Rezension von Ingrid Eßer
Titel: Einatmen. Ausatmen.
Autor: Maxim Leo
Erscheinungsdatum: 12.03.2026
Verlag: KiWi (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783462006513
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In seinem Roman „Einatmen. Ausatmen“ führt der Autor Maxim
Leo die Lesenden an der Seite seiner Protagonistin Marlene Buchholz zu einem
Achtsamkeitsseminar auf ein Brandenburger Schloss. Die dortige Academy wurde
von dem Coach Alex Grow vor einigen Jahren gegründet. Er soll Marlene durch die
beiden Kurswochen führen und ist eine weitere Hauptfigur der Geschichte.
Die 39 Jahre alte Marlene ist beziehungsarm, aber fachlich
kompetent und immer für das Unternehmen da, in dem sie arbeitet. Ihr
Karriereziel hat sie endlich erreicht: sie soll von der Abteilungsleiterin zur
Vorstandsvorsitzenden befördert werden. Aber ihre Eignung für die neue Rolle wird
von einigen Mitarbeitenden angezweifelt, weswegen ein Coaching sie optimal
vorbereiten soll. Marlene hält die Schulung für unnötig und reist mit einer
ablehnenden Einstellung an.
Alex Grow, dessen Nachname nur ein Alias ist, aber
sinnbildlich für die frühere Entwicklung seiner Academy stehen kann, ist die
Leichtigkeit beim Erteilen seiner Kurse abhandengekommen. Wehmütig denkt er an
die Anfangszeit als Coach. In den letzten Jahren fiel es ihm immer schwerer,
die Maschinerie seines Unternehmens mit etlichen Beschäftigen der
unterschiedlichsten Berufe am Laufen zu halten. Wenn er es schafft, Marlene für
ihre anstehende Aufgabe rechtzeitig in Form zu bringen, könnten die von ihrem
Arbeitgeber in Aussicht gestellten Folgeaufträge seine Academy vor dem drohenden
Bankrott bewahren.
Maxim Leo greift mit „Lifecoaching“ in seinem Roman ein
aktuelles Thema auf, das inzwischen von vielen Unternehmen für ihre
Angestellten in Anspruch genommen wird. Aber auch Personen, die im Beruf gestresst
sind, suchen Hilfe und finden sie in Kursen, in denen Entspannungstechniken
gelehrt werden. Auf der anderen Seite ist die Konkurrenz der Seminaranbieter
steigend und zunehmend unübersichtlich. Die Handlung nimmt zwar Marlene und
Alex in den Fokus, besitzt jedoch mit dem Hausmeister des Schlosses und einer
13-jährigen Umweltaktivistin weitere interessant gestaltete Figuren, die für
ein abwechslungsreiches Geschehen sorgen.
Der Autor schreibt durchgehend kurzweilig, auch durch manche
überzogene Darstellung. Die ungefiltert offene Art von Marlene sorgt ebenfalls für
heitere Momente, ohne ihren Charakter abzuwerten. Gleichzeitig rührt er an Wunden
im System des Coachings, die zum Nachdenken anregen. Einerseits wirft er die
Frage auf, inwieweit jede und jeder sich verändern lassen möchte, um beruflichen
Erwartungen gerecht zu werden. Andererseits zeigt die Geschichte auch die
persönliche Seite eines Coachs, der selbst dem Druck ausgesetzt ist, Vorbild zu
sein. Das ständige Messen an Mitbewerbern erfordert auch von ihm eine
permanente Anpassung seiner Kompetenzen, was auf Dauer zunehmend erschöpfend ist.
„Einatmen. Ausatmen“ von Maxim Leo ist ein vergnüglicher Zeitvertreib und dennoch tiefsinnig. Mit den Beschreibungen über Leistungsdruck in Unternehmen, Achtsamkeitskursen und Selbstverwirklichung regt er dazu an, sich damit auseinanderzusetzen, was man selbst für wichtig im Leben erachtet. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.
