ist bis hin zum schwierigen Versuch, drohende Selbstmorde
zu verhindern. Auch der rätselhafte Tod eines Polizisten wirft eine Reihe von
Fragen auf. Masateru Konishi sorgt ein ums andere Mal für unvorhergesehene
Wendungen. Die einzelnen Fälle sind in sich abgeschlossen, bleiben aber immer
mit der übergreifenden Erzählung um Kaede und ihren Großvater verknüpft.
Brisant wird es für Kaede, die gerade erst begonnen hatte, sich
von alten Wunden zu befreien. Sie rühren von einem lange zurückliegenden
Familiendrama her. Gerade erst öffnete sie sich etwas mehr, was sich auch an ihrer
Kleidung widerspiegelte, als die Vergangenheit sie erneut einholt.
Der zweite Band der Reihe, in der der an Demenz erkrankte Großvater der jungen Lehrerin Kaede in sehr unterschiedlichen kriminellen Fällen ermittelt, ist mit einem wunderschönen Farbschnitt ausgestattet. Im Buch Masateru Konishi fordert in „Die Rätsel meines Großvaters“, auch durch seinen ganz eigenen Schreibstil, den Lesenden dazu auf mitzuraten. Die Spannung wird durch einige unerwartete Entwicklungen gesteigert und findet darin ihren Höhepunkt, als Kaede im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.
