Freitag, 17. April 2026

Rezension: Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo

Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Einatmen. Ausatmen.
Autor: Maxim Leo
Erscheinungsdatum: 12.03.2026
Verlag: KiWi (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783462006513

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In seinem Roman „Einatmen. Ausatmen“ führt der Autor Maxim Leo die Lesenden an der Seite seiner Protagonistin Marlene Buchholz zu einem Achtsamkeitsseminar auf ein Brandenburger Schloss. Die dortige Academy wurde von dem Coach Alex Grow vor einigen Jahren gegründet. Er soll Marlene durch die beiden Kurswochen führen und ist eine weitere Hauptfigur der Geschichte.

Die 39 Jahre alte Marlene ist beziehungsarm, aber fachlich kompetent und immer für das Unternehmen da, in dem sie arbeitet. Ihr Karriereziel hat sie endlich erreicht: sie soll von der Abteilungsleiterin zur Vorstandsvorsitzenden befördert werden. Aber ihre Eignung für die neue Rolle wird von einigen Mitarbeitenden angezweifelt, weswegen ein Coaching sie optimal vorbereiten soll. Marlene hält die Schulung für unnötig und reist mit einer ablehnenden Einstellung an.

Alex Grow, dessen Nachname nur ein Alias ist, aber sinnbildlich für die frühere Entwicklung seiner Academy stehen kann, ist die Leichtigkeit beim Erteilen seiner Kurse abhandengekommen. Wehmütig denkt er an die Anfangszeit als Coach. In den letzten Jahren fiel es ihm immer schwerer, die Maschinerie seines Unternehmens mit etlichen Beschäftigen der unterschiedlichsten Berufe am Laufen zu halten. Wenn er es schafft, Marlene für ihre anstehende Aufgabe rechtzeitig in Form zu bringen, könnten die von ihrem Arbeitgeber in Aussicht gestellten Folgeaufträge seine Academy vor dem drohenden Bankrott bewahren.

Maxim Leo greift mit „Lifecoaching“ in seinem Roman ein aktuelles Thema auf, das inzwischen von vielen Unternehmen für ihre Angestellten in Anspruch genommen wird. Aber auch Personen, die im Beruf gestresst sind, suchen Hilfe und finden sie in Kursen, in denen Entspannungstechniken gelehrt werden. Auf der anderen Seite ist die Konkurrenz der Seminaranbieter steigend und zunehmend unübersichtlich. Die Handlung nimmt zwar Marlene und Alex in den Fokus, besitzt jedoch mit dem Hausmeister des Schlosses und einer 13-jährigen Umweltaktivistin weitere interessant gestaltete Figuren, die für ein abwechslungsreiches Geschehen sorgen.

Der Autor schreibt durchgehend kurzweilig, auch durch manche überzogene Darstellung. Die ungefiltert offene Art von Marlene sorgt ebenfalls für heitere Momente, ohne ihren Charakter abzuwerten. Gleichzeitig rührt er an Wunden im System des Coachings, die zum Nachdenken anregen. Einerseits wirft er die Frage auf, inwieweit jede und jeder sich verändern lassen möchte, um beruflichen Erwartungen gerecht zu werden. Andererseits zeigt die Geschichte auch die persönliche Seite eines Coachs, der selbst dem Druck ausgesetzt ist, Vorbild zu sein. Das ständige Messen an Mitbewerbern erfordert auch von ihm eine permanente Anpassung seiner Kompetenzen, was auf Dauer zunehmend erschöpfend ist.

„Einatmen. Ausatmen“ von Maxim Leo ist ein vergnüglicher Zeitvertreib und dennoch tiefsinnig. Mit den Beschreibungen über Leistungsdruck in Unternehmen, Achtsamkeitskursen und Selbstverwirklichung regt er dazu an, sich damit auseinanderzusetzen, was man selbst für wichtig im Leben erachtet. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

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