Rebekka Eder alias Rebekka Frank hat die Roman-Dilogie „Der
geheime Apfelgarten“ als Hommage an das Buch „Der geheime Garten“ von Frances
Hodgson Burnett geschrieben, welches sie als Kind gelesen und geliebt hat. Zwar
greift sie die Idee der verborgenen Obstanlage dieser Geschichte auf, aber ansonsten
ist selbstverständlich vieles anders: andere Figurenkonstellationen, ein anderer
Handlungsort und andere Handlungszeit.
Angesiedelt hat die Autorin ihre Erzählung auf der ehemaligen
Elbinsel Finkenwerder, die zu Beginn der Handlung im Jahr 1887 im Norden zu
Hamburg und im Südteil zu Preußen gehörte. Diese besondere politische Situation
fand ich sehr interessant. Die Landesgrenze spielte für die Inselbewohner im
Alltag kaum eine Rolle. Jedoch sind die Besitzer der größten Ländereien miteinander
zerstritten und die Hamburger Familie Rentfeld und die preußische Familie Loop achten
streng darauf, dass ihr Besitz nicht von der jeweils anderen Seite
überschritten wird.
Kea Loop ist fünfzehn Jahre alt und kümmert sich seit geraumer
Zeit heimlich um den Apfelgarten ihrer verstorbenen Mutter. Warum diese
gestorben ist und weshalb Keas Vater den Garten danach sich selbst überlassen
hat, bleibt zunächst ein Geheimnis und verleiht der Geschichte eine hintergründige
Spannung. Endlich ist es Kea gelungen, einen Apfel zu züchten, der sie an die
Lieblingssorte ihrer Mutter erinnert. Durch Zufall hat sich der Baum jedoch im
Garten der Rentfelds entwickelt. Kea scheut sich nicht, die Grenze zu
übersteigen, wird dabei aber von Kristen Focke beobachtet, einem Knecht des Hofes
auf der Hamburger Inselseite. Zunächst befürchtet sie Schwierigkeiten, stattdessen
springt mehr als ein Funke der Begeisterung für den Garten und den Apfel auf
Kristen über.
Aus der ersten Begegnung entwickelt sich eine zunächst etwas
sentimental geschilderte, wohl dem jungen Alter der beiden geschuldete Liebegeschichte,
die nicht nur die verschiedenen Landeszugehörigkeiten überwindet, sondern auch
die Standesunterschiede zwischen ihnen. Doch das Schicksal hat in den folgenden
fünf Jahre andere Pläne mit Kea und Kristen. Erst 1892 begegnen sich die beiden
wieder, gerade als auf Finkenwerder die Cholera ausbricht. Beide haben in
gewissem Maße Verantwortung für ihnen nahestehende Menschen übernommen und
hadern mit dem aktuellen Erlass, dass der Grenzübertritt bei Todesstrafe
verboten ist.
Neben der im Vordergrund stehenden Romanze mit Höhen und Tiefen vermittelt Rebekka Eder in „Der geheime Apfelgarten – Getrennte Welten“ einen anschaulichen Eindruck von den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit, lässt historische Fakten einfließen und gibt Einblicke in den Apfelanbau. Die Hommage an Frances Hodgson Burnetts „Der geheime Garten“ ist dabei erkennbar, auch wenn die Geschichte für mich noch nicht ganz an das große Vorbild heranreicht. Die zahlreichen offenen Fragen am Ende machen jedoch neugierig auf die Fortsetzung. Vielleicht rückt die Geschichte im zweiten Band noch näher an die bezaubernde Atmosphäre des Vorbilds heran. Gerne empfehle ich das Buch weiter,
