Sonntag, 5. April 2026

Rezension: Toxibaby von Dana von Suffrin

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Toxibaby
Autorin: Dana von Suffrin
Erscheinungsdatum: 12.03.2026
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783462009798
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Kurz nachdem „Toxibaby“ in Dana von Suffrins gleichnamigem Roman zu der Autorin Herzchen Goldberg in deren Zweizimmerwohnung im Münchener Stadtteil Giesing gezogen ist, fahren beide ins Blaue hinein nach Italien. Sie landen in einem kleinen Ort am Taro. Toxi hat eigentlich einen ungenannten altdeutschen Vornamen, aber sein Spitzname, den Herzchen ihm gegeben hat, spiegelt den Kern ihrer Beziehung wider. Ihr wird in den ersten Tagen der Reise bewusst, dass sie zwischen zwei widerstreitenden Gefühlen steht: Einerseits möchte sie mit Toxi ihr ganzes Leben verbringen, andererseits fürchtet sie, dass genau dieses gemeinsames Leben zum Scheitern verurteilt ist.

Aus der Gegenwart heraus schildert die inzwischen 37-jährige Herzchen, die als Ich-Erzählerin auftritt, von ihrer Beziehung zu Toxi, die sich inzwischen zu einer On-Off-Romanze entwickelt hat. Dreizehn Trennungen in drei Jahren sind es nach ihrer Zählung, wie man bereits auf den ersten Seiten erfährt. Seit dem letzten Beziehungsende hat sich jedoch das sonst übliche Ritual bis zur Versöhnung geändert, denn erstaunt stellt sie fest, dass Toxi sie nun wie ein vernünftiger Erwachsener ignoriert. Jede ihrer bisherigen Trennungen hat sich für Herzchen wie ein Kleinkrieg angefühlt, den sie am Ende verlor. Nun steht ein mehrwöchiger beruflicher Aufenthalt in der Schweiz bevor und mit ihm die Angst, dort allein zu sein.

Die besondere Stärke des Romans liegt in seiner differenzierten Figurengestaltung, in der sich exemplarisch die prägenden Erfahrungen und Eigenschaften der sogenannten Millennials widerspiegeln. Herzchen ist einige Jahre jünger als Toxi. Sie beschreibt sich selbst als impulsiv und als jemand, deren Gefühle sich schnell zuspitzen, die sie im Streit auch bewusst einsetzt. Toxi zu provozieren ist kein Zufall, denn es reizt sie, sich ihrer eigenen Freiheit ihm gegenüber zu versichern. Als Tochter eines bereits verstorbenen Chirurgen mit jüdischen Wurzen in Polen ist sie in München aufgewachsen. Ihre Mutter ist gebürtige Italienerin. Sie kennt von ihr eine gewisse Neigung, die sie auch bei Toxi feststellt.  Gemeinsam ist den beiden auch, dass sie mit ihren Handlungen kleinsten Widerstand leisten.

Toxis Attraktivität und seine Intelligenz findet sie anziehend, jedoch benötigt er viel Aufmerksamkeit, ist eher humorlos und wenig zur Selbstreflexion bereit. In einem Punkt unterscheidet sie sich deutlich von ihm: Toxi schreibt das Scheitern seiner Lebenspläne der Gesellschaft zu, wohingegen Herzchen glaubt, dass der Mensch selbst daran Schuld hat, weil er es sein Können und Wissen stets dazu einsetzt, sich mit anderen zu messen. Sie neidet es ihm, dass er in einer unaufgeregten, konventionellen Familie aufgewachsen ist. Die Werte, die beiden durch ihre Herkunft vermittelt wurden, haben sich bei ihnen tief eingeprägt.

Herzchen fehlt das Verständnis für die Lage ihres Freunds, dem sie ihrer Meinung nach jedwede Unterstützung gewährt und der doch nie zufrieden ist, was sich in Wutausbrüchen äußert. Ihre langjährige Freundin Daria, die eher nüchtern auf die Verbindung mit Toxi schaut, erdet sie, schafft es aber nicht, die festgefahrenen Muster der Vorwürfe aufzubrechen. Trotz der gewollten und ungewollten Konflikte hält Herzchen an der Beziehung mit Toxi fest, weil sie es für schwierig hält, ihn zu ersetzen. In diesem Punkt möchte man ihr Mut zusprechen, sich von ihm zu lösen. Ihr Wunsch nach Romantik und einer intakten Familie mit Vater, Mutter und Kind bleiben unangetastet. 

Vordergründig ist der Roman „Toxibaby“ die Geschichte einer ständig scheiternden Liebesbeziehung. Dana von Suffrin erzählt mit einem feinen Gespür für das Beziehungsgeflecht ihrer Figuren in einem durchgehend lockeren Tonfall mit Spuren von Ironie. Zunehmend gewährt die Protagonistin Herzchen einen Blick auf ihre Herkunft und ihre Ansichten, die ein tieferes Verständnis dafür geben, warum sie trotz ständiger Trennungen ihren Traum von einer Zukunft an Toxis Seite nicht aufgibt. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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