Sonntag, 8. November 2026

Rezension: Der Buchclub der eigensinnigen Frauen von Marie Bostwick

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Der Buchclub der eigensinnigen Frauen
Autorin: Marie Bostwick
Übersetzerin: Sonja Hagemann
Erscheinungsdatum: 01.10.2026
rezensierte Buchausgabe: Broschur mit gestalteten Klappen
ISBN: 9783989411524

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Anfang der 1960er Jahre entsteht in Nordvirginia, unweit der Hauptstadt der USA, eine neue Vorstadtsiedlung mit etlichen Regeln, die die Gemeindeverwaltung den Hausbesitzern vorschreibt. Die dreiunddreißigjährige Margret Ryan und ihre Familie sind stolze Bewohner eines der Häuser. Gemeinsam mit drei Nachbarinnen gründet Margret einen Buchclub. Die Clubmitglieder sind die Protagonistinnen im Roman „Der Buchclub der eigensinnigen Frauen“ von Marie Bostwick.

Die Idee für den Buchclub stammt zwar von Margret, die drei Kinder hat und deren Traum es ist, journalistisch tätig zu werden. In ihren Alltag hat sich eine gewisse Routine eingeschlichen. Sie fühlt sich zunehmend ihrer Mutter ähnlich, obwohl sie das stets vermeiden wollte. Bei der Auswahl der ersten Lektüre für den Club folgt sie dem Vorschlag der neununddreißigjährigen Charlotte, ebenfalls dreifache Mutter, diie sich gern als Malerin verwirklichen möchte. Auch die dreiundzwanzigjährige Bitsy, die wegen ihrer Heirat mit einem doppelt so alten Tierarzt ihren Studienwunsch aufgegeben hat, und die einundvierzigjährige Vivian, sechsfache Mutter und ehemalige Krankenschwester, lesen das gerade erschienene Buch „Der Weiblichkeitswahn“ der Feministin Betty Friedan. Darin werden die damals vorherrschenden gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen in Frage stellt, die sie häufig auf eine Rolle als Hausfrau und Mutter reduzieren.

Angeregt von ihrer Lektüre beginnen die Frauen, ihr bisheriges Leben zu hinterfragen. Jede von ihnen sucht einer Möglichkeit, die Kenntnisse, die sie besitzen beruflich anzuwenden oder den erlernten Beruf wieder aufzunehmen. Dabei stoßen sie auf verschiedene Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt. Beispielsweise ist es Frauen zu dieser Zeit nicht möglich, ohne die Zustimmung ihres Ehemanns ein eigenes Bankkonto zu eröffnen. Sie kämpfen um Gleichberechtigung, die Anerkennung ihrer Leistungen sowie die Würdigung all ihrer Kompetenzen. Zugleich ist ihnen bewusst, dass sie einer Bevölkerungsgruppe angehören, die über gewisse finanzielle Mittel, aber auch Unterstützung aus ihrem Umfeld verfügt und dadurch Möglichkeiten hat, die vielen anderen Frauen verschlossen bleiben. Die Autorin lässt immer wieder aktuelles Zeitgeschehen einfließen und verdeutlicht damit, wie eng die persönlichen Lebenswege mit den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen verbunden sind. Anhand von Margrets Ehe wird zudem die Perspektive des Ehemanns auf die Veränderungen in der Beziehung beleuchtet. Da sich die Freundschaft der Frauen zunächst eher langsam entwickelt und ihr familiäres Umfeld ausführlich beschrieben wird, weist die Geschichte anfangs einige Längen auf. Mit der Zeit nimmt sie jedoch Fahrt auf und führt für jede der vier Frauen zu einigen, manchmal unerwarteten Wendungen in ihrem Leben.

Der Roman „Der Buchclub der eigensinnigen Frauen“ von Marie Bostwick erzählt von vier Frauen, die sich in einer amerikanischen Neubausiedlung zusammenschließen, um den titelgebenden Club zu gründen. Dabei zeichnet sie ein Bild der damaligen weiblichen Lebensrealität und gesellschaftlichen Stellung. Die unterschiedlichen Lebenssituationen der Protagonistinnen zeigen, wie vielfältig die Wege zu mehr Unabhängigkeit sein können. Eine unterhaltsame Geschichte über den Zusammenhalt von Frauen und die Suche nach Selbstbestimmtheit, die deutlich macht, dass Gleichberechtigung keine Selbstverständlichkeit ist. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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